Senfkristall

Es ist ein paar Jahre her. Ich war dabei, eine Immobilie zu kaufen. Der aktuelle Eigentümer hatte sich etwas übernommen – großes altes Gebäude, Renovierung deutlich teurer als geplant… Wir saßen bei ihm im Wohnzimmer, es sollte geklärt werden, welche Kosten ich zu übernehmen bereit wäre usw. Eigentlich keine große Sache, allerdings fand ich die Art einer anwesenden Person extrem schwer zu tolerieren. Viel fehlte nicht mehr, und ich hätte ihm gesagt, wo er sich seine überhebliche Art hinstecken konnte.

Etwa zu dem Zeitpunkt fiel der Hausherrin ein, dass sie ja mal Getränke anbieten könnte. Ich war schon halb dabei, abzulehnen – jetzt noch irgendein Trinkgefäß zu bekommen, das mir in der Verwendung unangenehm wäre, war gerade nichts, das ich brauchen konnte… das allerletzte, was ich jetzt wollte, war noch ein Kunststoffbecher oder irgendwas…

Dementsprechend rutschte mir auch direkt, als sie die Gläser auf den Tisch stellte, recht erfreut raus: „Oh, Thomy-Senfkristall. Cool, die hab ich auch.“

Dem eher unangenehmen Menschen klappte dann gleich mal der Mund wieder zu… es wurde später noch spekuliert, er hätte wohl schon angesetzt gehabt, sich abfällig über Leute zu äußern, die aus Senfgläsern trinken, weil sie sich keine Trinkgläser leisten können oder so.

Naja, vorbeugend stellte ich dann bim nächsten Termin (der bei mir stattfand) direkt das „Senfkristall“ auf den Tisch.

 

Was ich nicht so recht nachvollziehen kann, ist der Gedanke, dass die Weiterverwendung der Senfgläser als Trinkglas was mit „sich leisten können“ zu tun hat. Es sind Gläser. Sie haben eine gute Form, eine praktische Größe, sie sind ohnehin im Haus, und wegwerfen wäre doch wohl Verschwendung…

Also ich jedenfalls bin mit dem „Senfkristall“ aufgewachsen, es waren sowohl bei meinen Großeltern als auch bei meinen  Eltern die Alltagsgläser, und es sind auch meine. Wenn ich irgendwo zu Besuch bin, und das „Senfkristall“ auf den Tisch kommt, dann freut mich das, weil es sich „richtig“ anfühlt. Die Form, die Größe, die Art, wie das Glas in der Hand liegt, das Gefühl beim Trinken – es stimmt einfach. Es ist, wie es für mich „sein sollte“.

Ja, es kann ganz schön blöd sein, wenn man sich an sowas so „aufhängen“ kann, aber es gibt echt Trinkgefäße, da halte ich lieber den ganzen Tag ohne was zu trinken durch, als dass ich die an die Lippen setze. Dazu gehört Kunststoff (fühlt sich für mich immer „warm“ an und verdirbt jedes Getränk), alles, was im Mundbereich eine Struktur hat, die ich beim Trinken fühle, und alles, was so dünnwandig ist, dass ich das Gefühl habe, ich könnte Problemlos ein Stück rausbrechen.  Außerdem Formen, die nicht ganz rund sind.

Ungern mag ich auch Gläser, in denen ich schlecht abschätzen kann, wie viel noch drin ist, und solche, die irgendwelche Gimmicks im Boden haben. Da schaue ich dann nirgends anders mehr hin.

Am einfachsten ist es also wirklich, man stellt mir das Senfkristall hin.

 

In dem Zusammenhang sorgte meine Mutter gerade für Erheiterung.

Bei ihr gibt es kein Thomy-Senfkristall sondern Develey-Senfkristall – weil sie Thomy nicht mag, und gekauft werden die Dinger ja nun mal wegen dem Senf, der drin ist. Die Gläser sind aber in der Größe usw. so gut wie identisch, nur der Fuß unterscheidet sich etwas.

Allerdings hat meine Mutter gerade mit Develey ein kleines „Hühnchen zu rupfen“. Denn das Unternehmen ist umgestiegen.

„Von Trinkgläsern auf Marmeladengläser“, um es mit ihren Worten zu sagen.

Ich schaute erst mal etwas sparsam. Sie hielt mir ein Glas unter die Nase und nahm den Deckel ab.

„Sind hervorragende Marmeladengläser ,“ sagte sie. „Nur trinken kann man halt nicht draus.“

Ah. Schraubverschluss meint sie… ihre Marke ist vom glatten Rand auf einen Schraubverschluss umgestiegen… Kapiert habe ich es, aber ob ich jemals den Gedanken aus dem Kopf bekomme, dass Develey Senf im Marmeladenglas verkauft… oder das Kopfkino dazu wieder los werde…

 

Alternativer Verwendungszweck…

So richtig unnötig sind ja Leute, die immer alles hinterfragen müssen.

Dabei meine ich nicht die Leute, die ehrliches Interesse haben und Zusammenhänge verstehen wollen, sondern die, die ganz verzweifelt versuchen, einen beim Lügen zu erwischen. So etwa gestern die Dame, die etwas abholend, zu uns kam, und vorwurfsvoll sagte: „Ich dachte, dir IST NICHT kalt in deiner Wohnung und du MAGST das so kühl. Warum liegt dann in jedem Zimmer eine Jacke?“

Wüsste nicht, was die Dame das angeht, aber bitte… ich hab ihr dann mal einen Papagei auf den nackten Arm gesetzt. Der Effekt kam besonders gut, weil wir für gestern Abend Krallenschneiden angesetzt hatten, d.h. die waren gerade so richtig, richtige böse lang und scharf. Und bei ihrem ersten Zucken machte Papagei natürlich aus Reflex den Fuß zu, um sich festzuhalten.

Grins… Ich hoffe, das hat ihre Frage beantwortet… und sie weiß jetzt, weshalb bei mir in jedem Zimmer ein schnell an- und auszuziehendes Kleidungsstück mit langen Ärmeln liegt…

Vom Können und Nicht-Können

Eine Erinnerung – lange her. Ich male eine Zeichnung aus. Wir sind irgendwo unterwegs, ich beschäftige mich. Ich will anfangen, mein gerade gezeichnetes Pferd auszumalen, aber der braune Stift bricht ab. Ich habe keinen Spitzer dabei. Ich fange an, mich aufzuregen, weil ich das Bild nicht fertigmalen kann. Meine Mutter wirft einen Blick drauf und meint: „Muss das Pferd braun sein? Es gibt doch auch schwarze Pferde.“ Und schiebt mir den schwarzen Stift hin.

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Ich habe zwei NT-Freundinnen. Von diesen ist eine blind. Da ergibt es sich, dass man gelegentlich gemeinsam vor einem dreidimensionalen Stadtmodell steht und das gemeinsam betrachtet.

So standen wir da dann auch mal wieder, und es näherte sich eine Mutter mit zwei Kindern. Eines der Kinder deutete auf die Punkte und fragte, was das sei. Die Mutter antwortete, die Punkte seien für Leute wie „die Frau dort“, die nicht lesen könnten weil sie blind seien.

Wir standen nahe genug, um das zu hören, und meine Freundin hatte wohl gerade Lust, Aufklärungsarbeit zu leisten.

„Entschuldigung“, sagte sie, „ich muss das jetzt korrigieren: Ich kann sehr wohl lesen. Ich lese diese Punkte.“

Die Kinder, wie Kinder halt so sind, waren sofort interessiert, fragten nach. Zum Glück hatte die Dame Zeit, denn ihre Kinder standen die nächsten 90 Minuten vor diesem Stadtmodell und lernten Braille lesen. Gut, mit den Augen, aber trotzdem. Nebenbei bekam die Mutter, die ziemlich schnell ebenfalls anfing, Fragen zu stellen, dann auch noch ein paar Erklärungen.

Mit heimgenommen haben die drei hoffentlich unter anderem die Information: Nur, weil jemandem die örtliche Mainstream-Methode nicht zugänglich ist, bedeutet das nicht, dass dieser jemand die Aktivität nicht ausüben kann. Vielleicht macht er sie nur ein bisschen anders…

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Mit dem Können ist das allgemein so eine Sache.

Wenn ich nach China oder Japan reise, und dort die Schilder nicht entziffern kann, kann ich dann plötzlich nicht mehr lesen?
Wenn ein Mensch aus einem arabischen Land, der sein Leben lang arabisch geschrieben hat, nach Europe kommt – kann der nicht lesen? Mein inzwischen verstorbener Opa hat nie gelernt, Antiqua („unsere“ Buchstaben) zu schreiben, sondern schrieb sein Leben lang Fraktur (echte Fraktur, nicht dieses elende Sütterlin). Konnte der deswegen nicht schreiben?

Ich habe links nicht mehr ausreichend Feinmotorik, um einen Stift zu führen, rechts wesentlich mehr als meine Unterschrift gelernt. Ich tippe meine Texte in der Regel. Kann ich nun nicht schreiben?

Was ist zum Beispiel mit Stephen Hawking? Kann der nicht schreiben, weil er seine Bücher Zeichen für Zeichen in den Computer eingibt, statt einen Stift in die Hand zu nehmen? Aber Bücher geschrieben hat er trotzdem…

So einfach ist das mit dem Können oder Nichtkönnen also gar nicht, vor allem, wenn es um Generalisierungen geht.

 

Schreiben können. Lesen können. Zeichnen können…

 

In einer Zeit, in der es ausgefeilte OCR-Programme (Texterkennung) gibt, kann man so ziemlich jeden gedruckten Text einscannen und vom Computer in gesprochenen Text (oder eine andere Form der Ausgabe) umwandeln lassen. Ja, kleine Fehler entstehen noch immer, vor allem bei Namen, aber im Großen und Ganzen ist es kein großer Aufwand mehr, einen Text eigenständig lesen zu können, selbst wenn man die gedruckten Buchstaben nicht direkt in Bedeutung umwandeln kann. Egal, ob das nun daran liegt, dass man nicht den Text nicht sieht, oder irgendwo in der Informationsverarbeitung liegt, oder ganz Gründe hat.

In einer Zeit, in der es gute Spracherkennungsprogramme gibt – die auch an Akzent, Dialekt oder undeutliche Aussprache, ungewöhnliche Spracheigenheiten und Ähnliches mit relativ geringem Aufwand zu gewöhnen sind – muss niemand mehr einem Stift über das Papier bewegen oder buchstabieren können, um selbst zu schreiben.

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Warum „hängen“ wir uns so oft an der Methode „auf“?

Warum lese ich im Blog einer Mutter, die laut eigener Aussage in der Arbeit für Autisten aktiv ist, ihr autistischer Sohn könne nicht zeichnen – Direkt unter einer Zeichnung, die derselbe Sohn angefertigt hat. Auf dem Computer. Im Grafikprogramm.
Der Text beginnt: „Obwohl er nicht zeichnen kann…“ (sinngemäß weiter: macht er Bilder am Computer).

Warum ist die Zeichnung, die am Computer erstellt wurde, aus Sicht dieser Frau keine Zeichnung?
Warum hat sie nicht den Wert einer Zeichnung mit Bleistift und Papier?
Warum nimmt sie die Methode wichtiger als das Ergebnis?
Warum kommen solche Aussagen, immer und immer wieder, von Leuten, die sich selbst als Unterstützer bezeichnen?
Ist solchen Leuten nicht klar, wie destruktiv diese Herangehensweise ist?
Welche Nachricht sendet das?
An ihren Sohn?
An andere Autisten?
An andere Leute allgemein?

Solche Aussagen haben meines Erachtens in dem Zusammenhang nichts verloren.

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Immer wieder habe ich das Gefühl, dass wir vor lauter Fokus auf die Defizite gar kein Interesse daran haben, uns die Lösungen anzuschauen.

Vielleicht können wir uns das nächste Mal, wenn jemand mit der Mainstream-Methode nicht kann ja auch einfach mal fragen: muss er denn? Geht es nicht auch einfach anders? Das Pferd ist doch nicht weniger ein Pferd, wenn es schwarz statt braun ist…

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Es kostet mich weniger als zwanzig Minuten, um einen beliebigen Computer mit einem neueren Windows (WIN95 wäre schwierig) und einem beliebigen Scanner so einzurichten, dass er jeden gedruckten Text in hörbare Sprache umwandelt.

Gut, ich bin dabei recht zügig, weil ich es schon oft genug gemacht habe.
Aber selbst jemand, der das zum ersten Mal macht, sollte nicht mehr als eine Stunde investieren müssen. Eine Stunde, damit derjenige, der Buchstabenketten – aus welchem Grund auch immer – nicht in Inhalt umwandeln kann eben doch lesen kann.

Zehn Minuten Installationszeit und dreißig Minuten Eingewöhnungszeit kostet es heute, um ein Diktierprogramm (Spracherkennung) zum Laufen zu bringen. Damit kann man nicht nur Texte eingeben, sondern den kompletten Computer steuern. Warum habe ich also erst gestern wieder einen Menschen im jungen Erwachsenenalter getroffen, der „nicht schreiben kann„?

Nebenbei: Wir verwenden, auch wenn wir durchaus selbst lesen und tippen können, beide Techniken gerne und viel bei der Arbeit.
Der „Mercedes“ unter den OCRs kostet 150 Euro.
Der „Mercedes“ der Spracherkennung kostet 130 Euro.
Mercedes fahren kann nett sein und lohnt sich sicher, wenn man damit „seine Brötchen verdient“, aber, um beim Autobild zu bleiben: zum Ausprobieren tut es auch der gebrauchte Golf.

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Wir waren heute am Pferdeputzen, eine junge Dame, die öfter im Stall ist… gefühlt irgendwie unteres Ende Teenageralter … erzählte von einem Thema, das sie interessiert. Ich: „Ah, dann hast du ja sicher [Buchtitel] gelesen?“ – Die danebenstehende aufsichtführende mit Ohrstöpseln versehene, in exakt diesem Moment sich ein Hörbuch zu Gemüte führende Mutter: „Aber nein, sie kann doch nicht lesen!“

Nach einem sprachlosen Moment von mir: „Also dafür, dass Sie es nicht gelesen haben, kannten Sie das neuen Karen-Slaughter-Buch aber verdammt gut.“ (War ein Buch, von dem sie letztes Mal erwähnte, das Hörbuch gerade durch zu haben, und wir hatten uns etwas drüber unterhalten.)

Jetzt ist sie beleidigt.

Lindt-Osterhäschen wieder kaufbar…

Bevor ich es noch vergesse… In diesem Jahr (2017) hat Lindt seine Unterstützung für Autism Speaks eingestellt.

Sollte also irgendwer bislang auch hier drüben auf die Lindt-Häschen verzichtet hat, weil Lindt alle Jahre wieder zu Ostern Aktionen laufen hatte, bei denen Teile der Einnahmen an Autism Speaks gingen (soweit ich weiß, lief die Aktion nur in den USA, kann mich aber irren): Die Goldhäschen dürfen wieder ins Osternest.

Wer, Wie, Was

Ich denke, wir erinnern uns alle an die Muppets.

Sesamstraße, richtig?

Die Sesamstraße entstand 1969 in den USA. Der Gedanke war, ein Bildungsprogramm für Kinder aus – ich verwende mal den Modeausdruck – bildungsfernen Familien zu bieten, das sie auf die Schule vorbereiten würde und vor- und außerschulisch Inhalte vermitteln könnte, die bei anderen Familien die Eltern übernahmen. Deswegen die ganze Zählerei, Buchstabiererei usw. Die Figuren waren speziell so zugeschnitten, dass sich Kinder aus Großstädten mit ihnen identifizieren können sollten, statt an deren Lebenswelt vorbeizuschießen, wie es andere Programme taten.

Die Sendung war erfolgreich, wurde sehr beliebt, und schließlich auch in andere Länder exportiert. Soviel nur mal eben zum Hintergrund des Formats.

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Vielleicht habt ihr es gehört – wahrscheinlich habt ihr es gehört – vor zwei Jahren wurde ein Muppet namens „Julia“ eingeführt. Julia „hat Autismus“, wie es so schön unschön ausgedrückt in der Vorstellung heißt.

Als Julia erstmalig auftauchte – zunächst nur als ein theoretisches Muppet, über das (den? die? Was zum Kuckuck ist der richtige Artikel für Muppet?) gesprochen wurde und vornehmlich auf der Website, nicht als tatsächliche Figur. Damals gab es erste Reaktionen. Julia wurde mit Freuden aufgenommen – vor allem von neurotypischen Betrachtern, die es toll fanden, dass eine „Randgruppe“ dort nun auch vertreten und vorgestellt wurde.

Weniger groß war die Begeisterung unter den Autisten selbst. Nach dem ersten „schön, eine autistische Figur“ kam sehr schnell die Ernüchterung. Das verfügbare Material war mager und einseitig. Allein schon der sprachliche Ansatz des (englischen) Materials geht am Ziel vorbei. Wie viele „Kollegen“ möchte ich auch im Englischen nicht als „Person with autism“ bezeichnet werden, denn Autismus ist keine Krankheit, die man sich irgendwo einfängt, auch kein erworbener Zustand., sondern schlicht ein Teil von mir. Es war ein häufig genannter Kritikpunkt, der nach über einem Jahr noch immer nicht beseitigt wurde. Stattdessen wird immer mal wieder drauf hingewiesen, dass man mit Autismusvertretungen gesprochen hätte um das Material zu erstellen. Inwieweit das tatsächlich der Fall war… inwieweit Input tatsächlich verwendet wurde – kann ich nicht beurteilen. Ich fürchte, es wurde nur das verwendet, was die Macher eh machen wollten.

Sieht man sich auf der Website zu Muppets & Autismus genauer um – und ich habe jetzt lange darüber nachgedacht, ob ich den Link hier mit einfüge oder nicht. Die Entscheidung fiel wie folgt: der Link befindet sich unten hinter diesem Artikel. Er führt auf die Hauptseite. Ich verlinke nicht direkt auf die Videos, auf die ich mich gleich beziehe. Wenn ihr sie sehen wollt, könnt ihr euch durchklicken, sie sind unter „Videos for Parents“, aber ich will keinen direkten Link von meinem Blog auf dieses Material. Dort finden sich in zumindest dem Videos „A Sibling Story“ und „Thomas’s Story“ einige Szenen, die ich absolut untragbar finde. Festhalten, körperlich wegziehen, „anbinden“ … ich finde den Umgang mit autistischen Kindern, der da gezeigt wird abstoßend. Ich will mich auch gar nicht vorstellen, was „Thomas“ davon hielt, dass ihn eine Kamera in seinen Entspannungsraum verfolgte, in dem er eigentlich zur Ruhe kommen können sollte. Das Video „Being a Supportive Parent“ umfasst quasi die Aussage, dass autistische Kinder therapiert werden müssen, um aufzuhören, den Eltern die Erfahrung des Kindergroßziehens zu ruinieren.

Ich hab mich dann nicht weiter durch die Website geklickt. An der Stelle reichte es mir einfach.

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Nun, über ein Jahr später wurde Muppet „Julia“ als Puppe eingeführt. In der Hoffnung, man hätte inzwischen dazugelernt, habe ich es mir angeschaut. Beworben wurde Julia auch noch

sesstreet
Screenshot aus dem Werbeclip

„…und soll Zuschauern mit Autismus und ihren Familien eine Figur geben, mit der sie sich identifizieren können.“

Na… da haben wir’s nun wieder. Julia in den bislang existierenden Clips ist eine weitere Darstellung des Stereotyps, mit dem sich wohl kaum ein Autist identifizieren wird. In der aktuellen Form wird sie

Einer meiner ersten Gedanken war „Super, jetzt kommen gleich noch ein paar mehr an mit: Du wedelst nicht mit den Händen, also KANNST du nicht Autist sein“ oder das immer beliebte „aber du sprichst doch mit Leuten… du kannst doch nicht…“
Ja, klar. Man benutzt häufige Eigenschaften für die Figur, aber aufgrund der hohen Diversität des Autismusspektrums ist es eben nicht möglich, damit eine Figur zu schaffen, mit der sich deine hohe Anzahl an „betroffenen“ Zuschauern identifizieren können. Hätte ich Julia als Kind gesehen, hätte ich sicher nicht gesagt „He – die ist ja wie ich!“ – Sie ist es nicht. Ich hätte sehr wenig mit ihr gemeinsam gehabt.

Natürlich – Autismus ist zu komplex um ihn in einer einzelnen Figur angemessen darzustellen. Aber musste es so strikt dem Medienstereotyp entsprechen?

Vermutlich – denn es ist ziemlich klar: das Zielpublikum ist eben nicht der Autist, egal, was die Werbung behauptet. Das Zielpublikum ist der neurotypische Zuschauer. Die Botschaft? Aktuell erkenne ich da vor allem „Um dich als NT adäquat zu verhalten, musst du auch mit Autisten spielen, auch wenn die es dir schwer machen und es Anstrengung von dir verlangt“. Nicht die allerbeste Botschaft. Zu sehen, dass dem „autistischen“ Muppet dann ungefragt das Spiel der anderen aufgedrängt wird („wenn du selbst nicht „richtig“ mitspielst, mache ich es eben in deinem Namen“)… Sorry, Sesamstraße, aber ich da kann ich keinen Beifall klatschen.

*

Eine Anmerkung noch an die, die mir bereits auf anderen Plattformen vorgehalten haben, es sei ja erst der Anfang und man müsse ihnen Zeit geben: Sie hatten seit Oktober 2015 Zeit. Das Feedback war da. Die Zeit wurde nicht genutzt. Was genau soll ich jetzt noch erwarten?

*

Der Link, wie versprochen

 

Eine Woche England

Normalerweise beschränke ich Reisen soweit möglich auf maximal zwei Übernachtungen. Dass wir diesmal von Mittwoch bis Montag, jeweils einschließlich, weggefahren sind, und ich dabei kein besonders schlechtes Gefühl hatte, hing zuerst mal daran: Organisiert wurde dieser Ausflug von einer autistischen Freundin; und die Teilnehmer alle Autisten oder Autisten mit NT-Partner im Anhang. Das machte die ganz Angelegenheit schon mal etwas entspannter.

Dazu jetzt kurz – irgendwann schreibe ich dazu ausführlich: Ich mache bei Freundschaften eine ganz klare Unterscheidung in AS und NT. Ich habe zwei NT-Freundinnen, und das ist auch die absolute Obergrenze für mich.  Alles Weitere wäre sehr viel zu anstrengend.

Bei Mit-Autisten ist meine Toleranzgrenze in Anzahl, Kontaktumfang und –dauer usw. deutlich höher, und ich finde es sehr viel weniger anstrengend. Sowohl als Sender als auch als Rezipient.

Der Gedanke war also: 8 x 2, Kombination je AS/NT, zusammen drei ganze und zwei halbe Tage in einem ehemaligen Kloster, das für Gruppenveranstaltungen vermietet wird, Spaß haben.

Einige Dinge laufen dabei etwas anders ab, als man es vielleicht so „üblich“ ist.

Es gingen zunächst einige E-Mails rum. Jeweils ein Thema, mit der Option, entweder die Grundfrage beschreibend zu beantworten oder den beiliegenden Fragebogen auszufüllen. Ich wähle bei sowas den Fragebogen. Ich mag Fragebögen.

Einmal ging es um Aktivitäten – das Thema des Ausflugs sollte „Game of Thrones“ sein – also: Welche der in Frage kommenden Dinge wollte man machen/nicht machen/nur unter bestimmten Umständen machen, beim LARP welche Figur(en) spielen, etc.

Die zweite ging um die „chores“, die Aufgaben – wir kamen als Selbstversorger, also musste eingekauft werden, aufgeräumt, Wäsche gewaschen, Essen gekocht usw. Man gab an, was man zu machen bereit war/unbedingt machen wollte/gar nicht machen wollte, ob bestimmte Tageszeiten für einen Einsatz bevorzugt wurden und ob man mit bestimmten Personen unbedingt oder gar nicht zusammenarbeiten wollte.

Die dritte ging um Persönliches. Grenzen, Abstand, Regeln, Dinge, die unbedingt gekauft werden müssten, Dinge, die Probleme machen würden durch Geruch etc., welche Art von Schlafplatz, wäre man bereit, das Badezimmer mit anderen zu teilen usw.

Daraus wurden dann zum einen der Zeitplan erstellt, zum anderen die Zimmerzuteilung und die Einkaufspläne gemacht. Außerdem ging eine Rundmail raus, in der für alle zusammengefasst wurde, bei wem auf was zu achten ist. Jeweils mit Bitte um Rückmeldung, falls Probleme auftreten würden.

Nun sind solche Zeitpläne genau etwas, das mich normalerweise leicht aus der Bahn werfen würde – nämlich dann, wenn sie kurzfristig geändert werden, weil schnell beschlossen wird, doch irgendetwas zu verlängern, zu verkürzen, zu ändern, jemand spontan auf komplett neue Ideen kommt usw.

Genau das ist z. B. ein Stressfaktor, den ich mir in dieser Anordnung ersparen kann. Wenn nämlich 50% der Anwesenden genau das gleichen Problem hätte, und die anderen 50% dran gewöhnt sind, dass man nicht einfach mal schnell was umwirft, dann wird der Zeitplan zu einem Sicherheitsfaktor.

*

Aufgrund einer Streiksituation bei BA wurden wir gebeten, frühzeitig zum Flughafen zu kommen. Soweit kein Problem. Laptop geht mit, ab in die Lounge, ich arbeite weiter, der Herr beschäftigt sich mit einem Buch.

Der Flug wie üblich problemlos; das Kabinenpersonal sehr bemüht, der Steward wurde etwas panisch als ich den Salat ablehnte (war Hähnchen drin) … Vegetarisch hätte man vorbestellen müssen… Hatte ich nicht, hatte ja gar nicht vorgehabt, an Bord zu essen.

Der Pilot war einer dieser Landekünstler, bei denen man erst mitbekommt, dass das Flugzeug wieder unten ist, wenn es bremst.

Am Flughafen wurden wir vom Mann der Londoner Freundin empfangen, dem ich es wirklich hoch anrechne, dass er uns jedes Mal abholt, wenn wir kommen. Es ist eine knappe Stunde Fahrt durch London, aber andernfalls müssten wir eine Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, was für mich sehr stressig ist.

Da die Londoner Freundin und ich uns ein Spezialinteresse teilen, hat es sich so eingebürgert, dass wir uns bei jedem Treffen jeweils ein neues bzw. neu entdecktes Buch zum Thema mitbringen und austauschen. Zum Glück verstehen sich die beiden Männer gut, und so können wir auch ohne schlechtes Gewissen erst mal eine Weile unter uns fachsimpeln, während die beiden sich eben über was anderes unterhalten.

Nach dem Abendessen folgte noch ein bisschen Requisiten basteln, dann recht zeitig Schlafen… denn am nächsten Morgen mussten wir raus.

*

Meine Erinnerung an die frühen Morgenstunden ist eher verschwommen…das ist bei mir so üblich. Kaffee beschleunigt den Aufwachprozess, und so war ich dann doch ausreichend wach um den Schwan anzuschauen … das Museum lag freundlicherweise direkt an unserer Strecke.

Tolles Tier, der Schwan. Ich muss sagen, ich habe eigentlich gar keine Worte, um das zu beschreiben. Wer in den nächsten Wochen in London ist, sollte sich den auf keinen Fall entgehen lassen!

Nach dem Schwan ging es dann per Auto nach Nordengland. Dort stellte ich zuerst mal fest: Unsere Unterkunft ist offenbar einer dieser Orte aus Harry Potter, die man nur findet, wenn man bereits weiß, wo sie sind.

Also im Ernst: Da hätte ich niemals ohne jemanden zum Zeigen hingefunden. Es stellte sich später auch noch raus dass andere trotz telefonischer Anleitung wirklich nicht hinfanden, und wir sozusagen einen Suchtrupp losschicken mussten.

Das „Problem“ dabei ist: Das Gelände wurde im Lauf der Zeit komplett mit Wohnhäusern umbaut, sodass nur ein sehr enger Weg (eine knappe Gehwegbreite etwa) zwischen zwei Häusern hindurch zum Eingangstor führt. Dieser Weg ist unbeschriftet und sieht von der Straße aus eher aus, als würde er in einen Hinterhof führen. Der Gang endet an einer Holzplatte an Scharnieren mit Riegel. Erst dahinter kommt der eigentliche Zugang zum Gelände. Bis man durch dieses erste improvisierte Tor ist, sieht man absolut nichts von dem, was dahinter liegt. (Parken muss man um die Ecke.)

Hat man erst mal reingefunden… ist die Unterkunft aber einfach toll. Sie ist für Selbstversorger gedacht, es gibt eine große Küche, einen Speiseraum, viele Zimmer, mehrere Badezimmer pro Stockwerk mit Duschen und Badewannen, eine Sauna und anderes… Wir nutzten in erster Linie die beiden „Sitting rooms“ – große wohnzimmerartige Räume mit vielen bequemen Sitzmöbeln. Aus dem größeren flog als erstes der Tisch raus, weil wir Freifläche brauchten. Wir wollten ja schließlich irgendwie Theaterspielen.

Im Lauf des Nachmittags trudelten so nacheinander alle ein. Die einen verzogen sich erst mal direkt in ihre Zimmer, die anderen halfen beim Lebensmittel rauftragen und wegräumen, der für den Abend eingeteilte Koch machte seine Pläne… Die Requisiten wurden aufgestellt, die Skripte ausgelegt.

Eine kleine Beinahekatastrophe gab es dann als eine NT-Frau – der dazugehörige Mann war bereits da – den Veranstaltungsort nicht fand. Trotz mehrfachem Anrufen und einweisen. Irgendwann waren dann doch alle da, das Abendessen war gegessen, und wir hatten für den Abend auf dem Plan stehen, die ersten Szenen durchzuspielen.

Dabei war die Regelung im Großen und Ganzen die: jeder kann mit so viel oder wenig Einsatz spielen, wie er will. Der eine steht eben auf der Bühne und liest seinen Text ab, der andere spielt seine Rolle mit vollem Körpereinsatz, Kostüm und Requisiten… jeder, wie es ihm zusagt. Szenen mit Körperkontakt, fesseln von Gefangenen, Schwertkämpfen, etc. werden zuvor zwischen den Beteiligten abgesprochen. Ebenfalls sprechen die jeweils Beteiligten vorher ab, falls sie eine Szene nicht nach Skript spielen sondern improvisieren wollen.

Ich war erstaunt, wie gut das in der Tat ging. Die Requisiten waren teils etwas gewöhnungsbedürftig. Die Wölfe waren Plüschtiere, und da wir nicht genug Wölfe zusammengebracht hatten, wurde mit Plüschkatzen aufgefüllt. Schwerter reichten vom richtigen LARP-Schwert bis zum funktionsfähigen (leuchtenden) Laserschwert – klar, man braucht ja brennende Schwerter und auch mal Fackeln … Zitat vom Wochenende: „Und sie nahm ihr Laserschwert und machte sich auf den Weg“.

Wir waren ja nun alles erwachsene Leute zwischen 30 und 45, und daher „nicht das kleinste Bisschen“ albern. Nee, ist klar… natürlich bleibt die Sache nicht bierernst, wenn das einzige für den Auftritt zur Verfügung stehende Pferd ein Steckenpferd ist, die Dracheneier als Avocados geboren wurden und fehlende Requisiten einfach durch ein Blatt Papier ersetzt werden, auf dem die Bezeichnung des fehlenden Gegenstands steht.

Spaß hatten wir jedenfalls.

Ganz toll übrigens: was an „inneren Organen“ benötigt wurde, hatte vorher jemand aus geschmolzenen Haribo-Erdbeeren nachgeformt und großzügig mit Theaterblut verziert. Diese speziellen Requisiten wurden anschließend noch ihrer ursprünglich vorgesehenen Verwendung zugeführt.

Zwar hatte jeder zugeteilte Rollen, aber es spielte nicht unbedingt jeder in jeder „Sitzung“ mit. Wer gerade Pause wollte oder brauchte, konnte in seinem Zimmer bleiben, spazieren gehen oder sonst was machen, und die Rollen wurden bei Bedarf kurzfristig umverteilt.

Es wurde natürlich nicht nur Game of Thrones gespielt an dem Wochenende. Die Pokémon-Go-Spieler schickten immer mal wieder Jagdtrupps aus, es gab Diskussionsrunden zu vorher genannten Themen (ähnlich Viktorianischer Parlour-Diskussionsrunden, wie sie gerne mal zur Unterhaltung abgehalten wurden), Karten- und Brettspielrunden, Abends wurde die Sauna angeworfen, irische und schottische Folkmusik gesungen und getanzt (wir hatten Flöte- und Gitarrenspieler samt Instrumenten dabei). Einige hatten ihre eigenen Projekte dabei, einige gingen außerhalb der Spielerunden direkt in ihr Zimmer und blieben da, bis es entweder Zeit zum Essen oder Zeit zum weiterspielen war.

Frühstück und Mittagessen lief jeweils so, dass jeder sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums selbst holte, was er wollte. Es gab dabei Schränke und einen Kühlschrank, die für die Köche reserviert waren und die von diesen bestellten Zutaten enthielten, und Schränke und einen anderen Kühlschrank, aus denen sich jeder einfach bedienen konnte. Speziell für eine Person besorgte Lebensmittel waren beschriftet.
Zum Abendessen kochen sowie am Sonntag zum Brunch (= Full English Breakfast) war jeweils ein Koch mit zwei Helfern eingeteilt. Gekocht haben alle hervorragend. Es wurde immer in Variationen gekocht, der anfangs rumgesendeten Liste entsprechend, sodass immer jeder was zu essen hatte. Wer nicht im Speiseraum essen wollte, nahm sich eben einen Teller mit aufs Zimmer – oder ließ sich einen bringen.

Gespräche fand ich allgemein auch in der Gruppe verhältnismäßig entspannt, schon allein deswegen weil wirklich immer nur einer redete. Wenn sich zwei Gespräche im gleichen Raum entwickelten und es dadurch zu Problemen durch Lärmpegel kam, ging die Gruppe, die näher an der Tür saß, in einen anderen Raum. Bei Wortfindungs-/Artikulationsproblemen sah die Lösung dann so aus, dass die betroffene Person, die etwas sagen wollte, aber gerade entweder die passenden Wörter oder gar keine Wörter rausbrachte, einfach „Words!“ sagte bzw. einen Zettel mit dem Wort drauf hochhielt. Dann wurde gestoppt, die jeweilige Person konnte sich in Ruhe die Wörter sortieren, aufschreiben oder anderweitig den gewünschten Inhalt kommunizieren.

Alles in Allem: Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass eine Zusammenkunft von 16 Personen so relaxt ablaufen kann…Wir sind definitiv nächstes Jahr wieder dabei.

 

 

Das bisschen Haushalt…

Ich mag einiges sein, aber eines bin ich definitiv nicht: eine begnadete Hausfrau.

Zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Vergangenheit habe ich diverse Szenarien gedanklich durchgespielt. Immer wieder komme ich zu dem Schluss: eigentlich müsste ich eine Haushälterin einstellen.

Dumm nur, dass ich den Gedanken hasse, jemanden in meinen Sachen zu haben. Jemanden, der mir meine Sachen durcheinander bringt; wichtige Sachen nicht dahin zurückstellt, wo ich sie haben will; möglicherweise meint, umdekorieren zu dürfen (ist bei einschlägigen Agenturen tatsächlich Teil der Aufgabenbeschreibung einer Haushälterin); eventuell mal ein Atty fallenlässt…

*

Sicher, schon eine „einfache“ Putzfrau würde helfen, aber da habe ich bis auf das umdekorieren die gleichen Probleme.

Wo, mag man sich fragen, ist denn eigentlich das Problem? Putzen ist doch ganz einfach. Das kann und macht doch jeder… oder?

Ja… genau. Ganz einfach.

Erstes Problem: Wahl der Putzmittel.

Viele Leute denken bei „Krankenhaus“ mal gleich an den Geruch von Desinfektions- und Reinigungsmitteln und finden diesen unangenehm. Gut. Haltet mal bitte den Geruch samt Reaktion gedanklich fest.

Und jetzt stellt euch bitte vor, dass ich diesen unangenehmen, penetranten, alles durchdringenden, stechenden, teilweise fast in der Nase schmerzhaften Geruch bei der großen Mehrheit der auf dem Markt befindlichen Putzmittel empfinde. Will man das wirklich mehr als absolut notwendig im Haus haben?

Selbst bei den Putzmitteln, die mir erträglich sind, habe ich den Geruch sehr lange um mich, und er ist auch so recht intensiv – und stört bei anderen Wahrnehmungen. Nach dem Großputz vom Samstag, gefolgt von mehreren Stunden mit geöffneten Fenstern zum Durchlüften, einem Familien-Kaffeetrinken und zwei kompletten Tagen Zeit…konnte ich am Montagabend das Zeug noch immer riechen. Und nein, ich empfinde das nicht als frisch und angenehm, sondern als ziemlich penetrant und störend.

Leider kann man nicht alles mit Neutralseife putzen. Also, man kann schon, aber es ist nicht besonders effizient. Und danach riecht die ganze Wohnung nach Seife. Aber eben wenigstens nur nach Seife.

Der Putzmittelgeruch hängt übrigens nicht nur in der Wohnung, sondern auch: An der Kleidung, die ich dabei getragen habe, meinen Händen und meinen Haaren. Am liebsten würde ich während der Putzarbeiten also mehrmals unter die Dusche springen, Haare waschen, umziehen…. Geht natürlich nicht.

Heute den einen Raum, morgen den anderen, wie das manche Leute in meiner Familie machen, ist schon deswegen undenkbar, weil ich dann dem Putzmittelgeruch nie entfliehen könnte…

Zweites Problem: Material

Handschuhe gehen mal gar nicht. Es gibt nur zwei Situationen, in denen ich mich dazu durchringen kann, Handschuhe zu tragen:

  • Gelegentlich zum Reiten, wenn die Temperaturen zu weit runter gehen, um ohne noch gut Gefühl für die Zügel zu haben. Dann trage ich sehr, sehr gut sitzende Lederhandschuhe.
  • Zum Fechten, wenn ich befürchten muss, dabei was auf die Finger zu bekommen. Ich brauche meine Hände funktionsfähig, da ich doch relativ viel tippe.
  • Als Papagei und Mamagei frisch bei mir waren und Papagei sehr aggressiv war, aber aufgrund seines Gesundheitszustands regelmäßig gehandelt werden musste, zog ich dazu Handschuhe an, um ständig Verletzungen durch seinen Schnabel/kaputte Finger zu vermeiden.

Auf keinen Fall würde ich aber mit meinen guten Handschuhen putzen, und Putzhandschuhe aller Art gehen einfach gar nicht.

Ich habe nun aber auch allgemein ein Problem mit glatten Stoffen auf der Haut. Ist euch mal aufgefallen, wie schwer es ist, andere Lappen als Microfaser zu bekommen in der heutigen Zeit? Frottee-Handtücher eignen sich leider auch nicht für alles…

Drittes Problem: Muss das weg?

Ich stelle mir das so vor: Der NT schaut hin und sieht auf den ersten Blick „Aha. Da ist ein Fleck.“ Oder „Aha. Das ist ein Muster.“ Oder „Aha. Das ist Teil vom Untergrund.“

Da mir automatische Filter fehlen, fehlt mir auch dieser Effekt: Die natürliche Musterung des Grantibodens in Wohnzimmer und Küche, die Struktur des Korkfußbodens im oberen Stockwerk, die Maserung im Parkett im Esszimmer, die Marmorierung der Fliesen im Bad… alles das verschwimmt für mich mit Flecken, Dreck, Staub..

Ich muss tatsächlich erst mal jede Abweichung von der Grundfarbe analysieren. Was ist das? Muss das weg? Und wenn ja, dann nach dem Wischen erneute Analyse: Ist es jetzt weg? Ist noch was da, das nicht zum Untergrund gehört? Habe ich durch Verwischen neue Flecken produziert?

Da für mich unter Umständen ein Kaffeefleck nicht auffallender zu sehen ist, als ein „normaler“ Farbeinschluss im Stein muss ich quasi Quadratzentimeter für Quadratzentimeter prüfen, ob ich alles erwischt habe.

Das endet dann damit, dass ich entweder wie Roomba und Scooba einfach mehrfach in allen Richtungen durch die Wohnung wische (Was hier am Beispiel Fußboden erläutert ist, lässt sich natürlich auf jede andere Fläche übertragen), oder ich mich, dem Rat von Beppo Straßenkehrer folgend, Fliese für Fliese vorwärtsarbeite.

In jedem Fall jedoch wird dabei etwas, das den meisten Leuten als mental nicht besonders anspruchsvolle Arbeit geläufig ist, bei der man gut nebenbei Hörbuch oder Musik hören oder irgendwelchen Gedanken nachhängen kann, zu einem ziemlich anstrengenden Act, der aufgrund der ständig notwendigen bewussten Filterarbeit auf „für den Kopf“ sehr ermüdend wird.
Da kann es dann schon mal vorkommen, dass ich seit 20 Minuten am Glaseinsatz der Bibliothekstür wische, weil ich zwar sehe, dass da ein Fleck ist… aber nicht mehr genug Kapazität übrig ist, um zu registrieren, dass ich auf der falschen Seite der Scheibe stehe.
Dann wiederum passiert es auch, dass ich etwas als „Dreck“ wahrnehme und erst merke, dass es doch da hingehört hätte, wenn ich angefangen habe, das Material anzugreifen. So hat etwa einer meiner Stühle eine sehr abgeriebene Stelle am Bezug. Der Stoff war dort einfach von der (eigentlich sehr zurückhaltenden) Musterung her etwas heller…

Irgendwann ist die Konzentration weg. Ich sehe nicht mehr, was ich mache – also, ich sehe es schon, aber ich nehme nur noch Einheitsbrei wahr und kann Untergrund von Schmutz nicht mehr unterscheiden

*

Dasselbe Problem habe ich übrigens auch, wenn mir jemand auf meinen Pullover deutend hilfreich mitzuteilen meint: „Du hast da ’nen Fleck“. Ich sehe nämlich vor lauter Web- oder Strickmuster (besonders schlimm sind da diese Stoffe, die dieses Mini-Strickmuster aufweisen…). Meine Kleidung mag für die meisten Augen einheitlich schwarz sein, aber wenn ich da drauf anschaue, sehe ich da alles Mögliche andere. Da festzustellen, welche Abweichung ein Fleck, und nicht einfach Stoffstruktur sein soll…

Ich wische also etwa an der gezeigten Stelle rum, das hilfreiche Gegenüber meint: „Schau doch mal in den Spiegel“, impliziert dabei: Dann siehst du es besser.

Irgendwann hatte ich mal keine Lust auf das Spiel und schoss direkt zurück, dass ich das eben im Spiegel genausowenig sehe… erntete dafür einen komplett verwirrten Blick, dann: „Aber du hast doch jetzt auch dran rumgewischt…“

Ja… dort, wo du hingedeutet hattest. Das kann ich in der Tat tun, auch ohne den Fleck selbst wahrzunehmen… Wirklich, das geht…

Fasching Helau!

So, Fasching überlebt.

Also: ich habe grundsätzlich nichts gegen Fasching. Eines der ersten Dinge, die feststanden, als ich das Haus direkt an der Route unseres Faschingszugs kaufte, war, dass die Familie am Faschingssonntag bei mir sein würde. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich auch nur entfernt vor, dagegen zu protestieren. Wenn ich mich also darüber beschwere, dass es Arbeit oder Aufwand ist, ist das nur ein Ausdruck einer kurzfristigen Unannehmlichkeit, und das weiß die Familie auch.

Eine leicht anstrengende Sache ist der Hausputz im Vorfeld: Zum Thema „Putzen“ plane ich mal einen eigenen Artikel. Jedenfalls wünsche ich mir gerade mal wieder massiv eine Haushälterin. (Finanziell wär’s drin, praktisch ist mir bei dem Gedanken, jemand Fremdes in meinen Sachen zu haben, nicht wirklich wohl.) Na ja. Die eine Hälfte der Familie merkt eh nicht, wie gut geputzt ist, und die andere wird immer was zu bemängeln finden, wenn sie nicht selbst geputzt hat. Also was soll’s…
Zugegeben: Ich nutze das auch als Motivation, um ewig liegengebliebene/vor mir hergeschobene Arbeiten zu erledigen, die ich schon vor Monaten hätte machen sollen… Die rausgebrochenen Fliesen im Treppenhaus ersetzen (der Fliesenkleber hielt den Temperaturschwankungen im Winter nicht stand)… die Ofentür zerlegen, alle Einzelteile reinigen, Dichtung erneuern und alles wieder zusammensetzen, damit das Ding wieder richtig schließt und der Fleck IN der Tür (zwischen den beiden Scheiben) weg kommt…  ausgebrannte Glühbirnen ersetzen…

Zwei oder drei Tage im Voraus klären wir die Feinheiten: Wer kommt, wer bringt wie viele Leute mit, wer kommt eventuell; müssen wir Stühle aus dem Fundus holen? (meine Familie unterhält einen Vorrat an bestimmten Dingen, die einfach zwischen allen geteilt und zwischen den Haushalten hin- und hergefahren werden – meistens eben Dinge, die man nicht immer vorrätig haben muss, wie bestimmtes Werkzeug, die besonders lange Leiter, oder eben auch Stühle für 40-50 Gäste. So viele sind es Fasching glücklicherweise nie.) Wir sprechen dann auch kurz ab, ob sich bei Essensvoraussetzungen irgendwas geändert hat, gehen kurz die Gästeliste durch und stellen sicher, dass für jeden genug zu essen da ist. Meine Mutter steuert in der Regel eine Wurstplatte bei – ich bin Vegetarier, mein Mann isst zuhause in der Regel auch vegetarisch, d. h. wir haben eher keine Wurst im Haus und was übrig bliebe, würde eh‘ zu meinen Eltern gebracht. Ebenso bot sie an, sich um den „Grüngutteller“ zu kümmern – meine kleine Cousine (Grundschulalter) isst fast nur rohes Obst und Gemüse, und Gurken sind für sie ein absolutes MUSS. Wohingegen Gurken für mich der Nonplusultra-Ekelfaktor sind, und während ich sie zwar auf dem Tisch, wenn sie am von mir abgewandten Ende bleiben, geruchsmäßig ertragen kann, möchte ich sie nicht handhaben, schälen, schneiden usw. müssen.

Die Planung steht dann also, die Wohnung ist geputzt, der Sonntag kann kommen…

*

Der Sonntag begann mit früh aufstehen, erster Weg: Bäcker. Brötchen, Baguette, Krapfen sind seit zwei Tagen bestellt. Ich ärgerte mich bereits bei der Bestellung sehr: Letztes Jahr hatte ich nicht bestellt, und bereits um 8:30 war fast alles ausverkauft. Sie konnten mich dann nur noch darauf vertrösten, ich solle doch kurz vor Ladenschluss – 10:30 – wiederkommen, falls irgendwelche Bestellungen nicht abgeholt würden. So kamen wir dann zumindest noch zu Krapfen…
Heuer hatte ich nun bestellt, durfte mir dabei anhören, das sei doch Blödsinn und nicht notwendig, überhaupt wüssten sie gar nicht, ob sie Vorbestellungen annähmen, und – der allerbeste Spruch: „Das wird dann aber nicht billiger!“ Irgendwann schafften wir es dann, dass die Bestellung aufgenommen und notiert war.
Ich komme also zum Bäcker, stehe längere Zeit in der Schlange und – oh, wie toll: Meine Bestellung ist nicht da. „Das haben wir wohl irgendwie übersehen…“ Ach JA? Ich glaube, nächstes Jahr übersehe ich den Bäcker und nehme lieber einen anderen, auch wenn der ungünstiger liegt. Wenigstens waren diesmal noch genug Krapfen da. Baguette: keine Chance (zum Glück auch nicht „überlebenswichtig). Brötchen: keine mehr da. „Könnten wir aufbacken, aber das dauert 20 Minuten.“ Tja, dann würd ich mal anfangen damit, statt drüber zu diskutieren, nee?

Inzwischen kam eine What’s-App-Nachricht der Schwester meiner Mutter („Tante“ ist irgendwie komisch, da der Altersunterschied zwischen uns deutlich geringer ist, als zwischen mir und meinen Brüdern), ob sie den Hund bei mir im Haus lassen kann. The same procedure as every year… Natürlich kann sie. Machen wir doch immer so.

Nachdem ich 20 Minuten beim Bäcker verplempert habe – nein, ich war auf keinen Fall von meinem Platz seitlich der Theke mit Blick auf den Ofen wegzubewegen, nicht, dass die MEINE Semmeln noch weiterverkaufen…  – Nächster Weg zu meinen Eltern, Wurstplatte, Grüngutteller und anderes Zeugs abholen, das ich normalerweise nicht im Haus habe, und das für die eine Veranstaltung im Jahr zu kaufen nicht lohnt. Ketchup zum Beispiel. Bei der Gelegenheit nehme ich direkt noch meine Post mit – wir alle in der Nähe lebenden Berufstätigen oder Vielreisenden lassen unsere Post zu meinen Eltern liefern, wo eigentlich immer jemand zur Annahme im Haus ist.
Mit Mühe vermeide ich einen Zusammenstoß mit meinem Vater, der heute anscheinend einen besonders unpraktischen Tag erwischt hat – das von dem Menschen, der es immer gerne hat, wenn Sachen effizient, nicht umständlich und zackig funktionieren! Eigentlich ja zum Schmunzeln. – Ich weiß nicht, was er hatte, irgendwie meinte er, er müsse die Sachen zu mir in die Stadt fahren… Also quasi, ich fahre jetzt mit meiner Post, und er kommt dann mit dem Essen hinterher. Was zum…?

Ich fahre – mit ALLEM im Gepäck – heim, wo wir schnell die Tische aufstellen, nochmal sichergehen, dass alles da ist, und dann das Haus verlassen, um zum Mittagessen zu meinen Eltern zu gehen. Die halten sowieso jeden Sonntag ein großes Essen für die enge und erweiterte Familie – wer alt jeweils komme mag – keiner von uns hat Lust, heute was zu kochen, essen müssen wir was, und außerdem sollten wir ohnehin da sein. Ich habe nämlich in den zwei Wochen gut 1900 – nein, da ist keine Null zu viel – ausgesonderte, „echt“ und „versteckt“ doppelte Bücher (ein „versteckt doppeltes“ Buch ist ein Buch, das zwar nicht derselbe Titel ist, dessen Inhalte sich aber mit denen anderer vorhandener Bücher decken. Meistens der Fall bei Sammel- und Übersichtswerken, wenn zu den behandelten Themen auch jeweils eigene Sachbücher im Haus sind). Die liegen jetzt einige Zeit bei meinen Eltern im Hobbyraum aus, wo sich jeder aus dem Familien- und Bekanntenkreis nehmen darf, was er möchte. Der Rest geht dann auf den Flohmarkt. Aber Fragen wie „Wie ist dieses Buch?“, „Ist Band X zu dem hier auch dabei?“ usw. beantworten sich einfach besser, wenn wir anwesend sind…

Nach einer halben Stunde Bücherdurchgehen wird zum Essen gerufen. Dabei sehen diese Großmahlzeiten bei uns so aus: Essen kommt in so vielen Einzelteilen auf den Tisch wie möglich: Das Fleisch schwimmt nicht in der der Soße, sondern die Soße wird getrennt serviert, die Champignons sind auch nicht in der der Soße, sondern in einer eigenen Schüssel, es gibt mindestens zwei verschiedene Beilagen, außerdem Gemüse. Grundregel: Wer kommen will, kommt, wer nicht kommen will, kommt nicht; sofern das ein Bewohner des Hauses ist, kann er sich vorher oder nachher was zu essen machen, nicht aber parallel dazu – dazu ist die Küche schon mal nicht groß genug, und es bringt auch nur Unruhe rein, wenn ständig jemand am Tisch vorbei huscht. Mit oder ohne Teller den Tisch verlassen geht immer, aber zurückkommen geht erst wieder zum Kaffee, denn ständiges rein und raus stört auch. Vor allem, wenn man eh‘ recht eng sitzt.
Wenn der „Hauptgang“ abgeräumt wird, gehen die Raucher vor die Tür um eine zu rauchen, ein Teil verabschiedet sich, der Rest trinkt noch einen Kaffee – oder Tee, Kakao, Kaba, etc.

Kurze Besprechung bezüglich des Restnachmittags, und wir gehen heim. Der Rest wird hinterherkommen, aber ich will nochmal ein Stündchen Ruhe.

*

Der Faschingszug läuft direkt vor meiner Haustür vorbei. Für die Familie und unsere Besucher heißt das: Man kann genau so viel Fasching bekommen, wie man möchte: Am Straßenrand voll dabei, in meiner Bibliothek am offenen Fenster – auf Höhe des ersten Stocks eben „über den Dingen“ stehend mit etwas Abstand, dennoch dabei und auch mit Bonbons beworfen werdend… noch ein Stockwerk höher am Fenster, zu hoch um von den Teilnehmern wirklich wahrgenommen zu werden, aber mit gutem Blick… Und wer Pause braucht, geht einfach ins Wohnzimmer, denn mein Haus isoliert so gut, dass schon eine Zwischenwand reicht, um nichts mehr vom Umzug zu hören. Verkleidungsmäßig macht bei uns auch jeder, was ihm passt: Verkleidung und Schminke, Verkleidung ohne Schminke, Schminke ohne Verkleidung, nur mit lustigem Hut oder ganz normal.

Danach dann für die einen Kaffeetrinken in meiner Wohnung, während andere noch weiter feiern gehen und meine Brüder im Haus unserer Eltern selbst noch eingeladen hatten. Dadurch waren wir dieses Mal eine relativ kleine Runde

Der Mamagei freute sich sehr. Der neue Freund meiner Schwester war erstmalig dabei und wurde von dem Vogel umgehend um den Finger gewickelt.

Die Bibliothekumräumaktion war zwar nicht fertig, aber immerhin habe ich meine Privat-Atty-Ausstellung rechtzeitig abschließen können, um diese kurz vorzuführen. Der Hundegast war sich mal wieder nicht sicher, ob man vor Papageien eigentlich Angst haben muss…

Das Essen verlief ruhig, Papagei blieb im Käfig, Mamagei durfte ausnahmsweise auf einem eigenen Stuhl (sie sitzt dann auf der Lehne) mit an den Tisch. Die Versammlung löste sich auf, als die Kinder müde wurden.

Für mich gab es dann erst mal einen ausgiebigen Zwischenstopp in der Badewanne… ein bisschen Entspannung brauchte ich.

Eben haben wir noch die Reste der Wurstplatte, das Ketchup, die übrigen Semmeln und ein paar andere Sachen zu meinen Eltern zurückgefahren. Einer der ersten Sätze meiner Mutter? „Die Fenster in deiner Bibliothek müssen geputzt werden.“

Na, wenn das alles ist…

Autisten verursachen Impfstoffe – T-Shirt für die Impfgegner-Gegner

Habe grade dieses T-Shirt gefunden. Das würde ich mir ja sofort kaufen, nur… Farbig und vorne mit Aufschrift… ich würde es nicht tragen. Vielleicht hat ja von euch jemand Lust.

(RedBubble ist eine Plattform, auf der Künstler und Designer ihre Werke in unterschiedlicher Form verkaufen können, und die gute Konditionen für den jeweiligen Künstler bietet. Die Qualität der Ware ist super. Ich kaufe dort häufiger, wenn ich „ausgefallene“ Geschenke brauche – also sicherstellen will, dass niemand anders genau *die* Idee hatte.)

(Die Aufschrift: „Autistics cause Vaccines“ – „Autisten verursachen Impfstoffe“ – ist eine umkehrung dieses unsäglichen Slogans… nebenbei mit Bezug auf den Autistenanteil in den Naturwissenschaften.

Kleider machen Leute

Kennt ihr das?

Irgendwann kommt der Punkt, da geben alle T-Shirts gleichzeitig den Geist auf. Hier ein Loch, da ein Loch, die Naht am Kragen, der Saum, alles löst sich in Wohlgefallen auf. Bei mir kommt noch da dazu, was ich als „Geierfraß“ bezeichne: irgendwann hat alles kleine Löchlein von Papageienkrallen, und wehe, es steht irgendwo ein Fädchen ab… da kann so ein Mamagei einfach nicht widerstehen.

Nun lösten sich bei mir gerade nicht nur die T-Shirts auf, sondern auch die Sweatshirts, die Hoodies und die Pullis. Alles gleichzeitig.

Okay, macht nichts… Kleidung kann man ja nachkaufen.

Wenn es nur so einfach wäre…

Einfach wäre langweilig, nicht wahr?

Erste Herausforderung: Material.

Ich kann glattes Material auf der Haut nicht ausstehen. Der Trend geht aber dahin, dass Stoffe immer glatter, immer synthetischer, immer pflegeleichter werden. Pflegeleicht mag ja sein, aber was bringt mir das, wenn ich den ganzen Tag das Gefühl habe, dass Ameisen auf der Haut krabbeln –und nicht nur krabbeln sondern zwischenrein auch mal beißen. Noch schlimmer: Das Gefühl geht nicht sofort weg, wenn ich das Kleidungsstück in Frage ausgezogen habe, es ist jedoch sofort da, wenn ich es anhabe. Damit ist die Anprobe im Laden schon mal problematisch, weil ich ab Stück 2 nicht mehr zuverlässig sagen kann, spüre ich noch den Rest von Stück 1, oder …

Dabei hätte ich grundsätzlich nichts gegen Synthetikstoffe, wenn diese halt entsprechend texturiert wären. Natürlich nicht nur bei Kleidung.
Wir hatten zu Hause hübsche Handtücher im Bad hängen- eine Seite weich und „kuschelig“ mit Motiv oder Muster. Solange ich denken kann, habe ich zum Abtrocknen die rauere „Rückseite“ dieser Handtücher genommen. Die „Vorderseite“ sah zwar auf dem Haken nett aus, aber zum Verwenden fand ich sie doch eher ungeeignet. Heute habe ich nur Frottee-Handtücher in Verwendung, die beidseitig OK sind.

Leinen und Wollstoffe, also das, was viele Leute als kratzig und unangenehm empfinden, sind mir am liebsten. Leider findet man diese nur sehr eingeschränkt. Als ich mehr Zeit für solche Dinge hatte, nähte ich vieles selbst. Dazu irgendwann mal einen eigenen Post.

Zweite Herausforderung: Farbe

Muster, Motive, Aufschriften, Kontrastnähte – finde ich alles irritierend.

Erwähne ich das, höre ich immer mal wieder, das würde ich doch gar nicht sehen.

Doch, das sehe ich. Ich sehe sehr wohl, ob vorne auf meinem T-Shirt/Pulli/etc. ist. Nicht nur ich, aber die meisten Gehirne blenden die Information halt aus. Wenn ich das machen muss, geht mir bereits ein Stück Energie ab, das ich lieber auf etwas anderes verwenden würde. Zum Beispiel darauf, an der Kasse der Person vor mir nicht die Waren einfach aufs Band zu schmeißen, weil das Auflegen zu lange dauert und ich zwischen Musikgedudel, Unterhaltungen um mich herum, buntem Laden, Geruch von der Wursttheke her und dem kleinen Kind, das ständig zwischen aller Leute Füße herumwuselt wirklich dringend den Laden verlassen will.

Es mag unproportional klingen, aber das ist wie mit einem Wasserhahn. Wenn der den ganzen Tag tropft, läuft auch ziemlich viel Volumen weg, obwohl es nicht so aussieht. Auf Dauer merkt man es an der Wasserrechnung.
Ich bekomme die Rechnung eben etwas früher präsentiert.

Immer mal wieder sehe ich ein Motiv, das mir gefällt. Wider besseren Wissens kaufe ich auch so einmal alle zwei oder drei Jahre ein Stück. Das trage ich dann einmal, dann ziehe ich mich bei nächster Gelegenheit um, und das bedruckte Teil wird zu Unterkleidung degradiert.

Ein paar T-Shirts habe ich, die nur auf dem Rücken ein Motiv haben. Die habe ich drucken lassen. Da stört mich der Aufdruck nicht, und ich kann trotzdem das Motiv meiner Wahl spazieren tragen.

Naja, welches Motiv wird das wohl sein?

tshirtbild

Dritte Herausforderung: Schnitt und Co.

Lose sitzende Kleidung finde ich meistens schlecht. Der ständige Wechsel zwischen Berührung und Nichtberührung, oder eine ganz leichte Berührung, das treibt mich auf Dauer in den Wahnsinn. Allerdings ist es manchmal das kleinere Übel – im Sommer nämlich, wenn ich draußen sein muss. Dann ist mir weit und leicht, dafür lang, doch noch lieber, als mich direkt Sonne und Wind auszusetzen. Das bringt nämlich noch unangenehmere Gefühle.

Besonders wichtig ist mir, dass der Abschluss an den Ärmeln klar definiert ist. Ich muss spüren können, wo meine Kleidung aufhört.

Jawohl, ich bin ein Fan von langer, enger Unterwäsche. Dann habe ich nämlich mit der drüber getragenen Kleidung mehr Freiheiten. Ich habe schon öfter mal sehr enge Sweatshirts als Unterhemden zweckentfremdet. Leider wird mir aber schnell warm, dafür nicht kalt…

Kragen. Ein ewiges Theater. Steht was auf? Kann was aufstehen? Schlecht. Immerhin kann man einen Kragen, der ungewollt aufsteht und einen ungewünscht berührt mit einem kleinen Stich da befestigen, wo er hingehört. Rollkragen finde ich optisch toll, tragen kann ich sie auf keinen Fall. Zu viel Druck am Hals, ständig das Gefühl, zu ersticken.

Kleidungsstücke, die seitlich eng anliegen, finde ich auch schwer zu ertragen. Was liegt seitlich eng an? Eigentlich fast alles aus der Damenabteilung, das der weiblichen Anatomie nachempfunden ist. Ich kaufe meistens in der Männerabteilung ein. Trägt sich besser.

Hoodies, vor allem schwerere Hoodies, finde ich gut, obwohl ich die Kapuze nicht benutze. Sie macht einfach das Kleidungsstück nochmal etwas schwerer, das finde ich angenehm.


Nun gut… Ich kann jetzt also in einen Laden gehen und versuchen, einfarbige Kleidung aus nicht zu glattem Stoff mit vernünftigem Gewicht und passendem Kragen etc. zu bekommen.

Das dauert, kostet Nerven und meistens komme ich dann von einem wahnsinnig stressigen Tag mit ein oder zwei Stücken nach Hause.

Oder ich logge mich mal eben ein, fülle meinen Warenkorb, gehe zur Kasse, und lasse mir zwei Tage später einen Karton liefern. Zehn T-Shirts, zwei Hoodies, drei Sweatshirts, zwei Poloshirts, alles schwarz. Alles dieselbe Marke, die ich seit Jahren trage, die sich immer gleich anfühlt – auch über die einzelnen Varianten hinweg, also die Sweatshirts sind eben z. B. mit den T-Shirts identisch, außer, dass die Ärmel länger sind.

Damit ist der Schrank wieder voll, und ich hatte keinen Stress.

Und wenn sich meine Hosen auflösen, läuft es genauso. Einkauf derselben Marke, derselben Farbe, seit Jahren. Nach amerikanischen Maßen, sodass sich Länge und Weite beliebig kombinieren lassen. Ich bin ja eher klein, und habe schon deswegen anderweitig Schwierigkeiten beim Hosenkauf. Ebenfalls Männerschnitte. Sitzen besser und haben häufig auch größere Taschen.


Und wenn es aussieht, als würde ich „jeden Tag das gleiche“ tragen? Ist das noch dazu praktisch, weil ich nicht drüber nachdenken muss, was ich anziehe.