Frida Kahlo

Da wir offenbar noch nicht genug Kuschel- und Dekokissen haben, musste mal wieder Nachschub her. Wenn man dann noch Bezüge findet, die zum einen interessante Motive haben und zum anderen vom Material bzw. der Textur her noch nicht vorhanden sind, ist die Kaufentscheidung schnell getroffen. Und da wir uns eh nicht entscheiden konnten, welches Motiv wir wollten, ist es auch praktisch, dass wir sowieso zwei Wohnorte auszustatten haben.

frida

Die auf den Bezügen dargestellte Frau ist Frida Kahlo de Rivera (1907-1954), eine mexikanische Malerin. Ihr Wert wird häufig dem Surrealismus zugerechnet, auch wenn sie selbst dieser Einordnung nicht zustimmte. Ihr Stil erinnert oft an naive oder volkstümliche Malerei.

Ihr Vater stammte aus Deutschland, wanderte nach Mexiko aus und nahm mit der mexikanischen Staatsbürgerschaft auch den spanischen Vornamen Guillermo (Wilhelm) an. Von ihm lernte Frida das Malen und Fotografieren.

Im Alter von 18 Jahren wurde Frida bei einem Busunfall schwer verletzt. Zwar erholte sie sich wider Erwarten zunächst fast vollständig, doch begleiteten sie die Folgen der schweren Verletzungen zeitlebens. Besonders traf es sie, dass sie nicht mehr in der Lage war, ein Kind auszutragen. Sie hatte mehrere Fehlgeburten und musste schließlich den Wunsch nach einem Kind aufgeben. Spätfolgen führten schließlich auch zur Amputation ihres rechten Fußes.

Ihre Ehe mit Diego Rivera, einem viel älteren mexikanischen Künstler, hielt zunächst zehn Jahre. Nur ein Jahr nach der Scheidung heirateten sie erneut.

In einem Umfeld, in dem die Rolle der Frau sehr eng definiert war, sprengte Frida die Grenzen. Sie trank, sie rauchte, ihr Sinn für Humor war derb, ihre Bilder fielen in Stil und Motiven aus dem Rahmen des üblichen. Sie trug Männerkleidung, schnitt sich auch schon mal die Haare kurz und betonte in ihren Selbstportraits oft Damenbart und Augenbrauen, was gar nicht dem weiblichen „Schönheitsideal“ entsprach. Bereits in einer Fotoserie  ihres Vaters aus dem Jahr 1926 ist Frida neben ihren Geschwistern im dreiteiligen Herrenanzug  zu sehen, komplett mit allen Accessoires.
Andererseits trat sie jedoch auch absolut feminin in mexikanischer Tracht und mit dem Schmuck der Ureinwohnerinnen auf und stellte sich so dar.

Frida Kahlos Werk wurde von der mexikanischen Regierung zum nationalen Kulturgut erklärt. Eines ihrer Bilder ist aktuell das am teuersten verkaufte Werk eines Malers aus Lateinamerika. Ihre Bilder haben häufig einen Bezug zu ihrem eigenen Leben, und insbesondere zu allem, was in diesem schwer oder schmerzhaft war: Der Unfall, die Fehlgeburten, die Untreue ihres Mannes und vieles mehr.

Es gibt zahlreiche Biographien und biographische Filmwerke zum Leben von Frida Kahlo. Empfehlen würde ich den Spielfilm Frida mit Salma Hayek in der Hauptrolle. Er basiert auf einer Biographie von Herrera und ist gleichermaßen Dokumentation und Unterhaltungsfilm.

 

Hayden Herrera: Frida Kahlo, Malerin der Schmerzen, Rebellin gegen das Unabänderliche, Scherz, München, 1983

Hayden Herrera: Frida Kahlo. Ein leidenschaftliches Leben, Scherz, Bern 1995

 

Kein Badajoz ohne Hochzeit

Und es trug sich zu…

…dass nach der Erstürmung von Badajoz zwei spanische Damen in das britische Lager kamen. Es war direkt nach der Einnahme der Stadt, als die britischen Soldaten unaufhaltsam plünderten.

Die beiden näherten sich den ersten Offizieren, die sie trafen, und die Ältere erklärte sich schnell: Sie waren die letzten verbleibenden Überlebenden einer Familie aus dem alten spanischen Adel. Eltern und Bruder waren im Krieg umgekommen. Sie hatten gerade die Plünderung überlebt – nicht ganz unbeschadet, denn die Soldaten, die ihnen ihren Schmuck abgenommen hatten, hatten ihnen nicht die Zeit gelassen, die Ohrringe abzunehmen, sondern sie direkt herausgerissen. Beide hatten frische Verletzungen.

Sie, die Ältere, war verheiratet. Ihr Mann diente bei der spanischen Armee und sie wünschte, ihn zu suchen und sich ihm anzuschließen. Für ihre jüngere Schwester Juana erbat sie den Schutz der britischen Offiziere. Die junge Dame war vor einer Woche 14 geworden. Sie war zuvor in einer Klosterschule erzogen worden und es war noch nicht lange her, dass man sie von dort aufgrund des Kriegszustands nach Hause geschickt hatte.

Einer der britischen Offiziere, die das Ganze mit ansahen war Henry George Wakelyn Smith, genannt „Harry“. Der Sohn eines englischen Landarztes und Pferdezüchters und einer Pastorentochter, ein mittlerer Sohn aus einer Großfamilie. Harry, mit seinen 24 Jahren (damit weiß der Leser hier nun mehr als er, denn er musste an seine Schwester in England schreiben, um sein eigenes Alter zu erfragen) volle zehn Jahre älter als Juana, ein Wildfang und rechter Draufgänger, immer in Bewegung. Liest man über ihn, fragt man sich unwillkürlich ob er in der heutigen Zeit nicht mit ADHS diagnostiziert worden wäre. Harry also, der glücklicherweise Spanisch annähernd so gut sprach wie English, hatte die Lösung für das Dilemma der Damen umgehend parat.

„Ganz einfach: Ich heirate sie.“

Und Juana, nach einem guten Blick auf Captain Smith, fand, dass ihr das eigentlich nicht schlecht passte. Was kümmerte es sie, dass er Brite war? Nicht aus dem Adel kam. Anglikaner. Sie kein Wort Englisch sprach.
Es muss wohl irgendwie Liebe auf den ersten Blick gewesen sein.

Ihre Schwester war weniger begeistert von der Idee. Brite, Arztsohn, Anglikaner… aber nun waren da schon zwei, die die Hochzeit wollten, und das zwar ausgerechnet das künftige Brautpaar.

Harry als britischer Offizier tat noch gut daran, die Hochzeitsgenehmigung von seinem Vorgesetzten einzuholen. Er ging einen Schritt weiter: Wellington selbst gab ihm seinen Segen für die Hochzeit – unter der Bedingung, dass er einen katholischen Priester zu beschaffen hatte, denn die Dame war schließlich katholisch, und es ging nicht an, ihr eine anglikanische Hochzeit aufzuzwingen.

Die Schwester stimmte schließlich ebenfalls zu, der Priester wurde gefunden. Wellington sprang für den fehlenden Brautvater ein und führte Juana zum Altar.

Der nachfolgende Versuch, Juana auf das Leben mit den anderen mitreisenden Ehefrauen im Tross der Armee vorzubereiten ging gehörig nach hinten los. Juana hörte sich nämlich die ausführlichen Beschreibungen der Schwierigkeiten und Probleme an, die Erklärungen, wozu ihr neuer Ehemann keine Zeit haben würde…

… und beschloss kurzerhand, das Leben im Tross sei nichts für sie.

Allerdings kam es ihr auch nicht in Frage, sich nach Lissabon schicken zu lassen, um dort auf ihn zu warten.

Nein, sie schloss sich direkt der Armee mit an, lebte im Zelt ihres Mannes, reiste mit den Soldaten und Offizieren, erledigte Harrys Haushalt und machte nebenbei noch die Wäsche und Flickarbeiten für einige seiner unverheirateten oder alleine reisenden Offizierskollegen mit. Sie fügte sich so gut in das Leben dort ein, dass niemand Grund zur Beschwerde hatte. Ob sie nun dem an Rheuma leidenden Vorgesetzen den Regenschirm hielt, sich um die Verwundeten kümmerte oder mal eben alleine einen halben Tagesritt zurück galoppierte, um unerlaubt geplünderte Ware zu ihrem rechtmäßigen Besitzer zurückzubringen – sie wusste sich jederzeit nützlich zu machen. Wellington – der sie auch durchaus schon mal einspannte, wenn ihm noch ein Mann fehlte – stellte sie schließlich dem russischen Zaren als „Offizierin“ vor.

Juana hatte vor ihrer Hochzeit nie auf einem Pferd gesessen. Harry gehörte von Kindheit an zur Marke „Das Pferd, das ich nicht reiten kann, muss noch gefohlt werden“. Er brachte ihr auf einem seiner Ersatzpferde das Reiten (und wohl auch Schießen) bei, und nur wenige Wochen später übernahm sie eines seiner besten Pferde – den Andalusier Tiny –, den sie den Rest des Kriegs über und darüber hinaus ritt. Mit ihren diversen Pferden, Harrys sechzehn Jagdhunden und Juanas „Vitty“, einem Mops, den sie nach der Schlacht von Vittoria adoptierte, dazu den fast obligatorischen Ziegen als Milchspender, führten die beiden auch eine rechte Menagerie mit, die immer für eine Anekdote gut ist.

„Jenny“, wie sie sich in England nannte, trat einige Jahre später zum anglikanischen Glauben über, was den Bruch mit ihrer Familie in Spanien bedeutete. In Harrys Familie war sie willkommen – auch vorher bereits.

Bedenkt man, wie die Ehe zustande gekommen war, mag es erstaunen, dass sie erfolgreich war. Mit Ausnahme eines Jahres, das Harry in Amerika verbrachte – die Überfahrt war zu kostspielig als dass Offiziere ihre Frauen hätten mitnehmen dürfen – begleitete Juana ihren „Enrique“ auf jeden Posten, ob in Indien oder Südafrika (die Stadt Ladysmith in Südafrika? Genau. Diese Lady Smith war das.). Dabei beschränkte sie sich nie auf die Rolle der passiven Ehefrau, sondern war ihm immer eine gleichberechtigte Partnerin.

Georgette Heyer verarbeitete den Stoff der Begegnung und der frühen Jahre ihrer Ehe in ihrem Buch „The Spanish Bride“ („Die spanische Braut“), das so nahe an den Quellen ist, dass man es eigentlich schon eher als nur leicht bearbeitete Sammelfassung der diversen veröffentlichten Brief-Sammlungen und Tagebücher bezeichnen könnte denn als Roman.

Mal Lust auf einen „echten“ historischen Liebesroman? Gibts auf deutsch und englisch beim Versandhandel mit dem großen kleinen „a“.

harry
Henry George Wakelyn Smith (1787 – 1860)
juana
Juana María de los Dolores de León Smith, Lady Smith (1798 – 1872)

Jane-Eliza Hasted: The Gentle Amazon – The Life & Times of Lady Smith, Museum Press Ltd., London, 1952
Johnny Kincaid: Adventures in the Rifle Brigade, in the Peninsula, France, and the Netherlands from 1809 to 1815, T. & W. Boone, London, 1830
G. C. Moore (Editor): The Autobiography of Lieutenant-General Sir Harry Smith, John Murray, London, 1903