Geräusch;
Gast: Was war das?
Ich: Da hat sich wohl grad irgendwas gesetzt im Schrank
Gast: Gesetzt? Isses müde geworden oder was?

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Ungewöhnliche „Freu“-Momente

Zum Beispiel der Moment, wenn dich die Freundin, mit der du Nachmittags unterwegs sein willst, morgens um 10 um Input bittet: „Eigentlich sehen meine Haare noch gut aus, am Ansatz würde *mir* heute Trockenshampoo reichen – geht das, oder gibt es da heute gar nicht so viele Zitronenbonbons wie du lutschen müsstest?“

Nee, geht schon, habe eine frische Dose auf dem Tisch liegen.

Allein die Tatsache des selbstverständlichen Denkens an die Geruchsempfindlichkeit: *Freu*.

Am Mercedes steckt der Schlüssel

Du gehst die Straße entlang. Da steht, am Straßenrand geparkt, ein polierter Mercedes. Deiner ist es nicht. Du hast ihn nicht gebaut, du hast ihn nicht gekauft. Aber er gefällt dir. Nehmen wir mal einfach an, du hast einen Führerschein, du fährst gerne Auto, und dieses Auto gefällt dir.

Also brichst du die Tür auf, schließt ihn kurz (nehmen wir mal an, du weißt, wie das geht) und fährst damit weg.

Rechtslage? Klar.

Würdest du das machen?

Wohl eher nicht.

Zurück zum Anfang.

Du gehst die Straße entlang. Da steht, am Straßenrand geparkt, ein polierter Mercedes. Deiner ist es nicht. Du hast ihn nicht gebaut, du hast ihn nicht gekauft. Aber er gefällt dir. Nehmen wir mal einfach an, du hast einen Führerschein, du fährst gerne Auto, und dieses Auto gefällt dir.

Die Tür ist offen, und der Schlüssel steckt. Also steigst du ein, drehst den Schlüssel im Schloss, das Auto spring an, und du fährst weg.

Rechtslage? Immer noch klar. Bestenfalls wird die Versicherung etwas zur Parksituation zu sagen haben.

Würdest du das machen?

Wohl eher nicht, selbst wenn es den einen oder anderen geben wird, der nun sagt: Würde dem Eigentümer Recht geschehen, was lässt er das Ding da so stehen… Trotzdem ist den meisten von uns doch klar: Dieses Auto muss da so stehen bleiben. Mitnehmen ist nicht.

Zurück zum Anfang.

Du gehst die Straße entlang. Da steht, am Straßenrand geparkt, ein polierter Mercedes. Deiner ist es nicht. Du hast ihn nicht gebaut, du hast ihn nicht gekauft.

Die Tür ist offen, und der Schlüssel steckt. Also steigst du ein, drehst den Schlüssel im Schloss, das Auto spring an, und du fährst weg.

Dieses Mal willst du das Auto gar nicht für dich. Du willst es einfach nur einem Bekannten bringen, der kein Auto hat. Damit der künftig auch eines hat. Der würde nämlich auch gerne damit fahren…

Rechtslage? Dürfte immer noch klar sei.

Würdest du das machen?

Ich vermute: Nein. Robin Hood mag von den Reichen gestohlen haben und den Armen gegeben haben, aber Diebstahl war es dennoch. Damals schon. Heute auch.

Zurück zum Anfang.

Du gehst die Straße entlang. Da steht, am Straßenrand geparkt, ein polierter Mercedes. Deiner ist es nicht. Du hast ihn nicht gebaut, du hast ihn nicht gekauft.

Die Tür ist offen, und der Schlüssel steckt. Also steigst du ein, drehst den Schlüssel im Schloss, das Auto spring an, und du fährst weg.

Heute willst du das Auto weder für dich, noch für deinen Freund, der keines hat. Heute willst du es einfach nur auf den Marktplatz stellen und dort der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, damit alle, die gerne mal einen Mercedes fahren würden, das auch mal tun können. Eine Runde um den Block, dann ist der nächste dran. Wie beim Karussell. Du willst auch kein Geld dafür nehmen und keinen Nutzen daraus ziehen. Du möchtest einfach nur „allen“ etwas Gutes tun.

Rechtslage? Die Argumentation wird nichts ändern.

Würdest du das machen?

Mir fallen aus dem Effeff ein bis zwei Leute ein, die sich das überlegen würden… ich denke, der Großteil würde es dennoch nicht tun.

Denn: Wir sind doch so gut wie alle inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem wir den Unterschied zwischen „meins“ und „deins“ kennen; an dem wir verstehen, dass das Eigentum einer Person nicht einfach zur freien Verfügung steht.

Stellt euch mal vor, was passieren würde, wenn sich an der Garderobe im Restaurant (ja, ich weiß, es gibt solche Leute und deswegen klebt auch so gut wie immer ein Zettel dran, dass für die Garderobe nicht gehaftet wird) jeder einfach den Mantel nehmen würde, der ihm gefällt, weil schließlich kein Name des Eigentümers dran steht.

*

Nun möchte ich das einschränken: Bei Sachen haben wir das Ganze verstanden.

In anderen Bereichen hapert es noch extrem. Insbesondere, wenn es um das sogenannte geistige Eigentum geht. Das Urheberrecht. Das Copyright. Das ist übrigens nicht dasselbe.

Warum ist mir das Thema wichtig?

Weil ich, durch Künstler und Autoren im weitesten Sinn im Bekanntenkreis ständig den Schaden sehe, der durch wildes Weiterverbreiten angerichtet wird?

Weil ich, selbst Autorin, weiß, wie viel Arbeit hinter einem gut formulierten Text steckt, wie viel Zeit in einem Werk jeder Art, und es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit finde, wenn diese Zeit, dieser Aufwand mit Füßen getreten wird?

Weil ich beruflich ständig mit dem Thema zu tun habe, auf allen Seiten?

Eine Mischung wird es sein, von diesen und noch einigen weiteren Punkten.

Ein Bild, hergestellt von einem Künstler, ist dessen Eigentum. Stellt dieser Künstler das Bild ins Internet, ist das nett von ihm. Sofern es nicht ausdrücklich drunter steht, ist das jedoch keine Einladung, es zu kopieren, selbst zu benutzen, sich auf ein T-Shirt zu drucken, auf die eigene Website zu stellen oder das eigene Blog damit zu zieren. Sofern nicht eine ausdrückliche Pauschalerlaubnis gegeben wird, in Form eines Hinweises unter der Veröffentlichung oder einer entsprechenden Lizenzerklärung (die oft bestimmte Bedingungen enthält, die man lesen sollte), gilt erst mal das gleiche, wie für den Mercedes oben: Nicht erlaubt heißt verboten.

Will ich den Mercedes fahren – will ich das Bild nutzen – muss ich den Eigentümer um Erlaubnis bitten. Erhalte ich diese, gebietet zumindest der grundlegende Anstand wenigstens ein Dankeschön (bzw. die Nennung des Eigentümers mit Hinweis auf die Genehmigung. Geht ganz einfach: „Mit freundlicher Genehmigung von X“).

Nun gut, anständig sein kann man, muss man aber nicht…aber: wenn ich nun ein Bild sehe, auf Blog von Person A, ohne Hinweis auf den Urheber… ist das kein Freibrief, das Bild weiterzuverbreiten. (So, wie eben auch die Jacke, an der kein Name klebt, nicht einfach mitgenommen werden darf.) Und an wen ich mich wenden muss, um rauszufinden, ob ich das darf, weiß ich dann u.U. auch nicht. Es wäre also auch den anderen gegenüber, die es vielleicht ebenfalls nutzen möchten, nett.

In der Rubrik „Technik“ oben findet ihr übrigens unter anderem eine Erklärung, wie man den Urheber von Bildern ohne Quelle ausfindig machen kann. Ist halt Aufwand.

Ich finde es schon aussagekräftig, dass eine Freundin es auf die Anfrage hin, ob sie jemandem ein von ihr geändertes Strickmuster zur Verfügung stellen würde, für notwendig hielt, darauf hinzuweisen, dass sich die Person das Original aber bitte vorher von der Schöpferin kaufen sollte. Da habe ich wohl auch erst mal geschaut, wie die sprichwörtliche Kuh im Gewitter. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Jemand hat Arbeit in dieses Ding gesteckt. Es ist ja wohl das Mindeste, diese Person für diese Arbeit, sofern man sie nutzen möchte, auch zu entlohnen.

Und Texte? Texte werden im Internet auch gerne verbreitet. Von Tumblr auf Facebook und umgekehrt, von Twitter überallhin, quer durch alle Plattformen. Mal mit Angabe des Autors, mal ohne. Mal mit Link zum Original, mal ohne. Mal durch Teilen, mal durch Kopieren.

Kurz: Teilen über den vorgesehenen Button ist die einzige Methode, die ohne extra Nachfragen gewählt werden sollte. Nur dann bleibt die Verknüpfung erhalten. Diese Texte, in die ebenfalls jemand Zeit, Überlegung und unter Umständen eine Menge Herzblut gesteckt hat, erhalten wir kostenlos zum Lesen.

Führen wir uns aber mal kurz vor Augen, wie Suchmaschinen und Social Media funktionieren: Jeder Klick, jedes „Teilen“, jedes „Like“ wertet einen Eintrag auf. (Deswegen ist es auch unsinnig, mit „Daumen runter“ oder bösen Kommentaren zu antworten…die Algorithmen erkennen den Inhalt nicht, und am Ende hat man faktisch den Eintrag unterstützt, gegen den man wettern wollte. Dazu aber mehr ein andermal.)

Aufwerten bedeutet: Der Eintrag wird öfter in Suchen angezeigt, er wird „wertvoller“ für Werbeschaltungen, er gewinnt an nutzbarem Wert für den Autor. Das Wenigste, das man tun könnte, wenn einem ein Eintrag so gut gefallen hat, dass man ihn mit anderen teilen möchte, ist doch wohl, dies auf eine Weise zu tun, die auch demjenigen nützt, der ihn ursprünglich erstellt hat.

Dazu darf aber die Verbindung zum Ursprungsartikel nicht abreißen. Daher: Teilen, nie kopieren. Und zum Kopieren erst die Erlaubnis einholen. Und bitte auch bedanken. Wenigstens in der Form, dass andere Leute, die den kopierten Artikel sehen, erkennen können, wo er her ist, und dass die Person der Kopie zugestimmt hat. Zahlreiche Autoren und Plattformen haben übrigens auch Standardtexte, die an kopierte Texte angehängt werden sollen, und die alle relevanten Inhalte enthalten.

Muss ich jetzt bei allem, was ich zitiere, um Erlaubnis bitten?

Nein. Ein Zitat ist „eine wörtlich übernommene Stelle aus einem Text oder ein Hinweis auf eine bestimmte Textstelle“, so Wikipedia. Das Urheberrecht regelt das Zitat in §51. Dabei ist das sogenannte Großzitat, also das „zitieren“ eines vollständigen Werks – das wäre die Situation des Kopierens eines kompletten Artikels – nur im Rahmen wissenschaftlicher Werke zulässig. Das dürfte auf die wenigsten Blogs zutreffen.

Oder ist das Kopieren in Blogs oder auf Social Media etwa eine öffentliche Wiedergabe nach §52? Diese unterliegt aber einer Vergütungspflicht, sofern das Werk nicht zu bestimmten Zwecken einem begrenzten Personenkreis zugänglich gemacht wird. Der Personenkreis ist beim öffentlichen Posten aber nicht begrenzt.

Zulässig ist die Reproduktion zum privaten, eigenen Gebrauch. Deswegen dürfen wir hier auch mit einem Buch in den Copyshop gehen und uns das Buch kopieren, um diese Kopie dann zu Hause aufzubewahren. (In Spanien z. B. ist dies nicht erlaubt). Der ist beim öffentlichen Posten im Internet nicht mehr gegeben.

Und Übersetzungen? Grundsätzlich darf ich erst mal alles übersetzen, sofern ich einen Grund dazu habe. Erlaubt ist das im UrhG in §62(2) („Sofern der Benutzungszweck es erfordert…“). Aber was mache ich dann mit meiner Übersetzung? Grundsätzlich dasselbe wie mit dem ursprünglichen Werk: Für den Privatgebrauch kann ich mir übersetzen, was immer ich möchte. Oder übersetzen lassen. Oder für meine Bekannte übersetzen, die kein Englisch kann. Die Übersetzung veröffentlichen entspricht dann aber der Situation des Gesamtzitats. Ist meine Facebookseite, ist mein Blog eine wissenschaftliche Arbeit? Eher nicht.

Also: Nur mit Erlaubnis. Sei es eine Pauschalerlaubnis in Form einer entsprechenden Lizenzerklärung oder eines Hinweises unter dem Werk, oder eine direkte Erlaubnis durch Kontakt mit dem Urheber. Und auch hier wieder: Zumindest der Anstand gebietet es, eine erteilte Erlaubnis auch zu erwähnen.

Wobei ich ohnehin nicht verstehe, was so schwer daran ist, das zu tun, wenn man sie schon eingeholt hat.

Und erneut: Mit Rücksicht auf den Autor, der Arbeit, Zeit, Herzblut in seine Arbeit gesteckt hat, sollte man die Linkkette zum Original nicht unterbrechen. Das bedeutet, Teilen & Ergänzen der Übersetzung, um dem Autor den Nutzen aus den zusätzlichen Klicks auch zu lassen. Das sollte nicht extra erwähnt werden müssen, sondern eine Selbstverständlichkeit sein.

„Aber wenn doch nun kein Autor drunter steht?“ –Dann kannst du wohl davon ausgehen, dass du bereits eine „Raubkopie“ liest. Nein, davon, dass es der andere auch schon gemacht hat, wird das, was du gerade tun willst, nicht besser. Es gibt zwar den Begriff des „verwaisten Werks“, doch wird dort verlangt, dass der „Rechtsinhaber auch durch eine sorgfältige Suche nicht festgestellt oder ausfindig gemacht werden konnte“. Die anderen Einschränkungen lasse ich jetzt mal kompletten außen vor, denn ganz ehrlich? Niemand, der einen Internetbrowser mit Google besitzt, kann mir ernsthaft weiß machen, er wäre nicht in der Lage, herauszufinden, wo ein von irgendjemandem kopierter Text herkommt…

„Aber ich will doch nur, dass alle meine Bekannten, die Sprache X nicht verstehen, den Text auch lesen können.“ Ja, fein. Dann frag‘ nach und mach‘ es richtig. Den fremden Mercedes kannst du auch nicht einfach als besseren Autoscooter auf den Marktplatz stellen, nur weil du willst, dass alle mal fahren dürfen.

Es sind hier oben zwei Dinge gemischt: Die reine Rechtslage – ja, eine Urheberrechtsverletzung in dem Umfang wird kaum strafrechtlich verfolgt werden, schon alleine, weil sich die Urheber den Stress nicht antun wollen – und die Frage des Respekts vor der Arbeit anderer Leute, die ich oben auch als „Anstand“ bezeichnet habe. Ich wüsste es zu schätzen, wenn wir davon allgemein etwas mehr zeigen würden.

 

Soo, und nachdem es nun hoffentlich alle einschlägigen Personen hinbekommen, meinen Klarnamen und meinen Blognamen überein zu bringen, wünsche ich schon mal allseits frohes Lästern. Keine Sorge – wir tun’s auch.

Bedingt geeignet

Da war ich neulich in Bayreuth. Zusammen mit einer Freundin Pokémon jagen. Das machen wir öfter. Auf dem Heimweg kam der Gedanke auf, man könnte ja noch schnell einen Kaffee trinken gehen. Oder was essen. Oder beides.

Auf dem Weg aus dem Hofgarten in die Innenstadt kamen wir an einer Örtlichkeit vorbei, die interessant aussah. Ein Crêpe-Café. Kurzentschlossen sind wir rein.

 

Der Kaffee:

Selbstbedienung an der Maschine. Schritt-für-Schritt-Anweisungen an der Wand und im Display. Unterschiedliche Sorten, Zusammenstellungen, Größen, Stärken – finde ich an sich nicht schlecht.

 

Die Auswahl beim Essen:

Sowohl die Crêpes als auch andere Sachen, Nachspeisen, etc., sind gut gemischt, viele Zutaten zur Auswahl. Süß und herzhaft gleichermaßen vertreten. Neben Crêpe und Süßspeisen stehen asiatische Gerichte auf dem Menü.

Abändern der vorgegebenen Gerichte ist kein Problem („Die Nr. X, aber ohne das eine und dafür mit dem Anderen“).

Was ich nicht verstehe ist, wie auf professionell gedruckten Menüs, Aushängen usw. so viele Rechtschreibfehler sein können. Das muss doch irgendwann mal irgendwer korrekturgelesen haben? Der „Scharfkäse“ führte zu reger Erheiterung.

 

Eilig sollte man es zumindest bei der Dame, die bei uns hinter der Theke stand, nicht haben. Sie war extrem höflich und freundlich, aber auch extrem langsam. Jede Zutat wurde einzeln aus einem anderen Raum geholt. Mehrmals wurde wegen den Änderungen nochmal gefragt, was aber auch dazu führte, dass alles richtig ausgeführt wurde.

 

Das Preis/Leistungsverhältnis ist so ziemlich einmalig. Die Zubereitung ist extrem lecker und die Portionen sind sehr groß. Ich brauchte an dem Tag nichts anderes mehr. Ein Snack für Zwischendrin wie der Crêpe auf dem Volksfest ist das nicht.

 

Die Beleuchtung ist gut. Sitzplätze gibt es nur wenige, mit kleinen Tischen entlang einer Bank an der Wand. Abstände zum jeweils nächsten Tisch sind gut.

 

 

So, und warum war ich nun nur bedingt glücklich damit? Abgesehen natürlich von den Rechtschreibfehlern?

 

Wir setzten uns an einen Tisch, ich wie üblich, Rücken zur Wand, Abschirmen von hinten. Hilft nichts, wenn plötzlich die Kühltheke anfängt, lautstark zu rödeln. Rechts daneben blinkt eine Lichterkette, die um eine Schild gelegt ist. Der Sinn derselben erschließt sich mir nicht, passt auch nicht wirklich ins Ambiente, aber gut… Hauptsache, ich ein blinkendes Ding im Blickfeld, das mich ständig ablenkt.

 

Die mir gegenübersitzende Freundin zu meiner Beschwerde über das Geräusch übrigens: „Och, das blende ich aus. Jetzt, wo du es gesagt hast, hör ich es auch.“ Glaube ich ihr sogar. Für mich hatte es aber eine Lautstärke, die schon etwas beim unterhalten gestört hat.

 

Das Ding schaltet sich im Lauf der Mahlzeit noch aus und wieder ein, lief geschätzt während ca. ¾ der Zeit. Das wäre mir für eine Wiederholung definitiv zu viel. Künftig nur noch zum mitnehmen.

 

 

 

NTs sind komisch…

Ich bin mit einer Freundin (NT) essen. Asiatisches Restaurant mit Buffet. Essen hervorragend.

Sie: „Da bei den Nachspeisen gibt es auch einen Kuchen, der so ähnlich ist, wie Tiramisu.“

Ich: „Im Tiramisu ist meistens Alkohol, ich muss noch fahren. Außerdem ist das, was ich am Tiramisu mag, der Kaffee, und das sieht nicht aus, als wäre davon viel drin.“

Sie: „Es schmeckt eher nach Kaffee als nach Alkohol.“

*

Nach dem Essen, sie: „Ich hol mir jetzt was von dem Kuchen. Soll ich dir noch eine zweite Gabel mitbringen damit du es probieren kannst?“

Wir machen das. Ich probiere es. Fazit: Okay. Schmeckt okay, aber mir zu süß. Und: Mir fehlt der Kaffee.

Sie: „Also, ich schmecke den Kaffee recht intensiv. Ich mag aber auch keinen Kaffee.“

Zu ihrer Erheiterung entgleisen mir etwas die Gesichtszüge – laut ihrer Aussage war sozusagen das „Fragezeichen“ über meinem Kopf zu sehen.

Meine Reaktion in Worte gefasst: „Warum *isst* du es dann?!“

Also… offenbar ist Kaffee, den man nicht mag, in Kombination mit der Süße und genau wenig genug Kaffee doch gut, sofern man am Ende noch was hinterhertrinkt, um den Nachgeschmack zu ertränken.

Ich bleibe doch irgendwie bei dem Schluss: NTs sind komisch.

 

 

Fahren neun Autisten und neun Nichtautisten zusammen in Urlaub…

Da war sie nun wieder … unsere jährliche Reise mit einer Gruppe AS/nicht-AS-Mischpaaren (wir haben uns darauf geeinigt, nicht „NT“ zu sagen), zum Theaterspielen und Spaßhaben. Thema wie letztes Jahr bereits: Game of Thrones.

Aus planungstechnischen Gründen ergab es sich so, dass mein Mann und ich getrennt anreisten – ich aus Bayern, er aus Belgien.

Am Flughafen sorgte dann die Security für den ersten Lacher – ich bin ja nun bekannterweise begeistert von den Shadowhunters, und hatte zum Geburtstag ein kuscheliges Hoodie mit der Aufschrift „University of Idris“ bekommen – das ich tatsächlich trage, denn offenbar funktioniert das Prinzip heute noch genauso gut wie vor 30 Jahren…

Ich habe einen Mehrzweckstift, der mir in der Sicherheitskontrolle schon mehrfach zu Diskussionen geführt hat, weil er versteckte Werkzeuge enthält. Ich nehme ihn daher vor der Kontrolle aus der Tasche und gebe ihn separat ab, mit der Anmerkung, dass es sich dabei eben um ein Mehrzweckgerät handelt, und nicht nur um einen Stift, und dass er deswegen in der Kontrolle auffallen wird. Bei Bedarf mache ich ihn dann auch auf. Hier, Kommentar der Dame in der Kontrolle mit Blick auf mein Hoodie: „Netter Glamour auf Ihrer Stele.“

Also mit einem kleinen Grinsen weiter, mir dann ein ruhiges Eckchen in der Lounge gesucht und noch ein bisschen gearbeitet, bis der Flieger endlich da war… denn der ließ sich etwas Zeit.

Im ausgebuchten Flugzeug war ich dann umso froher, dass ich Business fliege, wo ich auch so Platz für mich und meine Ruhe habe…

Durch die Verspätung des Flugzeugs war ich dann mal wieder die letzte, die in London ankam – das scheint so ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, wenn wir getrennt fliegen, egal, wann die Flüge eigentlich gehen…

Ein Abend nett mit unseren Londoner Freunden, und am nächsten Morgen dann ab zum Veranstaltungsort – dem ehemaligen Kloster, in dem wir letztes Jahr schon waren.

Nach einem kleinen Hänger an der Raststätte – Großbritannien tauscht immer mal wieder die Geldscheine aus, und die alten werden dann tatsächlich nicht mehr angenommen. Da wir im letzten Jahr nur einmal aus anderen Gründen als für Auktionen „drüben“ waren, habe ich seit März ’17 nicht mehr anders als mit Kreditkarte bezahlt, und es kam erst mal zu einer etwas anstrengenden Situation mit der Subway’s-Verkäuferin als die mir erklärte, dass unsere 5-Pfund-Scheine nicht mehr gelten… naja, die 10-Pfund-Scheine nahm sie zum Glück.

Pünktlich kamen wir dann an. Der Ankunftsabend war dieses Mal absichtlich locker organisiert, weil einige erst später anreisen konnten.

Was mir in dieser Gruppe immer wieder gefällt, ist die zügige und funktionierende Organisation. Beispiel Lebensmittellieferung: Wer frische Luft will, geht raus um die Taschen ins Haus zu tragen, wer helfen will aber entweder nicht vor die Tür oder keine Schuhe anziehen möchte, trägt das Zeug die Treppen rauf oder räumt die Kühlschränke ein (einer mit Gemeinschaftsware, einer mit bestellten Sachen, die mit Name versehen sind), und wer nicht mithilft, bleibt aus dem Weg und stört nicht.

In dieser Art läuft dann auch das komplette Wochenende.

Zum Abendessen waren dann schon fast alle anwesend, und der Rest kam dann auch zeitnah – wenn auch mit leichten GPS-Problemen (Zitat: „Der Parkplatz hat sich als Schwimmbad getarnt!“)

Nach kurzer Koordination zu den seltsamen Platzierungen mancher Schaltelemente im Haus („Das hier ist unser Schlafzimmer. Manchmal gehen wir vor anderen Leuten ins Bett. Das hier ist der Lichtschalter für unser Schlafzimmer. Der sieht aus, als wäre er der Lichtschalter fürs Klo. Wenn ihr da drauf drückt, geht das Licht in unserem Schlafzimmer an und aus. Das im Klo nicht. Das im Heizungsraum auch nicht. Um 18 Uhr ist das noch witzig, aber um zwei Uhr nachts nervt es.“) wurden dann die Manuskripte und Rollenpläne für die Theaterrunden verteilt („Here’s some paper with all your parts on it“- „What, an anatomy text book?“ – leider nicht gut übersetzbar)

Der Abend ging dann in allgemeines Zusammensitzen mit Einzelaktivitäten über: Die einen lernten ihren Text, einer lernte lieber Finnisch, einige zogen Handarbeiten raus, der Anwalt bereitete seinen nächsten Fall vor, ich war am Übersetzen, einer beschloss, den Wein zu sortieren, etc.

Unterbrochen wurde das Ganze dann nur von gelegentlichen Kommentaren (A: *liest Zeile aus dem Script vor* – B: „Willst du das mit dem Akzent spielen?“ A: „Nö. Ist dein Text.“ Oder beim Text markieren: A: „Ich find‘ meinen Textmarker nicht.“ B: „Macht nichts, wir haben kommunistische Textmarker.“)

Im Lauf des Abends kamen wir auf den Gedanken, die Requisiten schon mal auszupacken; Da saß dann der Plüschbär mit geladener Armbrust auf dem Tisch (Stichwort: „The right to arm bears“), bis sich eine halbe Stunde später der Schuss löste, und beschlossen wurde, Bären seien gefährliche Tiere. Allgemein sind wir mit den Requisiten relativ flexibel… („Ich hab‘ ’ne Ente dabei, falls keiner einen Raben mitbringt.“)

An dem Abend waren dann alle gegen Mitternacht im Bett, Anreise und Aufbau strengen doch etwas an…

Freitagmorgen begann damit, dass die Sportfans zusammen Laufen und/oder Schwimmen gingen, während der Rest in Ruhe nach persönlichem Vorzug die Zeit zum Frühstücken nutzte oder noch ein bisschen im Bett blieb.

Die erste Theatersession des Tags begann mit der Suche nach einer noch fehlenden Requisite: einem Kissenbezug. („Wenn wir einen rosa Bezug und einen gelben Bezug übrig haben, wollen wir den rosafarbenen, oder?“ – „Klar, wenn wir albern sind, können wir auch gleich lächerlich werden.“ – „Was machen wir damit?“ – „Ich ziehe ihn mir über den Kopf. Oder genauer gesagt: jemand anders stülpt ihn mir über den Kopf.“ – „Und das wird mit Sicherheit dazu führen, dass er seinen Text besonders gut lesen kann…“ Ja doch… Ironie beherrschen wir.)

Auch ein Satz, den es vermutlich nur bei Versammlungen mit 50% Autistenanteil gibt: „Du isst ja Frühstücksessen zu Mittag! Hast du das auch ins Formular eingetragen?“ (Das Formular, mit dem wir vor dem Retreat angegeben haben, was wir an Lebensmitteln usw. wollten/brauchten)

Abends fanden wir dann raus, dass die Sauna nicht funktionieren wollte. Normalerweise wirft man Münzen ein und sie heizt auf. Auf der Suche nach dem Fehler trafen wir auf einen Schalter… Testweise gedrückt, und es ging. Dann stellte sich raus, wir hatten den Überbrückungsschalter für das Münzgerät gefunden. Naja, geht auch. Geht sogar noch besser.

Musikalischer Abend war auch nicht schlecht… Wir hatten mehrere Flöten, eine Gitarre, ein Cello, einen Profisänger und diverse semiprofessionelle und Amateursänger dabei. Auch einen Pianisten, aber leider kein Piano.

Unbeschadet kleinerer Probleme bei der Textfindung („Kann ich dein Liederbuch haben?“ – „Wo ist dein eigenes?“ – „Hab ich M. geliehen.“) und zweifelhafter Komplimente („Du singst echt toll, aber noch schöner wäre es, wenn du am Anfang auch mal den richtigen Ton treffen würdest.“) sowie nur bedingt hilfreicher Anweisungen an die Gitarre („Ich hab‘ keine Akkorde“ – „Spiel F-Dur, das geht schon.“) war das ganze eigentlich ganz nett und auch gut anzuhören. Aufnahmen gibt es, werde ich aber nicht hochladen.

Etwa in dieser Art ging es dann das Wochenende über weiter. Da zwischenzeitlich der Wein ausging, kippte „Joffrey“ bei seiner Hochzeit „Tyrion“ dann statt eines Krugs Wein eine Flasche Bier über den Kopf (merke: Bier ist deutlich klebriger als Wein.)

Aussage in ähnlichem Zusammenhang: „Ich werde dir kein Glas Wasser über den Kopf kippen. Ich drehe das Glas nur um. Was das Wasser macht, geht mich nichts an.“

Nächstes Mal sollten wir wohl versuchen, die Anweisungen für Duelle immer auf EINER Seite der Scripte stehe zu haben – um Unterbrechungen der Art „Stopp! Stopp! Ich muss umblättern damit ich weiß, wann ich sterbe!“ zu verringern.

Der Samstag lief dann im Grund wie der Freitag, zwischenrein mit faszinierenden Gesprächen zu Themen wie echten Psychopathen in Film, Fernsehen und Literatur (nicht im Krimi-Sinn, sondern im psychiatrischen), einer improvisierten interaktiven Verbrechensaufklärung (weil wir plötzlich Lust auf Krimi hatten), mehr Theater, Spekulationen, wie es in Game of Thrones weitergehen wird, und der Frage, wann wir als Gruppe den Gipfel der Albernheit erreicht haben würden (A. „Etwa morgen um diese Zeit.“ – B: „In 20 Minuten oder so.“ – C: „Das sind jetzt aber arg unterschiedliche Zeiträume.“ B: „Ich wollte ja auch, dass du fragst, wann die Sauna warm ist.“)

Der Sonntag stand dann zuerst im Zeichen der Frage, ob genug Halloumi da ist („Wir machen das ganz einfach: Wir schneiden den Halloumi in der Mitte durch, und der, der zuerst sagt, nein, nein, der andere kann den Halloumi haben, ist die echte Mutter des Halloumi!“); Vormittags hatten wir keine geplanten Aktivitäten, damit alle, die in die Kirche wollten, in die Kirche gehen konnten, sodass ich nochmal gut Arbeit unterbringen konnte.

Nach dem großen Sonntagsbrunch waren zwei Autisten zum Aufräumen eingeteilt, und hatten damit die einmalige Gelegenheit, zu beweisen, dass die Organisation so hervorragend klappt (nach fünfzehn Minuten Arbeit schaute jemand in die fast saubere Küche und meinte ehrfürchtig: „Wow. Das sieht hier ja erstaunlich unter Kontrolle aus!“) – auch, wenn immer mal wieder jemand vorbei kommt und noch mehr Geschirr abliefert („Kann ich die Tasse irgendwo hinstellen, wo sie nur gering bis mäßig stört?“)

Das Gottesurteil Oberyn Martell/Gregor Clegane verlangte dann auch nochmal etwas Organisation („Warum nimmst du die Bogensehne ab?“ – „Ich nehme den Bogen als Speer, wir haben nichts Speerähnlicheres…“ – „Kein Wunder, dass du den Kampf verlierst.“) und strategische Entscheidungen („Ich tausche schnell meine Brille gegen Kontaktlinsen, weil du mir sonst die Augen nicht ausstechen kannst.“ – nein, es gab KEINE Verletzten!)

Dann war da noch… das periodische Klingeln einer Gabel am Glas („Versuchst du gerade, eine Rede anzukündigen, oder klimperst du nur?“ –“Ich klimpere bloß. Ich hab‘ zufällig was gefunden, das ein schönes Geräusch macht.“)

Nachdem Person A versucht hat, meinem Mann etwas Flötespielen beizubringen: „Habt ihr gerade versucht, rauszufinden, in welchem Tempo man Mairie’s Wedding spielt?“ – „Nö, das ist ein bisschen schneller als das, was wir gespielt haben. “ – „Wenn du sagst ‚ein bisschen schneller‘ meinst du ’sehr viel schneller‘, oder?“

Die im Zusammenhang vollkommen sinnvolle Aussage: „Du musst ein weiteres T-Shirt anziehen, weil wir dir ein Pferd hinten reinstecken müssen.“

„Ich fand’s etwas überraschend, dass eine Ente einen Raben spielt.“ – „Die Ente war eine Krähe.“ – „Ah, das ist was anderes.“

Plötzlich abgängige Requisiten und Körperteile („Okay, wir suchen also: ein von S. gewebtes Lesezeichen, einen roten Beutel mit Pfundmünzen und eine abgeschlagene Hand.“)

Entscheidungsfindungsprobleme der Art: „Ich habe keine Ahnung, mit welchem Akzent ich das spielen soll. Ich meine, er soll schlau und verschlagen klingen, aber wo liegt das bitte geographisch?“

„Wenn wir ‚Helm‘ sagen, meinen wir doch ‚Eimer‘?“

„Haben wir ’ne Axt?“ – „Ja, da drüben…warte…hast du Axt oder Arsch gesagt?“

„Meine Liebe, wir sind seit neun Jahren verheiratet. Du wirst dich eventuell daran erinnern, dass ich damals deinen Namen angenommen habe. Kannst du bitte aufhören, in Emails meinen alten Namen zu benutzen?“

„Primzahlen sind ekelhaft.“

Zum Spruch des Wochenendes gekürt wurde dann die todernste Aussage eines Teilnehmers: „Ich war ein ziemlich komisches Kind.“ (Angesichts der Gesellschaft … sorgte das für extreme Erheiterung)

Nächstes Jahr wieder, dann aber mit mehr Runden Organ Attack, das Spiel ist cool.

Pass auf!

Woran erkennt man, dass man über die Feiertage doch etwas gestresst war, und vielleicht reihenweise ungeduldiger/ungehaltener reagiert hat, als man hätte sollen?

Heute Morgen, ich setze mich mit der Kaffeetasse an den Computer, stelle die Tasse zu hart ab. Kaffee schwappt über.

Mamagei: „Pass doch mal auf!“

Ich hab’s möglicherweise schon mal gesagt… im Gesungenen geht mir nichts über die russische Sprache… Sooo schön der Klang.

Viel Musik höre ich ja nicht, aber hier mal eine kleine Auswahl, was bei mir aktuell läuft.

Weihnachtsgeschenke

Ich weiß gar nicht, was ich heuer als mein liebstes „Weihnachtsgeschenk“ zählen soll.

Die selbstgestrickten Socken von ‚Tao‘, die ich zwar noch nicht erhalten habe, aber bereits von Fotos kenne, sind da ein ganz heißer Kandidat.

Oder das Geschenk von meinem Mann, aus logistischen Gründen vorzeitig überreicht (normalerweise schenken wir beide erst zu Neujahr): Konzertkarten für einen Auftritt des einzigen Menschen dem meine echte, vollumfängliche und aus tiefem Herzen kommende Bewunderung gilt, und das schon seit ca. 20 Jahren. Dem ich soooo gerne mal begegnet wäre, was sich nie ergeben hat. Aftershow-Dinnerkarten liegen auch noch bei.

Oder etwa das komplett ungeplante „Geschenk“… War ich doch mit oben erwähnter ‚Tao‘ in der Großen Stadt einkaufen, als mir ihre Aufmerksamkeit etwas „beschert“ hat, das ich so gar nicht erwartet hätte:

Bleistifte.

Bleistifte, die sich von meiner inzwischen doch eher sehr unkooperativen  Hand halten lassen.

Nicht ewig lange. Die Hand wird schnell müde.

Aber.

Nach ca. zehn Jahren „Abstinenz“.

Ist es einfach nur cool, wieder was ordentliches aufs Papier zu bringen.

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Heute gehe ich als NT

Heute waren Weihnachtseinkäufe angesagt.

Normalerweise hasse ich es, in der Weihnachtssachenverkaufssaison mehr als absolut notwendig vor die Tür zu gehen. Weihnachtsgerüche finde ich schrecklich. Vor allem Nelken.

Also, wenn ich sage „Heute“, meine ich Samstag, was für mich gerade noch als „Heute“ zählt, weil ich noch nicht geschlafen habe.

War vollkommen okay. Wir waren fast sechs Stunden unterwegs, von Laden zu Laden, waren Weihnachtsbaum und Weihnachtsmarktanfänge auf dem Grand Place anschauen… bisschen Schaufenster gucken… alles Sachen, die ich normalerweise sehr ungern machen würde – oder gar nicht.

Aber heute war das in Ordnung, denn heute bin ich relativ NT.

Ich bin nämlich erkältet.

Erster Vorteil der Erkältung: Die verstopfte Nase blockiert den Geruchssinn teilweise, sodass ich die Weihnachtsgerüche nur gedämpft abbekomme. Hilft schon mal.

Zweiter Vorteil der Erkältung: Ich weiß, dass NTs sagen, sie haben, wenn es ihnen schlecht geht/sie erkältet sind „Watte im Kopf“. Das finden sie in der Regel eher unangenehm, sie fühlen sich langsam, reagieren auf Input nur mit Verzögerung… korrigiert mich, wenn ich da falsch liege, aber so entnehme ich es den Beschreibungen.

Aber genau das passiert mir bei einer Erkältung auch. Das, was dem NT das Hirn soweit lahmlegt, dass er kaum etwas auf die Reihe bekommt, fährt auch bei mir die Aufnahmefähigkeit und –geschwindigkeit herunter. Ich verliere Input. Was ankommt, ist weniger scharf, weniger genau, weniger detailliert, verschwommener, ungenauer. Ich nehme keine Details mehr wahr – oder zumindest nicht das, was ich als Details bezeichnen würde. Eine große Menge an Information geht verloren.

Und im gleichen Maß, in dem die Erkältung als „Filter“ dient, geht meine Fähigkeit in die Höhe, NT-typische Dinge zu machen.

Wie etwa einen Einkaufsbummel in der Weihnachtssaison.

Ich bin nicht nach dem ersten Geschäft überladen. Allerdings habe ich auch bei Weitem nicht so viele Information aufgenommen, wie es normalerweise der Fall gewesen wäre. Was mich stört ist, dass ich sicher bin, sehr viel übersehen zu haben. Ähnlich, wie ich bei NTs häufig das Gefühl habe, dass sie sehr viel in ihrer Umwelt übersehen.

Heute gehe ich also mal als NT… oder zumindest so, wie ich mir vorstelle, dass NTs die Welt sehen.

Fast, zumindest, denn noch kann ich zweispurig denken. So schlimm ist die Erkältung nicht (wird sie auch nicht werden, ist schon wieder dabei, sich zu verabschieden).

Das erste Mal, dass mir dieses Phänomen bewusst wurde, war während meiner Studienzeit. Ich war zum ersten Mal seit langem so richtig, richtig böse erkältet, und mein Gehirn hatte einfach eine seiner beiden Denkspuren „zugemacht“. Ich kann normalerweise hervorragend zwei Sachen gleichzeitig verarbeiten. In meinem Kopf läuft quasi ein echter Dual-Core-Prozessor. Liegt übrigens nicht am Autismus, sondern an der Hochbegabung.

Das war in dem Moment anders, und ich empfand es als wahnsinnig frustrierend. Ich kam mir auf einmal „richtig blöd“ vor. Lesen verlangte ungeteilte Aufmerksamkeit, „nebenbei“ noch über etwas anderes nachdenken ging nicht mehr – ich merkte irgendwann, dass ich von der letzten Seite oder gar dem letzten Kapitel nichts aufgenommen hatte. So kannte ich mich nicht.

In dem Zusammenhang äußerte ich einer Kommilitonin gegenüber, dass ich mich gerade mental sehr langsam fühlte und beschrieb ihr das „Phänomen“ auch. Und sie lachte. Und lachte. Und lachte.

Nachdem sie fertiggelacht hatte, meinte sie dann: „Weißt du, Johanna, die meisten von uns HABEN nur einen Prozessor im Hirn. Du hast gerade das Denken eines ganz normalen Menschen beschrieben. So läuft das für uns immer.“

Das saß erst mal. Denn so bewusst war mir der Vorteil, den ich alleine durch die schnellere Informationsverarbeitung habe, vorher nämlich nicht. Ich wusste zwar, dass ich schneller bin, als der Durchschnitt, aber das Ausmaß war erst mal erschreckend.

Dabei weiß ich natürlich nicht – denn ich kann ja nicht in den Kopf eines Anderen hineinschauen – inwiefern der Eindruck der Kommilitonin wirklich stimmte.

Genauso wenig weiß ich, inwieweit mein Eindruck wirklich stimmt, dass mein krankheitsbedingt in Watte gepacktes Hirn einen NT simuliert.

Aber ich weiß, dass meine Fähigkeit, sensorischen Input zu ertragen, ohne davon zusätzlich zu ermüden oder überladen zu werden, in der Situation massiv zunimmt. So sehr, dass die allgemeine Abgeschlagenheit durch die Erkältung und die ganzen anderen unangenehmen Symptome nicht „ausreichen“, um die Bilanz ins Negative zu ziehen.

In Situationen, in denen es darum geht, viel Input auszuhalten, bin ich aktuell „leistungsfähiger“ als üblich. Gleichzeitig wirke ich auf Leute, denen ich begegne „normaler“. Vermutlich, weil ich nicht ständig auf irgendetwas reagiere, das sie gekonnt wegignorieren.

 

Praktisch ist das ja schon.

Aber wisst ihr was?

Genau diese Situation führt mir immer wieder vor Augen, dass ich nicht kein Autist sein möchte. Die Welt immer so gedämpft zu sehen mag in vielen Bereichen das Leben einfacher machen. Aber der Gedanke, wie viel mir dabei entgehen würde… wie oberflächlich mein Eindruck von meiner Umwelt wäre, wie schwer die genaue Analyse eines Gegenstands? Wie lange es dauert, um mich auf eine Sache „einzuschießen“?

Das empfinde ich aus meiner aktuellen Sicht als sehr schlechten Tausch. In dem Moment tun mir dann die NTs schon fast ein bisschen Leid – gesetzt den Fall, der Vergleich passt wirklich. Ihr habt ja keine Ahnung, was ihr alles verpasst…