Das bisschen Haushalt…

Ich mag einiges sein, aber eines bin ich definitiv nicht: eine begnadete Hausfrau.

Zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Vergangenheit habe ich diverse Szenarien gedanklich durchgespielt. Immer wieder komme ich zu dem Schluss: eigentlich müsste ich eine Haushälterin einstellen.

Dumm nur, dass ich den Gedanken hasse, jemanden in meinen Sachen zu haben. Jemanden, der mir meine Sachen durcheinander bringt; wichtige Sachen nicht dahin zurückstellt, wo ich sie haben will; möglicherweise meint, umdekorieren zu dürfen (ist bei einschlägigen Agenturen tatsächlich Teil der Aufgabenbeschreibung einer Haushälterin); eventuell mal ein Atty fallenlässt…

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Sicher, schon eine „einfache“ Putzfrau würde helfen, aber da habe ich bis auf das umdekorieren die gleichen Probleme.

Wo, mag man sich fragen, ist denn eigentlich das Problem? Putzen ist doch ganz einfach. Das kann und macht doch jeder… oder?

Ja… genau. Ganz einfach.

Erstes Problem: Wahl der Putzmittel.

Viele Leute denken bei „Krankenhaus“ mal gleich an den Geruch von Desinfektions- und Reinigungsmitteln und finden diesen unangenehm. Gut. Haltet mal bitte den Geruch samt Reaktion gedanklich fest.

Und jetzt stellt euch bitte vor, dass ich diesen unangenehmen, penetranten, alles durchdringenden, stechenden, teilweise fast in der Nase schmerzhaften Geruch bei der großen Mehrheit der auf dem Markt befindlichen Putzmittel empfinde. Will man das wirklich mehr als absolut notwendig im Haus haben?

Selbst bei den Putzmitteln, die mir erträglich sind, habe ich den Geruch sehr lange um mich, und er ist auch so recht intensiv – und stört bei anderen Wahrnehmungen. Nach dem Großputz vom Samstag, gefolgt von mehreren Stunden mit geöffneten Fenstern zum Durchlüften, einem Familien-Kaffeetrinken und zwei kompletten Tagen Zeit…konnte ich am Montagabend das Zeug noch immer riechen. Und nein, ich empfinde das nicht als frisch und angenehm, sondern als ziemlich penetrant und störend.

Leider kann man nicht alles mit Neutralseife putzen. Also, man kann schon, aber es ist nicht besonders effizient. Und danach riecht die ganze Wohnung nach Seife. Aber eben wenigstens nur nach Seife.

Der Putzmittelgeruch hängt übrigens nicht nur in der Wohnung, sondern auch: An der Kleidung, die ich dabei getragen habe, meinen Händen und meinen Haaren. Am liebsten würde ich während der Putzarbeiten also mehrmals unter die Dusche springen, Haare waschen, umziehen…. Geht natürlich nicht.

Heute den einen Raum, morgen den anderen, wie das manche Leute in meiner Familie machen, ist schon deswegen undenkbar, weil ich dann dem Putzmittelgeruch nie entfliehen könnte…

Zweites Problem: Material

Handschuhe gehen mal gar nicht. Es gibt nur zwei Situationen, in denen ich mich dazu durchringen kann, Handschuhe zu tragen:

  • Gelegentlich zum Reiten, wenn die Temperaturen zu weit runter gehen, um ohne noch gut Gefühl für die Zügel zu haben. Dann trage ich sehr, sehr gut sitzende Lederhandschuhe.
  • Zum Fechten, wenn ich befürchten muss, dabei was auf die Finger zu bekommen. Ich brauche meine Hände funktionsfähig, da ich doch relativ viel tippe.
  • Als Papagei und Mamagei frisch bei mir waren und Papagei sehr aggressiv war, aber aufgrund seines Gesundheitszustands regelmäßig gehandelt werden musste, zog ich dazu Handschuhe an, um ständig Verletzungen durch seinen Schnabel/kaputte Finger zu vermeiden.

Auf keinen Fall würde ich aber mit meinen guten Handschuhen putzen, und Putzhandschuhe aller Art gehen einfach gar nicht.

Ich habe nun aber auch allgemein ein Problem mit glatten Stoffen auf der Haut. Ist euch mal aufgefallen, wie schwer es ist, andere Lappen als Microfaser zu bekommen in der heutigen Zeit? Frottee-Handtücher eignen sich leider auch nicht für alles…

Drittes Problem: Muss das weg?

Ich stelle mir das so vor: Der NT schaut hin und sieht auf den ersten Blick „Aha. Da ist ein Fleck.“ Oder „Aha. Das ist ein Muster.“ Oder „Aha. Das ist Teil vom Untergrund.“

Da mir automatische Filter fehlen, fehlt mir auch dieser Effekt: Die natürliche Musterung des Grantibodens in Wohnzimmer und Küche, die Struktur des Korkfußbodens im oberen Stockwerk, die Maserung im Parkett im Esszimmer, die Marmorierung der Fliesen im Bad… alles das verschwimmt für mich mit Flecken, Dreck, Staub..

Ich muss tatsächlich erst mal jede Abweichung von der Grundfarbe analysieren. Was ist das? Muss das weg? Und wenn ja, dann nach dem Wischen erneute Analyse: Ist es jetzt weg? Ist noch was da, das nicht zum Untergrund gehört? Habe ich durch Verwischen neue Flecken produziert?

Da für mich unter Umständen ein Kaffeefleck nicht auffallender zu sehen ist, als ein „normaler“ Farbeinschluss im Stein muss ich quasi Quadratzentimeter für Quadratzentimeter prüfen, ob ich alles erwischt habe.

Das endet dann damit, dass ich entweder wie Roomba und Scooba einfach mehrfach in allen Richtungen durch die Wohnung wische (Was hier am Beispiel Fußboden erläutert ist, lässt sich natürlich auf jede andere Fläche übertragen), oder ich mich, dem Rat von Beppo Straßenkehrer folgend, Fliese für Fliese vorwärtsarbeite.

In jedem Fall jedoch wird dabei etwas, das den meisten Leuten als mental nicht besonders anspruchsvolle Arbeit geläufig ist, bei der man gut nebenbei Hörbuch oder Musik hören oder irgendwelchen Gedanken nachhängen kann, zu einem ziemlich anstrengenden Act, der aufgrund der ständig notwendigen bewussten Filterarbeit auf „für den Kopf“ sehr ermüdend wird.
Da kann es dann schon mal vorkommen, dass ich seit 20 Minuten am Glaseinsatz der Bibliothekstür wische, weil ich zwar sehe, dass da ein Fleck ist… aber nicht mehr genug Kapazität übrig ist, um zu registrieren, dass ich auf der falschen Seite der Scheibe stehe.
Dann wiederum passiert es auch, dass ich etwas als „Dreck“ wahrnehme und erst merke, dass es doch da hingehört hätte, wenn ich angefangen habe, das Material anzugreifen. So hat etwa einer meiner Stühle eine sehr abgeriebene Stelle am Bezug. Der Stoff war dort einfach von der (eigentlich sehr zurückhaltenden) Musterung her etwas heller…

Irgendwann ist die Konzentration weg. Ich sehe nicht mehr, was ich mache – also, ich sehe es schon, aber ich nehme nur noch Einheitsbrei wahr und kann Untergrund von Schmutz nicht mehr unterscheiden

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Dasselbe Problem habe ich übrigens auch, wenn mir jemand auf meinen Pullover deutend hilfreich mitzuteilen meint: „Du hast da ’nen Fleck“. Ich sehe nämlich vor lauter Web- oder Strickmuster (besonders schlimm sind da diese Stoffe, die dieses Mini-Strickmuster aufweisen…). Meine Kleidung mag für die meisten Augen einheitlich schwarz sein, aber wenn ich da drauf anschaue, sehe ich da alles Mögliche andere. Da festzustellen, welche Abweichung ein Fleck, und nicht einfach Stoffstruktur sein soll…

Ich wische also etwa an der gezeigten Stelle rum, das hilfreiche Gegenüber meint: „Schau doch mal in den Spiegel“, impliziert dabei: Dann siehst du es besser.

Irgendwann hatte ich mal keine Lust auf das Spiel und schoss direkt zurück, dass ich das eben im Spiegel genausowenig sehe… erntete dafür einen komplett verwirrten Blick, dann: „Aber du hast doch jetzt auch dran rumgewischt…“

Ja… dort, wo du hingedeutet hattest. Das kann ich in der Tat tun, auch ohne den Fleck selbst wahrzunehmen… Wirklich, das geht…

Wie man sich bettet…

Mein Verhältnis zu den Betten war nicht immer ungetrübt,
was allein schon daran lag, dass man nicht kann, was man nicht übt…

…oder so ähnlich.

Mit dem Beginn der Schulzeit bekam ich ein eigenes Zimmer. Das war klein, die Möbel sollten so viel Stauraum wie möglich hergeben, und so war die Liegefläche des Betts etwas höher, weil sich darunter noch eine Reihe Regalfächer befand. Drüber auch. Dieses Bett, und eigentlich das ganze Zimmer, war ziemlich cool, das Schlafen im relativ kleinen Raum zwischen Bett unten und Regal oben fand ich gut und ich hatte auch so grundsätzlich nichts dagegen. Nur… so cool konnte mein Bett gar nicht sein: Gab man mir die Möglichkeit, dann schlief ich nicht drin.

Da denkt man jetzt vielleicht ans Elternbett – nee, falsch gedacht. Mein liebster Schlafort war der Fußboden. Matratze OK, Kuscheldecke unter mir würde reichen, Kuscheldecke auf mir, schwere Daunendecke, fertig. Oh, Kissen gerne in beliebiger Anzahl.
So kam es bei uns zu der Regel „Während der Schulzeit wird im Bett geschlafen, in den Ferien mach was du willst.“

Soweit, so gut… so ging es dann erst mal weiter, wobei ich mit zunehmendem Alter durchaus schon mal beschlossen habe, schneller einschlafen sei wichtiger.

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Dann zog ich zu Hause aus, ging studieren, im Grund blieb ich der Gewohnheit weiter treu – und nach zwei oder drei Semestern fiel mir auf: Albern. Warum mache ich das? Weil Mama das mal sagte? Ernsthaft?

So flog das Bett raus, ein anderer Student freute sich drüber, und ich richtete mir mein Nest auf dem Boden unterm Fenster ein. Als mir der Platz ausging, weil immer mehr Bücher bei mir einzogen, fiel mir mein Stauraumbett wieder ein. Also Bücher, die gerade nicht gelesen wurden, in Kisten packen, Kisten nebeneinander stellen, Matratze oben auf Kisten… Das Ganze war dann immer noch stabil genug, dass ich gut schlafen konnte, aber es gab keinen Platzverlust durch den Schlafplatz mehr. Bis ich dort wieder auszog, hatte ich dann sozusagen schon ein „Hochbett“.

Nun hatte das aber noch eine Nebenwirkung – ich war zu dem Zeitpunkt zwei- bis dreimal im Jahr bei meiner Familie: Zu Weihnachten, zu einem Geburtstag und gelegentlich im Sommer, wenn es an meinem Wohnort unerträglich heiß für mich war und ich schlicht vor dem Wetter flüchten musste. Die erste Zeit schlief ich dort im Allzweckraum, mit einer Matratze auf dem Boden – alles gut.
Dann zogen aber auch mehrere meiner Geschwister aus, und es wurde Platz für ein Gästezimmer. Dort sollte ich also künftig schlafen, wenn ich zu Besuch war. Dort stand auch ein Bett, und vorgesehen war, dass da drin geschlafen werden sollte. Nun hatte ich aber zu dem Zeitpunkt seit Jahren in keinem Bett mit Lattenrost mehr geschlafen… und es stellt sich ziemlich schnell heraus: ich konnte das nicht mehr. Es bestand einfach absolut keine Chance, einzuschlafen, wenn es unter mir ständig wackelte. Jede Bewegung schien sich zu übertragen, es war nicht auszuhalten. Am dritten Tag forderte ich dann Werkzeug ein, um das Ding abzubauen…

 *

Ich zog wieder um, hatte dann meine erste Wohnung mit Bibliothek – also einem Raum nur für Bücher – und hätte mir eigentlich ein „echtes“ Schlafzimmer einrichten können. Inzwischen hatte ich aber dadurch, dass ich mit meiner Bücherstapelschlafstelle immer näher an die schräge Decke gerutscht war, erneut festgestellt, dass ich es wahnsinnig angenehm finde, in einem sehr begrenzten Raum zu schlafen. Statt eines Schlafzimmers wurde es also eine Schlafnische, die ich mir mit Raumteilern bastelte, gerade groß genug, um mein „Nest“ unterzubringen und einen Kleiderschrank aufzustellen.

Dann begegnete ich gerade rechtzeitig zum nächsten Umzug ihm. Nee, nicht meinem Mann, der dauerte nochmal ein paar Jährchen… aber meinem Bett. Es ist … sehr groß. Die Matratze ist dreigeteilt. Einen Lattenrost hat es nicht, die Matratzenteile liegen durchgängig und flächig auf, was dazu beiträgt, dass man die Teilung beim Draufliegen eigentlich nicht merkt, weil nichts nachgeben/absacken/sich verschieben kann. Es war Liebe auf den ersten Blick, kurzes rechnen – passt das größte Teil durchs Treppenhaus? Und es wurde gekauft.

Die Lieferung gestaltete sich dann etwas nervig. Erst betrachteten die liefernden Herren das Treppenhaus und erklärten „Das bringen wir hier nicht rein.“

Eine praktische Geometrielektion in „Wie muss ich ein Möbelstück kippen, damit es passt?“ später sahen sie sich dann eines Besseren belehrt, was den einen von ihnen aber nicht davon abhielt, mit Blick auf die getane Arbeit noch zu kommentieren, das sei ja eine tolle Spielwiese, und wie viele Männer ich dort denn gleichzeitig drauf zu unterhalten gedächte. Na vielen Dank…

Die Umzugsleute, die mein Monsterbett einige Jahre später wieder raustransportieren mussten, hatten übrigens keine Probleme mit der praktischen Anwendung ihrer Geometriekenntnisse.

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Im neuen-alten Haus war klar, das Schlafzimmer muss der nördlichste Raum sein, und wenn möglich unterm Dach. Unterm Dach nördlich befand sich damals ein großer Saal (ca. 7 x 12 m), den ich in der Form nicht brauchte. Neben einigen anderen Umbauten beschloss ich also, dort mein Schlafzimmer neu anzulegen – und zwar soweit es ging wieder mit Kuschelfeeling. Also Bett in die Ecke unter die schräge Decke, und dann Wand davor eingezogen. So ist es bis jetzt, und ich liebe es.

Der Mann, als der dann auftauchte, war auch fast uneingeschränkt begeistert davon. „Fast“ deswegen, weil das Bett in seiner ganzen Schönheit wirklich nicht dazu erzieht, sich beim Schlafen wenig zu bewegen. Wenn er dann mal wieder etwas angeschlagen ist, weckt er sich gerne mal selbst ungeplant auf. Dann muss mal halt etwas nachdrücklicher Nestbau betreiben und sich den Bewegungsspielraum mit Kissen und Kuscheldecken selbst etwas einschränken. Dafür ist in meinem Bett ja auch wirklich genug Nistmaterial vorhanden. Sieht er wohl auch so, denn als wir die Anforderungsliste für den Hauskauf in Belgien gemacht haben, regte er an, dass das Schlafzimmer groß genug sein muss, um ein Duplikat von diesem Bett aufzustellen.
Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass es das noch gibt, wenn wir endlich was gefunden haben…

Ah ja… daran, in einem „normalen“ Bett zu schlafen bin ich inzwischen auch wieder gewöhnt. (Alles andere wäre auch blöd, da in unserer belgischen Wohnung ein ganz normales 08-15-Bett steht…) Allerdings leben im Kofferraum meines Autos ein künstliches Wolfsfell, eine schwere Decke und ein festes Kissen – und das ist wirklich alles, was ich zum Schlafen brauche, damit kann ich mich auch heute noch auf jeden Fußboden legen und bin auf der Stelle weg.

Was man nicht ganz so gut sieht ist, wie es unter der Schräge weitergeht, aber wenn ich das da hinten (also „meinen Platz“ nicht ausstopfe, geht mir vorne der Platz für das Nistmaterial – pardon, die Kissen – aus. Ich glaube aber, ihr könnt’s euch vorstellen.

(Und ja, irgendwo da drunter liegen auch noch normale Kopfkissen & Decken.

Und was fehlt noch?

Genau… Die „Atties“. Wäre ja noch schöner…
Weil doppelt bekanntlich besser hält als Tagesdecke UND als Kuschelkissen.

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Im Abo

Ich dekoriere sehr themengebunden. *Sehr* themengebunden. Ich könnte mir nicht vorstellen, ein themenfremdes Bild an die Wand zu hängen. Der Mann hat damit zum Glück kein Problem, sondern schleppt schlimmstenfalls noch zusätzliches Material an.

Nun haben wir im Haus in Bayern im Erdgeschoss einen langen, kahlen Gang. Lang, weil das Haus nun mal 30 Meter lang ist, und kahl weil… ein Ende Haustür, und direkter Zugang zur Küche des Mieters (das Erdgeschoss ist an Gastronomie vermietet). Durch die Kälte/Temperaturschwankungen durch die Haustür und die Fettbelastung aus der Küche, und weil außerdem die Lieferanten des Mieters den Gang auf dem Weg zum Lagerraum mitbenutzen, und dabei schon in der Vergangenheit Schäden passiert sind, möchte ich da unten nichts „Teures“ aufhängen. Nichts, bei dem es mir ums Bild Schade wäre, wenn ich es irgendwann beschädigt vorfinde. Oder wenn es sich durch die Temperaturänderungen verzieht. oder. oder.

„Du,“ sagte der Mann, „Ich schenk‘ dir zum Geburtstag ein Abo.“

Ich mag Abonnements. Ich mag es, wenn in bestimmten, vorbestimmten Abständen bestimmte irgendwie zusammengehörende Sachen ankommen. Es ist strukturiert, es ist regelmäßig und es ist im Normalfall vom Thema und Aufbau her einheitlich genug, dass es mich nicht stört, vorher nicht genau zu wissen, was drin ist.

„Das ist schön. Was abonnierst du mir denn?“

„Leinwanddrucke.“

„Leinwa-was abonnierst du bitte?“

Leinwanddrucke. Weil’s um die nämlich nicht schade ist, wenn sie schmutzig werden, oder kaputt gehen… weil man die austauschen kann. Er hat also ausgerechnet, es passen genau 12 großformatige Leinwanddrucke in den Gang.

Hab ich mal erwähnt, dass ich einen sinnvoll-praktisch denkenden Mann sehr zu schätzen weiß?

Monster du weg da!

Es war irgendwann in den 1990ern. Ich hatte ein neues Spiel auf dem PC. Beim Titel bin ich mir nicht mehr sicher. Könnte Stonekeep gewesen sein. Irgendein Dungeonspiel in jedem Fall. Das war noch eine Zeit in der Spiele in der Regel keine Sprachausgabe hatten und die Hintergrundmusik eher blechern klang.

Umso größer die Überraschung, beim Öffnen einer Tür aus dem Lautsprecher angequiekt zu werden.

„Das mein Haus! Monster, du weg da!“

Huch.

Ich erst mal rückwärts wieder in den Gang, Tür zu, drüber nachdenken. Das war definitiv ein … Kobold? Goblin? Irgendsowas, ein Monster, das ich in dem Spiel hätte erlegen sollen, aber offensichtlich wohnt der hier.

Ich finde es ja immer noch recht witzig, dass mich dieses kleine Wesen immer deutlich mehr beschäftigt hat, als die hundert anderen, die ich vorher und nachher erschlagen habe. Der wohnte da. Für den war ich das Monster, und ich wollte/musste durch seine Wohnung latschen. Und weil er das verständlicherweise verhindern wollte, musste ich ihn dazu vorher noch umbringen. Hab ich auch gemacht, im Spiel. Sagt vielleicht auch was über mich aus.

Sobald ich es mir leisten konnte, kaufte ich mir ein Haus. So mag ich das. Keine Nachbarn über oder unter mir, die mich nerven, niemanden den ich nerve, keinen, den man im Treppenhaus grüßen muss, und ich habe bessere Kontrolle über meine Umwelt.

Die nächsten Jahre wurde renoviert, umgebaut, geändert, angepasst, der größte Teil davon in Handarbeit, und so wurde aus dem Haus, das ich kaufte mit vielen Stunden Arbeit mein Haus.

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Besuch. Ich lasse sogar die Zeugen Jehovas rein, denn ich diskutiere sehr gerne über Themen, die mich interessieren. Ich habe einen Bereich in meinem Haus, den ich als „öffentlich“ betrachte, in den jeder Gast ohne zu Fragen kommen darf. Soweit okay.

Es fängt dann an, wenn der Gast erstmalig das Bad aufsuchen muss.

„Vorsicht mit dem warmen Wasser, das ist bei mir heißer.“

Das vergesse ich immerhin nie.

Was ich erwarte: Die Person passt beim Aufdrehen auf.

Was ich mit viel Glück bekomme: „Warum?“

Was ich meistens bekomme: Gute Ratschläge, wie ich das richten könnte, Hinweise darauf, dass das gefährlich ist, die dringende Aufforderung doch morgen früh gleich den Klempner zu rufen, oder, bei Weitem am Schlimmsten: „Soll ich mir das mal anschauen?“

Nein. Nein, sollst du nicht. Ich hasse lauwarmes Wasser. In meinem Bad steht eine extrem große Wanne, die ich auch gerne und viel nutze, und der Heißwassertank im Keller fasst deutlich weniger Wasser als die Wanne. Sprich: Will ich bei 45°C baden (ich will) muss das heiße Wasser mit mehr als 45°C (Standardtemperatur) aus meiner Leitung kommen, weil ich sonst meine Wanne nicht voll bekomme. Und deswegen hab‘ ich den Thermostat am Boiler raufgedreht. So, dass ich eine Wannenfüllung mit 45° am Stück schaffe. Nebenbei: „Weil der Thermostat am Boiler höher steht“ ist in der Regel nicht die gewünschte Antwort auf „Warum?“.

In jedem Fall war die Warnung bezüglich der Temperatur kein Hilferuf an den offenbar überlebensfähigeren und besser informierten Gast, das „Problem“ für mich zu lösen, sondern lediglich eine Warnung, da ich nicht möchte, dass derselbe Gast sich unversehens 65° warmes Wasser über die Hände laufen lässt. Dann geht das Geschrei nämlich richtig los.

Meine Leitungen. Meine Wassertemperatur. Wenn dir, lieber Gast, das nicht passt, dann wasch‘ dir die Hände woanders.

Das ist schließlich mein Haus.

Der Gast ist dann im Bad, denkt an die Wassertemperatur, plötzlich quietscht es hinter der Badezimmertür, und mir fällt ein… ach ja… da war ja noch was.

Gast hat soeben herausgefunden dass nicht nur die Wassertemperatur höher ist als normal, sondern auch der Druck auf der Leitung. Ich kann es nämlich nicht ausstehen, wenn mir das Wasser in der Dusche so unentschlossen über den Rücken plätschert. Die Massagestrahleinstellung des Duschkopfs hilft nur bedingt. Glücklicherweise gibt es einstellbare Pumpen für die Wasserleitungen. Meine ist eingestellt. Nur halt nicht auf das, was in den meisten Haushalten aus der Leitung kommt.

Dreht man nun am Waschbecken voll auf, spritzt einer der Strahl in Form eines Querschlägers an. Man kann ja auch langsam aufdrehen.

Da musst du mal den Klempner holen, das kann man so nicht lassen, das macht die Leitungen kaputt, oder soll ich mir das mal anschauen?!

Nein. Sollst du nicht. Du sollst gerade nur zwei Dinge tun: Deine Pfoten von meinen Wasserleitungen lassen, und dich jedes weiteren Kommentars enthalten. Die Leitungen halten das aus. Das weiß ich, weil ich sie verlegt habe. Weil sie speziell mit Blick auf den erhöhten Druck abgenommen wurden. Ich weiß, wo meine Schweißstellen sind, ich weiß, wie ich im Notfall rankäme, sollte wirklich mal was sein, und wäre eine Reparatur notwendig, würde ich dazu sicher keinen Klempner bemühen.

Und mal so ganz nebenbei: Das mein Haus.

„Ich dreh‘ mal die Heizung hoch.“

Kannste machen, wird dir aber nicht helfen.

Also jetzt mal ganz davon abgesehen, dass ich nicht weiß, woher du die Frechheit nimmst. Was ist das bitte für ein Benehmen? Ich fläze mich schließlich auch nicht in anderer Leute Wohnzimmer und mache erst mal die Heizung aus und das Fenster auf, oder?

Ich friere nicht, überhitze aber schnell. Heißes Wasser mag ich, aber bei 18 °C Lufttemperatur ist Schluss. Der Lieblingsmann zuckt mit den Schultern und zieht sich ’nen Pulli an.

Meine Heizkörper sind thermostatgeregelt, und an die Regelung kommt der freundliche Gast nicht ran.

„Deine Heizung wird nicht richtig warm, muss man bestimmt mal Entlüften. Soll ich mir das mal anschauen?“

Nein. Mal abgesehen davon, dass dich keiner eingeladen hat, mit meinen Heizkörpern zu spielen, hast du dich gerade schon dadurch disqualifiziert, dass du die Sache mit dem Thermostat und der Einstellung offenbar nicht verstanden hast. Zieh dir was über, wenn dir kalt ist. Oder setz dich ins Vogelzimmer – auch ein Grund, warum meine gefiederten Mitbewohner ihr eigenes Zimmer haben: Die haben es gerne etwas wärmer als ich. Oder versuch‘ nur ruhig weiter am Heizkörper rumzustellen. Es wird dir nichts helfen.

Das nämlich mein Haus.

„Ooooh, dein Licht ist so grell! Du kannst da so angenehmere Lampen kaufen! Mit so weicherem Licht.“

Warum sollte ich? Hast du eine Ahnung, wie lang ich suchen musste, um das Kaltlicht zu finden, das jetzt installiert ist?

Ach ja, würde ich mich jetzt gerade nicht über dich ärgern, würde ich dir eventuell zeigen, dass es zu jedem Satz Kaltlicht-LEDs einen identisch ausgerichteten Satz Warmlicht-LEDs gibt, und dir den Trick verraten, mit dem man diese einschaltet. So werde ich das allerdings gerade bleiben lassen, und du wirst mit meinem Licht zurechtkommen müssen.

Mein Haus.

Am meisten gefressen habe ich dann noch die Herrschaften, die meinen, mein Dekorationsverhalten verbessern zu müssen, und mal anfangen lustig umzuräumen – oder mir hilfreich irgendwelches Dekomaterial schenken, da ich ja so einseitig dekoriert habe zuhause. (Das sind dann die, die beleidigt sind, wenn sie ihre Geschenk beim nächsten Besuch nicht mehr vorfinden. Weil es weitergegeben wurde, an  jemanden dem so was gefällt, zum Beispiel. Ich habe keinen Platz, um Mist aufzuheben, um den ich nicht gebeten habe und der mir nicht ins Konzept passt.)

Außerdem:
Erstens heißt das nicht „einseitig“ sondern „thematisch passend“, und zweitens … geht das außer mir eventuell noch den Lieblingsmann was an (der die thematisch passende Deko aktiv dadurch unterstützt, bei jeder Gelegenheit weitere dazu passende Gegenstände anzuschleppen, sodass sich das „Problem“ seit seinem Erscheinen keineswegs halbiert, sondern bestenfalls verdoppelt hat), und dann sehr lange niemanden.

Was ich aber gar nicht verstehe ist, dass die obigen Verhaltensweisen offenbar als normal empfunden werden. Für mich sind diese Einmischungen und Anmaßungen, die mir bislang nur durch NTs präsentiert wurden, deutlich übergriffiger als die direkten oder unverblümten „typisch autistischen“ Kommentare, für die Unsereiner gerne mal gerügt wird.

Warum ist die Grundannahme hier bitte nicht die, dass Dinge deswegen so sind, weil ich sie so haben will?

Vielleicht war es ja doch gar nicht so komisch, dass ich den kleinen Kobold damals erschlagen habe. Damit, sich anderer Leute Wohnraum zueigen zu machen, scheint kaum jemand Probleme zu haben.

Für alle, die in meiner Wohnung gerne ungefragt Hand anlegen wollen, gibt es für mich aber nur eines zu sagen:

Das mein Haus.

Monster du weg da!