6. Nacht: Bannorte

Bannorte sind Stellen, an die böse Geister gebunden werden können, auf dass sie jene in Frieden lassen, denen sie zuvor zugesetzt haben. Natürlich sollte man diese Orte gerade während der Rauhnächte meiden.

Einige davon befinden sich in Sumpfgebieten und sind ohnehin schwer zu erreichen; ein Weiher liegt auf dem US-Truppenübungsplatz bei Grafenwöhr, und sollte schon deswegen nicht als Ausflugsziel gewählt werden.

Ein gebannter Geist ist seinem Herrn Arbeit schuldig. Nur eine kurze Zeitspanne, heißt es, während der Dämmerung, kann er einigermaßen frei in Krähenform verbringen und seine geringe Freizeit genießen.

Unter den Bannorten befindet sich auch die Burgruine von Flossenbürg – ein Ort, den ich während der Rauhnächte in der Tat meiden würde, im Sommer und allgemein bei gutem Wetter als Rückzugsort aber sehr schätze.

Die offiziell zugänglichen Bereiche der Ruine, ausgestattet mit Geländern und Treppen für Besucher.

Blick aus dem Burghof

Die Reste des Wehrturms

Alle Bilder von Wikipedia (Von Mibeer – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20712143)

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Nestbau

Der gemeine langärmlige belgische Bibliothekar mit Schal ist eine besonders scheue Spezies, die selten außerhalb ihres bevorzugten Lebensraums gesichtet wird. Vor der Brutzeit baut das Männchen seinem Weibchen ein Nest aus Büchern…

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So sieht meine Hausbibliothek gerade aus. Der Herr nahm es auf sich, die herumstehenden Kisten und Schachteln zu sortieren und einzuräumen, wurde aber nicht fertig.

Er durfte es liegenlassen. Da ich die nächsten Tage in Österreich bin und wir dann zusammen in Brüssel Silvester feiern, ist es mir ja nicht im Weg. Hauptsache, er räumt es dann noch weg…

 

5. Nacht: Der grüne Fleck bei Weiden

Südöstlich von Weiden in der Oberpfalz befindet sich eine längliche Rasenfläche, die als „der grüne Fleck“ bezeichnet wird.

Will man diese Stelle besuchen, sollte man viel Zeit mitbringen.

Natürlich finden manche Geschichten, so etwa die des Jungbauerns, der auf dem Rückweg von einem Besuch bei seiner Braut das Grasstück querte, gerade um Mitternacht statt. Besagtem Bauern erschienen dort drei Frauen in Leintüchern. Obwohl sie ihn nicht beachteten, jagten sie ihm einen gehörigen Schrecken ein.

Häufiger jedoch, und unabhängig von der Tageszeit, hört man folgendes: Wer den grünen Fleck betritt, läuft Gefahr, von seinem Weg abzukommen und sich zu verlaufen. Dies trifft auch für absolut Ortskundige zu. Manch einer soll tagelang durch den Wald geirrt sein, bevor er schließlich wieder herausfand.

Einige sollen zunächst nicht einmal ihre Heimatstadt wiedererkannt haben, so verwirrt waren sie von ihrem Erlebnis.

Auch wird berichtet, dass Wanderer aus unbekannter – unsichtbarer – Quelle mit Sand beworfen werden und, ohne jemals den Weg zu verlassen, an vollkommen falschen Stellen herauskommen.

Eine Besonderheit hier ist, dass diese Begebenheiten sich keineswegs in der fernen Vergangenheit, oder auch nur in der Zeit unserer Großeltern oder Urgroßeltern abspielen.  Auch heute berichten Leute, sie hätten sich auf dem Weg entlang des grünen Flecks plötzlich verwirrt und orientierungslos gefühlt, seien wider besseren Wissens der Überzeugung gewesen, auf dem falschen Weg zu sein und umkehren zu müssen. Selbst solchen, denen während der Geschehnisse vollkommen bewusst ist, was gerade vor sich geht, und die versuchen, sich nach einem Orientierungspunkt zu richten, haben Schwierigkeiten, ihren Kurs zu halten.
Berichtet wird, dass der Drang immer dahin geht, linker Hand den Hang hinunter zu steigen. Erinnerungen, außer an die Verwirrung und Unsicherheit den richtigen Weg betreffend, haben sie nicht.

 

Halleluja – Variationen

Ich höre nur sehr wenig Musik, und auch nur in bestimmten Situationen. Häufig stört sie mich beim Denken, und der Effekt hallt noch lange nach, wenn die Musik schon lange wieder aus ist. Wenn ich weiß, dass ich danach Zeit habe, um mich wieder zu sortieren, gehe ich schon gerne auch mal auf ein Konzert – klassisch oder auch schon mal 60er/70er Jahre oder ins Musical.

Seltsamerweise kann ich gerade zum Autofahren gut Musik hören. Dort stört es mich nicht.

Viele Lieder auf meinem Autofahr-USB-Stick hört man sonst eher selten. Bei manchen schwimme ich aber direkt im Mainstream. Allerdings mag ich bei solchen Liedern dann oft auch Variationen gerne.

Eine Auswahl solcher hier nun, zu einem absoluten Mainstreamlied, das ich gerne höre.

Hallelujah von Leonard Cohen (das ja bekanntlich kein kirchengeeignetes Lied ist!)

Russisch – ich finde die russische Sprache gesungen ja wunderschön.
(textlich sehr christlich, sollte jemand den Text wirklich wollen, tippe ich ihn gerne ab und setze noch eine Übersetzung dazu):

Russisch (anderer Text)/Englisch/Arabisch

Vollfassung Arabisch:

Und nochmal Englisch. Text von Cloverton, einer christlichen Band, mit Weihnachtsbezug.

Der Chor gehört zu einer Sonderschule, Solistin Kaylee Rodgers (10 J.) ist Autistin.

4. Nacht: Das Rabenbrückerl

Von Klobenreuth nach Neustadt kann man auf der Straße gehen. Man könnte jedoch auch eine Abkürzung nehmen, durch den Wald und über den Bach. Das war auch der Weg, auf dem die Klobenreuther Gemeindemitglieder früher Sonntags zur Kirche nach Neustadt gingen. Allerdings wird der Weg nicht nach Einbruch der Dunkelheit benutzt, und schon gar nicht in Zeiten mit erhöhtem Spukaufkommen.

Die Brücke über den Bach – der „Rabenbach“ ist mehr ein kleiner Steg aus Granit.

Einst wurde in Neustadt eine Diebin gefasst. Da ihr Diebstahl besonders schwerwiegend war, wurde nicht nur die Todesstrafe ausgesprochen und vollstreckt, sondern die Strafe weiter verschärft: Der Leichnam sollte an einem Baum entlang des Wegs nach Klobenreuth aufgehängt werden, und dort hängen, bis die Raben das Fleisch abgefressen hatten.

Dies wurde so ausgeführt, und das Urteil wurde an der Stelle am Bach vollstreckt, an der noch immer die kleine Brücke steht.

Es heißt, seitdem hätte der Teufel selbst dort Zugang, und manch einer hat ihn schon gesehen, wie er bei der Brücke nachts mit zwei Kumpanen und Spielkarten auf achtlose Reisende wartet – denn zum  „Schafkopfen“ braucht man vier Mann.

Die Diebin von damals allerdings hat die Stelle ebenfalls nicht verlassen. Sie erscheint nachts im weißen Kleid – oder Büßerhemd.

Eine Begegnung wird so geschildert: In Klobenreuth lag eine Frau in den Wehen, und ein Kind aus dem Dorf wurde nach Neustadt geschickt, die Hebamme hohlen. Dem Jungen wurde eindringlich mitgeteilt, dass es eile, und so nahm er, auch wenn es bereits Nacht war, den Weg durch den Wald. Bei der Brücke begegnete er dann – wie zu erwarten – der „weißen Frau“, die ihm den Weg wies und ihn weiter zur Eile anhielt. Sei es aufgrund seines Alters, der Art seines Botengangs, oder weil sie allgemein keinen Groll gegen die Lebenden hegt – sie scheint es zumindest in dieser Nacht gut gemeint zu haben.

Leider sind keine anderen Begegnungen mit ihr bekannt, bei denen es zu Gesprächen gekommen wäre.

 

Linguistisch interessant: Der Steg wird als „Roombrückerl“ gesprochen. Es wird allgemein verstanden, dass das „Rabenbrückerl“ heißen soll. Jedoch: Im örtlichen Dialekt existiert das Wort „Rom“ oder „Room“ für „Raben“ nicht.

 

3. Nacht: Die Drud

Die Drud ist ein Wesen, das in der Oberpfalz im Volksglauben einst weit und umfassend verbreitet war. In christlicher Zeit ging die Erklärung dahin, es sei eine Folge einer inkorrekt durchgeführten Taufe.

Bei der Oberpfälzer Drud gibt es ein paar kleine Besonderheiten: Andernorts sind sie häufig mit Hexen vermischt und werden als inhärent Böse dargestellt. Unsere Drud geht zwar nachts „drucken“, tut dies aber aus einem Zwang und gegen den eigenen Willen. Sie wünscht in der Regel die Erlösung von diesem Zustand.

Sie hat in der Regel die Fähigkeit des Gestaltwandels, kann im Dunkeln sehen und hört alles, was über sie gesprochen wird, egal wo und von wem, sofern der Ausspruch nicht mit einer bestimmten Formel begleitet wird.

Die männliche Drud bezeichnet man als Druderer. Dieser neigt dazu, nachts auf Dächer und andere hohe Stellen zu klettern. Wird er angesprochen, fällt er tot herunter.

Die Drud hingegen lässt bei ihren nächtlichen Ausflügen ihren Körper zurück und bewegt sich als Geistwesen.

Das „drucken“ stellt man sich dahingehend vor, dass die Drud sich nachts auf die Brust des schlafenden setzt und ihm das Atmen schwer macht sowie Alpträume verursacht. Sie hat insofern Ähnlichkeit mit dem Nachtmahr. Besonders leicht findet sie zum drucken Menschen, die „ihr Geld mit ins Bett nehmen“ oder nachts das Licht brennen lassen.

Vermutet man, eine Drud im Umfeld zu haben, sollte man sie mit diesem Verdacht keineswegs konfrontieren. Man darf nämlich nicht vergessen: Die Drud kann nichts für ihren Zustand. Sie wurde nicht durch eigene Schuld, nicht durch Dämonenpakt oder durch eigene Bosheit so, sondern durch den Fehler anderer. Daher ist sie relativ leicht zu erlösen – leider mit Nebenwirkung. Wirft man also einer Drud vor, eine ebensolche zu sein, oder spricht man sie auch nur darauf an, ist diese fortan frei, doch der Drudenzustand geht direkt auf den anderen über.

Es gibt natürlich zahlreiche Mittel, um den Besuch einer Drud zu verhindern. Eine Möglichkeit etwa wäre es, ein Messer mit der Schneide nach oben in die Tür zu stecken. Der Drudenfuß an der Tür oder am Bett ist ebenfalls ein probates Schutzmittel, und auch schlafen auf der rechten Seite soll helfen.

Hat man auf seinen Schutz vergessen, oder hat die Drud dennoch Zugang zum Schlafzimmer gefunden, ist es vielleicht am besten, sich einfach auf ein paar unangenehme Nächte einzustellen. Die Drud mag zwar, wenn sie keine Menschen zum drucken findet, durchaus den Tod kleinerer Tiere verursachen, und das Drucken mag auch bei Säuglingen durchaus tödlichen Ausgang finden, einem Erwachsenen kann sie jedoch neben dem nächtlichen Schrecken keinen weiteren Schaden zufügen. Sie kommt neun Nächte in Folge, und wird den Gedruckten danach in Ruhe lassen.

Nicht lustig…

…ist, wenn der Laden um die Ecke ein für mich… nun ja, nicht lebenswichtiges, aber doch zumindest für mein Wohlbefinden relevantes und massiv stressabbauendes Lebensmittel aus dem Sortiment nimmt.

Warum, zum Kuckuck? Es ist nichts ungewöhnliches, sie führen die Marke nach wie vor, sie haben nur diese eine Geschmacksrichtung nicht mehr. *seufz*.

Tja, dann werde ich wohl künftig meinen Wocheneinkauf, wenn ich in Bayern bin, in den großen Supermarkt in der nächsten Stadt verlegen müssen… ist ja albern, hier um die Ecke einkaufen, dann nochmal in die andere Stadt um einen einzigen Artikel zu holen…. kann ich gleich dort alles kaufen.

Und, nein, liebe Verkäuferin, Sie meinten es vielleicht nett, aber weder eine andere Geschmacksrichtung, noch eine andere Marke kommt in Frage. Exakt diese Sorte exakt dieser Marke ist seit ca. zwei Jahrzehnten einer meiner Top-Stresslöser.

Frida Kahlo

Da wir offenbar noch nicht genug Kuschel- und Dekokissen haben, musste mal wieder Nachschub her. Wenn man dann noch Bezüge findet, die zum einen interessante Motive haben und zum anderen vom Material bzw. der Textur her noch nicht vorhanden sind, ist die Kaufentscheidung schnell getroffen. Und da wir uns eh nicht entscheiden konnten, welches Motiv wir wollten, ist es auch praktisch, dass wir sowieso zwei Wohnorte auszustatten haben.

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Die auf den Bezügen dargestellte Frau ist Frida Kahlo de Rivera (1907-1954), eine mexikanische Malerin. Ihr Wert wird häufig dem Surrealismus zugerechnet, auch wenn sie selbst dieser Einordnung nicht zustimmte. Ihr Stil erinnert oft an naive oder volkstümliche Malerei.

Ihr Vater stammte aus Deutschland, wanderte nach Mexiko aus und nahm mit der mexikanischen Staatsbürgerschaft auch den spanischen Vornamen Guillermo (Wilhelm) an. Von ihm lernte Frida das Malen und Fotografieren.

Im Alter von 18 Jahren wurde Frida bei einem Busunfall schwer verletzt. Zwar erholte sie sich wider Erwarten zunächst fast vollständig, doch begleiteten sie die Folgen der schweren Verletzungen zeitlebens. Besonders traf es sie, dass sie nicht mehr in der Lage war, ein Kind auszutragen. Sie hatte mehrere Fehlgeburten und musste schließlich den Wunsch nach einem Kind aufgeben. Spätfolgen führten schließlich auch zur Amputation ihres rechten Fußes.

Ihre Ehe mit Diego Rivera, einem viel älteren mexikanischen Künstler, hielt zunächst zehn Jahre. Nur ein Jahr nach der Scheidung heirateten sie erneut.

In einem Umfeld, in dem die Rolle der Frau sehr eng definiert war, sprengte Frida die Grenzen. Sie trank, sie rauchte, ihr Sinn für Humor war derb, ihre Bilder fielen in Stil und Motiven aus dem Rahmen des üblichen. Sie trug Männerkleidung, schnitt sich auch schon mal die Haare kurz und betonte in ihren Selbstportraits oft Damenbart und Augenbrauen, was gar nicht dem weiblichen „Schönheitsideal“ entsprach. Bereits in einer Fotoserie  ihres Vaters aus dem Jahr 1926 ist Frida neben ihren Geschwistern im dreiteiligen Herrenanzug  zu sehen, komplett mit allen Accessoires.
Andererseits trat sie jedoch auch absolut feminin in mexikanischer Tracht und mit dem Schmuck der Ureinwohnerinnen auf und stellte sich so dar.

Frida Kahlos Werk wurde von der mexikanischen Regierung zum nationalen Kulturgut erklärt. Eines ihrer Bilder ist aktuell das am teuersten verkaufte Werk eines Malers aus Lateinamerika. Ihre Bilder haben häufig einen Bezug zu ihrem eigenen Leben, und insbesondere zu allem, was in diesem schwer oder schmerzhaft war: Der Unfall, die Fehlgeburten, die Untreue ihres Mannes und vieles mehr.

Es gibt zahlreiche Biographien und biographische Filmwerke zum Leben von Frida Kahlo. Empfehlen würde ich den Spielfilm Frida mit Salma Hayek in der Hauptrolle. Er basiert auf einer Biographie von Herrera und ist gleichermaßen Dokumentation und Unterhaltungsfilm.

 

Hayden Herrera: Frida Kahlo, Malerin der Schmerzen, Rebellin gegen das Unabänderliche, Scherz, München, 1983

Hayden Herrera: Frida Kahlo. Ein leidenschaftliches Leben, Scherz, Bern 1995

 

2. Nacht: Der Kalte Baum bei Vohenstrauß

Ein paar Kilometer südwestlich der Ortschaft Vohenstrauß liegt der Einödhof Kaltenbaum. Benannt ist er nach einer dort wachsenden Steinlinde, dem „Kalten Baum“. Es heißt, er sei annähernd 800 Jahre alt – oder noch älter. Eine urkundliche Ersterwähnung gibt es angeblich aus dem 14. Jahrhundert. Betrachtet man die urkundlichen Erwähnungen allerdings genauer, stößt man auf Anderes. Der Baum diente eine Grenzmarkierung, wurde in Grenzstreitigkeiten gefällt und neu gepflanzt; verdorrte und wurde neu gepflanzt; sah nicht mehr schön aus und wurde neu gepflanzt. Aktuell setzt im die vorbeiführende Autobahn arg zu.

Der Name leitet sich wohl davon her, dass er an exponierte Stelle steht, und der kalte „Böhmische“ [Wind] hier besonders stark und oft pfeift.

Es gibt jedoch auch andere Erklärungen.

Eine etwa geht dahin, dass verwitwete Gräfin sich in einen eben aus dem Kreuzzug heimgekehrten Grafen verliebte. Er war zwar angetan, verweigerte jedoch die Beziehung, da die Dame bereits zwei Kinder aus erster Ehe hatte, und er nicht die Nachkommen eines anderen aufziehen wollte. Mit Zauberei entledigte sich die Frau ihrer Kinder, und nach deren Tod trafen sich Graf und Gräfin auf halber Strecke zwischen ihren Heimatorten.
Er forderte von ihr eine Erklärung für den Tod ihrer Kinder, und sie ließ sich dazu hinreißen, ihm die Wahrheit zu sagen – „Sie sind deinetwegen gestorben.“ Er richtete sie auf der Stelle mit seinem Schwert und be- oder ver-grub sie an Ort und Stelle. Dabei fiel ein Samenkorn, das sich während seiner Zeit im Heiligen Land in seiner Kleidung verfangen hatte, und dort noch immer wartete, mit in das Grab, verband sich mit dem kalten Herz der Mörderin und wuchs zum Kalten Baum.
Der fast ununterbrochene Wind, der den Baum umweht, ist der umgehende Geist der Frau.

Die Wilde Jagd geht hier insbesondere in den Rauhnächten besonders wild um. Hexen dürfen sich ihr anschließen, müssen jedoch darauf achten, nicht plötzlich selbst gejagt zu werden.

Vom kalten Baum nach Norden blickend sieht man den als „Elm“ bekannten Wald. Besonders dicht und dunkel, ist dieser Wald ebenso wie das direkte Umfeld des kalten Baums ein Bereich, der von der Bevölkerung weitestgehend gemieden wurde. Zu viele arme Seelen und Geister gingen hier um. Die Wilde Jagd bricht aus dem Elm zu ihrem Rundritt durch unsere Ecke der Oberpfalz auf. Ein schwarzer Pudel bewacht die Wege und verwehrt Wanderern nach Einbruch der Dunkelheit den Durchgang. Holzfräulein und Hoimänner, zwei Varianten der örtlichen Waldgeister, leben.

Es ranken sich so viele Sagen um diesen Baum, dass ich nicht versuchen werde, sie hier alle aufzuzählen. Besonders interessant finde ich jedoch diejenigen, die sich mit der Zukunft befassen. So soll die letzte Schlacht am Kalten Baum geschlagen werden; Er heißt, der Baum würde das Menschengeschlecht überdauern und den Aufstieg einer neuen, glücklichen Menschheit sehen.
In dem Zusammenhang ist eine andere Erklärung über den Ursprung des Kalten Baums von Interesse. In ihr kam ein Reisender aus dem Norden in einer Kutsche, vor die Ziegen gespannt waren. An seinem Hut steckte ein Ast. Den steckte er in den Boden, er schlug Wurzeln und es wuchs daraus der Kalte Baum.
Im weiteren Verlauf soll, wenn die letzte Schlacht geschlagen ist, ebenfalls aus Norden ein Paar kommen, sich unter dem Baum niederlassen und dort ihre Familie gründen. Ihre Nachkommen sollen sich von hier aus erneut über die Welt verbreiten.

Wer mit den Inhalten der Edda vertraut ist, wird die Grundzüge wiedererkennen.

Sollten wir etwa einen Ableger von Yggdrasil hier an der Autobahn stehen haben?

Zugegeben: Es wäre recht beeindruckend für den Zweig der Weltenesche, zu einer Linde heranzuwachsen. Natürlich würde ich mir aber niemals anmaßen, Yggdrasil seine genauen Fähigkeiten vorschreiben zu wollen.

Da ich keine eigenen Fotos habe und Wikipedia nichts hergibt… der Kalte Baum ist hier zu sehen:

http://www.panoramio.com/photo/23730657

http://www.panoramio.com/photo/23730682