Die Teufelshöhle in Pottenstein

Da die Osterferien quasi vor der Tür stehen, wollte ich zumindest mal meinen Mit-Bayern einen Ausflugstipp dalassen.

Habt ihr schon mal eine Tropfsteinhöhle besichtigt? Wenn nein: Zeit wird’s!

Ich empfehle die Teufelshöhle in Pottenstein, in der fränkischen Schweiz. Die fränkische Schweiz ist eh‘ schön und bietet auch sonst viel, auch gute Campingplätze und andere Angebote.

Zum ersten Mal war ich dort mit meinen Großeltern und meiner nächsten Schwester. Ich dürfte sechs oder sieben Jahre gewesen sein, meine Schwester entsprechend drei Jahre jünger. Immer wieder witzig finde ich, dass meine Haupterinnerung die an eine Enttäuschung nach der anderen war: Man durfte nichts anfassen, es waren überall Absperrungen, Photographieren nur ohne Blitz und die Höhlenbären waren nur Skelette. Und trotzdem hat es mich immer und immer wieder dahin zurückgezogen und die Höhle steht heute noch ganz oben auf der Liste der Attraktionen, die ich Besuchern zeige und Urlaubern empfehle. Irgendwas muss sie also haben…

Der „Kaiser Barbarossa“ – Bild von Wikipedia

Die Teufelshöhle ist ganzjährig geöffnet. Die Anzahl der Führung variiert aber nach Saison.

Es gibt einen großen Parkplatz direkt an der Höhle. Sollte dieser mal wieder komplett voll sein gibt es ein Stückchen die Straße runter in die eine Richtung einen weiteren Parkplatz, und ein Stückchen die Straße runter in die andere Richtung einen Dritten. Gehzeit jeweils unter fünf Minuten.

Wer im Bach gerne Fische füttern möchte: Bitte kein Brot reinwerfen, sondern die 50 Cent in den Fischfutterautomaten investieren. Der steht dort mit gutem Grund.

Im vorderen (Eingangs-)Bereich der Höhle findet man schon einiges an Informationstafeln und Material. Auch ein Video über Pottenstein und die Umgebung läuft dort. Der für Besucher erschlossene Hauptteil der Höhle ist nur im Rahmen von Führungen zu besichtigen.

Führungen finden in der Sommersaison immer dann statt, wenn sich genug Leute gesammelt haben und kosten fünf Euro für Erwachsene, drei Euro für Kinder. Familienkarten lohnen sich erst ab zwei Kindern. In der Wintersaison haben die Führungen feste Zeiten. In der Sommersaison gibt es am letzten Freitag des Monats Sonderführungen, die 100 Minuten dauern (für eine „normale“ Führung ist etwa eine dreiviertel Stunde einzuplanen).

Zu Beginn der Führung werden die wichtigsten Dinge erläutert: Photographieren gerne, aber zum Schutz der Fledermäuse nur ohne Licht. Tropfsteine anfassen ist tabu, denn wo sie berührt wurden werden sie für die nächsten 15 Jahre nicht mehr wachsen können. Dafür sind aber im ersten „Raum“ der Führung Tropfsteine ganz und aufgeschnitten ausgestellt, und diese dürfen, sollen sogar angefasst werden.

Die Führung beginnt mit einer Erklärung zur Entdeckung der Höhle und allgemeinen Informationen zu Tropfsteinen. Dann wird an mehreren Stationen innerhalb der Höhle über spezielle Formationen gesprochen, über den Verlauf der Höhle, die Bildung derselben, die Erschließung bestimmter Teile, die Höhlenbären, die Fledermäuse…

Der Ablauf sieht so aus, dass man sich an den Stationen trifft, sich dazwischen aber jeder im eigenen Tempo bewegen kann. Wie lange man also bei den separat beleuchteten Tropfsteinen oder den Skeletten stehen bleibt, wie viele Fotos man macht, wie schnell oder langsam man läuft, ob man in der Masse oder lieber für sich bleibt – da ist man eigentlich sehr frei.

Noch besser: Will man ganz für sich gehen, ist auch das möglich: indem man nämlich den Führer am Eingang bittet, das Tonband einzuschalten. Dieses ist auch in unterschiedlichen Sprachen verfügbar. Man bleibt dann hinter der Gruppe, und wenn diese an einer Station fertig ist und weitergeht, wird das Tonband angemacht, das quasi den identischen Text enthält. Den kann man dann für sich alleine anhören und dann ebenfalls weitergehen.

Fragen werden gerne, freundlich und umfassend beantwortet. Die Erklärungen sind für Kinder verständlich aber für Erwachsene nicht langweilig. Falls nicht bereits die nächste Gruppe ungeduldig wartet, ist nach der Führung noch Zeit um weitere Fragen zu stellen.

Beachtet werden sollte, dass die Höhle tief genug ist, dass das ganze Jahr über eine Temperatur von nur 9 Grad herrscht. Wer leicht friert sollte gerade im Sommer eine leichte Jacke mitbringen.

Die Wege sind gut erschlossen und auch für jüngere Kinder gangbar. Ich hatte auch schon leicht gehbehinderte Personen mit dabei. Allerdings sollte das Treppensteigen funktionieren, denn insgesamt gibt es ca. 400 Stufen. Die Geländer sind durchgängig gut. Der Rückweg vom Ausgang zum Parkplatz dauert je nach Lauftempo und wie sehr man die Natur genießen möchte (der Weg ist sehr schön und es gibt mehrere Abzweigungen, an denen man noch weitere Infotafeln finden kann mehr oder weniger lang. Man kommt auf dem Weg zum Parkplatz an einem Souvenirshop und einem Restaurant/Café vorbei. Das Angebot ist nicht gerade ausgefallen, aber gut. Vegetarier haben keine Schwierigkeiten.

Teufelshöhle Pottenstein auf Wikipedia

Website der Teufelshöhle Pottenstein

Wer gerne noch mehr Zeit in Pottenstein verbringen möchte, kann den Besuch der Teufelshöhle mit einer oder mehreren anderen Attraktionen der Ortschaft verbinden. Davon hat Pottenstein nämlich wirklich genug: 21 Angebote (die Teufelhöhle eingeschlossen) stellen die „Pottensteiner Erlebnismeile“ dar. Das Angebot ist so vielfältig, dass jeder was finden sollte – vom Fossilienklopfen, falls man noch nicht genug von Steinen hat, bis zum gemütlichen Wandern, interessanten Museen, einer Burg (die wir grundsätzlich immer erst nach Ende der Öffnungszeiten erreichen) bis hin zu sportlich-aktiveren Angeboten, die von Minigolf über mehrere Schwimmbäder bis hin zu einer Sommerrodelbahn führen.

12. Nacht: Die Wasserfräulein in der Waldnaab

Eine bekanntere Art der Wassergeister gibt es in zwei Varianten: Mit Fischschwanz und ohne. Erste sind bei uns nicht zuhause, sondern bestenfalls gelegentlich zu Besuch: sie leben eher in Richtung Frankreich, also viel weitere westlich.

Unsere germanischen Wasserfrauen haben vollständig Menschengestalt, nur dass sie eben nicht an Land leben, sondern es sich in den Gewässern bequem machen. Sie heißen dann auch wirklich Wasserfrauen oder Wasserfräulein, im Gegensatz zu den Meerfräulein oder -jungfrauen mit Fischanteil.

Zwar verfolgen sie je nach Unterart unterschiedliche Ziele, doch haben die Wasserfräulein alle irgendwie gemeinsam, dass sie es auf Menschenmänner abgesehen haben. Manche töten sie, indem sie sie ins Wasser ziehen und ersäufen. Andere haben es auf eine etwas längere Beziehung abgesehen. Mit dem Menschen kompatibel sind sie allesamt, und es soll immer wieder Nachkommen aus solchen Beziehungen geben.

Die Wasserfräulein in der Waldnaab werden dazu wohl kaum beitragen. Auch wenn der Fluss auf weiten Strecken sehr harmlos aussieht, ist er eher tückisch, und diese Eigenschaft teilen auch seine Bewohner. Die Waldnaab fließt auch über mein Grundstück, begleitet von einem schmalen Fußweg am Ufer, der früher von späten Heimkehrern aus den Wirtschaften als Abkürzung verwendet wurde. Gerade diese, durch den Alkoholgenuss unvorsichtig gemachten, jungen Männer, heißt es, holten sich die Wasserfräulein gerne einmal und bescherten ihnen ein nasses Grab.

Geht man danach, was – oder wer – alljährlich hier im Wehr hängenbleibt, sind die werten Damen wohl auch nach wie vor aktiv.

11. Nacht: Nochmal Butterfass – Der Doost bei Floß

Entlang der Waldnaab und ihren Zuläufen finden sich immer wieder Steine mit eigentümlichen Vertiefungen. Die Sage aus christlicher Zeit erzählt, dort würde der Teufel nach der Jagd ausbuttern. Häufig werden eben diese Steine als „Butterfass“ bezeichnet.

Einer davon findet sich am „Doost“, einem Geotop und Naturschutzgebiet bei Floß. Der Doost ist eigentlich ein Abschnitt der Floß (einem Waldnaabzufluss) in dem, ähnlich dem „Butterfass“ in der Waldnaab, große abgeschliffene Granitbrocken liegen. Der Name leitet sich vom Lärm des darüber rauschenden Wassers her.

Über den Doost geht die Sage, dass dort ein heidnischer Priester in den frühen Tagen der christlichen Missionierung ein Opfer brachte, um den Teufel auf die Missionare zu hetzen. Seither streift die Wilde Jagd zweimal wöchentlich bei Sonnenuntergang durch die umliegenden Dörfer, auf der Suche nach ebensolchen.

Die Steine mit ihren Vertiefungen, in Zeiten der Christianisierung zu den Butterfässern des Teufels selbst verkommen, dürften tatsächlich einst Opfersteine gewesen sein. Mit Blick auf die mit ihnen verbundenen Sagen war Wotan/Odin, der die Wilde Jagd ja anführt, der wahrscheinlichste Empfänger der dort dargebrachten Gaben.

Bilder von http://www.lobkowitz.de

10. Nacht: Die Wäscherin bei St. Michael

Die Stadt Weiden besitzt so einiges an Kirchen. Eine davon, die St. Michaelskirche nahe des alten Rathauses, ist zur Weihnachtszeit der Schauplatz eines sehr speziellen Spuks.

Es heißt, wenn die Glocken während der Christmette zur Wandlung läuten, erscheint in der Nähe der Kirche eine Frau, begleitet von einem sehr unangenehmen Geruch. Sie kommt, um im Stadtbach Windeln zu waschen. Dieser allerdings fließt schon lange nicht mehr am Pfarrhof vorbei, sodass sie wohl inzwischen unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen muss.

Diese alljährliche Arbeit verrichtet sie zur Strafe, dass sie einst statt die Messe zu besuchen, ihre Wäsche machte. Wäsche und Rauhnächte vertragen sich ja bekannterweise nicht nur dann nicht so gut, wenn man dafür den Gottesdienst schwänzt… Auch diese Wäscherin hat ihre fehlende Vorsicht damals wohl nicht lange überlebt.

 

9. Nacht: Des Teufels Butterfass bei Falkenberg

Des Teufels Butterfass ist ein Strudelloch in der Waldnaab, gelegen im Geotop Waldnaabtal bei Falkenberg.

Diese Engstelle des Flusses ist besonders für die Ansammlung an Granitblöcken bemerkenswert, die dort im Wasser verteilt liegt. Normalerweise kann man auf diesen bequem über den Fluss kommen. Bei höherem Wasserstand machen sie die Stelle jedoch ziemlich unsicher.

Die dazugehörige Sage ist wohl die erste, an die ich mich erinnern kann:

Ein örtlicher Raubritter mit seinen Knappen überraschte eine Maid beim Bleichen ihrer Wäsche. Er wollte sie sich nehmen, doch sie floh zum Fluss und, weil sie am Ufer entlang nicht weiter fliehen konnte, flehte den Himmel um Hilfe an und stürzte sich ins Wasser, in der Hoffnung, die andere Seite zu erreichen.

Dies gelang ihr in der Tat. Mehr noch: Ritter und Knappen wurden bei dem Versuch, den Fluss zu durchqueren, samt ihrer Pferde in Stein verwandelt.

Seitdem, heißt es, kann man in den Abendstunden die Felsen dort jammern hören.

Gelegentlich bocken die Pferde auch heute noch… Es hat wohl so ziemlich jeder Ortskundige – ich eingeschlossen – eine Geschichte davon zu erzählen, wie er irgendwann mal auf dem Weg über die Waldnaab ins Butterfass gefallen ist.

Bild von www.mittelbayrische.de bei tiefem Wasserstand

Bild von WikiVoyage bei hohem Wasserstand

 

8. Nacht: Der Feuerbröhl bei Weiden

Auch verwunschene Schätze gibt es in unserer Gegend

Ein Fußweg, der von Weiden nach Schirmitz führt, bringt den Wanderer an einen Tümpel – entstanden aus einem einstigen Arm der Waldnaab. Genannt wird er der „Feuerbröhl“, und an seiner tiefsten Stelle soll sich eine Eisentruhe verstecken, in der ein großer Schatz verborgen ist. Diese hat sich soweit noch allen Anstrengungen widersetzt, sie zu bergen.

Einst, so heißt es, begaben sich gut ausgerüstete Schatzsucher aus Weiden dorthin, um die Truhe zu heben. Sie blockierten den Zulauf und begannen, Wasser zu schöpfen, um den Tümpel zu leeren.

Zunächst fanden sie jedoch etwas ganz anderes: einen schwarzen Pudel nämlich, der aus dem Wasser kam. Auf dem Trockenen begann dieser zu wachsen, bis er sich schließlich auf eine Jungfer stürzte, die die Schatzsucher begleitete.

Zwar gelang es den Männern, das gespenstische Tier zu vertreiben, bevor es der jungen Frau körperlichen Schaden zufügte, doch ihr Geist hatte bereits gelitten. Sie sprach fortan kein Wort mehr.

Die Männer kehrten jedoch an ihre Aufgabe zurück, und nach langer, harter Arbeit – es war inzwischen Mitternacht – hatten sie es tatsächlich geschafft: ein eiserner Deckel erschien.

Gerade, als sie beginnen wollten, die Truhe herauszuwuchten, ertönte laut der Ruf „Feuer!“ in nächster Nähe.

Ganz automatisch sprangen sie alle aus dem Tümpel, um die Quelle des Rufs zu suchen. Zu sehen war niemand – auch keine Flammen und kein Rauch. Als sie sich jedoch verwirrt umdrehten, mussten sie entdecken, dass ihr Werk zunichte gemacht war: der Tümpel war bereits wieder randvoll gefüllt.

*

Heute lässt sich im bzw. am Feuerbröhl übrigens noch ein ganz anderer Schatz finden: Es gibt dort nämlich ein Geocache, das unter dem Routennamen „Der Schatz am Feuerbröhl“ zu finden ist.

7. Nacht: Die Holzfräulein

In nahezu allen deutschen Waldgebieten leben sie: Die Holzfräulein mit ihren vielen unterschiedlichen Namen. So auch im Oberpfälzer Wald. Klein sind sie, so ist man sich einig. Nicht besonders hübsch anzusehen, was an der eher ungepflegten Erscheinung liegen mag. Alt wirken sie, mit runzligen Gesichtern und häufig weißem Haar. Moos wächst ihnen am Körper, vor allem an den Füßen, etwa wie die behaarten Füße der Hobbits.

Sie kleiden sich in pflanzliches Material aus dem Wald, in dem sie hausen, oft in hohlen Baumstämmen, aber auch in Wurzelstöcken, Erdlöchern oder an anderen Orten. Man kann sie manchmal beim Handarbeiten entdecken. Ihre Haushaltsführung merkt man auch vor allem des Morgens, wenn der Rauch aus ihren Backöfen dem Morgennebel zum Verwechseln ähnlich über dem Moos liegt.

Ihnen wohlgesonnenen Menschen schenken sie ihren Segen und kleine Hilfen für den Haushalt. Sie achten auf die Kinder im Wald und weisen Verirrten den rechten Weg. Andererseits kommen sie gerne in die Küche und nehmen sich einen Anteil am frisch Gebackenen. Es ist Teil ihres rechtmäßigen Lohns dafür, dass sie die Menschen ihren Wald nutzen lassen. Auch von der Ernte ist ihnen ein Anteil abzugeben. Gerade in der Adventszeit kommen sie gerne ins Haus und verbringen auch die Nacht dort. Sie sind nicht gefährlich –  ihr Erscheinen wird als Anzeichen für bevorstehendes Glück angesehen.

Mit dem Zeichen von drei eingeritzten Kreuzen wird ein Brotlaib vor dem Anschneiden markiert, damit sie wissen, sie sind willkommen und dürfen sich ihren Anteil abholen. Dies wird bei uns teils tatsächlich noch immer so praktiziert.

Sie übernehmen dann gelegentlich Aufgaben im Haushalt, können jedoch leicht vertrieben werden: Fluchende Menschen sind ihnen zuwider. Wie die im Norden bekannten Heinzelmännchen verschwinden sie auf ewig, wenn man ihnen Kleidung schenkt.

Der natürliche Feind der Holzfräulein ist die Wilde Jagd, denn diese hetzt sie unbarmherzig und tötet sie, wenn sie sie erwischt. Schutz finden sie auf Baumstümpfen, in die der Holzfäller drei Kreuze geschnitten hat. Da jedoch dies, ebenso wie andere Bräuche, zunehmend in Vergessenheit gerät, finden die Holzfräulein immer weniger Schutz und werden immer mehr gefunden, zerrissen und gefressen. Daher sind werden sie seltener und seltener, und sind heute kaum noch zu finden.

Es gibt unterschiedliche Interpretationsansätze dazu, warum die Holzfräulein gerade so unbarmherzig von der Wilden Jagd unter Odin verfolgt werden. Eine geht dahin, dass sie ursprünglich aus einem konkurrierenden Religionssystem stammen.

5. Nacht: Der grüne Fleck bei Weiden

Südöstlich von Weiden in der Oberpfalz befindet sich eine längliche Rasenfläche, die als „der grüne Fleck“ bezeichnet wird.

Will man diese Stelle besuchen, sollte man viel Zeit mitbringen.

Natürlich finden manche Geschichten, so etwa die des Jungbauerns, der auf dem Rückweg von einem Besuch bei seiner Braut das Grasstück querte, gerade um Mitternacht statt. Besagtem Bauern erschienen dort drei Frauen in Leintüchern. Obwohl sie ihn nicht beachteten, jagten sie ihm einen gehörigen Schrecken ein.

Häufiger jedoch, und unabhängig von der Tageszeit, hört man folgendes: Wer den grünen Fleck betritt, läuft Gefahr, von seinem Weg abzukommen und sich zu verlaufen. Dies trifft auch für absolut Ortskundige zu. Manch einer soll tagelang durch den Wald geirrt sein, bevor er schließlich wieder herausfand.

Einige sollen zunächst nicht einmal ihre Heimatstadt wiedererkannt haben, so verwirrt waren sie von ihrem Erlebnis.

Auch wird berichtet, dass Wanderer aus unbekannter – unsichtbarer – Quelle mit Sand beworfen werden und, ohne jemals den Weg zu verlassen, an vollkommen falschen Stellen herauskommen.

Eine Besonderheit hier ist, dass diese Begebenheiten sich keineswegs in der fernen Vergangenheit, oder auch nur in der Zeit unserer Großeltern oder Urgroßeltern abspielen.  Auch heute berichten Leute, sie hätten sich auf dem Weg entlang des grünen Flecks plötzlich verwirrt und orientierungslos gefühlt, seien wider besseren Wissens der Überzeugung gewesen, auf dem falschen Weg zu sein und umkehren zu müssen. Selbst solchen, denen während der Geschehnisse vollkommen bewusst ist, was gerade vor sich geht, und die versuchen, sich nach einem Orientierungspunkt zu richten, haben Schwierigkeiten, ihren Kurs zu halten.
Berichtet wird, dass der Drang immer dahin geht, linker Hand den Hang hinunter zu steigen. Erinnerungen, außer an die Verwirrung und Unsicherheit den richtigen Weg betreffend, haben sie nicht.

 

4. Nacht: Das Rabenbrückerl

Von Klobenreuth nach Neustadt kann man auf der Straße gehen. Man könnte jedoch auch eine Abkürzung nehmen, durch den Wald und über den Bach. Das war auch der Weg, auf dem die Klobenreuther Gemeindemitglieder früher Sonntags zur Kirche nach Neustadt gingen. Allerdings wird der Weg nicht nach Einbruch der Dunkelheit benutzt, und schon gar nicht in Zeiten mit erhöhtem Spukaufkommen.

Die Brücke über den Bach – der „Rabenbach“ ist mehr ein kleiner Steg aus Granit.

Einst wurde in Neustadt eine Diebin gefasst. Da ihr Diebstahl besonders schwerwiegend war, wurde nicht nur die Todesstrafe ausgesprochen und vollstreckt, sondern die Strafe weiter verschärft: Der Leichnam sollte an einem Baum entlang des Wegs nach Klobenreuth aufgehängt werden, und dort hängen, bis die Raben das Fleisch abgefressen hatten.

Dies wurde so ausgeführt, und das Urteil wurde an der Stelle am Bach vollstreckt, an der noch immer die kleine Brücke steht.

Es heißt, seitdem hätte der Teufel selbst dort Zugang, und manch einer hat ihn schon gesehen, wie er bei der Brücke nachts mit zwei Kumpanen und Spielkarten auf achtlose Reisende wartet – denn zum  „Schafkopfen“ braucht man vier Mann.

Die Diebin von damals allerdings hat die Stelle ebenfalls nicht verlassen. Sie erscheint nachts im weißen Kleid – oder Büßerhemd.

Eine Begegnung wird so geschildert: In Klobenreuth lag eine Frau in den Wehen, und ein Kind aus dem Dorf wurde nach Neustadt geschickt, die Hebamme hohlen. Dem Jungen wurde eindringlich mitgeteilt, dass es eile, und so nahm er, auch wenn es bereits Nacht war, den Weg durch den Wald. Bei der Brücke begegnete er dann – wie zu erwarten – der „weißen Frau“, die ihm den Weg wies und ihn weiter zur Eile anhielt. Sei es aufgrund seines Alters, der Art seines Botengangs, oder weil sie allgemein keinen Groll gegen die Lebenden hegt – sie scheint es zumindest in dieser Nacht gut gemeint zu haben.

Leider sind keine anderen Begegnungen mit ihr bekannt, bei denen es zu Gesprächen gekommen wäre.

 

Linguistisch interessant: Der Steg wird als „Roombrückerl“ gesprochen. Es wird allgemein verstanden, dass das „Rabenbrückerl“ heißen soll. Jedoch: Im örtlichen Dialekt existiert das Wort „Rom“ oder „Room“ für „Raben“ nicht.

 

3. Nacht: Die Drud

Die Drud ist ein Wesen, das in der Oberpfalz im Volksglauben einst weit und umfassend verbreitet war. In christlicher Zeit ging die Erklärung dahin, es sei eine Folge einer inkorrekt durchgeführten Taufe.

Bei der Oberpfälzer Drud gibt es ein paar kleine Besonderheiten: Andernorts sind sie häufig mit Hexen vermischt und werden als inhärent Böse dargestellt. Unsere Drud geht zwar nachts „drucken“, tut dies aber aus einem Zwang und gegen den eigenen Willen. Sie wünscht in der Regel die Erlösung von diesem Zustand.

Sie hat in der Regel die Fähigkeit des Gestaltwandels, kann im Dunkeln sehen und hört alles, was über sie gesprochen wird, egal wo und von wem, sofern der Ausspruch nicht mit einer bestimmten Formel begleitet wird.

Die männliche Drud bezeichnet man als Druderer. Dieser neigt dazu, nachts auf Dächer und andere hohe Stellen zu klettern. Wird er angesprochen, fällt er tot herunter.

Die Drud hingegen lässt bei ihren nächtlichen Ausflügen ihren Körper zurück und bewegt sich als Geistwesen.

Das „drucken“ stellt man sich dahingehend vor, dass die Drud sich nachts auf die Brust des schlafenden setzt und ihm das Atmen schwer macht sowie Alpträume verursacht. Sie hat insofern Ähnlichkeit mit dem Nachtmahr. Besonders leicht findet sie zum drucken Menschen, die „ihr Geld mit ins Bett nehmen“ oder nachts das Licht brennen lassen.

Vermutet man, eine Drud im Umfeld zu haben, sollte man sie mit diesem Verdacht keineswegs konfrontieren. Man darf nämlich nicht vergessen: Die Drud kann nichts für ihren Zustand. Sie wurde nicht durch eigene Schuld, nicht durch Dämonenpakt oder durch eigene Bosheit so, sondern durch den Fehler anderer. Daher ist sie relativ leicht zu erlösen – leider mit Nebenwirkung. Wirft man also einer Drud vor, eine ebensolche zu sein, oder spricht man sie auch nur darauf an, ist diese fortan frei, doch der Drudenzustand geht direkt auf den anderen über.

Es gibt natürlich zahlreiche Mittel, um den Besuch einer Drud zu verhindern. Eine Möglichkeit etwa wäre es, ein Messer mit der Schneide nach oben in die Tür zu stecken. Der Drudenfuß an der Tür oder am Bett ist ebenfalls ein probates Schutzmittel, und auch schlafen auf der rechten Seite soll helfen.

Hat man auf seinen Schutz vergessen, oder hat die Drud dennoch Zugang zum Schlafzimmer gefunden, ist es vielleicht am besten, sich einfach auf ein paar unangenehme Nächte einzustellen. Die Drud mag zwar, wenn sie keine Menschen zum drucken findet, durchaus den Tod kleinerer Tiere verursachen, und das Drucken mag auch bei Säuglingen durchaus tödlichen Ausgang finden, einem Erwachsenen kann sie jedoch neben dem nächtlichen Schrecken keinen weiteren Schaden zufügen. Sie kommt neun Nächte in Folge, und wird den Gedruckten danach in Ruhe lassen.