Neulich in Glasgow…

…wurde ein Atty versteigert, das ich unbedingt wollte. Ich habe es auch bekommen.

Nun lieferte die Spedition es heute endlich bei uns zu Hause ab.

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Das Bild ist gestickt, aufgezogen, hinter Glas… das ganze Teil gehörte mal dazu, als Schutz vor fliegender Asche und Funken vor einen offenen Kamin gestellt zu werden.

Das Motiv ist, wie ich schon mal irgendwo vermerkt habe, mein zweitliebstes Wellington-Bild.

Am liebsten würde ich mich jetzt davor setzen und ihn einfach nur ein paar Stunden lang anschauen. Dummerweise muss ich aber heute noch was arbeiten.

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Fertig!

Zumindest sind alle „Atties“ aufgehängt.

Vielleicht schaffe ich es ja 2017 nun, meine Bilder direkt nach der Rahmung aufzuhängen und nicht erst wieder über ein Dutzend zusammenkommen zu lassen, bevor ich die Leiter raus hole.

Das letzte noch fehlende Esszimmer-„Atty“ für den Moment:

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Eine frühe farbige Zeitungsbeilage. Es gibt auch noch eine mit Napoleon, die habe ich aber nicht.

Mein viel zu langer Flur im Erdgeschoss… das Foto ist nicht vom Ende aus aufgenommen:

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Zu sehen ist zwischen 1/3 und 1/2 des Korridors. Rechts sieht man gut, wie krumm die Wände sind. Das liegt einfach am Alter des Hauses. Wir haben schon viel begradigt, aber mehr geht da einfach nicht.
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So begrüßt Wellington nun jeden, der das Haus betritt. Am Schattenwurf wieder gut zu sehen, dass die Wand alles ist, aber nicht gerade.
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Leider ist es hier zu eng, um das Bild am Stück draufzubringen. Die Tür links ist der Zugang zum Bereich meines Mieters (Gastronomie)
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So hängt es zwischen der Mietertür (die müsste man wohl dringend mal putzen…) und der Tür, die in die Wohnung raufführt (am rechten Bildrand zu erraten)

Im Lauf des Jahres soll sich dann der gesamte Korridor mit solchen Drucken füllen.

Guten Morgen, 2017

So, da ist es also, das Jahr 2017.

Vorsätze? Regelmäßiger Schreiben, – also nicht auf dem Blog, sondern im besten Fall 2017 einen Roman fertigstellen, der schon länger in Teilen auf der Festplatte weilt.

Wünsche? Privat kann es gerne weitergehen wie bislang. Schön wäre es, wenn wir es heuer nach Russland schaffen würden (konnten wir 2016 nicht, weil der Mann zu dem Zeitpunkt nicht freinehmen konnte)

Der Mann und ich schenken uns ja zu Weihnachten nichts, dafür aber zu Neujahr.

Und so bin ich seit heute stolzer Besitzer von diesem neuen „Atty“:

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Lt.-Col. Arthur Wesley, Reproduktion des Ölgemäldes von John Hoppner

Das Gemälde stammt im Original ca. aus dem Jahr 1795 und zeigt Arthur Wesley (die Schreibweise des namens wurde erst später in Wellesley geändert) als Lt.-Colonel in der Uniform des 33rd Regiment, das er längere Zeit anführte und als dessen Kommandant er seine Zeit in Indien verbrachte. Das Regiment wurde später „Duke of Wellington’s Regiment“ genannt und führt als Emblem den Indischen Elefanten.

Der Künstler des Originals ist John Hoppner, geboren Anfang 1758 als Sohn deutscher Eltern in London. Seine Mutter diente Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, der Königin, als Kammerfrau. Der junge John wurde vom König selbst in seiner Malerei unterstützt, sodass es sogar zu Gerüchtne kam, er könne ein unehelicher Sohn desselben sein.

Er brachte es zu einigen Erfolgen an der Royal Academy und wurde schließlich Hofmaler. Seine Gemälde, insbesondere seine Portraits (er selbst bevorzugte Landschaften, doch ließ sich damit kaum Geld verdienen), sind bemerkenswert für ihre Farbigkeit und die Darstellung von Texturen. Leider ist von eben dieser besonderen Farbigkeit oft nicht mehr viel zu erkennen, da die von Hoppner gewählten Farben besonders anfällig für Verblassen und Verfärben waren. Zeitgenössische Reproduktionen wie die obige geben heute einen besseren Eindruck vom Urzustand der Gemälde, als die erhaltenen Originale.

Hoppner starb 1810 nach längerer Krankheit.

 

Im Bild des jungen Arthur (er müsste im Bild ca. 26 Jahre alte sein) fällt vor allem die Haarfarbe auf. Er scheint hier tatsächlich Puder im Haar zu tragen (unter dem weißen Staub hatte er rotes Haar, das allerdings später von den meisten Künstlern aus „ästhetischen“ Gründen abgedunkelt wurde) – zu der Zeit für die Offiziere eigentlich Vorschrift, von ihm jedoch bei erster Gelegenheit abgelegt. Er hielt diese Sitte für unhygienisch und gesundheitsschädlich – ganz und gar nicht zu Unrecht, wenn man bedenkt, dass die Offiziere im Feld kaum genug Puder mitführten und sich dann mit Mehl und Ähnlichem behalfen… die Vorstellung, Mehl in den Haaren, kombiniert mit möglichem Regen… naja, nicht so toll.
Arthur jedenfalls ließ das Pudern sein, sobald er sich solche Freiheiten erlauben konnte, und schnitt außerdem bei erster Gelegenheit den (vorschriftsmäßigen) Zopf ab und die restlichen Haare praktisch kurz, womit er in der Armee dann sozusagen einen neuen Trend begründete, auch wenn die offizielle Vorschrift noch längere Zeit auf langes Haar, Zopf und Puder lautete.

Die Uniform trug er in dem Alter und Rang wohl auch im „Dienst“ noch. Später in seiner Karriere kam sie nur noch für Portraits und bei ausdrücklicher Anforderung für spezielle Veranstaltungen aus dem Kleiderschrank – in die Schlacht ritt Wellington dann lieber in Zivil.

So… und wo hänge ich es jetzt hin, mein neues „Atty“?

Thomas Lawrence: The Duke of Wellington mounted on Copenhagen as of Waterloo (1818)

Ölbild "Thomas Lawrence: The Duke of Wellington mounted on Copenhagen as of Waterloo (1818)" als Leinwanddruck

Hier: Leinwanddruck.

Da ist er also, der erste aus meinem Geburtstags-„Abo“.

Gut ausgewählt hat er, der Mann. Es ist mein zweitliebstes Gemälde von Wellington. Er hat gut dran getan, nicht mein Lieblingsbild auszusuchen – ich denke er weiß genau, dass ich bei diesem von einem Druck nur enttäuscht sein könnte. (Irgendwann werden ich mir eine richtige Kopie malen lassen, aber „irgendwann“ ist noch nicht.)

Das Bild wartete auf mich, als wir gestern von Austerlitz zurückkamen.

Das Original, in der Sammlung des Earl Barthurst, ist mit knapp 4 m x knapp 2,5 m (156 x 96 Zoll) deutlich größer als mein Druck („Das Original würden wir in keiner Richtung durch die Tür bringen, und erst Recht nicht im Treppenhaus um die Ecke, also denk‘ nicht mal dran.“). Diese Übergröße ist nicht ungewöhnlich für Lawrence.

Ich liebe die Lawrence-Bilder ja wegen ihrer Details und der wahnsinnig genauen Beobachtung des Künstlers. Er hat auch Bilder in vernünftigeren Größen gemalt, aber auch dort sitzt jedes Bisschen. Er achtet auf die Kleinigkeiten in einem Gesicht. Da gibt es eine Kleinigkeit an Wellington, die man neben den Lawrence-Bildern fast ausschließlich in einer einzigen Quelle findet: der einen existierenden Daguerreotypie.

Bei dem Bild von Wellington auf Copenhagen fällt mir als erstes auf, dass die Proportionen stimmen. Wellington war kein großer Mann. Er war auch nicht besonders klein, mehr so der Durchschnitt für seine Zeit, er war aber sehr dünn, was ihn größer wirken ließ.
Copenhagen war auch kein großes Pferd. Viel hätte nicht gefehlt, und wie Marengo (Napoleons Lieblingspferd) hätte ihn nur sein Araberblut davor „gerettet“, ein Pony zu sein. Nicht, dass sich sein Herr daran gestört hätte, denn Wellington ritt durchaus Ponys, fand sie in bestimmten Situationen einem Großpferd sogar vorzuziehen. In einem Brief rät er einem Freund dringend davon ab, ohne Pony anzureisen, da ein Reitpferd in dem Gelände, in dem die geplante Jagd stattfinden sollte, keine Chance hätte.

Die meisten Bilder stellen Copenhagen jedoch als großen englischen Vollblüter dar (der Teil an Copenhagen, der kein Araber war, war in der Tat englischer Vollblüter). Der Sieger von Waterloo darf wohl nicht in 150 cm Höhe sitzen.

Copenhagens erste Karriere – als Rennpferd – war weder besonders lang noch besonders erfolgreich. Er wurde verkauft, erneut verkauft, und landete 1813 bei Arthur Wellesley, dessen Lieblingspferd er schnell wurde. Sein neuer Besitzer sagte über ihn, es gäbe sicher schnellere Pferde, schönere und umgänglichere, aber keiner könnte es an Ausdauer mit Copenhagen aufnehmen. Die Schlacht von Waterloo verbrachte Wellington ohne Pferdewechsel: das Pferd war 17 Stunden lang ununterbrochen im Einsatz, nach einer nicht besonders langen Rast in der Nacht zuvor, da er schon am Vortag längere Strecken zurücklegen musste. Nachdem die Schlacht geschlagen und der Reiter abstieg, schlug Copenhagen noch nach ihm aus.

Besonders bequem war er wohl auch nicht zu sitzen. Zumindest äußerten sich Personen, die ihn leihweise reiten durften, reichlich unbegeistert, und Wellington selbst soll lachend angemerkt haben, der Ruhm, Copenhagen reiten zu dürfen, sei deutlich größer, als der Komfort.

Copenhagen, unter anderem bekannt dafür, dass er sich zum Fressen am liebsten hinlegte, wurde Jahre später auf den Landsitz des Herzogs in den wohlverdienten Ruhestand geschickt, wo er seine Zeit als Deckhengst und Lieblings der Damen verbrachte, die ihm Kuchen, Torten und Schokolade zusteckten. Er verstarb 1836 im Alter von 28 Jahren.

Zu seinen Lebzeiten war sein Langhaar verwendet worden, um Schmuckstücke herzustellen. Einer ging noch einen Schritt weiter. Als Copenhagen am Tag nach seinem Tod sein eigenes Militärbegräbnis unter Aufsicht seines langjährigen Reiters Wellington erhielt, fiel dem auf, dass jemand dem toten Pferd einen Huf abgeschnitten hatte – wohl als Andenken. Es war eine der Gelegenheiten, in denen Wellington seine direkte Umwelt in den Genuss eines seiner Wutanfälle brachte. Der Huf wurde nach dem Tod des Herzogs zurückgegeben, als ein Diener ihn dem Erben überreichte – mit der Erklärung, er hätte ja nicht ahnen können, dass der Leichnam eines Pferds Wellington so (oder überhaupt in irgendeiner Weise) wichtig sei. Arthur Junior ließ daraus ein Tintenfass anfertigen, das heute in Apsley House in London noch zu sehen ist.

Copenhagen spielt unter anderem eine Rolle in Susanna Clarkes Kurzgeschichte „The Duke of Wellington Misplaces his Horse“, abgedruckt in „The Ladies of Grace Adieu“.

 

Richard Edgcumbe (Hrsg.): The Diary of Frances Lady Shelley, 1787 – 1817, John Murray, London, 1912

Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, George Routledge & Sons, London, 1889

Julian Charles Young: A Memoir of Charles Mayne Young, Tragedian, With Extracts From His Son’s Journal, McMillan and Co., London, 1871