Venedig vor Ostern

Lange nichts von mir hören lassen… Es war viel los, und keine Zeit, um zu schreiben.

Dann versuche ich jetzt mal, etwas aufzuholen…

Ostern. Weder mein Mann noch ich legen Wert auf Ostern. Ob „trotz“ oder „weil“ wir beide aus katholischen Familien kommen, lasse ich mal dahingestellt.

Eine Bekannte bot uns an, über die Feiertage mit ihr in ihr Ferienhaus in Italien zu fahren. Das lehnten wir ab. Sie ist unzuverlässig, das wissen wir. Es hätte sein können, dass sie uns noch zwei Tage vor Abfahrt absagt.

Aber der Gedanke „Italien“ hatte sich dann schon mal festgesetzt.

Lord Byron ist ein Thema, das uns interessiert, und das uns ja auch schon mehrfach nach England gezogen hatte. Und Lord Byron verbrachte eben, als er England aufgrund seiner hohen Schulden verlassen musste, nicht nur Zeit am Genfer See, sondern auch mehrere Jahre in Italien.

Die Entscheidung fiel also: Venedig und Ravenna sollte es werden. Hoffentlich, so unser Gedanke, wären über Ostern die meisten Touristen in Rom.

Eines im Voraus: Ich werde immer mehr zum Fan von Touristenapps fürs Handy. Boarding Pass im Flugzeug und Ähnliches machen wir ja schon lange übers Handy – und inzwischen auch ohne Backup-Ticket in der Tasche. Dieses Mal haben wir noch etwas anderes gemacht: Viele Museen und ähnliche Einrichtungen bieten inzwischen die Möglichkeit, den Eintritt im Voraus zu bezahlen, und dann über Einscannen des auf dem Handybildschirm angezeigten Codes hineinzukommen. Ganze ehrlich? Ich bin begeistert. Kein Anstehen an der Kasse, keine Schlangen, kein Lärm aushalten, sondern einfach nur zügig rein, in aller Ruhe durch, wieder raus. Sollte man bitte in allen kulturellen Einrichtungen zum Pflichtangebot machen.

Wir sprechen beide kein Italienisch, aber bekanntermaßen Latein. Und, wie sagt mein Bruder so schön? „Italienisch ist auch nur Latein im Ablativ.“ Also… Man setze jedes Substantiv und Adjektiv in den Ablativ, und schon hat man – zwar nicht wirklich Italienisch, aber immerhin etwas, mit dem man sich hervorragend verständlich machen kann.

Der Plan sah so aus: Freitag Anreise in Venedig; Samstag Venedig; Sonntag früh morgens weiter nach Ravenna. Montag Rückreise aus Ravenna. An sich sind drei Nächte ziemlich lang für mich, aber gerade noch vertretbar.

Der Hinflug war auffallend unspektakulär. Wir hatten den vorderen Teil des Flugzeugs quasi komplett für uns. Wohl kein Wunder, Geschäftsreisen über Ostern werden selten sein, und die wenigsten privat reisenden sind so wahnsinnig, Business-Tickets zu buchen.

Der erste Abend in Venedig war nett. Für mich nicht zu warm, für meinen Mann nicht zu kalt. Nun gut… es ist Venedig, was musste also gleich mal sein, nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten?

Genau… eine Gondelfahrt.

Erster Punkt: Gondelfahrten sind schweineteuer. In der „normalen“ Sechspersonengondel kostet die Fahrt 31 Euro pro Person. Das wäre mir definitiv zu eng gewesen. Es gibt allerdings auch noch die Möglichkeit, eine „romantische Gondelfahrt“ zu buchen. Dann ist man zu zweit in der Gondel, zahlt aber halt entsprechend mehr. Vor allem, wenn es Abend ist, denn dann wollen alle.

Wenn der Geldbeutel noch lockerer sitzt, kann man auch einen Musiker und Sänger zubuchen. Das „scheiterte“ bei uns allerdings nicht am Geld, sondern daran, dass ich es mit Musik nicht so sehr habe, und sicher kein Akkordeon und auch keinen italienischen Sänger im Boot brauche. Wir beschränkten uns also auf die romantische Gondelfahrt zu zweit.

Zweiter Punkt: Auch Gondelfahrten kann man per Handy vorbuchen. Man wird dann direkt abgeholt, an der Schlange vorbeigeleitet und kommt zum vereinbarten Zeitpunkt ohne lästiges warten im Personenstau zur Gondel. Das würde ich dringend empfehlen.

Eine Gondelfahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Obwohl an dem Punkt, von dem wir abfuhren, ziemlich viel los war, war auf dem Kanal doch weniger los, als ich mir vorgestellt hätte. Ein interessantes Erlebnis auf alle Fälle.

Der Tag endete für uns dann in aller Ruhe auf der Terrasse des Hotelrestaurants mit Touristenpizza.

*

Der Samstagmorgen begrüßte uns mit grauem Himmel und Nieselregen. Ein Glück, dass wir uns bei Feuchtigkeit nicht auflösen, denn es hörte den ganzen Tag nur sehr sporadisch auf damit. Zwei feste Ziele hatten wir uns für diesen Tag ausgesucht. Das erste, den Palazzo Mocenigo, hatten wir bereits am Vorabend vom Wasser aus gesehen. Dort hatte Byron während seiner Zeit in Venedig gelebt. Damals hieß es, der Palazzo hätte zwei Eingänge: Einen für die Mädchen aus Cannaregio und einen für die Mädchen aus Castello. Heute ist der Palazzo ein Museum – und zwar eines, das die Zeit auf jeden Fall wert ist.

Pünktlich um 10 Uhr kamen wir dort an. Die biglietti hatten wir ja schon.

Der Palazzo wäre schon ohne Museumsinhalte einfach nur Wahnsinn. Was für wunderschöne Räume… da weiß ich gar nicht so genau, wo ich zuerst hinschauen sollte… Es gibt eine Spezialausstellung zum Thema Parfüm, die mir zum allerersten Mal diesen Bereich irgendwie interessant vermittelt hat. Auf das Testriechen habe ich allerdings verzichtet.

Sehr viel Zeit verbrachten wir beim Betrachten der ausgestellten Bilder, Möbel und vor allem Textilien. Wir stehen ja nun beide auf historische Gewänder, und hier waren schon ein paar ganz besonders schöne zu sehen.

Zuletzt besuchten wir noch die Sonderausstellung „Alchimie der Farbe“, die sich mit dem Thema Färben von Stoffen und Garnen befasst. Da tut es mir direkte leid, dass ich keine Zeit mehr habe, um selbst Garn zu spinnen und zu färben.

Einen kleinen Abstecher zur Seufzerbrücke – die ihren Namen eben unserem Lord Byron verdankt – genehmigten wir uns danach noch, bevor wir uns in aller Ruhe ein Mittagessen suchten, und uns dann schön langsam in Richtung Lido vorarbeiteten. Der Lido di Venezia ist eine Insel am Rand von Venedig – dort, wo heute die Filmfestspiele von Venedig stattfinden, und wo Lord Byron damals um 1816 mit Sondergenehmigung Pferde hielt – seiner Aussage nach die einzigen Pferde Venedigs. Von dort startet er auch seine Schwimmwettbewerbe.

Das allerdings war nicht der Grund, warum wir zum Lido mussten. Von dort gehen aber die Schiffe zur Insel San Lazzaro, und dort befindet sich unser zweites fest eingeplantes Ziel: nämlich das armenische Kloster, in dem Byron viel Zeit verbachte, armenisch lernte und bei der Erstellung einer armenischen Grammatik half.

Es gibt nur eine Führung täglich, nämlich um kurz vor halb vier Uhr nachmittags. Außerhalb der Führung steckt man vor dem Kloster fest und kann nur auf das nächste Schiff warten, das einen wieder zurück bringt. Das wussten wir allerdings – und kamen entsprechend zum richtigen Zeitpunkt an.

Die Führung dauert zwei Stunden und findet statt – egal, wie viele Leute da sind. Für größere Gruppen könnte man auch eine Sonderführung buchen. Dank des immer noch eher unschönen Wetters, war neben uns nur noch ein anderes Paar da, sodass wir fast eine Privatführung hatten.

Die Gärten konnten wir dank des Regens weniger gut besichtigen – uns hätte es nicht so sehr gestört, aber die beiden anderen wollten dringend rein. Die Klosternbibliothek ist einfach traumhaft. Es wird viel Interessantes erzählt, es ist ein wahnsinnig ruhiger und angenehmer Ort. Noch ruhiger und angenehmer wäre er in anderer Gesellschaft gewesen, denn die beiden nahmen es alleine locker mit jeder kompletten Touristengruppe auf, was das sich-beschweren-über-alles betraf.

Dann kann man auch noch einkaufen. Rosenmarmelade zum Beispiel, da die Mönche ihre Rosengärten tatsächlich kulinarisch nutzen. Ich mag ja süß normalerweise gar nicht, aber für Rose mache ich immer eine Ausnahme. So natürlich auch hier.

Schließlich standen wir gegen sechs Uhr wieder am Lido. Hunger hatten wir noch nicht wieder, wirklich Lust dazu, ins Hotel zurückzugehen auch nicht… zielloses touristisches Bummeln ist auch nicht unser Ding.

Also kam uns der Gedanke, nachzuprüfen, ob wir nicht doch noch eine Tour im Palast des Dogen bekommen könnten. Diese Führungen sind immer privat, nicht unter zwei Stunden zu haben, bis in den Abend hinein buchbar, in unterschiedlichen Sprachen verfügbar und es wird damit geworben dass der Führer auf alle persönlichen Wünsche eingeht.

Wir hatten Glück – und so kehrten wir also dahin zurück, wo wir an dem Tag bereits einmal gewesen waren, dieses Mal, um neben der Brücke auch den Palast zu besichtigen.

Gut, auch diese Führung ist teuer, aber es waren nochmal zwei Stunden, die sich wirklich gelohnt haben. Da man mit dem Führer alleine ist, kann man sich wirklich auf das konzentrieren, was einen interessiert, länger oder kürzer in den Räumen bleiben, etc. Der Herr war sehr zuvorkommend und höflich (darf er für 100 Euro pro Stunde auch sein), informativ und kein bisschen genervt… obwohl ich zwar durchaus noch interessiert und aufnahmefähig war, aber meine Interaktionsfähigkeiten inzwischen – vor allem nach dem ständig jammernden anderen Paar im Kloster – doch etwas zu wünschen übrig ließen.

 

 


Bildquellen, da wir als notorische Nichtfotografen mal wieder keine gemacht haben:

Seufzerbrücke: By Tony Hisgett from Birmingham, UK (Brdge of Sighs  Uploaded by tm) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Klosterkirche, Innenansicht: By Leon Petrosyan (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Dogenpalast, Innenraum: von Christian Rosenbaum (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en), CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)%5D, via Wikimedia Commons

 

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Die Belagerung von Burgos (Reenactment)

Wir hatten ja eigentlich schon ein Leihpferd für meinen Mann gebucht, damals…

Denn ab einer bestimmten Distanz wird es unpraktisch, eigene Pferde mitzunehmen. Wir waren zu dem Zeitpunkt ein gutes Jahr zusammen, ich begleitete ihn zwar auf Veranstaltungen, spielte aber noch nicht selbst mit, sondern hielt mich im Hintergrund und beschäftigte mich mit Pferdeputzen, Mikros anheften und Ähnlichem. Ich kannte ihn auf jeden Fall lange genug, um zu wissen, dass es den Herrn nie längere Zeit ohne irgendwelche Schäden gibt.

In dem Fall war er gerade eine Woche vorher zu faul gewesen, die fünfzig Meter bis zur Treppe zu laufen, und von einer etwa 1,80 m hohen Mauer gesprungen. Kann man machen. Würde ich vermutlich auch machen. Nur sollte man vorher schauen, wo man hinspringt.

In dem Fall war das wohin frisch aufgeschütteter Kies, er kam schlecht auf, knickte um… und lief dann noch gut vier Stunden auf einem angeknacksten Fuß und einem gerissenen Band im Knöchel, weil „der Stiefel ist ja gut und hält das.“ Mag sein, aber fast hätte er dann denselben an dem Abend auch mit ins Bett nehmen müssen.

Nun gut, so ein Knöchel lässt sich mit einer Plastikschiene einigermaßen unaufdringlich stabilisieren, und dem Auftritt stand insofern nicht allzu viel im Weg – wenn man davon absieht, dass in den historischen Stiefeln nicht so unendlich viel Platz ist, und man sich deswegen für den Auftritt wieder darauf verlassen „muss“, dass der Stiefel ausreicht. Nur: Immerhin ist er so vernünftig, angeschlagen nicht auf Fremdpferde zu steigen und dann mit diesen in die Schlacht zu reiten.

Das Kuschelpferd musste also mit. Und da wir keinesfalls so früh los konnten, dass wir mit Hänger hätten fahren können und der Flug ohnehin schon gebucht war, war es ein Glück dass immer irgendjemand aus der Truppe Ausrüstung per Auto transportiert. Dort sollte nun also das Kuschelpferd mitfahren. Im Hänger natürlich.

*

Wir flogen also am Freitag, nachdem der Mann, der damals eben „nur“ mein Freund war, Feierabend hatte, einmal quer über Frankreich nach Spanien, fuhren dann weiter nach Burgos, und kamen einigermaßen im Zeitplan an.

Die Franzosen waren als Verteidiger unterhalb der Burgruine platziert, die Briten als Angreifer außerhalb der Stadt.

Kaum angekommen – wir hatten noch nicht mal Zeit, nach unserem Zelt zu sehen – kam uns ein ziemlich zerknirscht dreinblickender Fahrer entgegen. Den Grund dafür bekamen wir dann auch schnell zu sehen: Was ein dunkelbraunes Pferd hätte sein sollen, hatte sich in ein hochzufriedenes Schlammmonster verwandelt. In anderen Worten: Er hatte dem Kuschelpferd was Gutes tun wollen, und es auf der Wiesen laufen lassen – und es hatte sich kurzerhand mit Anlauf in das einzige Gewässer weit und breit geworfen, das dank der Jahreszeit und der Temperaturen nur eine seichte Schicht Wasser über viel Schlamm darstellte, und sich darin ausführlich herumgewälzt.

Antrocknen lassen, dann abbürsten… was anderes kann man da, in Ermangelung eines zur Verfügung stehenden Wasserschlauchs, kaum machen.

Während das Pferd langsam etwas beleidigt wurde, weil es keiner beschmusen wollte, ging es für uns also erst mal ins Zelt, dann einen Zeitplan holen – und mich ausführlich von dem Zuständigen ausschimpfen lassen, weil ich mir erlaubte, die Broschüre mit demselben erst mal abzuphotographieren, um den Plan quasi „unverlierbar“ bei mir zu haben. Ach ja… die Urheberrechtsregeln und das Kopierverbot in Spanien… Wie konnte ich sie nur vergessen? Schon zu meinen Studienzeiten waren die legendär. Regel Nummer 1 in Spanien: Versuche nie, nie, NIEMALS irgendeine Drucksache zu kopieren, wo dich jemand dabei sehen kann. Und geh‘ dazu bloß nicht in einen Copyshop, sofern du dort nicht rausfliegen willst. Nein, auch nicht schnell einen Artikel oder eine Seite Lehrbuch, die du für’s Studium bräuchtest. Irgendwie schaffte ich es, den Herrn Broschürenausgeber zu beruhigen und davon zu überzeugen, dass ich das Foto wieder löschen würde, sobald die Veranstaltung vorbei war, und ich auch wirklich NUR den Zeitplan und keine Beschreibungstexte oder Fotos drauf hatte.
(Ist das eigentlich inzwischen besser? Ich hab’s noch seitdem noch nicht wieder ausprobiert).

Etwas ungewöhnlich war der Zeitplan auch. Normalerweise sind Reenactments fortlaufende Angelegenheiten. Die Lager sind eigentlich geöffnet, solange jemand wach ist, und nur während der Schlachten geschlossen, wenn nicht genug Leute übrig wären, um Aufsicht zu führen. Geboten ist eigentlich durchgängig etwas. Hier war es aber so, dass nur bestimmte Zeiten vorgesehen waren, zu denen für ein paar Stunden „Lagerleben“ praktiziert wurde, und am Samstag mehrmals „Leerlauf“ war – Zeiten, zu denen wirklich nichts vorgesehen war.

Wieder im Zelt wurde erstmalig klar, dass die Streunersituation dort sehr extrem war. Es ist allgemein so, dass man in Spanien und Portugal viel mehr streunende Tiere trifft als bei uns. Diese sind auch in der Regel relativ zutraulich, da sie daran gewöhnt sind, von Touristen gefüttert zu werden. Man könnte auch sagen: Aufdringlich. Da historisch korrekte Zelte aber keine verschließbaren Netze sondern nur sehr undicht schließende Planen haben, ist es so gut wie unmöglich, zu verhindern, dass man hin und wieder ungefragt Besuch bekommt. An diesem Wochenende gab es aber wirklich ungewöhnlich viele ungeladene Gäste.

Nach einem schnellen Abendessen im Zelt – und vorsichtigem Wegräumen aller Reste – machten wir uns dann erst mal daran, das Kuschelpferd zu säubern. Und das dauerte. Auch angetrockneter Schlamm bürstet sich nicht so schnell aus, wie man sich das gerne vorstellen möchte. Zuerst waren wir noch zu zweit am Striegeln, dann kam doch irgendwann der Moment, in dem der Mann nicht mehr so recht stehen konnte, und sich lieber das Sattelzeug nahm und dieses nochmal durchpolierte, während ich weiter das Pferd bearbeitete. Wäre geplant gewesen, dass Kuschelpferdchen mitkommt, hätten wir natürlich auch einen Stallburschen/Pferdeknecht dabei gehabt, wie sich das für einen hochrangigen Offizier eben gehört hätte. Der hatte nun aber so kurzfristig das Wochenende nicht freinehmen können.

Irgendwann war das Pferd wieder vorzeigbar, und wir verkrümelten uns ins Zelt, verjagten zwei Katzen und legten uns schlafen.

*

Der Morgen begann erst mach recht zoologisch, denn diverse Vierbeiner waren offenbar sehr gut drauf geprägt: Menschen in Zelten = Futter. Den Gefallen taten wir ihnen nicht. Der Großteil ließ sich auch gut hinauskomplimentieren, eine graue Katze blieb jedoch stur unter dem Tisch sitzen, mit aufgestelltem Fell, und fauchte sehr unmissverständlich… Ich trat dann mal lieber den Rückzug an.

Die Offiziersbesprechung fand vor dem Frühstück statt. Da dachte wohl jemand, alle, die keine Spanier sind, sind absolute Frühaufsteher. Allgemeine Erheiterung löste es aus, dass die Tafel zum Planen der Schlacht nicht wie übliche ein Black- oder Whiteboard mit Kreide oder Marker war, sondern eine Magnettafel, und die Truppen durch kleine Magnetplättchen dargestellt wurden, die wohl aus dem Geometrieunterricht entwendet worden waren. Die Franzosen waren also die grünen Vierecke und die Briten die roten Kreise… wenigstens was blaues hätten sie uns geben können…

Nach dem Frühstück hatten wir tatsächlich frei – da ja nicht fortlaufend Programm vorgesehen war. Wir nutzten die Gelegenheit, denn Burgos hat ein Buchmuseum. Es ist das Museo del Libro Fadrique de Basilea, recht leicht zu finden. Sollte man sich anschauen, wenn man Bücher mag und durch Burgos kommt. Allerdings: Es ist schon sehr Spanisch… Es wird alles nicht so genau genommen, auch mit dem Beschriften. Faksimile oder Original? Man muss gelegentlich schon selbst etwas Arbeit aufwenden, wenn man wissen will, das man gerade vor sicht hat.

Danach zog es uns noch zur Kathedrale. Wenn ich mich richtig erinnere, ging das sogar mit demselben Ticket.
Ein gotischer Bau, und wie es gotische Gebäude halt so an sich haben, echt ein Wahnsinnsbauwerk. Riesig. Einfach nur alles riesig. Spezielle Beachtung sollte man der Fensterrosette in über dem Haupteingang schenken.

Ja… Das da in der Mitte? Das sieht nicht nur so aus wie ein Davidstern – es ist einer. Das Ornament wurde nämlich durch die jüdische Gemeinde von Burgos finanziert und deswegen so gestaltet.

Ich mag ja mechanisches Spielzeug, Spieluhren, alles, was aufziehbar ist, und so wollte ich auch unbedingt noch bis zur vollen Viertelstunde bleiben und den Papamoscas anschauen. Das ist eine über einer Uhr angebrachte Figur, die immer zur Viertelstunde ein Glöckchen läutet und mit den Zähnen klappert.

Fast hätten wir es dann nicht rechtzeitig zur Parade geschafft… was noch nicht mal daran lag, dass der Herr langsamer lief als üblich, sondern daran, dass wir schlicht den Verkehr unterschätzt hatten.

*

Das Mittagessen gab es für die Offiziere an der Offizierstafel und für uns Helfer „hinter den Kulissen“, was auch ganz gut so war, weil ich nicht so wirklich begeistert vom Angebot war, und sich das quasi auf dem Präsentierteller immer weniger gut macht.

Es folgten dann zwei Stunden Lagerleben, während denen ich größtenteils den Dolmetscher spielte – obwohl mir Dolmetschen ja eigentlich gar nicht liegt. Zum Glück erwartet in dem Zusammenhang niemand, dass es wirklich fließend geht, geschweige denn simultan.
Außerdem kam ich dazu, zahlreiche Fotos von diversen Touristen zu machen, die unbedingt ein Bild von sich mit Uniformierten wollten und jemanden brauchten, der auf den Auslöser drückt.

Es folgte die Schlacht, die hier so aussah, dass die Briten versuchten, unsere Stellung zu stürmen, und wir sie tapfer in die Flucht schlugen. Es war damals in der Tat nicht gelungen, Burgos im ersten Anlauf einzunehmen, und Wellington musste sich zunächst zurückziehen. Das Kuschelpferd trug seinen Menschen brav durch die Schlacht und machte keinen Blödsinn, vom Schlammbad war auch nichts mehr zu sehen.

Der Abend bestand dann aus ruhigem alleine mit den anderen Darstellern und Helfern am Feuer sitzen und unterhalten. Abendprogramm war nicht geplant.

Eine sehr gute Burgaleser Spezialität gab es im Übrigen zum Abendessen: den Queso de Burgos, einen Frischkäse aus Schafsmilch, der wie Pudding in Formen „gegossen“ und gestürzt serviert wird. Man isst den Käse auch nicht auf Brot, sondern schneidet  Scheiben oder „Pizzastücke“ und isst diese belegt – oder mit Honig. Nein, nicht igitt sagen. Frischkäse mit Honig ist in Spanien durchaus üblich, wird auch in Deutschland in Tapasbars serviert und schmeckt erstaunlich angenehm.

*

Den Sonntag finden wir dafür damit an, dass wir fast verschliefen und der Herr sein Frühstück quasi am Einsatzort essen musste, denn für Sonntagvormittag waren nochmal zwei Stunden Lagerleben angesetzt. Diese endeten um 12 Uhr. Danach hatten wir noch ein bisschen Zeit, um unsere Sachen zu packen, die Zelte abzubauen und den Platz zu räumen – wirklich viel Luft war aber nicht eingeplant.

Wir kamen dann auch wirklich nur mit einigen Minuten Abstand zu unserer „Deadline“ vom Platz weg – auf dem Weg zurück zum Flughafen, während das Kuschelpferd es sich bereits wieder im Hänger bequem gemacht hatte und quer durch Frankeich nach Hause gegondelt wurde.

Ah ja… Das erste was ich am darauffolgenden Montag machte war, mich gegen Tollwut impfen zu lassen. Auf dass ich mich das nächste Mal nicht wieder lieber von einem fauchenden Streuner aus meinem eigenen Zelt vertreiben lasse, als einen Zusammenstoß zu riskieren…Das habe ich seitdem auch immer aktuell gehalten.

 


Bilder von Wikipedia.

Fassade der Kathedrale:
Photo taken by Juan García at 2005-05-30 of the Burgos Cathedral at Burgos, Spain
Papamoscas:
Gemeinfrei
Käse:
Aufgenommen von Valdavia

Die Teufelshöhle in Pottenstein

Da die Osterferien quasi vor der Tür stehen, wollte ich zumindest mal meinen Mit-Bayern einen Ausflugstipp dalassen.

Habt ihr schon mal eine Tropfsteinhöhle besichtigt? Wenn nein: Zeit wird’s!

Ich empfehle die Teufelshöhle in Pottenstein, in der fränkischen Schweiz. Die fränkische Schweiz ist eh‘ schön und bietet auch sonst viel, auch gute Campingplätze und andere Angebote.

Zum ersten Mal war ich dort mit meinen Großeltern und meiner nächsten Schwester. Ich dürfte sechs oder sieben Jahre gewesen sein, meine Schwester entsprechend drei Jahre jünger. Immer wieder witzig finde ich, dass meine Haupterinnerung die an eine Enttäuschung nach der anderen war: Man durfte nichts anfassen, es waren überall Absperrungen, Photographieren nur ohne Blitz und die Höhlenbären waren nur Skelette. Und trotzdem hat es mich immer und immer wieder dahin zurückgezogen und die Höhle steht heute noch ganz oben auf der Liste der Attraktionen, die ich Besuchern zeige und Urlaubern empfehle. Irgendwas muss sie also haben…

Der „Kaiser Barbarossa“ – Bild von Wikipedia

Die Teufelshöhle ist ganzjährig geöffnet. Die Anzahl der Führung variiert aber nach Saison.

Es gibt einen großen Parkplatz direkt an der Höhle. Sollte dieser mal wieder komplett voll sein gibt es ein Stückchen die Straße runter in die eine Richtung einen weiteren Parkplatz, und ein Stückchen die Straße runter in die andere Richtung einen Dritten. Gehzeit jeweils unter fünf Minuten.

Wer im Bach gerne Fische füttern möchte: Bitte kein Brot reinwerfen, sondern die 50 Cent in den Fischfutterautomaten investieren. Der steht dort mit gutem Grund.

Im vorderen (Eingangs-)Bereich der Höhle findet man schon einiges an Informationstafeln und Material. Auch ein Video über Pottenstein und die Umgebung läuft dort. Der für Besucher erschlossene Hauptteil der Höhle ist nur im Rahmen von Führungen zu besichtigen.

Führungen finden in der Sommersaison immer dann statt, wenn sich genug Leute gesammelt haben und kosten fünf Euro für Erwachsene, drei Euro für Kinder. Familienkarten lohnen sich erst ab zwei Kindern. In der Wintersaison haben die Führungen feste Zeiten. In der Sommersaison gibt es am letzten Freitag des Monats Sonderführungen, die 100 Minuten dauern (für eine „normale“ Führung ist etwa eine dreiviertel Stunde einzuplanen).

Zu Beginn der Führung werden die wichtigsten Dinge erläutert: Photographieren gerne, aber zum Schutz der Fledermäuse nur ohne Licht. Tropfsteine anfassen ist tabu, denn wo sie berührt wurden werden sie für die nächsten 15 Jahre nicht mehr wachsen können. Dafür sind aber im ersten „Raum“ der Führung Tropfsteine ganz und aufgeschnitten ausgestellt, und diese dürfen, sollen sogar angefasst werden.

Die Führung beginnt mit einer Erklärung zur Entdeckung der Höhle und allgemeinen Informationen zu Tropfsteinen. Dann wird an mehreren Stationen innerhalb der Höhle über spezielle Formationen gesprochen, über den Verlauf der Höhle, die Bildung derselben, die Erschließung bestimmter Teile, die Höhlenbären, die Fledermäuse…

Der Ablauf sieht so aus, dass man sich an den Stationen trifft, sich dazwischen aber jeder im eigenen Tempo bewegen kann. Wie lange man also bei den separat beleuchteten Tropfsteinen oder den Skeletten stehen bleibt, wie viele Fotos man macht, wie schnell oder langsam man läuft, ob man in der Masse oder lieber für sich bleibt – da ist man eigentlich sehr frei.

Noch besser: Will man ganz für sich gehen, ist auch das möglich: indem man nämlich den Führer am Eingang bittet, das Tonband einzuschalten. Dieses ist auch in unterschiedlichen Sprachen verfügbar. Man bleibt dann hinter der Gruppe, und wenn diese an einer Station fertig ist und weitergeht, wird das Tonband angemacht, das quasi den identischen Text enthält. Den kann man dann für sich alleine anhören und dann ebenfalls weitergehen.

Fragen werden gerne, freundlich und umfassend beantwortet. Die Erklärungen sind für Kinder verständlich aber für Erwachsene nicht langweilig. Falls nicht bereits die nächste Gruppe ungeduldig wartet, ist nach der Führung noch Zeit um weitere Fragen zu stellen.

Beachtet werden sollte, dass die Höhle tief genug ist, dass das ganze Jahr über eine Temperatur von nur 9 Grad herrscht. Wer leicht friert sollte gerade im Sommer eine leichte Jacke mitbringen.

Die Wege sind gut erschlossen und auch für jüngere Kinder gangbar. Ich hatte auch schon leicht gehbehinderte Personen mit dabei. Allerdings sollte das Treppensteigen funktionieren, denn insgesamt gibt es ca. 400 Stufen. Die Geländer sind durchgängig gut. Der Rückweg vom Ausgang zum Parkplatz dauert je nach Lauftempo und wie sehr man die Natur genießen möchte (der Weg ist sehr schön und es gibt mehrere Abzweigungen, an denen man noch weitere Infotafeln finden kann mehr oder weniger lang. Man kommt auf dem Weg zum Parkplatz an einem Souvenirshop und einem Restaurant/Café vorbei. Das Angebot ist nicht gerade ausgefallen, aber gut. Vegetarier haben keine Schwierigkeiten.

Teufelshöhle Pottenstein auf Wikipedia

Website der Teufelshöhle Pottenstein

Wer gerne noch mehr Zeit in Pottenstein verbringen möchte, kann den Besuch der Teufelshöhle mit einer oder mehreren anderen Attraktionen der Ortschaft verbinden. Davon hat Pottenstein nämlich wirklich genug: 21 Angebote (die Teufelhöhle eingeschlossen) stellen die „Pottensteiner Erlebnismeile“ dar. Das Angebot ist so vielfältig, dass jeder was finden sollte – vom Fossilienklopfen, falls man noch nicht genug von Steinen hat, bis zum gemütlichen Wandern, interessanten Museen, einer Burg (die wir grundsätzlich immer erst nach Ende der Öffnungszeiten erreichen) bis hin zu sportlich-aktiveren Angeboten, die von Minigolf über mehrere Schwimmbäder bis hin zu einer Sommerrodelbahn führen.

Museum der Medizingeschichte, Brüssel

Wir sind an sich sehr große Museumsfans.

Die Region Brüssel ist da sehr gut bestückt.

Mein absolutes Lieblingsmuseum ist gleichzeitig das erste, das wir je gemeinsam besucht haben.

Es ist das Musée de la Médecine/Museum voor Geneeskunde – das Museum der Medizingeschichte.

Damals war mein Mann, der zu dem Zeitpunkt noch lediglich der Mann war, den mir eine gemeinsame Bekannte zwangsvorgestellt hatte. Oder sagen wir mal, irgendwie war schon was im Busch, da dieses zweite persönliche Treffen aus einer für mich absolute untypischen Schnapsidee entstanden war und ich jetzt aus organisatorischen Gründen eine Weile in Belgien festsaß. Lange Story, und die soll auch mal zur allgemeinen Erheiterung erzählt werden, aber in einem eigenen Post.

Als nun also der Herr hörte, dass Medizingeschichte ein absolutes Lieblingsthema von mir ist, regte er umgehend einen Besuch in diesem Museum an, und dem stimmte ich auch umgehend zu.

Das Museum befindet sich in Anderlecht. Anderlecht ist eine der Gemeinden in der Region Brüssel-Hauptstadt und zwar im Südewesten derselben. Oder, um es Johanna-kompatibel auszudrücken: unten links.

Eine kleine Herausforderung für zwei Vollzeit arbeitende Menschen: Die Öffnungszeiten. Wochentags, 13 bis 16 Uhr. Super. Ein Wochenende im Monat ist auch geöffnet, aber das war grad etwas lange hin.

Neben der Platzierung der Öffnungszeiten finde ich die Dauer sehr anstrengend. Drei Stunden? Wie soll ich in drei Stunden durch dieses Museum kommen. Ehrlich… ich könnte da drin doppelt so viel Zeit verbringen. Immerhin ist der Eintritt günstig, sodass man durchaus mehrmals vorbeikommen kann. Vorausgesetzt, man schafft es, sich zwischen eins und vier Zeit zu nehmen. Oder man wartet eben auf das erste Wochenende im Monat.

Neben wechselnden Sonderausstellungen gibt es tolle Dauerausstellungen. Vorausgesetzt, man interessiert sich für Medizingeschichte.

Außerdem sollte man sich nicht leicht ekeln, denn es gibt viele sehr detaillierte Modelle, z. B. mit zur Illustration von Operationen, Amputationen u. ä. Jaja ich finde das toll. In der chirurgischen Sammlung alleine könnte ich Stunden verbringen.

Die Sammlung der anatomischen Modelle – erneut mit der Darstellung zahlreicher Verfahren im Detail – kostet mich ebensoviel Zeit. Oder eher: noch mehr, denn diese Ausstellung ist auf zwei Ebenen verteilt und bietet entsprechend viel zu sehen.

Der allgemeine Ausstellungsbereich ist sicher eher Mainstream-tauglich und enthält viele interessante Stücke, vom ausgestopften Pestdoktor bis zu einer kompletten Apothekeneinrichtung.

Einen ganz eigenen Besuch waren mir die Sammlungen zur ägyptischen und präkolumbianischen Medizin wert – die erste unten im Keller, die zweite ganz oben, in entgegengesetzten Teilen des Gebäudes.

Nach wie vor habe ich es nicht geschafft, die Ausstellungen zu asiatischer und afrikanischer Medizin zu besuchen. Diese sind nur zu sehen, während keine temporären Ausstellungen stattfinden. Das hat sich zeitlich noch nicht ergeben.

Die Ausstellung der historischen Medizinbücher lasse ich aus. Da juckt es mich zu sehr in den Fingern, Sachen anzufassen und durchzublättern.

Wer etwas mehr Anleitung beim Besuch haben will als ich, kann sich für zwei Euro einen Digiguide leihen oder im Voraus eine Führung buchen. Mit Digiguides komme ich meistens nicht zurecht, also lassen wir das… und eine Führung würde mich persönlich eher stören, da ich mich in Ruhe mit dem befassen können will, was mich Besonderes interessiert.

Unterm Strich, abgesehen von den echt belgisch-bescheuerten Öffnungszeiten ein wirklich tollen Museum zum Thema.

 

Schlacht von Austerlitz – Reenactment (Teil 2)

Fortsetzung von hier

Auch der Samstag blieb trocken.

Erste Amtshandlung des Tages nach Kaffee für mich und Frühstück für den Mann: Ab in den Stall und Pferde sichten. Wenig begeisterte uns die Ankündigung, wir würden ausgebildete Dressur-(Turnier-)Pferde zur Verfügung gestellt bekommen. Weniger wegen „Hilfe, das Pferd ist so teuer“, und mehr deswegen, weil das Gros der ausgebildeten Turnierdressurpferde nicht gerade für Nervenstärke und gutes Benehmen bekannt ist. Das ergibt sich leider aus der eher katastrophalen Ausbildung, die sich nur auf Leistung und nicht auf die Grundlagen konzentriert.

Vor dem Stall stehen zwei Wachen mit Bärenfellmützen – Mitglieder der alten Garde Napoleons.

„Oh“, sagt der Mann, „Ist der Chef schon da?“

Der Soldat schaut ihn ob der Respektlosigkeit finster an, aber er spielt einen der wenigen, die sich das tatsächlich leisten dürfen, also missbilligt er schweigend.

Wir treten ein, sehen Napoleon auch direkt seitlich am Gebäude stehend – ihm gegenüber ein Fernsehteam, das ihm ein Mikrofon unter die Nase hält. Er gibt sein Interview mit sichtbarer Freude. Als Napoleondarsteller muss man sowas schon mögen.

Wir bleiben mal schön aus dem Bild und schauen nach unseren zugeteilten Rössern.

Die werden uns gesattelt übergeben und machen einen angenehm ruhigen Eindruck. Runde um den Platz damit… naja, Dressurpferde müssen sich ja per Definition eigentlich gut lenken lassen. Tun sie auch. Wie sie dann im Gefecht aussehen werden wir sehen… spätestens beim Einexerzieren.

Zumindest schwingt der Mann mal sein Schwert etwas, und das Gefuchtel zumindest stört sein Pferd nicht.

Ich merke mir allerdings eines – nächstes Mal vorsorglich Sporen mitbringen. Manche historischen Sättel machen es einem wirklich schwer, mit dem Bein „ans Pferd zu kommen“ und wirken fast so isolierend wie Westernsättel. Dann hat man entweder eine Verlängerung am Stiefel, oder am nächsten Morgen Muskelkater. Da ich in meiner Rolle meistens nicht reite, spare ich mir das üblicherweise. Hier wurde uns aber mitgeteilt, wer kein Fußsoldat ist und reiten kann bekommt auch ein Pferd, denn die Strecke zum Gefechtsplatz ist etwas länger und soll aus Rücksicht auf den Park nicht mit dem Auto angefahren werden.

Das Wetter ist immer noch trocken, der Himmel grau und dicht bewölkt. Der Mann friert trotz Pelzmantel. Ich nicht, trotz dünnem Segeltuchmantel.

Meistens findet das Einexerzieren so halböffentlich statt – also für das Publikum zugänglich, aber sie müssen schon aktiv da hin wollen, rausfinden wo es ist, und hingehen. Nicht hier. Hier ist es offiziell ausgeschildert und Teil des Veranstaltungsplans. Fußsoldaten, Kavallerie getrennt. Jeweils angesetzt mit einer Stunde.

Zeitgleich finden im Park auch Vorführungen statt – insbesondere unterschiedlicher Fechttechniken. Mehrere Gruppen sind ausschließlich für die Vorführungen angereist und werden nicht an der Schlacht teilnehmen.

Interaktiv wird es auch, denn die Veranstalter haben ein historisches Reitturnier organisiert. Das kann man sich jetzt grob so wie das vorstellen, was wir heute Ponyspiele nennen – nur eben in historischen Uniformen/historischer Kleidung und zumeist auf Großpferden. Ringe werden mit dem Schwert aufgespießt, etc.

Ich freue mich, dass ich die nicht exerzieren muss und Zeit habe, mir die Qualifikationsrunde anzuschauen. Da sind ein paar sehr schöne Pferde mit dabei – und die unseren lässt das Geknalle auch komplett kalt. Sehr schön.

Eines muss ich da direkt mal wieder merken: Vom Pferd aus stresst mich die Masse und das Gewusel wesentlich weniger als zu Fuß. Man ist doch etwas weiter weg, und außerdem hat man ein Pferd direkt bei sich, das hilft immer, so blöd das vielleicht klingt.

Das Mittagessen fällt sparsam aus, aber uns wurde ein größeres Festmahl nach gewonnener Schlacht in Aussicht gestellt. Soweit, so gut… verhungern werden wir jedenfalls nicht, und wer wirklich mehr Hunger hat, kann sich auf dem Markt ja einfach einen Crépe holen. Oder eine Wurstsemmel. Oder Suppe.

Ganz gerne gesehen hätte ich die Vorführung der österreichischen „Jäger“, aber das beißt sich mit dem Schlachtenplan, denn ich muss auf meinen Posten und mich um die Verwundeten kümmern.

Davon haben wir heute relativ wenige, was vermutlich daran liegt, dass der Boden recht kalt ist, und keiner so Recht Lust hat, auf diesem zusammenzubrechen und liegenzubleiben. Das wiederum wäre aber eine Grundvoraussetzung dafür, als Verwundet zu gelten.

Die Schlacht tobt – es sind sehr viele Gruppen da, es ist viel los auf dem Feld. Die Offiziere haben alle Hände voll zu tun, und mein Mann ist nach der Schlacht komplett nassgeschwitzt. Damit friert er natürlich anschließend noch mehr…

Irgendwann auf dem Rückritt zum „Hauptquartier“ reiht sich einer der Offiziere neben mir ein und meint: „Er  legt’s echt drauf an…“

Wer ist „er“ und warum legt er’s drauf an…?

Ich blicke mich um. Da er es zu mir gesagt hat ist „er“ vermutlich mein Mann… der unterhält sich grade mit seinem Kaiser und…naja, ihm ist kalt. Er hat sich die Zügel um das Handgelenk gewickelt und die Hände in den Ärmeln seines Wahnsinnsmantels versteckt. Wenn er meint.

Kurz darauf nimmt er die Zügel dann doch wieder auf, denn ihm fällt ein, man könnte ja mal aus Jux eine kleine Dressurkür hinlegen, wenn man schon das passende Pferd dazu hat.

Wir kommen alle angemessen beeindruckt „zuhause“ an und werden dort tatsächlich mehr als großzügig verköstigt.

Gut gestärkt geht es zurück in die Stadt. Inzwischen ist es finster, man muss schon aufpassen mit den Pferden.

Jetzt dürfen wir aber aufs Rathaus marschieren, wo wir – auch wenn im Original die Schlacht zu dieser Tageszeit schon lange vorbei war – auf letzten Widerstand treffen und es noch einmal zu einem Feuergefecht kommt…

.…das dann nahtlos in ein wunderschönes Feuerwerk übergeht. Ich liebe Feuerwerke, und gut choreographierte erst recht. Meinetwegen hätte es gerne doppelt so lang sein dürfen. Mündungsblitze am Boden, Feuerwerkssterne im Himmel – interessante Kombination.

Abendessen gibt es zu Hause, immer noch im Kostüm und „in character“, ein paar Stunden später.

Unser Gastgeber hat noch ein ganz besonderes Angebot für uns…

…und so stehen wir am nächsten Morgen früher auf, als wir müssten.

Danke-ich-frühstücke-nicht hat er nicht vergessen, aber meinen Kaffee bekomme ich stark und schwarz.

Tja, und dann geht es zurück aufs Pferd… aber nicht alleine, denn heute morgen dürfen wir den Falken beim üben zusehen. Wahnsinn, diese Vogel. Noch mehr, einen davon mit auf dem Pferd zu haben, oder starten zu lassen, oder wieder landen zu lassen… Einfach nur wow. Sprachlos. Immer noch. Mamagei und Papagei sage ich das lieber nicht, nicht dass die noch eifersüchtig werden…

Nach unserem kleinen Ausflug in die Falkenjagd nehmen wir uns noch die Zeit für das, was das ganze Wochenende über nicht geklappt hat – eine Führung durch Schloss Slavkov, bzw. das Museum dort.

Und dann geht es auch, das Mittagessen in Form belegter Brote in der Tasche, schon wieder auf die Heimfahrt. Definitiv ein Wochenende, das man nicht so schnell vergisst.

Dublin

Das Merrion Hotel in Dublin. Wow.

Also, ich hatte ja keine Ahnung, dass es das überhaupt gibt. Von außen wirklich unscheinbar, von innen macht es das sofort wieder wett. Es sind vier Stadthäuser, die in ein Gebäude umgebaut wurden. Eines davon war eben das Haus der Wesleys, das verkauft wurde, um Familienschulden abzubezahlen. Viel aus der Zeit ist nicht übrig, die Einrichtung ist zwar im Stil schon historisch, aber neuer als die Zeit vor 1800, die mich hier interessieren würde. Macht nichts, ich liebe so große, feudal eingerichtete Räume und komme aus dem Schauen erst mal nicht raus.

Das Hotel hat gleich mehrere Gelegenheiten, positiv aufzufallen. Wir gehen zur Rezeption, er nennt seinen Namen, und wir werden korrekt begrüßt. Das ist nicht selbstverständlich. Klingt vielleicht blöd in der heutigen Zeit, aber zahlreiche Orte außerhalb Belgiens haben ihre Schwierigkeiten damit, dass wir unterschiedliche Nachnamen haben. Im englischsprachigen Raum wird das dann noch schlimmer, weil die Verwirrung zwecks korrekter „Form of Address“ hinzukommt. Nein, hier bekommt man das hin.

Und noch was bekommt man hin – ich werde nämlich umgehend informiert, man wisse leider nicht welches Zimmer Arthurs Kinderzimmer war… allerdings würden sie versichern, es sei keine andere Verwendung aus der Zeit für den Raum bekannt, und die Lage im Gebäude wäre etwa richtig.

Grins. Ich liebe das Hotel jetzt schon.

Unser Zimmer ist für den Standard dieses Hotels eher klein, für allgemeine Hotelstandards aber riesig. Das Bett ist toll, die Fenster gehen in Richtung „Garten“ – später im Jahr wäre das wohl ein Park, man kann sich schon vorstellen, wie es aussehen wird, wenn alles grün ist, aber dazu ist es noch zu früh. Die Wände sind mit großformatigen Gemälden dekoriert und wir haben W-LAN.

Das Badezimmer hat eine Badewanne… ich freue mich schon, lasse aber dem Mann auf seine Anfrage hin den Vortritt. Er merkt die Ausläufer seiner Grippe doch noch etwas und möchte diese gerne in heißem Wasser ertränken. Darf er, ich baue mir derweil mal meinen Laptop auf, blättere das Infomaterial durch, das ich bekommen habe und drehe dann virtuell per Website eine Runde durch das Gebäude. Es gibt mehrere Bars und Restaurants im Hotel, aber nicht jedes Raumlayout „funktioniert“ für mich – ich weiß gerne vorher ungefähr, wo ich stressfrei essen kann.

Der Mann taucht gut durchgewärmt aus der Wanne auf, komplimentiert die Badezimmerausstattung und schlägt eine Runde durchs Hotel vor.
Die wird auch umgesetzt, wobei ich wenig überrascht feststelle, dass der laut Unterlagen großzügige Wellnessbereich für mich nicht nutzbar ist, wenn wie so üblich fangen meine Augen schon zu brennen und zu tränen an, wenn ich den davorliegenden Gang betrete. Ungestellte Frage geklärt… das lassen wir ausfallen. Wir üblich.

Wenn man Kunst nicht mag, sollte man dieses Hotel definitiv meiden. Überall hängen Bilder unterschiedlicher Formate. Nur weniges, bei dem ich mir denke „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Einige Sachen betrachten wir auch wirklich länger. Also – ich find’s toll.

Allerdings will ich die Badewanne auch noch ausprobieren, und zeitig ins Bett, und so wirklich Lust auf Gesellschaft habe ich auch nicht. Also probieren wir noch was aus: Den Zimmerservice, der dann tatsächlich auch kurz vor Mitternacht, als wir uns endlich endgültig entschieden haben, noch Pizza aufs Zimmer liefert. Billig ist er nicht, aber ganz ehrlich – das reißt’s bei diesem Hotel auch nicht mehr raus. Ich habe die Zimmerpreise inzwischen nachgeschaut und beschlossen, dass der Herr sich ein ganz besonders sorgfältig ausgewähltes Geburtstagsgeschenk verdient hat in diesem Jahr. Das Frühstück für den nächsten Morgen bestellen wir mal gleich mit.

*

Den Samstag beginnen wir mit einem punktgenau servierten Frühstück mit einer kleinen Panne an die wir gewöhnt sind: Die heiße Schokolade landet bei mir, der schwarze Kaffee beim Mann.

Wir tauschen ohne Kommentar die Tassen, darin haben wir Übung. Ich bin ja morgens eh nicht so wirklich gesprächsfähig, und er normalerweise nicht sehr streitlustig.

Wir sind normalerweise sehr viel zu Fuß unterwegs, und es zieht uns nach draußen, ganz unabhängig davon, wie diesig es ist. Da müsste es schon in Strömen regnen, und es sieht nicht mal aus, als würde es sehr feucht werden.

Dublin rühmt sich damit, klein genug zu sein, um fußläufig erkundet zu werden. Das trifft nun unserer Meinung nach auch auf Brüssel zu, aber es ist schon richtig, überfordert fühlen wir uns nicht.

Was zieht einen Bibliothekar und eine Büchersammlerin in einer Hauptstadt grundsätzlich magisch an? Genau. Die Nationalbibliothek, die Leabharlann Náisiúnta na hÉireann.

Hübsches Gebäude. Da das damalige Handy schon länger im Ruhestand ist, und ich die wenigen Fotos, die ich geschossen habe, nicht bei der Hand habe, bediene ich mich gerade mal bei Wikipedia.

Und was war gerade nicht ausgestellt? Wer „Wir fliegen nach Dublin?“ gelesen hat, kann’s sich denken…

Irgendwann bekomme ich das Ding schon noch zu sehen. Irgendwann schleiche ich mich mal unter falschem Namen nach Irland oder so, damit sie es nicht verstecken können. So.

Andere Ausstellungen gab es allerdings, und die bekamen auch ausführlich Aufmerksamkeit von uns. Das ganze zog sich, der Vormittag war dann auch rum. Das passiert, wenn man uns in eine Bibliothek setzt und unbeaufsichtigt dort rumlaufen lässt…

Da ist es praktisch, dass direkt neben dran die Archäologieabteilung des irischen Nationalmuseums, des Ard-Mhúsaem na hÉireann, angesiedelt ist. Dort gibt es nämlich nicht nur genug Ausstellungsmaterial für ein paar weitere Stunden Aufenthalt, sondern auch ein Café, das ein leichtes Mittagessen anbietet und uns erst mal für den nachfolgenden Museumsbesuch stärkt.

Bis wir dort fertig sind, ist es an der Zeit zum Hotel zurückzugehen. Unser Aufenthalt beinhaltet eine Veranstaltung, die sich Art Afternoon Tea nennt. High Tea ist ja normalerweise nicht so mein Ding, aber das klang echt interessant.

Außerdem soll es eine Harfespielerin geben (gibt es), und Harfe ist eines der wenigen Musikinstrumente, die ich eigentlich fast immer hören mag, und die mich auch im Hintergrund nicht stören.

Der Witz am Art Afternoon Tea ist, dass zum Tee kleine Gebäckstücke gereicht werden, die in Farbe und Form diversen Kunstwerken nachempfunden sind. Die Platten, auf denen sie angerichtet sind, enthalten dann auch immer eine Abbildung des inspirierenden Kunstwerks. (Ein paar Beispiele sind hinter dem obigen Link zu sehen.)

Man muss zum Glück auch keinen Tee trinken. Erneut werden wir positiv überrascht – dieses Mal werden die Getränke richtig herum serviert. So liebt man das doch… Ziemlich voll ist es, aber eines muss man schon sagen – wenn alle ausreichend vornehm tun, bringt man wesentlich mehr Personen in einen Raum, ohne gleich Overload auszulösen. Die essbare Umsetzung diverser Kunstwerke beschäftigt mich auch wirklich genug, um mich nicht daran zu stören. Ich finde das ganze Konzept toll.

Trotzdem will ich danach nochmal raus. Dieses mal gehen wir aber nicht weit, sondern nur bis zum Merrion Square Park.

Hier bin ich mal ausnahmsweise „voll Mainstream“. Ich finde die Statue von Oscar Wilde toll, die da so relaxt auf einem Stein liegt und es sich gut gehen lässt. Die unterschiedlichen Farben und Texturen sind aus unterschiedlichem Stein hergestellt. Die grüne Jacke ist grüne Jade aus Kanada, die roten Aufschläge aus Thulit (einer Zoisitvarietät) die Hose Larvikit (beides aus Norwegen), Kopf und Hände aus weißer Jade aus Guatemala. Die Schuhe sind aus Granit.
Das Gesicht trägt einen doppelten Ausdruck – die eine Hälfte blickt ernst, die andere lächelt.

Der Künstler, Danny Osborne, wollte Wildes Liebe zu schönen Objekten und Edelsteinen sowie seine schillernde Persönlichkeit einfangen. Ich denke, das ist ihm sehr gut gelungen.

Foto wieder von Wikipedia.

Die beiden Säulen, die noch zu dem Kunstwerk gehören, sprechen mich allerdings weniger an.

Neben dieser hat der Park auch noch andere Skulpturen und ist außerdem für seine Sammlung historischer Straßenlaternen bekannt.

Unser letzter Stopp des Tages ist das Oscar Wilde House, 1 Merrion Square. Wir hatten gehofft, dieses sei zu besichtigen – Falsch gedacht. Zum einen wurde es gerade mal wieder umgebaut – wir hören später von einer Kollegin aus Dublin, das sei mehr oder weniger Dauerzustand – und zum anderen wäre eine Voranmeldung ohnehin immer empfehlenswert.

Nach ein bisschen Ausruhen im Zimmer, und ein bisschen Träumen von Klein-Arthur, der geigespielend am Fenster steht und in den Garten hinausschaut, geht es zum Abendessen in eines der Hotelrestaurants, ausgesucht nach dem Layout bzw. den Nischentischen, in denen man sich gut abschirmen kann. Das Essen ist genau wie der Rest des Hotels: einfach toll.

Und weil noch Tag übrig ist, keiner von uns fahren muss, wir gerade in Irland sind und ohnehin gerne mal einen guten Whisk(e)y trinken und viel zu selten dazu kommen, endet der Abend in der hoteleigenen Bar No. 23 beim Whiskey-Tasting in 1-A Gentlemen’s-Club-Atmosphäre.

Yep. So ein Wochenende darf er auch wieder mal planen, der Mann.

(Nein, ich habe in der Auktion am Sonntagvormittag dann keinen Zuschlag bekommen. Er auch nicht. Aber das Wochenende war toll.)

Technik im 18. Jahrhundert. Woran denkt ihr? Welche Ideen, welche Vorstellungen bringt diese Kombination? Was gab’s damals schon? Die Dampfmaschine vielleicht? Oder war das später? (Es gab einen Vorläufer seit Ende des 17. Jahrhunderts; Watt patentierte das, was wir als Dampfmaschine kennen, 1781). Uhren… Uhren gab es, richtig? So Taschenuhren zum Aufziehen.

Die industrielle Revolution rechnet man in Europa ab ca. 1760. Man denkt an Dreck, an Lärm, an Kinderarbeit, ach, war Oliver Twist nicht erst hundert Jahre später?

Die Erfinder des 18. Jahrhunderts brachten aber auch ganz andere Dinge hervor… Dinge, die ganz ohne Dreck auskommen.

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Jean-Joseph Merlin (1735 – 1803); Gemälde von Thomas Gainsborough

Jean-Joseph Merlin aus Huy (das ist in Belgien), Jahrgang 1735, bastelte sich Mitte des Jahrhunderts den Vorläufer der Inline-Skates. Es heißt, es sei damit dann während eines Balls am englischen Könighaus postwendendin einen Spiegel gefahren. Man fragt sich, was die Queen heute sagen würde, wenn jemand mit Rollschuhen an den Füßen zum Ball käme.

Er erfand natürlich auch noch andere nützliche Dinge (oder: andere, nützliche, Dinge; darüber, ob nun Inliner ohne Bremsmöglichkeit nützlich sind, lässt sich streiten…) Eigentlich war er ja von Beruf Uhrmacher, und so verstand er sich auf den Umgang mit Zahnrädern, Übersetzungen, Umlenken von Kräften. Er verbesserte Uhren und Musikinstrumente, Rollstühle und Waagen.

1773 konstruierte er ein ganz besonderes Stück. Im Gegensatz zu der obigen Liste dient es keinem praktischen Zweck. Es ist nur hübsch anzusehen, und gibt einen Einblick darin, was man mit ein paar aufziehbaren Uhrwerken alles anstellen kann, wenn man die passende Ideen hat.

Der Silver Swan ist heute im Bowes Museum in England ausgestellt und wird dort einmal täglich vorgeführt. Nur einmal am Tag, denn die Mechanik läuft nach einem Vierteljahrtausend noch immer einwandfrei, und das soll auch so bleiben.

Angetrieben durch drei Aufziehurwerke bewegt sich der Schwan (Maßstab 1:1), beginnt, sich zu putzen, entdeckt im gläsernen See vor sich einen Fisch, den er sich schnappt und verschlingt. 40 Sekunden dauert der Ablauf, begleitet von einer Spieluhr.

Sehenswert ist er auf jeden Fall, und da die Wenigsten jetzt schnell nach Nordengland fahren können um ihn sich anzuschauen, bringe ich euch hier ein Vorführungsvideo mit. Die Übersetzung des Texts aus dem Video findet ihr drunter.

 

Der Text aus dem Video:

Merlins Meisterstück war ein fantastischer Schwan, komplett aus Silber hergestellt.

Er ist einer der Automaten seines Zeitalters, denen wir die größte Ehrfurcht entgegenbringen. Er entstand aus genialer Uhrmacherkunst in Kombination mit geradezu visionärer künstlerischer Ausschmückung. Ein Uhrwerk treibt diese einfachen Glaszylinder an, womit Merlin es schaffte, den außerordentlich komplexen Eindruck von fließendem Wasser zu erzeugen.
Das Licht bricht sich an der gewundenen und unregelmäßigen Oberfläche der Stangen und bildet so die unverkennbare Spiegelung von Wasser an der Unterseite des Schwans.
Die handwerkliche und künstlerische Qualität dieses Stücks ist atemberaubend.

[Vorführung des Schwans]

Es ist ein mechanisches Wunder.

Wenn wir uns ansehen, wie der Schwan seine Bewegungen so präzise ausführt – es ist ein Meisterwerk, in dem Uhrmacherkunst mit den Fähigkeiten eines Juweliermeisters verbunden sind. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie das Londoner Publikum in den 1770ern auf dieses Gerät reagiert hat. Endlich war Merlin der Star des gesellschaftlichen Lebens, der er immer hatte sein wollen. Die Leute kamen in Scharen, um dieses Gerät zu sehen und sich von diesem Triumph aus Schönheit und technischem Geschick verzaubern zu lassen.

 

Newstead Abbey, Nottingham, Juni 2016

Normalerweise stehe ich ja nicht so sehr auf Dichtung (was häufig überrascht, da mit gereimte Texte sehr schnell im Gedächtnis bleiben. Einzig – nur weil ich es kann, heißt es noch lange nicht, dass ich es aus Spaß mache. Gedichte bleiben mit im Kopf, ohne dass ich dazu wirklich selbst einen großen Beitrag leiste. Das ist so ein bisschen wie Atmen. Das passiert halt.

Normalerweise stehe ich nicht auf Dichtung, oder Dichter, aber es gibt die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Diese heißt George Gordon, starb 1824 im griechischen Freiheitskrieg und ist allgemein besser bekannt als Lord Byron.

Lord Byron war befreundet mit Mary, damals noch Godwin, und Percy Shelley, und als er dank seiner übermäßigen Schulden im April 1816 sozusagen aus England hinausflog, fand er sich nur wenige Monate später mit den beiden, seinem Leibarzt und Marys Stiefschwester am Genfer See wieder. Dort ging es wohl recht hoch her, und es kam dann eben im Juni der Tag, an dem sie sich keine Spukgeschichten mehr vorlesen, sondern ihre eigenen schreiben wollten. Zwei davon sind erhalten: Byrons Fragment of a Novel, später von Polidori als The Vampyre überarbeitet in eigenem Namen veröffentlicht, und Marys Anfänge zu The Modern Prometheus – die Geschichte, die wir heute als Frankenstein kennen.

Nun jährte sich dieser Schreibeabend zum 200. Mal, und die Gelegenheit wurde genutzt um eine Themenkonferenz zu organisieren – wo besser als in Newstead Abbey, dem Heim der Familie Gordon seit dem 16. Jahrhundert – bis Byron das Anwesen 1818 verkaufte, um seine Finanzen aufzubessern.

Und auf diese Veranstaltung wollte ich eigentlich. Etwas überrascht stellte ich aber fest, dass die recht begehrt war, und ich bereits nur noch auf die Warteliste gesetzt werden konnte. Nachdem ich über längere Zeit nichts hörte, hatte ich schon kaum mehr daran gedacht. Schließlich, in wirklich allerletzter Minute, wenn man die Anreisestrecke bedenkt, kam ein Anruf. Ich könnte zwei Plätze haben, wenn ich sie noch wollte. Der Mann klärte kurz ab, ob er so kurzfristig freinehmen dürfte – er durfte in der Tat –, ich bestätigte die Tickets, wir buchten den Flug.

Unterkunft stellte sich als kompliziert heraus, es war so kurzfristig nichts zu bekommen, das für uns passte. Natürlich, „irgendwo schnell“ unterkommen könnte man immer mal, aber das mache ich sehr ungerne. Unser Rückflug, ebenfalls suboptimal, ging von London aus. Die Zeit war einfach zu knapp, um unsere Wunschflüge zu buchen, wir mussten nehmen, was es noch gab. Wir hatten also am nächsten Morgen nochmal eine ziemlich lange Strecke zu fahren. Die Entscheidung fiel schließlich dahingehend, bei einer Bekannten in Manchester zu schlafen – oder eher darauf zu warten, dass die Nacht rum ist – und dann frühmorgens aufzubrechen. Auch suboptimal, aber gut… Sie hatte es angeboten, als ich sie nach einer Hotelempfehlung fragte, obwohl es unwahrscheinlich war, dass wir uns morgens aus der Wohnung schleichen konnten, ohne sie zu wecken. „Suboptimal“ war also irgendwie der rote Faden, der sich durch diese Reise zog.

Entsprechend trat ich sie schon in der Erwartung an, dass alles nicht so recht passen würde. Zu einer stressigeren Zeit hätte ich die Fahrt wohl lieber bleiben lassen, so war ich relativ sicher, dass es gehen würde, v.a. weil ich danach zwei Wochen Ruhe ohne Termine hatte.

Am Abend vor dem Abflug – ich war bereits in Bayern, weil unser Flug von München aus ging – erreichte mich dann noch eine E-Mail. „Ich möchte die geladenen Gäste bitten, den formellen Dresscode zu respektieren.“ Sag mal, Herr Organisator, geht’s noch? Das sagst du mir 24 Stunden vor Veranstaltungsbeginn? Sorry, geht nicht weil is‘ nicht. Es ging also eine E-Mail zurück, dass ich in dem Fall bitte wieder ausgeladen werden möchte, keinesfalls würde ich in „formellem Dresscode“ entsprechender Kleidung einen Flug und zwei Zugfahrten machen, um dann mit ca. 20 Minuten Luft vor der Veranstaltung anzukommen. „Ordentlich aber praktisch“ könnte ich ihm anbieten, und ich könnte ihm bereits jetzt versprechen, dass unser Schuhwerk reisetauglich sein würde, aber keinesfalls irgendeinem Dresscode entspräche. Er schrieb zurück, das sei doch natürlich eine Ausnahmesituation bei der darüber hinweggesehen würde. Nun gut, Eindruck hatte er jedenfalls schon hinterlassen. Ich vermutlich auch.

Bei uns ging es also sehr früh nach München. Da ich längere Überland- bzw. Autobahnfahrten als durchaus entspannend empfinde, durfte der Mann auch noch etwas Schlaf aufholen. Der hatte ja am Vortag noch arbeiten müssen und war erst mitten in der Nacht aus Belgien gekommen.

Der Flug ging problemlos, der Kaffee im Flieger fiel nicht negativ auf (damit hat der Flug dann schon mal einen Punkt gut bei mir). In Manchester hatten wir etwa eine dreiviertel Stunde Leerlauf, bevor unser Zug ging. Das reichte zwar nicht, um wirklich etwas anzuschauen aber es war genug, um mal eine Runde frische Luft zu schnappen und ein bisschen zu laufen. Wir sind ja an sich sehr gerne zu Fuß unterwegs und brauchen das auch irgendwie.

Ich hasse Züge eigentlich und finde Zugfahren schrecklich desorientierend. Etwas besser wird es, wenn ich den Laptop mitnehmen und unterwegs ein bisschen arbeiten kann, was natürlich sehr vom Zug und dem Füllgrad abhängt. Es war relativ früh am Tag, da ging es. Von der Strecke nach Sheffield habe ich so natürlich nichts mitbekommen, für mich aber besser so.

In Sheffield hieß es dann Umsteigen mit Wartezeit, dort suchten wir uns dann erst mal ein Subway. Davon gibt es in Sheffield erfreulich viele. Subway ist für mich ein praktisches mal-schnell-was-essen unterwegs. Egal, wo ich bin, ich kann mir mein Sub immer so bestellen, wie ich es will, und es schmeckt immer ausreichend gleich.

Die Zugverbindung von Sheffield nach Nottingham heißt, mit gutem Grund natürlich, „Robin Hood Line“. Das macht es immerhin einfacher, nicht aus Versehen in den falschen Zug zu steigen.

Offiziell fährt man, um nach Newstead Abbey zu kommen, bis Nottingham durch und steigt dort in den Bus, der einen dann wieder entlang der gleichen Strecke ein Stück zurückfährt. Wir stiegen allerdings einfach bei Newstead Village aus und liefen den Rest. Länger brauchten wir dafür auch nicht. Die Strecke ist mit 20 Minuten Fußweg ausgeschildert. Das ist großzügig bemessen. Wir brauchten etwas mehr als 10, also wäre bei einer „normalen“ Gehgeschwindigkeit wohl ca. 15 min. zu erwarten.

Newstead Abbey heißt deswegen Abbey (=Abtei), weil das Gebäude ursprünglich als Kloster errichtet wurde und einem Augustinischen Orden diente. Unter Henry VIII wurden jedoch ab 1536 die katholischen Klöster aufgelöst und enteignet. Einige Klosterkirchen blieben als normale Pfarrkirchen in Verwendung, viele wurden einfach abgebrannt und zerstört, sind teils bis heute als Ruinen erhalten. Wieder andere wurden einer weltlichen Verwendung zugeführt, wie eben auch Newstead Abbey, das 1540 von John Byron erworben wurde und bis 1818 im Besitz der Familie blieb. Dazu gehören sehr umfangreiche Ländereien, Parks, Gärten und Nebenanlagen. Wenn man genug Zeit hätte, könnte man sich das auch größtenteils anschauen.

Uns blieben etwa 30 Minuten zur Verfügung, die wir in einer ruhigen Gartenecke zubrachten.

Unsere Veranstaltung begann dann mit einer kleinen Führung. Newstead Abbey wurde mehrfach umgebaut, vor allem nach Byrons Verkauf auch recht umfassend. Zwischenrein gab es mal einen Brand, die Restauration danach ist nicht unbedingt das, was ich mir unter denkmalschützerisch wertvoll vorstelle. Das Gebäude ist sehr viktorianisch – was auch recht hübsch ist, aber eben nach Byrons Zeit liegt. Es gibt, sah ich, Ausstellungsbereiche, die sich der Zeit als Abtei sowie den späteren Zeiten widmen. Wir wurden nur durch die Byronausstellung geführt. Diese ist… nun ja, nett. Es finden sich Möbelstücke, Briefe, Portraits des Dichters, aber es ist eben nur eine Sammlung.

Und da merke ich dann schon, dass es eben „nur“ Lord Byron ist. Das Ganze ist wirklich nett, reißt mich aber nicht vom Hocker. Auch ein Lord Byron wird bei mir eben immer nur die zweite Geige spielen, hinter jenem Mann, den er selbst in einem Gedicht mit dem Titel „The Best of Cutthroats“ (Der beste Halsabschneider) bedachte (der übrigens tatsächlich in der Lage gewesen wäre, die erste Geige zu spielen), und den Byron, so seine Aussage zu mehreren Gelegenheiten, gerne hätte hängen sehen. Na, die Antipathie zumindest ging in beide Richtungen, Wellington regte dringend an, Byron zu erschießen. Wellington musste heute aber zu Hause bleiben, es geht ja um Byron.

Was ich gerne gesehen hätte, wären z.B. Räume gewesen, die eingerichtet sind, wie sie es zu der Zeit waren, in der Byron dort lebte. Oder wenigstens soweit das im Rahmen der Umbauten möglich ist. Dass man sich etwa in nachgemachter Kleidung, wie sie auf Byrons Portraits zu sehen ist, photographieren lassen kann, ist für mich auch eher eine Spielerei, die ich nicht unbedingt haben muss.

Okay… mal gerade sichergehen: Objektiv gesehen ist die Ausstellung gut. Subjektiv war sie nicht das, was ich sehen wollte.

Es folgten die Vorträge, also der eigentliche Hauptteil der Veranstaltung. Wir hatten glücklicherweise einen Randplatz. Während ich allgemein nicht gut damit zurechtkomme, Köpfe im Blickfeld zu haben, ließ sich das mit Augen zumachen gut handhaben – ich musste schließlich nicht sehen, was der Redner da vorne macht, und so auf halber Strecke zwischen dem Restpublikum sollte es ihm auch nicht negativ auffallen. Es gab mehrere Beiträge unterschiedlicher Länge und unterschiedlicher Qualität. Der Großteil bezog sich natürlich auf Byron und die Shelleys, eine befasste sich mit Adaptionen von Frankenstein und, dank der Verbindung über Fragment of a Novel kamen wir auch noch in den Genuss eines kleinen Vortrags über den Vampir im allgemeinen und den britischen Vampyre im speziellen. Vampire mag ich ja, wie gesagt.

Zusammen mit einer kleinen Diskussionsrunde dauerte das ganze deutlich länger als geplant, und vor dem nachfolgenden gemeinsamen Abendessen verabschiedeten wir uns mit Hinweis darauf, dass wir einen Zug erwischen mussten. Wenn die Bekannte aus Manchester uns schon bei sich schlafen ließ, wollten wir wenigstens pünktlich sein, und nicht mit knapp zwei Stunden Verspätung aufschlagen.

Auf der Rückfahrt wurde das Umsteigen in Sheffield recht knapp, klappte aber. Gerade hatten wir uns in dem Zug nach Manchester auf freie Plätze gesetzt und mal eben E-Mails abgerufen, als eine Nachricht einer Freundin auf Facebook auftauchte. Ich schrieb zurück, sie entschuldigte sich schon mal im Voraus, sie sei im Zug und wüsste nicht, wie lange ihre Verbindung halten würde. Kurzes Grinsen. Wir auch. Aber bestimmt nicht im gleichen Zug, oder? Sie: In welchem sitzt ihr denn? Ich: Sheffield-Manchester. Sie: Nee, aber wenn ihr in Manchester aussteigt und ein bisschen wartet, könnt ihr bei mir einsteigen.

Kurzes allseitiges Koordinieren, dann stand fest: Wir tun unserer Bekannten und uns selbst diese Übernachtung nicht an – was wohl allen Beteiligten so nur Recht war – fahren stattdessen direkt nach London, schlafen dort bei der Freundin und werden am nächsten Tag von deren Mann zum Flughafen gefahren. Tja, auf die Idee hätte man echt vorher auch kommen können. Hier ist es dann von Vorteil, dass ich auf Reisen generell etwas weniger auf einen vorgeplanten Ablauf festgelegt bin und 1-2 Tage mit plötzlichen Umplanungen ohne größere Katastrophen zurecht komme.
Die Londoner Freundin ist ebenfalls Autistin, auch mit einem NT verheiratet, wir machen auch öfter mal was im Viererpack und verbringen auch schon mal ein Wochenende dort – oder sie bei uns. Nebenbei teilen wir uns ein Spezialgebiet, und die beiden Herren können sich in der Küche vergnügen (beide sind tolle Köche), während wir neue Erkenntnisse austauschen. Wäre das ganze jetzt geplant gewesen, hätte jede von uns noch ein Buch zum Thema dabei gehabt, das dann die Besitzerin wechseln würde, das muss dann dieses Mal leider ausfallen.

Damit endete der Tag dann doch noch entspannter, als zuvor für möglich gehalten, mit einer Flasche gutem Whiskey und Brettspielen, und ich konnte mir am Folgetag die öffentlichen Verkehrsmittel zum Flughafen sparen.

Grundsätzlich – ich würd’s wieder machen, aber nur mit mehr Vorlaufzeit und mehr Gelegenheit zur Organisation.

 

 

Mary Shelley: Frankenstein oder Der moderne Prometheus  auf Projekt Gutenberg
Frankenstein; Or, The Modern Prometheus by Mary Wollstonecraft Shelley auf Project Gutenberg

Lord Byron: Ein Fragment auf Projekt Gutenberg
Fragment of a Novel by Lord Byron auf sff.net

John William Polidori: Der Vampyr auf vampyrbibliothek.de
The Vampyre, by John William Polidori
auf Project Gutenberg

Urlaubsreview – Tag 5

Schlosspark Laxenburg und Franzensburg

Der Schlosspark in Laxenburg ist nicht nur mit Ritterfest einen Besuch wert, sondern auch anderweitig. An diesem Tag hatte die ganze Gegend kaum mobiles Internet – die Pokémonjagd musste entsprechend aufgegeben werden.

Der Park wurde von dem bereits erwähnten Kaiser Franz I. angelegt. Es ist ein rein künstlicher Park, alles, was dort steht datiert maximal ins frühe 19. Jahrhundert. Dazu zählen auch die „alten“ Ruinen und Tempel.

Der Park ist bei Besuchern sehr beliebt, vor allem bei schönem Wetter. Auf Kinder mit Fahr- und Laufrädern muss man etwas aufpassen. Reiter aus dem angeschlossenen Stall haben ihre eigenen Reitwege und sollten dem Spaziergänger nicht über den Weg laufen. Hat man es lieber ruhiger, kann man die kleineren Wege verwenden.

Wer weniger gut zu Fuß ist, kann die parkinterne Bimmelbahn verwenden, für Kinder gibt es Ponyreiten, am See einen Bootsverleih. Das angeschlossene Filmmuseum hatte leider noch nie geöffnet, wenn wir dort waren und Zeit gehabt hätten.

Im Park fühle ich mich, vor allem in den hinteren Bereichen, immer wie in ein Computerspiel versetzt. Man sieht in der Ferne einen Punkt, geht drauf zu, es wird langsam ein Gebäude draus (z. B. der Concordiatempel). Man hält drauf zu, kommt an einen Fluss, kann erst mal schauen, wo und wie man da drüber kommt… sehr viel Spaß.

Im See gibt es die Franzensburg – eine Wasserburg die auf drei Wegen zu erreichen ist: Über die Fähre, per geliehenem Boot oder hinten rum über eine Brücke, quasi durch den Hintereingang. In der Burg gibt es einen kleinen Museumsladen – da wir immer kurz vor Ende der Sommeröffnungszeiten auftauchen, haben wir dort nie wirklich viel Auswahl – und ein Burgcafé, das schon eher als ausgewachsenes Restaurant bezeichnet werden könnte.

Die Burg, die als Museum gebaut wurde und mit aus unterschiedlichen Schlössern und Stiften entfernten Gegenständen ausgestattet ist (einschließlich der Deckenkassetten und Wandtapeten), ist nur im Rahmen einer Führung zugänglich.

Davon gibt es zwei Stück: Eine „Turm- und Dachführung“ und eine Museumsführung. Dauert jeweils ca. 55 Minuten und findet versetzt statt.

Turm- und Dachführung: Es gibt sehr viele Stufen. Wer schlecht Treppensteigen kann oder anderweitig Probleme mit Wendeltreppen hat, sollte es bleiben lassen. (Eine Dame ging nicht mit auf den Turm. Da die Führung nicht gerade die billigste ist, würde ich mir das doch eher vor dem Kartenkauf überlegen wollen). Der Blick vom Turm ist sehr schön und weit, auch von den „Wehrgängen“ auf dem Dach aus hat man eine gute Aussicht. Höhenangst sollte man nicht haben.

Einige der Gänge und Wege sind ziemlich eng, auch an Stellen, an denen man mal stehenbleiben und warten muss. Mit einer größeren Gruppe dicht gedrängt stehen ist jetzt nicht so unbedingt meines. Wären noch ein oder zwei Personen mehr in der Führung gewesen, wäre es nicht mehr möglich gewesen, unfreiwilligen Körperkontakt zu vermeiden.

Der Führer redete viel und informativ, erzählte auch einiges zu den Hintergründen des Baus und dem in der Burg verwendeten Symbolismus. Die Führung war durch das ständige Stop-and-Go, wie es bei solchen Führungen eben üblich ist, ziemlich anstrengend zu laufen (ich finde das wesentlich ermüdender als die ca. 150 Treppenstufen in den Turm).

Museumsführung: Die Museumsführung folgte dann zur nächsten vollen Stunde.

Hier ging es nun durch die Museumsräume, mit Erklärungen zu den Herkunftsorten der unterschiedlichen Einrichtungsgegenstände, sowie zur Familie des Kaisers Franz.

Die Führerin war dieses Mal eine sehr jung wirkende Frau. Dafür, dass es aufs Ende der Saison zugeht, machte sie einen äußerst unerfahrenen Eindruck. Gestellte Fragen konnte sie mehrfach nur mit „Weiß ich nicht“ beantworten. Leider nahmen sie mehrere Führungsteilnehmer wohl auch nicht so wirklich für voll und störten andauernd – ein Paar, das sich laufend von der Gruppe entfernte, versuchte, in Räume einzudringen, trotz ausgesprochenem und ausgeschilderten Photographierverbot dauernd am Knipsen war, und allgemein sehr stark störte. Ein weiterer Herr verlangte mehrfach, raus und wieder reingelassen zu werden. Verständnis dafür, eine solche Veranstaltung zwischenrein verlassen zu müssen oder wollen, habe ich schon. Das passiert mir auch schon mal. Aber dann bleibe ich draußen und hämmere nicht an die nächste Tür, um wieder rein zu dürfen. Vor allem nicht mehr als einmal in derselben Stunde.

Dafür kann die Führerin natürlich nichts… seltsam war allerdings, dass sie eine Markierung erwähnte, die „hier irgendwo in der Burg sein soll“, von der sie aber nicht wüsste, wo. Uns war diese direkt vorher auf der Dachführung gezeigt worden. Sprechen sich die Führer hier nicht ab? Bekommen die keinen Überblick ausgehändigt? Die Frau macht ebenfalls Dachführungen (die beiden wechselten sich zumindest an dem Tag ab), und läuft damit an dieser Markierung vorbei. Es schränkt das Vertrauen in alles andere, was sie sagte, doch etwas ein.

Die Burg ist auch so sehenswert, eventuell würde ich aber nächstes Mal auch einen Audioguide nehmen, oder speziell nachfragen, wann der ältere Führer die Runde macht.

Mittagessen gab es für uns im Schlosscafé. Terrassenplätze sind für mich eher unpraktisch, aber die Tische direkt am Gebäude sind in Ordnung. Allgemein ist zumindest zu dieser Jahreszeit der Bereich näher am See beliebter, sodass man dort immer recht für sich alleine ist. Ein einigermaßen schattiger Tisch lässt sich dort auch finden.

Bedient wird schnell und freundlich. Immer. Wir sind dort in schöner Regelmäßigkeit jedes Jahr, und es gab noch nie Probleme. Beim Tempo hilft es, dass die Kellner Bestellungen elektronisch aufnehmen, sodass man nicht darauf angewiesen ist, wieder auf „seinen“ Kellner zu warten.

Die Karte ist umfassend, vegetarisch ist kein Problem. Die Auswahl unter Umständen schon, denn man muss sich ja für eines entscheiden.

Auf dem Rückweg fiel uns gegenüber von „unserem“ Eissalon noch eine zweite Eisdiele auf, die mit „bio“, „laktose- und glutenfreien“ sowie „veganen“ Sorten, geringem Zuckerzusatz und keinen künstlichen Zusätzen wirbt. Gerade hatten wir zum Testen keine Lust mehr, setzten das aber schon mal auf den Plan für Samstag.

Gelaufene KM: 7,9