Museum der Medizingeschichte, Brüssel

Wir sind an sich sehr große Museumsfans.

Die Region Brüssel ist da sehr gut bestückt.

Mein absolutes Lieblingsmuseum ist gleichzeitig das erste, das wir je gemeinsam besucht haben.

Es ist das Musée de la Médecine/Museum voor Geneeskunde – das Museum der Medizingeschichte.

Damals war mein Mann, der zu dem Zeitpunkt noch lediglich der Mann war, den mir eine gemeinsame Bekannte zwangsvorgestellt hatte. Oder sagen wir mal, irgendwie war schon was im Busch, da dieses zweite persönliche Treffen aus einer für mich absolute untypischen Schnapsidee entstanden war und ich jetzt aus organisatorischen Gründen eine Weile in Belgien festsaß. Lange Story, und die soll auch mal zur allgemeinen Erheiterung erzählt werden, aber in einem eigenen Post.

Als nun also der Herr hörte, dass Medizingeschichte ein absolutes Lieblingsthema von mir ist, regte er umgehend einen Besuch in diesem Museum an, und dem stimmte ich auch umgehend zu.

Das Museum befindet sich in Anderlecht. Anderlecht ist eine der Gemeinden in der Region Brüssel-Hauptstadt und zwar im Südewesten derselben. Oder, um es Johanna-kompatibel auszudrücken: unten links.

Eine kleine Herausforderung für zwei Vollzeit arbeitende Menschen: Die Öffnungszeiten. Wochentags, 13 bis 16 Uhr. Super. Ein Wochenende im Monat ist auch geöffnet, aber das war grad etwas lange hin.

Neben der Platzierung der Öffnungszeiten finde ich die Dauer sehr anstrengend. Drei Stunden? Wie soll ich in drei Stunden durch dieses Museum kommen. Ehrlich… ich könnte da drin doppelt so viel Zeit verbringen. Immerhin ist der Eintritt günstig, sodass man durchaus mehrmals vorbeikommen kann. Vorausgesetzt, man schafft es, sich zwischen eins und vier Zeit zu nehmen. Oder man wartet eben auf das erste Wochenende im Monat.

Neben wechselnden Sonderausstellungen gibt es tolle Dauerausstellungen. Vorausgesetzt, man interessiert sich für Medizingeschichte.

Außerdem sollte man sich nicht leicht ekeln, denn es gibt viele sehr detaillierte Modelle, z. B. mit zur Illustration von Operationen, Amputationen u. ä. Jaja ich finde das toll. In der chirurgischen Sammlung alleine könnte ich Stunden verbringen.

Die Sammlung der anatomischen Modelle – erneut mit der Darstellung zahlreicher Verfahren im Detail – kostet mich ebensoviel Zeit. Oder eher: noch mehr, denn diese Ausstellung ist auf zwei Ebenen verteilt und bietet entsprechend viel zu sehen.

Der allgemeine Ausstellungsbereich ist sicher eher Mainstream-tauglich und enthält viele interessante Stücke, vom ausgestopften Pestdoktor bis zu einer kompletten Apothekeneinrichtung.

Einen ganz eigenen Besuch waren mir die Sammlungen zur ägyptischen und präkolumbianischen Medizin wert – die erste unten im Keller, die zweite ganz oben, in entgegengesetzten Teilen des Gebäudes.

Nach wie vor habe ich es nicht geschafft, die Ausstellungen zu asiatischer und afrikanischer Medizin zu besuchen. Diese sind nur zu sehen, während keine temporären Ausstellungen stattfinden. Das hat sich zeitlich noch nicht ergeben.

Die Ausstellung der historischen Medizinbücher lasse ich aus. Da juckt es mich zu sehr in den Fingern, Sachen anzufassen und durchzublättern.

Wer etwas mehr Anleitung beim Besuch haben will als ich, kann sich für zwei Euro einen Digiguide leihen oder im Voraus eine Führung buchen. Mit Digiguides komme ich meistens nicht zurecht, also lassen wir das… und eine Führung würde mich persönlich eher stören, da ich mich in Ruhe mit dem befassen können will, was mich Besonderes interessiert.

Unterm Strich, abgesehen von den echt belgisch-bescheuerten Öffnungszeiten ein wirklich tollen Museum zum Thema.

 

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Flotsam & Jetsam

Im englischen Sprachgebrauch hört man die Begriffe „Flotsam“ und „Jetsam“ zumeist gemeinsam. Übertragen werden sie oft verwendet, um Dinge – oder Personen – zu beschreiben, die irgendwie durch die Ritzen gefallen sind und nun sozusagen ziel- und sinnlos treiben…

Eigentlich sind es Begriffe aus dem Seerecht. Übersetzt wird beides als „Treibgut“, jedoch ist die Unterscheidung in der ursprünglichen Verwendung relevant. „Flotsam“ sind Wrackteile oder Ladungsteile, die nach einer Havarie oder einem Unfall im Wasser treiben bzw. angeschwemmt werden. „Jetsam“ sind Schiffsteile oder Teile der Ladung, die mit Absicht über Bord geworfen wurden, etwa um Ballast loszuwerden oder um speziell zu verhindern, dass die Ladung mit dem Schiff untergeht.

Wenn ich unterwegs bin und mich umsehe, komme ich mir eben manchmal auch vor, wie ein Treibgutsammler. Ich wühle in dem angeschwemmten „Angebot“ und hoffe, irgendwo Goldmünzen zu finden… Sozusagen, denn natürlich suche ich keine Goldmünzen.

Für mich ist „Flotsam“ etwas, das ich mehr zufällig finde, das irgendwie schon durch –zig Hände gegangen ist, und bei dem die direkte Herkunft nicht mehr festzustellen ist. Als „Jetsam“ bezeichne ich entsprechend die eher unverhofften Funde, die ich direkt vom Vorbesitzer in einem gezielten Verkauf bekomme – etwa auf dem Flohmarkt oder auch mal per eBay.

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Mein Lieblingsmann besteht drauf, dass die Mittagspause außer in strömendem Regen außerhalb der Arbeitsstätte verbracht wird. Wenn ich von der Bibliothek aus arbeite, sind wir also mittags immer eine Weise unterwegs. Das ist ganz nett, der Park ist nicht weit. Wenn das Wetter aber nicht so schön ist, zieht es uns oft eher in die andere Richtung. Dann landen wir wie heute etwa in einer Buchhandlung oder einem Antiquariat.

Das Schöne an Antiquariaten ist ja: man weiß vorher nie, was man findet.

Hier steckte also zwischen vielem Niederländisch und Französisch – mehr Niederländisch als Französisch in diesem Fall – ein dünnes deutsches Büchlein, sehr unscheinbar. Titel: „Nürnberg – 100 Jahre unter der Krone Bayerns.“

Der Mann entdeckt’s, schlägt es auf, grübelt, blättert, und fragt: „Hast du Geld dabei?“

„Ja, brauchst du welches?“

„Nee, aber du.“

Sagt’s und hält mir das Buch hin. „Seite 9, mittlerer Absatz, zweiter Eintrag.“

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Das ist Flotsam. Und ein „Atty“.