Fremde im TV

Ich sehe echt nicht viel fern. Also eigentlich gar nicht. Schon deswegen nicht, weil ich es nicht für nötig gehalten habe, ein Kabel-Kabel in die Wohnung zu legen, die Satellitenschüssel abgeklemmt habe, und die Magenta-Box seit Lieferung in der Schachtel verstaubt.

Obwohl ich eine ganz ordentliche Anzahl an DVDs habe, laufen hier auch selten Filme. Das hat diverse Gründe, aber ein nicht zu unterschätzender ist der, dass es sehr anstrengend ist, einer Handlung zu folgen, wenn man nicht weiß, wer gerade im Bild ist.

Es gibt ja diese tolle Facebookfunktion, die erraten will, wer auf den Fotos ist.

Die hätte ich bitte künftig gerne im Fernseher fest eingebaut, sodass mir angesagt wird, wer was macht! Noch besser wäre, wenn mir das irgendwie direkt in die Brille projiziert werden könnte… Das wäre mal eine technische Spielerei, die ich voll unterstützen würde.

Die letzte Fernsehserie, die ich einigermaßen entspannt geschaut habe, war Shadowhunters. Da waren relativ wenige Figuren, die ich nicht auseinanderhalten konnte. Die Shadowhunters im Zweifel gut an ihren sichtbaren Runen zu identifzieren, Magnus Bane ohnehin, der Rest zum Glück ausreichend vielseitig in der Optik, dass die Zuordnung recht gut geht…

Good Omens habe ich letztes Jahr angeschaut, wobei die begrenzte Figurenanzahl und jahrelange Vertrautheit mit dem Material sehr hilfreich war.

Dann habe ich dieses Jahr The Handmaid’s Tale weggeatmet. Das war zuerst echt anstrengend, da mir durch die Farbcodierung mit Ausnahme einer einzigen „Handmaid“ zunächst mal nur die Zuordnung der Figuren zu ihrer jeweiligen „Kaste“ möglich war. Irgendwann fand ich heraus, dass ich in A*Prime Videos quasi als Overlay einblenden lassen kann, wer jeweils gerade in der Szene ist. Das half ungemein. Die letzte Staffel ging nur von DVD, dort setzte dann das Ratespiel wieder ein.

Ich habe diese Woche – wie es dazu kam, werde ich später mal erzählen – eine meiner eigenen ungeschriebenen Regeln gebrochen.

Ich bin nun im Marvel-Universum angekommen. Danke, Stephen, hab‘ ich voll gebraucht (offensichtlich).

Schuld daran ist eine Gruppe lieber Freunde, die vielleicht ein winziges bisschen zu genau wissen, wie ich ticke… oder einfach zufällig den richtigen „Knopf“ gedrückt haben.

Naja… in jedem Fall starte ich gerade einen Versuch, Avengers: Endgame anzusehen, und das nur minimal mit Vorwissen belastet. Was eventuell ohnehin kompliziert würde, macht die Gesichtsblindheit noch extra interessant.

Ich erkenne Menschen – an Kleidung, gelegentlich Frisur, Stimme, durchaus auch an Körperhaltung oder typischen Gesten. Also, weil wir gerade beim Filmschauen sind: Brad Dourif erkenne ich z.B. recht zuverlässig.

Ich will 3D schauen, da stören die Untertitel, der Mann ist nicht so firm im Englischen, also schaue ich alleine… und weil ich doch etwas Hilfe mit dem Film brauche, habe ich die oben erwähnte Freundesgruppe als helfende Hand in Discord bei mir.

Film schauen dauert etwas länger, wenn man immer mal wieder stoppen, mit dem Handy ein Foto vom Bildschirm machen und fragen muss „WER IST DAS? WAS TUT DER?“

„… ich dachte Hulk ist grün…“

An anderer Stelle fand ich mich dann doch relativ gut im Erkennen von Personen. Wenn auch die Präsenz von Namen in meinem Kopf beim Filmschauen anderer Universen eher zu wünschen übrig lässt, und sich gelegentlich die Schauspieler nur über andere Rollen identifizieren lassen.

Damit meine ich jetzt noch nicht mal:

„Oh, Tyrion! Warum ist Tyrion in diesem Film?“

sondern eher:

Ich: „Sag mal, ist das der Ausgeraubte?“
Hilfreicher Freund (HF) 1: „Dem wollen sie noch was wegnehmen.“
Ich: „Ja, aber ist das der Ausgeraubte?“
HF 2: „Ja, das ist der Ausgeraubte.“
HF 1+3: „Wie?“
HF 4: „Ritter aus Leidenschaft ist ein toller Film.“
HF 3: „Ja, müssen wir mal zusammen anschauen.“
HF 1: „Ach, der AUSGERAUBTE, ja, das ist er.“

Ich musste den Film übrigens auf Höhe „Tyrion“ mal stoppen und lasse jetzt erst mal den Inhalt sich setzen, bevor ich weiterschaue.

Wo reiche ich nun die Petition ein, dass sich Figuren im Film durchgängig nicht umziehen dürfen?

Da meine hilfreiche Truppe für solchen Blödsinn zu haben ist, heißt bei uns Rocket Racoon nun übrigens künftig Gucky und Stephens Umhang nur noch Whisper. Und ich freue mich jetzt erst mal auf den nächsten Abend, an dem ich Zeit und Hirnkapazität habe, um weiterzuschauen…

Eventuell habe ich vorbeugend schon mal Black Panther bestellt… Wakanda sieht ja in Infinity War schon einfach nur geil aus in 3D. Und soweit ich das bislang anhand von Bildern beurteilen kann, sind da auch die Kostüme ausreichend individuell, dass ich den Figuren einigermaßen folgen können sollte.

urbandoo

Nochmal Corona… und ich schätze mal etwas Werbung, für die ich nicht bezahlt werde und nichts bekomme.

Menschen und Mund-und-Nasenschutz sind ja so ein Ding… Die einen regen sich auf, die anderen nehmen es hin, die einen sind eh (aus beruflichen Gründen) dran gewöhnt, die Dinger tagein, tagaus zu tragen, die anderen nehmen es zum Anlass für wilde Horrorgeschichten, die ja eigentlich zum Schreien komisch wären, wäre die Situation weniger ernst… manche brüllen „aber die armen Kinder!“, schaut man sich dieselben an, sieht man, dass der überwiegende Teil der Kinder einmal mit den Schultern zuckt und tut, was er tun muss… viel „erwachsener“ als so viele Erwachsenen.

Mein Neffe, seines Zeichens damals noch 5, entdeckte den MNS für sich weil 1.) seine geliebten Ninjago-Ninja schließlich auch ein Tuch vorm Mund tragen in voller Rüstung – nur die Farbe musste eben zum Lieblings-Ninja passen – und 2.) weil er damit glatt ein Jahr älter geschätzt wurde.

Älter geschätzt zu werden ist für viele Erwachsene ja nun eher ein Graus als ein Wunsch. Mutieren etwa gerade deswegen aktuell so viele zur gefühlten mentalen Reife eines … ich mag nicht mal sagen Vorschulkinds, denn alle Vorschulkinder, die mir bislang persönlich begegnet sind, bekommen es hin mit dem MNS. Die wissen sogar, wo in ihrem Gesicht die Nase sitzt!

Ich finde es übrigens echt bedenklich, wenn Menschen, die die eigene Nase nicht identifizieren können etwa als ausreichend verständig eingestuft werden, um Auto zu fahren… das mal nur so am Range.

Nun gibt es zahlreiche Gründe, die ins Feld geführt werden, um keinen MNS tragen zu müssen. Teils kommt man sich vor, wie bei einem Wettbewerb – einem Wettbewerb der Geschichtenerzähler, und der die bizarrste Story findet, gewinnt. Anders kann ich mir die himmelschreienden Begründungen warum und warum nicht kaum erklären.

Ein unter Autisten in der Tat nicht von der Hand zu weisendes Problem ist die Sensorik. Ich möchte aber dringend anregen, erst die unterschiedlichsten Optionen durchzuprobieren, bevor man den Weg des Attests als aller-allerletzte Lösung geht – und dann natürlich mit sämtlichen Vorsichtsmaßnahmen gekoppelt, die man sonst so treffen kann.

Für mich selbst lag und liegt das Hauptproblem immer am Ohr. Masken mit Bändchen an den Ohren… Jo, ich geh‘ mal die Wand hoch. Andere Lösungen üben i.d.R. immer noch punktuellen Druck am Kopf aus, sind zwar nicht so schrecklich aber immer noch höchst unangenehm.

Zunächst nutzte ich also die Option „gefaltetes Halstuch“. Nicht optimal, aber besser als nichts. Die Suche nach einer optimaleren Lösung ging weiter…

bis mir ein freundlicher Zeitgenosse meinen ersten urbandoo® schenkte.

Das sind Loop-Schals eigentlich eher zum Schutz vor Umgebungsschmutz und Pollen entwickelt.

Was diese von anderen Loop-Schals unterscheidet ist zum einen mal das Filter-Inlay, laut Website der FFP3-Stufe entsprechend. Dieses lässt sich entnehmen (wer feinmotorisch besser dabei ist als ich, bekommt es angeblich raus und wieder rein, um den Schal zu waschen). Zwischenrein lässt sich Schal samt Filter zwecks Desinfektion bügeln.

Durch die formbare Nasenklammer und den Silikonstreifen am oberen Rand dichtet der urbandoo® wunderschön ab und vermeidet beschlagene Brillen. Ein Zugband erlaubt die Einstellung so fest am Kopf wie angenehm.

Da die ursprüngliche Funktion für Aktivitäten an der frischen Luft vorgesehen war, ist das Produkt auf angenehm freies Atmen ausgelegt.

Ich mag die Teile. Es gibt sie für Sommer und Winter. Die Winterversion ist deutlich kuscheliger. Ich würde davon abraten, im heißesten Sommer die tiefschwarze Version zu tragen, das wird nämlich ziemlich warm. Neben der etwas dämlichen Erkenntnis, dass ich mit Filter-Schal auch kein Problem mehr mit Bäumen habe, die versuchen, sich mit meiner Nase zu paaren, durfte ich schnell feststellen, das sich auch das Problem des schnell trocken anfühlenden Halses beim Einkauf in der Stadt in Wohlgefallen auflöst, und die sensorische Belastung durch Umgebungsgerüche sich viel leichter unter Kontrolle halten lässt.

Mein Fazit: Diese Schals bleiben mit Sicherheit auch nach Corona meine Begleiter, da sich für mich unterm Strich ein deutlicher Qualitätsgewinn ergibt.

Und wo bekommt man sie? Hier: https://www.urbandoo.net

LEGO Technic Bugatti Chiron (Set 42083) 26.08. – 02.09.

Draufsicht, vorderer Teil des Autos, Kofferraum geöffnet.Ein kleiner LEGO-Koffer ist eingesetzt.

Was macht man, wenn man „Dank“ Corona nicht viel unterwegs ist?

Man besinnt sich auf seine „Ursprünge“ und och ja, Lego könnte man auch mal wieder, oder?

Da ich das LEGO-Kaufen eigentlich eingestellt hatte, weil ich keinen Vitrinenplatz mehr habe, frei aufgestellte LEGO-Modelle Staub fangen als wäre die Disziplin olympisch und zerlegte LEGO-Modelle in Schachteln a) langweilig sind und b.) Platz wegnehmen, den ich für Bücher brauche.

Meine Mutter zu fragen, ob ich nicht etwa in deren Haus LEGO-bauen und insbesondere anschließend die Modelle lassen könnte, kam mir etwas unverschämt vor… bis sie es mehr oder weniger von selbst anbot – solange die fertigen Modelle dann Spielzeug für meinen Neffen werden und bei Bedarf wieder zerlegt werden können.

Deal!

Damit die Modelle etwas länger Bauspaß bieten – und weil ich nebenbei ja auch noch einen Vollzeitjob habe – wird die Baumenge/Bauzeit pro Tag begrenzt. Mein Neffe hilft, soweit er Lust hat und es sinnvoll machbar ist (Größe der Hände und Feinmotorik stören teils etwas.)

Das erste Großbauprojekt des Herbsts war der Bugatti Chiron

Stand am ersten Bautag:

LEGO-Bugatti - Innenleben . Oben im Bild ein montierter Block mit Motor, stangen und Zahnrädern. Vorne im Bild die zweite seite des Fahreuginnenlebens mit ansatzweise zu erkennender Achse. LEGO-Bugatti - Innenleben Seite 1. links ist ansatzweise die Achse zu erkennen, rechts ein L-förmiger Aufbau

Stand 27.08:

Die beiden Teile sind verbunden, der Motor ist links (später hinteres Fahrzeugende) eingesetzt. Erste blaue Teile markieren das Dach.

Stand 28.08.:

Der Motor ist unter blauen Karosserieteilen verschwunden. Die hinteren Kotflügel und das Dach über dem späteren Fahrersitz sind montiert.

Stand 29.08.:

Blick von hinten; eine biegsame Stange simuliert einen roten Leuchtstreifen horizontal über das Heck. Der Motor ist durch eine Öffnung zu erahnen.

30.08.: Seitenansicht, zu den vorherigen um 180% gedreht. Sitze sind motiert, Steine mit Aufklebern sollen wie hellbraunes Leder wirken. ein einzelnes hellblaues Teil markiert das Türscharnier.

31.09.:

Ergänzung Kotflügel vorne in hellblau. Unterer Teil der Tür rechts ist eingebaut.

01.09.

Ansicht von vorne. Die Karosserie ist beidseitig in hellblau angedeutet Seitenansicht. Türen (hellblau) sind eingebaut.

02.09.:

Das fertiggestellte Fahrzeug, hinten dunkelblau, Türen und Kofferraumabdeckung (vorne) hellblau; Räder montiert, der verstellbare Heckspoiler istausgefahren. Scheiben sind durch biegsame Stangen angedeutet, die jeweils den Rand markieren

Draufsicht, vorderer Teil des Autos, Kofferraum geöffnet.Ein kleiner LEGO-Koffer ist eingesetzt. Geöffnete Fahrertür mit Blick in den Innenraum und auf die Gangschaltung

Fazit: Das Bauen machte Spaß. Mit einigen Ausnahmen war es nicht einmal wahnsinnig tüftelig. Schade ist, was wir aber vorher wussten, dass das Auto zwar viele Funktionen, wie etwa eine eingebaute und theoretisch funktionierende Gangschaltung hat, aber keine Möglichkeit, diese wirklich zu betätigen. Eine Motorisierung ist nicht vorgesehen, Platz für Antrieb und Batterie bietet das Auto in der Originalform nicht.

Im Gebrauch als Spielzeug erweist es sich bislang als erstaunlich widerstandsfähig. In anderen Worten, es „lebt“ noch (Stand 21.10.)

Mit dem Arsch zuhause

„Normalerweise“ pendeln wir zwischen Bayern und Belgien. „Normalerweise“ verbringen wir zahlreiche Wochenenden im Jahr mit Reenactment kreuz und quer durch Europa, eine Woche im Frühjahr in England, ein Wochenende in Dublin, irgendwann mal ein langes Wochenende irgendwo im Ausland…

Ich war seit März nicht mehr in Belgien, wo nebenbei mein Pferd steht. Wir waren auf keinem Reenactment, keinem Mittelaltermarkt, keinem Flohmarkt, keinem Volksfest. Es gab keinen Englandurlaub, kein Dublin, kein anderes Land. Mein Neffe musste auf den Geburtstagsausflug, den er sich gewünscht hatte, verzichten.

Machen wir alles. Beschweren wir uns auch nicht groß, denn es muss nun mal gerade sein, aus gegebenem Anlass.

Aber wisst ihr, was mir langsam aber sicher wirklich, wirklich, wirklich auf den nichtvorhandenen Sack geht? Die „Aber ich brauche doch meinen Urlaub“-Brigade.  Ist es denn wirklich so schwer, mal ein Jahr mit dem Arsch zu Hause zu bleiben, und die Urlaubsserie fortzusetzen, wenn es wieder geht?

Sollte es daran liegen, dass ich nicht von klein auf daran gewohnt, war die jährliche Urlaubsfahrt als mein gottgegebenes Recht anzusehen, das ich auf Teufelkommraus unter allen Umständen und ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzen muss?

Jeder, der mich online nun begrüßt mit „Na, wie geht’s euch denn, wir kommen gerade aus dem Urlaub zurück“ kann sich jetzt über einen Freifahrschein auf die Aussortierliste freuen. Aktuell nehme ich das als Hinweis darauf, dass die Grundeinstellung dieser Personen mit der meinen schlicht nicht mehrt kompatibel ist.

Staubig…

Ist es hier.

Leider komme ich – ob nun trotz, wegen oder mit Corona – kaum zum Schreiben, egal in welcher Richtung. Vieles holen wir gerade nach, das über Jahre liegen blieb. Eine Wohnung lösen wir noch auf… Meine Schwester, die Schwester, von der ich in der Vergangenheit gelegentlich mit viel Stress geschrieben habe, ist diesen Sommer verstorben. Weder an noch mit Corona, aber auch nicht alkoholbedingt. Viel Ruhe ist nun eingekehrt. Vieles ist erledigt… vielleicht habe ich jetzt auch wieder Zeit, mehr zu schreiben.

Mal schauen.