Scheidung mal anders

Und es trug sich zu…

… dass England den vermutlich amüsantesten Scheidungsfall aller Zeiten erlebte

Scheidungen sind ja an  und für sich meistens nicht so witzig. Gelegentlich allerdings sind sie geradezu spektakulär.

Wir schreiben das Jahr 1810.

Da es sonst gleich sehr unübersichtlich wird, möchte ich die Protagonisten dieses kleinen Scheidungsfalls kurz vorstellen.

Da hätten wir:

Henry Paget, Jahrgang 1768, Erbe seines Vaters, seit 1795 verheiratet mit
Caroline Elizabeth Villiers, Jahrgang 1774, genannt „Car“;
aus der Ehe sind bislang acht Kinder hervorgegangen.

Henry Wellesley, Jahrgang 1770, Politiker, seit 1803 verheiratet mit
Charlotte Cadogan, Jahrgang 1781, genannt „Char“;
aus der Ehe sind bislang vier Kinder hervorgegangen.

George Campbell (Duke of Argyll), Jahrgang 1768, genannt „Argyll“.
Bislang unverheiratet.

Die ganze Sache hatte zwei Jahre zuvor begonnen, als Charlotte den ärztlichen Rat erhielt, zur Förderung ihrer Gesundheit zu reiten. Nun konnte ihr Ehemann es sich leider nicht leisten, ihr ein Pferd oder einen Reitlehrer zur Verfügung zu stellen.

Die Lösung fand sich, als Henry Paget sich freundlicherweise bereiterklärte, beides zu besorgen – oder, genauer gesagt: das Pferd zu besorgen und den Reitlehrer selbst zu machen. Da Paget einer der absolut besten Reiter auf der Insel gewesen sein dürfte, war Henry Wellesley (dieser war im Übrigen der jüngere Bruder meines „Atty“, der seinerseits damals noch weit davon entfernt war, Herzog zu sein) auch sehr angetan davon.

„Char“ bekam also ihre Reitstunden, und die taten ihrer Gesundheit gleich so gut, dass sie nochmal schwanger wurde – das vierte der obigen Kinder.

Jetzt wurde also erst mal nicht mehr geritten, dafür unterhielten die beiden – Charlotte und Paget – einen regen Briefkontakt.

Ihr Umfeld hatte allerdings, wie es bei solchen Umfeldern halt so ist, einiges zu der Sache beizutragen. So etwa ausführliche Kommentare dazu, dass Charlotte und Paget zu viel Zeit zusammen verbracht hätten, und ojeh, wo das wohl hinführen würde..?

In Anbetracht dessen bot nun Charlotte ihrem Ehemann nun nach der Geburt ihres Sohns Anfang 1809 an, jeglichen Kontakt mit Paget eizustellen. Henry Wellesley winkte ab. Das sei schon in Ordnung, er habe volles Vertrauen in sie…  nur das mit dem Reiten möge sie doch bitte bleibenlassen.

Gut. Das Reiten ließen sie also bleiben. Stattdessen kam es jetzt zu ausgedehnten gemeinsamen Spaziergängen, und bald fing Charlotte an, ihren Diener, der sie als Eskorte begleitete, für ein, zwei Stunden wegzuschicken, wenn sie mit Paget spazierte.


Derweil hatte sich im Hause Paget auch das eine oder andere ereignet.

Henry Paget blieb nicht verborgen, dass die Korrespondenz seiner Gattin Caroline mit George Campbell, dem Herzog Argyll, vielleicht nicht mehr so ganz angemessen war, für eine verheiratete Frau und einen unverheirateten Mann.

Das nachfolgende Gespräch ist im Detail zwar nicht überliefert, im Ergebnis jedoch schon, nämlich in Form eines Briefwechsels zwischen zwei Brüdern von Henry Paget, die sich darüber auslassen. Glaubt man den beiden, muss es etwa so abgelaufen sein:

Henry Paget:  „Car, ich höre du stehst auf Argyll.“

Caroline Paget: „Wo hörst du denn sowas?“

Henry: „Isses so?“

Caroline: „Und was, wenn es so wäre?“

Henry: „Das wäre sehr praktisch.“

Caroline: „Bitte was wäre das?“

Henry: „Praktisch wäre das. Weißt du, da ist diese Frau.“

Caroline: „Charlotte. Wellesley.“

Henry: „Ich sehe, du weißt Bescheid. Also, ich mag Charlotte, und Charlotte mag mich. Und du magst Argyll und Argyll mag dich. Also machen wir das so: Wenn sich Henry Wellesley von Charlotte scheiden lässt, lasse ich mich von dir scheiden, dann heirate ich Charlotte und du heiratest Argyll und wir sind alle glücklich – also, alle außer Wellesley.“

Caroline: „Und wenn Wellesley sich nicht scheiden lassen will?“

Henry: „Naja, dann muss ich weiter außerehelich mit Charlotte schlafen, und du müsstest dann halt auch außerehelich mit Argyll… aber das ginge ja auch, oder?“

Caroline: „Und was sagen Charlotte und Argyll dazu?“


Charlotte hatte inzwischen – es war März geworden – erste Schritte eingeleitet und etwa bei einer Schneiderin einen Satz Kleidung „für eine Freundin“ bestellt, die dort auf Abruf bereitgehalten werden sollten.

Wellesley war vielleicht nicht der schnellste, was die Vergnügungen seiner Angetrauten betraf, aber irgendwann kapierte er es auch und stellte sie zur Rede. Dabei redete er sich dermaßen in Rage, dass er sie schließlich anschrie, entweder sie oder er müssten am folgenden Tag ausziehen.

Charlotte nahm ihn beim Wort. Am nächsten Tag verließ sie das Haus, nahm eine Kutsche und fuhr zu Paget.

Kaum dass Wellesley merkte, dass sie genau das gemacht hatte, was er verlangt hatte, fiel ihm ein, dass er das nicht so gemeint hatte. Er machte sich also auf die Suche nach seiner Frau, konnte diese aber zunächst nicht auffinden. Über die Schneiderin schaffte er es schließlich, herauszufinden, wo sie sich aufhielt.

Dorthin übermittelte er ihr nun also ein Schreiben, in dem er ihr mitteilte, dass sie selbstverständlich zu ihm zurückkommen dürfe.

Charlottes Antwort war ein langes und sehr höfliches Schreiben, dessen Inhalt sich etwa so zusammenfassen lässt: „Nö.“


Paget und Charlotte zogen nun zunächst gemeinsam in eine kleine Wohnung, die einem Freund Pagets gehörte. Eine Sache gab es, über die Charlotte unglücklich war: Ihr Mann hatte die Kinder. Das ließ sich nun gerade nicht ändern, und es war in Scheidungssituationen zu der Zeit auch üblich – sofern man von „üblich“ sprechen konnte – , dass der Ehemann die Kinder behielt. Schließlich war der hauptsächlich anerkannte Scheidungsgrund Ehebruch durch die Frau.

Bei Paget und Caroline sah die Absprache von vorneherein anders aus: Deren acht Kinder blieben auf Carolines Wunsch bei ihr.

Es folgte eine Vielzahl von Briefen. Etwa so:

Wellesley an Charlotte: Kannst zurückkommen.

Charlotte an Wellesley: Nö.

Wellesley an Charlotte: Komm zurück!

Charlotte an Wellesley: Nö.

Wellesley an Charlotte: Komm bitte zurück!

Charlotte an Wellesley: Nö.

Pagets Brüder an Paget: Sag mal, spinnst du?

Paget an Brüder: Nö.

Pagets Vater an Charlotte: Verlass meinen Sohn!

Paget an Pagets Vater: Halt du dich da raus, Papa!


Die Zeitungen bekamen Wind davon und ließen sich ausführlich über die Situation aus. Skandale mochte man ja immer schon gerne.

Mit viel Überredungskunst schafften es Charlottes und Pagets jeweilige Brüder, die beiden zu einem „Experiment“ zu überreden. Sie sollten sich einen Monat lang nicht sehen, um festzustellen, ob sie die Situation mit etwas Abstand nicht anders betrachten würden.

Sie hielten zwölf Tage durch.

Paget erhielt ein paar Duellforderungen von Charlottes Bruder. Henry Wellesley verklagte ihn auf Schadensersatz – das war zu der Zeit üblich, bei Ehebruch – und bekam, was wohl kaum überraschend war, Recht.

Paget und Charlotte zogen aufs Land.

Um irgendwie mit den gemeinschaftlichen Plänen vorwärts zu kommen – Argyll hatte inzwischen Caroline schon mal vorsorglich einen Heiratsantrag gemacht, den sie ebenso vorsorglich schon mal angenommen hatte – mussten nun zwei Scheidungen vollzogen werden.

Die einfachere hätte die der Wellesleys sein sollen. An dem Ehebruch war ja wohl nicht zu rütteln – sollte man meinen – und die Scheidung hätte eine reine Formsache sein sollen.

Nur Henry Wellesley wollte nicht so mitspielen. Der erklärte mal wieder, dass er seine Frau doch gerne zurück hätte… und überhaupt sei er gar nicht so sicher, dass sie wirklich den Ehebruch vollzogen hatten. Außerdem fühlte er sich als alleinerziehender Vater, trotz der Dienerschaft und Verwandtschaft, die ihm die Arbeit abnahm, stark überfordert. Charlotte würde von ihm also keine Scheidung bekommen, solange er keinen Beweis für den Ehebruch hatte.

Charlotte und Paget schüttelten einmal gemeinschaftlich den Kopf und machten sich dran, den Beweis zu produzieren. Dieser kam am 4. März 1810 zur Welt und wurde auf den Namen Emily getauft.

Nun wurde also endlich geschieden – nämlich Henry Wellesley von Charlotte, wobei Wellesley inzwischen die Nase vom um-die-Kinder-kümmern dermaßen voll hatte, dass er es Paget gleich tat und die Kinder zur Mutter schickte – was dieser wiederum nur Recht war.


Kaum, dass diese Scheidung rechtskräftig war, wandte sich nun Caroline an einen Anwalt. Sie wollte sich von Henry scheiden lassen – der hatte ja nun eben auch Ehebruch begangen, und das war ein guter Scheidungsgrund.

Dabei stellten die vier – also Caroline, Charlotte, Paget und Argyll – nun aber fest: so einfach ging das mal wieder nicht.

Es konnte nämlich nach englischem Recht sich lediglich der Ehemann von der ehebrechenden Ehefrau scheiden lassen – nicht aber umgekehrt.

Na gut, einfachste Lösung: Caroline und Argyll lassen sich beim Ehebruchbegehen erwischen, Paget reicht die Scheidung ein.

Da spielte aber Argyll nicht mit: Ehebruch begehen gerne, aber erwischen lassen nicht, weil „Meine Mutter bringt uns um.“

Nun gab es aber zum Glück einen Ausweg: Das schottische Gesetz unterschied sich nämlich vom englischen, und dort konnte auch die Frau die Scheidung einreichen. Voraussetzung: Die Parteien des Scheidungsfalls mussten mindestens 40 Tage lang in Schottland gelebt haben.

Die vier packten also ihre Koffer und mieteten sich in Schottland ein Haus.

Dort hatten sie nun erst mal 40 Tage Zeit, um weitere Pläne zu schmieden, und die waren durchaus notwendig.

Das Gesetz hatte nämlich noch zwei Haken:

Der erste: Der Mann durfte unter keinen Umständen anschließend die Frau heiraten, die der Anlass zur Scheidung war.

Der zweite: Absprachen waren verboten.

Zu Problem Nummer 2 gab es nun wirklich nur eine Lösung: Gemeinschaftlicher Meineid.

Problem Nummer 1 hätte sich relativ leicht lösen lassen, indem Paget sich einfach mit einer anderen Frau im Bett hätte erwischen lassen. Da spielten nun aber weder Paget noch Charlotte mit.

Also wurden die vier kreativ. Paget mietete sich unter einem schlecht angenommenen Decknamen mit einer Begleiterin in einem Hotel ein. Die Begleiterin war dicht verschleiert, nahm ihre Mahlzeiten im Zimmer ein, und zeigte ihr Gesicht nie vor dem Personal.

Caroline entwickelte plötzlich ob der Abwesenheit ihres Mannes und wissend um seine kürzliche Affäre mit Charlotte den „Verdacht“, ihr Mann hätte erneut eine Geliebte, und beauftragte einen Detektiv, ihm nachzustellen.

Dieser wurde wie gewünscht fündig, konnte nur leider ebenfalls die Frau nicht identifizieren. Eine Frau war es aber jedenfalls, und sie war in Pagets Bett gewesen, und die beiden mit Begeisterung bei der Sache – und so hatte Caroline die Handhabe, die sie brauchte, um ihre Scheidung einzureichen.

Lord und Lady Paget wurden geschieden.

Henry Paget heiratete Charlotte, womit Lord Paget nun eine neue Lady Paget hatte.

Der Herzog Argyll heiratete Caroline und machte sie zur Herzogin (was auch Carolines Familie mit der ganzen Angelegenheit versöhnte).

Die vier fuhren zusammen in die Flitterwochen.

Henry Wellesley biss sich vermutlich in den Allerwertesten.


Die englische – und auch die schottische – Gesellschaft war entrüstet und erzürnt. Das Quartett Paget/Argyll kümmerte sich nicht drum. 1811 schreibt Caroline an Pagets Bruder, „anything that I had thought happiness in the former part of my life was not for a moment to be compared to the superlative degree of bliss which I am now enjoying“ („alles, was ich in meinem Leben früher für Glück gehalten habe, war  nicht im geringsten Vergleichbar mit der überragenden Freude, die ich jetzt genießen darf.“)

Henry und Charlotte Paget machten weiter, wie sie schon mal angefangen hatten, und zeugten im Lauf der nächsten Jahre neun weitere Kinder.

Die Ehe der Argylls blieb kinderlos, zumindest, was gemeinsame Kinder betraf. Es waren ja nun aber wirklich genug Kinder da – Carolines acht, Charlottes vier plus zehn… Die Kinder lebten abwechselnd bei den beiden Familien, nannten Caroline „Mama Argyll“ und Charlotte „Mama Paget“.


1815 stand man vor einem hochkomplizierten Problem. Napoleon war wieder da, und man war gerade dabei, den großen Showdown vorzubereiten. Oberbefehlshaber sollte sein – klar – Arthur Wellesley, inzwischen Herzog Wellington. Aber sein Stellvertreter, der zweite in der Rangfolge? Es kamen nicht so viele in Frage.

In der festen Annahme, damit einen Wutausbruch auf Seiten Wellingtons zu provozieren, schrieb man ihm also einen sehr höflichen Entschuldigungsbrief. Es täte allem Leid aber es ginge nicht anders – der Stellvertreter müsse Lord Uxbridge sein – Henry Pagets Vater war nämlich inzwischen verstorben, und er hatte den Titel geerbt. Man wisse ja, der sei mit Wellingtons Schwägerin durchgebrannt, aber es müsse halt nun mal doch sein…

Wellington, wie immer praktisch denkend und absolut nicht mit einem Sinn für Etikette oder gesellschaftliche Normen geschlagen, schrieb zurück: „Ich verspreche, nicht mit ihm durchzubrennen.“

Ergänzung: Warum sagt denn keiner, dass ich die Quelle nicht mit einkopiert habe?

George Charles Henry Victor Paget: One Leg: The Life and Letters of Henry William Paget, First Marquess of Anglesey, K.G. 1768-1854,  Jonathan Cape Ltd, 1961 (S. 89-112)

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Escape the Room

Unser erster eigener Familiencomputer zog Anfang der 1990er bei uns ein. Es war ein „486er“ (Intel 80486 CPU), er hatte zwei Diskettenlaufwerke und eine Festplatte, die uns damals bei 4-5 Nutzern tatsächlich ausreichte. Er lief mit DOS und Windows 3.1. Auf dem Computer lernte ich, in BASIC zu programmieren.

Bald kamen die ersten Computerspiele. Die ganze Familie spielte. Tetris; Blockout (Tetris in „3D“); Sokoban; Rockford; Civilization …

Und, natürlich, die Adventures. Es waren die Anfangszeiten und dann die Hochzeit der Point-and-Click-Adventures. LucasArts und Sierra waren besonders erfinderisch in dem Bereich.

Das Point-and-Click (oder Point’n’Click) Adventure-Spiel sieht so aus: Man sieht einen Raum als Bild vor sich, und kann mit der Maus unterschiedliche Objekte ansteuern („point“) und auswählen („click“) um mit ihnen zu interagieren. Auf diese Weise löst man dann Aufgaben, Rätsel, trägt Objekte von einem Ort zum anderen, um sie dort wieder per Mausklick aus dem Inventar zu holen, auf andere Objekte zu ziehen und dort durch Klick zu „benutzen“.

Regel eins: nimm alles mit, was du findest und tragen kannst;

Regeln zwei: gehe davon aus, dass alles, was du findest, auch eine Bedeutung oder Verwendung hat – wenn nicht jetzt, dann später. Unverwendbare Objekte gab es fast nie.

Konversation mit anderen Figuren im Spiel fand meist auf dieselbe Weise statt: Anklicken, dann auswählen aus einem Menü möglicher Fragen oder Antworten.

Ein „Subgenre“ hier waren die sogenannten „Escape the Room“-Spiele. Wie der Name sagt, gibt es dabei vornehmlich darum, sich mit den zur Verfügung gestellten Objekten aus einem Raum („Raum“ ist beim Computerspiel immer das, was man auf einmal vor sich sieht, es muss also nicht zwangsweise immer ein Zimmer sein) zu befreien.

Was haben wir diese Spiele gespielt, rauf und runter…

Sie sind dann im Lauf der Jahre ziemlich von der Bildfläche verschwunden. Nun tauchen sie wieder auf – in ganz anderer Form, aber nicht minder spielenswert.

Viele Dinge, die wir früher ohne Computer gemacht haben, machen wir jetzt ja mit…

Dafür können wir auch einige Sachen, für die wir früher den Computer gebraucht haben, jetzt ohne machen.

Escape the Room spielen, zum Beispiel. Immer mehr Anbieter gibt es, die einen oder mehrere Räume herrichten, der nach exakt demselben Spielprinzip funktioniert: Man betritt als Spielgruppe den Raum; will man das Spiel gewinnen, muss man diesen Raum innerhalb einer bestimmten Zeit wieder verlassen. Um dies zu schaffen, muss man Rätsel lösen, herumliegende Gegenstände in kreativer Weise kombinieren, und noch immer denken können wie damals, als wir vor dem Bildschirm saßen und genau wussten – irgendwie muss es gehen, und es nutzlose Gegenstände gibt es nicht – egal, wie wenig hilfreich sie gerade aussehen.

Ein „Cheat“-System gibt es ebenfalls – man kann sich üblicherweise über einen Knopf mit dem Spielleiter in Verbindung setzen, um Tipps zu holen. Das gibt Punkteabzug, aber ist unter Umständen besser, als das ganze Spiel zu verlieren… wenn man spielt um zu gewinnen. Sollte etwas total schief laufen, schaltet sich der Organisator auch von selbst ein.

Die Themen der einzelnen Räume sind sehr unterschiedlich.
Die Eignung für unterschiedliche Altersstufen ebenfalls.
Aber ich kann jedem, der früher gerne Point’n’Click-Spiele am Computer gespielt hat (oder der einfach gerne Knobelt und das gerne mal in der Gruppe und nicht am Bildschirm tun möchte) raten: Nehmt euch ein paar Gleichgesinnte und gönnt euch eine Stunde in einem Point’n’Click – Live und in Farbe.

Die meisten Spielanbieter geben einem 60 Minuten Zeit, um die Aufgabe zu lösen. Mit Einweisung und eventuell anschließendem Eintrag in eine Bestenliste („High Score“) rechnet man ca. 90 Minuten Zeitbedarf.


Hier mal die Anbieter, die uns bisher begeistern durften:

Belgien

Brüssel

http://brussels.escapehunt.com/nl/

http://liveescapegames.be/fr

 

Deutschland

München

http://escapegame-muenchen.de/

Nürnberg

http://exitgames-nuernberg.de/de/raum-buchen/

https://exittheroom.de/de/nuernberg

Regensburg

http://www.exitthematrix.de/spiel

Weiden

http://www.fluchthaus.de/die-spiele/

 

 

Der W-LAN-Stick

Der DAU ist in IT-Support-Kreisen ein Begriff.

„DAU“ steht für den Dümmsten Anzunehmenden User, in Anlehnung an den GAU.

Wenn irgendwie erwähnt wird, dass ich einige Jahre lang technischen Support an der Uni gemacht habe, kommt früher oder später unweigerlich die Frage: Und? Wer war dein Lieblings-DAU?

Zweifellos… das war das Mädel mit dem W-LAN-USB-Stick.

Ich hatte zweimal pro Woche eine Sprechstunde für Studenten, die ihre Fragen und nicht funktionierenden Geräte bringen konnten, wenn die klein genug waren, um sie mitzubringen. Die Uni hatte neuerdings W-LAN für die Studenten, die Laptops wurden daher immer mehr. Außerdem war das gerade die Zeit, in dem die Laptops W-LAN-Fähigkeit noch nicht serienmäßig an Bord hatten, und gerade der Wechsel von PCMCIA-Karte (das waren diese größeren Karten, die man seitlich in den Laptop stecken konnte) auf USB begonnen hatte, wenn man Laptopfunktionen erweitern wollte.

Rein kommt eine junge Frau mit Laptop unterm Arm. Sie legt mir einen USB-Speicherstick auf den Tisch und schaut anklagend an.

Ich: „Was mache ich damit?“

Sie: „Der funktioniert nicht.“ Als wäre es offensichtlich.

Ich: „Was funktioniert nicht?“

Sie schaut mich an als wäre ich nicht besonders intelligent. „Der Stick.“

Okay, was frage ich so blöd… Nochmal also: „Woran erkennst du, dass er nicht funktioniert? Was macht er denn?“

Sie: „Nichts.“

Ich ziehe einen Schluss: Sie steckt den Stick ein, aber er lässt sich im Dateibrowser nicht anklicken/beschreiben. Das ist zu der Zeit ein häufiges Problem, weil es gerade „in“ ist, USB-Sticks ohne Vorformatierung zu verkaufen.

Ich: „Wie alt ist er denn?“

Sie: „22.“

Ich: ???

Kurze Denkpause. Nee, das kann nicht der Stick sein, das muss ihr Alter sein. Warum sie sich bei „er“ angesprochen fühlt, weiß ich nicht.

Ich: „Der Stick.“

Sie: „Oh, neu. Gestern gekauft.“

Bingo, denke ich mir. Formatieren behebt das Problem. Diese Annahme wird sich als nur teilweise richtig herausstellen.

Ich: „Okay, stell mal deinen Laptop her und fahr ihn noch, ich schau mir das an.“

Sie tut das. Ich stecke den USB-Stick ein.

Sie: „Was machst du da?“

Ich freue mich dass sie doch mehr Interesse zeigt, als ich ihr zugetraut hätte… „USB-Sticks sind oft unformatiert, wenn du sie frisch kaufst. Ich schaue jetzt mal ob das bei dem so ist, und wenn ja formatiere ich ihn dir, dann geht er anschließend.

Sie ist beeindruckt, nickt und beginnt sich anderweitig zu beschäftigen.

Ich stecke den Stick ein, fühle mich in meiner Schlussfolgerung bestätigt, da der Stick wirklich unformatiert gekommen ist, mache ein Quickformat, ziehe ihn ab und mache den Laptop wieder aus.

Ich: „Bitte. Geht.“

Sie: „Danke.“ Geht auch.

*

Ich arbeite ein paar weitere Studenten ab, kurz vor Ende der Sprechstunde steht sie wieder da.

Sie: „Der geht schon wieder nicht.“

Ich, überrascht: „Was? Was macht er denn?“

Sie: „Nichts. Der Computer findet ihn nicht und ich kann nicht draufspeichern.“

Ich frage mich, ob ich in meiner Annahme, das Problem zu kennen, nicht zu oberflächlich war und andere Sachen gar nicht in Betracht gezogen habe… aber der Stick *war nicht* formatiert und als ich ihn drin hatte ging er… Na, mal schauen. Ich bitte sie, ihren Laptop aufzustellen und einzuschalten.

Sie macht das.

Ich stecke den Stick ein.

Sie: „Was machst du da jetzt? Formatierst du ihn nochmal?“

Ich: „Naja, zuerst schaue ich mal nach was er macht, ob er ihn wirklich nicht erkennt oder nur nicht anzeigt und so.“

Sie runzelt die Stirn, denkt nach. Dann:

„Warum steckst du ihn dann da rein?“

Stille.

Längere Stille.

Dann, ich: „Wie meinst du das?“

Sie: „Na, da wo du ihn gerade formatiert hast. Warum steckst du ihn da rein, wenn du ihn nicht formatieren willst?“

Versteckte Kamera? Wohl eher nicht. Allerdings haben wir gerade die volle Aufmerksamkeit aller anderen im Raum anwesenden. Vor allem die meiner Kollegen.

Ich: „Also, das hier ist ein USB-Stick, und das hier ist ein USB-Port. USB-Stick kommt in USB-Port damit der Computer ihn lesen kann.“

Ihre Augen werden groß.

Die Kollegen fangen alle an, Bücher vors Gesicht zu heben, sich zu ihren Bildschirmen zu drehen und ähnliches. Ich kann nicht, ich sitze ihr ja gegenüber.

Irgendwie schaffe ich noch ruhig: „Was dachtest du, macht der?“

Sie, total perplex: „Ich dachte, das ist so ein W-LAN-USB-Stick! Dass man da die Kappe abmacht, und dann funkt der!“

Arme Bücher

Wir kaufen ja echt gerne Bücher. Auch im Konvolut aus Haushaltsauflösungen oder Bibliotheksverkäufen. Manche davon sind dann in echt schlimmen Zuständen.

Wenn das Buch alt genug ist, um einen gewissen Wert zu haben – alles, was nicht im großen Stil kommerziell produziert wurde – geht es natürlich zum Restaurator.

Manchmal habe ich aber ein Buch in der Hand, das zu neu ist, um den Aufwand zu rechtfertigen, eigentlich auch in die Sammlung passen würde… ABER. Der Zustand…

Wie bei dieser Ausgabe von Schwabs Sagen des klassischen Altertums. Ausgesondertes Bibliotheksbuch; der Buchrücken zerfleddert, der Umschlag zerschnitten und aufgeklebt, die vorderen und hinteren Seiten des Buchblocks herausgerissen und zer-rissen, und natürlich mit Bibliotheksstempeln.

299707_2354642950020_4660128_nDas ist der Buchblock, der in einigermaßen gutem Zustand war, nach Entfernen des kaputten Eingands. Rechts lose Seiten.

Ich suche mir eine Papiersorte, die in Farbe und Stärke möglichst gut dazu passt, lade meinen Drucker damit. Scanne die zerrissenen und gestempelten Seitene ein und entferne im Grafikprogramm (Achtung: BMP, TIFF; aber keine komprimierten Formate wie JPG! Zu viel Qualitätsverlust) die Stempel und Risslinien.

Dann wird ausgedruckt und zugeschnitten… hier rechts zwei Seiten im Vergleich, Druck und Original.

Danach brauche ich einen ausrangierten Leitzordner.

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Links oben im Bild übrigens der kaputte alte Einband. Diese Order haben genau die richtige Stärke für neue Buchdeckel.

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Hier fertig ausgeschnitten, aber noch sehr ausgefranst – die Kanten mit Feile und/oder Sandpapier bearbeiten, sonst sieht es nachher nicht gut aus. Für den Buchrücken schneide ich noch einen Streifen aus Pizzakarton und klebe zwei Lagen zusammen, das stützt genug, ist aber noch biegsam.

Zum Bespannen habe ich Leinenstoff. Der wird noch immer in exakt den Farben verkauft, die man typischerweise auf leinenbezogenen Büchern findet. Nur etwas sauberer.

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Und noch nicht imprägniert, natürlich, drum glänzt mein Stoff (das, was ganz unten liegt) nicht.

Jetzt kommt etwas Getüftel bei dem ich auch nicht fotografieren kann: Die zugeschnittenen Buchrücken werden eng an eng (es darf nichts überlappen aber auch kein Freiraum bleiben) mit doppelseitigem Teppichklebeband belegt. Das richtig gute von TESA aus dem Baumarkt.

Das kommt dann mit der anderen Seite auf den Leinenstoff, mit dem Pizzabuchrücken dazwischen als Abstandhalter.

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Das ist mein leerer Einband.

Die neu gedruckten Seiten kommen auf den Buchblock, ein Streifen übrigebliebener Stoff wird mit Klebstoff getränkt und gegen die Rücksseite (Da, wo nachher der Buchrücken sein wird) gelegt. Wichtig: oben und unten muss jeweils eine weiße Seite sein. Wenn jede Seite, die vorher im Buch war, nachgedruckt wurde, ist das ohnehin der Fall.

Während das trocknet, fange ich mal an, meinen neuen Einband vorzubeschriften.

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Zum Beschriften schreibe ich mit dünnem Edding oder Fineliner vor. Zuletzt kommt dann auf die Imprägnierung Acrylfarbe, wenn ich so viel Lust habe.

Die Falte oben links neben dem Text kommt daher, dass mein Pizzabuchrücken nicht gest eingeklebt wird, sondern nur oben und unten leicht angeheftet. Da muss sich nämlich etwas mehr bewegen können. Nachher wird druch den Buchblock etwas Spannung drauf sein, dann faltet auch nichts mehr.

Wenn alles gut trocken ist und hält, kommt der Buchblock in den Einband. Er wird nur vorne und hinten befestigt, denn sonst könnte man nicht gut umblättern.

Das ist der Grund, warum die erste und letzte Seite (nicht das erste und letzte Blatt) nicht bedruckt sein darf – zum Befestigen nehme ich ein größeres Blatt, das auf einer Hälfte auf die oberste/unterste Seite geklebt wird (UHU), und auf der anderen Seite – bei mir ebenfalls mit Teppichklebeband auf den Einband.

Wenn ihr euch mal ein Hardcover aus eurem Bücherregal greift, werdet ihr vermutlich feststellen, dass es da auch nicht anders gemacht wird. Nur ohne Pizzakarton und ohne Teppichklebeband.

Na, und schon kann ich in aller Ruhe durchblättern….

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So, Buch zu. Jetzt raus an die frische Luft mit ihm, denn damit der Einband nachher aussieht, wie ein Einband, sollte er „imprägniert“ werden.

Hardcore-Haarspray hat sich dafür bewährt, einsprühen, bis der ganze Einband damit getränkt ist. Dann trocknen lassen. Draußen bitte. Und in die andere Richtung atmen. Der Gestank ist widerlich, verfliegt aber zum Glück.

Auf dem Ergebnis kann man dann mit einem feinen Pinsel und Acrylfarbe noch gut die endgültige Beschriftung aufbringen.

 

Ich spiele ja schon länger mit dem Gedanken, meine ganzen Science-Fiction-Taschenbücher unterschiedlicher Verlage einheitlich „umzubinden“ und

1. Hardcover draus zu machen und

2. ihnen ein einheitliches Design zu geben.

Nur… wo bekomme ich Leitzordner für ca. 450 Bücher her, und vor allem – wann mache ich das?!

Das Buch da oben wartet ja auch immer noch drauf, dass ich die Beschriftung fertig aufmale…

Kleider machen Arthur

Und sollte sich mal jemand beschweren, dass ich ständig „dasselbe“ trage… kann ich immer noch drauf verweisen, dass das andere Leute vor mir auch schon machten.

1.

Der Herzog war vielleicht der einzige große Mann, von dem wir lesen, der sich perfekt ordentlich kleidete. Er war in Spanien als „der Dandy“ bekannt; es war nicht abwertend gemeint: In einer Zeit, zu der die britische Armee nicht gut gekleidet war, war auffällig, wie sorgfältig er seine Kleidung wählte.

Original:
The Duke was perhaps the only great man we read of, who was perfectly neat in his dress. He was known in Spain as “The Dandy”; not as a term of deterioration: he was conspicuous, at a time when the British Army was not well dressed, for the careful manner in which he wore his clothes.
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, S. 36.

Auf Portraitbildern sieht man Herzog Wellington häufiger in voller Uniform.

Gerade auf Schlachtenbildern ist das aber weniger der Fall. Dargestellt wird er dann meistens in einem kurzen blauen Mantel über einer weißen Reithose und einem weißen Hemd. Dieser gelegentlich als „Salisbury Coat“ bezeichnete Mantel – Lady Salisbury war hatte ihn ihm geschenkt in der Farbe „Hatfield Hunt Blue“ – Sozusagen der Emblemfarbe der Salisburys – war Wellingtons ständiger Begleiter. Er muss wohl auch entsprechende Nachfolger gehabt haben – jedenfalls ist es schwer vorstellbar, dass derselbe Mantel mehrere Jahrzehnte überstanden hat.

Die Uniform trug Wellesley im Feld nach Indien eher nicht mehr. Er im Rang auch weit genug aufgestiegen, um sich das zu „leisten“. Er war bei weitem nicht der einzige Offizier, der es vorzog, in Zivil in die Schlacht zu reiten, aber wohl derjenige, der es am konsistentesten durchzog: Einige seiner Offiziere bekamen ihn in seiner gesamten Zeit als Oberbefehlshaber nicht einmal in Uniform zu Gesicht.

2.

Datierend vor 1814:

Die Anwohner waren auch recht überrascht zu sehen, dass der Generalissimo der Armeen Großbritanniens, Portugals und Spaniens in einen einfachen blauen Gehrock gekleidet, ohne einen einzigen Orden, seinen täglichen, und manchmal einsamen, Spaziergang machte.

Original:
It was not without astonishment, too, that the inhabitants beheld the Generalissimo of the armies of Great Britain, Portugal, and Spain, habited in a plain blue frock coat, without a single decoration, take his daily, and sometimes solitary walk […]
—Notes of Major B. Jackson, zitiert nach Basil Jackson & C. Rockfort Scott: The Military Life of Field Marshal the Duke of Wellington, Vol. II., S. 430

3.

Natürlich war der blaue Mantel bei Waterloo auch dabei.

[…] dass der Herzog am Tag der Schlacht von Waterloo einen einfachen blauen Mantel, einen kurzen Umhang in deselben Farbe und einen niedrigen Dreispitz ohne Feder oder Zierde trug […]

Original:
[…] that the Duke wore on the day of Waterloo a plain blue coat, a short cloak of the same colour, and a low cocked-hat without feather or ornament […]
—Notes of Major B. Jackson, zitiert nach Basil Jackson & C. Rockfort Scott: The Military Life of Field Marshal the Duke of Wellington, Vol. II., S. 601

4.

Und später – hier 1828:

Er trug einen einfachen blauen Mantel mit dem Hosenbandorden.

Original:
He was dressed in a plain blue coat with the Order of the Garter.
—John Cam Hobhouse: Recollections of a long life , S. 265

5.

Sehr viel später:

Der Herzog war gekleidet, wie er gemalt werden wollte. Er trug diverse Orden und hatte seinen blauen Gehrock mit dem Stern auf der Brust an.

Original:
The Duke was dressed as he wished to be taken, wearing his various orders, and had on his blue dress coat, with the star on his breast.
Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; S. 127

(Der Stern gehört zum Hosenbandorden und war sozusagen Pflicht zu tragen).

6.

Seine liebste Aufmachung war ein blauer Gehrock über einer weißen Weste, weißen Hosen und einem weißen Halstuch – letzteres hinten mit einer großen Silberschnalle geschlossen.

Original:
His favourite costume was a blue frock coat, white waistcoat, white trousers, and white neckcloth – the latter fastened behind with a large silver buckle.
—Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; S. 75 f.

Die Tatsache, dass er beim Halstuch „beschummelte“ wird auch häufig genug erwähnt um vermuten zu lassen, dass es auffiel.

7.

Noch ein Beispiel?

Der Herzog trug um den Hals ein sonderbares Tuch, das sich nur schwer beschreiben lässt. Der weiße Batist warf vorne zahlreiche Falten, hatte aber keine Schleife und keinen Knoten. Im Nacken befand sich eine mehrere Zoll tiefe, breite Schnalle.

Original:
The Duke wore round his neck a peculiar cravat, not easy to describe. The white cambric was in numerous folds in front, without a bow or tie; and was fastened at the into a broad buckle, several inches deep, at the back of his neck. .
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, S. 37.

8.

Handschuhe… Handschuhe mochte er auch nicht.

Als Herr Weigall Jr. die Miniatur fertiggestellt hatte, merkte seiner Gnaden an: „Sehr gut; aber eine Sache ist nicht historisch korrekt – Sie haben mir einen Handschuh angezogen. Ich trage nie Handschuhe. Ist aber egal; ändern Sie es nicht. Ich sollte sie ja tragen.“

Original:
When Mr. Weigall, jun., had finished his miniature, his Grace remarked: “Very good; but there is one thing in it that is not historically correct—you have put a glove on my hand: I never wear gloves. However, it is of no consequence; I don’t want it altered; I ought to wear them.”
—Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; S. 130

9.

Und schließlich hatte der blaue Mantel auch noch einen grauen „Kollegen“.

In späteren Jahren trug er fast ausschließlich ein Kleidungsstück, das damals noch ganz neu war und als „Paletôt“ bezeichnet wurde. Es war einreihig geknöpft, gerade geschnitten und ging ihm bis zum Knie und hatte einen schmalen Umlegekragen aus demselben Stoff. Es wurde ziemlich hoch zugeknöpft. Sein Hut hatte immer ein Futter aus hellgelbem Leder und eine schmale Krempe. Seine Hosen waren üblicherweise grau oder aus „Oxford Mixture“, wie man das Nannte. Seine Stiefel oder Schuhe waren gut geformt und poliert. Er hatte immer zwei Taschentücher aus Batist bei sich.

Original:
In later years, he almost invariably wore a garment, then novel, and known as a “Paletôt”, single-breasted, straightly cut, and reaching to the knees; with a narrow, turn-down, collar of the same material as the coat; and buttoned rather high up. His hat always with a very clean lining of pale yellow leather, had a narrow brim, trousers usually of grey, or ‚Oxford mixture’, as it was called; and his boots or shoes well shaped, and well blacked; he always carried two cambric pocket-handkerchiefs.
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, S. 36 f.

10.

Und wieder einmal sind es auch gerade die Karikaturen, die interessant werden… stellen sie ihn doch im Gegensatz zu den Portraits fast ausschließlich in eben dem oben erwähnten blauen Mantel dar. Und gerade Karikaturen zitieren ja eher das, was für das Objekt typisch ist… und weniger das, was der Auftraggeber für künstlerisch wertvoll hält.

Ich erinnere an die Karikatur aus dem Betten-Artikel:

take-up
Karikatur von William Heath, veröffentlicht von Thomas McLean, 1.10.1829
coup
Karikatur von John Doyle („HB“)

Autisten verursachen Impfstoffe – T-Shirt für die Impfgegner-Gegner

Habe grade dieses T-Shirt gefunden. Das würde ich mir ja sofort kaufen, nur… Farbig und vorne mit Aufschrift… ich würde es nicht tragen. Vielleicht hat ja von euch jemand Lust.

(RedBubble ist eine Plattform, auf der Künstler und Designer ihre Werke in unterschiedlicher Form verkaufen können, und die gute Konditionen für den jeweiligen Künstler bietet. Die Qualität der Ware ist super. Ich kaufe dort häufiger, wenn ich „ausgefallene“ Geschenke brauche – also sicherstellen will, dass niemand anders genau *die* Idee hatte.)

(Die Aufschrift: „Autistics cause Vaccines“ – „Autisten verursachen Impfstoffe“ – ist eine umkehrung dieses unsäglichen Slogans… nebenbei mit Bezug auf den Autistenanteil in den Naturwissenschaften.

Kleider machen Leute

Kennt ihr das?

Irgendwann kommt der Punkt, da geben alle T-Shirts gleichzeitig den Geist auf. Hier ein Loch, da ein Loch, die Naht am Kragen, der Saum, alles löst sich in Wohlgefallen auf. Bei mir kommt noch da dazu, was ich als „Geierfraß“ bezeichne: irgendwann hat alles kleine Löchlein von Papageienkrallen, und wehe, es steht irgendwo ein Fädchen ab… da kann so ein Mamagei einfach nicht widerstehen.

Nun lösten sich bei mir gerade nicht nur die T-Shirts auf, sondern auch die Sweatshirts, die Hoodies und die Pullis. Alles gleichzeitig.

Okay, macht nichts… Kleidung kann man ja nachkaufen.

Wenn es nur so einfach wäre…

Einfach wäre langweilig, nicht wahr?

Erste Herausforderung: Material.

Ich kann glattes Material auf der Haut nicht ausstehen. Der Trend geht aber dahin, dass Stoffe immer glatter, immer synthetischer, immer pflegeleichter werden. Pflegeleicht mag ja sein, aber was bringt mir das, wenn ich den ganzen Tag das Gefühl habe, dass Ameisen auf der Haut krabbeln –und nicht nur krabbeln sondern zwischenrein auch mal beißen. Noch schlimmer: Das Gefühl geht nicht sofort weg, wenn ich das Kleidungsstück in Frage ausgezogen habe, es ist jedoch sofort da, wenn ich es anhabe. Damit ist die Anprobe im Laden schon mal problematisch, weil ich ab Stück 2 nicht mehr zuverlässig sagen kann, spüre ich noch den Rest von Stück 1, oder …

Dabei hätte ich grundsätzlich nichts gegen Synthetikstoffe, wenn diese halt entsprechend texturiert wären. Natürlich nicht nur bei Kleidung.
Wir hatten zu Hause hübsche Handtücher im Bad hängen- eine Seite weich und „kuschelig“ mit Motiv oder Muster. Solange ich denken kann, habe ich zum Abtrocknen die rauere „Rückseite“ dieser Handtücher genommen. Die „Vorderseite“ sah zwar auf dem Haken nett aus, aber zum Verwenden fand ich sie doch eher ungeeignet. Heute habe ich nur Frottee-Handtücher in Verwendung, die beidseitig OK sind.

Leinen und Wollstoffe, also das, was viele Leute als kratzig und unangenehm empfinden, sind mir am liebsten. Leider findet man diese nur sehr eingeschränkt. Als ich mehr Zeit für solche Dinge hatte, nähte ich vieles selbst. Dazu irgendwann mal einen eigenen Post.

Zweite Herausforderung: Farbe

Muster, Motive, Aufschriften, Kontrastnähte – finde ich alles irritierend.

Erwähne ich das, höre ich immer mal wieder, das würde ich doch gar nicht sehen.

Doch, das sehe ich. Ich sehe sehr wohl, ob vorne auf meinem T-Shirt/Pulli/etc. ist. Nicht nur ich, aber die meisten Gehirne blenden die Information halt aus. Wenn ich das machen muss, geht mir bereits ein Stück Energie ab, das ich lieber auf etwas anderes verwenden würde. Zum Beispiel darauf, an der Kasse der Person vor mir nicht die Waren einfach aufs Band zu schmeißen, weil das Auflegen zu lange dauert und ich zwischen Musikgedudel, Unterhaltungen um mich herum, buntem Laden, Geruch von der Wursttheke her und dem kleinen Kind, das ständig zwischen aller Leute Füße herumwuselt wirklich dringend den Laden verlassen will.

Es mag unproportional klingen, aber das ist wie mit einem Wasserhahn. Wenn der den ganzen Tag tropft, läuft auch ziemlich viel Volumen weg, obwohl es nicht so aussieht. Auf Dauer merkt man es an der Wasserrechnung.
Ich bekomme die Rechnung eben etwas früher präsentiert.

Immer mal wieder sehe ich ein Motiv, das mir gefällt. Wider besseren Wissens kaufe ich auch so einmal alle zwei oder drei Jahre ein Stück. Das trage ich dann einmal, dann ziehe ich mich bei nächster Gelegenheit um, und das bedruckte Teil wird zu Unterkleidung degradiert.

Ein paar T-Shirts habe ich, die nur auf dem Rücken ein Motiv haben. Die habe ich drucken lassen. Da stört mich der Aufdruck nicht, und ich kann trotzdem das Motiv meiner Wahl spazieren tragen.

Naja, welches Motiv wird das wohl sein?

tshirtbild

Dritte Herausforderung: Schnitt und Co.

Lose sitzende Kleidung finde ich meistens schlecht. Der ständige Wechsel zwischen Berührung und Nichtberührung, oder eine ganz leichte Berührung, das treibt mich auf Dauer in den Wahnsinn. Allerdings ist es manchmal das kleinere Übel – im Sommer nämlich, wenn ich draußen sein muss. Dann ist mir weit und leicht, dafür lang, doch noch lieber, als mich direkt Sonne und Wind auszusetzen. Das bringt nämlich noch unangenehmere Gefühle.

Besonders wichtig ist mir, dass der Abschluss an den Ärmeln klar definiert ist. Ich muss spüren können, wo meine Kleidung aufhört.

Jawohl, ich bin ein Fan von langer, enger Unterwäsche. Dann habe ich nämlich mit der drüber getragenen Kleidung mehr Freiheiten. Ich habe schon öfter mal sehr enge Sweatshirts als Unterhemden zweckentfremdet. Leider wird mir aber schnell warm, dafür nicht kalt…

Kragen. Ein ewiges Theater. Steht was auf? Kann was aufstehen? Schlecht. Immerhin kann man einen Kragen, der ungewollt aufsteht und einen ungewünscht berührt mit einem kleinen Stich da befestigen, wo er hingehört. Rollkragen finde ich optisch toll, tragen kann ich sie auf keinen Fall. Zu viel Druck am Hals, ständig das Gefühl, zu ersticken.

Kleidungsstücke, die seitlich eng anliegen, finde ich auch schwer zu ertragen. Was liegt seitlich eng an? Eigentlich fast alles aus der Damenabteilung, das der weiblichen Anatomie nachempfunden ist. Ich kaufe meistens in der Männerabteilung ein. Trägt sich besser.

Hoodies, vor allem schwerere Hoodies, finde ich gut, obwohl ich die Kapuze nicht benutze. Sie macht einfach das Kleidungsstück nochmal etwas schwerer, das finde ich angenehm.


Nun gut… Ich kann jetzt also in einen Laden gehen und versuchen, einfarbige Kleidung aus nicht zu glattem Stoff mit vernünftigem Gewicht und passendem Kragen etc. zu bekommen.

Das dauert, kostet Nerven und meistens komme ich dann von einem wahnsinnig stressigen Tag mit ein oder zwei Stücken nach Hause.

Oder ich logge mich mal eben ein, fülle meinen Warenkorb, gehe zur Kasse, und lasse mir zwei Tage später einen Karton liefern. Zehn T-Shirts, zwei Hoodies, drei Sweatshirts, zwei Poloshirts, alles schwarz. Alles dieselbe Marke, die ich seit Jahren trage, die sich immer gleich anfühlt – auch über die einzelnen Varianten hinweg, also die Sweatshirts sind eben z. B. mit den T-Shirts identisch, außer, dass die Ärmel länger sind.

Damit ist der Schrank wieder voll, und ich hatte keinen Stress.

Und wenn sich meine Hosen auflösen, läuft es genauso. Einkauf derselben Marke, derselben Farbe, seit Jahren. Nach amerikanischen Maßen, sodass sich Länge und Weite beliebig kombinieren lassen. Ich bin ja eher klein, und habe schon deswegen anderweitig Schwierigkeiten beim Hosenkauf. Ebenfalls Männerschnitte. Sitzen besser und haben häufig auch größere Taschen.


Und wenn es aussieht, als würde ich „jeden Tag das gleiche“ tragen? Ist das noch dazu praktisch, weil ich nicht drüber nachdenken muss, was ich anziehe.

Och NÖ, Amazon

Echt nicht… ich will bei einer Serie mit fünf Büchern nicht vier von einem und eines von einem anderen Verlag. Schlimmer noch, vier Hardcover, ein Paperback. Echt jetzt.

Wenn Amazon jetzt irgendwo ein einer Ecke des Internet sitzt und weint, ist das wohl meine Schuld…. habe es doch gerade trotz aller Widerstände „gezwungen“ die richtigen Ausgaben zusammen in den Warenkorb zu stecken.Obwohl es das wirklich nicht wollte

The Arrow Man – C. J. Leyendecker & Charles Beach

Um die hundert Jahre ist es her, als in der Werbung in den Vereinigen Staaten eine spezielle Werbefigur auftauchte: der „Arrow Collar Man“.

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Arrow stellte Hemden her. Die Werbeposter – damals gemalt, nicht photographiert – zeigten einen jungen Mann, sehr männlich, gut gebaut unter seinen Hemden, sehr gepflegt und gut frisiert.

Der Arrow (Collar) Man startete seine Webekarriere auf Hemdenwerbung, aber er blieb dort nicht lange. Auf anderen (ebenfalls gemalten) Postern machte er in der Zeit zwischen den Weltkriegen Werbung für alles Mögliche. Socken. Football. Armee.

Man konnte ihm eigentlich nicht mehr ausweichen, dem Arrow Collar Man. Wer wollte das auch schon. Er war ja wirklich sehr schön anzusehen.

Irgendwann erschien er dann auch recht spärlich bekleidet – wir sprechen schließlich von den 1920er Jahren –, um für Rasierapparate zu werben.

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Was halten unsere Männer heute eigentlich von diesem Konzept?

Die Bilder kamen alle aus einer Feder – oder genauer gesagt: aus einem Pinsel. Noch genauer gesagt aus dem von Herrn Joseph Christian („J.C.“) Leyendecker.

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J. C. Leyendecker (1874 – 1951); Bild von Wikipedia (gemeinfrei)

Leyendecker, Jahrgang 1874, war gebürtiger Deutscher. Seine Eltern wanderten mit den beiden Söhnen Joseph und Frank 1882 in die USA aus. Beide Brüder zeigten ein Talent für die Kunst. Mit 16 war Joseph bereits als Maler und Graveur angestellt. Seine erste Auftragsarbeit bestand aus Bibelillustrationen. Abends nahm er Kunstunterricht.

1898 gingen beide Brüder nach Paris, um dort weiter Kunst zu studieren. Nach ihrer Rückkehr nahmen sie sich zusammen eine Wohnung und begannen ihre Karriere als Illustratoren. Sie stellten damals zahlreiche Coverbilder für Zeitschriften her.

Dann verlegten sich beide Brüder auf das zeichnen und malen von Werbung. In diesem Zusammenhang tauchte dann eben erstmalig der Arrow Collar Man auf, der sich von da an durch Leyendeckers komplette Karriere spannte.

Wie kein anderes Werbesymbol definierte er den eleganten amerikanischen Mann der 1910er und ’20er Jahre.

1914 zogen die Brüder in ein eigenes Haus mit Studio. Im ersten Weltkrieg machte der Arrow Collar Man Werbung für eben diesen – auf Rekrutierungsaufrufen. Nach dem Krieg folgten wieder andere Werbeplakate. Die 1920er Jahre waren erfolgreichste Zeit für Leyendecker, überschattet sicher vom Tod seines Bruders Frank im Jahr 1924.

Ab ca. 1930 gingen die Aufträge zurück. Die Werbebranche jener Zeit erholte sich nie vom Wall Street Crash 1929. Leyendecker lebte zurückgezogen. Es gab keine großen Partys mehr bei ihm. Er hatte weiterhin Aufträge, wenn auch nicht derselben Masse wie zuvor. Im zweiten Weltkrieg wurde er erneut als Maler von Militärpostern eingesetzt.

J. C. Leyendecker verstarb 1951.

Bald nach Leyendeckers Tod verschwanden seine Poster, seine Bilder mit dem Arrow Collar Man. Sie tauchten einfach nicht mehr auf. Leyendecker selbst wurde nicht mehr erwähnt. Man findet ihn kaum in der einschlägigen Literatur.

Warum, fragt man sich, verschweigt man einen Künstler, der eine zu ihrer Zeit geradezu ikonische Werbefigur geschaffen hatte? Eine Figur, die die Wahrnehmung des Männerbilds während ihrer „aktiven“ Zeit stark mit geprägt hatte? Einen Künstler, der auch noch für ganz andere Dinge verantwortlich war – schließlich stammte von ihm auch die Darstellung des Santa Claus in der standardisierten Form wie sie heute noch bekannt ist.

Nun, es dürfte wohl daran liegen, dass nach seinem Tod ein kleines Detail bekannt wurde.

Leyendecker wurde nicht nur von seiner jüngeren Schwester Mary Augusta überlebt, sondern auch von Charles Beach.

Charles Beach, der jahrzehntelang mit den Geschwistern Leyendecker zusammenlebte, ist oben zu sehen: Auf jedem einzelnen Poster. In J. C. Leyendeckers Testament sind er und Mary zu gleichen Teilen als Erben genannt.

Der Arrow Collar Man war keine erfundene Gestalt – und er war auch nicht irgendein Model.

Jahrzehntelang himmelte (ausgerechnet) die amerikanische Öffentlichkeit Leyendeckers Lebensgefährten an. Tja. Dumm gelaufen, für die amerikanische Öffentlichkeit…

Mit Ausnahme einer Biographie aus den 1970ern findet man erst in den letzten Jahren wieder Erwähnungen. Zumeist sind es Ausstellungskataloge. Weitere Werke gibt es in einigen amerikanischen Museen und auf http://www.americanartarchives.com, umfassende Abdrucke in dem unten genannten Werk aus dem Jahr 2008.

Michael Schau: J. C. Leyendecker, New York, 1974,

Laurence & Judy Goffmann Cutler: J.C. Leyendecker, Harry N. Abrams, 2008

…Where Credit is Due

Ihr kennt das… man ist im Internet, man kommt über ein Bild. Mal ist es ein Foto, mal ein Meme, mal eine Zeichnung, digitale Kunst, ein Gemälde… es ist super, man will es rumzeigen. Also linkt man auf dem eigenen Blog, der eigenen Website, auf Facebook drauf, man teilt es, man speichert es runter und lädt es selbst hoch.

Das machen doch alle so, nicht wahr? Da ist doch nichts dabei.

Ich bitte euch, kurz an Folgendes zu denken: In diesen Werken steckt Arbeit. In den einen mehr, in den anderen weniger. Aber Arbeit steckt in jedem. Kreativität, die Gedanken eines Künstlers der einen oder anderen Art.

Ich bitte euch nicht, keine Bilder mehr zu teilen, oder keine Bilder aus dem Internet auf eure eigenen Blogs zu laden.

Ich bitte euch aber darum, eine Quellenangabe hinzuzufügen.

Und zwar nicht auf die Seite, auf der Ihr das Bild gefunden habt, sondern auf den ursprünglichen Künstler.

Ich finde, das ist eine Frage von Respekt vor der Arbeit dieser Leute, und ein kleines Anerkenntnis, dass uns nicht alles gehört, was wir im Internet finden. Und wenn euch der Künstler ein paar Minuten Freude gegeben hat mit seinem Werk, könnt ihr ihm ein kleines bisschen zurückgeben: Besucher für seine eigene Website und sein Portfolio.

Außerdem hilft es auch wahnsinnig, wenn nun jemand anders das Bild sieht und sich denkt – Mensch! Das gefällt mir – das würde ich gerne kommerziell verwenden/ich möchte wissen, ob der Künstler auch Aufträge annimmt.
Passiert nicht? Doch, das passiert.

Einige denken sich jetzt vielleicht, selbst schuld: Warum verwenden Künstler keine Wasserzeichen oder Signaturen?

Darauf möchte ich antworten: Manche Bilder haben Wasserzeichen oder Signaturen, wurden aber so oft gespeichert, umgespeichert, runterskaliert, wieder vergrößert usw., dass diese nutzlos sind, weil man sie nicht mehr lesen kann. Manche Leute entfernen die Signaturen absichtlich, bevor sie die Bilder teilen. Ihr könnt also gar nicht sehen, ob ein Bild keine Signatur hat, weil es nie eine hatte, oder weil sie irgendjemand in der langen Teil-, Reblog-, Repost-Kette abgeschnitten oder übermalt hat. Vieleicht war sich der Künstler auch gar nicht bewusst, dass er eine braucht. Die Künstler unter euch wissen es sicher: Man traut der eigenen Arbeit immer am wenigsten zu. Einige denken sich dann auch, ihre Arbeit sei ja nicht gut genug, um überhaupt bemerkt oder geteilt zu werden, wozu also signieren?

Und dann ist es ja auch so: Wenn ihr am Straßenrand ein Auto stehen seht, die Fahrertür offen, der Schüssel steckt, der Fahrer ist nochmal schnell ins Haus gerannt… dann kämt ihr auch nicht auf die Idee, das Auto mitzunehmen. Obwohl es ja quasi eine „Einladung“ dazu ist. Da sind wir schließlich drauf konditioniert, das Auto als Eigentum eines Anderen wahrzunehmen. Im Internet fehlt uns diese Konditionierung zu einem großten Teil. Irgendwie gehört da gefühlt alles allen.

Entsprechend meine Bitte, auch bei einem unsignierten Bild den Urheber zu respektieren, und es nicht einfach zu verwenden.

IST JA, ABER WIE?

Berechtigte Frage. Das Bild hat ja nun schon mal keine Signatur, oder eine unlesbare Signatur. Wie sollen wir da den Urheber angeben?

Genau das möchte ich euch hier zeigen. Es ist nämlich gar nicht schwer.

Genau genommen ist es eigentlich recht einfach. Ich habe heute einer anderen Bloggerin in drei Arbeitspausen von jeweils weniger als zehn Minuten die Ausgangsquellen zu elf Bildern rausgesucht. Kein großer Aufwand – das ist allerdings auch eine Frage der Übung. Anfangs muss man etwas mehr mitdenken, da dauert es dann auch etwas länger. Aber es wird.


Quellenbestimmung bei unbekannten Bildern

Schritt 1:

Die URL des Bilds in die Zwischenablage holen.
(Geht schneller, als das Bild erst auf die Festplatte zu speichern)

– Rechtsklick auf das Bild.

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– In Firefox kommt dann das Menü aus meinem Screenshot. In anderen Browsern sieht das ähnlich aus. Der Eintrag Grafikadresse kopieren legt die URL in eure Zwischenablage.

Schritt 2:

Google öffnen. Ob .com, .de oder was ihr mögt, jedes Google geht

Schritt 3:

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Ist euch oben rechts dieser Eintrag schon mal aufgefallen, auf den hier im Screenshot der Pfeil zeigt? Nein? Dann findet ihr jetzt raus, wozu der gut ist. Bitte draufklicken.

Schritt 4:

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Der Bildschirm ändert sich ein kleines bisschen, Google heißt nun „Google Bilder“, und ein kleines Kamerasymbol erscheint neben dem Suchfeld. Da klickt ihr jetzt drauf.

Schritt 5:

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Es erscheint dieses Fester mit einem Eingabefeld unter „Bild-URL einfügen“. Dort kopiert ihr nun eure URL aus der Zwischenablage ein. Reinklicken, dann Strg-V drücken, und es sollte erledigt sein. Dann klickt ihr auf „Bildersuche“

Schritt 6:

Suchergebnisse sichten

Oben bekommt ihr nun die Kurzbeschreibung eures Bilds, Googles Vermutung, was darauf dargestellt ist, dann kommen „Optisch ähnliche Bilder“ und ganz unten das, was wir suchen: Nämlich die Liste der Websites, auf der dieses Bild steht.

Und siehe da: Nach ein paar Repost-Seiten kommt direkt die Deviant-Art-Seite des Künstlers. Die muss ich jetzt nur noch anklicken, und schon habe ich:

– Den Namen des Autors

– Den eigentlichen Titel des Bilds

– Eine Seite, auf der sich das Bild in der ursprünglichen Fassung befindet, also in der mit Sicherheit besten Auflösung, die ihr finden werdet usw.

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Gut. Das Bild ging wirklich leicht. Manchmal muss man die Suchergebnisse etwas genauer anschauen. Gerade, wenn zuerst gefühlte Millionen Pinterest-Einträge kommen, rentiert es sich, durchzuscrollen, bis etwas anderes kommt… Wie etwa hier:

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oder hier: (hier zwar schon ein Repost, aber unter dem Bild befand sich direkt ein Link auf die Künstlerseite):

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oder hier:

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Man entwickelt wirklich einen Blick dafür, was sich anzuklicken lohnt.


Und nun zuletzt noch für die Künstler und Fotografen unter euch: Ihr könnt die gleiche Methode natürlich auch verwenden, um mal zu schauen, wo eure Bilder überall so rumgekommen sind.

Würde ich vielleicht sogar empfehlen. Der Großteil der Leute online hat zwar echt keine bösen Gedanken dabei, ein Bild zu kopieren, aber es gibt auch ein paar andere und der eine oder andere hat seine Werke schon mit großer Überraschung auf T-Shirts wiedergefunden.