Venedig vor Ostern

Lange nichts von mir hören lassen… Es war viel los, und keine Zeit, um zu schreiben.

Dann versuche ich jetzt mal, etwas aufzuholen…

Ostern. Weder mein Mann noch ich legen Wert auf Ostern. Ob „trotz“ oder „weil“ wir beide aus katholischen Familien kommen, lasse ich mal dahingestellt.

Eine Bekannte bot uns an, über die Feiertage mit ihr in ihr Ferienhaus in Italien zu fahren. Das lehnten wir ab. Sie ist unzuverlässig, das wissen wir. Es hätte sein können, dass sie uns noch zwei Tage vor Abfahrt absagt.

Aber der Gedanke „Italien“ hatte sich dann schon mal festgesetzt.

Lord Byron ist ein Thema, das uns interessiert, und das uns ja auch schon mehrfach nach England gezogen hatte. Und Lord Byron verbrachte eben, als er England aufgrund seiner hohen Schulden verlassen musste, nicht nur Zeit am Genfer See, sondern auch mehrere Jahre in Italien.

Die Entscheidung fiel also: Venedig und Ravenna sollte es werden. Hoffentlich, so unser Gedanke, wären über Ostern die meisten Touristen in Rom.

Eines im Voraus: Ich werde immer mehr zum Fan von Touristenapps fürs Handy. Boarding Pass im Flugzeug und Ähnliches machen wir ja schon lange übers Handy – und inzwischen auch ohne Backup-Ticket in der Tasche. Dieses Mal haben wir noch etwas anderes gemacht: Viele Museen und ähnliche Einrichtungen bieten inzwischen die Möglichkeit, den Eintritt im Voraus zu bezahlen, und dann über Einscannen des auf dem Handybildschirm angezeigten Codes hineinzukommen. Ganze ehrlich? Ich bin begeistert. Kein Anstehen an der Kasse, keine Schlangen, kein Lärm aushalten, sondern einfach nur zügig rein, in aller Ruhe durch, wieder raus. Sollte man bitte in allen kulturellen Einrichtungen zum Pflichtangebot machen.

Wir sprechen beide kein Italienisch, aber bekanntermaßen Latein. Und, wie sagt mein Bruder so schön? „Italienisch ist auch nur Latein im Ablativ.“ Also… Man setze jedes Substantiv und Adjektiv in den Ablativ, und schon hat man – zwar nicht wirklich Italienisch, aber immerhin etwas, mit dem man sich hervorragend verständlich machen kann.

Der Plan sah so aus: Freitag Anreise in Venedig; Samstag Venedig; Sonntag früh morgens weiter nach Ravenna. Montag Rückreise aus Ravenna. An sich sind drei Nächte ziemlich lang für mich, aber gerade noch vertretbar.

Der Hinflug war auffallend unspektakulär. Wir hatten den vorderen Teil des Flugzeugs quasi komplett für uns. Wohl kein Wunder, Geschäftsreisen über Ostern werden selten sein, und die wenigsten privat reisenden sind so wahnsinnig, Business-Tickets zu buchen.

Der erste Abend in Venedig war nett. Für mich nicht zu warm, für meinen Mann nicht zu kalt. Nun gut… es ist Venedig, was musste also gleich mal sein, nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten?

Genau… eine Gondelfahrt.

Erster Punkt: Gondelfahrten sind schweineteuer. In der „normalen“ Sechspersonengondel kostet die Fahrt 31 Euro pro Person. Das wäre mir definitiv zu eng gewesen. Es gibt allerdings auch noch die Möglichkeit, eine „romantische Gondelfahrt“ zu buchen. Dann ist man zu zweit in der Gondel, zahlt aber halt entsprechend mehr. Vor allem, wenn es Abend ist, denn dann wollen alle.

Wenn der Geldbeutel noch lockerer sitzt, kann man auch einen Musiker und Sänger zubuchen. Das „scheiterte“ bei uns allerdings nicht am Geld, sondern daran, dass ich es mit Musik nicht so sehr habe, und sicher kein Akkordeon und auch keinen italienischen Sänger im Boot brauche. Wir beschränkten uns also auf die romantische Gondelfahrt zu zweit.

Zweiter Punkt: Auch Gondelfahrten kann man per Handy vorbuchen. Man wird dann direkt abgeholt, an der Schlange vorbeigeleitet und kommt zum vereinbarten Zeitpunkt ohne lästiges warten im Personenstau zur Gondel. Das würde ich dringend empfehlen.

Eine Gondelfahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Obwohl an dem Punkt, von dem wir abfuhren, ziemlich viel los war, war auf dem Kanal doch weniger los, als ich mir vorgestellt hätte. Ein interessantes Erlebnis auf alle Fälle.

Der Tag endete für uns dann in aller Ruhe auf der Terrasse des Hotelrestaurants mit Touristenpizza.

*

Der Samstagmorgen begrüßte uns mit grauem Himmel und Nieselregen. Ein Glück, dass wir uns bei Feuchtigkeit nicht auflösen, denn es hörte den ganzen Tag nur sehr sporadisch auf damit. Zwei feste Ziele hatten wir uns für diesen Tag ausgesucht. Das erste, den Palazzo Mocenigo, hatten wir bereits am Vorabend vom Wasser aus gesehen. Dort hatte Byron während seiner Zeit in Venedig gelebt. Damals hieß es, der Palazzo hätte zwei Eingänge: Einen für die Mädchen aus Cannaregio und einen für die Mädchen aus Castello. Heute ist der Palazzo ein Museum – und zwar eines, das die Zeit auf jeden Fall wert ist.

Pünktlich um 10 Uhr kamen wir dort an. Die biglietti hatten wir ja schon.

Der Palazzo wäre schon ohne Museumsinhalte einfach nur Wahnsinn. Was für wunderschöne Räume… da weiß ich gar nicht so genau, wo ich zuerst hinschauen sollte… Es gibt eine Spezialausstellung zum Thema Parfüm, die mir zum allerersten Mal diesen Bereich irgendwie interessant vermittelt hat. Auf das Testriechen habe ich allerdings verzichtet.

Sehr viel Zeit verbrachten wir beim Betrachten der ausgestellten Bilder, Möbel und vor allem Textilien. Wir stehen ja nun beide auf historische Gewänder, und hier waren schon ein paar ganz besonders schöne zu sehen.

Zuletzt besuchten wir noch die Sonderausstellung „Alchimie der Farbe“, die sich mit dem Thema Färben von Stoffen und Garnen befasst. Da tut es mir direkte leid, dass ich keine Zeit mehr habe, um selbst Garn zu spinnen und zu färben.

Einen kleinen Abstecher zur Seufzerbrücke – die ihren Namen eben unserem Lord Byron verdankt – genehmigten wir uns danach noch, bevor wir uns in aller Ruhe ein Mittagessen suchten, und uns dann schön langsam in Richtung Lido vorarbeiteten. Der Lido di Venezia ist eine Insel am Rand von Venedig – dort, wo heute die Filmfestspiele von Venedig stattfinden, und wo Lord Byron damals um 1816 mit Sondergenehmigung Pferde hielt – seiner Aussage nach die einzigen Pferde Venedigs. Von dort startet er auch seine Schwimmwettbewerbe.

Das allerdings war nicht der Grund, warum wir zum Lido mussten. Von dort gehen aber die Schiffe zur Insel San Lazzaro, und dort befindet sich unser zweites fest eingeplantes Ziel: nämlich das armenische Kloster, in dem Byron viel Zeit verbachte, armenisch lernte und bei der Erstellung einer armenischen Grammatik half.

Es gibt nur eine Führung täglich, nämlich um kurz vor halb vier Uhr nachmittags. Außerhalb der Führung steckt man vor dem Kloster fest und kann nur auf das nächste Schiff warten, das einen wieder zurück bringt. Das wussten wir allerdings – und kamen entsprechend zum richtigen Zeitpunkt an.

Die Führung dauert zwei Stunden und findet statt – egal, wie viele Leute da sind. Für größere Gruppen könnte man auch eine Sonderführung buchen. Dank des immer noch eher unschönen Wetters, war neben uns nur noch ein anderes Paar da, sodass wir fast eine Privatführung hatten.

Die Gärten konnten wir dank des Regens weniger gut besichtigen – uns hätte es nicht so sehr gestört, aber die beiden anderen wollten dringend rein. Die Klosternbibliothek ist einfach traumhaft. Es wird viel Interessantes erzählt, es ist ein wahnsinnig ruhiger und angenehmer Ort. Noch ruhiger und angenehmer wäre er in anderer Gesellschaft gewesen, denn die beiden nahmen es alleine locker mit jeder kompletten Touristengruppe auf, was das sich-beschweren-über-alles betraf.

Dann kann man auch noch einkaufen. Rosenmarmelade zum Beispiel, da die Mönche ihre Rosengärten tatsächlich kulinarisch nutzen. Ich mag ja süß normalerweise gar nicht, aber für Rose mache ich immer eine Ausnahme. So natürlich auch hier.

Schließlich standen wir gegen sechs Uhr wieder am Lido. Hunger hatten wir noch nicht wieder, wirklich Lust dazu, ins Hotel zurückzugehen auch nicht… zielloses touristisches Bummeln ist auch nicht unser Ding.

Also kam uns der Gedanke, nachzuprüfen, ob wir nicht doch noch eine Tour im Palast des Dogen bekommen könnten. Diese Führungen sind immer privat, nicht unter zwei Stunden zu haben, bis in den Abend hinein buchbar, in unterschiedlichen Sprachen verfügbar und es wird damit geworben dass der Führer auf alle persönlichen Wünsche eingeht.

Wir hatten Glück – und so kehrten wir also dahin zurück, wo wir an dem Tag bereits einmal gewesen waren, dieses Mal, um neben der Brücke auch den Palast zu besichtigen.

Gut, auch diese Führung ist teuer, aber es waren nochmal zwei Stunden, die sich wirklich gelohnt haben. Da man mit dem Führer alleine ist, kann man sich wirklich auf das konzentrieren, was einen interessiert, länger oder kürzer in den Räumen bleiben, etc. Der Herr war sehr zuvorkommend und höflich (darf er für 100 Euro pro Stunde auch sein), informativ und kein bisschen genervt… obwohl ich zwar durchaus noch interessiert und aufnahmefähig war, aber meine Interaktionsfähigkeiten inzwischen – vor allem nach dem ständig jammernden anderen Paar im Kloster – doch etwas zu wünschen übrig ließen.

 

 


Bildquellen, da wir als notorische Nichtfotografen mal wieder keine gemacht haben:

Seufzerbrücke: By Tony Hisgett from Birmingham, UK (Brdge of Sighs  Uploaded by tm) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Klosterkirche, Innenansicht: By Leon Petrosyan (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Dogenpalast, Innenraum: von Christian Rosenbaum (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en), CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)%5D, via Wikimedia Commons

 

Der Schwan

Wir hatten ja geplant, Ende des Jahres nach Nordengland zu fliegen, um uns diesen Wahnsinnsschwan anzuschauen…

Eben erfahre ich: Der Schwan reist nach London. Und zwar – wie genial – so, dass er sich während der Woche, die wir eh‘ bereits geplant dort Urlaub machen, da ist. Ich glaube, wir können die Schwanfahrt noch mal umplanen!

Urlaubsreview – Tag 5

Schlosspark Laxenburg und Franzensburg

Der Schlosspark in Laxenburg ist nicht nur mit Ritterfest einen Besuch wert, sondern auch anderweitig. An diesem Tag hatte die ganze Gegend kaum mobiles Internet – die Pokémonjagd musste entsprechend aufgegeben werden.

Der Park wurde von dem bereits erwähnten Kaiser Franz I. angelegt. Es ist ein rein künstlicher Park, alles, was dort steht datiert maximal ins frühe 19. Jahrhundert. Dazu zählen auch die „alten“ Ruinen und Tempel.

Der Park ist bei Besuchern sehr beliebt, vor allem bei schönem Wetter. Auf Kinder mit Fahr- und Laufrädern muss man etwas aufpassen. Reiter aus dem angeschlossenen Stall haben ihre eigenen Reitwege und sollten dem Spaziergänger nicht über den Weg laufen. Hat man es lieber ruhiger, kann man die kleineren Wege verwenden.

Wer weniger gut zu Fuß ist, kann die parkinterne Bimmelbahn verwenden, für Kinder gibt es Ponyreiten, am See einen Bootsverleih. Das angeschlossene Filmmuseum hatte leider noch nie geöffnet, wenn wir dort waren und Zeit gehabt hätten.

Im Park fühle ich mich, vor allem in den hinteren Bereichen, immer wie in ein Computerspiel versetzt. Man sieht in der Ferne einen Punkt, geht drauf zu, es wird langsam ein Gebäude draus (z. B. der Concordiatempel). Man hält drauf zu, kommt an einen Fluss, kann erst mal schauen, wo und wie man da drüber kommt… sehr viel Spaß.

Im See gibt es die Franzensburg – eine Wasserburg die auf drei Wegen zu erreichen ist: Über die Fähre, per geliehenem Boot oder hinten rum über eine Brücke, quasi durch den Hintereingang. In der Burg gibt es einen kleinen Museumsladen – da wir immer kurz vor Ende der Sommeröffnungszeiten auftauchen, haben wir dort nie wirklich viel Auswahl – und ein Burgcafé, das schon eher als ausgewachsenes Restaurant bezeichnet werden könnte.

Die Burg, die als Museum gebaut wurde und mit aus unterschiedlichen Schlössern und Stiften entfernten Gegenständen ausgestattet ist (einschließlich der Deckenkassetten und Wandtapeten), ist nur im Rahmen einer Führung zugänglich.

Davon gibt es zwei Stück: Eine „Turm- und Dachführung“ und eine Museumsführung. Dauert jeweils ca. 55 Minuten und findet versetzt statt.

Turm- und Dachführung: Es gibt sehr viele Stufen. Wer schlecht Treppensteigen kann oder anderweitig Probleme mit Wendeltreppen hat, sollte es bleiben lassen. (Eine Dame ging nicht mit auf den Turm. Da die Führung nicht gerade die billigste ist, würde ich mir das doch eher vor dem Kartenkauf überlegen wollen). Der Blick vom Turm ist sehr schön und weit, auch von den „Wehrgängen“ auf dem Dach aus hat man eine gute Aussicht. Höhenangst sollte man nicht haben.

Einige der Gänge und Wege sind ziemlich eng, auch an Stellen, an denen man mal stehenbleiben und warten muss. Mit einer größeren Gruppe dicht gedrängt stehen ist jetzt nicht so unbedingt meines. Wären noch ein oder zwei Personen mehr in der Führung gewesen, wäre es nicht mehr möglich gewesen, unfreiwilligen Körperkontakt zu vermeiden.

Der Führer redete viel und informativ, erzählte auch einiges zu den Hintergründen des Baus und dem in der Burg verwendeten Symbolismus. Die Führung war durch das ständige Stop-and-Go, wie es bei solchen Führungen eben üblich ist, ziemlich anstrengend zu laufen (ich finde das wesentlich ermüdender als die ca. 150 Treppenstufen in den Turm).

Museumsführung: Die Museumsführung folgte dann zur nächsten vollen Stunde.

Hier ging es nun durch die Museumsräume, mit Erklärungen zu den Herkunftsorten der unterschiedlichen Einrichtungsgegenstände, sowie zur Familie des Kaisers Franz.

Die Führerin war dieses Mal eine sehr jung wirkende Frau. Dafür, dass es aufs Ende der Saison zugeht, machte sie einen äußerst unerfahrenen Eindruck. Gestellte Fragen konnte sie mehrfach nur mit „Weiß ich nicht“ beantworten. Leider nahmen sie mehrere Führungsteilnehmer wohl auch nicht so wirklich für voll und störten andauernd – ein Paar, das sich laufend von der Gruppe entfernte, versuchte, in Räume einzudringen, trotz ausgesprochenem und ausgeschilderten Photographierverbot dauernd am Knipsen war, und allgemein sehr stark störte. Ein weiterer Herr verlangte mehrfach, raus und wieder reingelassen zu werden. Verständnis dafür, eine solche Veranstaltung zwischenrein verlassen zu müssen oder wollen, habe ich schon. Das passiert mir auch schon mal. Aber dann bleibe ich draußen und hämmere nicht an die nächste Tür, um wieder rein zu dürfen. Vor allem nicht mehr als einmal in derselben Stunde.

Dafür kann die Führerin natürlich nichts… seltsam war allerdings, dass sie eine Markierung erwähnte, die „hier irgendwo in der Burg sein soll“, von der sie aber nicht wüsste, wo. Uns war diese direkt vorher auf der Dachführung gezeigt worden. Sprechen sich die Führer hier nicht ab? Bekommen die keinen Überblick ausgehändigt? Die Frau macht ebenfalls Dachführungen (die beiden wechselten sich zumindest an dem Tag ab), und läuft damit an dieser Markierung vorbei. Es schränkt das Vertrauen in alles andere, was sie sagte, doch etwas ein.

Die Burg ist auch so sehenswert, eventuell würde ich aber nächstes Mal auch einen Audioguide nehmen, oder speziell nachfragen, wann der ältere Führer die Runde macht.

Mittagessen gab es für uns im Schlosscafé. Terrassenplätze sind für mich eher unpraktisch, aber die Tische direkt am Gebäude sind in Ordnung. Allgemein ist zumindest zu dieser Jahreszeit der Bereich näher am See beliebter, sodass man dort immer recht für sich alleine ist. Ein einigermaßen schattiger Tisch lässt sich dort auch finden.

Bedient wird schnell und freundlich. Immer. Wir sind dort in schöner Regelmäßigkeit jedes Jahr, und es gab noch nie Probleme. Beim Tempo hilft es, dass die Kellner Bestellungen elektronisch aufnehmen, sodass man nicht darauf angewiesen ist, wieder auf „seinen“ Kellner zu warten.

Die Karte ist umfassend, vegetarisch ist kein Problem. Die Auswahl unter Umständen schon, denn man muss sich ja für eines entscheiden.

Auf dem Rückweg fiel uns gegenüber von „unserem“ Eissalon noch eine zweite Eisdiele auf, die mit „bio“, „laktose- und glutenfreien“ sowie „veganen“ Sorten, geringem Zuckerzusatz und keinen künstlichen Zusätzen wirbt. Gerade hatten wir zum Testen keine Lust mehr, setzten das aber schon mal auf den Plan für Samstag.

Gelaufene KM: 7,9

Urlaubsreview – Tag 4

SCS und Wien

Wir haben einige Besorgungen zu erledigen und steuern daher zunächst die SCS an.

SCS steht für Shopping City Süd und ist ein großes Einkaufszentrum südlich von Wien.

Jetzt könnte man annehmen, dass mich das stresst. Tut es lustigerweise nicht. Es gibt ein paar Situationen, die für mich mit einem Mix aus unterschiedlichen Eindrücken genau auf dem Punkt zwischen Stimulation und Überlastung liegen, den ich wahnsinnig angenehm und sogar entspannend finde. Dazu gehören Volksfeste und Jahrmärkte, Verbrauchermessen, Apsley House, der Münchner Hauptbahnhof und eben auch große Einkaufszentren wie dieses.

Zu meiner Überraschung stelle ich fest, dass ein Buch mit dessen Erscheinen ich gar nicht mehr gerechnet hatte, nachdem der Autor über Jahre verschwunden schien, nun in der Auslage liegt. Also rein in die Buchhandlung, und da ich nicht mit nur einem Buch wieder raus kann, einen ganzen Armvoll Bücher ausgesucht. Zwei davon zweisprachig – Deutsch-Latein. Jetzt kann ich schauen, wie ich das alles in die Regale bekomme.

Wir decken uns noch etwas mit Kleinigkeiten ein, um einem Bekannten ein Dankeschönpaket für einen uns zuvor geleisteten Gefallen zu packen, und beschließen, dass es für einen Besuch „unseres“ Billardcafés etwas zu früh am Tag ist.

Zwischen stöbern und aussuchen ist es inzwischen allerdings Zeit, etwas Essbares zu suchen, und da gibt es für mich in der SCS nur eine Anlaufstelle: Subway.

Die Entdeckung von Subway (als Kette, nicht dieses speziellen Subway) war für mich ein Glückstreffer. Subway findet man so ziemlich überall, und es gibt überall das gleiche. Ich kann so sehr gut auch mal eine Stresssituation entschärfen, indem ich mir etwas absolut vertrautes zu Essen hole. Oder nicht zusätzlich Stress basteln, indem ich in ein Fremdrestaurant gehe. Und überhaupt ist es im Urlaub auch schön, mal etwas Bekanntes zu haben.

Da ich gerne mal aufs Trinken vergesse, bis die Dehydrierungskopfschmerzen anfangen, finde ich auch O’Mellis‚ Saft- und Smoothiebar sehr praktisch. Da man auch hier sein Getränk selbst zusammenstellen kann, sollte jeder was Passendes finden können.

 

Und nochmal übten wir uns in Spontaneität. Seit Jahren wollten wir mal in Wien Fiakerfahren gehen. Bislang passte es nie. Zeit war nun da, Lust sowieso, also Einkäufe schnell nach Hause, und wieder ins Auto. Dank der vielen Einbahnstraßen fahre ich in Wien relativ gerne. Das Navi sagt mir, wo ich hinmuss, und da ich keinen Gegenverkehr habe, machen auch die engen Sträßchen nichts. München könnte sich mehrere Scheiben abschneiden.

Die Fiaker waren eine angenehme Überraschung, die Pferde machten einen guten Eindruck – ich hatte vorher erwartet, dass mich das Ganze dann vor Ort mehr Überwindung kosten würde, aber die Tiere wirkten wirklich sehr gepflegt, ausgeruht und aufmerksam – ein Eindruck, der sich in der folgenden Stunde bestätigt hat. Wir buchten die lange Runde – eine Stunde durch Wien.

Es ist schon ein spezielles Erlebnis, so in der offenen Kutsche. Es ist Ewigkeiten her, dass ich das letzte Mal als Mitfahrer gefahren bin. Ich fahre zwar bei unseren Veranstaltungen auch gelegentlich, aber dann eher Karren als Kutschen, und auf dem Kutschbock sitzend mit den Zügeln in der Hand. Durchgeschüttelt wird man auf dem Kopfsteinpflaster natürlich ordentlich, und schwerhörig sollte man auch nicht sein – zumindest nicht, wenn man dem laufenden Kommentar des Fiakers folgen möchte. Der referiert nämlich eine Stunde lang über Gebäude, deren Bewohner und Architektur, Denkmäler, Brunnen, Plätze und berühmte Cafés – das ganze logischerweise mit dem Gesicht direkt von den Passagieren abgewandt, und daher in die entgegengesetzte Richtung sprechend. Die Anstrengung, ihm zu folgen, zahlt sich aber aus.

Die Passanten sind auch nicht uninteressant – manche grüßen und winken tatsächlich, eine Dame gestikuliert grinsend aus einem Bus, neben dem wir an der Ampel halten. Einige wenige Idioten versuchen, die Pferde zu stören (was ihnen nicht gelingt) und durch den Fiaker auch schleunigst unterbunden wird.

Das Wetter ist perfekt, der einzige echte Störfaktor sind die zahlreichen Baustellen. Am Ende der Stunde haben sich Fiaker und Pferde ihren Lohn plus Trinkgeld redlich verdient.

 

Auf dem Rückweg zum Auto gibt es für uns dann noch einen Zwischenstopp an der Staatsoper – oder genauer gesagt, in deren Andenkenladen. Dieser führt nämlich auch zahlreiche Aufzeichnungen von Aufführungen an unterschiedlichen großen Häusern auf DVD. Ich kaufe dort recht gerne ein. Auf Anfrage sperren die Herren und Damen einem dort nämlich die Vitrinen im Hinterzimmer auf und lassen einen dort alleine, um in Ruhe auszuwählen. Keine nervigen Empfehlungen, kein Gehetze, keine Ablenkung… und so fällt mein Einkauf dort auch immer recht großzügig aus.

 

Gelaufene KM: ca. 15; da ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass ich diese Aufstellung schreiben werde, habe ich die genaue Start- und Endzeit der Fiakerfahrt nicht mitgeschrieben.

Urlaubsreview – Tag 3

Husarentempel bei Mödling

Von Burg Liechtenstein aus hatten wir ihn gesehen, nun mussten wir ihn uns auch aus der Nähe ansehen: den Husarentempel bei Mödling.

Er liegt auf dem kleinen Anninger in knapp 500 Metern Höhe und wurde im Gedenken an die Gefallenen der Schlacht bei Aspern gebaut. Die Schlacht bei Aspern war damals Napoleons erste Niederlage. Die Schlacht bei Aspern war außerdem die Schlacht in der einer der m.E. interessantesten französischen Marschälle fiel: Jean Lannes (ihn verlinke ich hier nicht, weil seine Wikipediaseite grobe Fehler enthält und dringend mal überarbeitet gehört. Vielleicht habe ich nachher Zeit dazu, dann lösche ich den Satz hier wieder).

(Na gut, das mit dem in der Schlacht fallen kann man nun auch sehen wie man will, er wurde jedenfalls auf einer Mauer sitzend Pause machend von einer dumm fallenden Kanonenkugel verwundet und verstarb später an Wundbrand. Es ließen eben auch die Herrschaften französischen Feldärzte beim Amputieren und der nachfolgenden Versorgung die Sauberkeit etwas vermissen (auch wenn sie den Briten, so leid es mir tut das sagen zu müssen, klar überlegen waren). In jedem Fall war er vorher am Leben und anschließend tot.)

Dieses Mal etwas besser vorbereitet, Wanderkarten zu Hause aufs Handy geladen, festgestellt: Es wird gewarnt, dass man unterwegs nirgends einkehren kann. Also großzügig Getränke und etwas Proviant mitgenommen, richtig essen können wir auf dem Rückweg.

Der Parkplatz am Gasthaus Bockerl war trotz Navi erst im zweiten Anlauf zu finden, die Zufahrt versteckt sich etwas als fünfte Abzweigung einer Kreuzung.

Dummerweise haben wir beim Parken auch nicht aufgepasst und nicht daran gedacht, dass es zwar morgens noch recht kühl war, aber die Sonne bis Mittag mein (schwarzes) Auto in einen Backofen verwandeln wird… Daher auch keinen schattigen Parkplatz gesucht. Blöd.

Der Aufstieg beginnt direkt am Parkplatz, die Beschilderung ist ganz gut, man kann mehrmals wählen, Zwischenziele anzulaufen  – je nachdem, wie lange man unterwegs sein möchte, oder wie oft man Pause einlegen will. Bänke gibt es dazwischen einige, die Abstände sind aber relativ groß.

Gerade der Anfangsbereich des Wegs ist ziemlich steil und felsig. Wer nicht gut zu Fuß ist, kommt hier nur mit Schwierigkeiten weiter. Alles was Räder hat (z. B. Kinderwägen) hätte absolut keine Chance. Wie die anderen Aufstiege aussehen, weiß ich nicht, wir haben nur den einen verwendet. Die erste Kreuzung ist unbeschildert, aber Ausschlussverfahren und Logik – der Tempel ist oben, also nehmen wir den Weg, der am „nach-obigsten“ geht – bringen uns auch weiter. Ein Stück hinter der ersten Bank mündet der Pfad dann in einen breiteren Weg (die Art, die zum Abtransport von Holz aus dem Wald verwendet wird, also auch für schwerere Fahrzeuge ausreichend befestigt), auf dem es dann eine ganze Weile weitergeht. Irgendwo muss dieser Weg auch ein unteres Ende haben…

Wir folgen weiter dem (nun wieder ausgeschilderten) Mozartweg in Richtung Husarentempel. Einige wenige Infotafeln gibt es, zumeist zu Wald- und Pflanzenthemen. Für mich am interessantesten ist die Infotafel zu örtlichen Legenden.

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Der Mozartweg endet, der Schubertweg zweigt rechts ab – und diesem ist jetzt bis zum Ende zu folgen. Der Weg bleibt stabil und breit. Amüsant finden wir eine künstliche Lichtung, die aussieht, wie ein Kreisverkehr. Fast oben angekommen beschließen wir, einen Umweg zu machen und dem Matterhörndl einen kleinen Besuch abzustatten. Der Weg dorthin ist nun ein sehr enger Waldweg, zwei nebeneinander geht nicht. Relativ viel auf und ab, für uns schön zu laufen, aber auch hier: man sollte recht gut zu Fuß sein. Unterwegs anhalten, ohne den Weg für nachkommende Wanderer zu blockieren, geht nicht.

Das Matterhörndl ist eine Kalkfelsformation, die beklettert werden kann. Was wir natürlich prompt ausprobieren mussten. Geht gut, allerdings würde man auf der Rückseite (Ostseite) relativ tief fallen.

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Der Waldweg vom Matterhörndl weg endet direkt unterhalb des Husarentempels.

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Um diesen zu erreichen, darf man dann erst noch einen Satz eher unangenehme Stufen erklimmen – unterschiedliche Höhen, teils ziemlich verwittert. Oben warten Tische und Bänke, eine Gedenktafel und ein weiter Ausblick.

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Ausblick auf die Burg Liechtenstein

Der Husarentempel besitzt eine Beleuchtung mit Solaranlage, die haben wir natürlich am helllichten Tag nicht in Aktion erlebt.

Auf dem Rückweg sparen wir uns irgendwelche Zwischenstopps und bleiben auf dem Hauptweg. Das felsige Endstück ist im Abstieg unangenehmer als im Aufstieg, aber kein großes Problem. Kurzes Bedauern im Vorbeigehen über den Backofenzustand des Autos, bevor uns die inzwischen doch recht leeren Mägen ins Gasthaus treiben.

 

Waldgasthaus Bockerl.

Das vor der Tür angeschriebene Tagesmenü sah schon extrem einladend aus.

Den Außenbereich habe ich mir nicht angesehen, da er für mich ohnehin nicht in Frage kommt: zu hell, zu warm und zu viel los. Der Innenraum war ruhig. Rustikal und gedämpft eingerichtet, keine grelle Beleuchtung. Radio läuft zwar, aber leise genug, dass ich mich noch unterhalten kann, ohne Probleme zu haben, den Radiotext aus der Unterhaltung zu filtern.

Die Plätze in den Ecken sind schön geschützt vor Störungen, der Kellner passt dennoch recht gut auf und lässt uns nicht lange warten nur zum Zahlen hat es etwas länger gedauert. Hätten wir es eiliger gehabt, hätte ich dazu aber an die Theke gehen können.

Die Speisekarte ist essenstechnisch die größte Überraschung der Woche – wir wissen gar nicht so genau, was wir jetzt bestellen wollen. Nicht, weil nichts Passendes drauf steht, sondern weil wir uns jetzt locker eine Woche lang durch die Karte futtern könnten.

Vegetarisch und vegan ist kein Problem. Glutenfrei oder laktosefrei gibt es ebenfalls in größerem Angebot, nur gluten- und laktosefrei gleichzeitig schränkt die Auswahl sehr stark ein (= auf genau ein Gericht).

Der Kellner ist sehr freundlich, hetzt uns nicht, und hilft auch nett aus, als ich nach dem Essen bei der Kaffeebestellung mal wieder Probleme mit den österreichischen Bezeichnungen habe.

Das Essen hält genau das, was die Karte versprochen hat, und ist hervorragend.

Fazit: Wer in dieser Ecke von Mödling was zu essen sucht – hier wäre eine sehr gute Anlaufstelle.

 

Die Rückfahrt im Backofen überstehen wir irgendwie, dafür hängen wir abends nochmal eine lange Runde an.

Gelaufene KM: 16,8

 

 

 

Urlaubsreview – Tag 2

Mödling und Burg Liechtenstein

Unser Plan für den Tag: Ab nach Mödling und Pokémon jagen.

Zunächst: Die Innenstadt von Mödling ist sehr schön, und Pokémon Go ist hier ein guter Fremdenführer. Zahlreiche Fassadenverzierungen und Infoplaketten die man anderweitig leicht übersieht (wir waren ja auch nicht zum ersten Mal dort) fielen uns so auf. Ich habe einige gute Anregungen gefunden, die ich möglicherweise mal in einer Geschichte verwursten werde. Viel gelernt auch über örtliche Persönlichkeiten, wir schlugen tatsächlich jeden Künstler nach, der irgendwo erwähnt wurde.

Zeit nahmen wir uns zunächst auch für einen Besuch der St. Othmarkirche. Dorthin hatten sich während des zweiten Türkenkriegs ein großer Teil der Einwohner geflüchtet. Half nichts, denn sie wurden dort gefunden und getötet.

Die Kirche ist eine sehr hübsche gotische Kirche, die hohen, bunten Glasfenster wunderschön. Leider stand die Sonne nicht richtig, aber der Effekt muss beeindruckend sein.

Gegenüber steht die Pantaleonskapelle, ebenfalls sehr hübsch.

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Ich hatte hier mit der Sonne etwas Schwierigkeiten, und daher keine weiteren Photos gemacht (Ja, Handy geradehalten ist nicht mein Ding. Ich bin kein großer Photograph).

Die große Treppe am oberen Ende des Kirchhofs führt zum Startpunkt zahlreicher Wanderwege. An dieser Stelle entschieden wir uns dann kurzfristig, die bereits mehrfach angedachte Wanderung zur Burg Liechtenstein doch einfach jetzt gleich zu machen. Kurz zurück in die Stadt, um Getränke und Proviant zu holen, zurück nach oben und kurz orientieren. Dank GPS und Blick auf die Handykarte stellten wir eine Abkürzung bis zur ersten Zwischenstation fest und nutzten diese auch. So standen wir dann kurze Zeit später vor dem sogenannten Schwarzen Turm. (Auf dem Weg hätte es ein Gasthaus gegeben, das allerdings geschlossen war. Gut also, dass wir uns nicht darauf verlassen hatten, dort noch Proviant nachkaufen zu können.)

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Der Schwarze Turm sieht auf den ersten Blick aus wie die Ruine eines alten Wehrturms – ist er aber nicht. Es handelt sich um eine künstliche Ruine, die der Fürst von Liechtenstein seinerzeit anlegen ließ – schöne alte Ruinen waren wohl gerade chic, und wenn man keine bei der Hand hatte, mussten eben neue gebaut werden. Der Turm ist nicht zugänglich und kann nur aus etwas Abstand betrachtet werden.

Von da ab ging es dann auf dem regulären Wanderweg weiter – nehmen wir zumindest an, denn die Beschilderung fehlte teilweise. Wir hätten zwar auch richtig geraten, aber das Handy ist doch sehr hilfreich als Wanderkartenersatz.

Das gegenüberliegende Schloss Liechtenstein, die wesentlich jüngere Sommerresidenz, ist heute eine Seniorenresidenz. Entsprechend gesittet geht es auch im Park unterhalb der Burg zu. Schatten spenden große Bäume, teils noch aus der Bepflanzung aus der alten Parkanlage. Das Restaurant hier hat sehr geringe Öffnungszeiten, die sich nicht mit unserem Besuch überschnitten. Ein weiteres Restaurant und Café gibt es in etwa fünf Gehminuten Entfernung. Bis dahin hatten wir allerdings beschlossen: Wenn wir uns hinsetzen wird richtig gegessen – und dazu hatten wir die Zeit nicht, denn Führungen gibt es immer zur vollen Stunde.

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Führungskarten, Postkarten, Burgführer kaufen und dann nochmal kurz warten…

Die volle Stunde kam, und wir waren die einzigen Anwesenden. Ganz toll: Es gab keine Frage, ob wir auf die nächste Führung warten könnten, kein Gemoser oder Gemotze, sondern lediglich ein Schulterzucken und „Na, dann gibt’s jetzt eine Privatführung.“ Gut, so steht es auch auf der Website, aber meiner Erfahrung nach ist es nicht selbstverständlich, dass es sich vor Ort dann genau so darstellt.

Es war natürlich absolut das richtige – nur die Freundin und ich mit der Führerin einmal durch die Burg (Nein, mein Mann ist nicht dabei, diese Woche nehmen wir uns jedes Jahr Ende September, schon sehr viel länger als ich ihn kenne. Die gehört uns, da hat er nichts verloren.) Man konnte sich so auch sehr schön unterhalten und zusätzlich nachfragen. Bei größeren Gruppen halte ich mich da sehr zurück, da ich es schwer schaffe, diese Zwischenstufe zwischen interessiert fragen und alle mit unzähligen Detailfragen zu nerven bzw. keinen anderen mehr zu Wort kommen zu lassen zu treffen. Da bin ich dann vorsichtshalber stummer Führungsteilnehmer.

Das war hier nicht notwendig. Gut, vieles von dem, was sie so über das mittelalterliche Leben erzählte, wusste ich schon, allerdings konnte sie auch Fragen zur Architektur der Burg gut beantworten. Ein kleiner Fehler unterlief ihr beim Erklären des Verhältnisses Gambeson zu Rüstung. Ich neige halt doch etwas zu Besserwisserei, ich konnte das dann nicht so unkommentiert stehen lassen. Sie schien es mir aber nicht übel zu nehmen.

Die Runde ist mit 50 Minuten angesetzt, wir waren etwas länger unterwegs, es wurde aber bis zuletzt nicht gehetzt.

Die Führung könnte man auch gut mit Kindern machen. Auch ansonsten ist die Runde größtenteils unproblematisch, sofern man den ersten Satz Stufen zum Eingang hinauf schafft. Dieser ist leider nicht zu umgehen, relativ eng und steil. In der Burg gibt es natürlich ebenfalls Treppen, im Vergleich zu diesem ersten Aufstieg sind diese jedoch harmlos – wer es bis zur Eingangstür geschafft hat, schafft auch die Burg. Enge, dunkle, schmale oder niedrige Räume, die man nicht vermeiden kann, gibt es nicht. Eine wirklich niedrige Tür führt in einen hohen, hellen Raum. Wer unter Höhenangst leidet, sollte weder die „Toilette“ (eine Art Balkon mit Plumpsklo), noch den eigentlichen Balkon betreten.

Zurück ging es dann auf anderer Strecke, durch Maria Enzersdorf.

 

Bis wir nach Mödling zurückkamen, war dann doch dringend ein sehr spätes Mittagessen fällig. Wir hatten beide keine Lust, uns etwas Neues zu suchen, und steuerten daher unser übliches Mittagsziel in Mödling an. Hatte den zusätzlichen Vorteil, direkt auf dem Weg zum Parkplatz zu liegen.

Es ist die „Kochkiste„, laut Website ein Bistro.

Optisch macht es nicht besonders viel her, weder von außen, noch von innen. Wer ein ansprechendes hübsches Ambiente sucht, ist fehl am Platz. Es ist alles sehr praktisch und rein funktional eingerichtet.

Mich würden die Plätze vorne im Raum nerven, aber es gibt einen kleinen Tisch neben der Theke, an dem man quasi in einer Wandnische sitzt. Perfekt. Nichts nervt außenrum. Allerdings kann es sein, dass man das Essen, das hinter der Theke zum Portionieren bereitgehalten wird, riecht.

Es gäbe alles auch zum Mitnehmen.

Es läuft weder Radio noch Musik, was in solchen kleinen Ein-Raum-Einrichtungen auch nicht selbstverständlich ist.

Gekocht wird vegan und vegetarisch, auch glutenfreie Gerichte gibt es. Ein Teil der Karte bleibt stabil, andere Gerichte sind saisonal. Die Auswahl, auch bei den Getränken, reicht von vollkommen üblich bis etwas ausgefallen.

Die Bedienung war bislang immer etwas „hopplahopp“, was für mich kein Problem ist, andere aber möglicherweise stört.

Geöffnet ist zwar bis 16 Uhr, aber die Küche schließt relativ früh, sodass die Auswahl nach hinten zu dann stark eingeschränkt ist.

Für uns gab es „Vegi-Burger“, nach Experimenten war mir nach dem Tag auch nicht mehr, dazu dunkeln Holundersaft. Richtigen, nicht Wasser mit einem Spritzer Holundersirup. Sehr gut.

 

Weil wir anscheinend noch nicht weit genug gelaufen waren, legten wir abends nochmal einen längeren Spaziergang ein und grasten die Gegend nach weiteren Pokémon ab.

Gelaufene KM (laut Handy-Log): 35,2

Das war unser Rekordtag in Kilometern bemessen…

 

Urlaubsreview – Tag 1

Park Laxenburg, Ritterfest.

Wo Ritterfest draufsteht ist auch Ritterfest drin. Es ist, zumindest aktuell, kein typischer Mittelaltermarkt. Der Turnierplatz auf dem es zuvor stattfand wird momentan renoviert, der aktuelle Veranstaltungsort ist eher überschaubar. Der Platz ist sehr gut ausgenutzt, der Aufbau gut durchgeplant. Gewandete sieht man nur wenige. Das ist auch gut so, denn ich habe nichts Passendes dabei.

Parken wäre theoretisch direkt vor dem Park möglich, es ist dann allerdings noch ein guter Fußmarsch durch den Park. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann mit der parkinternen Bimmelbahn fahren. Da wir allerdings nahe genug logieren haben wir kein Auto dabei.

Der Eintritt bewegt sich so im unteren Mittelfeld, allerdings muss man für den Parkeintritt extra zahlen. Addiert man beide Preise, ist es aber immer noch okay. Wer Pause braucht, kann das Gelände verlassen und später wiederkommen, Eintritt wird nur einmal fällig. (Für den Park nicht, wer den Park verlässt, zahlt beim Wiederbetreten erneut.) Wochenendkarten gibt es allerdings nicht, wer an beiden Tagen kommen möchte, zahlt auch an beiden Tagen Eintritt.

Die Stände sind sehr stark sortiert. Essen rechts, diverser Kleinkram links, Darsteller halblinks um die Ecke. Wirklich als „Lagerleben“ kann man den Bereich nicht bezeichnen, aber es sind ein paar Vereine da, die ihre Zelte aufgeschlagen haben.

Durch die strenge Aufteilung drängt sich zu bestimmten Uhrzeiten alles bei den Essenszelten. Die Schlangen werden dann sehr lang. Gleichzeitig hat man aber auch am anderen Ende den Markt fast für sich, wenn man dem Gewusel entgehen will. Selbst zu Stoßzeiten konnte man noch gut einen Sitzplatz unter dem Zelt bekommen, was aufgrund der Sonnenstärke auch dringend notwendig war.

Die Unterhaltung ist dem kleinen Gelände angepasst. Verteilt auf drei Örtlichkeiten –Bühne, abgezäunter „Turnierplatz“ und „Kinderlager“, und nie mehr als eines gleichzeitig. Sehr angenehm, dadurch entfällt die zusätzliche Beschallung von hinten durch parallel stattfindende Konzerte, die mich auf großen Mittelaltermärkten oft stört.

Musik: rhiannon; österreichische Band, vier Personen, historische Instrumente, Lieder historisch und Folk. Sprachen und Kulturkreise gemischt. Zwischenrein wird erzählt, aber nicht zu viel. Das ganze findet unplugged und ohne große Lautsprecher statt, wodurch man selbst direkt vor der Bühne einen gut erträglichen Klang hat.

Speis‘ und Trank: Von modern und vertraut, für Omnivoren ebenso wie für Vegetarier geeignet, bis zu typisch Mittelaltermarkt alles vertreten. Es sollte jeder was finden. Die Schlangen schwanken von nicht vorhanden bis sehr lang, aber man muss ja nicht grade dann was essen. Zum Nachtisch gebrannte Mandeln und kandierte Früchte in großer Auswahl, wer’s moderner mag, bekommt Softeis. Getränke ebenfalls breit in der Auswahl, von Dingen, die jedem bekannt sein sollten (Apfelsaft, Wasser, Bier, Limo) bis Met. Da ich in meinen Tagen im Mittelalter-Reenactment meine große Liebe zu vielen heute im kulinarischen Einsatz eher ungewöhnlichen Pflanzen entdeckt habe, freue mich besonders über die Brennnessel-„Limonade“. Ein Mokkazelt gibt es auch.
Am Ende wurden es für mich Bratkartoffeln und Holundersaft. Beides war hervorragend, der Saft gut gekühlt (Becherpfand ist mit 6 Euro nicht billig, es werden aber auch mitgebrachte Trinkgefäße gefüllt) und die Kartoffeln nicht übermäßig gesalzen.

Gaukler: Drei Jonglage-Acts. Wir kamen leider nur dazu, uns „Gaukler Alex“ anzusehen. Sein Programm ist klar für Kinder gemacht, aber auch so unterhaltsam.

Rittershow: Kreuzritterduell und Ritterturnier; Das Turnier mit sechs berittenen Rittern einer böhmischen Showtruppe findet jedes Jahr in leichter Abwandlung statt. Hier nur das Ende gesehen, die Witze sind größtenteils aus den Vorjahren recycelt, aber die Show (Schwertkampf, Lanze, Bogenschießen, Ringreiten, Tjost) ist durchaus sehenswert.

Dienstleister:

Massagezelt: Die Dame sehe ich auf diesem Markt nicht zum ersten Mal. Sie bietet Fuß- oder Rückenmassage an, hat ihre Qualifikationen bei der Hand. Ich habe Dauerprobleme u.a. mit extrem verspannten Muskeln in der Schulter und gab ihr vor einigen Jahren erstmalig die Gelegenheit, zu beweisen, dass Sie da „durchkommt“. Tut sie, also durfte sie erneut Hand anlegen. Sehr gut, jederzeit wieder. Jeder Masseur, der bei mir irgendeinen Knoten aus der Schulter bekommt, verdient sich einen Orden. Geld sehr gut angelegt.

Kartenlegerin: Ich finde das ja an sich wahnsinnig unterhaltsam. Nicht, weil ich dran glauben würde – würde ich das, würde es mir wohl wesentlich weniger Spaß machen. Ich sehe ihnen aber gerne bei der Arbeit zu, auch der Reaktion, wenn meine Reaktion nicht ganz so ausfällt, wie sie es sich erwarten, oder sie eben aus mir nicht die Hinweise bekommen, die sie normalerweise verwenden würden um zu entscheiden, wie sie weitermachen. Meine Mimik und Gestik ist eben sehr reduziert, wenn ich sie nicht absichtlich einsetze. Manche fangen sich dann sehr schnell, ich wurde auch schon darauf angesprochen, ob ich das absichtlich machen würde/trainiert hätte…Diese Frau „Myrabell“ kam damit gar nicht klar und brach das ganze sehr schnell ziemlich beleidigt (entnehme ich ihren Aussagen) ab. Naja. Kann man machen, dafür bekommt man aber keine Empfehlung. Nicht mal „nur so zum Spaß“, und zum wirklich glauben erst recht nicht.

Für Kinder: Kinderritterschlag (mit „Ritterkurs“ zuvor) – soweit ich gesehen habe gehen die Leute wie jedes Jahr sehr schön auf die Kinder ein, auch auf die, die sich nicht so sehr viel (zu)trauen.
Außerdem, immer wieder nett zuzusehen, Mäuseroulette.
Es gibt weitere Kinderaktivitäten, beim Kinderschminken wird mir schon vom Zuschauen ganz anders, weil ich so absolut kein Geschmier im Gesicht ertrage, da passe ich also schon mit Absicht nicht auf. Außerdem ein paar Bastelstellen.

Markt: Auswahl gut gemischt. Typische Mittelalterstände gemischt mit lokalen Produkten. Neben den Süßigkeitenständen gibt es Käse aus der Region (an diesem Tag leider mit wenig Auswahl, aber Versprechen, am nächsten Wochenende mehr mitzubringen), sowie Marmelade – ebenfalls aus der Region. Trinkhörner, Gewandung, Waffen, Felle und Leder decken den Mittelalterbereich ab, Spielzeug, andere Trinkgefäße, Schmuck den Fantasybereich und Mineralien und Fossilien gibt es auch. Alles in Allem ist die Auswahl für die geringe Anzahl an Ständen sehr gut gemischt, jeder sollte etwas finden.

Zwei Punkte noch: Mülleimer, oder hier in Österreich eher: Mistkübel, gibt es in ausreichender Menge und gut verteilt, es muss kein Müll auf den Boden geworfen werden und das Gelände bleibt auch gut sauber. Ein zweiter Toilettenwagen hätte aber nicht geschadet, man muss mit längerem Anstellen rechnen.

Fazit: Würde ich empfehlen, egal ob mit Kind oder ohne. Auch wer sich nicht sicher ist, ob „Mittelaltermarkt“ etwas für ihn ist, könnte hier gut einen ersten Eindruck bekommen. Die Lärmsituation hält sich in Grenzen, trotz Steckerlfischbrater keine Geruchsbelästigung, und die Menschenmassen kann man umgehen, da sich die Ansammlungen periodisch in einzelnen Bereichen bilden, während andere Teile des Markts eher leer bleiben.

 

Auf dem Rückweg Zwischenstopp im Eissalon Laxenburg.

Trotz riesiger Theke muss man unter Umständen länger anstehen, um Eis zum Mitnehmen mitzunehmen. Dieser Eissalon ist sehr beliebt, und mit gutem Grund, würde ich sagen.

Das Eis ist hervorragend. Viele Eissorten sind ständig im Angebot, weitere periodisch verfügbar. Laktosefreie Eissorten sind in großer Auswahl vorhanden und in der Karte schnell findbar markiert.

Das Innere ist sehr hell, und es ist fast unmöglich, andere Gäste auszublenden. Für mich eher etwas ungeeignet, aber nicht so schlimm, dass ich mich nicht reinsetzen würde. Vor allem die Tische in der kleinen Seitennische nahe der Theke sind OK.

Bedienung erscheint schnell und ist sehr freundlich. Unter den fertigen Eisbechern auf der Karte gibt es leider nur einen, den ich esse, aber erstens reicht das ja, und zweitens hat hier auch niemand ein Problem mit Umbestellungen. Die Bestellungen werden so aufgenommen, dass ein Verwechseln oder Vergessen unwahrscheinlich ist (Ich habe den Eisbecher sogar einschließlich der Änderung auf der Rechnung). Das Personal ist sehr aufmerksam wir können am Ende sehr zügig bezahlen.

Fazit: Jederzeit zu empfehlen, wer in Laxenburg Eis essen will… Hier wäre eine gute Idee.

 

 

Gelaufene KM: 12,3

Ich geh‘ im Urwald für mich hin…

Wie schön, daß ich im Urwald bin:
man kann hier noch so lange wandern,
ein Urbaum steht neben dem andern.
Und an den Bäumen, Blatt für Blatt,
hängt Urlaub. Schön, daß man ihn hat!
(Heinz Erhardt)

Das dachte sich mein Geschäftshandy wohl auch, als es wenige Stunden nach Ankunft meinte, neu starten zu müssen, und mich nun freundlich zur PIN-Eingabe auffordert. Die PIN liegt daheim auf dem Schreibtisch. Oder in meiner Unterlagenschublade. Oder auf dem Bücherregal. Oder…

Bei der Wahl – jemanden aus der Familie in mein Büro scheuchen um mir die PIN zu suchen oder eine Woche kein Geschäftshandy zu haben… naja, ist ja Urlaub, oder? Privathandy ist dabei, ich kann also telefonieren wenn unterwegs was ist.

Laptop habe ich dabei, irgendwann am dritten Abend beim Einschalten das Geräusch, das ich nur ungerne höre. Das drrrrt, drrrrt des Todes einer überarbeiteten Festplatte. Ich wusste, dass es bevorsteht, habe ein komplett installiertes Ersatzgerät im Gepäck, das dann auch prompt in Betrieb genommen wird.

Und prompt sperre ich mich – welches Passwort hatte ich schnell wieder? – aus meiner E-Mail. Die E‑Mail, die zu WordPress (und vielem anderen) gehört. Um die wieder freizuschalten, müsste ich mir nun per SMS einen Code aufs Handy schicken lassen. Wollt ihr raten, zu welchem Handy die dort hinterlegte Nummer gehört?

Genau.

Ich muss sagen, der Urlaub ist sehr angenehm ruhig. Vielleicht mache ich das nächstes Jahr mit Absicht.