10. Nacht: Die Wäscherin bei St. Michael

Die Stadt Weiden besitzt so einiges an Kirchen. Eine davon, die St. Michaelskirche nahe des alten Rathauses, ist zur Weihnachtszeit der Schauplatz eines sehr speziellen Spuks.

Es heißt, wenn die Glocken während der Christmette zur Wandlung läuten, erscheint in der Nähe der Kirche eine Frau, begleitet von einem sehr unangenehmen Geruch. Sie kommt, um im Stadtbach Windeln zu waschen. Dieser allerdings fließt schon lange nicht mehr am Pfarrhof vorbei, sodass sie wohl inzwischen unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen muss.

Diese alljährliche Arbeit verrichtet sie zur Strafe, dass sie einst statt die Messe zu besuchen, ihre Wäsche machte. Wäsche und Rauhnächte vertragen sich ja bekannterweise nicht nur dann nicht so gut, wenn man dafür den Gottesdienst schwänzt… Auch diese Wäscherin hat ihre fehlende Vorsicht damals wohl nicht lange überlebt.

 

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1. Nacht: Friedhofkirche Neustadt/Waldnaab

Frontansicht der Kapelle; das Gebäude ist hellgrün gestrichen und hat einen kleinen Turm in der Mitte der schmalen Seite, über dem Eingang.

Das kleine Städtchen Neustadt an der Waldnaab ist mit vier katholischen Kirchen bei unter 6000 Einwohnern sehr gut bestückt.

Eine der vier ist die Friedhofkirche „Zur heiligen Dreifaltigkeit“, datierend aus dem Jahr 1662. Heute wird sie nur noch als Kapelle genutzt.

Tafel „Friedhofkirche Hl. Dreifaltigkeit/Erbaut im Jahre 1662 von Johann Kirchberger, Neustadt

Friedhof und Kirche befinden sich an einem Ort, an dem traditionsgemäß die nächste Welt ohnehin etwas näher liegt als üblich.

Wünscht man keinen Kontakt zu den Toten, sollte man den Friedhof, und insbesondere die Kapelle, während der Rauhnächte nach Einbruch der Dunkelheit meiden. Betritt man den Friedhof dennoch, wird man in der Kapelle Licht sehen.

Sollte ein Unerschrockener sich nun nähern und die Tür öffnen um einzutreten, wird er eine Gemeinde versammelt sehen, die gemeinsam Gottesdienst feiert. Die Gläubigen sind die Seelen der Verstorbenen des letzten Jahres. Auf dem Altar brennen unzählige Kerzen, daher kommt das Licht. Jede Kerze repräsentiert ein Mitglied der lebenden Gemeinde.

Möchte man vermeiden, mehr zu erfahren, als man möglicherweise wissen will, sollte man nun schleunigst den Rückweg antreten. Bleibt man jedoch aus Neugier als Zuschauer, oder hält einen die Furcht wie angewurzelt in der Tür, so kann es sein, dass man dort noch steht, wenn eine Kerze auf dem Altar erlischt.

Dann erhebt sich einer der Geister und nähert sich dem sterblichen Zuschauer. Dieser mag in dem Schemen einen geliebten Menschen erkennen, der im letzten Jahr gegangen ist.

Sofern er nun nicht doch die Flucht ergreift, wenn ihn die unnatürliche Kälte des Toten erreicht, wird ihm in einem Lufthauch ein Name zugeflüstert werden. Der Name desjenigen, dessen Kerze eben erloschen ist: Die erste Person, die im neuen Jahr der Gemeinschaft der Toten beitreten wird.

Seiten-/Rückansicht der Kirche; es ist zu sehen, dass der Altarraum die Form eines halben Achtecks hat. Im Vordergrund Gräber.

Alle Fotos sind von Wikipedia (By btr – Own work, GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2515509).