Einmal sägen, bitte

Mein liebster Antiquitätenhändler hat eine Knochensäge im Fundus.

Leider in seinem eigenen. Er will das Ding einfach nicht hergeben.

Sein Mann redet ihm ja schon ständig gut zu (ich auch), aber er bleibt bislang standhaft.

Jetzt bräuchte ich das Ding aber dringend für meine Ausrüstung, sonst muss ich mir doch für die nächste Amputation wieder eine vom Chef leihen. In irgendwann in nächster Zeit bin ich dann mal wieder dran.

*

Wir sind gerade damit fertig, unser Lazarett einzuräumen, als ein uniformierter Soldat eintritt und sich prompt auf den Tisch setzt.

Ein kurzer Kommentar vom Chef, dass er zu früh dran sei, die Schlacht wäre ja erst in einer Stunde. Erst die Schlacht, dann die Verwundung.

„Jaja“, sagt der Soldat. „Ich wollte schon mal fragen, wer hier am besten amputiert.“

Gelächter, einige Finger deuten auf einen – von mehreren – aus dem Chirurgencorps, der im echten Leben den gleichen Beruf ausübt.

„Ja dann“, sagt der Soldat, „schärfen Sie schon mal gut die Messer.“

Der Chirurg lacht und fragt ihn, was genau er ihm denn wo abschneiden soll.

Der Soldat deutet mit der Hand eine Linie am linken Unterschenkel an.

„So etwa wäre gut.“ Sagt’s, krempelt die Uniformhose aus dem Weg und bastelt zwecks Vorführung den unteren Teil seines Beins samt Fuß und kurzem Stiefel ab.

„Das nicht als Showeffekt zu nutzen, wäre doch Verschwendung“, meint er.

Dem kann man nun wirklich nicht widersprechen.

Und damit jeder mal die Säge schwingen kann, haben wir sozusagen einen Dienstplan… Der wiederum besagt, dass mein lieber Herr Antiquitätenhändler langsam dringend mal in die Gänge kommen sollte. Ich brauch‘ doch die Säge.

Der Name ist Torte. Karamell-Nuss-Torte.

Ich esse zwar kaum bis nichts Süßes, aber ich backe sehr gerne. Daher bin ich immer froh, wenn irgendwo Geburtstagskuchen gebraucht werden.

Der, den ich heute zu meiner Freundin nahe Wien geliefert habe, kam zu meiner Freude hervorragend an und wurde auf der Stelle fast komplett aufgefuttert.

Torte von oben

Genau genommen ist es ja eine Torte. Eine Karamell-Haselnuss-Torte.

Wer jemanden im Bekanntenkreis hat, der kein Gluten verträgt, könnte sich freuen: Es ist ein Rezept, das ohne Anpassung oder Änderung quasi bereits ganz von selbst glutenfrei ist.

Tortenstück von der Seite

Nachfolgend die Anleitung.

Rezept in der Grundform Ich möchte einen glutenfreien Kuchen Ich möchte einen laktosefreien Kuchen Ich möchte einen veganen Kuchen Ich möchte einen Kuchen ohne Nüsse
Torte: Falsches Rezept!

Eine Haselnusstorte ohne Nüsse ist was anderes als ein Hundekuchen ohne Hund!

100 g Zucker
100 g Butter 100 g laktosefreie Butter oder Margarine 50 g Margarine,
50 g Sonnenblumenöl
1 Packung Vanillezucker
4 Eigelb 2 gut reife Bananen
1 gestr. TL Backpulver 1 gestr. TL glutenfreies Backpulver Mehr Backpulver.
175 g gemahlene Haselnusskerne
75 g gehackte Haselnusskerne
50 g geriebene Schokolade 50 g geriebene laktosefreie Schokolade 50 g geriebene vegane Schokolade
4 Eiweiß Mineralwasser (wenn du die Wahl hast: das richtig gut sprudelnde) nach Bedarf
Für die Füllung:
75 g Zucker
500 ml Schlagsahne 500 ml laktosefreie Schlagsahne 500 ml Soja-„Sahne“ zum schlagen
2 Pck. Sahnesteif
Wenn du noch nie glutenfrei gebacken hast: eine jungfräuliche Backform benutzen oder vom Empfänger eine ausleihen!

Ansonsten entweder deine glutenfrei eingesetzte Backform verwenden oder vom Empfänger eine ausleihen.

Empfänger fragen, was du mit dem Rest der Utensilien machen sollst. Die meisten meiner glutenfreien Kuchenempfänger sind der Ansicht, alles, was Kunststoff oder Metall ist und in die Spülmaschine kann, darf nach Spülen verwendet werden. Wenn das jemandem dennoch zu riskant ist, entweder neue Sachen verwenden oder Utensilien vom Empfänger leihen.
Am Abend vorher:
Karamellsahne kochen
1.   Miss‘ 75 g Zucker ab und kippe ihn in einen Topf.

2.   Stelle den Topf auf den Herd und schalte die Herdplatte an. Die unter dem Topf.

3.   Schau‘ dem Zucker beim Schmelzen zu. Du kannst dabei hin und wieder umrühren, aber nimm einen Holzlöffel dazu. Wenn du einen Metalllöffel nimmst, klebt dir der ganze Baatz am kalten Metall fest.

4.   Wenn der Zucker komplett geschmolzen ist, kipp‘ die deine ausgewählte Sahne-Option in den Topf.

Achtung: Der geschmolzene Zucker wird umgehend hart werden und zusammenkleben, weil du gerade eine kalte Flüssigkeit drauf gekippt hast.

Alles gut, es ist nichts kaputt!

5.   Rühren, rühren, rühren (Achtung, heiße Sahne spritzt), bis sich alles wieder aufgelöst hat.

6.   Dann nimmst du den Topf von der Herdplatte. Herd ausschalten nicht vergessen.

7.   Topf und Inhalt etwas abkühlen lassen, dann über Nacht ab in den Kühlschrank damit.

Am Morgen:
Vorbereitung
1.   Nimm die Butter oder Margarine aus dem Kühlschrank und stell sie in der Küche irgendwo hin.

2.   Geh‘ und mach eine Weile was anderes.

3.   Vergiss‘, dass du die Butter/Margarine rausgestellt hast.

Nachdem dich irgendwer gefragt hat, ob du weißt, warum da Butter/Margarine in der Küche steht:
Teig rühren
1.   Erinnere dich dran, dass du backen wolltest.

2.   Stelle fest, dass Butter/Margarine schon lange weich genug ist.

2,5. Falls du vorhast, mit Ober-/Unterhitze zu backen: Ofen auf 180 °C vorheizen.

3.   Butter/Margarine gut schaumig schlagen

4.   Zucker & Vanillezucker dazu geben, rühren.

5.   Reiß‘ dich zusammen und gib‘ dir Mühe, nicht jetzt schon alles aufzuessen

6. Wenn du mit Ei backst, rühre die Eigelb ein eines nach dem anderen ein. Wenn du mit Bananen backst, zerdrück‘ die Bananen und rühre  sie portionsweise ein.

7.   Geriebene Haselnüsse, gemahlene Haselnüsse, Schokolade und Backpulver deiner Wahl in eine Schüssel geben und mischen.

8.   Nuss-Schokomischung portionsweise einrühren.

9 a. Wenn du mit Ei backst: Rührer spülen, Eiweiß steif schlagen, unterziehen.

9 b. Wenn du ohne Ei backst: Mineralwasser einrühren, bis der Teig eine gute Konsistenz hat.

10 a. Wenn du nicht glutenfrei backst: Springformboden fetten und mehlen.

10 b. Wenn du glutenfrei backst: Springformboden fetten und mit Butterbrotpapier auslegen.

Vorgesehen ist eine Springform mit 26 cm Durchmesser; Tipp: Wenn du vegan backst, nimm‘ die Springform eine Größe kleiner.

11. Teig in die Form geben; backen. Ober-/Unterhitze: 180 °C; Heißluft (nicht vorgeheizt): 160 °C. Backzeit: 45 min.

11 a. Wenn du vegan backst: Teil dir den Teil in zwei gleich große Mengen, backe auf zweimal. Halbe Menge entspricht etwa halber Backzeit.

12. Nimm den fertigen Kuchen aus dem Backofen; lass ihn etwas auskühlen, dann schneide ihn einmal quer (waagerecht) auf halber Höhe durch.

12 a. Wenn du vegan backst: Zweite Hälfte des Teigs separat ebenfalls backen.

Fertigstellen
1.   Nimm die Karamellcreme aus dem Kühlschrank, kipp‘ das Sahnesteif rein und schlag‘ es, bis es ordentlich steif ist.

2.   Ca. 2/3 von der Karamellsahne kommt auf den unteren Boden. Dann den oberen Boden drauflegen und den Rest der Sahne oben und an den Seiten aufstreichen.

3.   Nach Lust und Vorlieben dekorieren. Beispielsweise mit: Borkenschokolade, Schokostreusel, gehackten Haselnüssen…. Im Beispielfoto sind es marmorierte Schokoplättchen.

Essen.

Die Belagerung von Burgos

Und es trug sich zu…

…dass Wellington auch nicht immer auf Anhieb gewann.

So geschehen in Burgos, im Jahr 1812.

Burgos war eine Festung in Nordspanien. Die Burg bereits damals noch nicht die Ruine, die sie heute ist. In der Tat wurde sie 1813 von den französischen Truppen in die Luft gejagt, als diese aus Burgos abzogen.

Nun befinden wir uns jedoch noch einige Monate vor diesem Zeitpunkt. Die Garnison in Burgos wird angeführt von Jean-Louis Dubreton, Brigadegeneral der Franzosen.

Wellington hatte gerade eine Reihe von erfolgreichen Aktionen hinter sich und die französischen Truppen aus mehreren Städten und Festungen vertrieben. Dubreton allerdings erwies sich als besonnenerer Stratege als seine Kollegen.

Portugal war zu dem Zeitpunkt bereits fest in den Händen der Alliierten, befreit von den Besatzern. Die Armee aus Portugiesen und Briten rückte dann weiter vor, durch Spanien Richtung Frankreich. Im Juli 1812 hatte Marschall Marmont Salamanca verloren. Im August zogen die Briten unter Jubel der Bevölkerung in Madrid ein. König Joseph (Napoleon Bonapartes Bruder) floh nach Valencia. Marschall Soult verließ mit seinen Truppen nun endlich Andalusien (nachdem er dem entsprechenden Befehl des „spanischen“ Königs Joseph zuvor nicht Folge geleistet hatte, und marschierte ebenfalls Richtung Osten. In dem Wissen, dass er ein Problem haben würde, wenn die beiden Teile der französischen Armee, die bei  Joseph waren, sich mit denen von Soult vereinen konnten, machte Wellington sich daran, seine Position zu sichern. Er ließ mehrere Divisionen unter „Daddy Hill“ in Madrid zurück, um die Hauptstadt zu verteidigen, und marschierte mit seinen Truppen nordwärts. Burgos war ein strategisches Ziel. Eine Einnahme der Stadt hätte Vorstöße weitere französischer Verstärkungen bzw. die Versorgung aus Richtung Norden gestört.

Im September brachte Wellington also seine Truppen in Stellung. Ein Infanterieangriff im großen Stil kam für ihn dieses Mal nicht in Frage. Er hatte im letzten Jahr gerade zwei Belagerungen zwar erfolgreich aber jeweils mit schweren Verlusten abgeschlossen.

Er wollte zunächst versuchen, auf anderem Weg einen Pfad in die Stadt freizumachen. Zu diesem Zweck gab es die „Military Artificers“, heute „Royal Engineers“, auch bezeichnet als „Sappers“; Sappeure haben Aufgaben wie Brücken bauen, Brücken sprengen, Belagerungsgräben ausheben, Annährungsgräben buddeln (also Gräben, in denen man an die Befestigungsanlagen rankommt), Mienen legen, Mienen in Annäherungsgräben legen um damit hoffentlich die Befestigungsanlagen in die Luft zu jagen… Leider war diese Truppe zu der Zeit in der britischen Armee eine ziemlich „stiefmütterlich“ behandelte, unterbesetzt und nicht ausreichend ausgestattet. Die Arbeiten selbst waren auch nicht besonders sicher, vor allem auch aufgrund der unzureichenden Ausrüstung. An der Belagerung beteiligt waren fünf Ingenieure und acht Sappeure. Einer aus jeder Gruppe fiel, ein Ingenieur und sieben weitere Sappeure endeten auf den Verwundetenlisten.

Die Verteidigung erfolgte in zwei Linien. Die äußere konnte Wellington am 19. September einnehmen, was jedoch mit hohen Verlusten unter den eingesetzten Brigaden einherging, da diese zu früh von den Verteidigern entdeckt wurden.

Die innere Verteidigungslinie nutzte die Anlagen der Burg. Im ersten Anlauf ließ Wellington hier also eine Mine unter der Mauer platzieren und zünden. Dies funktionierte so weit auch, die Mauer stürzte ein. Leider fand man bei der darauf folgenden Erstürmung heraus, dass es sich lediglich um eine alte Mauer handelte, die einer neueren Mauer vorgelagert war. Die eigentliche Verteidigungsanlage der Franzosen war noch intakt.

Der zweite Anlauf – Es war inzwischen Oktober – gestaltete sich schwerer, denn die Anstrengungen zur Vorbereitung der Erstürmung der Festung wurden entdeckt. Es sah nun so aus, dass die Briten tagsüber an ihren Vorbereitungen arbeiteten und die Franzosen diese des Nachts wieder zerstörten. Dennoch schafften sie es, am 4. Oktober eine neue Mine zu zünden und tatsächlich eine Bresche in die äußere Verteidigungsanlage zu schlagen. Der folgende Angriff brachte den Alliierten immerhin einen kleinen Stützpunkt nahe der Festung.

Das war Dubreton nun aber doch zu viel, und er startete am Folgetag einen Gegenangriff, schlug die Belagerer zurück, und nahm einen großen Teil ihrer Ausrüstung an sich. Diese Vorgehensweise behielt er nun erst mal bei, was die Arbeiten der Belagerer doch sehr störte. Zu allem Überfluss begann es nun auch noch, in Strömen zu regnen. In gefluteten Gräben kann man nur sehr schlecht mit Sprengstoff arbeiten, und so konnte auch erst zum 18. Oktober erneut eine Mine gezündet werden. Der folgende versuchte Sturm war jedoch nicht sehr erfolgreich, da die Verteidigung zu gut organisiert war, und den Angreifern auch so langsam die Munition ausging.

Da nun auch noch Verstärkungen für die Franzosen anrückten, musste Wellington sich mit seinen Truppen zurückziehen. Außerdem bedrohte inzwischen Soult auf dem Weg aus Andalusien die Stellung in Madrid, die spanischen Truppen verweigerten gerade die Hilfe, weil deren oberster Kommandant sich übergangen fühlte und schmollte, und die Franzosen nahmen eine strategisch wichtige Brücke ein.

Nachdem er am 21. Oktober so sauber abgezogen war, dass die Franzosen erst einen Tag später merkten, dass sie nicht mehr belagert wurden, wurde Wellington auf dem Weg in Richtung des Rests seiner Armee immer deutlicher klar, wie schlecht seine Position im Vergleich zu den sich immer mehr konsolidierenden Franzosen geworden war. Er erteilte daher Ende Oktober Befehl an Hill, Madrid aufzugeben.

Um sich an einer sicheren Position neu zu gruppieren und einen erneuten Vorstoß zu beginnen, bewegten sie sich sehr weit nach Westen und gaben dabei große Landstriche in Spanien auf, die danach erneut erobert werden mussten. Der Rückzug erwies sich als katastrophal. Die Versorgung war komplett zusammengebrochen, Hunger, Kälte, schlechtes Wetter und fehlende Ausrüstung führten zu zahlreichen Verlusten. Hätten die Franzosen hier realisiert, was vor sich ging, und eine volle Verfolgung angeordnet, hätten sie vermutlich einen großen Teil der Alliierten Armee vernichtend schlagen können, und die Geschichte wäre anders ausgegangen.

Wie es nun aber war, konnte Wellington seine Männer schließlich in gesicherter Position wieder sammeln und über den Winter zu Kräften kommen lassen. Die relativ kurzfristige Anwesenheit in Spanien 1812 war jedoch keineswegs umsonst gewesen. Vielmehr war es ein wichtiger Grundstein für die spätere Unterstützung in der spanischen Bevölkerung, als Wellington Spanien 1813 erneut einnahm. Die Briten, denen das Plündern und Vergewaltigen bei Todesstrafe verboten war, wurden dann als Befreier gesehen, entgegen der Französischen Besatzer, die sich nahmen, was sie wollten.

Burgos wurde in Juni 1813 endgültig eingenommen. Die Franzosen sorgten dabei für einen sehr effektvollen Abzug: Bevor sie gingen, jagten sie die Burg in die Luft: mit solcher Eile, dass sie nicht auf die Evakuierung ihrer eigenen Leute warteten. Um die Zweihundert Soldaten aus ihren eigenen Reihen starben in der Explosion.

Die Belagerung von Burgos (Reenactment)

Wir hatten ja eigentlich schon ein Leihpferd für meinen Mann gebucht, damals…

Denn ab einer bestimmten Distanz wird es unpraktisch, eigene Pferde mitzunehmen. Wir waren zu dem Zeitpunkt ein gutes Jahr zusammen, ich begleitete ihn zwar auf Veranstaltungen, spielte aber noch nicht selbst mit, sondern hielt mich im Hintergrund und beschäftigte mich mit Pferdeputzen, Mikros anheften und Ähnlichem. Ich kannte ihn auf jeden Fall lange genug, um zu wissen, dass es den Herrn nie längere Zeit ohne irgendwelche Schäden gibt.

In dem Fall war er gerade eine Woche vorher zu faul gewesen, die fünfzig Meter bis zur Treppe zu laufen, und von einer etwa 1,80 m hohen Mauer gesprungen. Kann man machen. Würde ich vermutlich auch machen. Nur sollte man vorher schauen, wo man hinspringt.

In dem Fall war das wohin frisch aufgeschütteter Kies, er kam schlecht auf, knickte um… und lief dann noch gut vier Stunden auf einem angeknacksten Fuß und einem gerissenen Band im Knöchel, weil „der Stiefel ist ja gut und hält das.“ Mag sein, aber fast hätte er dann denselben an dem Abend auch mit ins Bett nehmen müssen.

Nun gut, so ein Knöchel lässt sich mit einer Plastikschiene einigermaßen unaufdringlich stabilisieren, und dem Auftritt stand insofern nicht allzu viel im Weg – wenn man davon absieht, dass in den historischen Stiefeln nicht so unendlich viel Platz ist, und man sich deswegen für den Auftritt wieder darauf verlassen „muss“, dass der Stiefel ausreicht. Nur: Immerhin ist er so vernünftig, angeschlagen nicht auf Fremdpferde zu steigen und dann mit diesen in die Schlacht zu reiten.

Das Kuschelpferd musste also mit. Und da wir keinesfalls so früh los konnten, dass wir mit Hänger hätten fahren können und der Flug ohnehin schon gebucht war, war es ein Glück dass immer irgendjemand aus der Truppe Ausrüstung per Auto transportiert. Dort sollte nun also das Kuschelpferd mitfahren. Im Hänger natürlich.

*

Wir flogen also am Freitag, nachdem der Mann, der damals eben „nur“ mein Freund war, Feierabend hatte, einmal quer über Frankreich nach Spanien, fuhren dann weiter nach Burgos, und kamen einigermaßen im Zeitplan an.

Die Franzosen waren als Verteidiger unterhalb der Burgruine platziert, die Briten als Angreifer außerhalb der Stadt.

Kaum angekommen – wir hatten noch nicht mal Zeit, nach unserem Zelt zu sehen – kam uns ein ziemlich zerknirscht dreinblickender Fahrer entgegen. Den Grund dafür bekamen wir dann auch schnell zu sehen: Was ein dunkelbraunes Pferd hätte sein sollen, hatte sich in ein hochzufriedenes Schlammmonster verwandelt. In anderen Worten: Er hatte dem Kuschelpferd was Gutes tun wollen, und es auf der Wiesen laufen lassen – und es hatte sich kurzerhand mit Anlauf in das einzige Gewässer weit und breit geworfen, das dank der Jahreszeit und der Temperaturen nur eine seichte Schicht Wasser über viel Schlamm darstellte, und sich darin ausführlich herumgewälzt.

Antrocknen lassen, dann abbürsten… was anderes kann man da, in Ermangelung eines zur Verfügung stehenden Wasserschlauchs, kaum machen.

Während das Pferd langsam etwas beleidigt wurde, weil es keiner beschmusen wollte, ging es für uns also erst mal ins Zelt, dann einen Zeitplan holen – und mich ausführlich von dem Zuständigen ausschimpfen lassen, weil ich mir erlaubte, die Broschüre mit demselben erst mal abzuphotographieren, um den Plan quasi „unverlierbar“ bei mir zu haben. Ach ja… die Urheberrechtsregeln und das Kopierverbot in Spanien… Wie konnte ich sie nur vergessen? Schon zu meinen Studienzeiten waren die legendär. Regel Nummer 1 in Spanien: Versuche nie, nie, NIEMALS irgendeine Drucksache zu kopieren, wo dich jemand dabei sehen kann. Und geh‘ dazu bloß nicht in einen Copyshop, sofern du dort nicht rausfliegen willst. Nein, auch nicht schnell einen Artikel oder eine Seite Lehrbuch, die du für’s Studium bräuchtest. Irgendwie schaffte ich es, den Herrn Broschürenausgeber zu beruhigen und davon zu überzeugen, dass ich das Foto wieder löschen würde, sobald die Veranstaltung vorbei war, und ich auch wirklich NUR den Zeitplan und keine Beschreibungstexte oder Fotos drauf hatte.
(Ist das eigentlich inzwischen besser? Ich hab’s noch seitdem noch nicht wieder ausprobiert).

Etwas ungewöhnlich war der Zeitplan auch. Normalerweise sind Reenactments fortlaufende Angelegenheiten. Die Lager sind eigentlich geöffnet, solange jemand wach ist, und nur während der Schlachten geschlossen, wenn nicht genug Leute übrig wären, um Aufsicht zu führen. Geboten ist eigentlich durchgängig etwas. Hier war es aber so, dass nur bestimmte Zeiten vorgesehen waren, zu denen für ein paar Stunden „Lagerleben“ praktiziert wurde, und am Samstag mehrmals „Leerlauf“ war – Zeiten, zu denen wirklich nichts vorgesehen war.

Wieder im Zelt wurde erstmalig klar, dass die Streunersituation dort sehr extrem war. Es ist allgemein so, dass man in Spanien und Portugal viel mehr streunende Tiere trifft als bei uns. Diese sind auch in der Regel relativ zutraulich, da sie daran gewöhnt sind, von Touristen gefüttert zu werden. Man könnte auch sagen: Aufdringlich. Da historisch korrekte Zelte aber keine verschließbaren Netze sondern nur sehr undicht schließende Planen haben, ist es so gut wie unmöglich, zu verhindern, dass man hin und wieder ungefragt Besuch bekommt. An diesem Wochenende gab es aber wirklich ungewöhnlich viele ungeladene Gäste.

Nach einem schnellen Abendessen im Zelt – und vorsichtigem Wegräumen aller Reste – machten wir uns dann erst mal daran, das Kuschelpferd zu säubern. Und das dauerte. Auch angetrockneter Schlamm bürstet sich nicht so schnell aus, wie man sich das gerne vorstellen möchte. Zuerst waren wir noch zu zweit am Striegeln, dann kam doch irgendwann der Moment, in dem der Mann nicht mehr so recht stehen konnte, und sich lieber das Sattelzeug nahm und dieses nochmal durchpolierte, während ich weiter das Pferd bearbeitete. Wäre geplant gewesen, dass Kuschelpferdchen mitkommt, hätten wir natürlich auch einen Stallburschen/Pferdeknecht dabei gehabt, wie sich das für einen hochrangigen Offizier eben gehört hätte. Der hatte nun aber so kurzfristig das Wochenende nicht freinehmen können.

Irgendwann war das Pferd wieder vorzeigbar, und wir verkrümelten uns ins Zelt, verjagten zwei Katzen und legten uns schlafen.

*

Der Morgen begann erst mach recht zoologisch, denn diverse Vierbeiner waren offenbar sehr gut drauf geprägt: Menschen in Zelten = Futter. Den Gefallen taten wir ihnen nicht. Der Großteil ließ sich auch gut hinauskomplimentieren, eine graue Katze blieb jedoch stur unter dem Tisch sitzen, mit aufgestelltem Fell, und fauchte sehr unmissverständlich… Ich trat dann mal lieber den Rückzug an.

Die Offiziersbesprechung fand vor dem Frühstück statt. Da dachte wohl jemand, alle, die keine Spanier sind, sind absolute Frühaufsteher. Allgemeine Erheiterung löste es aus, dass die Tafel zum Planen der Schlacht nicht wie übliche ein Black- oder Whiteboard mit Kreide oder Marker war, sondern eine Magnettafel, und die Truppen durch kleine Magnetplättchen dargestellt wurden, die wohl aus dem Geometrieunterricht entwendet worden waren. Die Franzosen waren also die grünen Vierecke und die Briten die roten Kreise… wenigstens was blaues hätten sie uns geben können…

Nach dem Frühstück hatten wir tatsächlich frei – da ja nicht fortlaufend Programm vorgesehen war. Wir nutzten die Gelegenheit, denn Burgos hat ein Buchmuseum. Es ist das Museo del Libro Fadrique de Basilea, recht leicht zu finden. Sollte man sich anschauen, wenn man Bücher mag und durch Burgos kommt. Allerdings: Es ist schon sehr Spanisch… Es wird alles nicht so genau genommen, auch mit dem Beschriften. Faksimile oder Original? Man muss gelegentlich schon selbst etwas Arbeit aufwenden, wenn man wissen will, das man gerade vor sicht hat.

Danach zog es uns noch zur Kathedrale. Wenn ich mich richtig erinnere, ging das sogar mit demselben Ticket.
Ein gotischer Bau, und wie es gotische Gebäude halt so an sich haben, echt ein Wahnsinnsbauwerk. Riesig. Einfach nur alles riesig. Spezielle Beachtung sollte man der Fensterrosette in über dem Haupteingang schenken.

Ja… Das da in der Mitte? Das sieht nicht nur so aus wie ein Davidstern – es ist einer. Das Ornament wurde nämlich durch die jüdische Gemeinde von Burgos finanziert und deswegen so gestaltet.

Ich mag ja mechanisches Spielzeug, Spieluhren, alles, was aufziehbar ist, und so wollte ich auch unbedingt noch bis zur vollen Viertelstunde bleiben und den Papamoscas anschauen. Das ist eine über einer Uhr angebrachte Figur, die immer zur Viertelstunde ein Glöckchen läutet und mit den Zähnen klappert.

Fast hätten wir es dann nicht rechtzeitig zur Parade geschafft… was noch nicht mal daran lag, dass der Herr langsamer lief als üblich, sondern daran, dass wir schlicht den Verkehr unterschätzt hatten.

*

Das Mittagessen gab es für die Offiziere an der Offizierstafel und für uns Helfer „hinter den Kulissen“, was auch ganz gut so war, weil ich nicht so wirklich begeistert vom Angebot war, und sich das quasi auf dem Präsentierteller immer weniger gut macht.

Es folgten dann zwei Stunden Lagerleben, während denen ich größtenteils den Dolmetscher spielte – obwohl mir Dolmetschen ja eigentlich gar nicht liegt. Zum Glück erwartet in dem Zusammenhang niemand, dass es wirklich fließend geht, geschweige denn simultan.
Außerdem kam ich dazu, zahlreiche Fotos von diversen Touristen zu machen, die unbedingt ein Bild von sich mit Uniformierten wollten und jemanden brauchten, der auf den Auslöser drückt.

Es folgte die Schlacht, die hier so aussah, dass die Briten versuchten, unsere Stellung zu stürmen, und wir sie tapfer in die Flucht schlugen. Es war damals in der Tat nicht gelungen, Burgos im ersten Anlauf einzunehmen, und Wellington musste sich zunächst zurückziehen. Das Kuschelpferd trug seinen Menschen brav durch die Schlacht und machte keinen Blödsinn, vom Schlammbad war auch nichts mehr zu sehen.

Der Abend bestand dann aus ruhigem alleine mit den anderen Darstellern und Helfern am Feuer sitzen und unterhalten. Abendprogramm war nicht geplant.

Eine sehr gute Burgaleser Spezialität gab es im Übrigen zum Abendessen: den Queso de Burgos, einen Frischkäse aus Schafsmilch, der wie Pudding in Formen „gegossen“ und gestürzt serviert wird. Man isst den Käse auch nicht auf Brot, sondern schneidet  Scheiben oder „Pizzastücke“ und isst diese belegt – oder mit Honig. Nein, nicht igitt sagen. Frischkäse mit Honig ist in Spanien durchaus üblich, wird auch in Deutschland in Tapasbars serviert und schmeckt erstaunlich angenehm.

*

Den Sonntag finden wir dafür damit an, dass wir fast verschliefen und der Herr sein Frühstück quasi am Einsatzort essen musste, denn für Sonntagvormittag waren nochmal zwei Stunden Lagerleben angesetzt. Diese endeten um 12 Uhr. Danach hatten wir noch ein bisschen Zeit, um unsere Sachen zu packen, die Zelte abzubauen und den Platz zu räumen – wirklich viel Luft war aber nicht eingeplant.

Wir kamen dann auch wirklich nur mit einigen Minuten Abstand zu unserer „Deadline“ vom Platz weg – auf dem Weg zurück zum Flughafen, während das Kuschelpferd es sich bereits wieder im Hänger bequem gemacht hatte und quer durch Frankeich nach Hause gegondelt wurde.

Ah ja… Das erste was ich am darauffolgenden Montag machte war, mich gegen Tollwut impfen zu lassen. Auf dass ich mich das nächste Mal nicht wieder lieber von einem fauchenden Streuner aus meinem eigenen Zelt vertreiben lasse, als einen Zusammenstoß zu riskieren…Das habe ich seitdem auch immer aktuell gehalten.

 


Bilder von Wikipedia.

Fassade der Kathedrale:
Photo taken by Juan García at 2005-05-30 of the Burgos Cathedral at Burgos, Spain
Papamoscas:
Gemeinfrei
Käse:
Aufgenommen von Valdavia

Der „wii-Empfänger“

Falls ihr eine Wii habt, kennt ihr möglicherweise dieses Problem: Man würde gerne mal woanders als am heimischen Fernseher spielen…

…das geht aber schwer, weil man dazu diesen „Empfänger“, den man mit dem mitgelieferten Klebstreifen mittig oben oder unten am Fernseher befestigen musste, abfriemeln und mitnehmen müsste, und der hält dann irgendwann nicht mehr, und… und… und…

Und so bleiben die meisten  Wiis auf einen einzelnen Bildschirm beschränkt, obwohl es doch so einfach wäre:

Das von vielen als „Empfänger“ oder „Sender“ wahrgenommene Gerät, diese kleine Leiste, die eben an den Bildschirm geklebt wird, hat nämlich in Wirklichkeit gar nichts mit dem Spielverlauf zu tun. Es ist lediglich eine Positionierhilfe. D. h. das Ding gibt zwei Lichtsignale ab, die die Fernbedienung „sieht“ und verwendet, um ihre Position zum Bildschirm zu bestimmen.

Zwei Teelichter, rechts und links neben den Bildschirm gestellt und angezündet, tun’s ganz genauso.

Ach ja… auch zu empfehlen, wenn man statt am Bildschirn gerne mit Projektor und Leinwand spielen möchte.

 

Ich kenne doch meine Atties…

„Schau mal“, sagt sie. „Hier. Die Seite sagt zwar die sind schon verkauft, aber vielleicht kannst du rausfinden wo sie sind. Die wären doch was für dich.“

Sie zeigt mir diese Website.

„Die hab ich.“

„Jaaa“, sagt sie. „Warum überrascht mich das nicht?“ dann holt sie Luft. „Aber schau dir das Bild mal an. Die sehen doch so schön erhalten aus! Wie sind denn deine?“

„Das sind meine.“

„In dem Zustand?“

Will sie es nicht kapieren oder kann sie nicht?“ Ich besitze die beiden Figuren auf dem Foto. Dieselben.“

„Neeein.“ Schulmeisterlicher Tonfall. „Dieselben gibt’s nur einmal, du meinst die gleichen.“

Vor allen Dingen verdiene ich meine Brötchen damit, dass ich unter anderem den Unterschied zwischen denselben und den gleichen kenne. „Die. Sel. Ben.“

Pause.

„Du hast die von der Website gekauft?“

„Nein.“

„Woher willst du das dann wissen?“

Depp, denke ich mir. Ich kenne doch meine Figuren…

Aber wenn es denn so schwer ist… Hier sind meine Figuren…

Und hier die Schäden: Nelsons Strumpf mit abgeblätterter Farbe…

nelsonstrumpf

Und ein dunkler Fleck an Wellington’s Brust.

attyfleck

Beides ist an den Figuren auf der Seite zu sehen…

19th-century-pair-of-figures-of-admiral-lord-nelson-and-1st-duke-of-wellington

Und genau deswegen, übrigens, dokumentiert man in einer Sammlung alle Mängel, die ein Objekt hat, genau und mit Großaufnahmen. Kaum etwas ist individueller und hat größeren Wiedererkennungswert.

*

Nebenbei hatte ich den Wellington, schrecklich angestrichen und beschädigt, bereits ein Jahr vor dem Paar zu einem spottbilligen Preis bekommen (sonst hätte ich ihn in dem Zustand auch nicht genommen…)

attykaputt

Als der Restaurator, dem das Stück vorgestellt wurde, steif und fest behauptete, das sei der Originalanstrich, war für mich klar, dass dieser Auftrag nicht erteilt wird. Ich wusste damals zwar nicht, dass diese Figur tatsächlich im „richtigen“ Anstrich existiert (meine Vermutung wäre einfach Bronzefarben gewesen), aber welchem Gemälde die Skulptur nachempfunden war, wusste ich doch… auch wenn er in die „falsche“ Richtung blickt.

Ursula Poznanski: Schatten

Ursula Poznanski ist eine österreichische Autorin von Jugendbüchern und Thrillern für Erwachsene. Mit ersteren konnte sie mich nicht überzeugen. Ihre Reihe um Beatrice Kaspary und ihren Kollegen Wenninger lese ich aber recht gern.

Die Bücher spielen in und um Salzburg, und ich finde, die Wahl eines Orts, an dem sich die Autorin gut auskennt, war eine weise Entscheidung. Ihr Buch Erebos soll in London spielen, und für mich, die ich ja doch regelmäßig Zeit dort verbringe, ist es eben schon sehr „SOLL“ in London spielen. Das Setting in Salzburg ist stimmiger.

Von außen betrachtet, hat das Buch ein großes Manko für mich: Der Coverstil passt nicht gut zu den ersten drei Bänden. Ich werde nie verstehen, warum Verlage mitten in einer Serie den „Look“ der Bücher ändern zu müssen glauben. Schade.

Es geht, natürlich, um Mord. „Schatten“ ist der vierte Band. Das Ermittlerteam ist seit Buch eins größtenteils unverändert, aber es gaben deutliche Entwicklungen stattgefunden – Entwicklungen, die durchaus konsistent und in sich logisch sind.

Erzählt wird aus Sicht von Beatrice Kaspary. In diesem Buch kommt erstmalig auch ihr Kollege (und seit dem letztem Band ihr Lover) Florin (ohne a) Wenninger „zu Wort“. Eine wirklich eigene Charakterstimme haben seiner Erzählkapitel nicht. Das stört mich nicht weiter, aber wer wirklich gerne ein Buch mit deutlich unterschiedlichen Erzählstimmen liest, wird hier enttäuscht sein.

Was mir hier mal wieder gut gefällt – wie auch im letzten Buch schon – ist, dass sich die Figuren nicht so wahnsinnig blöd anstellen. Weder enthalten sie sich gegenseitig aus fadenscheinigen Gründen wichtige Informationen vor, noch tun sie die Gedanken des jeweils anderen leichtfertig ab, um später dann eines Besseren belehrt werden zu können, noch brauchen sie ewig, um einen Zusammenhang zu finden… Jawohl, das mag ich. Dass man „dennoch“ einen spannenden Fall aufbauen kann, beweist Frau Poznanski hier einmal mehr.

Der Schreibstil ist gut zu lesen. Auf der Lesung neulich meinte sie, dass sie nicht so wahnsinnig Österreichisch schreibe und deswegen auch in Deutschland größeren Erfolg habe als in Österreich. Den zweiten Teil dieser Aussage kann ich nicht kontrollieren, aber dem ersten schließe ich mich an. Wo ich bei Andreas Gruber (den ich durchaus auch gerne lesen) gelegentlich über österreichische Begriffe „stolpere“, ist die Sprache bei Poznanski sehr überregional neutral gehalten. Damit eignen sich die Bücher auch gut zum Nebenherlesen, wenn ich nicht unendlich viel Konzentration aufbringen kann – oder speziell als Flugzeuglektüre. Ich glaube, ich habe alle vier Kaspary-Bücher bislang in der Luft gelesen.

Sicher kann man Band vier für sich alleine lesen. Mehr Sinn gibt es aber, wenn man ihn in Folge mit Band drei liest. Die Verknüpfung der beiden Bücher könnte extrem gezwungen, künstlich und unlogisch sein. Könnte, ist sie aber nicht, weil Frau Poznanski es schafft, diese Verbindung so aufzubauen, dass es in sich konsistent ist. Ob sie in Band drei wirklich schon wusste, dass sie Band vier so schreiben würde, oder ob sie einfach nur sehr geschickt ihre eigene Vorlage nutzte und den von Band drei noch herumspringenden „Ball“ annahm – hätte ich sie vielleicht auf der Lesung fragen sollen, aber bei solchen Fragen zögere ich immer sehr. Man will ja nicht durch eine unvorsichtige Formulierung für den Rest des Publikums „spoilern“.

Abzug bekommt das Buch für einen kleinen Abschnitt von vielleicht fünfzehn Seiten mitten im Endteil. Dort liest sich der Text, als hätte ihn jemand anders geschrieben. Wenn das spannungserhöhend sein sollte: Es hat nicht funktioniert. Plötzlich wird dem Leser plump und mit Ankündigung Information vorenthalten, um dann die Auflösung dramatischer zu machen. Wird sie allerdings nicht, denn bis diese kommt bin ich zumindest schon dermaßen genervt von dem Spiel, dass es mir schon ziemlich egal ist. Bei einem Autor, der sonst schlechter schreibt, würde ich sagen „Der kann es halt nicht anders“. Poznanski kann aber, wie sie an anderer Stelle und in anderen Bänden beweist. Was dieser Abschnitt sollte… keine Ahnung.

Danach geht es dann allerdings in gewohnter Manier weiter, und das Ende vom Ende des Bands ist wieder so angenehm geschrieben wie der Anfang, die Mitte und der Anfang vom Ende.

Auf jeden Fall bin ich nun gespannt, wie es weitergeht. Das nächste Buch wird bestimmt wieder gekauft.