Der „wii-Empfänger“

Falls ihr eine Wii habt, kennt ihr möglicherweise dieses Problem: Man würde gerne mal woanders als am heimischen Fernseher spielen…

…das geht aber schwer, weil man dazu diesen „Empfänger“, den man mit dem mitgelieferten Klebstreifen mittig oben oder unten am Fernseher befestigen musste, abfriemeln und mitnehmen müsste, und der hält dann irgendwann nicht mehr, und… und… und…

Und so bleiben die meisten  Wiis auf einen einzelnen Bildschirm beschränkt, obwohl es doch so einfach wäre:

Das von vielen als „Empfänger“ oder „Sender“ wahrgenommene Gerät, diese kleine Leiste, die eben an den Bildschirm geklebt wird, hat nämlich in Wirklichkeit gar nichts mit dem Spielverlauf zu tun. Es ist lediglich eine Positionierhilfe. D. h. das Ding gibt zwei Lichtsignale ab, die die Fernbedienung „sieht“ und verwendet, um ihre Position zum Bildschirm zu bestimmen.

Zwei Teelichter, rechts und links neben den Bildschirm gestellt und angezündet, tun’s ganz genauso.

Ach ja… auch zu empfehlen, wenn man statt am Bildschirn gerne mit Projektor und Leinwand spielen möchte.

 

Vom Können und Nicht-Können

Eine Erinnerung – lange her. Ich male eine Zeichnung aus. Wir sind irgendwo unterwegs, ich beschäftige mich. Ich will anfangen, mein gerade gezeichnetes Pferd auszumalen, aber der braune Stift bricht ab. Ich habe keinen Spitzer dabei. Ich fange an, mich aufzuregen, weil ich das Bild nicht fertigmalen kann. Meine Mutter wirft einen Blick drauf und meint: „Muss das Pferd braun sein? Es gibt doch auch schwarze Pferde.“ Und schiebt mir den schwarzen Stift hin.

*

Ich habe zwei NT-Freundinnen. Von diesen ist eine blind. Da ergibt es sich, dass man gelegentlich gemeinsam vor einem dreidimensionalen Stadtmodell steht und das gemeinsam betrachtet.

So standen wir da dann auch mal wieder, und es näherte sich eine Mutter mit zwei Kindern. Eines der Kinder deutete auf die Punkte und fragte, was das sei. Die Mutter antwortete, die Punkte seien für Leute wie „die Frau dort“, die nicht lesen könnten weil sie blind seien.

Wir standen nahe genug, um das zu hören, und meine Freundin hatte wohl gerade Lust, Aufklärungsarbeit zu leisten.

„Entschuldigung“, sagte sie, „ich muss das jetzt korrigieren: Ich kann sehr wohl lesen. Ich lese diese Punkte.“

Die Kinder, wie Kinder halt so sind, waren sofort interessiert, fragten nach. Zum Glück hatte die Dame Zeit, denn ihre Kinder standen die nächsten 90 Minuten vor diesem Stadtmodell und lernten Braille lesen. Gut, mit den Augen, aber trotzdem. Nebenbei bekam die Mutter, die ziemlich schnell ebenfalls anfing, Fragen zu stellen, dann auch noch ein paar Erklärungen.

Mit heimgenommen haben die drei hoffentlich unter anderem die Information: Nur, weil jemandem die örtliche Mainstream-Methode nicht zugänglich ist, bedeutet das nicht, dass dieser jemand die Aktivität nicht ausüben kann. Vielleicht macht er sie nur ein bisschen anders…

*

Mit dem Können ist das allgemein so eine Sache.

Wenn ich nach China oder Japan reise, und dort die Schilder nicht entziffern kann, kann ich dann plötzlich nicht mehr lesen?
Wenn ein Mensch aus einem arabischen Land, der sein Leben lang arabisch geschrieben hat, nach Europe kommt – kann der nicht lesen? Mein inzwischen verstorbener Opa hat nie gelernt, Antiqua („unsere“ Buchstaben) zu schreiben, sondern schrieb sein Leben lang Fraktur (echte Fraktur, nicht dieses elende Sütterlin). Konnte der deswegen nicht schreiben?

Ich habe links nicht mehr ausreichend Feinmotorik, um einen Stift zu führen, rechts wesentlich mehr als meine Unterschrift gelernt. Ich tippe meine Texte in der Regel. Kann ich nun nicht schreiben?

Was ist zum Beispiel mit Stephen Hawking? Kann der nicht schreiben, weil er seine Bücher Zeichen für Zeichen in den Computer eingibt, statt einen Stift in die Hand zu nehmen? Aber Bücher geschrieben hat er trotzdem…

So einfach ist das mit dem Können oder Nichtkönnen also gar nicht, vor allem, wenn es um Generalisierungen geht.

 

Schreiben können. Lesen können. Zeichnen können…

 

In einer Zeit, in der es ausgefeilte OCR-Programme (Texterkennung) gibt, kann man so ziemlich jeden gedruckten Text einscannen und vom Computer in gesprochenen Text (oder eine andere Form der Ausgabe) umwandeln lassen. Ja, kleine Fehler entstehen noch immer, vor allem bei Namen, aber im Großen und Ganzen ist es kein großer Aufwand mehr, einen Text eigenständig lesen zu können, selbst wenn man die gedruckten Buchstaben nicht direkt in Bedeutung umwandeln kann. Egal, ob das nun daran liegt, dass man nicht den Text nicht sieht, oder irgendwo in der Informationsverarbeitung liegt, oder ganz Gründe hat.

In einer Zeit, in der es gute Spracherkennungsprogramme gibt – die auch an Akzent, Dialekt oder undeutliche Aussprache, ungewöhnliche Spracheigenheiten und Ähnliches mit relativ geringem Aufwand zu gewöhnen sind – muss niemand mehr einem Stift über das Papier bewegen oder buchstabieren können, um selbst zu schreiben.

*

Warum „hängen“ wir uns so oft an der Methode „auf“?

Warum lese ich im Blog einer Mutter, die laut eigener Aussage in der Arbeit für Autisten aktiv ist, ihr autistischer Sohn könne nicht zeichnen – Direkt unter einer Zeichnung, die derselbe Sohn angefertigt hat. Auf dem Computer. Im Grafikprogramm.
Der Text beginnt: „Obwohl er nicht zeichnen kann…“ (sinngemäß weiter: macht er Bilder am Computer).

Warum ist die Zeichnung, die am Computer erstellt wurde, aus Sicht dieser Frau keine Zeichnung?
Warum hat sie nicht den Wert einer Zeichnung mit Bleistift und Papier?
Warum nimmt sie die Methode wichtiger als das Ergebnis?
Warum kommen solche Aussagen, immer und immer wieder, von Leuten, die sich selbst als Unterstützer bezeichnen?
Ist solchen Leuten nicht klar, wie destruktiv diese Herangehensweise ist?
Welche Nachricht sendet das?
An ihren Sohn?
An andere Autisten?
An andere Leute allgemein?

Solche Aussagen haben meines Erachtens in dem Zusammenhang nichts verloren.

*

Immer wieder habe ich das Gefühl, dass wir vor lauter Fokus auf die Defizite gar kein Interesse daran haben, uns die Lösungen anzuschauen.

Vielleicht können wir uns das nächste Mal, wenn jemand mit der Mainstream-Methode nicht kann ja auch einfach mal fragen: muss er denn? Geht es nicht auch einfach anders? Das Pferd ist doch nicht weniger ein Pferd, wenn es schwarz statt braun ist…

*

Es kostet mich weniger als zwanzig Minuten, um einen beliebigen Computer mit einem neueren Windows (WIN95 wäre schwierig) und einem beliebigen Scanner so einzurichten, dass er jeden gedruckten Text in hörbare Sprache umwandelt.

Gut, ich bin dabei recht zügig, weil ich es schon oft genug gemacht habe.
Aber selbst jemand, der das zum ersten Mal macht, sollte nicht mehr als eine Stunde investieren müssen. Eine Stunde, damit derjenige, der Buchstabenketten – aus welchem Grund auch immer – nicht in Inhalt umwandeln kann eben doch lesen kann.

Zehn Minuten Installationszeit und dreißig Minuten Eingewöhnungszeit kostet es heute, um ein Diktierprogramm (Spracherkennung) zum Laufen zu bringen. Damit kann man nicht nur Texte eingeben, sondern den kompletten Computer steuern. Warum habe ich also erst gestern wieder einen Menschen im jungen Erwachsenenalter getroffen, der „nicht schreiben kann„?

Nebenbei: Wir verwenden, auch wenn wir durchaus selbst lesen und tippen können, beide Techniken gerne und viel bei der Arbeit.
Der „Mercedes“ unter den OCRs kostet 150 Euro.
Der „Mercedes“ der Spracherkennung kostet 130 Euro.
Mercedes fahren kann nett sein und lohnt sich sicher, wenn man damit „seine Brötchen verdient“, aber, um beim Autobild zu bleiben: zum Ausprobieren tut es auch der gebrauchte Golf.

*

Wir waren heute am Pferdeputzen, eine junge Dame, die öfter im Stall ist… gefühlt irgendwie unteres Ende Teenageralter … erzählte von einem Thema, das sie interessiert. Ich: „Ah, dann hast du ja sicher [Buchtitel] gelesen?“ – Die danebenstehende aufsichtführende mit Ohrstöpseln versehene, in exakt diesem Moment sich ein Hörbuch zu Gemüte führende Mutter: „Aber nein, sie kann doch nicht lesen!“

Nach einem sprachlosen Moment von mir: „Also dafür, dass Sie es nicht gelesen haben, kannten Sie das neuen Karen-Slaughter-Buch aber verdammt gut.“ (War ein Buch, von dem sie letztes Mal erwähnte, das Hörbuch gerade durch zu haben, und wir hatten uns etwas drüber unterhalten.)

Jetzt ist sie beleidigt.

Nutzloses Wissen: VHS

Auf den guten alten VHS-Videocassetten konnte man bis zu drei verschiedene Sprachfassungen (jeweils in Mono) gleichzeitig speichern und mit jedem handelsüblichen Videorecorder abrufen. Es war sogar möglich, mit dem richtigen Videorecorder selbst die Tonspur auszutauschen und etwa einen aus dem TV aufgezeichneten Film wieder mit dem Originalton (z.B. von einer ausgeliehenen fremdsprachigen Bibliotheks-Videocassette) zu versehen.

Warum man das hätte machen sollen? Wir haben es in erster Linie aus einem Grund gemacht: Weil wir es konnten.

 

Synchronisation

Es ist bekannt – in Deutschland werden Filme synchronisiert.

Zwar gab es „immer“ in „allen“ Ländern zu gewissem Grad beides, aber bis die DVDs anfingen, das Untertiteln  überall einzuführen und eine zunehmende Faulheit der Zuschauer auch in ehemals typischen „Untertitelungsländern“ zu einer Erhöhung der Synchronisationsrate geführt hat, gab es eine relativ klare Einteilung.

Deutschland synchronsiert. Die Niederlande untertiteln. Spanien synchronisiert. Frankreich untertitelt. Italien synchronisiert. England untertitelt.

Zufällige Verteilung?

Nein, gar nicht.

Mag jemad raten? Ohne Tante Google zu bemühen?

Warum könnte das so sein?

 

Der W-LAN-Stick

Der DAU ist in IT-Support-Kreisen ein Begriff.

„DAU“ steht für den Dümmsten Anzunehmenden User, in Anlehnung an den GAU.

Wenn irgendwie erwähnt wird, dass ich einige Jahre lang technischen Support an der Uni gemacht habe, kommt früher oder später unweigerlich die Frage: Und? Wer war dein Lieblings-DAU?

Zweifellos… das war das Mädel mit dem W-LAN-USB-Stick.

Ich hatte zweimal pro Woche eine Sprechstunde für Studenten, die ihre Fragen und nicht funktionierenden Geräte bringen konnten, wenn die klein genug waren, um sie mitzubringen. Die Uni hatte neuerdings W-LAN für die Studenten, die Laptops wurden daher immer mehr. Außerdem war das gerade die Zeit, in dem die Laptops W-LAN-Fähigkeit noch nicht serienmäßig an Bord hatten, und gerade der Wechsel von PCMCIA-Karte (das waren diese größeren Karten, die man seitlich in den Laptop stecken konnte) auf USB begonnen hatte, wenn man Laptopfunktionen erweitern wollte.

Rein kommt eine junge Frau mit Laptop unterm Arm. Sie legt mir einen USB-Speicherstick auf den Tisch und schaut anklagend an.

Ich: „Was mache ich damit?“

Sie: „Der funktioniert nicht.“ Als wäre es offensichtlich.

Ich: „Was funktioniert nicht?“

Sie schaut mich an als wäre ich nicht besonders intelligent. „Der Stick.“

Okay, was frage ich so blöd… Nochmal also: „Woran erkennst du, dass er nicht funktioniert? Was macht er denn?“

Sie: „Nichts.“

Ich ziehe einen Schluss: Sie steckt den Stick ein, aber er lässt sich im Dateibrowser nicht anklicken/beschreiben. Das ist zu der Zeit ein häufiges Problem, weil es gerade „in“ ist, USB-Sticks ohne Vorformatierung zu verkaufen.

Ich: „Wie alt ist er denn?“

Sie: „22.“

Ich: ???

Kurze Denkpause. Nee, das kann nicht der Stick sein, das muss ihr Alter sein. Warum sie sich bei „er“ angesprochen fühlt, weiß ich nicht.

Ich: „Der Stick.“

Sie: „Oh, neu. Gestern gekauft.“

Bingo, denke ich mir. Formatieren behebt das Problem. Diese Annahme wird sich als nur teilweise richtig herausstellen.

Ich: „Okay, stell mal deinen Laptop her und fahr ihn noch, ich schau mir das an.“

Sie tut das. Ich stecke den USB-Stick ein.

Sie: „Was machst du da?“

Ich freue mich dass sie doch mehr Interesse zeigt, als ich ihr zugetraut hätte… „USB-Sticks sind oft unformatiert, wenn du sie frisch kaufst. Ich schaue jetzt mal ob das bei dem so ist, und wenn ja formatiere ich ihn dir, dann geht er anschließend.

Sie ist beeindruckt, nickt und beginnt sich anderweitig zu beschäftigen.

Ich stecke den Stick ein, fühle mich in meiner Schlussfolgerung bestätigt, da der Stick wirklich unformatiert gekommen ist, mache ein Quickformat, ziehe ihn ab und mache den Laptop wieder aus.

Ich: „Bitte. Geht.“

Sie: „Danke.“ Geht auch.

*

Ich arbeite ein paar weitere Studenten ab, kurz vor Ende der Sprechstunde steht sie wieder da.

Sie: „Der geht schon wieder nicht.“

Ich, überrascht: „Was? Was macht er denn?“

Sie: „Nichts. Der Computer findet ihn nicht und ich kann nicht draufspeichern.“

Ich frage mich, ob ich in meiner Annahme, das Problem zu kennen, nicht zu oberflächlich war und andere Sachen gar nicht in Betracht gezogen habe… aber der Stick *war nicht* formatiert und als ich ihn drin hatte ging er… Na, mal schauen. Ich bitte sie, ihren Laptop aufzustellen und einzuschalten.

Sie macht das.

Ich stecke den Stick ein.

Sie: „Was machst du da jetzt? Formatierst du ihn nochmal?“

Ich: „Naja, zuerst schaue ich mal nach was er macht, ob er ihn wirklich nicht erkennt oder nur nicht anzeigt und so.“

Sie runzelt die Stirn, denkt nach. Dann:

„Warum steckst du ihn dann da rein?“

Stille.

Längere Stille.

Dann, ich: „Wie meinst du das?“

Sie: „Na, da wo du ihn gerade formatiert hast. Warum steckst du ihn da rein, wenn du ihn nicht formatieren willst?“

Versteckte Kamera? Wohl eher nicht. Allerdings haben wir gerade die volle Aufmerksamkeit aller anderen im Raum anwesenden. Vor allem die meiner Kollegen.

Ich: „Also, das hier ist ein USB-Stick, und das hier ist ein USB-Port. USB-Stick kommt in USB-Port damit der Computer ihn lesen kann.“

Ihre Augen werden groß.

Die Kollegen fangen alle an, Bücher vors Gesicht zu heben, sich zu ihren Bildschirmen zu drehen und ähnliches. Ich kann nicht, ich sitze ihr ja gegenüber.

Irgendwie schaffe ich noch ruhig: „Was dachtest du, macht der?“

Sie, total perplex: „Ich dachte, das ist so ein W-LAN-USB-Stick! Dass man da die Kappe abmacht, und dann funkt der!“

…Where Credit is Due

Ihr kennt das… man ist im Internet, man kommt über ein Bild. Mal ist es ein Foto, mal ein Meme, mal eine Zeichnung, digitale Kunst, ein Gemälde… es ist super, man will es rumzeigen. Also linkt man auf dem eigenen Blog, der eigenen Website, auf Facebook drauf, man teilt es, man speichert es runter und lädt es selbst hoch.

Das machen doch alle so, nicht wahr? Da ist doch nichts dabei.

Ich bitte euch, kurz an Folgendes zu denken: In diesen Werken steckt Arbeit. In den einen mehr, in den anderen weniger. Aber Arbeit steckt in jedem. Kreativität, die Gedanken eines Künstlers der einen oder anderen Art.

Ich bitte euch nicht, keine Bilder mehr zu teilen, oder keine Bilder aus dem Internet auf eure eigenen Blogs zu laden.

Ich bitte euch aber darum, eine Quellenangabe hinzuzufügen.

Und zwar nicht auf die Seite, auf der Ihr das Bild gefunden habt, sondern auf den ursprünglichen Künstler.

Ich finde, das ist eine Frage von Respekt vor der Arbeit dieser Leute, und ein kleines Anerkenntnis, dass uns nicht alles gehört, was wir im Internet finden. Und wenn euch der Künstler ein paar Minuten Freude gegeben hat mit seinem Werk, könnt ihr ihm ein kleines bisschen zurückgeben: Besucher für seine eigene Website und sein Portfolio.

Außerdem hilft es auch wahnsinnig, wenn nun jemand anders das Bild sieht und sich denkt – Mensch! Das gefällt mir – das würde ich gerne kommerziell verwenden/ich möchte wissen, ob der Künstler auch Aufträge annimmt.
Passiert nicht? Doch, das passiert.

Einige denken sich jetzt vielleicht, selbst schuld: Warum verwenden Künstler keine Wasserzeichen oder Signaturen?

Darauf möchte ich antworten: Manche Bilder haben Wasserzeichen oder Signaturen, wurden aber so oft gespeichert, umgespeichert, runterskaliert, wieder vergrößert usw., dass diese nutzlos sind, weil man sie nicht mehr lesen kann. Manche Leute entfernen die Signaturen absichtlich, bevor sie die Bilder teilen. Ihr könnt also gar nicht sehen, ob ein Bild keine Signatur hat, weil es nie eine hatte, oder weil sie irgendjemand in der langen Teil-, Reblog-, Repost-Kette abgeschnitten oder übermalt hat. Vieleicht war sich der Künstler auch gar nicht bewusst, dass er eine braucht. Die Künstler unter euch wissen es sicher: Man traut der eigenen Arbeit immer am wenigsten zu. Einige denken sich dann auch, ihre Arbeit sei ja nicht gut genug, um überhaupt bemerkt oder geteilt zu werden, wozu also signieren?

Und dann ist es ja auch so: Wenn ihr am Straßenrand ein Auto stehen seht, die Fahrertür offen, der Schüssel steckt, der Fahrer ist nochmal schnell ins Haus gerannt… dann kämt ihr auch nicht auf die Idee, das Auto mitzunehmen. Obwohl es ja quasi eine „Einladung“ dazu ist. Da sind wir schließlich drauf konditioniert, das Auto als Eigentum eines Anderen wahrzunehmen. Im Internet fehlt uns diese Konditionierung zu einem großten Teil. Irgendwie gehört da gefühlt alles allen.

Entsprechend meine Bitte, auch bei einem unsignierten Bild den Urheber zu respektieren, und es nicht einfach zu verwenden.

IST JA, ABER WIE?

Berechtigte Frage. Das Bild hat ja nun schon mal keine Signatur, oder eine unlesbare Signatur. Wie sollen wir da den Urheber angeben?

Genau das möchte ich euch hier zeigen. Es ist nämlich gar nicht schwer.

Genau genommen ist es eigentlich recht einfach. Ich habe heute einer anderen Bloggerin in drei Arbeitspausen von jeweils weniger als zehn Minuten die Ausgangsquellen zu elf Bildern rausgesucht. Kein großer Aufwand – das ist allerdings auch eine Frage der Übung. Anfangs muss man etwas mehr mitdenken, da dauert es dann auch etwas länger. Aber es wird.


Quellenbestimmung bei unbekannten Bildern

Schritt 1:

Die URL des Bilds in die Zwischenablage holen.
(Geht schneller, als das Bild erst auf die Festplatte zu speichern)

– Rechtsklick auf das Bild.

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– In Firefox kommt dann das Menü aus meinem Screenshot. In anderen Browsern sieht das ähnlich aus. Der Eintrag Grafikadresse kopieren legt die URL in eure Zwischenablage.

Schritt 2:

Google öffnen. Ob .com, .de oder was ihr mögt, jedes Google geht

Schritt 3:

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Ist euch oben rechts dieser Eintrag schon mal aufgefallen, auf den hier im Screenshot der Pfeil zeigt? Nein? Dann findet ihr jetzt raus, wozu der gut ist. Bitte draufklicken.

Schritt 4:

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Der Bildschirm ändert sich ein kleines bisschen, Google heißt nun „Google Bilder“, und ein kleines Kamerasymbol erscheint neben dem Suchfeld. Da klickt ihr jetzt drauf.

Schritt 5:

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Es erscheint dieses Fester mit einem Eingabefeld unter „Bild-URL einfügen“. Dort kopiert ihr nun eure URL aus der Zwischenablage ein. Reinklicken, dann Strg-V drücken, und es sollte erledigt sein. Dann klickt ihr auf „Bildersuche“

Schritt 6:

Suchergebnisse sichten

Oben bekommt ihr nun die Kurzbeschreibung eures Bilds, Googles Vermutung, was darauf dargestellt ist, dann kommen „Optisch ähnliche Bilder“ und ganz unten das, was wir suchen: Nämlich die Liste der Websites, auf der dieses Bild steht.

Und siehe da: Nach ein paar Repost-Seiten kommt direkt die Deviant-Art-Seite des Künstlers. Die muss ich jetzt nur noch anklicken, und schon habe ich:

– Den Namen des Autors

– Den eigentlichen Titel des Bilds

– Eine Seite, auf der sich das Bild in der ursprünglichen Fassung befindet, also in der mit Sicherheit besten Auflösung, die ihr finden werdet usw.

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Gut. Das Bild ging wirklich leicht. Manchmal muss man die Suchergebnisse etwas genauer anschauen. Gerade, wenn zuerst gefühlte Millionen Pinterest-Einträge kommen, rentiert es sich, durchzuscrollen, bis etwas anderes kommt… Wie etwa hier:

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oder hier: (hier zwar schon ein Repost, aber unter dem Bild befand sich direkt ein Link auf die Künstlerseite):

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oder hier:

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Man entwickelt wirklich einen Blick dafür, was sich anzuklicken lohnt.


Und nun zuletzt noch für die Künstler und Fotografen unter euch: Ihr könnt die gleiche Methode natürlich auch verwenden, um mal zu schauen, wo eure Bilder überall so rumgekommen sind.

Würde ich vielleicht sogar empfehlen. Der Großteil der Leute online hat zwar echt keine bösen Gedanken dabei, ein Bild zu kopieren, aber es gibt auch ein paar andere und der eine oder andere hat seine Werke schon mit großer Überraschung auf T-Shirts wiedergefunden.

Technik im 18. Jahrhundert. Woran denkt ihr? Welche Ideen, welche Vorstellungen bringt diese Kombination? Was gab’s damals schon? Die Dampfmaschine vielleicht? Oder war das später? (Es gab einen Vorläufer seit Ende des 17. Jahrhunderts; Watt patentierte das, was wir als Dampfmaschine kennen, 1781). Uhren… Uhren gab es, richtig? So Taschenuhren zum Aufziehen.

Die industrielle Revolution rechnet man in Europa ab ca. 1760. Man denkt an Dreck, an Lärm, an Kinderarbeit, ach, war Oliver Twist nicht erst hundert Jahre später?

Die Erfinder des 18. Jahrhunderts brachten aber auch ganz andere Dinge hervor… Dinge, die ganz ohne Dreck auskommen.

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Jean-Joseph Merlin (1735 – 1803); Gemälde von Thomas Gainsborough

Jean-Joseph Merlin aus Huy (das ist in Belgien), Jahrgang 1735, bastelte sich Mitte des Jahrhunderts den Vorläufer der Inline-Skates. Es heißt, es sei damit dann während eines Balls am englischen Könighaus postwendendin einen Spiegel gefahren. Man fragt sich, was die Queen heute sagen würde, wenn jemand mit Rollschuhen an den Füßen zum Ball käme.

Er erfand natürlich auch noch andere nützliche Dinge (oder: andere, nützliche, Dinge; darüber, ob nun Inliner ohne Bremsmöglichkeit nützlich sind, lässt sich streiten…) Eigentlich war er ja von Beruf Uhrmacher, und so verstand er sich auf den Umgang mit Zahnrädern, Übersetzungen, Umlenken von Kräften. Er verbesserte Uhren und Musikinstrumente, Rollstühle und Waagen.

1773 konstruierte er ein ganz besonderes Stück. Im Gegensatz zu der obigen Liste dient es keinem praktischen Zweck. Es ist nur hübsch anzusehen, und gibt einen Einblick darin, was man mit ein paar aufziehbaren Uhrwerken alles anstellen kann, wenn man die passende Ideen hat.

Der Silver Swan ist heute im Bowes Museum in England ausgestellt und wird dort einmal täglich vorgeführt. Nur einmal am Tag, denn die Mechanik läuft nach einem Vierteljahrtausend noch immer einwandfrei, und das soll auch so bleiben.

Angetrieben durch drei Aufziehurwerke bewegt sich der Schwan (Maßstab 1:1), beginnt, sich zu putzen, entdeckt im gläsernen See vor sich einen Fisch, den er sich schnappt und verschlingt. 40 Sekunden dauert der Ablauf, begleitet von einer Spieluhr.

Sehenswert ist er auf jeden Fall, und da die Wenigsten jetzt schnell nach Nordengland fahren können um ihn sich anzuschauen, bringe ich euch hier ein Vorführungsvideo mit. Die Übersetzung des Texts aus dem Video findet ihr drunter.

 

Der Text aus dem Video:

Merlins Meisterstück war ein fantastischer Schwan, komplett aus Silber hergestellt.

Er ist einer der Automaten seines Zeitalters, denen wir die größte Ehrfurcht entgegenbringen. Er entstand aus genialer Uhrmacherkunst in Kombination mit geradezu visionärer künstlerischer Ausschmückung. Ein Uhrwerk treibt diese einfachen Glaszylinder an, womit Merlin es schaffte, den außerordentlich komplexen Eindruck von fließendem Wasser zu erzeugen.
Das Licht bricht sich an der gewundenen und unregelmäßigen Oberfläche der Stangen und bildet so die unverkennbare Spiegelung von Wasser an der Unterseite des Schwans.
Die handwerkliche und künstlerische Qualität dieses Stücks ist atemberaubend.

[Vorführung des Schwans]

Es ist ein mechanisches Wunder.

Wenn wir uns ansehen, wie der Schwan seine Bewegungen so präzise ausführt – es ist ein Meisterwerk, in dem Uhrmacherkunst mit den Fähigkeiten eines Juweliermeisters verbunden sind. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie das Londoner Publikum in den 1770ern auf dieses Gerät reagiert hat. Endlich war Merlin der Star des gesellschaftlichen Lebens, der er immer hatte sein wollen. Die Leute kamen in Scharen, um dieses Gerät zu sehen und sich von diesem Triumph aus Schönheit und technischem Geschick verzaubern zu lassen.

 

+8818…

Thematisch komplett unzusammenhängender Hinweis:

Es gehen wieder PING-Anrufe rum – habe auch welche erhalten. D.h. es ruft jemand an, lässt es 1-2 mal klingeln, legt auf. Der Sinn dabei ist, dass der Angerufene zurückrufen soll. Das wird dann teuer. Die Vorwahl ist +8818 bzw. 08818; das sind Satellitentelefone/internationale Rufnummern (Netz ist Globalstar). Dort wird KEINE Kostenansage gemacht, wenn ihr zurückruft (anders als es ja bei deutschen Nummern z. B. inzwischen Pflicht ist).

Also: Verpasster Anrufe mit +88…? Einfach wegignorieren.

Wieder ein Touchpad erlegt.

Ich kann das gut. Ich benutze es ja nicht. Ich verwende meine USB-Maus. Trackball, genau gesagt. Trotzdem bekomme ich am Laptop immer früher oder später das Touchpad kaputt. in dem Fall: Dauer-Linksklick. Jaaa, es ist nicht einfach, das Touchpad auszuschalten, wenn alles, was der Mauszeiger berührt, automatisch angeklickt wird.

Ist wohl an der Zeit, das kleine Schraubenzieherchen zu holen und eine Operation am offenen Laptop vorzunehmen. Touchpadektomie oder so.  Wobei, drinlassen tu ich es ja, eher also eine Touchpadanschlusskabelektomie. Schönes Wort. Werd ich mir merken.

Echt Spitze…

Ist wenn du kurz vor 2 Uhr nachts noch am Arbeiten bist (ich arbeite gerne nachts) aus dem europäischen Ausland per VPN in dein Firmnetz eingeloggt bist und das rosa Telekommunikationsunternehmen eine Wahnsinnsstörung baut.

Du kannst natürlich über 750 km nicht auf deinen Router schauen… Lokales Internet sagt dir, yep, Störung. Du rufst an, weil du wissen willst ob es was bringt, wenn du weiter wach bleibst… weil du ohne dein VPN & Remote Desktop nicht an alles rankommst was du gerade bräuchtest um weiterzumachen…

Schon mal versucht, dem netten Hotlinemitarbeiter zu erklären, warum zum Kuckuck du aus Belgien anrufend ein Problem mit einer deutschen Internetstörung hast? Und dass nein, du kannst deinen Router jetzt nicht zurücksetzen, so lang ist dein Arm nicht, aber mal ganz ehrlich? Die Störungsmeldungsseiten laufen den ganzen Tag schon heiß und die Wartezeit in der Hotline würde ohne den besonderen Trick laut Ansage 14 Minuten dauern. Da ist die Unterstellung, es sei meine Hardware, doch etwas dreist, oder?