Wieder ein Touchpad erlegt.

Ich kann das gut. Ich benutze es ja nicht. Ich verwende meine USB-Maus. Trackball, genau gesagt. Trotzdem bekomme ich am Laptop immer früher oder später das Touchpad kaputt. in dem Fall: Dauer-Linksklick. Jaaa, es ist nicht einfach, das Touchpad auszuschalten, wenn alles, was der Mauszeiger berührt, automatisch angeklickt wird.

Ist wohl an der Zeit, das kleine Schraubenzieherchen zu holen und eine Operation am offenen Laptop vorzunehmen. Touchpadektomie oder so.  Wobei, drinlassen tu ich es ja, eher also eine Touchpadanschlusskabelektomie. Schönes Wort. Werd ich mir merken.

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Gut gemeint?

In der Nähe eines meiner Wohnorte gibt es einen kleinen Eckladen. Verkauft wird dort dies und das, auf den ersten Blick ist das Angebot sehr wild zusammengewürfelt.

Auf den zweiten Blick nicht mehr so sehr: Da sind zum einen die Werke örtlicher Künstler und Kunsthandwerker, aber auch viel, das allgemein unter „Handwerk aus der Region“ fällt, Lebensmittel und Süßigkeiten aus der Gegend, daneben „FairTrade“ und Waren kleinerer Unternehmen, meist mit besonderem Ruf. Der gemeinsame Nenner ist weniger die Art der Ware, und eher ihre Herkunft. Vom Essen bleibe ich weg, das wechselt mir zu oft (Süßes hole ich manchmal als Geschenk), aber sonst kaufe ich hier recht gerne ein. Man investiert ein bisschen mehr Geld als im Kaufhaus, dafür stimmt die Qualität.

Der Eigentümer heißt für den Zweck dieses Posts Leo (so heißt er im Laden natürlich nicht), und verkauft selbst. Neben den normalen Waren auch seine eigenen Werke, denn Leo ist selbst Maler und hat sein kleines Atelier hinter dem Laden, seine Wohnung oben drüber. Und Leo hat noch was: Guten Kaffee. Deswegen nehme ich mir immer eine halbe Stunde mehr Zeit, wenn ich dort vorbeigehe, denn „Trinken wir noch’n Kaffee?“ gehört einfach dazu. Er unterhält sich gern mit der Kundschaft und die Kaffeemaschine hinter der Theke produziert zum Glück nicht nur schwarzes Wasser.

Da sitzen wir also, trinken Kaffee und unterhalten uns, während er noch ein halbes Auge auf die Dame hat, die das Seifenregal durchstöbert, aber keine Hilfe will und alleine zurechtkommt.

Die Tür geht auf, das Glöckchen bimmelt, ein Herr im Anzug kommt rein. Schaut sich um. Leo stellt seinen Kaffee weg, steht hinter seiner Theke auf und fragt nach dem Anliegen, wofür er erst mal ignoriert wird, während der Herr sich suchend umblickt. Sein Blick ruht nacheinander auf der anderen Kundin und auf mir, die ist aber beschäftigt und ich sitze sehr unbeteiligt mit meiner Tasse in der Hand da und mache absolute keine Anstalten, Blick- oder sonstigen Kontakt aufzunehmen.

„Wer isn hier zuständig?“ fragt der Herr in die Runde.

Blöde Frage, vermutlich der, der hinter der Kassentheke steht… Und nebenbei bereits Hilfe angeboten hat. Der Herr schaut schon wieder mich an. Ich deute wortlos auf Leo.

„Wo isn dein Chef?“ fragt der Herr. Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich finde, erwachsene Leute zu duzen, zeugt nicht gerade von guter Kinderstube. Auch wenn der Sprecher selbst nicht nur die 30, sondern auch die 40 und vermutlich die 50 schon hinter sich hat.

„Ich bin der Herr H.“, sagt Leo – sein Name steht großmächtig außen am Laden. Er fragt ihn nochmal, wobei er helfen kann.

Der Herr im Anzug runzelt die Stirn und wünscht sich erneut – nun sehr langsam und deutlich sprechend – den Chef.

„Es ist mein Laden“, sagt Leo. Er will noch was sagen, aber der Herr lacht, so wie Leute lachen, wenn Kinder einen total unwitzigen Witz machen, sie aber dem lieben Kleinen die Freude lassen wollen. Die Dame am Seifenregal schaut inzwischen zu. Ich trinke meinen Kaffee.

Leo zuckt mit den Schultern und setzt sich wieder. Das Spiel ist ihm heute wohl auch zu blöd.

Der Herr murmelt noch etwas vor sich hin und verlässt schließlich unverrichteter Dinge wieder den Laden.

Und nun ist die Seifenfrau dran. Denn die kommt jetzt zu uns rüber, schaut Leo an, schaut mich an, und sagt dann in absolute entrüstetem Tonfall – zu mir: „Aber warum machen Sie denn da nichts?“

Ich? Warum bitte sollte ich?

„Sie kennen den doch.“

Ja, und wenn Sie davon ausgehen dass ich Leo kenne, können Sie auch davon ausgehen, dass ich weiß, ob ich mich einmischen soll. Ich kann’s mir nicht verkneifen. „Seh‘ ich aus wie der Pressesprecher? Wenn Herr H. Hilfe gebraucht hätte, hätte er’s sicher gesagt.“

Der Herr H. nickt, die Dame macht ein missbilligendes Geräusch und schüttelt den Kopf ob soviel Rücksichtslosigkeit meinerseits.

Mein Kaffee ist leer, ich verabschiede mich von Leo und gehe. Von der Dame verabschiede ich mich nicht. Die kenne ich nicht, und ich will sie auch nicht kennenlernen.

*

Über wen der beiden könnte ich mich nun gerade mehr aufregen? Den Herren im Anzug, oder die Dame vom Seifenregal?

Es mag auf den ersten Blick überraschen, aber das ist definitiv die Dame.

Warum?

Der Herr war unhöflich und allgemein unmöglich in seinem Benehmen. Das dürfte klar sein.

Leo hat natürlich, man kann es sich denken, nicht nur einen Laden und guten Kaffee, sondern noch was – das Down Syndrom, um es genau zu sagen. Das ist nun optisch ja relativ eindeutig.

Mit dem Laden ist er aufgewachsen, und wie das halt bei Familienunternehmen so üblich ist, hat er ihn irgendwann vor Jahren von seinen Eltern übernommen. Die Buchhaltung macht eine Angestellte, aber das ist ja nun wirklich nicht ungewöhnlich. Ich mach meine Buchhaltung auch nicht selbst, und ich habe nun wirklich kein Problem mit Mathe.

Klar, er liegt sicher am höher-funktionalen Ende seines Spektrums. Und klar, das hat weder dem Herrn im Anzug noch der Dame am Seifenregal irgendjemand erzählt.

Muss es aber auch nicht. Denn wenn ich in einen Laden gehe und dort jemanden hinter der Kasse stehen sehe, kann ich doch wohl davon ausgehen, dass der schon wissen wird, was er da tut… oder? Zumindest kann ich es mal ausprobieren und feststellen.

Der Herr hat mit seinem Verhalten ganz klar gezeigt, was von ihm zu halten ist: nichts. Das dürfte jedem auffallen, der ihm zufällig zuschaut. Damit ist die Sache auch erledigt. Er outet sich selbst als Arschloch, wird damit leben müssen, wenn man ihn als solches behandelt.

Die Seifenregaldame… ist auf den ersten Blick vielleicht ganz nett. Und offenbar der Meinung, ich hätte helfen sollen. Helfen sollen, wo jedoch gar keine Hilfe notwendig war. Nochmal: Ist jemand alleine im Verkaufsraum und verhält sich dieser jemand noch dazu absolut professionell, kann – muss – ich davon ausgehen, dass dieser Jemand die Situation im Griff hat und weiß, was er tut. Da muss ich mich nicht einmischen. Soll ich mich auch nicht einmischen. Was sie sich scheinbar vorgestellt hatte… würde ich als bevormundend und respektlos empfinden. Das finde ich deutlich unangenehmer, als wenn sich jemand mit seiner offenen Unhöflichkeit selbst ins Aus manövriert – auch, weil es oft schwer ist, auf die „Sorge“ dieser Leute zu reagieren, ohne erst mal selbst sehr überreagierend zu wirken.

In dem Zusammenhang muss ich auch immer an zwei Begebenheiten mit einer Freundin denken.

Wir lernten uns im Studium kennen. Die Freundin ist blind. Für uns kristallisierte sich schnell heraus, Blind x Autist = Klappt super. Jahrelang waren wir mehrmals die Woche gemeinsam unterwegs, Kino (damals machte ich das noch), Museum, Theater, einfach nur Wandern, Wocheneinkauf, Wochenendeinkauf in nächster Großstadt, Markt, Konzert, etc. Abends dann gerne noch ein Abstecher in unser Lieblingscafé. Von da hatten wir ein Stück weit denselben Heimweg. Dort, wo sich der Weg gabelte, verabschiedeten wir uns dann, sie nach links über die Straße zu ihrer Wohnung, ich nach rechts zu meiner. Eigentlich ganz einfach…

Einmal standen wir grade da, ich war schon dabei mich umzudrehen, da kommt ein Auto die Straße herauf und stoppt. Ich sage noch „Du, der lässt dich rüber“, die Freundin sagt „Ah gut,“ und geht. Ich gehe auch, komme aber nicht allzu weit, bevor das Auto schnell beschleunigt, neben mir wieder abbremst, das Fenster runterkurbelt und die Fahrerin mich anbrüllt, was mir einfalle, ich hätte sie ja wohl nicht alle, wie könnte ich…

Es dauerte eine Weile, bis ich kapiert hatte, was sie meinte… nämlich, dass ich die arme Blinde doch nicht alleine über die Straße – noch schlimmer: Alleine in der Stadt irgendwohin! – laufen lassen könnte, so also quasi ausgesetzt habe (das Wort fiel). Ihrer Meinung nach hätte ich sie wohl wenigstes bis zur Haustür eskortieren sollen.

Was bin ich nur für ein schrecklicher Mensch, der davon ausgeht, eine erwachsene Frau sei in ihrer Heimatstadt in der Lage, in einer ruhigen, ungefährlichen Gegend ihre Wohnung eigenständig zu erreichen. Ich weiß nicht, was sich die Frau im Auto vorstellte. Mit der Realität dürfte es wenig zu tun gehabt haben.

Ich zeigte ihr einen Vogel und ging… sie folgte mir im Schritttempo noch bis zur nächsten Kreuzung, war offenbar noch nicht fertig, aber bei mir herrschte schon Durchzug.

Spulen wir vor, fünfzehn Jahre später. Wir sind immer noch befreundet, leben in unterschiedlichen Städten, treffen uns aber immer mal wieder auch gerne für ein Wochenende. Nach einem dieser Wochenenden brachte ich sie zum Bahnhof, zum Bahnsteig und zur Zugtür. Da wir ungünstig geparkt hatten, machte ich, wie ausgemacht, kehrt, sobald sie die Hand an der Türe hatte und „alles klar“ sagte.

Und – interessanterweise scheinen es immer Frauen zu sein, da stöckelt mir doch glatt ein weiteres Exemplar der Marke übermäßig besorgte Dame nach, die Treppen runter, um mir ausführlich zu erklären wie schrecklich rücksichtslos ich sei, wie verantwortungslos und ich könnte doch nicht, und man müsste doch … so jemanden wenigstens bis zum Sitz bringen, was, wenn sie jetzt die Leute, mit denen sie reist nicht findet?

Verständnisloser Blick. „Wie jetzt, wen?“

Oh nein! Ich lasse diese arme Frau doch nicht auch noch alleine Zug fahren! GANZ alleine? Ohne Begleitung, ohne Hilfe, ohne…

Ich will gar nicht wissen, was sich die Dame gedacht hat, als ich zu lachen anfing… Denn bei meiner Antipathie gegen Züge sieht eine zwangsweise gemeinsame Zugfahrt bei uns doch eher andersherum aus.

*

So, der langen Rede kurzer Sinn: Nein, nicht alles, was vielleicht „gut gemeint“ ist, ist wirklich gut. Es gibt eine Grenze zwischen Hilfe und unerwünschter Einmischung. Wer einfach seinem Alltag oder seiner Arbeit nachgeht muss nicht bemuttert werden. Leider fürchte ich, dass gerade diese Personen, die sich befleißig fühlen, den vermeintlich Nicht-Helfenden zurechtzuweisen, selbst am schnellsten Wegschauen würden, wenn irgendwo wirklich Hilfe gebraucht wird.

Nebenbei, wären sie wirklich daran interessiert, sicherzustellen, dass eine vermeintlich hilfsbedürftige Person Hilfe bekommt, würden sie ja wohl diese Person fragen… und nicht eben gerade die andere, die ihrer Meinung nach ihrer „Pflicht“ nicht nachgekommen ist.

Denn genau darum, ums Helfen, geht es dabei nämlich nicht.

Sie gehen mir auf die Nerven, diese Leute.

Wieder was gelernt…

Nämlich warum der Arzt beim Blutspenden immer extra fragt „Wien?“ wenn ich sage „War in Österreich“. Habe mich nie fragen trauen, um den Verkehr nicht noch mehr aufzuhalten, bei uns ist immer wahnsinnig viel los beim Blutspenden. (Man könnte auch behaupten, zu wenig Personal auf zu viele Spender).

In Wien wurde 2008 das West-Nil-Virus nachgewiesen. Deswegen wollen sie nach Besuch in Wien vier Wochen lang mein Blut nicht. Vier Wochen sind kommender Sonntag. Hach ja. Naja, wollen würden sie es schon gerne, ABneg. und so…  „Kommen Sie doch bitte nächste Woche.“ Mal gucken wo ihr nächste Woche seid…

Völkerschlacht und so – Leipzig im Oktober 2016

Irgendwann schaffte es der Verband Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813 einmal, eine funktionierende Großveranstaltung auf die Füße zu stellen. 2013, zur 200-Jahr-Feier. Davon hört man eher nur Gutes. Die Jahrfeiern werden schon länger organisiert, und man sollte meinen, die Herrschaften hätte Erfahrung.

Letztes Jahr war das Reenactment der Völkerschlacht in Leipzig ein einziges großes Chaos.

Wir entschieden uns daher in diesem Jahr gegen die Teilnahme als Darsteller, wollten aber als Zuschauer hin.

Der Tag fing verregnet an – Wellingtonwetter nennen wir das. „It always rains before my battles“. Es ist auch Völkerschlachtwetter, denn damals, am 18./19.10.1813, war es ebenfalls verregnet und kalt. Da sich keiner von uns im Nieselregen auflöst – glücklicherweise auch die geschichtsinteressierten Gäste nicht, die sich uns angeschlossen hatten und die sich mal die Sache mit dem Reenactment zeigen und erklären lassen wollten –, fanden wir uns dank Verkehr etwas später als geplant am Torhaus Dölitz ein, um erst mal unsere Karten abzuholen. Die hatte ich im Zinnfigurenmuseum hinterlegen lassen.

Kurze Begrüßung mit den Betreibern, oh ja, natürlich erinnern sie sich an uns. Jaja, sie wissen noch, dass sie mir letztes Jahr versprochen hatten, mir etwas Merchandise zu meinem Liebling zu besorgen. Ja, sie haben auch dran gedacht, wenn wir unseren Gästen erst mal das Museum zeigen wollen, hat er es aus dem Lager geholt, bis wir wieder zurück sind. Wow. Toller Start in den Tag, damit hatte ich absolute nicht gerechnet. Ich hatte zwar im Vorfeld schon überlegt, ihnen eine Erinnerungs-E-Mail zu schreiben, dann darauf verzichtet weil wir bis zuletzt nicht 100% sicher waren, ob wir überhaupt hingehen.

Das Zinnfigurenmuseum ist durchaus sehenswert. Wir kannten es nun schon von letztem Jahr. Wahnsinn, was man auf diesen winzigen Figuren an Details aufmalen kann. Die Zeit, die in die großen und kleinen Dioramas geflossen sein muss… na, ich will es mir so genau gar nicht vorstellen. Ich habe schon Probleme damit, die drei Zinnfiguren zu bemalen, die bei mir noch rumliegen.
Die Dioramas sind in Anbetracht der Größe erstaunlich übersichtlich, die größten lassen sich auf Knopfdruck mit „Special Effects“ versehen und haben beschriftete Knöpfe, um bestimmte Teile der Szenen zu beleuchten – es macht sowohl das Zurechtfinden als auch das Erklären um einiges einfacher.
Irritierend finde ich die Bezeichnung „Rundgang“, denn es ist doch eher ein „Man gehe bis zum Ende durch, mache dann kehrt und nehme denselben Weg wieder zurück. Letztes Jahr standen wir am Ende eine Weile rum und suchten, wo es weitergeht. Heuer konnten wir dann immerhin zwei anderen Besuchern versichern, dass sie jetzt wirklich wieder durch das komplette Museum zurückgehen müssten.
Der Eintritt ist wirklich nicht zu hoch gegriffen, mit 5€ normal und 2,50€ ermäßigt – Wer Karten für die Gefechtsdarstellung hat kommt auch zum halben Preis rein. Will man sich alle Dioramas genau anschauen und die Beschreibungen lesen und zuordnen, sollte man aber gut Zeit mitbringen. Ich bin ja pingelig, aber an der Beschriftung der Displays ist nicht viel auszusetzen. Ganz am Ende sind leider ein paar Schilder abgekratzt, aber allgemein ist der Informationsgehalt sehr gut – zumindest, wenn man sich für die dargestellten Orte und Handlungen interessiert. Zum Thema „Zinnfiguren“ erfährt man doch eher weniger, was mich jetzt nicht so sehr stört – ich finde Geschichte spannender als Zinngießerei.

Mit einer ersten Ladung an Einkäufen aus dem Museumsshop machten wir uns dann auf den Weg vom Bivouak der Allierten zu dem der Franzosen am anderen Torhaus. Da es von den Veranstaltern keiner für notwendig befindet, irgendwas auszuschildern – es gibt auch keine Schilder in der Stadt, geschweige denn an den Zufahrtsstraßen, die auf die Veranstaltung hinweisen – muss man aber schon wissen, wie man nun vom Torhaus Dölitz zum Torhaus Markkleeberg kommt. Letztes Jahr bin ich erst zweimal außenrum gelaufen, bis mir gesagt wurde, ich könnte auch quer durch den Park… naja, laut meinem Handy sind’s nur 200 Meter Unterschied. Wir nehmen die Route durch den Park. Ich erinnere mich daran, dass der letzte Streckenabschnitt letztes Jahr eine einzige Matschpfütze war, frage nach – kann man in diesem Jahr vielleicht auf der Straße durch? Ja, sagt der Herr am Kartenhäuschen (der Gefechtsplatz ist weiträumig abgesperrt, mit Buden zum Kartenkaufen an den drei Eingängen zu dem abgesperrten Bereich), Sie können ganz bis zur Straße und dann so weiter. Na gut. Einmal durch, unten nochmal nachgefragt, welcher Weg nun zur Straße führt. Die Damen dort wissen aber von nichts und sind ratlos. Geben eine vage Antwort. Wir gehen vage in die Richtung und stellen fest – Sackgasse. Die ist allerdings nur mit einigem Abstand in die andere Richtung als solche markiert, sodass wir das auch erst merken, nachdem wir am Ende angekommen sind. Was soll’s, man ist ja gut zu Fuß. Kommando zurück, alle Wege ausprobiert… schließlich Pokémon Go als Pfadfinger bemüht, und zu dem Schluss gekommen: Nee, keine Ahnung was der Herr meinte… der einzige gangbare Weg ist der von letztem Jahr. Durch den Matsch. Naja.

Matschig ist auch das französische Bivouak. Los ist (noch) nicht viel, also halten wir uns nicht lange auf und gehen weiter. Der Handwerkermarkt Torhaus ist wirklich sehr klein, die Nichtvegetarier unter uns können sich immerhin mal mit Bratwurst stärken. Wir kaufen Kunstdrucke und Spielzeug für die Neffen, und begeben uns dann ins Schloss Markkleeberg, um die Sammlerbörse zu begutachten.

Die ist nun deutlich ergiebiger als die dies letzten Jahres, die unpassenderweise eher auf 1./2. Weltkrieg fokussiert war. Einige Euro ärmer, dafür aber mehrere Lithos und Zeitschriften reicher ziehen wir weiter zum Völkerschlachtmuseum im Torhaus – und landen dank der fehlenden Beschilderung erst mal in der Autogrammstunde von Frau Sabine Ebert, wo wir, kaum dass wir in der Tür stehen, aufgefordert werden, reinzukommen und unsere Bücher auszupacken… Ah, äh, nein, nein, wir suchen das Museum. Das sei irgendwie die Treppe rauf, da müssten wir mal schauen. Immerhin habe ich es geschafft, der Frau nicht an den Kopf zu werfen, was ich schon seit letztem Jahr nicht von ihr halte… Einen weiteren Fehlversuch später haben wir dann endlich das Museum gefunden – zweimal die Treppe rauf, nicht durch den Raum der mit „Kasse“ beschriftet ist. Eintritt zwei Euro pro Person, mit Gefechtskarten die Hälfte… Mehr ist das Museum auch nicht wirklich wert, denn es handelt sich um drei Räume mit eher weniger Ausstellungsstücken, beschildert genausogut wie der Veranstaltungsort – nämlich gar nicht. Entweder, man weiß, was man anschaut, oder man wird es auch nicht erfahren. Immerhin bringen uns dieselben Eintrittskarten auch noch zu einem großen Diorama der Schlacht im anderen Gebäude, und dort immerhin gibt es Erklärungstafeln, Schlachtpläne und Beschriftungen. Gut, ganz umsonst war die Ausgabe dann doch nicht.

Inzwischen ist es ein Uhr durch, und wir tragen die Einkäufe zum Auto, um uns dann am Gefechtsplatz aufzustellen und auf die Schlacht zu warten. Wir sind doch etwas erstaunt, wie viele schon vor uns da sind, und bekommen erst mal scheinbar keinen zentralen Platz mehr – später stellt sich heraus, dass wir exakt vor der Schlacht stehen, und alle, die sich vorher vermeintlich mittig platziert hatten eher weniger zu sehen bekamen. Den Kommentator gibt wie letztes Jahr ein örtlicher Buchhändler und die erwähnte Sabine Ebert. Letztere fiel uns bereits letztes Jahr ob der Qualität ihres Kommentars negativ auf, die nämlich vor allem durch Abwesenheit glänzte.

Aber es geht immer noch schlimmer, vor allem wenn sich der Kommentator so richtig ins Zeug legt dafür. Das machte sie auch, und zwar vom ersten Satz an. „Guten Nachmittag, vielen Dank, vielen Dank auch für den Applaus“. Blöd nur dass kein Mensch applaudiert hatte. Ups?
Dinge, die ich gestern anhand von Frau Eberts Kommentar „gelernt“ habe:

  • Ägypten ist ein Land in Europa (oder zumindest: Ägypter = Europäer).
  • Belgien, Russland, Schweden, Tschechische Republik = „Alle oder zumindest die meisten Länder Europas“
  • Die Landessprache von Schweden ist Englisch. Oder vielleicht ist „Welcome to our friends from Sweden“ Schwedisch?
  • Die Baschkiren kamen aus Ägypten.
  • Ihr Ko-Kommentator hat einmal an der falschen Stelle gelacht (zumindest meinte sie, das dem Publikum so mitteilen zu müssen).

und natürlich ihr Lieblingsthema, wegen dem sie sie sich bereits im letzten Jahr in längeren Ergüssen ergehen musste:

  • Reenactments machen keinen Spaß und sind nichts, das man zur Unterhaltung genießen darf, es handelt sich vielmehr um ernste, tiefgründige Ereignisse zum Gedenken an die Toten der Schlacht. Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben…

Hätte ich noch mehr Gründe gebraucht, um Eberts Bücher nicht zu lesen, hätte sie mir gestern wieder massenweise welche geliefert. Die Menge an Fehlinformation, die diese Frau in 90 Minuten Kommentar packen kann, ist geradezu erstaunlich.

Nachdem wir uns also anderthalb Stunden lang abwechselnd das Augenrollen und das Lachen verkniffen haben – und dabei die Schlacht doch recht unterhaltsam fanden, auch wenn wir das laut Frau Ebert ja nicht durften (wir Rebellen!) – gab es noch einen schnellen Rundgang über das Gelände, bei dem wir feststellten, dass es tatsächlich nirgends etwas Substanzielleres zu Essen gab.

Ah ja… das hier anscheinend obligatorische durchgehende Pferd auf dem Schlachtfeld gab es natürlich auch wieder. Oder zumindest sah der Abgang vom Feld in vollem Galopp nicht besonders kontrolliert aus. Liebe Veranstalter, Pferde sind bitte vor der Veranstaltung an Musketen und Kanonen zu gewöhnen. Würde sich bei uns ein Pferd im Feld so aufführen, würden wir es aus Sicherheitsgründen vom Platz schicken.

Apropos Pferde: Auch der Herr, der sein Pferd neben dem Weg geparkt hatte, an dem die Kanonen beim Aufräumen vorbei mussten… das Pferd, das jedes Mal anfing durchzudrehen, wenn eine Kanone, oder ein bunt Uniformierter, oder eine größere Gruppe Besucher, vorbeikam, und der die Bedenken eines anderen Teilnehmers abtat mit „Nein, nein, er [= das Pferd] muss sich dran gewöhnen“ hatte irgendwas noch nicht verstanden. Die Aussage an sich ist ja richtig, aber doch bitte nicht mitten auf der Veranstaltung. Nicht neben einem Weg, den die ganze Besucherhorde in Richtung Bivouak nimmt. Bitte!

 *

Für uns war die Veranstaltung für den Tag vorbei, und wir fuhren in die Leipziger Innenstadt, um uns eine Pizzeria zu suchen.

Erster Versuch: Ciao Bella. Es ist voll. Sehr voll. Sehr klein und sehr voll. Schlechte Kombi. Aber Pizza. Und Hunger. Die Frau Kellnerin meint, ein Tisch würde gleich frei, und wir sollten doch fünf Minuten „vorne warten“, sie würde dann nur schnell den Tisch abwischen und uns herrufen, er wäre für uns reserviert. Okay. Wir warten also. Fünf Minuten. Zehn. Fünfzehn. Der Tisch ist inzwischen frei, aber keiner macht Anstalten irgendwas damit zu tun, geschweige denn, uns mal wieder reinzulassen. Fünfundzwanzig Minuten. Die Dame kommt. Jetzt dürfen wir. Wir setzen uns, konsultieren die Karte. Warten. Fünf Minuten, zehn, fünfzehn. Ich sitze mit dem Rücken zum Raum und fühlte mich etwas gestresst. Selbst schuld, warum hab ich nicht die Bank genommen? Kellner drängelt sich hinter mir durch und blafft mir ins Ohr: „Das ist aber mit Wartezeit! Und Pizza gibt’s auch nicht, nur Pasta!“. Bitte was? Es ist fast eine dreiviertel Stunde vergangen, seit wir angekommen sind, und am Tonfall muss der Herr auch noch feilen. Dringend. Wenn sogar ich es ohne Übersetzer oder dezenten Hinweis vom Nebenmann mitbekomme… .

Wir stehen auf und verlassen das Restaurant. Nächster Stopp: Pizza Hut. Kaum sind wir durch die Tür, steht ein Kellner vor uns, und fragt doch tatsächlich was für einen Tisch wir gerne hätten. Wir nehmen uns eine schöne ruhige Nische, weit aus dem Weg… irgendwie habe ich es geschafft, mein gesamtes Leben, an das ich mich bewusst erinnern kann, nicht ein einziges Mal einen Pizza Hut von innen gesehen zu haben. Und das bei mir Pizzaliebhaber! Die Ruhe in unserer Ecke tut gut, die Karte erstaunt mich. Dass sie gerade meine Marke Bitter Lemon führen schadet nicht. Der Käsefanatiker in mir freut sich über die Käs-igste Pizzavariante der Cheese Lover Pizza, obwohl es auch hier gut voll ist, werden wir zügig bedient. Das Essen ist hervorragend. Der Kellner sehr zuvorkommend. Zügig auch als ich die Rechnung verlange. Dafür gibt’s auch etwas mehr Trinkgeld, das hat er sich verdient. Wir lassen den Abend noch mit einem kleinen Spaziergang durch Leipzig ausklingen und geben dabei für unsere Gäste witzige Anekdoten aus dem 19. Jahrhundert zum Besten.

Fazit: Sabine Ebert ist weder Wein noch Whiskey und wird daher mit zunehmendem Alter auch nicht besser, und die Völkerschlacht-Organisatoren müssten dringend mal das mit der Beschilderung lernen. Aber die Gesellschaft war sehr nett und das Essen am Ende noch hervorragend. Nächstes Jahr wieder? Mal schauen. Wenn, dann wieder nur als Zuschauer.

Nochmal die Geier

Wir sitzen mit Besuch im Esszimmer.

Papagei kommt durch die Tür marschiert, schaut zu mir auf und verkündet: „Kleines Vogele macht tüt!“

A-ha?

„Kleines Vogele macht tüt.“

Sie dreht sich um und geht wieder in Richtung Tür.

Ich gehe mal hinterher und schaue nach…

Die Situation stellt sich dar wie folgt: Zwei Graupapageien sitzen vor ihrem Ess- und Schlafkäfig und würden da wohl gerne rein. Da drin sitzt allerdings der Zebrafink (man stelle sich hier mal in etwa die Größenverhältnisse vor… der Fink muss auf den Papageienstangen ganz schön balancieren). Wann immer sich ein Papagei der offenen Tür nähert, quakt der Fink einmal laut in Richtung Tür. Papagei dreht sich um und wartet lieber wieder in sicherer Entfernung. Das Spiel wiederholt sich.

Alles klar. Stimmt, kleines Vogele macht tüt. Wir haben das kleine Vogele dann aus dem Papageienkäfig entfernt und erst mal ins Vogelzimmer zurückgebracht. So einmal quer durchs Haus ist ja schon fast ’ne Weltreise für so einen kleinen Kerl.

Soße!

Ich: Sitze am Schreibtisch, bin am Arbeiten.

Papagei: Sitzt auf dem Schreibtisch und ist auch am Arbeiten (Sonnenblumenkerne vernichten).

Papagei: Streckt sich, nimmt den Rand meines Wasserglases in den Schnabel und KIPPT – direkt in die Sonnenblumenkernschale).

Ich: ???

Papagei: „Soße!“

Ja… is gut…

Ich liebe unseren TA. Der ohne Gemoser oder Kopfschütteln am Sonntagnachmittag vorbeikommt um sich die neuen Wellis anzuschauen (wir machen das immer bei uns, damit ich die Neuen nicht gleich wieder einfangen, transportieren, etc. muss…)

Inzwischen wurde klar, dass die Herrschaften Wellis nicht einfach nur aufgeregt waren sondern tatsächlich alle vier an Durchfall leiden. Super, weil sie gerade auch nicht so wahnsinnig davon überzeugt sind, dass man aus dem Wasserspender wirklich trinken kann. Immerhin haben sie heute Abend die Hirse mehr als nur angeschaut.

Überraschungen gab es keine, habe ich auch nicht erwartet.

Vier Unverkäufliche

wellis

Leicht beschädigt und sehr verwirrt. So ein großer Käfig. Und man hört doch glatt Gezwitscher vor der Tür. Da müssen noch andere Wellis sein…

Wenn die vier wüssten…

Die nächsten paar Wochen leben sie im Gästebad in „Quarantäne“, da ich keine Lust habe, mir eventuell irgendwas in die Voliere einzuschleppen. Wenn ich sicher bin, dass sie soweit „sauber“ sind, dürfen sie dann in den Schwarm. Der mittelblaue (zweiter von rechts) ist ein älteres Männchen, die anderen noch ein bisschen jung für die zuverlässige Geschlechtsbestimmung. Meine Vermutung mit Tageslicht: Grün: Hahn, Hellblau: Henne, Dunkelblau: evtl. auch Henne.

Namen…haben sie noch keine. Mal schauen.

Echt Spitze…

Ist wenn du kurz vor 2 Uhr nachts noch am Arbeiten bist (ich arbeite gerne nachts) aus dem europäischen Ausland per VPN in dein Firmnetz eingeloggt bist und das rosa Telekommunikationsunternehmen eine Wahnsinnsstörung baut.

Du kannst natürlich über 750 km nicht auf deinen Router schauen… Lokales Internet sagt dir, yep, Störung. Du rufst an, weil du wissen willst ob es was bringt, wenn du weiter wach bleibst… weil du ohne dein VPN & Remote Desktop nicht an alles rankommst was du gerade bräuchtest um weiterzumachen…

Schon mal versucht, dem netten Hotlinemitarbeiter zu erklären, warum zum Kuckuck du aus Belgien anrufend ein Problem mit einer deutschen Internetstörung hast? Und dass nein, du kannst deinen Router jetzt nicht zurücksetzen, so lang ist dein Arm nicht, aber mal ganz ehrlich? Die Störungsmeldungsseiten laufen den ganzen Tag schon heiß und die Wartezeit in der Hotline würde ohne den besonderen Trick laut Ansage 14 Minuten dauern. Da ist die Unterstellung, es sei meine Hardware, doch etwas dreist, oder?