Ein Mensch fährt von Konstanz nach Ludwigshafen. Dort angekommen merkt er, dass er seine Haustürschlüssel in Konstanz vergessen hat. Er ruft also seine Bekannten dort an und bittet sie, seine Schlüssel in den Rhein zu werfen. In Ludwigshafen schöpft er eine Tasse Wasser aus dem Rhein und schüttet diese in sein Haustürschloss, um seine Tür zu öffnen.

Wie nennt man das schnell wieder?

Es mangelt mir ja nun echt nicht an Selbstvertrauen…

aber DAS Selbstvertrauen mancher NTs, zu einem Thema, mit dem sie sich nie tiefer befasst haben, und das ein Fachgebiet innerhalb eines Fachgebiets ist, für das andere Leute jahrelang studieren, wilde Behauptungen aufzustellen, und dann demjenigen, der in dem Bereich tatsächlich einen Abschluss und über 15 Jahre Berufserfahrung hat, erzählen zu wollen, er würde ja die Aussage gar nicht verstehen…

Also, DAS Selbstvertrauen hätte ich auch gerne!

Schade, dass du gehen musst…

Als Kind war meine Hauptbezugsperson neben meiner Mutter mein Opa. Der Vater meiner Mutter. Das ging soweit, dass die Kindergärtnerin es verwirrt kommentierte. Was anderen Kindern der Vater war mir eben mein Opa. Dabei hatte ich einen sehr jungen Opa. In der Tat ist der Altersunterschied zwischen mir und meinem Opa geringer als der zwischen meinem jüngsten Bruder und unserem Vater. Mein Opa wäre jederzeit als mein Papa durchgegangen.

Allerdings war wohl einer der ersten Sätze, die ich auch außerhalb der Familie gesprochen habe (man mag es heute kaum mehr glauben, aber ich war als kleines Kind teils recht schwer dazu zu bewegen, außerhalb des direkten Familienkreises zu sprechen): „Aber das ist doch der OPA!“ (wenn ihn jemand als meinen Vater bezeichnete).

Die Ferien und viele Wochenenden verbrachten wir bei den Großeltern. Entweder zusammen mit unseren Eltern oder ohne. Es war der einzige Ort, an dem ich damals außerhalb des Elternhauses schlafen wollte/konnte.

Ging es darum, dass meine Mutter nicht in der Lage war, mich irgendwo hinzubringen oder abzuholen, oder dass sie Abends oder Nachts einige Stunden außer Haus war, war es undenkbar, stattdessen meinen Vater einzusetzen. Es musste der Opa her. Und Opa kam, aus 200 km Entfernung (damals wohnten wir etwas weiter weg).

In den Ferien, an den Wochenenden, waren wir viel unterwegs. Alleine, draußen, still Tiere beobachten. Er brachte mir Fährtenlesen bei, Vögel zu erkennen und Rufe zu imitieren, Fisch- und Hasenfallen bauen (ohne Gerätschaften mitzunehmen, nur mit dem, was die Natur hergibt), Fischen mit der Hand. Was man im Wald draußen essen kann und was man auf keinen Fall in den Mund stecken sollte; wo man welche Pilze findet, und wie man sie zubereiten muss; welche Kräuter man draußen kennen und erkennen sollte; Navigieren im Wald. ich kann sagen, dass ich recht zuverlässig in einem Mitteleuropäischen Wald ohne Zugang zur Zivilisation weder verhungern noch verdursten würde.

Einmal nahmen wir einen jungen Aal mit und ließen den im Garten groß werden. Ich nehme an, er wurde am Ende gegessen. Wir beobachteten Ameisen beim Schwärmen und Kröten beim Wandern. Ich lernte, dass in unseren Flüssen Muscheln leben und diese einem ins Gesicht spucken, wenn man sie aus dem Wasser nimmt.

Wir waren klettern, sowohl im Fels als auch in Burgruinen. Auch da, wo man es offiziell nicht durfte (Okay, in Burgruinen dürfte das die Regel sein). Vor allem lernte ich von ihm in dem Zusammenhang, in alten Gemäuern sicher herumzusteigen, und das Risiko abzuschätzen.

Wir besuchten jede einzelne Burg und Burgruine im Umkreis von ca. 100 km – zumindest in dem Halbkreis auf deutscher Seite. Die Tschechische Grenze war damals ziemlich undurchlässig. Er gab die wichtigsten Legenden und Geistergeschichten zu jeder an mich weiter, teils einschließlich der dazu gehörenden Gedichte. So konnte ich den „Eppelein von Gailingen“ schon Jahre, bevor wir ihn in der Schule durchnahmen…

Wir besuchten Tierparks und Wildgehege, Tropfsteinhöhlen, die Schauplätze der örtlichen Nicht-Burgbezogenen Legenden und Spukgeschichten. Wir fuhren zu andere Denkmälern, Kirchen, Museen. Eigentlich waren wir ständig unterwegs. Er zeigte mir ein zugängliches Rosenquarzvorkommen, und welche von außen unscheinbar aussehende Steine in Wirklichkeit Quarzvarietäten sind, und wie man sie aufbricht, um an das hübsche Innere zu kommen.

Mein Opa war Glasmacher, und er nahm mich auch mit und ließ mir zeigen, wie die Glasbläserei funktioniert. Und immer, wenn wir dort in der „Altbayrischen“ waren, gab es bevor wir heimgingen ein kleines Glastier aus buntem Abfallglas geblasen. Die standen lange in Reih und Glied bei mir auf dem Setzkasten.

Also 1987 das KTB (Kontinentales Tiefbohrprogramm) begann, waren wir bei erster Gelegenheit dort.

Als die Grenze geöffnet wurde, fuhren wir direkt Ziele in der nahegelegenen Tschechoslowakei an. Wir waren vor der Wiedervereinigung noch in der DDR. Politik usw. interessierte mich damals absolut noch nicht, aber es reichte die Tatsache, dass mein Opa sofort dorthin wollte, nachdem es problemlos ging, um mir klar zu machen, dass die Grenze so, wie sie vorher gewesen war, nicht in Ordnung war.

Mein Opa war auch der erste, der mich mit in ein ehemaliges KZ nahm und mir erklärte, um was es da ging.

Als mein Vater eine Stelle sehr viel näher an den Herkunftsorten meiner Eltern annahm, kauften meine Eltern ein Grundstück in der Heimatstadt meiner Mutter und bauten dort, nur zwei Straßen von den Großeltern entfernt, ein Haus.

Auf dem Land, mit schlechten öffentlichen Verkehrsmittelverbindungen (und außerdem meiner damals schon vorhandenen Abneigung gegen öffentliche Verkehrsmittel) wäre es schwer gewesen, nachmittags irgendwas zu unternehmen – wäre da nicht mein Opa gewesen, der uns unermüdlich fuhr, egal, wohin wir wollten. Ein Anruf genügte. Nie Beschwerden, nie „ich habe keine Zeit“, obwohl ich sicher bin, dass er damit viele Nachmittage verlor (Abholen musste er uns ja auch wieder).

Mein Opa kochte den besten Apfelsaft, gefühlt tonnenweise Marmeladen und Gelees, und war auch in der Küche (für die Saft/Marmeladen/Geleeproduktion hatte er einen eigenen Raum im Keller mit großem Ofen und Kessel) unschlagbar.

Er war für Science Fiction zu haben – insbesondere Star Trek und Perry Rhodan, was er auch bereits an seine Töchter weitergegeben hatte – und ging mit uns ins Theater. Meine allererste Theatervorstellung war das Wirtshaus im Spessart – besonders aufregend, da wir aus Gründen, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, auch noch mit dem Bus hinfuhren.

Zu meiner Erstkommunion bekam ich von meinen Großeltern ein offizielles Geschenk. Ich bin mir nicht mehr sicher, was es war. Möglicherweise die Armbanduhr, die ich nie getragen habe, und die noch immer unbenutzt in ihrem Kästchen liegt. Möglicherweise waren es die Ohrstecker – damals trug ich noch Ohrringe, und ich tauschte an dem Tag auf jeden Fall die vorherigen Kinderohrringe gegen ein Paar „erwachsenere“ Stecker aus, die ich mir ausgesucht hatte.
Ist auch egal… was für mich zählte war, dass meine Großeltern am Vortag anreisten und mir mein Opa eine umklebte Schachtel  in die Hand drückte. Dazu muss ich sagen, dass meine kleine Obsession mit Moby Dick tatsächlich bis in und vor diese Zeit zurückgeht. Ja, ich weiß, neunjährige lesen normalerweise noch nicht gerade Moby Dick. Bei uns hieß es immer, gelesen wird, was gefällt, und Kinder lesen nicht weiter, wenn das Buch noch nichts für sie ist. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits mit einer Klassenkameradin, deren Mutter Schneiderin war und die daher für das Alter sehr gut mit Nadel und Faden umgehen konnte und auch ein bisschen Ahnung davon hatte, wie man eben Sachen näht, aus einem alten Betttuch einen „weißen Wal“ gebastelt. Der war trotzdem irgendwie suboptimal. Und da kam nun eben mein Opa und brachte mir – am Tag vorher, weil es sich nicht so wahnsinnig gut für den Geschenketisch eignete … ein Extrageschenk.

28
Er durfte dann doch mit auf’s Geschenkefoto…

Jahrelang hatte mein Opa im Treppenhaus aufgeklebte Puzzles aufgehängt. Segelschiffe. Jahrelang bekam er von mir zum Geburtstag oder zu Weihnachten neue ausgeklebte Segelschiffpuzzles. Es war die einzige Situation, in der ich bereit war, ein Puzzle auf Holz zu kleben.

Das erste Gedicht meines Lebens lernte ich auswendig, um es beim Geburtstag meines Opas aufzusagen. Es waren vier Zeilen, und die kann ich sogar noch.

01
So viel Dorn‘ ein Rosenstock / So viel Haar‘ ein Ziegenbock / So viel Flöh‘ ein Pudelhund / So viel Jahr‘ bleib du gesund

Vor zwei Jahren stand ich mit der örtlichen Museumschefin im Museum, und sie erwähnte, dass sie sich mit den historischen Glasmacherwerkzeugen nicht auskenne. Ich rief Opa an, um zu fragen, ob er dazu nicht ein Buch hätte oder zumindest wüsste. Eine halbe Stunde später stand er im Museum und erklärte und zeigte.

In jüngeren Jahren war mein Opa bei der freiwilligen Feuerwehr. Kurzfristig im Faschingsverein. Später begleitete er meinen Vater zu politischen Veranstaltungen, war aber selbst nicht aktiv. Er trieb immer und bis ins hohe Alter Sport, was wohl auch massiv dabei half, dass er sich von dem schweren Herzinfarkt, den er mit Anfang 60 hatte, wieder voll erholte. Noch letzten Montag bei der Aufnahme ins Krankenhaus war der aufnehmende Arzt überrascht von seinem für sein Alter eigentlich ungewöhnlich guten Allgemeinzustand.

Eigentlich, wäre da nicht die Tatsache, dass er in den letzten drei Monaten rapide abgenommen hatte. Anfang des Jahres noch fuhr er selbst Auto, ging Einkaufen, ging Schwimmen, kochte, schmiss große Teile des Haushalts, kümmerte sich um meine aufgrund langjährigem Rheumas pflegebedürftige Oma. Dann ging es rapide abwärts, er konnte nicht mehr essen, schließlich kaum noch trinken.

Anfang der Woche bat er darum, ins Krankenhaus gebracht zu werden. Zu dem Zeitpunkt wussten wir bereits, dass wir die ihm verbleibende Zeit maximal in Wochen, eher in Tagen rechnen. Meine Brüder waren in der Woche vorher aus ihren jeweiligen Universitätsstädten gekommen, um noch mal einen Nachmittag mit ihm zu verbringen.

Ich war gestern das letzte Mal bei ihm, wir wechselten uns ab. Zu dem Zeitpunkt bekam er auf seinen Wunsch hin nur noch Morphium. Er schlief am frühen Nachmittag ein, und ist unseres Wissens nicht mehr aufgewacht.

Nach einem extrem vollen heutigen Tag gehe ich jetzt noch eine Kerze anzünden. Für den besten Opa, den man sich wünschen kann.

28.12.1934 – 30.06.2017

 

Neulich in Glasgow…

…wurde ein Atty versteigert, das ich unbedingt wollte. Ich habe es auch bekommen.

Nun lieferte die Spedition es heute endlich bei uns zu Hause ab.

fireplace screen

Das Bild ist gestickt, aufgezogen, hinter Glas… das ganze Teil gehörte mal dazu, als Schutz vor fliegender Asche und Funken vor einen offenen Kamin gestellt zu werden.

Das Motiv ist, wie ich schon mal irgendwo vermerkt habe, mein zweitliebstes Wellington-Bild.

Am liebsten würde ich mich jetzt davor setzen und ihn einfach nur ein paar Stunden lang anschauen. Dummerweise muss ich aber heute noch was arbeiten.

Mein Neffe ist 2,5 Jahre alt, und vollkommen normal – für unsere Verhältnisse. Andere sähen schon etwas seltsames Verhalten. Darin, wie er spielt. Womit, welche Spiele, wie. Es muss genau richtig sein. Keine Duplosteine unterschiedlicher Farben mischen. Die Gleise für die Eisenbahn müssen richtig verlegt sein. Er gibt Anweisungen. Nicht immer sehr artikuliert, aber in der Regel ausreichend genau. Muss man halt aufpassen.

Mahlzeiten waren einige Zeit schwierig. Essen wurde häufiger verweigert als gegessen. Das Essen steht nun wieder getrennt auf dem Tisch, in kleinen Schüsseln. Vor der Mahlzeit wird benannt, was wo drin ist – was es ist, welche Eigenschaften es hat. Heiß, warm, kalt, glatt, körnig, etc. Das Kind kann ausprobieren, lernt aber gleich, zu benennen, was er essen mag. Bananen gehen immer. Man kann statt Champignons auch Bananen aufs Risotto tun. Vor allem, wenn Reis und Pilze eh in unterschiedlichen Schüsseln auf dem Tisch stehen. Teile der Restfamilie stellen fest: Das schmeckt sogar. (Schauder).

Anziehen muss sein, und es muss zum Wetter passen. Oma gibt vor wie warm und wie langärmlig, Neffe sucht aus, was aus dem Bereich angezogen wird. Er schießt sich auf zwei Oberteile ein. Diese werden in anderen Farben & Aufdrucken angeschafft. Ende der Tränen beim Anziehen.

Zähneputzen muss sein. Ob manuell oder mit elektrischer Zahnbürste, rundem oder eckigem Kopf kann sich das Kind aussuchen. Waschen muss sein. In der Dusche, am Waschbecken oder in der Badewanne kann man aussuchen. Auch mit unter drei Jahren.

Man könnte sich natürlich auch eine große Menge Extrastress machen, wenn man das gerne wollte. Muss man aber nicht.