Frontansicht der Kapelle; das Gebäude ist hellgrün gestrichen und hat einen kleinen Turm in der Mitte der schmalen Seite, über dem Eingang.

Das kleine Städtchen Neustadt an der Waldnaab ist mit vier katholischen Kirchen bei unter 6000 Einwohnern sehr gut bestückt.

Eine der vier ist die Friedhofkirche „Zur heiligen Dreifaltigkeit“, datierend aus dem Jahr 1662. Heute wird sie nur noch als Kapelle genutzt.

Tafel „Friedhofkirche Hl. Dreifaltigkeit/Erbaut im Jahre 1662 von Johann Kirchberger, Neustadt

Friedhof und Kirche befinden sich an einem Ort, an dem traditionsgemäß die nächste Welt ohnehin etwas näher liegt als üblich.

Wünscht man keinen Kontakt zu den Toten, sollte man den Friedhof, und insbesondere die Kapelle, während der Rauhnächte nach Einbruch der Dunkelheit meiden. Betritt man den Friedhof dennoch, wird man in der Kapelle Licht sehen.

Sollte ein Unerschrockener sich nun nähern und die Tür öffnen um einzutreten, wird er eine Gemeinde versammelt sehen, die gemeinsam Gottesdienst feiert. Die Gläubigen sind die Seelen der Verstorbenen des letzten Jahres. Auf dem Altar brennen unzählige Kerzen, daher kommt das Licht. Jede Kerze repräsentiert ein Mitglied der lebenden Gemeinde.

Möchte man vermeiden, mehr zu erfahren, als man möglicherweise wissen will, sollte man nun schleunigst den Rückweg antreten. Bleibt man jedoch aus Neugier als Zuschauer, oder hält einen die Furcht wie angewurzelt in der Tür, so kann es sein, dass man dort noch steht, wenn eine Kerze auf dem Altar erlischt.

Dann erhebt sich einer der Geister und nähert sich dem sterblichen Zuschauer. Dieser mag in dem Schemen einen geliebten Menschen erkennen, der im letzten Jahr gegangen ist.

Sofern er nun nicht doch die Flucht ergreift, wenn ihn die unnatürliche Kälte des Toten erreicht, wird ihm in einem Lufthauch ein Name zugeflüstert werden. Der Name desjenigen, dessen Kerze eben erloschen ist: Die erste Person, die im neuen Jahr der Gemeinschaft der Toten beitreten wird.

Seiten-/Rückansicht der Kirche; es ist zu sehen, dass der Altarraum die Form eines halben Achtecks hat. Im Vordergrund Gräber.

Alle Fotos sind von Wikipedia (By btr – Own work, GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2515509).

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12 Gedanken zu “1. Nacht: Friedhofkirche Neustadt/Waldnaab

    1. Wollte eigentlich heute Abend noch eigene Fotos machen, nach Einbruch der Dunkelheit, aber is nicht… normal sperren sie ab 20 Uhr ab, aber aktuell wohl ab Sonnenuntergang.
      Warum grün – keine Ahnung, ich frage gerne mal rum, ob dazu jemand was weiß. Was ich weiß ist, dass das Grün ein Farbton ist, den das Denkmalschutzamt erlaubt. Das zumindest weiß ich 100% weil meine Hausfront in der gleichen Farbe gestrichen ist 😉

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      1. Ah ja damit könnte es zu tun haben.
        Ich weiß gar nicht warum man heute alles Nachts abschließen muss, als ich jung war, war noch jeder Friedhof Nachts frei zugänglich, da konnte man so schön sitzen und nachdenken.

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      2. So kannte ich das auch noch. Hier in der Gegend gab es allerdings vor einigen Jahren Probleme mit Sachbeschädigungen durch Jugendliche/junge Erwachsene, die sich nicht benehmen konnten… es könnte auch direkt damit zu tun haben.

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      3. Das glaube ich, momentan ist es vielleicht gar nicht mehr so ein Thema, aber so vor ca 10 Jahren war es ja mal chick für kriminelle Kids auf dem Friedhof zu randalieren… Die bösen bösen Satanisten und Gothiks eben… *seufz und Kopf schüttel

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      4. Genau so. Ich glaube 10 Jahre ist es hier noch nicht her, „aufm Land“ halt, da kommt alles etwas später. Das Ding ist halt, wenn man Sachen wie Absperren mal angefangen hat, ist der Weg wieder davon weg irgendwie sehr lang.
        Lustig fand ich ja den Kommentar einer Frau, die, als sie die Geschichte vor ein paar Wochen gehört hat, meinte, sie sei jetzt froh, nicht mehr neben dem Friedhof zu arbeiten… *kopfschüttel* Da tut ihr doch keiner was…

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      5. Schade ist es aber schon. Immerhin sind wir hier noch nicht soweit, dass wir Parks zwischenrein absperren. In Brüssel kann einem das ja passieren, dass man vor einem verschlossenen Tor steht…

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      6. Hmmm abgeschlossen sind sie zwar NOCH nicht, aber in den meisten Parks ist der Zugang ab Sonnenuntergang trotzdem verboten. In Holland gilt das sogar für einige Deiche.
        Nun muss ich auch ehrlich sagen, seit ich keinen Schäferhund mehr dabei habe fühle ich mich mittlerweile im dunklen Park heute auch nicht mehr sooo wohl.

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      7. Deich verstehe ich jetzt irgendwie je nach Beleuchtungssituation.
        Die Stadt in der ich im und nach dem Studium gelebt habe, hatte einige Parks, die Nachts komplett beleuchtet waren. Die waren bei den Studenten und auch Ex-Studenten sehr beliebte Treffpunkte. Dort hatte ich auch mal eine der absolut entzückendsten Begegnungen… Mann, groß, breit, bulliger Bau, trägt schwarzes Leder, sichtbare Tattoos, bedient so ziemlich *jedes* Klischee bei dem man Angst bekommen sollte… und hatte einen kleinen weißen Minipudel im kleinen Jäckchen an der Leine.

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      8. Und genau dieses kleine weiße Detail macht ihn unglaublich sympathisch 🙂
        Deiche sind nicht beleuchtet, in der Regel sind das ja durchgehende Radwege und in Holland sind ja nicht mal Strassen richtig beleuchtet. Fand ich früher in B auf der Autobahn immer toll, da war es ja Nachts taghell.

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      9. Genau, das kleine weiße Detail war einfach super. Autobahn nachts beleuchtet muss ich nicht haben, schon weil mir das Abstandschätzen bei Lichtern in der Dunkelheit leichter fällt als bei Autos in der Landschaft. Was ich absolut hasse ist, dass in Österreich oft die Rückstrahler am Straßenrand fehlen.

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