9. Nacht: Des Teufels Butterfass bei Falkenberg

Des Teufels Butterfass ist ein Strudelloch in der Waldnaab, gelegen im Geotop Waldnaabtal bei Falkenberg.

Diese Engstelle des Flusses ist besonders für die Ansammlung an Granitblöcken bemerkenswert, die dort im Wasser verteilt liegt. Normalerweise kann man auf diesen bequem über den Fluss kommen. Bei höherem Wasserstand machen sie die Stelle jedoch ziemlich unsicher.

Die dazugehörige Sage ist wohl die erste, an die ich mich erinnern kann:

Ein örtlicher Raubritter mit seinen Knappen überraschte eine Maid beim Bleichen ihrer Wäsche. Er wollte sie sich nehmen, doch sie floh zum Fluss und, weil sie am Ufer entlang nicht weiter fliehen konnte, flehte den Himmel um Hilfe an und stürzte sich ins Wasser, in der Hoffnung, die andere Seite zu erreichen.

Dies gelang ihr in der Tat. Mehr noch: Ritter und Knappen wurden bei dem Versuch, den Fluss zu durchqueren, samt ihrer Pferde in Stein verwandelt.

Seitdem, heißt es, kann man in den Abendstunden die Felsen dort jammern hören.

Gelegentlich bocken die Pferde auch heute noch… Es hat wohl so ziemlich jeder Ortskundige – ich eingeschlossen – eine Geschichte davon zu erzählen, wie er irgendwann mal auf dem Weg über die Waldnaab ins Butterfass gefallen ist.

Bild von www.mittelbayrische.de bei tiefem Wasserstand

Bild von WikiVoyage bei hohem Wasserstand

 

6. Nacht: Bannorte

Bannorte sind Stellen, an die böse Geister gebunden werden können, auf dass sie jene in Frieden lassen, denen sie zuvor zugesetzt haben. Natürlich sollte man diese Orte gerade während der Rauhnächte meiden.

Einige davon befinden sich in Sumpfgebieten und sind ohnehin schwer zu erreichen; ein Weiher liegt auf dem US-Truppenübungsplatz bei Grafenwöhr, und sollte schon deswegen nicht als Ausflugsziel gewählt werden.

Ein gebannter Geist ist seinem Herrn Arbeit schuldig. Nur eine kurze Zeitspanne, heißt es, während der Dämmerung, kann er einigermaßen frei in Krähenform verbringen und seine geringe Freizeit genießen.

Unter den Bannorten befindet sich auch die Burgruine von Flossenbürg – ein Ort, den ich während der Rauhnächte in der Tat meiden würde, im Sommer und allgemein bei gutem Wetter als Rückzugsort aber sehr schätze.

Die offiziell zugänglichen Bereiche der Ruine, ausgestattet mit Geländern und Treppen für Besucher.

Blick aus dem Burghof

Die Reste des Wehrturms

Alle Bilder von Wikipedia (Von Mibeer – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20712143)

5. Nacht: Der grüne Fleck bei Weiden

Südöstlich von Weiden in der Oberpfalz befindet sich eine längliche Rasenfläche, die als „der grüne Fleck“ bezeichnet wird.

Will man diese Stelle besuchen, sollte man viel Zeit mitbringen.

Natürlich finden manche Geschichten, so etwa die des Jungbauerns, der auf dem Rückweg von einem Besuch bei seiner Braut das Grasstück querte, gerade um Mitternacht statt. Besagtem Bauern erschienen dort drei Frauen in Leintüchern. Obwohl sie ihn nicht beachteten, jagten sie ihm einen gehörigen Schrecken ein.

Häufiger jedoch, und unabhängig von der Tageszeit, hört man folgendes: Wer den grünen Fleck betritt, läuft Gefahr, von seinem Weg abzukommen und sich zu verlaufen. Dies trifft auch für absolut Ortskundige zu. Manch einer soll tagelang durch den Wald geirrt sein, bevor er schließlich wieder herausfand.

Einige sollen zunächst nicht einmal ihre Heimatstadt wiedererkannt haben, so verwirrt waren sie von ihrem Erlebnis.

Auch wird berichtet, dass Wanderer aus unbekannter – unsichtbarer – Quelle mit Sand beworfen werden und, ohne jemals den Weg zu verlassen, an vollkommen falschen Stellen herauskommen.

Eine Besonderheit hier ist, dass diese Begebenheiten sich keineswegs in der fernen Vergangenheit, oder auch nur in der Zeit unserer Großeltern oder Urgroßeltern abspielen.  Auch heute berichten Leute, sie hätten sich auf dem Weg entlang des grünen Flecks plötzlich verwirrt und orientierungslos gefühlt, seien wider besseren Wissens der Überzeugung gewesen, auf dem falschen Weg zu sein und umkehren zu müssen. Selbst solchen, denen während der Geschehnisse vollkommen bewusst ist, was gerade vor sich geht, und die versuchen, sich nach einem Orientierungspunkt zu richten, haben Schwierigkeiten, ihren Kurs zu halten.
Berichtet wird, dass der Drang immer dahin geht, linker Hand den Hang hinunter zu steigen. Erinnerungen, außer an die Verwirrung und Unsicherheit den richtigen Weg betreffend, haben sie nicht.

 

4. Nacht: Das Rabenbrückerl

Von Klobenreuth nach Neustadt kann man auf der Straße gehen. Man könnte jedoch auch eine Abkürzung nehmen, durch den Wald und über den Bach. Das war auch der Weg, auf dem die Klobenreuther Gemeindemitglieder früher Sonntags zur Kirche nach Neustadt gingen. Allerdings wird der Weg nicht nach Einbruch der Dunkelheit benutzt, und schon gar nicht in Zeiten mit erhöhtem Spukaufkommen.

Die Brücke über den Bach – der „Rabenbach“ ist mehr ein kleiner Steg aus Granit.

Einst wurde in Neustadt eine Diebin gefasst. Da ihr Diebstahl besonders schwerwiegend war, wurde nicht nur die Todesstrafe ausgesprochen und vollstreckt, sondern die Strafe weiter verschärft: Der Leichnam sollte an einem Baum entlang des Wegs nach Klobenreuth aufgehängt werden, und dort hängen, bis die Raben das Fleisch abgefressen hatten.

Dies wurde so ausgeführt, und das Urteil wurde an der Stelle am Bach vollstreckt, an der noch immer die kleine Brücke steht.

Es heißt, seitdem hätte der Teufel selbst dort Zugang, und manch einer hat ihn schon gesehen, wie er bei der Brücke nachts mit zwei Kumpanen und Spielkarten auf achtlose Reisende wartet – denn zum  „Schafkopfen“ braucht man vier Mann.

Die Diebin von damals allerdings hat die Stelle ebenfalls nicht verlassen. Sie erscheint nachts im weißen Kleid – oder Büßerhemd.

Eine Begegnung wird so geschildert: In Klobenreuth lag eine Frau in den Wehen, und ein Kind aus dem Dorf wurde nach Neustadt geschickt, die Hebamme hohlen. Dem Jungen wurde eindringlich mitgeteilt, dass es eile, und so nahm er, auch wenn es bereits Nacht war, den Weg durch den Wald. Bei der Brücke begegnete er dann – wie zu erwarten – der „weißen Frau“, die ihm den Weg wies und ihn weiter zur Eile anhielt. Sei es aufgrund seines Alters, der Art seines Botengangs, oder weil sie allgemein keinen Groll gegen die Lebenden hegt – sie scheint es zumindest in dieser Nacht gut gemeint zu haben.

Leider sind keine anderen Begegnungen mit ihr bekannt, bei denen es zu Gesprächen gekommen wäre.

 

Linguistisch interessant: Der Steg wird als „Roombrückerl“ gesprochen. Es wird allgemein verstanden, dass das „Rabenbrückerl“ heißen soll. Jedoch: Im örtlichen Dialekt existiert das Wort „Rom“ oder „Room“ für „Raben“ nicht.

 

2. Nacht: Der Kalte Baum bei Vohenstrauß

Ein paar Kilometer südwestlich der Ortschaft Vohenstrauß liegt der Einödhof Kaltenbaum. Benannt ist er nach einer dort wachsenden Steinlinde, dem „Kalten Baum“. Es heißt, er sei annähernd 800 Jahre alt – oder noch älter. Eine urkundliche Ersterwähnung gibt es angeblich aus dem 14. Jahrhundert. Betrachtet man die urkundlichen Erwähnungen allerdings genauer, stößt man auf Anderes. Der Baum diente eine Grenzmarkierung, wurde in Grenzstreitigkeiten gefällt und neu gepflanzt; verdorrte und wurde neu gepflanzt; sah nicht mehr schön aus und wurde neu gepflanzt. Aktuell setzt im die vorbeiführende Autobahn arg zu.

Der Name leitet sich wohl davon her, dass er an exponierte Stelle steht, und der kalte „Böhmische“ [Wind] hier besonders stark und oft pfeift.

Es gibt jedoch auch andere Erklärungen.

Eine etwa geht dahin, dass verwitwete Gräfin sich in einen eben aus dem Kreuzzug heimgekehrten Grafen verliebte. Er war zwar angetan, verweigerte jedoch die Beziehung, da die Dame bereits zwei Kinder aus erster Ehe hatte, und er nicht die Nachkommen eines anderen aufziehen wollte. Mit Zauberei entledigte sich die Frau ihrer Kinder, und nach deren Tod trafen sich Graf und Gräfin auf halber Strecke zwischen ihren Heimatorten.
Er forderte von ihr eine Erklärung für den Tod ihrer Kinder, und sie ließ sich dazu hinreißen, ihm die Wahrheit zu sagen – „Sie sind deinetwegen gestorben.“ Er richtete sie auf der Stelle mit seinem Schwert und be- oder ver-grub sie an Ort und Stelle. Dabei fiel ein Samenkorn, das sich während seiner Zeit im Heiligen Land in seiner Kleidung verfangen hatte, und dort noch immer wartete, mit in das Grab, verband sich mit dem kalten Herz der Mörderin und wuchs zum Kalten Baum.
Der fast ununterbrochene Wind, der den Baum umweht, ist der umgehende Geist der Frau.

Die Wilde Jagd geht hier insbesondere in den Rauhnächten besonders wild um. Hexen dürfen sich ihr anschließen, müssen jedoch darauf achten, nicht plötzlich selbst gejagt zu werden.

Vom kalten Baum nach Norden blickend sieht man den als „Elm“ bekannten Wald. Besonders dicht und dunkel, ist dieser Wald ebenso wie das direkte Umfeld des kalten Baums ein Bereich, der von der Bevölkerung weitestgehend gemieden wurde. Zu viele arme Seelen und Geister gingen hier um. Die Wilde Jagd bricht aus dem Elm zu ihrem Rundritt durch unsere Ecke der Oberpfalz auf. Ein schwarzer Pudel bewacht die Wege und verwehrt Wanderern nach Einbruch der Dunkelheit den Durchgang. Holzfräulein und Hoimänner, zwei Varianten der örtlichen Waldgeister, leben.

Es ranken sich so viele Sagen um diesen Baum, dass ich nicht versuchen werde, sie hier alle aufzuzählen. Besonders interessant finde ich jedoch diejenigen, die sich mit der Zukunft befassen. So soll die letzte Schlacht am Kalten Baum geschlagen werden; Er heißt, der Baum würde das Menschengeschlecht überdauern und den Aufstieg einer neuen, glücklichen Menschheit sehen.
In dem Zusammenhang ist eine andere Erklärung über den Ursprung des Kalten Baums von Interesse. In ihr kam ein Reisender aus dem Norden in einer Kutsche, vor die Ziegen gespannt waren. An seinem Hut steckte ein Ast. Den steckte er in den Boden, er schlug Wurzeln und es wuchs daraus der Kalte Baum.
Im weiteren Verlauf soll, wenn die letzte Schlacht geschlagen ist, ebenfalls aus Norden ein Paar kommen, sich unter dem Baum niederlassen und dort ihre Familie gründen. Ihre Nachkommen sollen sich von hier aus erneut über die Welt verbreiten.

Wer mit den Inhalten der Edda vertraut ist, wird die Grundzüge wiedererkennen.

Sollten wir etwa einen Ableger von Yggdrasil hier an der Autobahn stehen haben?

Zugegeben: Es wäre recht beeindruckend für den Zweig der Weltenesche, zu einer Linde heranzuwachsen. Natürlich würde ich mir aber niemals anmaßen, Yggdrasil seine genauen Fähigkeiten vorschreiben zu wollen.

Da ich keine eigenen Fotos habe und Wikipedia nichts hergibt… der Kalte Baum ist hier zu sehen:

http://www.panoramio.com/photo/23730657

http://www.panoramio.com/photo/23730682

Sichere Geschenke

Geburtstage bringen es mit sich, dass es Geschenke gibt.

Ich habe es inzwischen, denke ich, allen aberzogen, mir Theater- oder ähnliche Tickets zu schenken (ich muss mit Zeit und v. a. Platz selbst aussuchen können. Es gibt nur ein Theater in unserer Nähe, das zwei Sitzplätze besitzt, die ich jederzeit nehmen würde. Selbst da ist es mir aber zu riskant, mich drauf zu verlassen, dass ein Schenker gerade den richtigen Platz ankreuzt); Gutscheine finde ich nicht so toll. Kaufen kann ich’s mir selbst auch ohne.

„Atties“ kann man mir natürlich immer schenken, aber das trauen sich eigentlich nur mein Mann, die Freundin aus Österreich und meine Eltern, gelegentlich noch Geschwister, letztere unter Umständen mit Anleitung bzw. Absprache – hast-du/willst-du/brauchst-du?

Sicher fährt man bei mir auch immer mit Büchern. Es gibt eine lange Wunschliste auf Amazon, preislich zwischen 1 ct. + Porto auf Marketplace bis oben offen, und ich werde mich über das 1-Cent-Buch genauso freuen wie über das 100-Euro-Buch, denn es wird ein Buch sein, dass mir in der Sammlung fehlt. Alternativ steht im Antiquariat meines Vertrauens eine Schachtel mit meinem Namen. Dort kann auch jeder für mich rauskaufen. Oder dort anrufen und sagen „Bücher für X Euro für Johanna“ (So, ich übernehme den Namen hier jetzt einfach), dann werden sie sogar noch verpackt und mir zugestellt. Oder man besorgt mir „blind“ etwas, das einem Interessensgebiet entspricht, je obskurer, desto besser.

Durch die Pendelei zwischen Bayern und Belgien bin ich nicht immer so gut für eine persönliche Übergabe zu erwischen, und so kommt es eben, dass den Dezember über immer wieder Bücher enthaltende Umschläge bei uns angetröpfelt kommen.

buchergeb

Wäre es ein Wettbewerb: Sieger nach Punkten dürfte heuer Tao sein, mit „Diversity in Disney Films: Critical Essays on Race, Ethnicity, Gender, Sexuality and Disability“. Tao, ich weiß du liest hier gelegentlich mit, vielen lieben Dank. Das Buch wird als erstes gelesen.

Sonst ist aber auch nichts wirklich „danebengegangen“ – Der Märchen- und Sagensammler in mir bekommt „Märchen im Lied“, „American Indian Trickster Tales“ und „Sandspun: Florida Tales by Florida Tellers“.  „This Kind of City: Ghost Stories and Psychological Landscapes“ geht um Spuk und heimgesuchte Gebäude.

„Die ältesten Grenzbeschreibungen in Bayern“ ist was für den Linguisten, es geht nämlich eigentlich um Linguistik und Namenskunde.

„The Truth Factory“, als Roman etwas aus der Reihe fallend, habe ich schon. Nee, der Geber liest hier sicher nicht mit. Naja, war aber immerhin gut gedacht.