So gut wie neu

Gestern, direkt vor der Beerdigung, rief meine Restauratorin (nicht wissend, dass der Zeitpunkt gerade etwas ungünstig war) an. Das Stück, das sie gerade in Arbeit hatte, sei fertig. Ich war überrascht. Geplant war frühestens August, und noch letzten Donnerstag, als sie mich wegen einer Preisänderung anrief, sprach sie von einer Woche bis 10 Tagen.

Längliche Platte mit rotem Dekor; Herzog Wellington tanzt mit der Herzogin von Richmond. Der Sprung ist nicht mehr zu sehen.

Ich vermute ja fast, die Dame ging in Hogwarts zur Schule und hat einen extrem guten Reparo gelernt. Ich kann mich gar nicht sattsehen dran…

 

Im kaputten Zustand (allerdings um Klassen professioneller ausgeleuchtet und photographiert… oben: Ich, Handy, Wohnzimmerlampe; unten: Schwägerin, Spiegelreflexkamera, professionelle Ausleuchtung 😉

Längliche Platte mit rotem Dekor; Herzog Wellington tanzt mit der Herzogin von Richmond. Ein großer Sprung in Längsrichtung.

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Neulich in Glasgow…

…wurde ein Atty versteigert, das ich unbedingt wollte. Ich habe es auch bekommen.

Nun lieferte die Spedition es heute endlich bei uns zu Hause ab.

fireplace screen

Das Bild ist gestickt, aufgezogen, hinter Glas… das ganze Teil gehörte mal dazu, als Schutz vor fliegender Asche und Funken vor einen offenen Kamin gestellt zu werden.

Das Motiv ist, wie ich schon mal irgendwo vermerkt habe, mein zweitliebstes Wellington-Bild.

Am liebsten würde ich mich jetzt davor setzen und ihn einfach nur ein paar Stunden lang anschauen. Dummerweise muss ich aber heute noch was arbeiten.

Die Belagerung von Burgos

Und es trug sich zu…

…dass Wellington auch nicht immer auf Anhieb gewann.

So geschehen in Burgos, im Jahr 1812.

Burgos war eine Festung in Nordspanien. Die Burg bereits damals noch nicht die Ruine, die sie heute ist. In der Tat wurde sie 1813 von den französischen Truppen in die Luft gejagt, als diese aus Burgos abzogen.

Nun befinden wir uns jedoch noch einige Monate vor diesem Zeitpunkt. Die Garnison in Burgos wird angeführt von Jean-Louis Dubreton, Brigadegeneral der Franzosen.

Wellington hatte gerade eine Reihe von erfolgreichen Aktionen hinter sich und die französischen Truppen aus mehreren Städten und Festungen vertrieben. Dubreton allerdings erwies sich als besonnenerer Stratege als seine Kollegen.

Portugal war zu dem Zeitpunkt bereits fest in den Händen der Alliierten, befreit von den Besatzern. Die Armee aus Portugiesen und Briten rückte dann weiter vor, durch Spanien Richtung Frankreich. Im Juli 1812 hatte Marschall Marmont Salamanca verloren. Im August zogen die Briten unter Jubel der Bevölkerung in Madrid ein. König Joseph (Napoleon Bonapartes Bruder) floh nach Valencia. Marschall Soult verließ mit seinen Truppen nun endlich Andalusien (nachdem er dem entsprechenden Befehl des „spanischen“ Königs Joseph zuvor nicht Folge geleistet hatte, und marschierte ebenfalls Richtung Osten. In dem Wissen, dass er ein Problem haben würde, wenn die beiden Teile der französischen Armee, die bei  Joseph waren, sich mit denen von Soult vereinen konnten, machte Wellington sich daran, seine Position zu sichern. Er ließ mehrere Divisionen unter „Daddy Hill“ in Madrid zurück, um die Hauptstadt zu verteidigen, und marschierte mit seinen Truppen nordwärts. Burgos war ein strategisches Ziel. Eine Einnahme der Stadt hätte Vorstöße weitere französischer Verstärkungen bzw. die Versorgung aus Richtung Norden gestört.

Im September brachte Wellington also seine Truppen in Stellung. Ein Infanterieangriff im großen Stil kam für ihn dieses Mal nicht in Frage. Er hatte im letzten Jahr gerade zwei Belagerungen zwar erfolgreich aber jeweils mit schweren Verlusten abgeschlossen.

Er wollte zunächst versuchen, auf anderem Weg einen Pfad in die Stadt freizumachen. Zu diesem Zweck gab es die „Military Artificers“, heute „Royal Engineers“, auch bezeichnet als „Sappers“; Sappeure haben Aufgaben wie Brücken bauen, Brücken sprengen, Belagerungsgräben ausheben, Annährungsgräben buddeln (also Gräben, in denen man an die Befestigungsanlagen rankommt), Mienen legen, Mienen in Annäherungsgräben legen um damit hoffentlich die Befestigungsanlagen in die Luft zu jagen… Leider war diese Truppe zu der Zeit in der britischen Armee eine ziemlich „stiefmütterlich“ behandelte, unterbesetzt und nicht ausreichend ausgestattet. Die Arbeiten selbst waren auch nicht besonders sicher, vor allem auch aufgrund der unzureichenden Ausrüstung. An der Belagerung beteiligt waren fünf Ingenieure und acht Sappeure. Einer aus jeder Gruppe fiel, ein Ingenieur und sieben weitere Sappeure endeten auf den Verwundetenlisten.

Die Verteidigung erfolgte in zwei Linien. Die äußere konnte Wellington am 19. September einnehmen, was jedoch mit hohen Verlusten unter den eingesetzten Brigaden einherging, da diese zu früh von den Verteidigern entdeckt wurden.

Die innere Verteidigungslinie nutzte die Anlagen der Burg. Im ersten Anlauf ließ Wellington hier also eine Mine unter der Mauer platzieren und zünden. Dies funktionierte so weit auch, die Mauer stürzte ein. Leider fand man bei der darauf folgenden Erstürmung heraus, dass es sich lediglich um eine alte Mauer handelte, die einer neueren Mauer vorgelagert war. Die eigentliche Verteidigungsanlage der Franzosen war noch intakt.

Der zweite Anlauf – Es war inzwischen Oktober – gestaltete sich schwerer, denn die Anstrengungen zur Vorbereitung der Erstürmung der Festung wurden entdeckt. Es sah nun so aus, dass die Briten tagsüber an ihren Vorbereitungen arbeiteten und die Franzosen diese des Nachts wieder zerstörten. Dennoch schafften sie es, am 4. Oktober eine neue Mine zu zünden und tatsächlich eine Bresche in die äußere Verteidigungsanlage zu schlagen. Der folgende Angriff brachte den Alliierten immerhin einen kleinen Stützpunkt nahe der Festung.

Das war Dubreton nun aber doch zu viel, und er startete am Folgetag einen Gegenangriff, schlug die Belagerer zurück, und nahm einen großen Teil ihrer Ausrüstung an sich. Diese Vorgehensweise behielt er nun erst mal bei, was die Arbeiten der Belagerer doch sehr störte. Zu allem Überfluss begann es nun auch noch, in Strömen zu regnen. In gefluteten Gräben kann man nur sehr schlecht mit Sprengstoff arbeiten, und so konnte auch erst zum 18. Oktober erneut eine Mine gezündet werden. Der folgende versuchte Sturm war jedoch nicht sehr erfolgreich, da die Verteidigung zu gut organisiert war, und den Angreifern auch so langsam die Munition ausging.

Da nun auch noch Verstärkungen für die Franzosen anrückten, musste Wellington sich mit seinen Truppen zurückziehen. Außerdem bedrohte inzwischen Soult auf dem Weg aus Andalusien die Stellung in Madrid, die spanischen Truppen verweigerten gerade die Hilfe, weil deren oberster Kommandant sich übergangen fühlte und schmollte, und die Franzosen nahmen eine strategisch wichtige Brücke ein.

Nachdem er am 21. Oktober so sauber abgezogen war, dass die Franzosen erst einen Tag später merkten, dass sie nicht mehr belagert wurden, wurde Wellington auf dem Weg in Richtung des Rests seiner Armee immer deutlicher klar, wie schlecht seine Position im Vergleich zu den sich immer mehr konsolidierenden Franzosen geworden war. Er erteilte daher Ende Oktober Befehl an Hill, Madrid aufzugeben.

Um sich an einer sicheren Position neu zu gruppieren und einen erneuten Vorstoß zu beginnen, bewegten sie sich sehr weit nach Westen und gaben dabei große Landstriche in Spanien auf, die danach erneut erobert werden mussten. Der Rückzug erwies sich als katastrophal. Die Versorgung war komplett zusammengebrochen, Hunger, Kälte, schlechtes Wetter und fehlende Ausrüstung führten zu zahlreichen Verlusten. Hätten die Franzosen hier realisiert, was vor sich ging, und eine volle Verfolgung angeordnet, hätten sie vermutlich einen großen Teil der Alliierten Armee vernichtend schlagen können, und die Geschichte wäre anders ausgegangen.

Wie es nun aber war, konnte Wellington seine Männer schließlich in gesicherter Position wieder sammeln und über den Winter zu Kräften kommen lassen. Die relativ kurzfristige Anwesenheit in Spanien 1812 war jedoch keineswegs umsonst gewesen. Vielmehr war es ein wichtiger Grundstein für die spätere Unterstützung in der spanischen Bevölkerung, als Wellington Spanien 1813 erneut einnahm. Die Briten, denen das Plündern und Vergewaltigen bei Todesstrafe verboten war, wurden dann als Befreier gesehen, entgegen der Französischen Besatzer, die sich nahmen, was sie wollten.

Burgos wurde in Juni 1813 endgültig eingenommen. Die Franzosen sorgten dabei für einen sehr effektvollen Abzug: Bevor sie gingen, jagten sie die Burg in die Luft: mit solcher Eile, dass sie nicht auf die Evakuierung ihrer eigenen Leute warteten. Um die Zweihundert Soldaten aus ihren eigenen Reihen starben in der Explosion.

Ich kenne doch meine Atties…

„Schau mal“, sagt sie. „Hier. Die Seite sagt zwar die sind schon verkauft, aber vielleicht kannst du rausfinden wo sie sind. Die wären doch was für dich.“

Sie zeigt mir diese Website.

„Die hab ich.“

„Jaaa“, sagt sie. „Warum überrascht mich das nicht?“ dann holt sie Luft. „Aber schau dir das Bild mal an. Die sehen doch so schön erhalten aus! Wie sind denn deine?“

„Das sind meine.“

„In dem Zustand?“

Will sie es nicht kapieren oder kann sie nicht?“ Ich besitze die beiden Figuren auf dem Foto. Dieselben.“

„Neeein.“ Schulmeisterlicher Tonfall. „Dieselben gibt’s nur einmal, du meinst die gleichen.“

Vor allen Dingen verdiene ich meine Brötchen damit, dass ich unter anderem den Unterschied zwischen denselben und den gleichen kenne. „Die. Sel. Ben.“

Pause.

„Du hast die von der Website gekauft?“

„Nein.“

„Woher willst du das dann wissen?“

Depp, denke ich mir. Ich kenne doch meine Figuren…

Aber wenn es denn so schwer ist… Hier sind meine Figuren…

Und hier die Schäden: Nelsons Strumpf mit abgeblätterter Farbe…

nelsonstrumpf

Und ein dunkler Fleck an Wellington’s Brust.

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Beides ist an den Figuren auf der Seite zu sehen…

19th-century-pair-of-figures-of-admiral-lord-nelson-and-1st-duke-of-wellington

Und genau deswegen, übrigens, dokumentiert man in einer Sammlung alle Mängel, die ein Objekt hat, genau und mit Großaufnahmen. Kaum etwas ist individueller und hat größeren Wiedererkennungswert.

*

Nebenbei hatte ich den Wellington, schrecklich angestrichen und beschädigt, bereits ein Jahr vor dem Paar zu einem spottbilligen Preis bekommen (sonst hätte ich ihn in dem Zustand auch nicht genommen…)

attykaputt

Als der Restaurator, dem das Stück vorgestellt wurde, steif und fest behauptete, das sei der Originalanstrich, war für mich klar, dass dieser Auftrag nicht erteilt wird. Ich wusste damals zwar nicht, dass diese Figur tatsächlich im „richtigen“ Anstrich existiert (meine Vermutung wäre einfach Bronzefarben gewesen), aber welchem Gemälde die Skulptur nachempfunden war, wusste ich doch… auch wenn er in die „falsche“ Richtung blickt.

Kleider machen Arthur

Und sollte sich mal jemand beschweren, dass ich ständig „dasselbe“ trage… kann ich immer noch drauf verweisen, dass das andere Leute vor mir auch schon machten.

1.

Der Herzog war vielleicht der einzige große Mann, von dem wir lesen, der sich perfekt ordentlich kleidete. Er war in Spanien als „der Dandy“ bekannt; es war nicht abwertend gemeint: In einer Zeit, zu der die britische Armee nicht gut gekleidet war, war auffällig, wie sorgfältig er seine Kleidung wählte.

Original:
The Duke was perhaps the only great man we read of, who was perfectly neat in his dress. He was known in Spain as “The Dandy”; not as a term of deterioration: he was conspicuous, at a time when the British Army was not well dressed, for the careful manner in which he wore his clothes.
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, S. 36.

Auf Portraitbildern sieht man Herzog Wellington häufiger in voller Uniform.

Gerade auf Schlachtenbildern ist das aber weniger der Fall. Dargestellt wird er dann meistens in einem kurzen blauen Mantel über einer weißen Reithose und einem weißen Hemd. Dieser gelegentlich als „Salisbury Coat“ bezeichnete Mantel – Lady Salisbury war hatte ihn ihm geschenkt in der Farbe „Hatfield Hunt Blue“ – Sozusagen der Emblemfarbe der Salisburys – war Wellingtons ständiger Begleiter. Er muss wohl auch entsprechende Nachfolger gehabt haben – jedenfalls ist es schwer vorstellbar, dass derselbe Mantel mehrere Jahrzehnte überstanden hat.

Die Uniform trug Wellesley im Feld nach Indien eher nicht mehr. Er im Rang auch weit genug aufgestiegen, um sich das zu „leisten“. Er war bei weitem nicht der einzige Offizier, der es vorzog, in Zivil in die Schlacht zu reiten, aber wohl derjenige, der es am konsistentesten durchzog: Einige seiner Offiziere bekamen ihn in seiner gesamten Zeit als Oberbefehlshaber nicht einmal in Uniform zu Gesicht.

2.

Datierend vor 1814:

Die Anwohner waren auch recht überrascht zu sehen, dass der Generalissimo der Armeen Großbritanniens, Portugals und Spaniens in einen einfachen blauen Gehrock gekleidet, ohne einen einzigen Orden, seinen täglichen, und manchmal einsamen, Spaziergang machte.

Original:
It was not without astonishment, too, that the inhabitants beheld the Generalissimo of the armies of Great Britain, Portugal, and Spain, habited in a plain blue frock coat, without a single decoration, take his daily, and sometimes solitary walk […]
—Notes of Major B. Jackson, zitiert nach Basil Jackson & C. Rockfort Scott: The Military Life of Field Marshal the Duke of Wellington, Vol. II., S. 430

3.

Natürlich war der blaue Mantel bei Waterloo auch dabei.

[…] dass der Herzog am Tag der Schlacht von Waterloo einen einfachen blauen Mantel, einen kurzen Umhang in deselben Farbe und einen niedrigen Dreispitz ohne Feder oder Zierde trug […]

Original:
[…] that the Duke wore on the day of Waterloo a plain blue coat, a short cloak of the same colour, and a low cocked-hat without feather or ornament […]
—Notes of Major B. Jackson, zitiert nach Basil Jackson & C. Rockfort Scott: The Military Life of Field Marshal the Duke of Wellington, Vol. II., S. 601

4.

Und später – hier 1828:

Er trug einen einfachen blauen Mantel mit dem Hosenbandorden.

Original:
He was dressed in a plain blue coat with the Order of the Garter.
—John Cam Hobhouse: Recollections of a long life , S. 265

5.

Sehr viel später:

Der Herzog war gekleidet, wie er gemalt werden wollte. Er trug diverse Orden und hatte seinen blauen Gehrock mit dem Stern auf der Brust an.

Original:
The Duke was dressed as he wished to be taken, wearing his various orders, and had on his blue dress coat, with the star on his breast.
Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; S. 127

(Der Stern gehört zum Hosenbandorden und war sozusagen Pflicht zu tragen).

6.

Seine liebste Aufmachung war ein blauer Gehrock über einer weißen Weste, weißen Hosen und einem weißen Halstuch – letzteres hinten mit einer großen Silberschnalle geschlossen.

Original:
His favourite costume was a blue frock coat, white waistcoat, white trousers, and white neckcloth – the latter fastened behind with a large silver buckle.
—Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; S. 75 f.

Die Tatsache, dass er beim Halstuch „beschummelte“ wird auch häufig genug erwähnt um vermuten zu lassen, dass es auffiel.

7.

Noch ein Beispiel?

Der Herzog trug um den Hals ein sonderbares Tuch, das sich nur schwer beschreiben lässt. Der weiße Batist warf vorne zahlreiche Falten, hatte aber keine Schleife und keinen Knoten. Im Nacken befand sich eine mehrere Zoll tiefe, breite Schnalle.

Original:
The Duke wore round his neck a peculiar cravat, not easy to describe. The white cambric was in numerous folds in front, without a bow or tie; and was fastened at the into a broad buckle, several inches deep, at the back of his neck. .
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, S. 37.

8.

Handschuhe… Handschuhe mochte er auch nicht.

Als Herr Weigall Jr. die Miniatur fertiggestellt hatte, merkte seiner Gnaden an: „Sehr gut; aber eine Sache ist nicht historisch korrekt – Sie haben mir einen Handschuh angezogen. Ich trage nie Handschuhe. Ist aber egal; ändern Sie es nicht. Ich sollte sie ja tragen.“

Original:
When Mr. Weigall, jun., had finished his miniature, his Grace remarked: “Very good; but there is one thing in it that is not historically correct—you have put a glove on my hand: I never wear gloves. However, it is of no consequence; I don’t want it altered; I ought to wear them.”
—Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; S. 130

9.

Und schließlich hatte der blaue Mantel auch noch einen grauen „Kollegen“.

In späteren Jahren trug er fast ausschließlich ein Kleidungsstück, das damals noch ganz neu war und als „Paletôt“ bezeichnet wurde. Es war einreihig geknöpft, gerade geschnitten und ging ihm bis zum Knie und hatte einen schmalen Umlegekragen aus demselben Stoff. Es wurde ziemlich hoch zugeknöpft. Sein Hut hatte immer ein Futter aus hellgelbem Leder und eine schmale Krempe. Seine Hosen waren üblicherweise grau oder aus „Oxford Mixture“, wie man das Nannte. Seine Stiefel oder Schuhe waren gut geformt und poliert. Er hatte immer zwei Taschentücher aus Batist bei sich.

Original:
In later years, he almost invariably wore a garment, then novel, and known as a “Paletôt”, single-breasted, straightly cut, and reaching to the knees; with a narrow, turn-down, collar of the same material as the coat; and buttoned rather high up. His hat always with a very clean lining of pale yellow leather, had a narrow brim, trousers usually of grey, or ‚Oxford mixture’, as it was called; and his boots or shoes well shaped, and well blacked; he always carried two cambric pocket-handkerchiefs.
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, S. 36 f.

10.

Und wieder einmal sind es auch gerade die Karikaturen, die interessant werden… stellen sie ihn doch im Gegensatz zu den Portraits fast ausschließlich in eben dem oben erwähnten blauen Mantel dar. Und gerade Karikaturen zitieren ja eher das, was für das Objekt typisch ist… und weniger das, was der Auftraggeber für künstlerisch wertvoll hält.

Ich erinnere an die Karikatur aus dem Betten-Artikel:

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Karikatur von William Heath, veröffentlicht von Thomas McLean, 1.10.1829
coup
Karikatur von John Doyle („HB“)

Vermessen

habe ich mich.

Bzw. nicht so wirklich… Aber angenommen, die Größe des Bilds sei in cm. angegeben.

Als es geliefert wurde, und ich die Größe des Pakets sah, schwante es mir schon…

Es waren Zoll…

Fertig!

Zumindest sind alle „Atties“ aufgehängt.

Vielleicht schaffe ich es ja 2017 nun, meine Bilder direkt nach der Rahmung aufzuhängen und nicht erst wieder über ein Dutzend zusammenkommen zu lassen, bevor ich die Leiter raus hole.

Das letzte noch fehlende Esszimmer-„Atty“ für den Moment:

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Eine frühe farbige Zeitungsbeilage. Es gibt auch noch eine mit Napoleon, die habe ich aber nicht.

Mein viel zu langer Flur im Erdgeschoss… das Foto ist nicht vom Ende aus aufgenommen:

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Zu sehen ist zwischen 1/3 und 1/2 des Korridors. Rechts sieht man gut, wie krumm die Wände sind. Das liegt einfach am Alter des Hauses. Wir haben schon viel begradigt, aber mehr geht da einfach nicht.
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So begrüßt Wellington nun jeden, der das Haus betritt. Am Schattenwurf wieder gut zu sehen, dass die Wand alles ist, aber nicht gerade.
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Leider ist es hier zu eng, um das Bild am Stück draufzubringen. Die Tür links ist der Zugang zum Bereich meines Mieters (Gastronomie)
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So hängt es zwischen der Mietertür (die müsste man wohl dringend mal putzen…) und der Tür, die in die Wohnung raufführt (am rechten Bildrand zu erraten)

Im Lauf des Jahres soll sich dann der gesamte Korridor mit solchen Drucken füllen.

Fast fertig

Eigentlich wollte ich ja heute im Haus einiges erledigen.

In der Tat habe ich den Wasserhahn in der Küche repariert (dringend notwendig), neun im letzten Jahr erworbene und gerahmte „Atties“ (zwei modern, sieben alt) im Essezimmer an die Wand geschraubt sowie zwei Aquarelle im Wohnzimmer aufgehängt; die Aquarelle sind Studien Wellington/Napoleon, und damit hängt nun ein Napoleon und ich habe einen „Arthur“ gut. Mein Mann hat nämlich irgendwann mal angeordnet, sollte ich ihn jemals aus versehen „Arthur“ nennen, muss ich „zur Strafe“ einen Napoleon an die Wand hängen. Mal schauen, wann der erste blöde Kommentar kommt weil nun einer hängt, aber die beiden Bilder gehören eben zusammen.

Ein „Atty“ muss noch an die Wand, mir sind die Haken ausgegangen, und die beiden ersten „Abonnementatties“ müssen ebenfalls noch aufgehängt werden. Das kommt morgen früh noch dran. Zum Baumarkt muss ich eh nochmal, denn die „Geier“ waren ebenfalls fleissig und haben meinen letzten Zollstock zu Kleinholz gemacht. Davon war ich jetzt weniger beeindruckt…

Absolut zum schreien komisch: Der Versuch eines Graupapageien, das Geräusch eines Schlagbohrers zu imitieren (nein, es haut nicht hin, aber es klingt sehr lustig. Ein bisschen wie bei einem kleinen Kind, das versucht. Werkzeuglärm nachzumachen)

Mann und Kuschelpferd haben sich gemeinschaftlich ungeplant auf die Wiese gelegt, Ergebnis: Pferd erschrocken, Mann wird auf der unten gelandeten Seite sehr farbenfroh. Kaputtgegangen ist zum Glück an keinem der beiden was.

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Moderne „Atties“: Links Bleistiftzeichnung von Soni Alcorn-Hender, 2015 zum Jubiläum der Schlacht von Waterloo (Portugal), Rechts Aquarell von Lautir (Italien)
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Es fiel endgültig die Entscheidung: Die Schmalseiten des Raums müssen mit benutzt werden, und die Fensternische wird ebenfalls be-atty-t

Die Bilder aus der Fensternische. An dem linken Portrait finde ich den Übergang zwischen Detail und Strichzeichnung toll; das rechte ist eine Karikatur von John Doyle, altkoloriert.

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Kolorierter Stich „Marquis Wellesley, Herzog von Ciudad Rodrigo, Commander en Chef der Aliierten Streitkräfte in Spanien und Portugal; Leipzig, vor 1814.
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Bild von einem Zigarrenkästchen
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Tuschezeichnung, erworben bereits 2015 aber erst ’16 restauriert und gerahmt.
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Das Studienpaar im Wohnzimmer.

Und ja, die Rahmen haben eine Bedeutung: Alles, was in schwarzer Lackleiste gerahmt ist, datiert in unsere Zeit; „alte“ Sachen bekommen die dunkelbraune Holzleiste. Bei der Tuschezeichnung bin ich mir noch nicht sicher, ob mir das farbige Passepartout wirklich gefällt.

Guten Morgen, 2017

So, da ist es also, das Jahr 2017.

Vorsätze? Regelmäßiger Schreiben, – also nicht auf dem Blog, sondern im besten Fall 2017 einen Roman fertigstellen, der schon länger in Teilen auf der Festplatte weilt.

Wünsche? Privat kann es gerne weitergehen wie bislang. Schön wäre es, wenn wir es heuer nach Russland schaffen würden (konnten wir 2016 nicht, weil der Mann zu dem Zeitpunkt nicht freinehmen konnte)

Der Mann und ich schenken uns ja zu Weihnachten nichts, dafür aber zu Neujahr.

Und so bin ich seit heute stolzer Besitzer von diesem neuen „Atty“:

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Lt.-Col. Arthur Wesley, Reproduktion des Ölgemäldes von John Hoppner

Das Gemälde stammt im Original ca. aus dem Jahr 1795 und zeigt Arthur Wesley (die Schreibweise des namens wurde erst später in Wellesley geändert) als Lt.-Colonel in der Uniform des 33rd Regiment, das er längere Zeit anführte und als dessen Kommandant er seine Zeit in Indien verbrachte. Das Regiment wurde später „Duke of Wellington’s Regiment“ genannt und führt als Emblem den Indischen Elefanten.

Der Künstler des Originals ist John Hoppner, geboren Anfang 1758 als Sohn deutscher Eltern in London. Seine Mutter diente Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, der Königin, als Kammerfrau. Der junge John wurde vom König selbst in seiner Malerei unterstützt, sodass es sogar zu Gerüchtne kam, er könne ein unehelicher Sohn desselben sein.

Er brachte es zu einigen Erfolgen an der Royal Academy und wurde schließlich Hofmaler. Seine Gemälde, insbesondere seine Portraits (er selbst bevorzugte Landschaften, doch ließ sich damit kaum Geld verdienen), sind bemerkenswert für ihre Farbigkeit und die Darstellung von Texturen. Leider ist von eben dieser besonderen Farbigkeit oft nicht mehr viel zu erkennen, da die von Hoppner gewählten Farben besonders anfällig für Verblassen und Verfärben waren. Zeitgenössische Reproduktionen wie die obige geben heute einen besseren Eindruck vom Urzustand der Gemälde, als die erhaltenen Originale.

Hoppner starb 1810 nach längerer Krankheit.

 

Im Bild des jungen Arthur (er müsste im Bild ca. 26 Jahre alte sein) fällt vor allem die Haarfarbe auf. Er scheint hier tatsächlich Puder im Haar zu tragen (unter dem weißen Staub hatte er rotes Haar, das allerdings später von den meisten Künstlern aus „ästhetischen“ Gründen abgedunkelt wurde) – zu der Zeit für die Offiziere eigentlich Vorschrift, von ihm jedoch bei erster Gelegenheit abgelegt. Er hielt diese Sitte für unhygienisch und gesundheitsschädlich – ganz und gar nicht zu Unrecht, wenn man bedenkt, dass die Offiziere im Feld kaum genug Puder mitführten und sich dann mit Mehl und Ähnlichem behalfen… die Vorstellung, Mehl in den Haaren, kombiniert mit möglichem Regen… naja, nicht so toll.
Arthur jedenfalls ließ das Pudern sein, sobald er sich solche Freiheiten erlauben konnte, und schnitt außerdem bei erster Gelegenheit den (vorschriftsmäßigen) Zopf ab und die restlichen Haare praktisch kurz, womit er in der Armee dann sozusagen einen neuen Trend begründete, auch wenn die offizielle Vorschrift noch längere Zeit auf langes Haar, Zopf und Puder lautete.

Die Uniform trug er in dem Alter und Rang wohl auch im „Dienst“ noch. Später in seiner Karriere kam sie nur noch für Portraits und bei ausdrücklicher Anforderung für spezielle Veranstaltungen aus dem Kleiderschrank – in die Schlacht ritt Wellington dann lieber in Zivil.

So… und wo hänge ich es jetzt hin, mein neues „Atty“?

Vielen Dank für die Blumen

Ich mag ja keine Blumen.

Also – okay –,  die Aussage an sich ist so nicht 100% richtig. Ich mag Blumen schon, aber vornehmlich dann, wenn sie am unteren Ende mit dem Boden verbunden sind und oben weiterwachsen.

Der Sinn dahinter, Blumen abzuschneiden oder abzureißen und den Strauß zu verschenken erschließt sich mir nicht wirklich. Hier, ich hab dir was Hübsches mitgebracht, schau ihm beim Sterben zu. Ist das nicht komisch?

Der Mann ist auch kein Freund von Blumensträußen, außer wenn’s darum geht, jemandem was aufs Grab zu legen. (Da ist es dann auch wieder irgendwie passend…)

Nun ist es ja so, dass sich manche Paare immer mal wieder mit oder ohne Anlass Blumen schenken. Wäre für uns nichts. Wir machen uns aber auch gerne mal gegenseitig eine Freude. Für ihn gibt’s meistens ein Büchlein oder Zubehör fürs Reenactment, und für mich…

„Findest du das nicht komisch?“

Komisch, warum?

„Na, der schenkt dir Bilder von einem anderen Mann.“

Nö. Find ich nicht komisch.

Für mich gibt es „Atties“. Genau genommen Miniaturen.

Hier die letzten „Blumensträuße“, die ich bekommen habe…

blumen Haben übrigens Blumen gegenüber noch einige massive Vorteile: Sie brauchen kein Wasser, sie stinken nicht, niemand ist allergisch dagegen, man muss sie nicht wegwerfen und sie halten einfach länger!