Weidener Literaturtage: Ursula Poznanski (Autorenlesung)

Bevor ich wieder nach Belgien geflüchtet bin, habe ich am Mittwochabend noch eine Autorenlesung „mitgenommen“.

Die Weidener Literaturtage finden alle zwei Jahre statt und haben eigentlich fast immer interessante Angebote. Dieses Mal las unter anderem Ursula Poznanski. Da traf es sich doch sehr gut, dass ich gerade ihr neuestes Buch fertiggelesen hatte.

Eine Sache an den Literaturtagen ist, dass die Veranstaltungsorte oft etwas ausgefallen sind. So auch hier – gelesen wurde im Verkaufsraum eines Autohauses. Parken musste man allerdings gegenüber auf der anderen Straßenseite.

Die Veranstaltung war sehr gut besucht – so gut, dass nachbestuhlt werden musste. Wir hatten Glück und kamen so zeitig, dass wir uns nach vorne setzen konnten. Ich finde es wahnsinnig schwer, mich auf irgendetwas zu konzentrieren, wenn ich Köpfe vor mir habe. Die Stühle, fanden wir schnell heraus, waren so ziemlich das unbequemste was Weiden zu bieten hatte. Ich glaube, die einzige, die an dem Abend bequem saß, war neben der Autorin selbst die Dame rechts von uns, die ihre eigene Sitzgelegenheit direkt dabeihatte – mit zwei großen und zwei kleinen Rädern.

Es wurde Sekt, Wasser und Saft ausgeschenkt, und es war ein kaltes Buffet mit Häppchen aufgestellt.

Begonnen wurde nur mit leichter Verzögerung. Frau Poznanski erläuterte direkt den Ablauf – sie wollte 40 Minuten lesen und dann Fragen beantworten. Die letzten Autorenlesungen, auf denen ich war, sahen so aus, dass der Autor kleinere Abschnitte las und kommentierte, oder etwas erklärte und dann dazu las. Vierzig Minuten Lesung am Stück schien mir erst mal sehr lang.

Die Stellen waren aber sehr gut gewählt und sehr gut gekürzt – da ich das Buch eben erst zwei Tage zuvor gelesen hatte, hatte ich die Texte noch größtenteils so im Kopf, dass ich wusste, wo geschnitten war. Die beiden ersten Morde, die Begehung der Tatorte und ein kleines bisschen Ermittlungsarbeit wurden gelesen. Auf halber Strecke – also vor dem zweiten Mord – fasste Frau Poznanski kurz den weiteren Verlauf zusammen, bis die nächste gelesene Szene einsetzte.

Man kann ihr angenehm zuhören, was für mich etwas überraschend war, da ich Frauenstimmen meistens nicht so gerne höre. Einen Punkt Abzug bekommt sie von mir, weil sie in längeren Erzählpassagen keinen ordentlichen Lesefluss hinbekommt. Sie liest dann immer wieder einfach ein paar Wörter ohne Beachtung der Satzzeichen, macht dann kurz Pause – egal, ob da eine hinpasst oder nicht – um Luft zu holen, und liest dann die nächsten Wörter. So kommen einige komische „Sätze“ zustande, in deren Mitte eigentlich ein Punkt stünde.
Einen halben Punkt gebe ich ihr aber wieder drauf, weil sie bei der folgenden Frage, warum sie ihre eigenen Hörbücher nicht selbst einlesen würde (ernsthaft? Ich glaube, die Frau, die das gefragt hat, hat bei der Lesung irgendwie geschlafen…) ganz klar sagte, „Weil ich keine Schauspielerin bin, das nicht gelernt habe, und weiß, dass ich nicht in der Qualität lese, die dazu notwendig wäre.“

Fragen beantwortete sie sehr schön, verständlich, klar, nicht zu langatmig aber dennoch detailliert. Immer freundlich, nicht genervt. Witze, wo sie sich ergaben, waren nicht so abgestanden, wie ich das von manchen anderen Lesungen kenne, sondern ergaben sich eher aus dem Gesprächsfluss. Sicher sind die Texte mehr oder weniger vorbereitet, es werden bei Lesungen ja doch immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden. Es klang aber nichts auswendiggelernt. Ihre angekündigten Bemühungen, Hochdeutsch zu sprechen, setzte sie sehr schön um. Nur einmal kam die Österreicherin durch, als sie davon erzählte, was für ein Antitalent in Mathe-MA-tik sie gewesen sei. Da musste ich mir das Grinsen doch etwas verkneifen, denn diese Betonung amüsiert mich schon, wenn ich in Wien bin, immer sehr.

In der folgenden Signiersitzung war sie sehr freundlich, da sie relativ lange Widmungen schreibt, dauert das Anstellen etwas länger.

Der Verkaufsstand mit ihren Büchern war gut organisiert. Meine Mutter kaufte dort noch ein, es ging sehr zügig. Auf dem Weg nach Draußen nahmen wir uns noch Häppchen vom Buffet – inzwischen etwas durchgeweicht aber noch immer ganz gut. Käsebrot mit Erdbeere… keine Kombination, auf die ich von alleine gekommen wäre, aber es schmeckte nicht schlecht.

„Umgerechnet“ in Punkte:

Veranstaltungsort: 5/10 (Nee, für die Bestuhlung ist nicht mehr drin)
Lesung: 9,5/10  
Autorin: 10/10  
Organisation: 9/10 (Ein Hinweisschild, wo zu parken ist, wäre gut gewesen, dann wären nicht alle erst eine Runde im Hof gefahren, bevor sie gemerkt haben, dass sie auf der anderen Straßenseite halten müssen)