Ursula Poznanski: Schatten

Ursula Poznanski ist eine österreichische Autorin von Jugendbüchern und Thrillern für Erwachsene. Mit ersteren konnte sie mich nicht überzeugen. Ihre Reihe um Beatrice Kaspary und ihren Kollegen Wenninger lese ich aber recht gern.

Die Bücher spielen in und um Salzburg, und ich finde, die Wahl eines Orts, an dem sich die Autorin gut auskennt, war eine weise Entscheidung. Ihr Buch Erebos soll in London spielen, und für mich, die ich ja doch regelmäßig Zeit dort verbringe, ist es eben schon sehr „SOLL“ in London spielen. Das Setting in Salzburg ist stimmiger.

Von außen betrachtet, hat das Buch ein großes Manko für mich: Der Coverstil passt nicht gut zu den ersten drei Bänden. Ich werde nie verstehen, warum Verlage mitten in einer Serie den „Look“ der Bücher ändern zu müssen glauben. Schade.

Es geht, natürlich, um Mord. „Schatten“ ist der vierte Band. Das Ermittlerteam ist seit Buch eins größtenteils unverändert, aber es gaben deutliche Entwicklungen stattgefunden – Entwicklungen, die durchaus konsistent und in sich logisch sind.

Erzählt wird aus Sicht von Beatrice Kaspary. In diesem Buch kommt erstmalig auch ihr Kollege (und seit dem letztem Band ihr Lover) Florin (ohne a) Wenninger „zu Wort“. Eine wirklich eigene Charakterstimme haben seiner Erzählkapitel nicht. Das stört mich nicht weiter, aber wer wirklich gerne ein Buch mit deutlich unterschiedlichen Erzählstimmen liest, wird hier enttäuscht sein.

Was mir hier mal wieder gut gefällt – wie auch im letzten Buch schon – ist, dass sich die Figuren nicht so wahnsinnig blöd anstellen. Weder enthalten sie sich gegenseitig aus fadenscheinigen Gründen wichtige Informationen vor, noch tun sie die Gedanken des jeweils anderen leichtfertig ab, um später dann eines Besseren belehrt werden zu können, noch brauchen sie ewig, um einen Zusammenhang zu finden… Jawohl, das mag ich. Dass man „dennoch“ einen spannenden Fall aufbauen kann, beweist Frau Poznanski hier einmal mehr.

Der Schreibstil ist gut zu lesen. Auf der Lesung neulich meinte sie, dass sie nicht so wahnsinnig Österreichisch schreibe und deswegen auch in Deutschland größeren Erfolg habe als in Österreich. Den zweiten Teil dieser Aussage kann ich nicht kontrollieren, aber dem ersten schließe ich mich an. Wo ich bei Andreas Gruber (den ich durchaus auch gerne lesen) gelegentlich über österreichische Begriffe „stolpere“, ist die Sprache bei Poznanski sehr überregional neutral gehalten. Damit eignen sich die Bücher auch gut zum Nebenherlesen, wenn ich nicht unendlich viel Konzentration aufbringen kann – oder speziell als Flugzeuglektüre. Ich glaube, ich habe alle vier Kaspary-Bücher bislang in der Luft gelesen.

Sicher kann man Band vier für sich alleine lesen. Mehr Sinn gibt es aber, wenn man ihn in Folge mit Band drei liest. Die Verknüpfung der beiden Bücher könnte extrem gezwungen, künstlich und unlogisch sein. Könnte, ist sie aber nicht, weil Frau Poznanski es schafft, diese Verbindung so aufzubauen, dass es in sich konsistent ist. Ob sie in Band drei wirklich schon wusste, dass sie Band vier so schreiben würde, oder ob sie einfach nur sehr geschickt ihre eigene Vorlage nutzte und den von Band drei noch herumspringenden „Ball“ annahm – hätte ich sie vielleicht auf der Lesung fragen sollen, aber bei solchen Fragen zögere ich immer sehr. Man will ja nicht durch eine unvorsichtige Formulierung für den Rest des Publikums „spoilern“.

Abzug bekommt das Buch für einen kleinen Abschnitt von vielleicht fünfzehn Seiten mitten im Endteil. Dort liest sich der Text, als hätte ihn jemand anders geschrieben. Wenn das spannungserhöhend sein sollte: Es hat nicht funktioniert. Plötzlich wird dem Leser plump und mit Ankündigung Information vorenthalten, um dann die Auflösung dramatischer zu machen. Wird sie allerdings nicht, denn bis diese kommt bin ich zumindest schon dermaßen genervt von dem Spiel, dass es mir schon ziemlich egal ist. Bei einem Autor, der sonst schlechter schreibt, würde ich sagen „Der kann es halt nicht anders“. Poznanski kann aber, wie sie an anderer Stelle und in anderen Bänden beweist. Was dieser Abschnitt sollte… keine Ahnung.

Danach geht es dann allerdings in gewohnter Manier weiter, und das Ende vom Ende des Bands ist wieder so angenehm geschrieben wie der Anfang, die Mitte und der Anfang vom Ende.

Auf jeden Fall bin ich nun gespannt, wie es weitergeht. Das nächste Buch wird bestimmt wieder gekauft.

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Vom Können und Nicht-Können

Eine Erinnerung – lange her. Ich male eine Zeichnung aus. Wir sind irgendwo unterwegs, ich beschäftige mich. Ich will anfangen, mein gerade gezeichnetes Pferd auszumalen, aber der braune Stift bricht ab. Ich habe keinen Spitzer dabei. Ich fange an, mich aufzuregen, weil ich das Bild nicht fertigmalen kann. Meine Mutter wirft einen Blick drauf und meint: „Muss das Pferd braun sein? Es gibt doch auch schwarze Pferde.“ Und schiebt mir den schwarzen Stift hin.

*

Ich habe zwei NT-Freundinnen. Von diesen ist eine blind. Da ergibt es sich, dass man gelegentlich gemeinsam vor einem dreidimensionalen Stadtmodell steht und das gemeinsam betrachtet.

So standen wir da dann auch mal wieder, und es näherte sich eine Mutter mit zwei Kindern. Eines der Kinder deutete auf die Punkte und fragte, was das sei. Die Mutter antwortete, die Punkte seien für Leute wie „die Frau dort“, die nicht lesen könnten weil sie blind seien.

Wir standen nahe genug, um das zu hören, und meine Freundin hatte wohl gerade Lust, Aufklärungsarbeit zu leisten.

„Entschuldigung“, sagte sie, „ich muss das jetzt korrigieren: Ich kann sehr wohl lesen. Ich lese diese Punkte.“

Die Kinder, wie Kinder halt so sind, waren sofort interessiert, fragten nach. Zum Glück hatte die Dame Zeit, denn ihre Kinder standen die nächsten 90 Minuten vor diesem Stadtmodell und lernten Braille lesen. Gut, mit den Augen, aber trotzdem. Nebenbei bekam die Mutter, die ziemlich schnell ebenfalls anfing, Fragen zu stellen, dann auch noch ein paar Erklärungen.

Mit heimgenommen haben die drei hoffentlich unter anderem die Information: Nur, weil jemandem die örtliche Mainstream-Methode nicht zugänglich ist, bedeutet das nicht, dass dieser jemand die Aktivität nicht ausüben kann. Vielleicht macht er sie nur ein bisschen anders…

*

Mit dem Können ist das allgemein so eine Sache.

Wenn ich nach China oder Japan reise, und dort die Schilder nicht entziffern kann, kann ich dann plötzlich nicht mehr lesen?
Wenn ein Mensch aus einem arabischen Land, der sein Leben lang arabisch geschrieben hat, nach Europe kommt – kann der nicht lesen? Mein inzwischen verstorbener Opa hat nie gelernt, Antiqua („unsere“ Buchstaben) zu schreiben, sondern schrieb sein Leben lang Fraktur (echte Fraktur, nicht dieses elende Sütterlin). Konnte der deswegen nicht schreiben?

Ich habe links nicht mehr ausreichend Feinmotorik, um einen Stift zu führen, rechts wesentlich mehr als meine Unterschrift gelernt. Ich tippe meine Texte in der Regel. Kann ich nun nicht schreiben?

Was ist zum Beispiel mit Stephen Hawking? Kann der nicht schreiben, weil er seine Bücher Zeichen für Zeichen in den Computer eingibt, statt einen Stift in die Hand zu nehmen? Aber Bücher geschrieben hat er trotzdem…

So einfach ist das mit dem Können oder Nichtkönnen also gar nicht, vor allem, wenn es um Generalisierungen geht.

 

Schreiben können. Lesen können. Zeichnen können…

 

In einer Zeit, in der es ausgefeilte OCR-Programme (Texterkennung) gibt, kann man so ziemlich jeden gedruckten Text einscannen und vom Computer in gesprochenen Text (oder eine andere Form der Ausgabe) umwandeln lassen. Ja, kleine Fehler entstehen noch immer, vor allem bei Namen, aber im Großen und Ganzen ist es kein großer Aufwand mehr, einen Text eigenständig lesen zu können, selbst wenn man die gedruckten Buchstaben nicht direkt in Bedeutung umwandeln kann. Egal, ob das nun daran liegt, dass man nicht den Text nicht sieht, oder irgendwo in der Informationsverarbeitung liegt, oder ganz Gründe hat.

In einer Zeit, in der es gute Spracherkennungsprogramme gibt – die auch an Akzent, Dialekt oder undeutliche Aussprache, ungewöhnliche Spracheigenheiten und Ähnliches mit relativ geringem Aufwand zu gewöhnen sind – muss niemand mehr einem Stift über das Papier bewegen oder buchstabieren können, um selbst zu schreiben.

*

Warum „hängen“ wir uns so oft an der Methode „auf“?

Warum lese ich im Blog einer Mutter, die laut eigener Aussage in der Arbeit für Autisten aktiv ist, ihr autistischer Sohn könne nicht zeichnen – Direkt unter einer Zeichnung, die derselbe Sohn angefertigt hat. Auf dem Computer. Im Grafikprogramm.
Der Text beginnt: „Obwohl er nicht zeichnen kann…“ (sinngemäß weiter: macht er Bilder am Computer).

Warum ist die Zeichnung, die am Computer erstellt wurde, aus Sicht dieser Frau keine Zeichnung?
Warum hat sie nicht den Wert einer Zeichnung mit Bleistift und Papier?
Warum nimmt sie die Methode wichtiger als das Ergebnis?
Warum kommen solche Aussagen, immer und immer wieder, von Leuten, die sich selbst als Unterstützer bezeichnen?
Ist solchen Leuten nicht klar, wie destruktiv diese Herangehensweise ist?
Welche Nachricht sendet das?
An ihren Sohn?
An andere Autisten?
An andere Leute allgemein?

Solche Aussagen haben meines Erachtens in dem Zusammenhang nichts verloren.

*

Immer wieder habe ich das Gefühl, dass wir vor lauter Fokus auf die Defizite gar kein Interesse daran haben, uns die Lösungen anzuschauen.

Vielleicht können wir uns das nächste Mal, wenn jemand mit der Mainstream-Methode nicht kann ja auch einfach mal fragen: muss er denn? Geht es nicht auch einfach anders? Das Pferd ist doch nicht weniger ein Pferd, wenn es schwarz statt braun ist…

*

Es kostet mich weniger als zwanzig Minuten, um einen beliebigen Computer mit einem neueren Windows (WIN95 wäre schwierig) und einem beliebigen Scanner so einzurichten, dass er jeden gedruckten Text in hörbare Sprache umwandelt.

Gut, ich bin dabei recht zügig, weil ich es schon oft genug gemacht habe.
Aber selbst jemand, der das zum ersten Mal macht, sollte nicht mehr als eine Stunde investieren müssen. Eine Stunde, damit derjenige, der Buchstabenketten – aus welchem Grund auch immer – nicht in Inhalt umwandeln kann eben doch lesen kann.

Zehn Minuten Installationszeit und dreißig Minuten Eingewöhnungszeit kostet es heute, um ein Diktierprogramm (Spracherkennung) zum Laufen zu bringen. Damit kann man nicht nur Texte eingeben, sondern den kompletten Computer steuern. Warum habe ich also erst gestern wieder einen Menschen im jungen Erwachsenenalter getroffen, der „nicht schreiben kann„?

Nebenbei: Wir verwenden, auch wenn wir durchaus selbst lesen und tippen können, beide Techniken gerne und viel bei der Arbeit.
Der „Mercedes“ unter den OCRs kostet 150 Euro.
Der „Mercedes“ der Spracherkennung kostet 130 Euro.
Mercedes fahren kann nett sein und lohnt sich sicher, wenn man damit „seine Brötchen verdient“, aber, um beim Autobild zu bleiben: zum Ausprobieren tut es auch der gebrauchte Golf.

*

Wir waren heute am Pferdeputzen, eine junge Dame, die öfter im Stall ist… gefühlt irgendwie unteres Ende Teenageralter … erzählte von einem Thema, das sie interessiert. Ich: „Ah, dann hast du ja sicher [Buchtitel] gelesen?“ – Die danebenstehende aufsichtführende mit Ohrstöpseln versehene, in exakt diesem Moment sich ein Hörbuch zu Gemüte führende Mutter: „Aber nein, sie kann doch nicht lesen!“

Nach einem sprachlosen Moment von mir: „Also dafür, dass Sie es nicht gelesen haben, kannten Sie das neuen Karen-Slaughter-Buch aber verdammt gut.“ (War ein Buch, von dem sie letztes Mal erwähnte, das Hörbuch gerade durch zu haben, und wir hatten uns etwas drüber unterhalten.)

Jetzt ist sie beleidigt.

Weidener Literaturtage: Ursula Poznanski (Autorenlesung)

Bevor ich wieder nach Belgien geflüchtet bin, habe ich am Mittwochabend noch eine Autorenlesung „mitgenommen“.

Die Weidener Literaturtage finden alle zwei Jahre statt und haben eigentlich fast immer interessante Angebote. Dieses Mal las unter anderem Ursula Poznanski. Da traf es sich doch sehr gut, dass ich gerade ihr neuestes Buch fertiggelesen hatte.

Eine Sache an den Literaturtagen ist, dass die Veranstaltungsorte oft etwas ausgefallen sind. So auch hier – gelesen wurde im Verkaufsraum eines Autohauses. Parken musste man allerdings gegenüber auf der anderen Straßenseite.

Die Veranstaltung war sehr gut besucht – so gut, dass nachbestuhlt werden musste. Wir hatten Glück und kamen so zeitig, dass wir uns nach vorne setzen konnten. Ich finde es wahnsinnig schwer, mich auf irgendetwas zu konzentrieren, wenn ich Köpfe vor mir habe. Die Stühle, fanden wir schnell heraus, waren so ziemlich das unbequemste was Weiden zu bieten hatte. Ich glaube, die einzige, die an dem Abend bequem saß, war neben der Autorin selbst die Dame rechts von uns, die ihre eigene Sitzgelegenheit direkt dabeihatte – mit zwei großen und zwei kleinen Rädern.

Es wurde Sekt, Wasser und Saft ausgeschenkt, und es war ein kaltes Buffet mit Häppchen aufgestellt.

Begonnen wurde nur mit leichter Verzögerung. Frau Poznanski erläuterte direkt den Ablauf – sie wollte 40 Minuten lesen und dann Fragen beantworten. Die letzten Autorenlesungen, auf denen ich war, sahen so aus, dass der Autor kleinere Abschnitte las und kommentierte, oder etwas erklärte und dann dazu las. Vierzig Minuten Lesung am Stück schien mir erst mal sehr lang.

Die Stellen waren aber sehr gut gewählt und sehr gut gekürzt – da ich das Buch eben erst zwei Tage zuvor gelesen hatte, hatte ich die Texte noch größtenteils so im Kopf, dass ich wusste, wo geschnitten war. Die beiden ersten Morde, die Begehung der Tatorte und ein kleines bisschen Ermittlungsarbeit wurden gelesen. Auf halber Strecke – also vor dem zweiten Mord – fasste Frau Poznanski kurz den weiteren Verlauf zusammen, bis die nächste gelesene Szene einsetzte.

Man kann ihr angenehm zuhören, was für mich etwas überraschend war, da ich Frauenstimmen meistens nicht so gerne höre. Einen Punkt Abzug bekommt sie von mir, weil sie in längeren Erzählpassagen keinen ordentlichen Lesefluss hinbekommt. Sie liest dann immer wieder einfach ein paar Wörter ohne Beachtung der Satzzeichen, macht dann kurz Pause – egal, ob da eine hinpasst oder nicht – um Luft zu holen, und liest dann die nächsten Wörter. So kommen einige komische „Sätze“ zustande, in deren Mitte eigentlich ein Punkt stünde.
Einen halben Punkt gebe ich ihr aber wieder drauf, weil sie bei der folgenden Frage, warum sie ihre eigenen Hörbücher nicht selbst einlesen würde (ernsthaft? Ich glaube, die Frau, die das gefragt hat, hat bei der Lesung irgendwie geschlafen…) ganz klar sagte, „Weil ich keine Schauspielerin bin, das nicht gelernt habe, und weiß, dass ich nicht in der Qualität lese, die dazu notwendig wäre.“

Fragen beantwortete sie sehr schön, verständlich, klar, nicht zu langatmig aber dennoch detailliert. Immer freundlich, nicht genervt. Witze, wo sie sich ergaben, waren nicht so abgestanden, wie ich das von manchen anderen Lesungen kenne, sondern ergaben sich eher aus dem Gesprächsfluss. Sicher sind die Texte mehr oder weniger vorbereitet, es werden bei Lesungen ja doch immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden. Es klang aber nichts auswendiggelernt. Ihre angekündigten Bemühungen, Hochdeutsch zu sprechen, setzte sie sehr schön um. Nur einmal kam die Österreicherin durch, als sie davon erzählte, was für ein Antitalent in Mathe-MA-tik sie gewesen sei. Da musste ich mir das Grinsen doch etwas verkneifen, denn diese Betonung amüsiert mich schon, wenn ich in Wien bin, immer sehr.

In der folgenden Signiersitzung war sie sehr freundlich, da sie relativ lange Widmungen schreibt, dauert das Anstellen etwas länger.

Der Verkaufsstand mit ihren Büchern war gut organisiert. Meine Mutter kaufte dort noch ein, es ging sehr zügig. Auf dem Weg nach Draußen nahmen wir uns noch Häppchen vom Buffet – inzwischen etwas durchgeweicht aber noch immer ganz gut. Käsebrot mit Erdbeere… keine Kombination, auf die ich von alleine gekommen wäre, aber es schmeckte nicht schlecht.

„Umgerechnet“ in Punkte:

Veranstaltungsort: 5/10 (Nee, für die Bestuhlung ist nicht mehr drin)
Lesung: 9,5/10  
Autorin: 10/10  
Organisation: 9/10 (Ein Hinweisschild, wo zu parken ist, wäre gut gewesen, dann wären nicht alle erst eine Runde im Hof gefahren, bevor sie gemerkt haben, dass sie auf der anderen Straßenseite halten müssen)

 

 

Ich sag‘ doch, ich hab‘ kein Bücherproblem…

Neuanschaffungen von gestern, teils antiquarisch, teils neu.

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Grimm’s Märchen, Lesebuch in Sütterlin, illustriert

Tischlein deck dich, illustruiert, Frakturschrift

Volksmärchen von Musäus, zerfleddert… das Buch wird nicht überleben. Ich habe dieses Buch bereits in einer ähnlich kaputten Ausgabe, mit fehlenden Seiten… ich hoffe, mein Buchbinder kann „aus zwei mach eins“ machen.

Mythologie Kompakt & Visuell; Büber von Dorling Kindersley kaufe ich selten, weil sie mir meistens zu populärwissenschaftlich-oberflächlich sind. wenn ich sie kaufe, dann meistens wegen den Illustrationen oder Grafiken.

 

Rezeptbuch der Pflanzenheilkunde

Kriegschirurgie (man muss sich ja weiterbilden so als Feldchirurg aus dem Jahr 1815)

 

Frauenwürde (Predigten aus dem 19. Jh. zum Thema „Frauen“; irgendwie zum schießen)

 

John Higgs: Alles ist Relativ und Anything Goes – eine Reise durch das unglaublich seltsame und ziemlich wahnsinnige 20. Jahrhundert

Klaus-Rüdiger Mai: Gutenberg

Raimund Schulz: Abenteuer der Ferne – Die großen Entdeckungsfahrten und das Weltwissen der Antike

Arnold Esch: Rom – Vom Mittelalter zur Renaissance.

 

Nujeen Mustafa: Nujeen

Kein Problem!

Gerade beim Antiquitätenhändler meines Vertrauens. Ich denke über eine Lampe nach.

Ein Herr kommt rein, er denkt umgehend über dieselbe Lampe nach. Ein Gespräch folgt. Irgendwann der Antiquitätenhändler: „Wissen Sie, Herr Soundso, die Frau Johanna hat auch ein Bücherproblem.“

Wir beide, wie aus der Pistole geschossen, gleichzeitig:

„Ich hab‘ kein Bücherproblem!“

Auf „Platzproblem“ konnten wir uns aber einigen.

Jasper Fforde: Shades of Grey

Ich habe ein ganz besonderes Bücherregal.

Es ist kein materielles Bücherregal aus Holz, sondern mehr ein virtuelles Bücheregal. Es steht in meinem Kopf, und es enthält Bücher. Die Anzahl Bücher, die darin „steht“ ist überschaubar.

Manche Bücher sind für mich sehr einprägsam. Seiten, ganze Kapitel, oder sogar der vollständige Text brennen sich dann ins Gedächtnis ein, sodass ich tatsächlich später einfach „im Kopf“ das Buch wieder aufblättern und lesen kann.

Dabei sind das nicht immer unbedingt die Bücher, die mir am besten gefallen. Genau genommen, habe ich keine Ahnung, was der Auslöser ist, dass manche Texte sich einfach Bild für Bild abrufbar abspeichern und andere nicht.

Obwohl ich viel lese, bekommt dieses Bücherregal nicht besonders oft Zuwachs. Es können Jahre vergehen, bevor ich wieder ein Buch finde, das in dieses „Regal“ rutscht.

Seit dieser Woche habe ich nun ein neues Buch dort stehen. Während, wie gesagt, nicht jedes so gespeicherte Buch zu meinen Lieblingsbüchern gehört – dieses tut es definitiv.

*

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„Shades of Grey“ hat nichts mit „50 Shades of Grey“ zu tun. Es ist ein Buch von Jasper Fforde, und wer mit Ffordes Werken vertraut ist, kann sich schon vorstellen, welche Art von Buch es ist. Fforde war Kameraassistent für James Bond: GoldenEye und dürfte im Literaturbereich am besten für seine „Thursday Next“-Serie bekannt sein (Gruß an den Kollegen, der die ins Deutsche übersetzt hat: Sie haben ja nicht mal ernsthaft VERSUCHT, den Büchern gerecht zu werden…).

Nun. Shades of Grey heißt auf Deutsch „Grau“, ist im Eichborn-Verlag erschienen und ich habe es in Übersetzung nicht gelesen. Daher kann ich mich leider nicht dazu äußern, wie gut oder schlecht diese ist. Die Buchausgabe ist vergriffen, Kindle benutze ich nicht. Ich hoffe, dass hier ein Übersetzer dran war, der sein Handwerk wirklich versteht – das Buch ist meiner Einschätzung nach extrem schwer zu überestzen, wobei ich mir vorstellen kann, dass eine sorgfältige Übersetzung auch wahnsinnig viel Spaß machen könnte. Wenn jemand die deutsche Fassung kennt, darf er mir gerne mitteilen, ob sie was taugt! Nachfolgend sind alle übersetzten Begriffe daher nur meine eigenen Übertragungen aus dem Originaltext!

Das Setting ist erst mal ordentlich bizarr. Wir befinden uns weit in der Zukunft. Etwa 500 Jahre vor der Geschichte, die erzählt wird, passierte Etwas. Was genau? Weiß keiner. Geschichte wurde abgeschafft, wie eigentlich die allermeisten Fakten. Wilde Spekulation ist eher „in“.

Die Menschen leben im „Kollektiv“ – das anscheinend speziell die britischen Inseln überzieht. Die Bevölkerungszahlen werden streng kontrolliert. Fortpflanzen ist nur mit Erlaubnis möglich. Man lebt nach einem strengen Regelwerk. Einige der Regeln sind recht sinnvoll – etwa lautet Regel 1, dass man nichts tun darf, das einem anderen Menschen schadet. Andere muten genauso bizarr an, wie die Welt an sich, wieder andere sind einfach nur zum-sich-wegwerfen komisch. Regel 9.3.88.32.025 etwa besagt: Die Gurke und die Tomate sind Obst, die Avocado ist eine Nuss. Um eine ausgewogene Ernährung für Vegetarier sicherzustellen, ist das Huhn am ersten Dienstag des Monats offiziell Gemüse.

Klingt soweit noch nach „Ach, wieder irgendeine Dystopie, was ist daran so ungewöhnlich?“

Na, es wäre nicht Fforde, wenn es nicht ein bisschen ins surreale anmutende ginge.

Die Menschen dieser Zeit sind alle mehr oder weniger Farbenblind. Die gesamte Gesellschaft basiert ausschließlich darauf, welche und wie viele Farben der einzelne sieht. Im Alter von 20 Jahren wird jeder auf Farbsehen geprüft und erhält dann seine Einstufung. Karriere, soziales „Standing“, Heiratsaussichten – alles hängt davon ab. Die „Grauen“ sind die Arbeiter- und Dienerklasse. Leider gibt es davon immer weniger, weil die „farbigen“ Familien alles tun, um ihr Farbsehen nicht zu verlieren. So sind die Grauen allgemein überarbeitet. Immerhin können sie so mehr verdienen, meint jemand im Buch. Leider nutzt ihnen das nichts. Sie können zwar so viel verdienen, wie sie wollen, aber die Beträge, die sie ausgeben dürfen, sind begrenzt.

A propos – diese Welt hat zwei Währungen: Merits und Cents. Merits werden zum Handeln verwendet, aber auch als Belohnung für gutes Verhalten vergeben… oder zur Strafe abgezogen. Sinkt der Meritstand zu tief, heißt es ab zur Umerziehung.

Zurück zu den Farben… unter den Farbsehenden fängt die Hierarchie unten mit rot an und hört oben mit lila auf. Nachnamen weisen immer auf die Farbe und die Intensität des Farbsehens hin. Durch Heirat kann der „tiefer“ eingestufte Partner in die Farbe des „höher“ eingestuften umklassifiziert werden. Theoretisch könnte man so direkt von Grau zu Lila werden – jedoch kommt eine solche Verbindung eher selten vor. „Wenn du willst, dass deine Nachfahren dich hassen,“ heißt es nämlich, „dann heirate spektrumabwärts.“

Dieses eingeschränkte Farbsehen gilt jedoch nur für natürliche Farben – und alten Farben, aus der Zeit bevor Etwas Passiert ist. Andererseits jedoch kann aus altem eingefärbtem Kunststoff künstliches Pigment extrahiert werden, mit dem „Univision“ – für alle sichtbare – Farben erzeugt werden können. Reiche Familien kaufen sich dann eingefärbte Möbel, eingefärbtes Essen, etc., damit jeder, der zu Besuch kommt, auch sieht, wie reich man eben genau ist.

Daneben werden Farben auch zu ganz anderen Zwecken verwendet: Als Drogen etwa (vor allem Grüntöne) oder zu medizinischen Zwecken. Manche Farben sind so gefährlich, dass sie verboten sind. Es heißt sogar, es gäbe irgendwo ein Gebäude, das in einer Farbe gestrichen ist, die den Betrachter durch bloßes Ansehen tot umfallen lässt.

Das Regelwerk ist unfehlbar und enthält unter anderem eine Liste der Gegenstände, deren Produktion zulässig ist. Der Löffel fehlt dort, und so haben sich die Löffel inzwischen zu einer seltenen Ware entwickelt. Wer einen hat, trägt ihn vorzugsweise am Körper, um Diebstahl zu verhindern. Wer zwei hat, hat auf jeden Fall eine sehr gute Verhandlungsposition, könnte er doch einen eintauschen.

Was nicht in den Regeln steht, gilt als Apokrypha und wird wegignoriert. So etwa der „Gefallene“ – ein Mann, der an einen Stuhl aus Metall gefesselt vom Himmel gefallen und beim Aufprall verstorben ist. Der liegt noch immer – inzwischen ist kaum mehr als das Skelett übrig – genau da, wo er gelandet ist. Da er nicht offiziell existiert, kann ihn auch keiner wegräumen oder recyceln.
Diese Vorgehensweise führt dann auch zu interessanten Situationen, wenn man einen „apokryphen“ Menschen im Dorf hat, der lustig ins Zimmer spaziert kommt, das Abendessen mitnimmt und sich wieder verzieht… darf man doch nicht mal zugeben, ihn gesehen zu haben. So bleibt dann nur der Seufzer „Niemand hat gerade unsers Suppe gegessen…“ und die Suche nach einem Ersatz für die ausgefallene Mahlzeit.

In dieser Welt gibt es neben dem angeblich tödlich gestrichenen Gebäude ein paar sehr typische Todesformen: Schwäne sind sehr gefährlich. Insbesondere gilt dies für die Riesenschwäne. Dabei handelt es sich um extrem große fliegende Vögel, die scheinbar keine Beine haben, nie im gelandeten Zustand entdeckt werden, nicht mit den Flügeln schlagen müssen, und in sehr großer Höhe kreisen. Wie groß diese Tiere tatsächlich sind, ist schwer zu sagen – schließlich dürfte noch keiner eine direkte Begegnung überlebt haben.

Blitze sind ebenfalls sehr gefährlich, und die einzelnen Ortschaften bauen unterschiedlichste Mechanismen, um sie einzufangen und ihre Bewohner zu schützen. Insbesondere Kugelblitze gelten als tödlich und hinterhältig.

Mit dem Farbsehen ist die Fähigkeit verlorengegangen, die Pupillen zu erweitern um bei geringem Lichteinfall zu sehen. Die Nacht an sich ist daher ebenfalls sehr gefährlich – wer sich nach Einbruch der Dunkelheit außerhalb der sicher beleuchteten Gebiete aufhält, überlebt dieses Erlebnis nur selten.

Dennoch – die häufigste Todesursache ist eine Krankheit namens Mildew („Mehltau“); die ersten Symptome sind taube Ellenbogen und schnell wachsende Fingernägel. Wer betroffen ist, verabschiedet sich von seiner Familie und begibt sich in den „Grünen Saal“ – wo er durch medizinisches Grün in einen Zustand der Verzückung versetzt wird und schließlich verstirbt. Dann wird die Leiche versiegelt, denn Mehltauopfer husten einige Stunden nach dem Tod noch einmal und stoßen dabei Sporen aus, die die Krankheit weiter verbreiten. So ziemlich jeder, der nicht einem Schwan oder Blitz zum Opfer fällt, oder in der Nacht verloren geht, holt sich irgendwann den Mehltau und ist nach spätestens 24 Stunden tot.
Der Mehltau hat auch noch ein paar andere interessante Eigenschaften – so gibt es etwa eine Variante, die umgehend auftritt, wenn sich eine Person eine irreversible Verletzung zugezogen hat – traumatischer Mehltau nennt man das. Und es scheint dass der „Pöbel“ – Menschen, die unzivilisiert außerhalb der Städte in der Wildnis leben – dagegen auch noch immun sind. Sehr seltsam…

Zu irgendeinem Zeitpunkt wurde wohl – so nimmt man an – das genetische Material von Tieren und Pflanzen so verändert, dass diesen nun jeweils ein Strichcode irgendwo im Fell oder auf der Haut wächst. Strichcodes sammeln und entschlüsseln ist ein beliebtes Hobby – es ist übrigens Pflicht, mindestens ein Hobby zu haben, ebenso, wie es Pflicht ist, ein Instrument zu spielen. Fast alles hat Strichcodes: Rennschnecken, Bisons, Strauße, Giraffen, das Letzte Kaninchen… wenige Dinge haben keine, wie etwa Rhododendrons und Äpfel. Menschen… haben einen. Er wächst anstelle eines Fingernagels an der linken Hand.

In diese Welt wirft uns Fforde nun also gemeinsam mit Eddie, dem Erzähler und Protagonisten, direkt in die Verdauungskapsel einer fleischfressenden Pflanze – denn dort steckt er gerade. Während er darauf wartet, verdaut zu werden, erzählt er uns genau, wie er in diese missliche Lage genommen ist. Dabei schafft Fforde es, die Welt in der Erzählung vorzustellen, ohne in „Achtung, hier kommt eine Erklärung“ zu verfallen. Die Figuren sind teils sehr seltsam, aber innerhalb der Welt konsistent. Manches erscheint komischer als es müsste – was nicht die Schuld des Autors ist, sondern im Gegenteil an der Konditionierung des Lesers liegt. Die Sache mit der Mitgift und den arrangierten Ehen etwa wirkt gefühlt erst dann ganz besonders seltsam, wenn es der junge Mann ist, der quasi an die Familie seiner zukünftigen „Verkauft“ wird und auch noch einen Teil seiner eigenen Mitgift zu stellen hat. Da kann man als Leser dann trotz – oder vielleicht gerade wegen – der eher surrealen Umgebung eigene Annahmen etwas hinterfragen.

Fforde ist ein Meister der Beschreibungen auf einer Ebene, die mich zumindest sehr tief „erwischt“. So fiel mir etwa auf, dass ich alleine aufgrund der sehr farbspezifischen Wortwahl und der an die Wahrnehmung des Protagonisten angepassten Beschreibung nach Lektüre selbst die Farbigkeit um mich herum ganz anders – nicht intensiver, aber deutlich bewusster – wahrgenommen habe. Es war ein interessanter Effekt.

Was mir noch besonders gut gefällt ist, dass die Welt, egal wie bizarr, seltsam und unwahrscheinlich sie anmutet, am Ende Sinn gibt. Ich verstand die Lösung beim Lesen in einem Aha!-Moment einige Kapitel bevor die wichtigsten Punkte für den Erzähler selbst aufgelöst wurden. Es waren die Barcodes, die mich drauf brachten, zusammen mit den Schwänen und dem „Gefallenen“.

Sehr gut gefällt mir auch die Vielzahl der Anspielungen auf literarische Werke und alles von Musicals bis Brettspiele unserer Zeit. Oft lassen sich die Halb- und Falschüberlieferungen dann tatsächlich einsortieren. Das Buch hatte für mich keine Längen, keine echten Kopfschüttelmomente und keine Inkonsistenzen, die mit Blick auf die Auflösung nicht logisch sind. Es enthält natürlich ein paar Druckfehler, jedoch bietet Herr Fforde auf seiner Website neben etlichen Gimmicks auch ein Upgradecenter für seine Bücher an – detaillierte Anleitungen zur Beseitigung der gefundenen Druckfehler, sortiert nach Buch und Ausgabe, einschließlich einer Art Exlibris, das man sich ausdrucken und einkleben kann, und das darauf hinweist, dass das Buch nun die „vom Autor genehmigte Version 1.1“ sei. So trägt dann sogar das, was sonst eher nervig erscheint, zur Unterhaltung bei.

Jetzt müsste Herr Fforde nur dazu kommen, Band zwei und drei zu veröffentlichen. Da er ein sehr regelmäßiger Schreiber ist, habe ich hier jedoch volles Vertrauen darin, dass die Bände noch kommen. Für 2018 ist auf jeden Fall ein Buch aus dieser Welt angesagt, wenn auch eine Vorgeschichte, und noch nicht die Fortsetzung. Das Fforde-Buch von 2017 – der Autor veröffentlicht in schöner Regelmäßigkeit ein Buch pro Jahr – soll ein Standalone sein, das bereits vorbestellt ist.

Das Attyzimmer

Erinnert ihr euch an Janoschs Traumstunde?

Da hab es einen Cartoon mit Schnuddelbuddel und Schnuddelpferdchen. Schnuddelbuddel baute ein Haus. Im Lauf des Clips kommen immer mehr Zimmer dazu… Unter anderem heißt es da „…und ein […]Penthouse.“ (Nicht, dass ich damals gewusst hätte, was ein Penthouse ist…)

Meine Familie neigt dazu, die Bezeichnungen, die ich teilweise für unsere Zimmer verwende, zu kommentiren mit „…und ein Penthouse.“ Dann weiß ich: Das Haus klingt mal wieder größer, als es ist… und es ist doch eigentlich so schon recht groß. Und einige Räume dienen eben etwas speziellen Verwendungszwecken.

*

Da ich ja über eine Woche damit zugebracht habe, bzw. wir haben, mein „Attyzimmer“ in den aktuellen Zustand zu versetzen, möchte ich hier nun auch die Ergebnisse präsentieren.

Zunächst wurde der erste Satz Möbel gebaut – in Maßanfertigung, da in meinem Haus natürlich keine einzige Abmessung nach DIN ist.
(Der eigentliche Kniestock ist übrigens noch niedriger, was da zu sehen ist, ist eine Rigipswand, die ich eingesetzt habe, um mehr Luft zum Kabelverlegen usw. zu haben.)

Vorher

Nachher

Es folgte die Entscheidung: Was kommt nun rein? Auf jeden Fall musste dieser Kistenstapel abgebaut werden.

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In die hinteren Regale zunächst die Bücher, die ich nicht häufig benötige. Z. B. die Sammlung an Kinderbüchern.

Da wären etwa die Göttinger Jugendbücher – manche werden sich vielleicht dran erinnern. Ich finde, die waren ganz toll, und versuche, eine Komplettsammlung herzustellen.

Bei den Schneiderbüchern sammle ich nur die „ganz alten“ – d. h. die, die noch kein rosa Schneider-„S“ auf dem vorderen Buchdeckel haben. Das ist hier noch ausbaufähig.

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Und gemischte andere Kinderbücher, die ich nicht hergeben will, aus unterschiedlichen Gründen.

Außerdem die Komiksparte… (KOMIK, nicht Comic. Comic ist was anderes.)

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Und eine ganze Handvoll an Romanen. Die ich eventuell irgendwann nochmal lese.

In die hohen Regale kommen nach hinten ein paar Serien, die entweder nicht vollständig sind oder eigentlich veraltet, aber aufgrund der Illustrationen behalten werden. Aufgefüllt mit Zigarettenbilderalben.

Vorne – vorne müssen die Bücher hin, die ich doch öfter mal nutze.

Ja, doch, diese Bücher haben einen gemeinsamen Nenner!

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Hier ein paar Regale Vampire…

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Dort ein paar Regale gemischte Fantasy…

Zur Sprachverteilung ist es so, dass wir und bemühen, Deutsch, Englisch, Russisch in Bayern aufzubewahren (Russisch ist leider recht wenig da, die Bücher mit interessanten Inhalten sind nicht sooo leicht zu beschaffen, Bestellungen dauern lang und verschwinden häufig), während Französisch und Niederländisch in Belgien lebt. Wer genau hinschaut wird sehen, dass es nicht zu 100% funktioniert.

Was-ist-Was ist eine tolle Serie, die auch Erwachsene durchaus noch lesen können und die in keiner Büchersammlung fehlen sollte. Da es immer mal wieder Neuauflagen mit neuen, aktualisierten Inhalten gibt, sind einige Nummern mehrfach vorhanden.

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Und – natürlich – die Atty-Bücher. Eigentlich wollte ich ja gerne die Atty-Bücher und die Jack-Bücher hier haben… „Jack“ war einer von „Atty“s Offizieren, auf den meine Freundin steht, und über den ich als Gesprächsgrundlage auch lese, was ich in die Hand bekomme. Leider passten sie nicht mehr ins Regal, weswegen „Jack“ in die eigentliche Hausbibliothek umziehen musste. Ich hoffe, er fühlt sich dort wohl.

Der obere Bereich der Regale enthält Schubladen zur Aufbewahrung kleiner Atties,

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und – natürlich – meine ersten Atty-Vitrinen.

Momentan ist noch etwas Platz… .

Das ist der Rest der eingangs gezeigten Kisten. Ja… ganz reichte der Platz nicht aus! Was allerdings auch mit daran lag, dass wir den verbleibenden Rest Romane aus der unteren Bibliothek geräumt haben.

kistenrest

Und weil mir gerade danach war, habe ich mir aus leeren Kartons eine kleine Theke gebastelt – oder zwei – und meine anderen Atties mal auch kurzfristig aufgestellt.

Es fehlen ein Rasiermesser und ein Löffel… von denen ich gerade keine Ahnung habe, wo ich sie hingelegt habe. Finde ich sicher irgendwann irgendwo…“Das Haus verliert nichts“ sagt man bei uns.

reihe

Geplant ist ein weiterer Satz Regale entsprechend den jetzt vorhandenen auf der anderen Seite, sowie um Umstellen des Kamins mit hohen Glasvitrinen. Das OK vom Schornsteinfeger habe ich bereits.

fertig

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Markus Heitz: Wédōra – Staub und Blut

Markus Heitz ist ein deutscher Fantasyautor; erstmalig fiel er mir auf weil mir beim Durchblättern eines seiner in unserer Jetztzeit spielenden Fantasybücher der sehr gute Umgang mit der deutschen Sprache auffiel. Deutsch ist wirklich nicht einfach zu schreiben, v.a. wenn es spannend und nicht langatmig oder schwer zu lesen sein soll.

Ich finde nicht alle seine Werke gut, und definitiv manche besser als andere. Zumindest mal probieren möchte ich seine Serien aber schon.

So hielt kürzlich „Wédōra – Staub und Blut“ bei mir Einzug-

wedora

Der Klappentext:

Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédōra.
Sämtliche Handelswege der fünfzehn Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier, Karawanen und Kaufleute finden Wasser und Schutz. Hierin verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija.  Die beiden kommen zum ungünstigsten Zeitpunkt in die Stadt, steht Wédōra doch kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die geheimnisvollen Stämme der Wüste rufen zum Sturm auf die mächtige Stadt. Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für alle Seiten kriegsentscheidend sein können.

Punkt 1:
Der Klappentext ist irreführend, und das mag ich nicht.

Klar, es „verschlägt“ die beiden in die Stadt – sie werden von einem Hexer dorthin gezaubert, aus ihrer Welt in eine andere.

Da haben wir schon das erste Problem. Heitz jongliert nicht eine, sondern zwei neue Welten gleichzeitig. Nun könnte man das natürlich nutzen, um dem Publikum die eine oder die andere oder sogar beide durch die Augen der Figuren, die sich aus ihrer gewöhnlichen Umgebung gerissen sehen, aus deren Reaktionen vorzustellen. Leider lässt er zahlreiche Gelegenheiten dazu ungenutzt.

Die Welt von Wédōra wird am besten beschrieben und erklärt durch die „Meta“-Inhalte – abgedruckte Seiten aus Geschichts-und Textbüchern aus der Welt, die zwischen die Kapitel eingefügt sind. Diese Vorgehensweise gefällt mir sehr gut, aber ich hätte gerne mehr solche Informationen auch im Haupttext gefunden. Bis zuletzt bin ich mir nicht sicher, wie lang ein Mâne ist. Vorne im Buch heißt es „vier volle Monde“ – das wären vier Wochen. Im Text wiederum werden „sieben Sonnen“ (sieben Tage) mit „einem Mâne“ gleichgesetzt. Ob es nun vorne oder im Text ein Fehler ist… Das müsste man sich irgendwie hintenrum quer erschließen.

A propos Mâne… praktischerweise sprechen die beiden in der andere Welt Gestrandeten ausgerechnet die örtlich übliche Sprache! Mit Ausnahme einiger weniger Wörter, wie etwa denen für „Jahr“ und eben einen anderen Zeitraum. Ansonsten gibt es keinerlei Verständigungsprobleme! Wahrlich erstaunlich, bedenkt man, wie sehr sich alleine Mundarten schon von Ort zu Ort unterscheiden können, und dass eine der Figuren kaum lesen und schreiben kann, und daher mit einer Schriftsprache/Standardsprache wenig vertraut sein dürfte

Die Welt von Wédōra ist durchaus interessant. Ich denke, sie hat sehr großes Potenzial. Leider nutzt der Autor dieses kaum.

Ein Problem, das ich mit Heitz‘ neueren Büchern habe ist, dass in ihnen einfach alles zu viel wird. Es ist, als wollte er jede Idee, die er hat, in das Buch packen. Jede. Einzelne. Es ist zu viel. Manchmal wäre weniger mehr, und hier ist es definitiv der Fall.

Immer wieder schaltet er nach „Walfor“, in die Herkunftswelt der beiden zurück. Zu den Figuren dort kann man kaum eine Leserbeziehung aufbauen, da man so gut wie nichts über sie erfährt. Es bleibt Handlung mit im Grund unbekannten, austauschbaren Figuren. Da der Leser darüberhinaus die „Lösung aus diesem Teil der Geschichte bereits kennt, empfand ich diese Kapitel als langweilig.

In Wédōra laufen mehrere Handlungsstränge parallel. Ähnlich der unendlichen Geschichte führt alles Mögliche zu weiteren Abzweigungen, und ähnlich wie in der unendlichen Geschichte werden diese nicht weiterverfolgt. Hier allerdings dient das nicht dem Buchaufbau, und liest sich einfach nur schlampig. Man hat das Gefühl, wenn man das Buch zuklappt, hängen überall lose Handlungsstränge zwischen den Seiten hervor. So ein bisschen wie herausquellende Gedärme… und für den Roman genauso tödlich!

Vielleicht hat er ja vor, diese in Nachfolgebänden abzuarbeiten. Dann wäre es meines Erachtens dennoch besser gewesen, sie nicht alle in diesem Buch bereits einzuführen.

Weiterhin gibt es Handlungsstränge, die zwar abgeschlossen sind, aber zur Haupthandlung nichts beitragen und nur Seiten fressen. Das ist schade, denn davon würden mindestens zwei locker jeweils ein eigenes Buch abgeben, wenn sie komplett ausformuliert wären und nicht hopplahopp abgearbeitet würden.

Viele Geheimnisse und Mysterien werden erwähnt, angedeutet, angeschnitten – und bleiben dann angeschnitten liegen. Herr Heitz schreibt im Schlusswort, die Welt sei ursprünglich zum Rollenspielen entworfen worden. Mag sein, dass diese ganzen Mysterien Startpunkte für Quests oder Abenteuer hätten werden sollen… aber nochmal: Sie alle in ein Buch zu quetschen ist zu viel.

Die Hauptfiguren haben beide Vergangenheit, viel wird angedeutet, nichts wird aufgelöst. Es ist nicht zufriedenstellend. Zum einen erfährt man Details, die so oft erwähnt werden, dass man davon ausgehen muss, sie würden nochmal relevant – Liothans alte Verletzung etwa – nur um dann festzustellen: Es ist für die Story absolute irrelevant. Alles in Allem habe ich nicht das Gefühl, die Protagonisten kennengelernt zu haben. Es sind eher generische Figuren, komplett mit ungewöhnlicher Augenfarbe und „Fluch“, und einem großen gedachten Schild über ihren Köpfen: „Diese Figur hat eine Vergangenheit und ist interessant“. Leider lügt das Schild.

Schließlich, noch ein Punkt von „zuviel des Guten“: Herr Heitz hat sich anscheinend in die Diakritika verliebt.
Was sind Diakritika (Einzahl: Diakritikon)?
Der Fliegendreck auf und unter den Buchstaben!
Wédōra – das Dings auf dem é und das Dings auf dem ō.
Das Strichelchen auf dem o heißt übrigens Makron und die Punkte auf dem ä, ö und ü im deutschen sind keine echten Diaktritika.
Äh, ja… Diaktritika also….
Die verteilt Herr Heitz großzügig quer über alle möglichen Namen. Dazu verwendet er Buchstabenkombinationen, die für unterschiedliche Sprachen typisch sind, gemischt. Wenn er die Welt damit fremder erscheinen lassen will – Glückwunsch, es funktioniert nicht. Es nervt nur unheimlich beim Lesen, wenn sich das Hirn nicht entscheiden kann, wie es das nun beim mentalen vorlesen aussprechen soll. Einen Ausspracheleitfaden hat der Autor leider nicht beigelegt. Hat Tomeija nun ein niederländisches „ij“, ein deutsches „ei“+j, ein Spanisches „j“? Wir werden es nie rausfinden. Und ihr Beruf? Die Ordnungshüterin ist eine „Scīrgerēfa“. Nein, auch die Diakritika können nicht drüber weg täuschen, dass er da einen Sherriff ausgenommen und verstümmelt hat.

Wie erwähnt, mir fiel Heitz erstmals wegen der guten Verwendung der deutschen Sprache auf. Davon sieht man in diesem Buch nicht viel. Die Sprechweise der Figuren liest sich gekünstelt, unnatürlich… angelehnt am ehesten an Marktsprech, die Kunstsprache der Mittelaltermärkte. Jubel und Händegeklapper gibt es dafür aber nicht, sondern eher nochmal ein letztes Augenrollen!

Das Ende ist konstruiert, übereilt und m. E. nicht logisch, aber natürlich notwendig, wenn der Autor weitere Bücher über diese Figuren in dieser Welt schreiben will. Ein paar Zufälle passen dennoch allzugut zusammen, zu viel Information wird auf den letzten Seiten aus der Luft gezaubert und plötzlich von den Protagonisten als „richtig, wussten wir schon“ bestätigt.

Die Welt an sich ist jedoch ein Genuss… im Bereich „Worldbuilding“ erhält dieses Buch von mir volle Punktzahl mit Sternchen. Durch die Ausführung kommt es im Endergebnisse auf 2,5-3 Sternchen.

Würde ich eine Fortsetzung lesen?

Vermutlich. Schon weil ich wissen wollen würde, ob er wirklich den einen oder anderen Handlungsstrang fertigschreiben will.

Erinnert das Titelbild außer mit eigentlich noch jemanden an Sauron?

Karen Rose: Every Dark Corner

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Normalerweise mache ich um Romantikbücher einen ganz großen Bogen.

Ich meine jetzt nicht Bücher, die eine Handlung haben und in denen zufällig auch ein Pärchen vorkommt, sondern Bücher, deren Hauptzweck es ist, Protagonist Männlich mit Protagonist Weiblich, Protagonist Weiblich 1 mit Protagonist Weiblich 2 oder Protagonist Männlich 1 mit Protagonist Männlich 2 ins Bett zu bekommen. Vor fünfzehn Jahren oder so hab ich sowas mal übersetzt. Für Geld. Mein Bedarf ist noch mindestens 150 Jahre lange gedeckt. Wenn nicht länger.

Es heißt ja so schön, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Karen Rose ist die Ausnahme, die meine Regel hier bestätigt. Also: ihre Bücher.

Entdeckt habe ich sie vor etwa zehn Jahren. Damals las ich in kürzester Zeit alle Bücher, die sie bislang veröffentlicht hatte. Seither steht sie auf meiner Liste der Autoren, die beobachtet, vorbestellt und umgehend gelesen werden. Wenn notwendig, nehme ich mir dafür einen Tag Urlaub.

Die Bücher kann man wohl als Romantikthriller oder so ähnlich bezeichnen. Sie spielen immer im Bereich der Strafverfolgung. Die Protagonisten sind Polizisten, FBI-Leute, Polizeipsychologen, Anwälte, Staatsanwälte, Privatdetektive und Ähnliches. Die Fälle sind meist sehr brutal, die Themen hart. Der gewöhnliche Serienmörder kommt vor, ist aber eher die Ausnahme. Von häuslicher Gewalt bis zu Zwangsprostitution, Menschenhandel und sogar Kinderpornographie gehen die Fälle. Parallel dazu finden sich dann immer zwei aus dem Ermittlerteam. Das bekommt sie hin, ohne dass es gezwungen ist, oder der eine Plot den anderen stört.

Die Bücher spielen alle in derselben „Welt“ – die Figuren wiederholen sich, überschneiden sich, man bekommt hier einen Einblick in den einen Teil der Familie, dort einen in den anderen. Es hält die Bücher zusammen, und es macht das Lesen manchmal einfacher, wenn man bereits bekannte Elemente hat.

Eine Sache, die mir besonders gut gefällt, ist ihre ungewöhnlich gute Darstellung behinderter Charaktere. Frau Roses Tochter ist gehörlos, entsprechend spielen gehörlose Figuren immer wieder eine (auch tragende) Rolle. Auch andere Dinge baut sie aber ein, und – man findet die entsprechenden Figuren auf beiden Seiten des Plots – mal auf Seite der Verbrecher, mal auf Seite der Gesetzeshüter. Wer die Nase voll hat von „perfekten“ Helden kann sich hier austoben.

Zur Übersetzung kann ich mich nicht äußern, da ich die Bücher nie auf Deutsch gelesen habe. Das Original liest sich sehr flüssig, sehr angenehm, aber nicht monoton oder zu vereinfacht.

Karen Rose ist aktuell die einzige Autorin, bei der ich Sexszenen nicht einfach aus Langeweile überblättere. Sie schafft es, einen der restlichen Geschichte angemessenen Ausdruck beizubehalten, ohne Stilbrüche. Weder wird sie plötzlich schwammig und unklar, noch ergeht sie sich in unnötigen Detailbeschreibungen. Es ist einfach Teil der Geschichte, und so finde ich es auch lesbar. Normalerweise langweilen mich solche Szenen unsäglich.

Das neueste Buch, „Every Dark Corner“, hat zwei aus vorherigen Büchern bekannte Figuren in den Hauptrollen und zahlreiche bekannte Figuren in Nebenrollen. Es ist eine direkte Fortsetzung des vorherigen Buchs „Alone in the Dark“, ließe sich aber auch alleinstehend lesen. Das Ende bereitet ganz klar eine weitere Fortsetzung vor. Ihr nächstes Buch erscheint noch dieses Jahr, wobei die Ankündigung eher darauf schließen lässt, dass es einen anderen, früheren Handlungsstrang fortsetzen wird.

Große Themen sind Kinderpornographie, Drogenhandel und posttraumatische Belastungsstörung; wer von einem oder mehreren dieser Themen keine Details lesen möchte, sollte das Buch bleiben lassen.

Eine Sache, die mir an diesem Buch sehr positive aufgefallen ist, ist das vernünftige Verhalten der Figuren. Damit meine ich, dass ich als Leser nicht das Gefühl habe, dem einen oder anderen mal ein paar leichte Schläge auf den Hinterkopf verpassen zu müssen, um übermäßige Blödheit zu beseitigen – sowohl, was das Erkennen von Spuren, Hinweisen und Zusammenhängen betrifft, als auch, was die beginnende Beziehung im Buch angeht.

Die Figuren tun ihr Bestes, um den Fall zum Abschluss zu bringen, auch wenn es ihnen nicht immer gefällt. Niemand gefährdet durch dämliches Verhalten den Fall und muss im letzten Moment einlenken, niemand hat plötzlich im Vakuum eine rettende Idee, sondern es puzzeln alle an ihrem Ende, bis das Gesamtbild für alle stimmt. Fehler werden gemacht, aber nicht in der schrecklich hinkonstruierten Form, wegen der ich Krimis häufiger halb gelesen zur Seite lege. Und es geht in der Tat ohne! Die Geschichte bleibt spannend, die Figuren bleiben bei aller Vernunft menschlich.

Auf den klischeehaften Ablauf des Romantikbereichs, den Frau Rose in ihren ersten Büchern noch verfolgte – man wusste genau, ca. 2/3 durchs Buch kommt der große Streit, die zeitweilige Trennung, dann die böse Wendung, nach der einer dem anderen zu Hilfe eilen muss (bei Karen Rose kann das durchaus auch mal die Frau sein, die dem Mann aus der Klemme helfen muss) und dann liebt man sich doch. Darüber ist sie – zum Glück – hinweg. Ich finde den Romantikteil auch nochmal wesentlich weniger nervig, wenn die Beteiligten sich wie erwachsene Menschen benehmen, und nicht wie dreizehnjährige.

Tja. Was soll ich sonst noch sagen? Das Buch würde von mir 5 von 5 Sternen bekommen, in so ziemlich jeder Kategorie, die mir einfällt.

Leider ist die Coverversion, in der ich die ersten Bücher gekauft habe, für die Neuesten nicht erhältlich. Das stört mich etwas, weil es ein Bruch im Regal ist.

Trotzdem… das nächste Buch ist schon vorbestellt.

Adulting

„Adulting“ nennen wir es im Englischen im Scherz, wenn wir Sachen erledigt haben, die im Erwachsenenleben halt sein müssen, auf die man eigentlich aber absolut keine Lust hat.

Diese Woche habe ich doch eine ganze Menge „Adulting“ betrieben.

Die Steuer für die letzten beiden Monate ist fertig

Die Flüge für März sind gebucht.

Der neue Papageienkäfig ist aufgebaut.

Der Atty, der für Brüssel zu groß war, hängt nun in Bayern – Jawohl, ich habe ihn sofort aufgehängt, und nicht erst wieder monatelang stehenlassen!

attyneu
Im Nachhinein kommt mir so… ich hätte die Leiter und die Wasserwaage vor dem Foto auch wegräumen können… angeblich geht das.

Die Rechnungen sind bezahlt.

Das Telefon funktioniert wieder (mein Bürotelefon in Bayern fand die Umstellung auf IP-Telefonie unlustig).

Meinen Krempel von der Reinigung abgeholt habe ich auch.

Einkaufen war ich…

Da haben wir beschlossen: Jetzt steht uns (uns? Warum UNS? Weil der Mann wahrscheinlich in Belgien die Woche über genausoviel „Adulting“ betrieben hat wie ich in Bayern!) ein Spaßeinkauf zu.

Den führen wir natürlich in der Buchhandlung durch. Die führt blöderweise immer noch keine Französischen Bücher, also werden wir wohl in Belgien nochmal einen machen müssen, damit der Herr auch was Schönes zu lesen hat.

Hier das Ergebnis:

bucher

Im Einzelnen:

Reinhard Wolters: Die Schlacht im Teutoburger Wald; Arminius, Varus und das römische Germanien
Daran, dass mir das Buch auffiel, ist jemand Schuld, der hier auf WordPress den Teutoburger Wald erwähnte….

Astrid Lindgren: Die Menschheit hat den Verstand verloren (Tagebücher 1939 -1945)

Ari Turunen: Bitte nach Ihnen, Madame; Eine kurze Geschichte des guten Benehmens.
Die Serie ist an sich sehr unterhaltsam geschrieben, die Inhalte sind durchaus stimmig, es wird auch zwischen unterschiedlichen Ländern vergleichen, was wir besonderes unterhaltsam finden, wenn wir unsere jeweiligen Herkunftsregionen wiederfinden. Die Entwicklung von eigentlich komplett sinnfreien Manieren zu „beobachten“ ist allgemein nicht unlustig und gelegentlich aufschlussreich.

Alexander Demandt: Zeit – Eine Kulturgeschichte
Oh ja – ein Thema, zu dem ich schon das eine oder andere gelesen habe, aber noch nie so komprimiert. Auf das Buch freue ich mich sehr.

Wolfgang Ernst: Oberpfälzischer Heilzauber – Spruch und Ritus in der volkstümlichen Verbaltherapie der Sammlung Schönwerth im 19. Jahrhungert
Gustav Schönwerth war einer der wichtigsten – wenn nicht der wichtigste – Heimatforscher unserer Region und hat einige hervorragende Werke hinterlassen.

Peter Frankopan: Licht aus dem Osten – Eine neue Geschichte der Welt.
Vom Durchblättern her ein sehr schönes Buch, das sich auf den Mittleren und Fernen Osten konzentriert.

Thomas Muggenthaler: Wir hatten keine Jugend – Zwangsarbeiter erinnern sich an ihre Zeit in Bayern

Robert Sommer: Das KZ-Bordell – Sexuelle Zwangsarbeit in nationalsozialistischen Konzentrationslagern

 

So, damit hab ich dann jetzt erst mal wieder was zu lesen…