Autismus ist das neue Hochbegabt.

Es ist noch nicht so lange her, da schossen die hochbegabten Kinder nur so aus dem Boden wie die Pilze nach dem Regen. Jeder wollte eines haben – zumindest gefühlt war das so. Die Eltern wetteiferten und übertrafen sich in ihren Erzählungen gegenseitig damit, wessen Kind denn nun hochbegabter war als das der anderen.
Schlechte Noten? Kind ist hochbegabt und unterfordert;
Unmögliches Verhalten? Kind ist hochbegabt und frustriert weil die anderen es nicht verstehen – da muss man schon Verständnis haben.
Kind ist frech? Kind ist hochbegabt, da muss man über sowas hinwegsehen.

Mit tun die armen Kinder heute noch leid.

In den letzten Jahren wurde nun – gefühlt zumindest – die Hochbegabung durch den Autismus verdrängt. Sowohl bei den Kindern, als auch in der Selbstdiagnose Erwachsener. Ja, die Dunkelziffer der nicht diagnostizierten Autisten ist sicher nicht gering. Glaubt man jedoch denen, die bei sich oder ihrer Familie Autismus sehen, unhinterfragt, müsste wohl – gefühlt zumindest – jeder Dritte Autist sein. (Ich hätte nun persönlich nichts gegen eine Welt einzuwenden, in der ein 33%iger Autistenanteil vorliegt. Entspricht nur leider nicht der Realität).

Hinter jeder Schwierigkeit wird der Autismus vermutet, alle anderen Möglichkeiten oder Optionen werden umgehend als unmöglich verworfen.

Eltern lernen die Elternfragebögen auswendig, um zu wissen, was sie antworten müssen, damit ihr Kind die gewünschte Diagnose erhält. (Kein Witz! Ich wünschte, es wäre einer.) Gefällt die Erstmeinung nicht, holt man eine zweite.
Gefällt die zweite Meinung nicht, insbesondere, weil sie mit der Erstmeinung d’accord geht, holt man eine dritte.
Spätestens, wenn die dritten auch nicht gefällt, postet man einmal quer durch alle Foren: „Wo bekomme ich denn in der Gegend XY eine Autismusdiagnose für mein Kind?“ (Wahlweise: „für mich“)

Irgendwie scheint eine Autismusdiagnose gerade nicht nur in Mode zu sein, sondern auch als Patentlösung für alle Probleme angesehen zu werden.
Tipp: Sie ist es nicht. Hatte euer Umfeld vorher kein Verständnis für euer Kind (oder für euch), wird es dieses anschließend auch nicht magisch finden. Weder der Arbeitgeber, noch die Klassenlehrerin wird plötzlich alles durchgehen lassen, und die Mitschüler oder Kollegen werden auch nicht plötzlich eine 180-Grad-Wendung hinlegen.
Im Übrigen unterhalten wir uns bei Gelegenheit mal zum Thema Mobbing und dazu, was das denn eigentlich bedeutet. Was nämlich NICHT Mobbing ist, ist eine Schutzreaktion anderer auf eigenes Verhalten. Die ist jedem zuzugestehen. Ich hatte zu Schulzeiten auch jahrelang Ärger mit den Mitschülern, wurde „ausgegrenzt“ und getriezt…
Das hatte natürlich auch NIE irgendetwas mit komplett nicht sozialverträglichem Verhalten meinerseits zu tun.
Ich hoffe, den Sarkasmus kann man sich beim Lesen erschließen.

Nochmal zu den Herrschaften mit der dritten, vierten, X-ten Meinung und dem Auswendiglernen der Fragebögen: Diagnosekriterien sind, im Gegensatz zum Piratencodex, keine groben Richtlinien, sondern Vorgaben.
Erfüllt man sie nicht, bekommt man keine Diagnose. Auch nicht beim dritte oder vierten Mal.
Dann sollte man sie aber auch nicht bekommen, denn dann fällt man nicht in den entsprechenden Bereich. Medizinische Diagnosen sind nun mal keine Frage von „Aber ich will, dass das auch als X zählt“ oder „Aber ICH nenne das so.“ Dein Kind erfüllt die Kriterien nicht? Glückwunsch. Dein Kind ist kein Autist.

Das Ganze erzähle ich als hochbegabter Autist im Übrigen nicht, weil ich mich einer elitären Gruppe zugehörig fühle, zu der ich deinem Kind den Zutritt verwehren möchte…

Hat das Kind ein Problem, dann ist dieses zu lösen, oder zumindest irgendwie auszugleichen.

Dieses Problem speziell, das das Kind hat. Es bringt nichts, an einem anderen Problem zu basteln, von dem man nun aber lieber hätte, dass es das wäre.

Dasselbe gilt, wenn man selbst eines hat.

Ja, Autismus ist in gewisser Weise eher „salonfähig“ als manch anderes. Nur: liegt eine andere Störung vor, wird eine „Behandlung“ (Ganz Große Anführungszeichen! Autismus als solchen behandelt man nicht!) des Autismus unter Garantie das Problem nicht viel verbessern, und unter Umständen noch verschlimmern.

Gehe das Problem an, das da ist, nicht das Problem, das ihr haben wollt. Bei euch und bei euren Kindern.

Weder Autismus noch Hochbegabung sind das Ende allen Übels. Es ist eben gerade nicht so, dass sich damit alle Schwierigkeiten lösen. Und der Autismus, so er vorhanden ist, geht auch nicht weg, wenn ich ihn gerade mal beim allerbesten Willen nicht brauchen könnte. Wie heute zum Beispiel. Da hat er mir gerade überhaupt keinen Spaß gemacht…

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Urlaubszeit

Es kam heute Morgen die Frage auf – ist es sinnvoll, mit einem autistischen Kind in Urlaub zu fahren?

Wie so oft – eine Pauschalantwort ist da kaum möglich.

Natürlich gibt es auch Autisten, und auch junge Autisten, die Urlaub lieben und für die er Teil der Jahresroutine ist und nicht fehlen darf. Das „Wohin“ und das „Wie“ machen sehr viel aus – ebenso wie einige andere Fragen.

Zunächst: Urlaub ist natürlich immer auch Stress. Urlaub ist Veränderung, Urlaub ist Verlust von Sicherheit und Ruhe. Urlaub bedeutet, dass gelernte und gefundene Mechanismen zur Beruhigung, die sich z. B. auf das eigene Zimmer, vertraute Gerüche oder Geräusche usw. stützen, nicht zur Verfügung stehen.

Gehen wir den Urlaub mal Schritt für Schritt durch.

Erste Fragengruppe:

Wie alt ist das Kind?
Versteht das Kind das Konzept „Urlaub“?
Versteht das Kind schon, dass ein Urlaub keine dauerhafte Veränderung ist?
Hat das Kind schon die Erfahrung gemacht, dass die Rückkehr in die sichere Umgebung immer kommt?

Gerade bei jüngeren Kindern dürfte das ein Problem sein – das Kind hat noch keine Erfahrungswerte, und es ist unter Umständen nicht einfach, überhaupt festzustellen, inwiefern das Kind versteht, was ihm gerade bevorsteht.

Zweite Fragengruppe:

Wie kommt man hin und zurück?
Welche Verkehrsmittel müsste man nutzen, um zum gewünschten Urlaubsort zu kommen?
Gibt es da bereits bekannte Probleme?

Hier kann es von Autist zu Autist extreme Unterschiede geben. Ich könnte im Notfall Zug fahren, müsste aber damit rechnen, mich von der Anstrengung der Fahrt erst mal eine Weile erholen zu müssen. Als ich das letzte Mal meinte, mit dem Zug in Urlaub fahren zu müssen (ja, blöde Idee) war ich nach fünf Tagen am Zielort dann an einem Punkt, an dem ich nicht mehr schlicht zu fertig war, um irgendetwas zu unternehmen. Zwei Tage später war Rückfahrt. Bus wäre für mich komplett außer Frage.
Andererseits gibt es auch viele Autisten, die mit Bus und Bahn gut zurechtkommen. Hier gilt ein individuelles Betrachten der Situation.

Dritte Fragegruppe:

Wo geht es eigentlich hin?
Wie viel ist dort los?
Wie groß sind die Unterschiede von zu Hause?
Wo kommt man unter?

Ich bitte, folgendes zu bedenken: Wir filtern sensorischen Input schlecht aus. Allerdings legen wir uns durchaus „Schablonen“ zu, die uns helfen, „gewöhnlichen“ Input besser zu tolerieren/ignorieren. Es ist möglich, dass diese Schablonen am Urlaubsort nicht mehr funktionieren.

Andere Orte riechen anders. An regionale Gewürze und Duftnoten, andere Pflanzen, Früchte, andere Hygienegewohnheiten denkt man eventuell noch. Es geht aber noch weiter: Das Meer riecht man auch relativ weit landeinwärts noch. Andersherum ist es ebenfalls so: Wer normalerweise in dem Bereich lebt, „riecht“ das Fehlen desselben.

Andere Orte klingen anders. Musik und Landessprache sind nur zwei Punkte. Andere Verkehrsmittel auf anderem Bodenbelag; andere Naturgeräusche; andere „Standardgeräusch“ (ist euch schon mal aufgefallen, dass das Klingeln, das z. B. eine Durchsage ankündigt, unterschiedlich klingt, je nachdem, wo ihr seid?)

Andere Orte sehen anders aus. Klar, aber neben dem sofort offensichtlichen: Andere Farben und Farbkombinationen herrschen vor, Ampeln benehmen sich anders (noch heute irritiert es mich z. B. wahnsinnig, wenn in Österreich die Ampeln anfangen zu blinken, bevor sie umschalten); Je nachdem, wo ich mich aufhalte, ist der Lichteinfall anders. Bin ich in Spanien oder Portugal, muss ich den Kopf anders halten, um das Sonnenlicht selbst mit Sonnenbrille für mich erträglich zu machen. Das wiederum führt zu einer anderen Wahrnehmung der Welt, mein „Blickwinkel“ stimmt nicht mehr, alles fühlt sich verschoben und falsch an. Zusätzlicher Stress entsteht mir dann durch den zusätzlichen Aufwand der Koordination meines Körpers.

Andere Orte fühlen sich anders an. Temperatur dürfte schon mal klar sein, aber auch beispielsweise die „Qualität“ des Winds kann eine Rolle spielen. Wind in den Bergen und Wind am Meer sind nicht dasselbe. Nur, weil ich das eine ertragen kann, heißt es noch lange nicht, dass ich mit dem anderen ebenfalls zurechtkomme.

Natürlich reagiert nicht jeder Autist auf alle diese Bereiche. Töne machen mir z. B. wenig aus, Licht und Gerüche dafür umso mehr. Anderen wird es anders gehen. Hier gilt es, einen Ausgleich zu schaffen, soweit irgendwie möglich. Eine Möglichkeit der Ablenkung, um den störenden Reiz besser auszublenden. Und ja – das kann dann unter Umständen auch bedeuten, dass das Kind eben mal einen Tag – oder auch große Teile jedes Tags – damit verbringen kann, sich in sein Spezialinteresse zu vertiefen. Oder etwa Pokemon Go spielt (Neben anderem kann übrigens auch schon der Fokus auf den kleinen Bildschirm helfen, einfach alles, was nicht in der VR-Sicht zu sehen ist, auszublenden. Klar, dann muss der Begleiter aufpassen, dass es nicht zu Unfällen kommt, aber das dürfte in vielen Fällen dem Overload durch unbegrenzten Input vorzuziehen sein! Nebenbei ist das Spiel ein genialer Fremdenführer, da die markierten Orte fast immer aus kultureller oder künstlerischer Sicht interessant sind, aber oft weit über die „üblichen“ Touristenattraktionen hinausgehen).

 

Natürlich fehlt im Urlaub erst mal der sichere Rückzugsraum. Hotelzimmer sehen nicht nur anders aus, als das zuhause, sie haben eine andere Akustik, sie riechen anders. Gerade Bettzeug hinterlässt nach der Nacht einen Geruch an mir, den ich noch den nächsten Tag über rieche. Wenn dieser dann nicht „stimmt“ – und das wird er in den allerwenigsten Fällen tun – brauche ich einen entsprechenden Ausgleich, um nicht ständig davon abgelenkt zu sein. Dasselbe gilt natürlich für hoteleigene Handtücher und vom Hotel bereitgestellte Duschbäder, Seifen, Shampoos. Wenn ich Pech habe, höre ich das Surren der Stromleitungen in der Wand. Oder Wasserrohre. Heizungsrohre. Menschen im Nebenzimmer.

Hier kann es entscheidend sein, ausreichend „Sicherheit“ von zu Hause mitzubringen. Kuscheldecke, Spielzeug, Bücher, vertraute Lebensmittel, die eigene Seife/Zahnpasta/etc. … Es kann hier sein, dass ein einziger besonders wichtiger Gegenstand vollkommen ausreicht, oder aber auch, dass man einen kompletten Zusatzkoffer packt. Wie bei allem ist das individuell sehr unterschiedlich.

 

Einplanen, im Notfall abzubrechen.

Sollte es gar nicht gehen, sollte die Möglichkeit bestehen, sowohl einzelne Aktivitäten, als auch den kompletten Urlaub abzubrechen. Wenn es dazu kommt, bitte nicht vergessen: Vorwürfe sind so ziemlich das schlimmste, mit dem ihr dann kommen könnt. Die Situation ist für das Kind in dem Fall dann auch nicht schön, sondern absolut unerträglich. NEIN, das Kind macht das nicht mit Absicht, um euch den Urlaub zu verderben oder „Macht“ auszuspielen. Das Kind hat den Punkt erreicht und überschritten, an dem der Urlaub zur Qual geworden ist. Dem Kind geht es ohnehin schon schlecht. Bestraft ihr euer Kind dafür, dass ihm übel ist, wenn es krank ist oder irgendein Lebensmittel nicht vertragen hat? Wohl eher nicht. Also bitte auch nicht dafür, dass es den Urlaub „nicht vertragen hat“. Mit jedem Mal, dass ihr versucht, eurem Kind für die Reaktion – für die es nun mal nichts kann, die noch nicht mal wir Erwachsene 100% vermeiden können, egal, wie viele Ausgleichsmechanismen wir aufbauen (die eure Kinder noch nicht in dem Ausmaß besitzen)! – ein schlechtes Gewissen zu machen und Schuldgefühle zu vermitteln – und ja, das können viele sehr, sehr gut – macht ihr es dem Kind auch entsprechend schwerer, wieder für andere Dinge offen zu sein.

 

Hat das Kind ein Spezialinteresse, würde ich übrigens dringend dazu raten, einen Urlaubsort zu wählen, der in dem Bereich etwas zu bieten hat, bzw. im Voraus nachzuschauen, was man dort zu dem entsprechenden Thema findet. Der Fokus, den das SI bringt, hilft wahnsinnig beim ausblenden anderer Dinge!

 

*

 

Wie war das nun bei uns?

Wir fuhren nicht im klassischen Sinne in Urlaub. Das lag allerdings weniger an den Autisten und mehr an anderen praktischen Gründen. „Urlaub“ fand bei Oma und Opa statt. Dort kannten wir uns aus, es waren bekannte Bezugspersonen da, wir kannten die Fahrt, wir kannten die Räume, es war eine Art zweites Zuhause. Von diesem sicheren Rückzugsort als Basis aus gab es Tagesausflüge.

Die wurden wiederum viel an unseren Interessen orientiert.

Später sind wir zweimal je ein Wochenende weggefahren, mit Hotelübernachtung. Das habe ich in sehr stressiger Erinnerung, Gründe siehe oben – aber etwa in dem gleichen Ausmaß wie Klassenfahrten mit Übernachtung, die ich zu dem Zeitpunkt ja schon kannte (aus den gleichen Gründen).  Auch da hatten wir unsere Sicherheiten entsprechend dabei.

Als der Gedanke an Zelten mit dem Reitverein aufkam, wurde das Zelt bei uns erst mal in den Garten gestellt, und freigestellt, im Sommer dort zu schlafen – mit der Option, auch nachts zurück ins Haus zu kommen.

Was wir uns als Kinder immer wahnsinnig gewünscht haben, war ein Wohnwagen oder besser noch Wohnmobil. Unsere Nachbarn hatten so ein Ding. Die Nachbarsjungs hatten dort ihre Betten, mit ihren Ecken, in denen sie ihre Sachen hatten… Das klang schon mal sowas von schön… quasi ein eigenes Zimmer zum Mitnehmen. Den Wohnwagen holten sie auch im Frühsommer bereits vors Haus (und nein, bei den Nachbarn war kein Autismus im Spiel, das gehörte bei ihnen einfach zum üblichen Ablauf), und solange er noch nicht für die Fahrt eingeräumt war, durften auch wir aus der Nachbarschaft mit dort drinnen spielen.

Eine Familie aus meinem engeren Kreis, ein Elternteil Autist, alle Kinder im Spektrum, hat einen Transporter selbst zum „Wohnmobil“ umgebaut und nutzte diesen über Jahre ausschließlich, um in den Urlaub zu fahren. Das Fahrzeug stand das ganze Jahr über auf dem Grundstück, wurde natürlich mit Gegenständen aus dem Haushalt ausgestattet, nahm den vertrauten Geruch mit usw. Unterwegs dient das Fahrzeug dann als sichere Basis, ähnlich wie für uns damals das Haus unserer Großeltern.

Mein Mann und ich wählen unsere Autos übrigens auch danach aus, dass man die Rückbank ganz flach legen kann, und haben alles hinten im Auto, was wir zum Schlafen bräuchten. Damit haben wir immer die Möglichkeit, in „unserem“ Raum zu nächtigen.

 

Geräusch;
Gast: Was war das?
Ich: Da hat sich wohl grad irgendwas gesetzt im Schrank
Gast: Gesetzt? Isses müde geworden oder was?

Ungewöhnliche „Freu“-Momente

Zum Beispiel der Moment, wenn dich die Freundin, mit der du Nachmittags unterwegs sein willst, morgens um 10 um Input bittet: „Eigentlich sehen meine Haare noch gut aus, am Ansatz würde *mir* heute Trockenshampoo reichen – geht das, oder gibt es da heute gar nicht so viele Zitronenbonbons wie du lutschen müsstest?“

Nee, geht schon, habe eine frische Dose auf dem Tisch liegen.

Allein die Tatsache des selbstverständlichen Denkens an die Geruchsempfindlichkeit: *Freu*.

Am Mercedes steckt der Schlüssel

Du gehst die Straße entlang. Da steht, am Straßenrand geparkt, ein polierter Mercedes. Deiner ist es nicht. Du hast ihn nicht gebaut, du hast ihn nicht gekauft. Aber er gefällt dir. Nehmen wir mal einfach an, du hast einen Führerschein, du fährst gerne Auto, und dieses Auto gefällt dir.

Also brichst du die Tür auf, schließt ihn kurz (nehmen wir mal an, du weißt, wie das geht) und fährst damit weg.

Rechtslage? Klar.

Würdest du das machen?

Wohl eher nicht.

Zurück zum Anfang.

Du gehst die Straße entlang. Da steht, am Straßenrand geparkt, ein polierter Mercedes. Deiner ist es nicht. Du hast ihn nicht gebaut, du hast ihn nicht gekauft. Aber er gefällt dir. Nehmen wir mal einfach an, du hast einen Führerschein, du fährst gerne Auto, und dieses Auto gefällt dir.

Die Tür ist offen, und der Schlüssel steckt. Also steigst du ein, drehst den Schlüssel im Schloss, das Auto spring an, und du fährst weg.

Rechtslage? Immer noch klar. Bestenfalls wird die Versicherung etwas zur Parksituation zu sagen haben.

Würdest du das machen?

Wohl eher nicht, selbst wenn es den einen oder anderen geben wird, der nun sagt: Würde dem Eigentümer Recht geschehen, was lässt er das Ding da so stehen… Trotzdem ist den meisten von uns doch klar: Dieses Auto muss da so stehen bleiben. Mitnehmen ist nicht.

Zurück zum Anfang.

Du gehst die Straße entlang. Da steht, am Straßenrand geparkt, ein polierter Mercedes. Deiner ist es nicht. Du hast ihn nicht gebaut, du hast ihn nicht gekauft.

Die Tür ist offen, und der Schlüssel steckt. Also steigst du ein, drehst den Schlüssel im Schloss, das Auto spring an, und du fährst weg.

Dieses Mal willst du das Auto gar nicht für dich. Du willst es einfach nur einem Bekannten bringen, der kein Auto hat. Damit der künftig auch eines hat. Der würde nämlich auch gerne damit fahren…

Rechtslage? Dürfte immer noch klar sei.

Würdest du das machen?

Ich vermute: Nein. Robin Hood mag von den Reichen gestohlen haben und den Armen gegeben haben, aber Diebstahl war es dennoch. Damals schon. Heute auch.

Zurück zum Anfang.

Du gehst die Straße entlang. Da steht, am Straßenrand geparkt, ein polierter Mercedes. Deiner ist es nicht. Du hast ihn nicht gebaut, du hast ihn nicht gekauft.

Die Tür ist offen, und der Schlüssel steckt. Also steigst du ein, drehst den Schlüssel im Schloss, das Auto spring an, und du fährst weg.

Heute willst du das Auto weder für dich, noch für deinen Freund, der keines hat. Heute willst du es einfach nur auf den Marktplatz stellen und dort der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, damit alle, die gerne mal einen Mercedes fahren würden, das auch mal tun können. Eine Runde um den Block, dann ist der nächste dran. Wie beim Karussell. Du willst auch kein Geld dafür nehmen und keinen Nutzen daraus ziehen. Du möchtest einfach nur „allen“ etwas Gutes tun.

Rechtslage? Die Argumentation wird nichts ändern.

Würdest du das machen?

Mir fallen aus dem Effeff ein bis zwei Leute ein, die sich das überlegen würden… ich denke, der Großteil würde es dennoch nicht tun.

Denn: Wir sind doch so gut wie alle inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem wir den Unterschied zwischen „meins“ und „deins“ kennen; an dem wir verstehen, dass das Eigentum einer Person nicht einfach zur freien Verfügung steht.

Stellt euch mal vor, was passieren würde, wenn sich an der Garderobe im Restaurant (ja, ich weiß, es gibt solche Leute und deswegen klebt auch so gut wie immer ein Zettel dran, dass für die Garderobe nicht gehaftet wird) jeder einfach den Mantel nehmen würde, der ihm gefällt, weil schließlich kein Name des Eigentümers dran steht.

*

Nun möchte ich das einschränken: Bei Sachen haben wir das Ganze verstanden.

In anderen Bereichen hapert es noch extrem. Insbesondere, wenn es um das sogenannte geistige Eigentum geht. Das Urheberrecht. Das Copyright. Das ist übrigens nicht dasselbe.

Warum ist mir das Thema wichtig?

Weil ich, durch Künstler und Autoren im weitesten Sinn im Bekanntenkreis ständig den Schaden sehe, der durch wildes Weiterverbreiten angerichtet wird?

Weil ich, selbst Autorin, weiß, wie viel Arbeit hinter einem gut formulierten Text steckt, wie viel Zeit in einem Werk jeder Art, und es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit finde, wenn diese Zeit, dieser Aufwand mit Füßen getreten wird?

Weil ich beruflich ständig mit dem Thema zu tun habe, auf allen Seiten?

Eine Mischung wird es sein, von diesen und noch einigen weiteren Punkten.

Ein Bild, hergestellt von einem Künstler, ist dessen Eigentum. Stellt dieser Künstler das Bild ins Internet, ist das nett von ihm. Sofern es nicht ausdrücklich drunter steht, ist das jedoch keine Einladung, es zu kopieren, selbst zu benutzen, sich auf ein T-Shirt zu drucken, auf die eigene Website zu stellen oder das eigene Blog damit zu zieren. Sofern nicht eine ausdrückliche Pauschalerlaubnis gegeben wird, in Form eines Hinweises unter der Veröffentlichung oder einer entsprechenden Lizenzerklärung (die oft bestimmte Bedingungen enthält, die man lesen sollte), gilt erst mal das gleiche, wie für den Mercedes oben: Nicht erlaubt heißt verboten.

Will ich den Mercedes fahren – will ich das Bild nutzen – muss ich den Eigentümer um Erlaubnis bitten. Erhalte ich diese, gebietet zumindest der grundlegende Anstand wenigstens ein Dankeschön (bzw. die Nennung des Eigentümers mit Hinweis auf die Genehmigung. Geht ganz einfach: „Mit freundlicher Genehmigung von X“).

Nun gut, anständig sein kann man, muss man aber nicht…aber: wenn ich nun ein Bild sehe, auf Blog von Person A, ohne Hinweis auf den Urheber… ist das kein Freibrief, das Bild weiterzuverbreiten. (So, wie eben auch die Jacke, an der kein Name klebt, nicht einfach mitgenommen werden darf.) Und an wen ich mich wenden muss, um rauszufinden, ob ich das darf, weiß ich dann u.U. auch nicht. Es wäre also auch den anderen gegenüber, die es vielleicht ebenfalls nutzen möchten, nett.

In der Rubrik „Technik“ oben findet ihr übrigens unter anderem eine Erklärung, wie man den Urheber von Bildern ohne Quelle ausfindig machen kann. Ist halt Aufwand.

Ich finde es schon aussagekräftig, dass eine Freundin es auf die Anfrage hin, ob sie jemandem ein von ihr geändertes Strickmuster zur Verfügung stellen würde, für notwendig hielt, darauf hinzuweisen, dass sich die Person das Original aber bitte vorher von der Schöpferin kaufen sollte. Da habe ich wohl auch erst mal geschaut, wie die sprichwörtliche Kuh im Gewitter. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Jemand hat Arbeit in dieses Ding gesteckt. Es ist ja wohl das Mindeste, diese Person für diese Arbeit, sofern man sie nutzen möchte, auch zu entlohnen.

Und Texte? Texte werden im Internet auch gerne verbreitet. Von Tumblr auf Facebook und umgekehrt, von Twitter überallhin, quer durch alle Plattformen. Mal mit Angabe des Autors, mal ohne. Mal mit Link zum Original, mal ohne. Mal durch Teilen, mal durch Kopieren.

Kurz: Teilen über den vorgesehenen Button ist die einzige Methode, die ohne extra Nachfragen gewählt werden sollte. Nur dann bleibt die Verknüpfung erhalten. Diese Texte, in die ebenfalls jemand Zeit, Überlegung und unter Umständen eine Menge Herzblut gesteckt hat, erhalten wir kostenlos zum Lesen.

Führen wir uns aber mal kurz vor Augen, wie Suchmaschinen und Social Media funktionieren: Jeder Klick, jedes „Teilen“, jedes „Like“ wertet einen Eintrag auf. (Deswegen ist es auch unsinnig, mit „Daumen runter“ oder bösen Kommentaren zu antworten…die Algorithmen erkennen den Inhalt nicht, und am Ende hat man faktisch den Eintrag unterstützt, gegen den man wettern wollte. Dazu aber mehr ein andermal.)

Aufwerten bedeutet: Der Eintrag wird öfter in Suchen angezeigt, er wird „wertvoller“ für Werbeschaltungen, er gewinnt an nutzbarem Wert für den Autor. Das Wenigste, das man tun könnte, wenn einem ein Eintrag so gut gefallen hat, dass man ihn mit anderen teilen möchte, ist doch wohl, dies auf eine Weise zu tun, die auch demjenigen nützt, der ihn ursprünglich erstellt hat.

Dazu darf aber die Verbindung zum Ursprungsartikel nicht abreißen. Daher: Teilen, nie kopieren. Und zum Kopieren erst die Erlaubnis einholen. Und bitte auch bedanken. Wenigstens in der Form, dass andere Leute, die den kopierten Artikel sehen, erkennen können, wo er her ist, und dass die Person der Kopie zugestimmt hat. Zahlreiche Autoren und Plattformen haben übrigens auch Standardtexte, die an kopierte Texte angehängt werden sollen, und die alle relevanten Inhalte enthalten.

Muss ich jetzt bei allem, was ich zitiere, um Erlaubnis bitten?

Nein. Ein Zitat ist „eine wörtlich übernommene Stelle aus einem Text oder ein Hinweis auf eine bestimmte Textstelle“, so Wikipedia. Das Urheberrecht regelt das Zitat in §51. Dabei ist das sogenannte Großzitat, also das „zitieren“ eines vollständigen Werks – das wäre die Situation des Kopierens eines kompletten Artikels – nur im Rahmen wissenschaftlicher Werke zulässig. Das dürfte auf die wenigsten Blogs zutreffen.

Oder ist das Kopieren in Blogs oder auf Social Media etwa eine öffentliche Wiedergabe nach §52? Diese unterliegt aber einer Vergütungspflicht, sofern das Werk nicht zu bestimmten Zwecken einem begrenzten Personenkreis zugänglich gemacht wird. Der Personenkreis ist beim öffentlichen Posten aber nicht begrenzt.

Zulässig ist die Reproduktion zum privaten, eigenen Gebrauch. Deswegen dürfen wir hier auch mit einem Buch in den Copyshop gehen und uns das Buch kopieren, um diese Kopie dann zu Hause aufzubewahren. (In Spanien z. B. ist dies nicht erlaubt). Der ist beim öffentlichen Posten im Internet nicht mehr gegeben.

Und Übersetzungen? Grundsätzlich darf ich erst mal alles übersetzen, sofern ich einen Grund dazu habe. Erlaubt ist das im UrhG in §62(2) („Sofern der Benutzungszweck es erfordert…“). Aber was mache ich dann mit meiner Übersetzung? Grundsätzlich dasselbe wie mit dem ursprünglichen Werk: Für den Privatgebrauch kann ich mir übersetzen, was immer ich möchte. Oder übersetzen lassen. Oder für meine Bekannte übersetzen, die kein Englisch kann. Die Übersetzung veröffentlichen entspricht dann aber der Situation des Gesamtzitats. Ist meine Facebookseite, ist mein Blog eine wissenschaftliche Arbeit? Eher nicht.

Also: Nur mit Erlaubnis. Sei es eine Pauschalerlaubnis in Form einer entsprechenden Lizenzerklärung oder eines Hinweises unter dem Werk, oder eine direkte Erlaubnis durch Kontakt mit dem Urheber. Und auch hier wieder: Zumindest der Anstand gebietet es, eine erteilte Erlaubnis auch zu erwähnen.

Wobei ich ohnehin nicht verstehe, was so schwer daran ist, das zu tun, wenn man sie schon eingeholt hat.

Und erneut: Mit Rücksicht auf den Autor, der Arbeit, Zeit, Herzblut in seine Arbeit gesteckt hat, sollte man die Linkkette zum Original nicht unterbrechen. Das bedeutet, Teilen & Ergänzen der Übersetzung, um dem Autor den Nutzen aus den zusätzlichen Klicks auch zu lassen. Das sollte nicht extra erwähnt werden müssen, sondern eine Selbstverständlichkeit sein.

„Aber wenn doch nun kein Autor drunter steht?“ –Dann kannst du wohl davon ausgehen, dass du bereits eine „Raubkopie“ liest. Nein, davon, dass es der andere auch schon gemacht hat, wird das, was du gerade tun willst, nicht besser. Es gibt zwar den Begriff des „verwaisten Werks“, doch wird dort verlangt, dass der „Rechtsinhaber auch durch eine sorgfältige Suche nicht festgestellt oder ausfindig gemacht werden konnte“. Die anderen Einschränkungen lasse ich jetzt mal kompletten außen vor, denn ganz ehrlich? Niemand, der einen Internetbrowser mit Google besitzt, kann mir ernsthaft weiß machen, er wäre nicht in der Lage, herauszufinden, wo ein von irgendjemandem kopierter Text herkommt…

„Aber ich will doch nur, dass alle meine Bekannten, die Sprache X nicht verstehen, den Text auch lesen können.“ Ja, fein. Dann frag‘ nach und mach‘ es richtig. Den fremden Mercedes kannst du auch nicht einfach als besseren Autoscooter auf den Marktplatz stellen, nur weil du willst, dass alle mal fahren dürfen.

Es sind hier oben zwei Dinge gemischt: Die reine Rechtslage – ja, eine Urheberrechtsverletzung in dem Umfang wird kaum strafrechtlich verfolgt werden, schon alleine, weil sich die Urheber den Stress nicht antun wollen – und die Frage des Respekts vor der Arbeit anderer Leute, die ich oben auch als „Anstand“ bezeichnet habe. Ich wüsste es zu schätzen, wenn wir davon allgemein etwas mehr zeigen würden.

 

Soo, und nachdem es nun hoffentlich alle einschlägigen Personen hinbekommen, meinen Klarnamen und meinen Blognamen überein zu bringen, wünsche ich schon mal allseits frohes Lästern. Keine Sorge – wir tun’s auch.

Bedingt geeignet

Da war ich neulich in Bayreuth. Zusammen mit einer Freundin Pokémon jagen. Das machen wir öfter. Auf dem Heimweg kam der Gedanke auf, man könnte ja noch schnell einen Kaffee trinken gehen. Oder was essen. Oder beides.

Auf dem Weg aus dem Hofgarten in die Innenstadt kamen wir an einer Örtlichkeit vorbei, die interessant aussah. Ein Crêpe-Café. Kurzentschlossen sind wir rein.

 

Der Kaffee:

Selbstbedienung an der Maschine. Schritt-für-Schritt-Anweisungen an der Wand und im Display. Unterschiedliche Sorten, Zusammenstellungen, Größen, Stärken – finde ich an sich nicht schlecht.

 

Die Auswahl beim Essen:

Sowohl die Crêpes als auch andere Sachen, Nachspeisen, etc., sind gut gemischt, viele Zutaten zur Auswahl. Süß und herzhaft gleichermaßen vertreten. Neben Crêpe und Süßspeisen stehen asiatische Gerichte auf dem Menü.

Abändern der vorgegebenen Gerichte ist kein Problem („Die Nr. X, aber ohne das eine und dafür mit dem Anderen“).

Was ich nicht verstehe ist, wie auf professionell gedruckten Menüs, Aushängen usw. so viele Rechtschreibfehler sein können. Das muss doch irgendwann mal irgendwer korrekturgelesen haben? Der „Scharfkäse“ führte zu reger Erheiterung.

 

Eilig sollte man es zumindest bei der Dame, die bei uns hinter der Theke stand, nicht haben. Sie war extrem höflich und freundlich, aber auch extrem langsam. Jede Zutat wurde einzeln aus einem anderen Raum geholt. Mehrmals wurde wegen den Änderungen nochmal gefragt, was aber auch dazu führte, dass alles richtig ausgeführt wurde.

 

Das Preis/Leistungsverhältnis ist so ziemlich einmalig. Die Zubereitung ist extrem lecker und die Portionen sind sehr groß. Ich brauchte an dem Tag nichts anderes mehr. Ein Snack für Zwischendrin wie der Crêpe auf dem Volksfest ist das nicht.

 

Die Beleuchtung ist gut. Sitzplätze gibt es nur wenige, mit kleinen Tischen entlang einer Bank an der Wand. Abstände zum jeweils nächsten Tisch sind gut.

 

 

So, und warum war ich nun nur bedingt glücklich damit? Abgesehen natürlich von den Rechtschreibfehlern?

 

Wir setzten uns an einen Tisch, ich wie üblich, Rücken zur Wand, Abschirmen von hinten. Hilft nichts, wenn plötzlich die Kühltheke anfängt, lautstark zu rödeln. Rechts daneben blinkt eine Lichterkette, die um eine Schild gelegt ist. Der Sinn derselben erschließt sich mir nicht, passt auch nicht wirklich ins Ambiente, aber gut… Hauptsache, ich ein blinkendes Ding im Blickfeld, das mich ständig ablenkt.

 

Die mir gegenübersitzende Freundin zu meiner Beschwerde über das Geräusch übrigens: „Och, das blende ich aus. Jetzt, wo du es gesagt hast, hör ich es auch.“ Glaube ich ihr sogar. Für mich hatte es aber eine Lautstärke, die schon etwas beim unterhalten gestört hat.

 

Das Ding schaltet sich im Lauf der Mahlzeit noch aus und wieder ein, lief geschätzt während ca. ¾ der Zeit. Das wäre mir für eine Wiederholung definitiv zu viel. Künftig nur noch zum mitnehmen.

 

 

 

NTs sind komisch…

Ich bin mit einer Freundin (NT) essen. Asiatisches Restaurant mit Buffet. Essen hervorragend.

Sie: „Da bei den Nachspeisen gibt es auch einen Kuchen, der so ähnlich ist, wie Tiramisu.“

Ich: „Im Tiramisu ist meistens Alkohol, ich muss noch fahren. Außerdem ist das, was ich am Tiramisu mag, der Kaffee, und das sieht nicht aus, als wäre davon viel drin.“

Sie: „Es schmeckt eher nach Kaffee als nach Alkohol.“

*

Nach dem Essen, sie: „Ich hol mir jetzt was von dem Kuchen. Soll ich dir noch eine zweite Gabel mitbringen damit du es probieren kannst?“

Wir machen das. Ich probiere es. Fazit: Okay. Schmeckt okay, aber mir zu süß. Und: Mir fehlt der Kaffee.

Sie: „Also, ich schmecke den Kaffee recht intensiv. Ich mag aber auch keinen Kaffee.“

Zu ihrer Erheiterung entgleisen mir etwas die Gesichtszüge – laut ihrer Aussage war sozusagen das „Fragezeichen“ über meinem Kopf zu sehen.

Meine Reaktion in Worte gefasst: „Warum *isst* du es dann?!“

Also… offenbar ist Kaffee, den man nicht mag, in Kombination mit der Süße und genau wenig genug Kaffee doch gut, sofern man am Ende noch was hinterhertrinkt, um den Nachgeschmack zu ertränken.

Ich bleibe doch irgendwie bei dem Schluss: NTs sind komisch.

 

 

Fahren neun Autisten und neun Nichtautisten zusammen in Urlaub…

Da war sie nun wieder … unsere jährliche Reise mit einer Gruppe AS/nicht-AS-Mischpaaren (wir haben uns darauf geeinigt, nicht „NT“ zu sagen), zum Theaterspielen und Spaßhaben. Thema wie letztes Jahr bereits: Game of Thrones.

Aus planungstechnischen Gründen ergab es sich so, dass mein Mann und ich getrennt anreisten – ich aus Bayern, er aus Belgien.

Am Flughafen sorgte dann die Security für den ersten Lacher – ich bin ja nun bekannterweise begeistert von den Shadowhunters, und hatte zum Geburtstag ein kuscheliges Hoodie mit der Aufschrift „University of Idris“ bekommen – das ich tatsächlich trage, denn offenbar funktioniert das Prinzip heute noch genauso gut wie vor 30 Jahren…

Ich habe einen Mehrzweckstift, der mir in der Sicherheitskontrolle schon mehrfach zu Diskussionen geführt hat, weil er versteckte Werkzeuge enthält. Ich nehme ihn daher vor der Kontrolle aus der Tasche und gebe ihn separat ab, mit der Anmerkung, dass es sich dabei eben um ein Mehrzweckgerät handelt, und nicht nur um einen Stift, und dass er deswegen in der Kontrolle auffallen wird. Bei Bedarf mache ich ihn dann auch auf. Hier, Kommentar der Dame in der Kontrolle mit Blick auf mein Hoodie: „Netter Glamour auf Ihrer Stele.“

Also mit einem kleinen Grinsen weiter, mir dann ein ruhiges Eckchen in der Lounge gesucht und noch ein bisschen gearbeitet, bis der Flieger endlich da war… denn der ließ sich etwas Zeit.

Im ausgebuchten Flugzeug war ich dann umso froher, dass ich Business fliege, wo ich auch so Platz für mich und meine Ruhe habe…

Durch die Verspätung des Flugzeugs war ich dann mal wieder die letzte, die in London ankam – das scheint so ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, wenn wir getrennt fliegen, egal, wann die Flüge eigentlich gehen…

Ein Abend nett mit unseren Londoner Freunden, und am nächsten Morgen dann ab zum Veranstaltungsort – dem ehemaligen Kloster, in dem wir letztes Jahr schon waren.

Nach einem kleinen Hänger an der Raststätte – Großbritannien tauscht immer mal wieder die Geldscheine aus, und die alten werden dann tatsächlich nicht mehr angenommen. Da wir im letzten Jahr nur einmal aus anderen Gründen als für Auktionen „drüben“ waren, habe ich seit März ’17 nicht mehr anders als mit Kreditkarte bezahlt, und es kam erst mal zu einer etwas anstrengenden Situation mit der Subway’s-Verkäuferin als die mir erklärte, dass unsere 5-Pfund-Scheine nicht mehr gelten… naja, die 10-Pfund-Scheine nahm sie zum Glück.

Pünktlich kamen wir dann an. Der Ankunftsabend war dieses Mal absichtlich locker organisiert, weil einige erst später anreisen konnten.

Was mir in dieser Gruppe immer wieder gefällt, ist die zügige und funktionierende Organisation. Beispiel Lebensmittellieferung: Wer frische Luft will, geht raus um die Taschen ins Haus zu tragen, wer helfen will aber entweder nicht vor die Tür oder keine Schuhe anziehen möchte, trägt das Zeug die Treppen rauf oder räumt die Kühlschränke ein (einer mit Gemeinschaftsware, einer mit bestellten Sachen, die mit Name versehen sind), und wer nicht mithilft, bleibt aus dem Weg und stört nicht.

In dieser Art läuft dann auch das komplette Wochenende.

Zum Abendessen waren dann schon fast alle anwesend, und der Rest kam dann auch zeitnah – wenn auch mit leichten GPS-Problemen (Zitat: „Der Parkplatz hat sich als Schwimmbad getarnt!“)

Nach kurzer Koordination zu den seltsamen Platzierungen mancher Schaltelemente im Haus („Das hier ist unser Schlafzimmer. Manchmal gehen wir vor anderen Leuten ins Bett. Das hier ist der Lichtschalter für unser Schlafzimmer. Der sieht aus, als wäre er der Lichtschalter fürs Klo. Wenn ihr da drauf drückt, geht das Licht in unserem Schlafzimmer an und aus. Das im Klo nicht. Das im Heizungsraum auch nicht. Um 18 Uhr ist das noch witzig, aber um zwei Uhr nachts nervt es.“) wurden dann die Manuskripte und Rollenpläne für die Theaterrunden verteilt („Here’s some paper with all your parts on it“- „What, an anatomy text book?“ – leider nicht gut übersetzbar)

Der Abend ging dann in allgemeines Zusammensitzen mit Einzelaktivitäten über: Die einen lernten ihren Text, einer lernte lieber Finnisch, einige zogen Handarbeiten raus, der Anwalt bereitete seinen nächsten Fall vor, ich war am Übersetzen, einer beschloss, den Wein zu sortieren, etc.

Unterbrochen wurde das Ganze dann nur von gelegentlichen Kommentaren (A: *liest Zeile aus dem Script vor* – B: „Willst du das mit dem Akzent spielen?“ A: „Nö. Ist dein Text.“ Oder beim Text markieren: A: „Ich find‘ meinen Textmarker nicht.“ B: „Macht nichts, wir haben kommunistische Textmarker.“)

Im Lauf des Abends kamen wir auf den Gedanken, die Requisiten schon mal auszupacken; Da saß dann der Plüschbär mit geladener Armbrust auf dem Tisch (Stichwort: „The right to arm bears“), bis sich eine halbe Stunde später der Schuss löste, und beschlossen wurde, Bären seien gefährliche Tiere. Allgemein sind wir mit den Requisiten relativ flexibel… („Ich hab‘ ’ne Ente dabei, falls keiner einen Raben mitbringt.“)

An dem Abend waren dann alle gegen Mitternacht im Bett, Anreise und Aufbau strengen doch etwas an…

Freitagmorgen begann damit, dass die Sportfans zusammen Laufen und/oder Schwimmen gingen, während der Rest in Ruhe nach persönlichem Vorzug die Zeit zum Frühstücken nutzte oder noch ein bisschen im Bett blieb.

Die erste Theatersession des Tags begann mit der Suche nach einer noch fehlenden Requisite: einem Kissenbezug. („Wenn wir einen rosa Bezug und einen gelben Bezug übrig haben, wollen wir den rosafarbenen, oder?“ – „Klar, wenn wir albern sind, können wir auch gleich lächerlich werden.“ – „Was machen wir damit?“ – „Ich ziehe ihn mir über den Kopf. Oder genauer gesagt: jemand anders stülpt ihn mir über den Kopf.“ – „Und das wird mit Sicherheit dazu führen, dass er seinen Text besonders gut lesen kann…“ Ja doch… Ironie beherrschen wir.)

Auch ein Satz, den es vermutlich nur bei Versammlungen mit 50% Autistenanteil gibt: „Du isst ja Frühstücksessen zu Mittag! Hast du das auch ins Formular eingetragen?“ (Das Formular, mit dem wir vor dem Retreat angegeben haben, was wir an Lebensmitteln usw. wollten/brauchten)

Abends fanden wir dann raus, dass die Sauna nicht funktionieren wollte. Normalerweise wirft man Münzen ein und sie heizt auf. Auf der Suche nach dem Fehler trafen wir auf einen Schalter… Testweise gedrückt, und es ging. Dann stellte sich raus, wir hatten den Überbrückungsschalter für das Münzgerät gefunden. Naja, geht auch. Geht sogar noch besser.

Musikalischer Abend war auch nicht schlecht… Wir hatten mehrere Flöten, eine Gitarre, ein Cello, einen Profisänger und diverse semiprofessionelle und Amateursänger dabei. Auch einen Pianisten, aber leider kein Piano.

Unbeschadet kleinerer Probleme bei der Textfindung („Kann ich dein Liederbuch haben?“ – „Wo ist dein eigenes?“ – „Hab ich M. geliehen.“) und zweifelhafter Komplimente („Du singst echt toll, aber noch schöner wäre es, wenn du am Anfang auch mal den richtigen Ton treffen würdest.“) sowie nur bedingt hilfreicher Anweisungen an die Gitarre („Ich hab‘ keine Akkorde“ – „Spiel F-Dur, das geht schon.“) war das ganze eigentlich ganz nett und auch gut anzuhören. Aufnahmen gibt es, werde ich aber nicht hochladen.

Etwa in dieser Art ging es dann das Wochenende über weiter. Da zwischenzeitlich der Wein ausging, kippte „Joffrey“ bei seiner Hochzeit „Tyrion“ dann statt eines Krugs Wein eine Flasche Bier über den Kopf (merke: Bier ist deutlich klebriger als Wein.)

Aussage in ähnlichem Zusammenhang: „Ich werde dir kein Glas Wasser über den Kopf kippen. Ich drehe das Glas nur um. Was das Wasser macht, geht mich nichts an.“

Nächstes Mal sollten wir wohl versuchen, die Anweisungen für Duelle immer auf EINER Seite der Scripte stehe zu haben – um Unterbrechungen der Art „Stopp! Stopp! Ich muss umblättern damit ich weiß, wann ich sterbe!“ zu verringern.

Der Samstag lief dann im Grund wie der Freitag, zwischenrein mit faszinierenden Gesprächen zu Themen wie echten Psychopathen in Film, Fernsehen und Literatur (nicht im Krimi-Sinn, sondern im psychiatrischen), einer improvisierten interaktiven Verbrechensaufklärung (weil wir plötzlich Lust auf Krimi hatten), mehr Theater, Spekulationen, wie es in Game of Thrones weitergehen wird, und der Frage, wann wir als Gruppe den Gipfel der Albernheit erreicht haben würden (A. „Etwa morgen um diese Zeit.“ – B: „In 20 Minuten oder so.“ – C: „Das sind jetzt aber arg unterschiedliche Zeiträume.“ B: „Ich wollte ja auch, dass du fragst, wann die Sauna warm ist.“)

Der Sonntag stand dann zuerst im Zeichen der Frage, ob genug Halloumi da ist („Wir machen das ganz einfach: Wir schneiden den Halloumi in der Mitte durch, und der, der zuerst sagt, nein, nein, der andere kann den Halloumi haben, ist die echte Mutter des Halloumi!“); Vormittags hatten wir keine geplanten Aktivitäten, damit alle, die in die Kirche wollten, in die Kirche gehen konnten, sodass ich nochmal gut Arbeit unterbringen konnte.

Nach dem großen Sonntagsbrunch waren zwei Autisten zum Aufräumen eingeteilt, und hatten damit die einmalige Gelegenheit, zu beweisen, dass die Organisation so hervorragend klappt (nach fünfzehn Minuten Arbeit schaute jemand in die fast saubere Küche und meinte ehrfürchtig: „Wow. Das sieht hier ja erstaunlich unter Kontrolle aus!“) – auch, wenn immer mal wieder jemand vorbei kommt und noch mehr Geschirr abliefert („Kann ich die Tasse irgendwo hinstellen, wo sie nur gering bis mäßig stört?“)

Das Gottesurteil Oberyn Martell/Gregor Clegane verlangte dann auch nochmal etwas Organisation („Warum nimmst du die Bogensehne ab?“ – „Ich nehme den Bogen als Speer, wir haben nichts Speerähnlicheres…“ – „Kein Wunder, dass du den Kampf verlierst.“) und strategische Entscheidungen („Ich tausche schnell meine Brille gegen Kontaktlinsen, weil du mir sonst die Augen nicht ausstechen kannst.“ – nein, es gab KEINE Verletzten!)

Dann war da noch… das periodische Klingeln einer Gabel am Glas („Versuchst du gerade, eine Rede anzukündigen, oder klimperst du nur?“ –“Ich klimpere bloß. Ich hab‘ zufällig was gefunden, das ein schönes Geräusch macht.“)

Nachdem Person A versucht hat, meinem Mann etwas Flötespielen beizubringen: „Habt ihr gerade versucht, rauszufinden, in welchem Tempo man Mairie’s Wedding spielt?“ – „Nö, das ist ein bisschen schneller als das, was wir gespielt haben. “ – „Wenn du sagst ‚ein bisschen schneller‘ meinst du ’sehr viel schneller‘, oder?“

Die im Zusammenhang vollkommen sinnvolle Aussage: „Du musst ein weiteres T-Shirt anziehen, weil wir dir ein Pferd hinten reinstecken müssen.“

„Ich fand’s etwas überraschend, dass eine Ente einen Raben spielt.“ – „Die Ente war eine Krähe.“ – „Ah, das ist was anderes.“

Plötzlich abgängige Requisiten und Körperteile („Okay, wir suchen also: ein von S. gewebtes Lesezeichen, einen roten Beutel mit Pfundmünzen und eine abgeschlagene Hand.“)

Entscheidungsfindungsprobleme der Art: „Ich habe keine Ahnung, mit welchem Akzent ich das spielen soll. Ich meine, er soll schlau und verschlagen klingen, aber wo liegt das bitte geographisch?“

„Wenn wir ‚Helm‘ sagen, meinen wir doch ‚Eimer‘?“

„Haben wir ’ne Axt?“ – „Ja, da drüben…warte…hast du Axt oder Arsch gesagt?“

„Meine Liebe, wir sind seit neun Jahren verheiratet. Du wirst dich eventuell daran erinnern, dass ich damals deinen Namen angenommen habe. Kannst du bitte aufhören, in Emails meinen alten Namen zu benutzen?“

„Primzahlen sind ekelhaft.“

Zum Spruch des Wochenendes gekürt wurde dann die todernste Aussage eines Teilnehmers: „Ich war ein ziemlich komisches Kind.“ (Angesichts der Gesellschaft … sorgte das für extreme Erheiterung)

Nächstes Jahr wieder, dann aber mit mehr Runden Organ Attack, das Spiel ist cool.

Pass auf!

Woran erkennt man, dass man über die Feiertage doch etwas gestresst war, und vielleicht reihenweise ungeduldiger/ungehaltener reagiert hat, als man hätte sollen?

Heute Morgen, ich setze mich mit der Kaffeetasse an den Computer, stelle die Tasse zu hart ab. Kaffee schwappt über.

Mamagei: „Pass doch mal auf!“

Ich hab’s möglicherweise schon mal gesagt… im Gesungenen geht mir nichts über die russische Sprache… Sooo schön der Klang.

Viel Musik höre ich ja nicht, aber hier mal eine kleine Auswahl, was bei mir aktuell läuft.