Guter Tipp am Rande…

Braucht man gelegentlich. Vera Felicitas Birkenbiehl, Asperger-Kollegin und leider schon das sechste Jahr tot, sodass es – schade ist es – keine neuen Vorlesungen mit ihr mehr gibt… Aber immer wieder sehenswert.

Und falls jemand ganz viel Zeit hat – hier gibt’s das Ding in ganz:

 

 

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Historische Schlagzeilen: Girl Dressed as a Man

Historische Zeitungsartikel fördern immer mal wieder witzige und kuriose Dinge zu Tage. Hier ist einer, der mich regelmäßig erheitert


Mädchen als Mann gekleidet

New York, 20. Januar – „Sir“, sagte ein höflicher Polizeibeamter. „Sie sind ja eine Frau.“

„Sir“, sagte die gut gekleidete Fremde, die heute Nacht in Hosen auf einer Geschäftsstraße unterwegs war. „Das bin ich. Na und?“

Die Verhaftete war ein ruhiges Mädchen von 19 Jahren. Sie trug einen Gehrock aus gutem Stoff, einen grauen Männerfilzhut, eine Brille, Gamaschen und die Ausgehhandschuhe eines Mannes.

„Mein Name ist Marian Hamilton Gray“, sagte das Mädchen gefasst. „Und ich trage seit zehn Jahren Jungen- und Männerkleidung. Seit ich als Mann auftrete, habe ich auch Pfeife- und Zigarettenrauchen gelernt.“

Fräulein Hamilton gab an, dass ihre Verhaftung auf die Eifersucht einer wohlhabenden Dame aus Newark Valley, New York, zurückzuführen war, die sie gerne geheiratet hätte.

Im Nachtgericht stellte der Richter fest, dass sie keineswegs gegen das Strafgesetz verstoßen hatte, und sie wurde auf freien Fuß gesetzt.


The Evening Statesman, Walla Walla, Washington, 21. Januar 1910.

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Gefunden auf http://yesterdays-print.com

Trockenshampoo

Die Sache mit dem Haare waschen war schon immer ein Problembereich für mich. Solange ich mich erinnern kann, hatte ich Horror davor. Dabei kommen unterschiedliche Sachen zusammen. Wasser von oben, das Gefühl, wenn mir das Wasser über den Kopf läuft, das Risiko, davon etwas in meine extrem überempfindlichen Augen zu bekommen (selbst Wasser vom Abspülen ist für mich extrem schmerzhaft und führt dazu, dass ich einige Zeit nur verschwommen sehe und stark gerötete Augen habe), dann der anhaftende Geruch an den Haaren…

Lösungen – nun ja, hinauszögern, solange es geht, möglichst geruchsneutrales oder direkt für mich angenehm selbst gemachtes Shampoo, nie unter der Dusche sondern immer in der Badewanne, ohne Brause, mit Zurücklegen ins Wasser…

Nun ist ja heute der Geburtstag meines Mannes, und ich meine Haare hätten vor dem Geburtstagskaffee dringend nochmal gewaschen gehört.

Andererseits brauchte ich den Stress jetzt gerade aber echt nicht.

So fiel dann die Entscheidung, JETZT das auszuprobieren, was ich neulich im Laden mitgenommen habe, mit dem Gedanken: Das schauste dir mal in Betrieb an…

Im schlimmsten Fall hätte es dann nicht funktioniert, und ich hätte doch noch waschen müssen…

 

Laut Packungsaufschrift: Aufsprühen aus 20 cm Entfernung (Haarspray störte mich früher zumindest nicht, also wenig Bedenken meinerseits), kurz eintrocknen lassen, durchfrottieren und ausbürsten.

Im ersten Anlauf zu sparsam. Im zweiten okay. Ergebnis kann man sehen. Wasser nicht notwendig. Den Geruch finde ich OK, allerdings habe ich danach schon ausgesucht beim Kaufen.

Vom Gefühl her würde ich sagen, für immer ist es nichts, aber um an einem Tage, der ohnehin schon erhöhten Stresspegel hat, nicht auch noch Wasser auf dem Kopf haben zu müssen und trotzdem ordentlich aus dem Haus zu gehen, ist es allemal OK.

Wir sind keine Muggel

Man sagt uns ja gerne mal fehlende Fantasie nach… Darüber kann man sich in meiner Familie nicht beklagen. Wir waren schon immer gut drin, „in“ Büchern und Filmen zu „leben“, und praktizieren das mit Hingabe – und zwar die NTs und die Autisten gleichermaßen.

Die sogenannte „vierte Wand“?  Ist bei uns vornehmlich dazu da, durchbrochen zu werden. Einen Roman zu lesen, einen Film zu schauen, ohne irgendwie mit dem Inhalt zu „interagieren“… dafür fehlt uns irgendwie häufig der Ernst.

 

Irgendwie musste ich heute dran denken, wie der letzte Harry-Potter-Film im Kino lief. Das war, glaube ich, das letzte Mal, dass ich ein Kino betreten habe. Wir hatten Tickets für die ganze Familie. Vorpremiere.

Wir traten familienintern zu sechst an: Meine Mutter, drei erwachsene Töchter und zwei Söhne im Teenageralter; dann noch dazu noch etliche Freunde und Bekannte. Alles in Allem hatten wir zwei komplette Reihen gebucht.

Am Vorabend liefen ich weiß nicht mehr wie viele Filme am Stück, und direkt nach Mitternacht der letzte Teil. Bei Teil 7/1, dem letzten vor Mitternacht, habe ich dann schon nicht mehr wahnsinnig viel vom Film mitbekommen… außer, dass der Film-Scabior optisch voll in mein Beuteschema passte. Ich hangelte mich also von einer Szene zur nächsten, ließ den Rest so auf mich einrieseln… und meinte im Abspann zu den neben mir Sitzenden in etwa, es würde mir jetzt reichen, wenn ich Film-Scabior aus der Leinwand ziehen könnte, den letzten Teil müsste ich anderweitig gar nicht anschauen.

Kommentar meiner Mutter: „Das willst du nicht, der ist doch dumm wie zehn Meter Feldweg.“

Ich: „Also, ich wollte mich eigentlich nicht mit ihm unterhalten…“

Staubtrockener Kommentar einer Freundin in todernstem Tonfall: „Johanna, du sollst keine Todesser aus dem Film ziehen. Das ist erstens gefährlich fürs Publikum und stört zweitens massiv die Handlung.“

Dem schlagenden Argument konnte ich mich dann nicht verwehren. Scabior blieb im Film 😉

 

Zwei Tage später, Essen bei meinen Eltern. Mein Bruder kommt kopfschüttelnd zu mir.

„Du hast dich doch im Kino fürs Popcorn on Slytherin-Schalter angestellt. Das geht nicht. Muggelgeborene können nicht in Slytherin sein.“

Ich überlege gerade noch, was ich darauf sage, da kommt meine Mutter um die Ecke, nimmt meinen Bruder an der Schulter und drückt ihn auf einen Stuhl, stellt sich vor ihn und sagt, im Ton einer unendlich wichtigen Ankündigung: „Kind… ich muss dir was sagen.“

Totenstille im Raum.

Meine Mutter holt einmal tief Luft, dann: “ Eigentlich solltest du das nicht SO erfahren… Wir sind keine Muggel: Du bist ein Squib.“

Wenn’s regnet, dann volle Suppe…

Alle Uhrzeiten gerundet.

 

Mittwochabend, 18:00 Uhr: Mein Router gibt den Geist auf.

 

Mittwochabend, 18:25 Uhr: 5 Minuten vor Ladenschluss stehe ich im T-Punkt. Die Strecke dauerte etwas länger, Baustellen.

Mein Zustand: Genervt.

Verkäuferin: Nervig.

„Sind Sie sicher, dass er kaputt ist?“ – „Ja.“

„Was leuchtet denn?“ – „Nichts.“

„Auch keine POWER-Lampe?“ – „Nein.“

„Dann ist der Router kaputt.“ – Augenrollend: „Danke, sehr freundlich, zu der Diagnose bin ich auch schon gekommen.“

„Ist das ein Leihgerät oder ein gekauftes?“ – „Gekauft.“

„Haben Sie die Quittung noch?“ – „Das Ding ist acht Jahre alt: Nein.“

„Sind Sie sicher, dass nichts geht?“ – „Ja.“

„Haben Sie bestimmt auf die POWER-Lampe geschaut?“ – „JA.“

„Das ist echt komisch, sind Sie sicher?“

Ich: Stelle den Router und das Netzteil, beides wohlweislich eingesteckt, etwas schwungvoller auf den Tresen als streng genommen notwendig.  – „Probieren Sie’s aus.“

„Nein, nein, nein, ich glaub’s Ihnen schon!“ – „Fein, ich hätte jetzt gerne eine neuen Router…“

„Wenn Sie keine Quittung mehr haben, gibt’s den aber nicht auf Garantie…“

Ach. DAS hat sie sich gemerkt… „ACHT JAHRE ALT. Nix Garantie. Neuen Router. Bitte heute noch.“

Sie macht immer noch keine Anstalten, einen zu holen.

„Haben Sie Ihre Zugangsdaten?“ – „Werd‘ ich schon.“ Null Bock, ihr jetzt auseinanderzusetzen, dass ich hier für das „Privileg“ zahle, meine Zugangsdaten nicht zu BRAUCHEN (davon abgesehen hätte ich sie natürlich).

„Weil ohne Zugangsdaten können Sie ihn nicht einrichten.“ – In möglicherweise nicht mehr ganz angemessenem Tonfall und mit dem Gedanken daran, dass ich GARANTIERT in meinem Leben mehr Netzwerke und Router eingerichtet habe als sie: „Wenn Sie heute noch Feierabend machen wollen, würde ich an Ihrer Stelle jetzt endlich einen Router verkaufen und den Rest mein Problem sein lassen…“

 

19:20 Uhr: Ich bin auf dem Rückweg. Frage mich trotz des eigenen Geschlechts, wie zum Kuckuck man eine Frau im Telekommunikationsladen arbeiten lassen kann.

Naja, es sagte ja schon Michael Mittermeier: Es kommt nicht auf die Anzahl der Bremser an, sondern auf ihre QUALITÄT. Und mal im Ernst: Warum komme ich immer an die größten Bremser, wenn ich gerade eigentlich gar keine Zeit habe?

 

19:55 Uhr: Ich bin zu Hause. Stecke den neuen Router an. Geht nicht.

 

20:05 Uhr: Erster Anruf beim Telekommunikationsunternehmen mit dem rosa T.

Hotlinemitarbeiterin schaltet Diagnose, meint, sie schickt mir einen Techniker, da sei was mit der Leitung. Wird aber Samstag. Also, genau genommen KANN sie mich für DO/FR bei einem Techniker einbuchen, aber die stünden schon alle auf „gelb“, und es würde ein Risiko bestehen, dass der Termin storniert würde. Dann käme er vielleicht auch erst Montag. Samstag könnte sie mich fest und garantiert einbuchen, einschließlich Uhrzeit 13 Uhr.

Okay, Handytethering ist ja zum Glück durchführbar, und mein Datenvolumen auch ganz OK… machen wir Samstag.

Muss der Techniker ins Büro? – Nein, sagt sie, bestimmt nicht, nur an den Hausanschluss.

Naja, ich stelle mich mal vorsichtshalber trotzdem drauf ein.

 

Donnertag Vormittag:

Anruf von der Telekom, „Umfrage“, ob ich mit der Problemlösung zufrieden sei da ich ja gestern die Hotline kontaktiert hätte.

Naja, das Problem ist ja nicht gelöst, und ich finde es nicht sooo lustig, bis Samstag zu warten, aber gut…könnte schlimmer sein. Brauche den Anschluss halt, und Handytethering läuft zwar, aber mein Datenvolumen schmilzt weg…

Ob ich kurz in der Warteschleife bleiben könne.

Klar. Kann ich.

Der Herr taucht nach einigen Minuten wieder in der Leitung auf. Ob es für mich OK wäre, wenn sie mir einfach bis Samstag den Speed- und Daten-Cap vom Handy nehmen.

Das heißt: Ich surfe drei Tage lang kostenlos mit höchster Geschwindigkeit übers Handy, bzw. am Computer, indem ich das Handy als Modem verwende.

Damit kann ich in der Tat gut leben.

 

Donnerstag/Freitag:

Ich finde raus, dass auch LTE nicht reicht, um Dateien im Bereich von 50 MB ohne Abrisse zu übertragen. Ein Hoch auf den Anwohnerhotspot, den wir hier haben. Dazu muss ich zwar ans andere Ende vom Haus, und ich finde es auch nicht so toll, Arbeitsdateien über ein relativ öffentliches Netzwerk zu verschicken, aber es geht…

 

Samstag,

12:55 Uhr: Techniker ruft an, ob er in 5 Minuten kommen kann.

13:00 Uhr: Techniker steht, schlag ein Uhr (Kirchturmuhr gegenüber, und ich war recht amüsiert ob der Pünktlichkeit) auf der Matte.

Oh nein, es müsste doch natürlich schon ins Büro… die Aussage war falsch.

Ich hasse fremde Menschen in meinem Büro, aber FEIN, machen wir mal. Ein Glück, dass ich es schon erwartet hatte.

Diagnose Punkt 1: der neue Router ist im A*** – DOA nennt man das, Dead on Arrival. Er führt seine Setup-Funktion nicht aus.

Diagnose Punkt 2: die Leitung geht trotzdem nicht.

Techniker geht nach etwas rumprobieren, Mosern über meine TAE-Dose (die seiner Ansicht nach an einem anderen Ort angebracht werden sollte…) allgemeinem Fluchen, Schimpfen und Motzen darüber, dass er eigentlich Feierabend will und Morgens schon so einen komplizierten Auftrag hatte… immerhin konnte ich zwischenrein die größeren Ergüsse zum Thema was alles warum eventuell nicht funktionieren könnte, mit dem Kommentar abgewürgt, er solle mir keine Märchen erzählen, ich war selbst 10 Jahre Techniker, bei mir herrschen entweder klare Aussagen oder Arbeiten in Stille.

Hach ja, hätte er mich gesiezt, hätte ich mich zusammengerissen, aber wer ungefragt sofort zum „Du“ übergeht, muss damit leben, auch angesprochen zu werden, als sei er ein Bekannter.

Er fuhr (Siehe Eintrag zum Thema Mamagei), um im Verteilerzentrum den Anschluss zurückzusetzen und bei Bedarf umzustecken.

 

15:10 Uhr:

Er ruft an, teilt mit, dass er fertig ist, geprüft hat, alles läuft, ich könne den Router tauschen gehen.

 

15:45 Uhr:

Ich stehe wieder kurz vor Ladenschluss im T-Punkt und erkläre meinen Umtauschwunsch. Dem wird auch zügig stattgegeben.

 

16:15 Uhr:

Der neue Router ist angesteckt, hochgefahren, läuft.

 

16:30 Uhr:

Der neue Router läuft nicht mehr.

 

16:31 Uhr:

Anruf bei der Hotline.

 

16:45 Uhr:

Rückruf von der Hotline. Könnte länger dauern.

Hallo, hier, Arbeit usw.?!

„Sie können Montag früh in den T-Punkt gehen und sich zum überbrücken kostenlos einen Surfstick holen.“

Oh, okay.

 

17:00 Uhr:

SMS: Behebung des Problems noch nicht abgeschlossen, wir machen Montag weiter und melden uns.

 

Montag, 9:00 Uhr:

Ich stehe beim T-Punkt auf der Matte und wünsche einen Surfstick.

„Haben wir leider nicht auf Lager. Aber wenn Sie ein übriges Gerät haben, können Sie eine Datenkarte haben.“

Okay. Opfere ich halt mein Privathandy dafür.

 

9:45 Uhr:

Ich warte darauf, dass die Datenkarte aktiviert wird.

Plötzlich springt mein Router auf „online“.

Ich stecke alles ein, lade meine E-Mail herunter, hoch, etc.

 

9:55 Uhr:

Hotline ruft mich an.

Info: Achtung, es wird nur 15 Minuten gehen, also jetzt noch 5 Minuten. Problem ist Folgendes: Der Router ruft die Daten ab, aber offenbar nicht korrekt, beim Abgleich wird dann eine Abweichung festgestellt, und die Verbindung getrennt.

Vermutlich war der Herr am Samstag zu schnell und hat irgendwo einen Haken falsch gesetzt oder so… Am einfachsten wäre es, ich würde von mir aus den Router mit dem Kundenzentrum synchronisieren.

Versuch schlägt fehl, weil Fehlermeldung, mit der keiner von uns gerade was anfangen kann.

Die EasyLogin-Funktion abzustellen… würde helfen, nur finden wie die Funktion auch nicht.

Der Herr muss noch dringend einen anderen Kunden zurückrufen der ständig anklopft. Wir einigen uns drauf, er meldet sich in einer Stunde nochmal. Es ist inzwischen ca. 10:45 Uhr.

 

Da sitze ich also… und denke.

Und ich war ja wirklich 10 Jahre selbst Techniker.

Nach zehn Minuten wird es mir zu blöd. Im schlimmsten Fall mache ich jetzt den Router kaputt und die 160 Euro dafür sind weg, aber das ist mir gerade egal.

Ich schalte mich also in meinen Router, und editiere die hinterlegten Daten… von Hand. Im Editor.

Starte den Router neu.

Siehe da – es geht.

 

11:15 Uhr:

15 Minuten sind rum. Es geht immer noch.

 

11:30 Uhr:

Es geht

 

11:45 Uhr:

Es geht

 

12:00 Uhr:

Es geht. Wir gehen essen.

 

12:08 Uhr:

Rückruf von Hotline. Ich bin grad im Auto, kann nicht rangehen.

Auf der Mailbox finde ich eine komplett perplexe Nachricht vor. Er hätte ja nur die Mailbox erreicht, aber es wohl auch nicht mehr notwendig, denn er sähe, die Verbindung sei jetzt da und stabil, er hätte absolut keine Ahnung, was ich gemacht habe, aber irgendwas MUSS ich ja gemacht haben, und er würde im Lauf des Nachmittags nochmal anrufen, wenn er irgendwann Zeit hat… Sollte es nochmal Probleme geben, bitte ihn direkt unter folgender Nummer kontaktieren, und falls er bis morgen früh nichts gehört hat, schließt er die Störung als behoben ab.

 

13:30 Uhr:

Mein Internet läuft immer noch.

(Und außerdem habe ich noch 5 GB kostenloses Datenvolumen fürs Handy extra, weil die Datenkarte inzwischen freigeschaltet ist, und die nette Dame im T-Punkt heute Morgen, die die Ehre der weiblichen Telekommunikationsmitarbeiter gut gerettet hat, meinte, ich solle das Volumen ruhig aufbrauchen, auch wenn die Störung weg ist.)

Man sagt Tschüß!

Wir haben seit Mittwoch nur sehr eingeschränkt Internet. Störung. Nicht beschweren kann ich mich über unseren Telekommunikationsdienstleister, denn der gibt sich größte Mühe, dafür zu sorgen, dass wir dadurch keine Einschränkungen haben und stellt alternative Zugangsmöglichkeiten zur Verfügung.

Nun hatten wir heute den Techniker im Haus. (Danach ging es ca. 30 min… Nun singen wir wieder das Loblied aufs Handytethering.)

Über Jahre habe ich versucht, dem Mamagei klarzumachen, dass man  „Tschüß“ sagt, wenn jemand das Haus verlässt. Sie hat es mir nie so recht geglaubt.

Vor einigen Wochen war es dann erstmalig soweit. Der Kaminkehrer war da. Als er ging, rief ihm der Mamagei ganz artig ein „Tschüß!“ hinterher. Er kehrte um und verabschiedete sich von ihr.

Am Dienstag lieferte der Antiquitätenhändler unseres Vertrauens die neuen Einkäufe. Neue alte Bücherregale. Als er ging, sagte der Mamagei brav „Tschüß!“ Er und sein Hilfsträger drehten um und verabschiedeten sich vom Mamagei.

Als nun heute der Techniker ging, sagte der Mamagei – genau – lieb und ordentlich „Tschüß“. Der Techniker reagierte nicht sondern ging weiter die Treppe hinunter.

Und der Mamagei rief ihm laut und deutlich hinterher: „Man sagt TSCHÜSS wenn jemand geht!“

 

Okay… Offenbar hat Geierchen auch verstanden, was man sagt, wenn jemand den Gruß verweigert…

 

Du willst WAS?

Wir haben kürzlich angefangen, eine Fernsehserie zu schauen. Passiert eher selten, wir haben zwar massig DVDs, schauen aber kaum. Diese hat uns aber beide so erwischt, dass wir uns schon mit Gewalt dazu zwingen, nur zu schauen, wenn wir wirklich Zeit haben, das zu zelebrieren.

Der Mamagei schaut auch mit. Sie findet die Serie toll und hat sich umgehend in die weibliche Hauptfigur verliebt. Kaum kommt die ins Bild, geht es los.

Mamagei wirft sich in Positur und flötet: „Schönes Vogele, süße Vogele, hüüüübsches Vogele!“

 

Weibliche Hauptfigur küsst männliche Hauptfigur.

Mamagei geht in Angriffsposition, Federn aufgestellt, aggressiver Blick. „Nein! Aus! Blöder Geier! Absteigen!“

Den „Vogel abgeschossen“ hat sie aber gerade eben.

 

Eine Nebenfigur die ich schon seit längerem mag, stellte sich als Verräter heraus, wurde dann gefasst, verletzt und ein bisschen gefoltert.

Ich: „Eigentlich will ich ihn doch nur knuddeln und lieb haben und ihm Suppe kochen.“

Mein Mann: *grinst*

Hodge im Fernsehen sieht aus, als würde er gleich anfangen, zu weinen.

Ich: „Vergiss das, wo sind die Papiere, ich will ihn adoptieren.“

Mamagei: „Du willst WAS?!“

Mein Mann: *lacht so sehr, dass er dabei vom Sofa auf den Boden rutscht.*

 

(Im Gegensatz zu den beiden obigen Beispielen, bei denen sie ganz genau das ausdrücken wollte, was sie gesagt hat, war das letzte wohl eher eine Imitation meiner Reaktion, wenn sie einfach nur unkoordinierte „ich will“-Geräusche macht… Wir mussten trotzdem erst mal die DVD stoppen um fertigzulachen.)

… und Montags Spaghetti

Es kommt immer mal wieder vor, dass sich bestimmte Themen auf seltsame Weise häufen. Nachdem wochen-, monate-, jahrelang niemand etwas davon erwähnt hat, taucht es plötzlich ständig auf.

So ein Thema fällt mir in letzter Zeit immer wieder auf, im Gespräch und beim Lesen auf Foren. Eltern autistischer Kinder sprechen von den „Essstörungen“ ihrer Kinder. Auch einige Autisten selbst listen „Essstörung“ in der Reihe ihrer Problematiken auf.

Da muss ich mich jedes Mal fragen: Sprechen die wirklich von Essstörungen?

Wissen die, was Essstörungen sind?

*

Ich zitiere mal Wikipedia, da die Definition dort recht eingängig ist:

“ Mit Essstörung bezeichnet man eine Verhaltensstörung mit meist ernsthaften und langfristigen Gesundheitsschäden. Zentral ist die ständige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Thema „Essen“. Sie betrifft die Nahrungsaufnahme oder deren Verweigerung und hängt mit psychosozialen Störungen und mit der Einstellung zum eigenen Körper zusammen“

https://de.wikipedia.org/wiki/Essst%C3%B6rung

 

In der Liste der Essstörungen findet man Anorexie, Bulimie, Esssucht, und anderes

 

Der ICD-10 – die Diagnoserichtlinien – nennt unter den Essstörungen:

Anorexie (Magersucht) in allen möglichen Varianten – “ durch einen absichtlich selbst herbeigeführten oder aufrechterhaltenen Gewichtsverlust charakterisiert.“;

Bulimie  – durch „wiederholte Anfälle von Heißhunger und eine übertriebene Beschäftigung mit der Kontrolle des Körpergewichts charakterisiert“

Essattacken – Übermäßiges Essen als Reaktion auf belastende Ereignisse

Erbrechen bei psychischen Störungen

Pica

Psychogener Appetitverlust.

 

Es gibt jedoch auch viele andere Gründe, seine Ernährung einzuschränken, oder auch ungewöhnlich zu gestalten.


Das Meiden bestimmter Lebensmittel aufgrund von Allergien oder Unverträglichkeiten ist KEINE Essstörung.

Das Meiden bestimmter Lebensmittel aufgrund von Krankheiten wie Zöliakie ist KEINE Essstörung.

Das Meiden bestimmter Lebensmittel aus religiösen Gründen ist KEINE Essstörung

Das Meiden bestimmter Lebensmittel aus ethischen oder anderen Gründen ist KEINE Essstörung

Das Meiden bestimmter Lebensmittel aus kulturellen Gründen ist KEINE Essstörung

Sich einfach aus „Spaß an der Freude“ für eine vegetarische oder vegane Lebensweise zu entscheiden ist KEINE Essstörung.

Das Meiden von Lebensmitteln, die als ekelhaft empfunden werden ist KEINE Essstörung (sonst sind bald noch alle essgestört, die etwa keine gerösteten Insekten essen mögen).

Das Meiden von Lebensmitteln, die nicht dem eigenen Geschmacksvorzug entsprechen, ist KEINE Essstörung.


 

Wie ist das nun mit den Autisten und dem Essen?

 

Ich kann nur für mich sprechen, aber es gibt einige Dinge, die mich beim Essen beeinflussen.

 

Das Offensichtlichste zuerst: Geschmack/Geruch.

Durch die fehlenden Filter nehme ich beides schon in sehr geringen Mengen sehr stark wahr. Ein Geruch/Geschmack, der mir sehr unangenehm ist, ist der der Gurke. Ich finde diese Geschmacksnote ekelerregend.
Das heißt für mich: Ich kann nicht einfach die Gurkenscheibe vom Sandwich nehmen und den Rest des Sandwichs essen. Ich schmecke die Gurke weiterhin, da der Geruch am restlichen Belag klebt. Wenn ich Pech habe und ein Sandwich erwische, das in einem engen Raum (dem Kasten an der Autobahnraststätte etwa) neben einem Sandwich mit Gurke lag, reicht das schon. Es ist nicht mehr genießbar. Stellt euch einfach mal vor, ihr würdet versuchen, ein Brot zu essen, das lange genug neben einer Pfütze Erbrochenem lag, um den Geruch anzunehmen. Viel Spaß.

Da ich Gerüche (das meiste, was wir als „Geschmack“ bezeichnen, sind ja in der Tat Gerüche) sehr intensiv „abbekomme“, werden sie mir vor allem in Kombination auch schnell zu viel. Stellt euch vor, es wäre doppelte oder dreifache Menge Glutamat ins Essen geraten.

Alternativ, denkt an das Phänomen „Amerikanische Süßigkeiten“. Wie oft hört man, dass Süßigkeiten aus den USA einfach nur künstlich und ekelhaft süß schmecken? Wie oft hört man, dass sich Leute „da drüben“ freuen, wenn wir ihnen was von unserem Süßkram schicken? (Ich habe auch ein paar Amerikaner, die ich mit Süßigkeits-„CARE“-Paketen versorge – im Gegenzug gibt es Bücher.)

Diesen Effekt des „zu viel“, bei dem neben dem Hauptgeschmack – „Süß“, „Sauer“, etc. – nichts anderes mehr durchkommt, habe ich auch bei anderen Dingen.

„Süßsauer“ geht gar nicht, das überlastet meine Geschmackswahrnehmung so, dass ich nach ein bis zwei Bissen nichts mehr runter bekomme.

 

Ein ähnlicher Effekt, bei dem ich schon nach wenigen Bissen „satt“ bin, tritt ein, wenn ich zu viele Geschmacksnoten mische. Das „satt“ ist in dem Fall so zu verstehen, dass der Körper aufgrund der Überladung mit unterschiedlichen Eindrücken die weitere Aufnahme verweigert. Der Hunger kommt dann wieder, sobald sich das etwas gelegt hat, was durchaus eine Weile dauern kann, bei einer Mischung ohne „Dominanten“ Geschmack bei mir aber glücklicherweise nicht allzu viel Zeit benötigt.

Ich mische Essen auf dem Teller nur, wenn ich es nicht vermeiden kann. Soßen, Ketchup, Zucker, Salz, was auch immer man normalerweise auf dem Essen verteilen würde, kommt bei mir an den Tellerrand. Dann wird Bissen für Bissen nach Bedarf und Kapazität eingetunkt.

Ausnahmen mache ich bei einigen wenigen Dingen, die entweder für mich nicht stark ins Gewicht fallen (es gibt tatsächlich auch Gerüche/Geschmacksnoten, auf die ich Hyposensibel reagiere, die ich also weniger stark wahrnehme als andere), oder ganz bestimmte Soßen, die ich seit Jahren oder Jahrzehnten unverändert kenne, und für die ich daher eine Art speziellen künstlichen Filter aufgebaut habe – eine Toleranz sozusagen. Die in meiner Familie gekochte Tomatensoße für die Spaghetti wäre dafür ein Beispiel.

 

Für den NT ist es wohl relativ leicht, einen unangenehmen Geschmack durch Trinken von Wasser oder Abwarten loszuwerden.

Ich hingegen habe den unter Umständen noch stundenlang im Mund, und da unangenehm oft sehr intensiv wahrgenommen wird, übertönt er dann alles andere.

Dafür habe ich ein paar wenige für mich angenehme Gerüche, die ich ebenfalls sehr intensiv wahrnehme, und die ich zum „überdecken“ verwenden kann.

Das erste Mal, dass ich das regelmäßig gemacht habe, habe ich es noch nicht mal mit Absicht getan. Ich hätte damals keinem sagen können, warum genau ich das mache… aber ich hatte damals eine seltsame „Liebe“ für Pullmoll Wildkirsch entdeckt. Es musste exakt diese eine Geschmacksrichtung sein, und über Jahre hinweg hatte ich fast ständig eines davon im Mund.

Leider ist das Zeug zuckerfrei, und auf der Dose steht so schön „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“. Das habe ich lange einfach ausgesessen – die Gewöhnung erfolgte leider nicht so hundertprozentig – aber irgendwann im zweiten oder dritten Studiensemester kam der Punkt, an dem ich den übermäßigen Verzehr wirklich einstellen musste. Das war auch in etwa der Zeitpunkt, an dem mir der Sinn hinter meinem Pullmollkonsum dann plötzlich recht deutlich klar wurde.

Heute habe ich üblicherweise Zitronenbonbons in der Tasche, wahlweise Fisherman’s Friend (Zitrone, im Notfall auch die „normalen“), und eine Tüte FF im Auto liegen. Auf die annähernd ununterbrochene Verwendung verzichte ich allerdings.

 

Ein zweiter großer Punkt für mich ist die Textur.

Neben dem Geschmack ist auch das Gefühl des Essens im Mund relevant.

Für mich persönlich ist es sehr wichtig, dass mein Essen nicht glatt ist, sondern texturiert.

Beispiel Kartoffelpüree: Selbstgemacht aus gestampften Kartoffeln hat es eine unregelmäßige Textur, die ich angenehm finde und gerne essen. Angerührt aus der Tüte ist es glatt, einheitlich, ohne „Unterbrechung“ der Masse, und löst in meinem Mund das Gefühl aus, als würde sich dort drin etwas glitschiges, glibberiges, rutschiges und sehr selbständiges im Mund. Klingt nicht besonders angenehm, oder?

Genau… ist es auch nicht.

Deshalb esse ich auch Suppe ungern ohne Einlage. Geröstete Brotwürfel, Backerbsen, oder auch einfach nur eine großzügige Zugabe von geschnittenem Schnittlauch machen die Suppe essbar. Außer, die Suppe ist ohnehin dick und texturiert, wie die Kartoffelsuppe meiner Mutter. Dann ist sie sowieso essbar. Allerdings habe ich auch dann gerne ein Butterbrot daneben, von dem ich zwischenrein mal einen Bissen zugeben kann.

Anderes Beispiel: Der Spinat mit dem Blubb schmeckt toll, aber bitte nur mit Rührei kombiniert, sonst habe ich da nämlich auch ein Konsistenzproblem. Pudding ist mir am liebsten, wenn er kleine Klumpen hat, also so, wie er eigentlich nicht sein soll. Grießbrei ist toll, weil er richtig zubereitet seine Textur nicht verliert.

Mittel der Wahl gegen andauerndes Geglibber im Mund noch Stunden nach der Mahlzeit: Tüte Kartoffelchips. Die sind schön hart, bröselig und können bei mir zum Überdecken „herhalten“.

 

Ähnlich ist mein Verhältnis zu Bandnudeln. Eigentlich mag ich alle Arten von Pasta gerne. Mit Bandnudeln allerdings stehe ich auf Kriegsfuß. Da habe ich gefühlt den Mund voll (lebender) Regenwürmer. Muss nicht sein.

 

Eine weitere Textur, die ich überhaupt nicht ausstehen kann, ist alles, was faserig ist. Fleisch war das erste, was in dem Bereich „fiel“ – viel gegessen habe ich es ohnehin nie. Ich bin seit ich ca. 10 Jahre alt war Vegetarier. Spargel beispielsweise hat aber eine ähnlich unangenehme Textur, sodass ich ihn, auch wenn er mir geschmacklich sehr zusagen würde, nie außerhalb der Spargelcremesuppe (mit Schnittlauch bitte) esse.

*

Einigermaßen typisch für Autisten dürfte es sein, tagelang – wochenlang – das gleiche essen zu können – und zu wollen. Prä-vegetarisch musste es bei mir jeden Abend Leberwurstbrot sein. Danach Frischkäsetoast. Dann Käsebrot. Jede dieser Phasen dauerte mehrere Jahre.

Wenn ich für mich alleine koche, gibt es oft Tag für Tag dasselbe Essen. Gerne auch zweimal am Tag. Das Gehirn bastelt sich eine Art Filterersatz. Der einheitliche Geschmack lenkt weniger ab, wird beruhigend statt störend, unterbricht den Ablauf nicht mehr. Ist im Nachgeschmack leichter auszublenden. Er erfordert schlicht weniger Energie, und warum sollte ich ohne guten Grund Kapazitäten verschwenden?

Ich sage gerne – und zwar nur halb als Witz – dass ich nun wirklich alt genug bin, um jeden Tag Käsespätzle zu essen, wenn mir das passt.

 

Nur montags nicht – denn montags gibt es Spaghetti.

Das wiederum hat einen Hintergrund, der in meine Kindheit zurückreicht. Ich war die älteste von fünf. Irgendwann hatte jedes Kind andere Zeiten, andere Verpflichtungen, Verabredungen, Nachmittagsunterricht, Musikschule, etc. Der Montag war bei uns ein besonders stressiger Tag.

Spaghetti sind schnell zu kochen, wenig Aufwand in der Zubereitung und im Wegräumen, und auch leicht durch Zubereiten von zwei Soßen für die Vegetarier und die Nichtvegetarier anzupassen. Und so gab es bei uns montags Spaghetti. Wöchentlich. Über Jahre.

Auch da bildet sich eine Art Filterersatz aus. Eher eine Art Schablone, vielleicht. Spaghetti gehören für mich zum Montag. Der Geschmack von Spaghetti mit Napoli-Soße, einem Schuss geschmolzener Butter und geriebenem Käse sagt meinem Gehirn noch heute: Das Wochenende ist vorbei. Zeit, was zu arbeiten. Und: Du hast heute Nachmittag was zu tun. Bei Spaghetti schaltet mein Körper direkt in den „Macher-Modus“ und mobilisiert Energie. Ehemals für den Nachmittagsunterricht. Heute nutze ich das auch gerne, um schon mal einen Vorsprung mit der Arbeit für die Woche zu erlangen. Schlecht sind Spaghetti „außer der Reihe“ am Wochenende – denn abschalten oder ausspannen ist kaum möglich, wenn sich gerade alles auf „Action“ eingestellt hat.

Und bevor jemand über meine Montagsspaghetti lacht: Der Kasperl und der Seppl haben auch jeden Donnerstag Bratwurst mit Sauerkraut (siehe Ottfried Preußler: Räuber Hotzenplotz)

*

Und wie lief das nun in meiner Kindheit?

Eigentlich sogar relativ problemlos.

Wir konnten uns zum Frühstück und Abendessen unser Essen frei wählen. Das durfte auch über Jahre hinweg täglich dasselbe sein (in dem Zusammenhang übrigens: Warum bitte irritiert es keinen NT, wenn ein anderer NT über Jahrzehnte jeden Tag dasselbe zum FRÜHSTÜCK isst, aber bei allen anderen Mahlzeiten wird großes Theater gemacht? Warum bitte ist das Frühstück die einzige Mahlzeit, bei der fehlende Varietät „normal“ sein darf?).

Mittags gab es, was es eben gab (und montags Spaghetti), aber Essen wurde nie „gemischt“ auf den Tisch gestellt. Die Nudeln getrennt von der Soße, das Fleisch separat, jedes vernünftig trennbare Gemüse in einer eigenen Schüssel… Mischen konnte jeder auf dem Teller. Weglassen, was einem nicht zusagte, auch. Wie heißt es so schön bei Janosch? Jeder darf essen, was gut für ihn ist.

Es ist aber gerade dieses unproblematische „iss, was für dich passt“, das es möglich macht, auch mal etwas neues auszuprobieren. Hätte ich davon ausgehen müssen, ein potenziell unangenehmes, ekelhaftes, schlecht schmeckendes Essen aufessen zu müssen (oder erst nach langer lauter Diskussion liegen lassen dürfen), wäre ich sicher noch weniger bereit gewesen, einmal etwas neues auszuprobieren. Je mehr Ärger ein „Problem“ macht, desto mehr wird man versuchen, es zu vermeiden. Mir tun Kinder leid, die sich, wissend, dass es gleich ganz großes Kino geben wird, wenn sie nach dem ersten Probieren merken, das Essen geht nicht, verzweifelt an einige wenige bekannte Sachen klammern. Das ist aber auch keine Essstörung… das nennt man anders…

 

Ein Problem, in gewisser Weise, waren (und sind gelegentlich) Restaurants. Als Kind hatte ich, wenn wir auswärts essen waren, genau ein Gericht, das ich sinnvoll bestellen und essen konnte: Pommes Frites. Die sind einigermaßen einheitlich, d.h. es funktioniert eine „Essensschablone“ von zu Hause, im Notfall salzt man so lange, bis man nichts anderes mehr schmecken kann… Die große Katastrophe kam dann, wenn es unerwartet einmal keine gab. Dann war doppelt Not am Mann, weil nicht nur mental keine passende „Schablone“ dabei war, sondern auch noch die bereits „eingelegte“ leer blieb. Also: Der erwartete Reiz (Geschmack/Textur/Temperatur/etc.) blieb aus, dafür gab es unter Umständen einen komplett anderen, auf den ich nicht vorbereitet war. Overload garantiert. Meltdown unter Umständen nicht weit entfernt, vor allem, da ja Gasthäuser auch sonst nicht gerade die reizärmsten Umgebungen sind.

Heute telefoniere ich bei mir unbekannten Restaurants vorzugsweise vorher einmal mit der Örtlichkeit und kläre ab, was es gibt. Auf Onlinekarten ist nicht unbedingt Verlass. Da ich vegetarisch esse, ist die Absprache auch aus dem Blickwinkel oft sinnvoll. Die meisten Örtlichkeiten haben inzwischen gute vegetarische Gerichte, aber es kommt auch immer mal vor, dass jemand nicht mit der Zeit gehen möchte. Dann gehe ich auch nicht – allerdings nicht mit der Zeit, sondern mit zum Essen.

Ein Mensch fährt von Konstanz nach Ludwigshafen. Dort angekommen merkt er, dass er seine Haustürschlüssel in Konstanz vergessen hat. Er ruft also seine Bekannten dort an und bittet sie, seine Schlüssel in den Rhein zu werfen. In Ludwigshafen schöpft er eine Tasse Wasser aus dem Rhein und schüttet diese in sein Haustürschloss, um seine Tür zu öffnen.

Wie nennt man das schnell wieder?