Ich kenne doch meine Atties…

„Schau mal“, sagt sie. „Hier. Die Seite sagt zwar die sind schon verkauft, aber vielleicht kannst du rausfinden wo sie sind. Die wären doch was für dich.“

Sie zeigt mir diese Website.

„Die hab ich.“

„Jaaa“, sagt sie. „Warum überrascht mich das nicht?“ dann holt sie Luft. „Aber schau dir das Bild mal an. Die sehen doch so schön erhalten aus! Wie sind denn deine?“

„Das sind meine.“

„In dem Zustand?“

Will sie es nicht kapieren oder kann sie nicht?“ Ich besitze die beiden Figuren auf dem Foto. Dieselben.“

„Neeein.“ Schulmeisterlicher Tonfall. „Dieselben gibt’s nur einmal, du meinst die gleichen.“

Vor allen Dingen verdiene ich meine Brötchen damit, dass ich unter anderem den Unterschied zwischen denselben und den gleichen kenne. „Die. Sel. Ben.“

Pause.

„Du hast die von der Website gekauft?“

„Nein.“

„Woher willst du das dann wissen?“

Depp, denke ich mir. Ich kenne doch meine Figuren…

Aber wenn es denn so schwer ist… Hier sind meine Figuren…

Und hier die Schäden: Nelsons Strumpf mit abgeblätterter Farbe…

nelsonstrumpf

Und ein dunkler Fleck an Wellington’s Brust.

attyfleck

Beides ist an den Figuren auf der Seite zu sehen…

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Und genau deswegen, übrigens, dokumentiert man in einer Sammlung alle Mängel, die ein Objekt hat, genau und mit Großaufnahmen. Kaum etwas ist individueller und hat größeren Wiedererkennungswert.

*

Nebenbei hatte ich den Wellington, schrecklich angestrichen und beschädigt, bereits ein Jahr vor dem Paar zu einem spottbilligen Preis bekommen (sonst hätte ich ihn in dem Zustand auch nicht genommen…)

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Als der Restaurator, dem das Stück vorgestellt wurde, steif und fest behauptete, das sei der Originalanstrich, war für mich klar, dass dieser Auftrag nicht erteilt wird. Ich wusste damals zwar nicht, dass diese Figur tatsächlich im „richtigen“ Anstrich existiert (meine Vermutung wäre einfach Bronzefarben gewesen), aber welchem Gemälde die Skulptur nachempfunden war, wusste ich doch… auch wenn er in die „falsche“ Richtung blickt.

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Vom Können und Nicht-Können

Eine Erinnerung – lange her. Ich male eine Zeichnung aus. Wir sind irgendwo unterwegs, ich beschäftige mich. Ich will anfangen, mein gerade gezeichnetes Pferd auszumalen, aber der braune Stift bricht ab. Ich habe keinen Spitzer dabei. Ich fange an, mich aufzuregen, weil ich das Bild nicht fertigmalen kann. Meine Mutter wirft einen Blick drauf und meint: „Muss das Pferd braun sein? Es gibt doch auch schwarze Pferde.“ Und schiebt mir den schwarzen Stift hin.

*

Ich habe zwei NT-Freundinnen. Von diesen ist eine blind. Da ergibt es sich, dass man gelegentlich gemeinsam vor einem dreidimensionalen Stadtmodell steht und das gemeinsam betrachtet.

So standen wir da dann auch mal wieder, und es näherte sich eine Mutter mit zwei Kindern. Eines der Kinder deutete auf die Punkte und fragte, was das sei. Die Mutter antwortete, die Punkte seien für Leute wie „die Frau dort“, die nicht lesen könnten weil sie blind seien.

Wir standen nahe genug, um das zu hören, und meine Freundin hatte wohl gerade Lust, Aufklärungsarbeit zu leisten.

„Entschuldigung“, sagte sie, „ich muss das jetzt korrigieren: Ich kann sehr wohl lesen. Ich lese diese Punkte.“

Die Kinder, wie Kinder halt so sind, waren sofort interessiert, fragten nach. Zum Glück hatte die Dame Zeit, denn ihre Kinder standen die nächsten 90 Minuten vor diesem Stadtmodell und lernten Braille lesen. Gut, mit den Augen, aber trotzdem. Nebenbei bekam die Mutter, die ziemlich schnell ebenfalls anfing, Fragen zu stellen, dann auch noch ein paar Erklärungen.

Mit heimgenommen haben die drei hoffentlich unter anderem die Information: Nur, weil jemandem die örtliche Mainstream-Methode nicht zugänglich ist, bedeutet das nicht, dass dieser jemand die Aktivität nicht ausüben kann. Vielleicht macht er sie nur ein bisschen anders…

*

Mit dem Können ist das allgemein so eine Sache.

Wenn ich nach China oder Japan reise, und dort die Schilder nicht entziffern kann, kann ich dann plötzlich nicht mehr lesen?
Wenn ein Mensch aus einem arabischen Land, der sein Leben lang arabisch geschrieben hat, nach Europe kommt – kann der nicht lesen? Mein inzwischen verstorbener Opa hat nie gelernt, Antiqua („unsere“ Buchstaben) zu schreiben, sondern schrieb sein Leben lang Fraktur (echte Fraktur, nicht dieses elende Sütterlin). Konnte der deswegen nicht schreiben?

Ich habe links nicht mehr ausreichend Feinmotorik, um einen Stift zu führen, rechts wesentlich mehr als meine Unterschrift gelernt. Ich tippe meine Texte in der Regel. Kann ich nun nicht schreiben?

Was ist zum Beispiel mit Stephen Hawking? Kann der nicht schreiben, weil er seine Bücher Zeichen für Zeichen in den Computer eingibt, statt einen Stift in die Hand zu nehmen? Aber Bücher geschrieben hat er trotzdem…

So einfach ist das mit dem Können oder Nichtkönnen also gar nicht, vor allem, wenn es um Generalisierungen geht.

 

Schreiben können. Lesen können. Zeichnen können…

 

In einer Zeit, in der es ausgefeilte OCR-Programme (Texterkennung) gibt, kann man so ziemlich jeden gedruckten Text einscannen und vom Computer in gesprochenen Text (oder eine andere Form der Ausgabe) umwandeln lassen. Ja, kleine Fehler entstehen noch immer, vor allem bei Namen, aber im Großen und Ganzen ist es kein großer Aufwand mehr, einen Text eigenständig lesen zu können, selbst wenn man die gedruckten Buchstaben nicht direkt in Bedeutung umwandeln kann. Egal, ob das nun daran liegt, dass man nicht den Text nicht sieht, oder irgendwo in der Informationsverarbeitung liegt, oder ganz Gründe hat.

In einer Zeit, in der es gute Spracherkennungsprogramme gibt – die auch an Akzent, Dialekt oder undeutliche Aussprache, ungewöhnliche Spracheigenheiten und Ähnliches mit relativ geringem Aufwand zu gewöhnen sind – muss niemand mehr einem Stift über das Papier bewegen oder buchstabieren können, um selbst zu schreiben.

*

Warum „hängen“ wir uns so oft an der Methode „auf“?

Warum lese ich im Blog einer Mutter, die laut eigener Aussage in der Arbeit für Autisten aktiv ist, ihr autistischer Sohn könne nicht zeichnen – Direkt unter einer Zeichnung, die derselbe Sohn angefertigt hat. Auf dem Computer. Im Grafikprogramm.
Der Text beginnt: „Obwohl er nicht zeichnen kann…“ (sinngemäß weiter: macht er Bilder am Computer).

Warum ist die Zeichnung, die am Computer erstellt wurde, aus Sicht dieser Frau keine Zeichnung?
Warum hat sie nicht den Wert einer Zeichnung mit Bleistift und Papier?
Warum nimmt sie die Methode wichtiger als das Ergebnis?
Warum kommen solche Aussagen, immer und immer wieder, von Leuten, die sich selbst als Unterstützer bezeichnen?
Ist solchen Leuten nicht klar, wie destruktiv diese Herangehensweise ist?
Welche Nachricht sendet das?
An ihren Sohn?
An andere Autisten?
An andere Leute allgemein?

Solche Aussagen haben meines Erachtens in dem Zusammenhang nichts verloren.

*

Immer wieder habe ich das Gefühl, dass wir vor lauter Fokus auf die Defizite gar kein Interesse daran haben, uns die Lösungen anzuschauen.

Vielleicht können wir uns das nächste Mal, wenn jemand mit der Mainstream-Methode nicht kann ja auch einfach mal fragen: muss er denn? Geht es nicht auch einfach anders? Das Pferd ist doch nicht weniger ein Pferd, wenn es schwarz statt braun ist…

*

Es kostet mich weniger als zwanzig Minuten, um einen beliebigen Computer mit einem neueren Windows (WIN95 wäre schwierig) und einem beliebigen Scanner so einzurichten, dass er jeden gedruckten Text in hörbare Sprache umwandelt.

Gut, ich bin dabei recht zügig, weil ich es schon oft genug gemacht habe.
Aber selbst jemand, der das zum ersten Mal macht, sollte nicht mehr als eine Stunde investieren müssen. Eine Stunde, damit derjenige, der Buchstabenketten – aus welchem Grund auch immer – nicht in Inhalt umwandeln kann eben doch lesen kann.

Zehn Minuten Installationszeit und dreißig Minuten Eingewöhnungszeit kostet es heute, um ein Diktierprogramm (Spracherkennung) zum Laufen zu bringen. Damit kann man nicht nur Texte eingeben, sondern den kompletten Computer steuern. Warum habe ich also erst gestern wieder einen Menschen im jungen Erwachsenenalter getroffen, der „nicht schreiben kann„?

Nebenbei: Wir verwenden, auch wenn wir durchaus selbst lesen und tippen können, beide Techniken gerne und viel bei der Arbeit.
Der „Mercedes“ unter den OCRs kostet 150 Euro.
Der „Mercedes“ der Spracherkennung kostet 130 Euro.
Mercedes fahren kann nett sein und lohnt sich sicher, wenn man damit „seine Brötchen verdient“, aber, um beim Autobild zu bleiben: zum Ausprobieren tut es auch der gebrauchte Golf.

*

Wir waren heute am Pferdeputzen, eine junge Dame, die öfter im Stall ist… gefühlt irgendwie unteres Ende Teenageralter … erzählte von einem Thema, das sie interessiert. Ich: „Ah, dann hast du ja sicher [Buchtitel] gelesen?“ – Die danebenstehende aufsichtführende mit Ohrstöpseln versehene, in exakt diesem Moment sich ein Hörbuch zu Gemüte führende Mutter: „Aber nein, sie kann doch nicht lesen!“

Nach einem sprachlosen Moment von mir: „Also dafür, dass Sie es nicht gelesen haben, kannten Sie das neuen Karen-Slaughter-Buch aber verdammt gut.“ (War ein Buch, von dem sie letztes Mal erwähnte, das Hörbuch gerade durch zu haben, und wir hatten uns etwas drüber unterhalten.)

Jetzt ist sie beleidigt.

Kleiner Unterschied

„Es tut mir so leid“, sagt mein „neuer“ Gallerist. „Ich finde diese Leiste einfach nicht. Ich habe alle Rahmenhersteller abgefragt, alles angeschaut, was es so gibt, diese Leiste ist komplett vergriffen.“

Das wäre extrem schade. Ich bin bereits am Nachdenken, was ich denn da jetzt am besten mache, da sagt er:

„Eine Anfrage habe ich jetzt noch bei einem aus Italien laufen, vielleicht hat der noch was passendes in Walnuss.“

„…Walnuss?“

„Ja, die Leisten Ihrer bisherigen Rahmen sind doch Walnuss.“

„Suchen Sie doch statt in Italien einfach mal nach Mahagoni…“

Der Blick war Gold wert.

(Merke: Nächstes Mal wenn ich den Galleristen wechsle, lasse ich einfach einen Beispielrahmen da, statt nur ein Foto eines solchen!)

Das Attyzimmer

Erinnert ihr euch an Janoschs Traumstunde?

Da hab es einen Cartoon mit Schnuddelbuddel und Schnuddelpferdchen. Schnuddelbuddel baute ein Haus. Im Lauf des Clips kommen immer mehr Zimmer dazu… Unter anderem heißt es da „…und ein […]Penthouse.“ (Nicht, dass ich damals gewusst hätte, was ein Penthouse ist…)

Meine Familie neigt dazu, die Bezeichnungen, die ich teilweise für unsere Zimmer verwende, zu kommentiren mit „…und ein Penthouse.“ Dann weiß ich: Das Haus klingt mal wieder größer, als es ist… und es ist doch eigentlich so schon recht groß. Und einige Räume dienen eben etwas speziellen Verwendungszwecken.

*

Da ich ja über eine Woche damit zugebracht habe, bzw. wir haben, mein „Attyzimmer“ in den aktuellen Zustand zu versetzen, möchte ich hier nun auch die Ergebnisse präsentieren.

Zunächst wurde der erste Satz Möbel gebaut – in Maßanfertigung, da in meinem Haus natürlich keine einzige Abmessung nach DIN ist.
(Der eigentliche Kniestock ist übrigens noch niedriger, was da zu sehen ist, ist eine Rigipswand, die ich eingesetzt habe, um mehr Luft zum Kabelverlegen usw. zu haben.)

Vorher

Nachher

Es folgte die Entscheidung: Was kommt nun rein? Auf jeden Fall musste dieser Kistenstapel abgebaut werden.

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In die hinteren Regale zunächst die Bücher, die ich nicht häufig benötige. Z. B. die Sammlung an Kinderbüchern.

Da wären etwa die Göttinger Jugendbücher – manche werden sich vielleicht dran erinnern. Ich finde, die waren ganz toll, und versuche, eine Komplettsammlung herzustellen.

Bei den Schneiderbüchern sammle ich nur die „ganz alten“ – d. h. die, die noch kein rosa Schneider-„S“ auf dem vorderen Buchdeckel haben. Das ist hier noch ausbaufähig.

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Und gemischte andere Kinderbücher, die ich nicht hergeben will, aus unterschiedlichen Gründen.

Außerdem die Komiksparte… (KOMIK, nicht Comic. Comic ist was anderes.)

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Und eine ganze Handvoll an Romanen. Die ich eventuell irgendwann nochmal lese.

In die hohen Regale kommen nach hinten ein paar Serien, die entweder nicht vollständig sind oder eigentlich veraltet, aber aufgrund der Illustrationen behalten werden. Aufgefüllt mit Zigarettenbilderalben.

Vorne – vorne müssen die Bücher hin, die ich doch öfter mal nutze.

Ja, doch, diese Bücher haben einen gemeinsamen Nenner!

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Hier ein paar Regale Vampire…

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Dort ein paar Regale gemischte Fantasy…

Zur Sprachverteilung ist es so, dass wir und bemühen, Deutsch, Englisch, Russisch in Bayern aufzubewahren (Russisch ist leider recht wenig da, die Bücher mit interessanten Inhalten sind nicht sooo leicht zu beschaffen, Bestellungen dauern lang und verschwinden häufig), während Französisch und Niederländisch in Belgien lebt. Wer genau hinschaut wird sehen, dass es nicht zu 100% funktioniert.

Was-ist-Was ist eine tolle Serie, die auch Erwachsene durchaus noch lesen können und die in keiner Büchersammlung fehlen sollte. Da es immer mal wieder Neuauflagen mit neuen, aktualisierten Inhalten gibt, sind einige Nummern mehrfach vorhanden.

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Und – natürlich – die Atty-Bücher. Eigentlich wollte ich ja gerne die Atty-Bücher und die Jack-Bücher hier haben… „Jack“ war einer von „Atty“s Offizieren, auf den meine Freundin steht, und über den ich als Gesprächsgrundlage auch lese, was ich in die Hand bekomme. Leider passten sie nicht mehr ins Regal, weswegen „Jack“ in die eigentliche Hausbibliothek umziehen musste. Ich hoffe, er fühlt sich dort wohl.

Der obere Bereich der Regale enthält Schubladen zur Aufbewahrung kleiner Atties,

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und – natürlich – meine ersten Atty-Vitrinen.

Momentan ist noch etwas Platz… .

Das ist der Rest der eingangs gezeigten Kisten. Ja… ganz reichte der Platz nicht aus! Was allerdings auch mit daran lag, dass wir den verbleibenden Rest Romane aus der unteren Bibliothek geräumt haben.

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Und weil mir gerade danach war, habe ich mir aus leeren Kartons eine kleine Theke gebastelt – oder zwei – und meine anderen Atties mal auch kurzfristig aufgestellt.

Es fehlen ein Rasiermesser und ein Löffel… von denen ich gerade keine Ahnung habe, wo ich sie hingelegt habe. Finde ich sicher irgendwann irgendwo…“Das Haus verliert nichts“ sagt man bei uns.

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Geplant ist ein weiterer Satz Regale entsprechend den jetzt vorhandenen auf der anderen Seite, sowie um Umstellen des Kamins mit hohen Glasvitrinen. Das OK vom Schornsteinfeger habe ich bereits.

fertig

*

 

The Arrow Man – C. J. Leyendecker & Charles Beach

Um die hundert Jahre ist es her, als in der Werbung in den Vereinigen Staaten eine spezielle Werbefigur auftauchte: der „Arrow Collar Man“.

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Arrow stellte Hemden her. Die Werbeposter – damals gemalt, nicht photographiert – zeigten einen jungen Mann, sehr männlich, gut gebaut unter seinen Hemden, sehr gepflegt und gut frisiert.

Der Arrow (Collar) Man startete seine Webekarriere auf Hemdenwerbung, aber er blieb dort nicht lange. Auf anderen (ebenfalls gemalten) Postern machte er in der Zeit zwischen den Weltkriegen Werbung für alles Mögliche. Socken. Football. Armee.

Man konnte ihm eigentlich nicht mehr ausweichen, dem Arrow Collar Man. Wer wollte das auch schon. Er war ja wirklich sehr schön anzusehen.

Irgendwann erschien er dann auch recht spärlich bekleidet – wir sprechen schließlich von den 1920er Jahren –, um für Rasierapparate zu werben.

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Was halten unsere Männer heute eigentlich von diesem Konzept?

Die Bilder kamen alle aus einer Feder – oder genauer gesagt: aus einem Pinsel. Noch genauer gesagt aus dem von Herrn Joseph Christian („J.C.“) Leyendecker.

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J. C. Leyendecker (1874 – 1951); Bild von Wikipedia (gemeinfrei)

Leyendecker, Jahrgang 1874, war gebürtiger Deutscher. Seine Eltern wanderten mit den beiden Söhnen Joseph und Frank 1882 in die USA aus. Beide Brüder zeigten ein Talent für die Kunst. Mit 16 war Joseph bereits als Maler und Graveur angestellt. Seine erste Auftragsarbeit bestand aus Bibelillustrationen. Abends nahm er Kunstunterricht.

1898 gingen beide Brüder nach Paris, um dort weiter Kunst zu studieren. Nach ihrer Rückkehr nahmen sie sich zusammen eine Wohnung und begannen ihre Karriere als Illustratoren. Sie stellten damals zahlreiche Coverbilder für Zeitschriften her.

Dann verlegten sich beide Brüder auf das zeichnen und malen von Werbung. In diesem Zusammenhang tauchte dann eben erstmalig der Arrow Collar Man auf, der sich von da an durch Leyendeckers komplette Karriere spannte.

Wie kein anderes Werbesymbol definierte er den eleganten amerikanischen Mann der 1910er und ’20er Jahre.

1914 zogen die Brüder in ein eigenes Haus mit Studio. Im ersten Weltkrieg machte der Arrow Collar Man Werbung für eben diesen – auf Rekrutierungsaufrufen. Nach dem Krieg folgten wieder andere Werbeplakate. Die 1920er Jahre waren erfolgreichste Zeit für Leyendecker, überschattet sicher vom Tod seines Bruders Frank im Jahr 1924.

Ab ca. 1930 gingen die Aufträge zurück. Die Werbebranche jener Zeit erholte sich nie vom Wall Street Crash 1929. Leyendecker lebte zurückgezogen. Es gab keine großen Partys mehr bei ihm. Er hatte weiterhin Aufträge, wenn auch nicht derselben Masse wie zuvor. Im zweiten Weltkrieg wurde er erneut als Maler von Militärpostern eingesetzt.

J. C. Leyendecker verstarb 1951.

Bald nach Leyendeckers Tod verschwanden seine Poster, seine Bilder mit dem Arrow Collar Man. Sie tauchten einfach nicht mehr auf. Leyendecker selbst wurde nicht mehr erwähnt. Man findet ihn kaum in der einschlägigen Literatur.

Warum, fragt man sich, verschweigt man einen Künstler, der eine zu ihrer Zeit geradezu ikonische Werbefigur geschaffen hatte? Eine Figur, die die Wahrnehmung des Männerbilds während ihrer „aktiven“ Zeit stark mit geprägt hatte? Einen Künstler, der auch noch für ganz andere Dinge verantwortlich war – schließlich stammte von ihm auch die Darstellung des Santa Claus in der standardisierten Form wie sie heute noch bekannt ist.

Nun, es dürfte wohl daran liegen, dass nach seinem Tod ein kleines Detail bekannt wurde.

Leyendecker wurde nicht nur von seiner jüngeren Schwester Mary Augusta überlebt, sondern auch von Charles Beach.

Charles Beach, der jahrzehntelang mit den Geschwistern Leyendecker zusammenlebte, ist oben zu sehen: Auf jedem einzelnen Poster. In J. C. Leyendeckers Testament sind er und Mary zu gleichen Teilen als Erben genannt.

Der Arrow Collar Man war keine erfundene Gestalt – und er war auch nicht irgendein Model.

Jahrzehntelang himmelte (ausgerechnet) die amerikanische Öffentlichkeit Leyendeckers Lebensgefährten an. Tja. Dumm gelaufen, für die amerikanische Öffentlichkeit…

Mit Ausnahme einer Biographie aus den 1970ern findet man erst in den letzten Jahren wieder Erwähnungen. Zumeist sind es Ausstellungskataloge. Weitere Werke gibt es in einigen amerikanischen Museen und auf http://www.americanartarchives.com, umfassende Abdrucke in dem unten genannten Werk aus dem Jahr 2008.

Michael Schau: J. C. Leyendecker, New York, 1974,

Laurence & Judy Goffmann Cutler: J.C. Leyendecker, Harry N. Abrams, 2008

…Where Credit is Due

Ihr kennt das… man ist im Internet, man kommt über ein Bild. Mal ist es ein Foto, mal ein Meme, mal eine Zeichnung, digitale Kunst, ein Gemälde… es ist super, man will es rumzeigen. Also linkt man auf dem eigenen Blog, der eigenen Website, auf Facebook drauf, man teilt es, man speichert es runter und lädt es selbst hoch.

Das machen doch alle so, nicht wahr? Da ist doch nichts dabei.

Ich bitte euch, kurz an Folgendes zu denken: In diesen Werken steckt Arbeit. In den einen mehr, in den anderen weniger. Aber Arbeit steckt in jedem. Kreativität, die Gedanken eines Künstlers der einen oder anderen Art.

Ich bitte euch nicht, keine Bilder mehr zu teilen, oder keine Bilder aus dem Internet auf eure eigenen Blogs zu laden.

Ich bitte euch aber darum, eine Quellenangabe hinzuzufügen.

Und zwar nicht auf die Seite, auf der Ihr das Bild gefunden habt, sondern auf den ursprünglichen Künstler.

Ich finde, das ist eine Frage von Respekt vor der Arbeit dieser Leute, und ein kleines Anerkenntnis, dass uns nicht alles gehört, was wir im Internet finden. Und wenn euch der Künstler ein paar Minuten Freude gegeben hat mit seinem Werk, könnt ihr ihm ein kleines bisschen zurückgeben: Besucher für seine eigene Website und sein Portfolio.

Außerdem hilft es auch wahnsinnig, wenn nun jemand anders das Bild sieht und sich denkt – Mensch! Das gefällt mir – das würde ich gerne kommerziell verwenden/ich möchte wissen, ob der Künstler auch Aufträge annimmt.
Passiert nicht? Doch, das passiert.

Einige denken sich jetzt vielleicht, selbst schuld: Warum verwenden Künstler keine Wasserzeichen oder Signaturen?

Darauf möchte ich antworten: Manche Bilder haben Wasserzeichen oder Signaturen, wurden aber so oft gespeichert, umgespeichert, runterskaliert, wieder vergrößert usw., dass diese nutzlos sind, weil man sie nicht mehr lesen kann. Manche Leute entfernen die Signaturen absichtlich, bevor sie die Bilder teilen. Ihr könnt also gar nicht sehen, ob ein Bild keine Signatur hat, weil es nie eine hatte, oder weil sie irgendjemand in der langen Teil-, Reblog-, Repost-Kette abgeschnitten oder übermalt hat. Vieleicht war sich der Künstler auch gar nicht bewusst, dass er eine braucht. Die Künstler unter euch wissen es sicher: Man traut der eigenen Arbeit immer am wenigsten zu. Einige denken sich dann auch, ihre Arbeit sei ja nicht gut genug, um überhaupt bemerkt oder geteilt zu werden, wozu also signieren?

Und dann ist es ja auch so: Wenn ihr am Straßenrand ein Auto stehen seht, die Fahrertür offen, der Schüssel steckt, der Fahrer ist nochmal schnell ins Haus gerannt… dann kämt ihr auch nicht auf die Idee, das Auto mitzunehmen. Obwohl es ja quasi eine „Einladung“ dazu ist. Da sind wir schließlich drauf konditioniert, das Auto als Eigentum eines Anderen wahrzunehmen. Im Internet fehlt uns diese Konditionierung zu einem großten Teil. Irgendwie gehört da gefühlt alles allen.

Entsprechend meine Bitte, auch bei einem unsignierten Bild den Urheber zu respektieren, und es nicht einfach zu verwenden.

IST JA, ABER WIE?

Berechtigte Frage. Das Bild hat ja nun schon mal keine Signatur, oder eine unlesbare Signatur. Wie sollen wir da den Urheber angeben?

Genau das möchte ich euch hier zeigen. Es ist nämlich gar nicht schwer.

Genau genommen ist es eigentlich recht einfach. Ich habe heute einer anderen Bloggerin in drei Arbeitspausen von jeweils weniger als zehn Minuten die Ausgangsquellen zu elf Bildern rausgesucht. Kein großer Aufwand – das ist allerdings auch eine Frage der Übung. Anfangs muss man etwas mehr mitdenken, da dauert es dann auch etwas länger. Aber es wird.


Quellenbestimmung bei unbekannten Bildern

Schritt 1:

Die URL des Bilds in die Zwischenablage holen.
(Geht schneller, als das Bild erst auf die Festplatte zu speichern)

– Rechtsklick auf das Bild.

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– In Firefox kommt dann das Menü aus meinem Screenshot. In anderen Browsern sieht das ähnlich aus. Der Eintrag Grafikadresse kopieren legt die URL in eure Zwischenablage.

Schritt 2:

Google öffnen. Ob .com, .de oder was ihr mögt, jedes Google geht

Schritt 3:

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Ist euch oben rechts dieser Eintrag schon mal aufgefallen, auf den hier im Screenshot der Pfeil zeigt? Nein? Dann findet ihr jetzt raus, wozu der gut ist. Bitte draufklicken.

Schritt 4:

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Der Bildschirm ändert sich ein kleines bisschen, Google heißt nun „Google Bilder“, und ein kleines Kamerasymbol erscheint neben dem Suchfeld. Da klickt ihr jetzt drauf.

Schritt 5:

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Es erscheint dieses Fester mit einem Eingabefeld unter „Bild-URL einfügen“. Dort kopiert ihr nun eure URL aus der Zwischenablage ein. Reinklicken, dann Strg-V drücken, und es sollte erledigt sein. Dann klickt ihr auf „Bildersuche“

Schritt 6:

Suchergebnisse sichten

Oben bekommt ihr nun die Kurzbeschreibung eures Bilds, Googles Vermutung, was darauf dargestellt ist, dann kommen „Optisch ähnliche Bilder“ und ganz unten das, was wir suchen: Nämlich die Liste der Websites, auf der dieses Bild steht.

Und siehe da: Nach ein paar Repost-Seiten kommt direkt die Deviant-Art-Seite des Künstlers. Die muss ich jetzt nur noch anklicken, und schon habe ich:

– Den Namen des Autors

– Den eigentlichen Titel des Bilds

– Eine Seite, auf der sich das Bild in der ursprünglichen Fassung befindet, also in der mit Sicherheit besten Auflösung, die ihr finden werdet usw.

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Gut. Das Bild ging wirklich leicht. Manchmal muss man die Suchergebnisse etwas genauer anschauen. Gerade, wenn zuerst gefühlte Millionen Pinterest-Einträge kommen, rentiert es sich, durchzuscrollen, bis etwas anderes kommt… Wie etwa hier:

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oder hier: (hier zwar schon ein Repost, aber unter dem Bild befand sich direkt ein Link auf die Künstlerseite):

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oder hier:

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Man entwickelt wirklich einen Blick dafür, was sich anzuklicken lohnt.


Und nun zuletzt noch für die Künstler und Fotografen unter euch: Ihr könnt die gleiche Methode natürlich auch verwenden, um mal zu schauen, wo eure Bilder überall so rumgekommen sind.

Würde ich vielleicht sogar empfehlen. Der Großteil der Leute online hat zwar echt keine bösen Gedanken dabei, ein Bild zu kopieren, aber es gibt auch ein paar andere und der eine oder andere hat seine Werke schon mit großer Überraschung auf T-Shirts wiedergefunden.

Vermessen

habe ich mich.

Bzw. nicht so wirklich… Aber angenommen, die Größe des Bilds sei in cm. angegeben.

Als es geliefert wurde, und ich die Größe des Pakets sah, schwante es mir schon…

Es waren Zoll…

Fast fertig

Eigentlich wollte ich ja heute im Haus einiges erledigen.

In der Tat habe ich den Wasserhahn in der Küche repariert (dringend notwendig), neun im letzten Jahr erworbene und gerahmte „Atties“ (zwei modern, sieben alt) im Essezimmer an die Wand geschraubt sowie zwei Aquarelle im Wohnzimmer aufgehängt; die Aquarelle sind Studien Wellington/Napoleon, und damit hängt nun ein Napoleon und ich habe einen „Arthur“ gut. Mein Mann hat nämlich irgendwann mal angeordnet, sollte ich ihn jemals aus versehen „Arthur“ nennen, muss ich „zur Strafe“ einen Napoleon an die Wand hängen. Mal schauen, wann der erste blöde Kommentar kommt weil nun einer hängt, aber die beiden Bilder gehören eben zusammen.

Ein „Atty“ muss noch an die Wand, mir sind die Haken ausgegangen, und die beiden ersten „Abonnementatties“ müssen ebenfalls noch aufgehängt werden. Das kommt morgen früh noch dran. Zum Baumarkt muss ich eh nochmal, denn die „Geier“ waren ebenfalls fleissig und haben meinen letzten Zollstock zu Kleinholz gemacht. Davon war ich jetzt weniger beeindruckt…

Absolut zum schreien komisch: Der Versuch eines Graupapageien, das Geräusch eines Schlagbohrers zu imitieren (nein, es haut nicht hin, aber es klingt sehr lustig. Ein bisschen wie bei einem kleinen Kind, das versucht. Werkzeuglärm nachzumachen)

Mann und Kuschelpferd haben sich gemeinschaftlich ungeplant auf die Wiese gelegt, Ergebnis: Pferd erschrocken, Mann wird auf der unten gelandeten Seite sehr farbenfroh. Kaputtgegangen ist zum Glück an keinem der beiden was.

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Moderne „Atties“: Links Bleistiftzeichnung von Soni Alcorn-Hender, 2015 zum Jubiläum der Schlacht von Waterloo (Portugal), Rechts Aquarell von Lautir (Italien)
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Es fiel endgültig die Entscheidung: Die Schmalseiten des Raums müssen mit benutzt werden, und die Fensternische wird ebenfalls be-atty-t

Die Bilder aus der Fensternische. An dem linken Portrait finde ich den Übergang zwischen Detail und Strichzeichnung toll; das rechte ist eine Karikatur von John Doyle, altkoloriert.

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Kolorierter Stich „Marquis Wellesley, Herzog von Ciudad Rodrigo, Commander en Chef der Aliierten Streitkräfte in Spanien und Portugal; Leipzig, vor 1814.
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Bild von einem Zigarrenkästchen
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Tuschezeichnung, erworben bereits 2015 aber erst ’16 restauriert und gerahmt.
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Das Studienpaar im Wohnzimmer.

Und ja, die Rahmen haben eine Bedeutung: Alles, was in schwarzer Lackleiste gerahmt ist, datiert in unsere Zeit; „alte“ Sachen bekommen die dunkelbraune Holzleiste. Bei der Tuschezeichnung bin ich mir noch nicht sicher, ob mir das farbige Passepartout wirklich gefällt.

Frida Kahlo

Da wir offenbar noch nicht genug Kuschel- und Dekokissen haben, musste mal wieder Nachschub her. Wenn man dann noch Bezüge findet, die zum einen interessante Motive haben und zum anderen vom Material bzw. der Textur her noch nicht vorhanden sind, ist die Kaufentscheidung schnell getroffen. Und da wir uns eh nicht entscheiden konnten, welches Motiv wir wollten, ist es auch praktisch, dass wir sowieso zwei Wohnorte auszustatten haben.

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Die auf den Bezügen dargestellte Frau ist Frida Kahlo de Rivera (1907-1954), eine mexikanische Malerin. Ihr Wert wird häufig dem Surrealismus zugerechnet, auch wenn sie selbst dieser Einordnung nicht zustimmte. Ihr Stil erinnert oft an naive oder volkstümliche Malerei.

Ihr Vater stammte aus Deutschland, wanderte nach Mexiko aus und nahm mit der mexikanischen Staatsbürgerschaft auch den spanischen Vornamen Guillermo (Wilhelm) an. Von ihm lernte Frida das Malen und Fotografieren.

Im Alter von 18 Jahren wurde Frida bei einem Busunfall schwer verletzt. Zwar erholte sie sich wider Erwarten zunächst fast vollständig, doch begleiteten sie die Folgen der schweren Verletzungen zeitlebens. Besonders traf es sie, dass sie nicht mehr in der Lage war, ein Kind auszutragen. Sie hatte mehrere Fehlgeburten und musste schließlich den Wunsch nach einem Kind aufgeben. Spätfolgen führten schließlich auch zur Amputation ihres rechten Fußes.

Ihre Ehe mit Diego Rivera, einem viel älteren mexikanischen Künstler, hielt zunächst zehn Jahre. Nur ein Jahr nach der Scheidung heirateten sie erneut.

In einem Umfeld, in dem die Rolle der Frau sehr eng definiert war, sprengte Frida die Grenzen. Sie trank, sie rauchte, ihr Sinn für Humor war derb, ihre Bilder fielen in Stil und Motiven aus dem Rahmen des üblichen. Sie trug Männerkleidung, schnitt sich auch schon mal die Haare kurz und betonte in ihren Selbstportraits oft Damenbart und Augenbrauen, was gar nicht dem weiblichen „Schönheitsideal“ entsprach. Bereits in einer Fotoserie  ihres Vaters aus dem Jahr 1926 ist Frida neben ihren Geschwistern im dreiteiligen Herrenanzug  zu sehen, komplett mit allen Accessoires.
Andererseits trat sie jedoch auch absolut feminin in mexikanischer Tracht und mit dem Schmuck der Ureinwohnerinnen auf und stellte sich so dar.

Frida Kahlos Werk wurde von der mexikanischen Regierung zum nationalen Kulturgut erklärt. Eines ihrer Bilder ist aktuell das am teuersten verkaufte Werk eines Malers aus Lateinamerika. Ihre Bilder haben häufig einen Bezug zu ihrem eigenen Leben, und insbesondere zu allem, was in diesem schwer oder schmerzhaft war: Der Unfall, die Fehlgeburten, die Untreue ihres Mannes und vieles mehr.

Es gibt zahlreiche Biographien und biographische Filmwerke zum Leben von Frida Kahlo. Empfehlen würde ich den Spielfilm Frida mit Salma Hayek in der Hauptrolle. Er basiert auf einer Biographie von Herrera und ist gleichermaßen Dokumentation und Unterhaltungsfilm.

 

Hayden Herrera: Frida Kahlo, Malerin der Schmerzen, Rebellin gegen das Unabänderliche, Scherz, München, 1983

Hayden Herrera: Frida Kahlo. Ein leidenschaftliches Leben, Scherz, Bern 1995