Wir sind keine Muggel

Man sagt uns ja gerne mal fehlende Fantasie nach… Darüber kann man sich in meiner Familie nicht beklagen. Wir waren schon immer gut drin, „in“ Büchern und Filmen zu „leben“, und praktizieren das mit Hingabe – und zwar die NTs und die Autisten gleichermaßen.

Die sogenannte „vierte Wand“?  Ist bei uns vornehmlich dazu da, durchbrochen zu werden. Einen Roman zu lesen, einen Film zu schauen, ohne irgendwie mit dem Inhalt zu „interagieren“… dafür fehlt uns irgendwie häufig der Ernst.

 

Irgendwie musste ich heute dran denken, wie der letzte Harry-Potter-Film im Kino lief. Das war, glaube ich, das letzte Mal, dass ich ein Kino betreten habe. Wir hatten Tickets für die ganze Familie. Vorpremiere.

Wir traten familienintern zu sechst an: Meine Mutter, drei erwachsene Töchter und zwei Söhne im Teenageralter; dann noch dazu noch etliche Freunde und Bekannte. Alles in Allem hatten wir zwei komplette Reihen gebucht.

Am Vorabend liefen ich weiß nicht mehr wie viele Filme am Stück, und direkt nach Mitternacht der letzte Teil. Bei Teil 7/1, dem letzten vor Mitternacht, habe ich dann schon nicht mehr wahnsinnig viel vom Film mitbekommen… außer, dass der Film-Scabior optisch voll in mein Beuteschema passte. Ich hangelte mich also von einer Szene zur nächsten, ließ den Rest so auf mich einrieseln… und meinte im Abspann zu den neben mir Sitzenden in etwa, es würde mir jetzt reichen, wenn ich Film-Scabior aus der Leinwand ziehen könnte, den letzten Teil müsste ich anderweitig gar nicht anschauen.

Kommentar meiner Mutter: „Das willst du nicht, der ist doch dumm wie zehn Meter Feldweg.“

Ich: „Also, ich wollte mich eigentlich nicht mit ihm unterhalten…“

Staubtrockener Kommentar einer Freundin in todernstem Tonfall: „Johanna, du sollst keine Todesser aus dem Film ziehen. Das ist erstens gefährlich fürs Publikum und stört zweitens massiv die Handlung.“

Dem schlagenden Argument konnte ich mich dann nicht verwehren. Scabior blieb im Film 😉

 

Zwei Tage später, Essen bei meinen Eltern. Mein Bruder kommt kopfschüttelnd zu mir.

„Du hast dich doch im Kino fürs Popcorn on Slytherin-Schalter angestellt. Das geht nicht. Muggelgeborene können nicht in Slytherin sein.“

Ich überlege gerade noch, was ich darauf sage, da kommt meine Mutter um die Ecke, nimmt meinen Bruder an der Schulter und drückt ihn auf einen Stuhl, stellt sich vor ihn und sagt, im Ton einer unendlich wichtigen Ankündigung: „Kind… ich muss dir was sagen.“

Totenstille im Raum.

Meine Mutter holt einmal tief Luft, dann: “ Eigentlich solltest du das nicht SO erfahren… Wir sind keine Muggel: Du bist ein Squib.“

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Venedig vor Ostern

Lange nichts von mir hören lassen… Es war viel los, und keine Zeit, um zu schreiben.

Dann versuche ich jetzt mal, etwas aufzuholen…

Ostern. Weder mein Mann noch ich legen Wert auf Ostern. Ob „trotz“ oder „weil“ wir beide aus katholischen Familien kommen, lasse ich mal dahingestellt.

Eine Bekannte bot uns an, über die Feiertage mit ihr in ihr Ferienhaus in Italien zu fahren. Das lehnten wir ab. Sie ist unzuverlässig, das wissen wir. Es hätte sein können, dass sie uns noch zwei Tage vor Abfahrt absagt.

Aber der Gedanke „Italien“ hatte sich dann schon mal festgesetzt.

Lord Byron ist ein Thema, das uns interessiert, und das uns ja auch schon mehrfach nach England gezogen hatte. Und Lord Byron verbrachte eben, als er England aufgrund seiner hohen Schulden verlassen musste, nicht nur Zeit am Genfer See, sondern auch mehrere Jahre in Italien.

Die Entscheidung fiel also: Venedig und Ravenna sollte es werden. Hoffentlich, so unser Gedanke, wären über Ostern die meisten Touristen in Rom.

Eines im Voraus: Ich werde immer mehr zum Fan von Touristenapps fürs Handy. Boarding Pass im Flugzeug und Ähnliches machen wir ja schon lange übers Handy – und inzwischen auch ohne Backup-Ticket in der Tasche. Dieses Mal haben wir noch etwas anderes gemacht: Viele Museen und ähnliche Einrichtungen bieten inzwischen die Möglichkeit, den Eintritt im Voraus zu bezahlen, und dann über Einscannen des auf dem Handybildschirm angezeigten Codes hineinzukommen. Ganze ehrlich? Ich bin begeistert. Kein Anstehen an der Kasse, keine Schlangen, kein Lärm aushalten, sondern einfach nur zügig rein, in aller Ruhe durch, wieder raus. Sollte man bitte in allen kulturellen Einrichtungen zum Pflichtangebot machen.

Wir sprechen beide kein Italienisch, aber bekanntermaßen Latein. Und, wie sagt mein Bruder so schön? „Italienisch ist auch nur Latein im Ablativ.“ Also… Man setze jedes Substantiv und Adjektiv in den Ablativ, und schon hat man – zwar nicht wirklich Italienisch, aber immerhin etwas, mit dem man sich hervorragend verständlich machen kann.

Der Plan sah so aus: Freitag Anreise in Venedig; Samstag Venedig; Sonntag früh morgens weiter nach Ravenna. Montag Rückreise aus Ravenna. An sich sind drei Nächte ziemlich lang für mich, aber gerade noch vertretbar.

Der Hinflug war auffallend unspektakulär. Wir hatten den vorderen Teil des Flugzeugs quasi komplett für uns. Wohl kein Wunder, Geschäftsreisen über Ostern werden selten sein, und die wenigsten privat reisenden sind so wahnsinnig, Business-Tickets zu buchen.

Der erste Abend in Venedig war nett. Für mich nicht zu warm, für meinen Mann nicht zu kalt. Nun gut… es ist Venedig, was musste also gleich mal sein, nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten?

Genau… eine Gondelfahrt.

Erster Punkt: Gondelfahrten sind schweineteuer. In der „normalen“ Sechspersonengondel kostet die Fahrt 31 Euro pro Person. Das wäre mir definitiv zu eng gewesen. Es gibt allerdings auch noch die Möglichkeit, eine „romantische Gondelfahrt“ zu buchen. Dann ist man zu zweit in der Gondel, zahlt aber halt entsprechend mehr. Vor allem, wenn es Abend ist, denn dann wollen alle.

Wenn der Geldbeutel noch lockerer sitzt, kann man auch einen Musiker und Sänger zubuchen. Das „scheiterte“ bei uns allerdings nicht am Geld, sondern daran, dass ich es mit Musik nicht so sehr habe, und sicher kein Akkordeon und auch keinen italienischen Sänger im Boot brauche. Wir beschränkten uns also auf die romantische Gondelfahrt zu zweit.

Zweiter Punkt: Auch Gondelfahrten kann man per Handy vorbuchen. Man wird dann direkt abgeholt, an der Schlange vorbeigeleitet und kommt zum vereinbarten Zeitpunkt ohne lästiges warten im Personenstau zur Gondel. Das würde ich dringend empfehlen.

Eine Gondelfahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Obwohl an dem Punkt, von dem wir abfuhren, ziemlich viel los war, war auf dem Kanal doch weniger los, als ich mir vorgestellt hätte. Ein interessantes Erlebnis auf alle Fälle.

Der Tag endete für uns dann in aller Ruhe auf der Terrasse des Hotelrestaurants mit Touristenpizza.

*

Der Samstagmorgen begrüßte uns mit grauem Himmel und Nieselregen. Ein Glück, dass wir uns bei Feuchtigkeit nicht auflösen, denn es hörte den ganzen Tag nur sehr sporadisch auf damit. Zwei feste Ziele hatten wir uns für diesen Tag ausgesucht. Das erste, den Palazzo Mocenigo, hatten wir bereits am Vorabend vom Wasser aus gesehen. Dort hatte Byron während seiner Zeit in Venedig gelebt. Damals hieß es, der Palazzo hätte zwei Eingänge: Einen für die Mädchen aus Cannaregio und einen für die Mädchen aus Castello. Heute ist der Palazzo ein Museum – und zwar eines, das die Zeit auf jeden Fall wert ist.

Pünktlich um 10 Uhr kamen wir dort an. Die biglietti hatten wir ja schon.

Der Palazzo wäre schon ohne Museumsinhalte einfach nur Wahnsinn. Was für wunderschöne Räume… da weiß ich gar nicht so genau, wo ich zuerst hinschauen sollte… Es gibt eine Spezialausstellung zum Thema Parfüm, die mir zum allerersten Mal diesen Bereich irgendwie interessant vermittelt hat. Auf das Testriechen habe ich allerdings verzichtet.

Sehr viel Zeit verbrachten wir beim Betrachten der ausgestellten Bilder, Möbel und vor allem Textilien. Wir stehen ja nun beide auf historische Gewänder, und hier waren schon ein paar ganz besonders schöne zu sehen.

Zuletzt besuchten wir noch die Sonderausstellung „Alchimie der Farbe“, die sich mit dem Thema Färben von Stoffen und Garnen befasst. Da tut es mir direkte leid, dass ich keine Zeit mehr habe, um selbst Garn zu spinnen und zu färben.

Einen kleinen Abstecher zur Seufzerbrücke – die ihren Namen eben unserem Lord Byron verdankt – genehmigten wir uns danach noch, bevor wir uns in aller Ruhe ein Mittagessen suchten, und uns dann schön langsam in Richtung Lido vorarbeiteten. Der Lido di Venezia ist eine Insel am Rand von Venedig – dort, wo heute die Filmfestspiele von Venedig stattfinden, und wo Lord Byron damals um 1816 mit Sondergenehmigung Pferde hielt – seiner Aussage nach die einzigen Pferde Venedigs. Von dort startet er auch seine Schwimmwettbewerbe.

Das allerdings war nicht der Grund, warum wir zum Lido mussten. Von dort gehen aber die Schiffe zur Insel San Lazzaro, und dort befindet sich unser zweites fest eingeplantes Ziel: nämlich das armenische Kloster, in dem Byron viel Zeit verbachte, armenisch lernte und bei der Erstellung einer armenischen Grammatik half.

Es gibt nur eine Führung täglich, nämlich um kurz vor halb vier Uhr nachmittags. Außerhalb der Führung steckt man vor dem Kloster fest und kann nur auf das nächste Schiff warten, das einen wieder zurück bringt. Das wussten wir allerdings – und kamen entsprechend zum richtigen Zeitpunkt an.

Die Führung dauert zwei Stunden und findet statt – egal, wie viele Leute da sind. Für größere Gruppen könnte man auch eine Sonderführung buchen. Dank des immer noch eher unschönen Wetters, war neben uns nur noch ein anderes Paar da, sodass wir fast eine Privatführung hatten.

Die Gärten konnten wir dank des Regens weniger gut besichtigen – uns hätte es nicht so sehr gestört, aber die beiden anderen wollten dringend rein. Die Klosternbibliothek ist einfach traumhaft. Es wird viel Interessantes erzählt, es ist ein wahnsinnig ruhiger und angenehmer Ort. Noch ruhiger und angenehmer wäre er in anderer Gesellschaft gewesen, denn die beiden nahmen es alleine locker mit jeder kompletten Touristengruppe auf, was das sich-beschweren-über-alles betraf.

Dann kann man auch noch einkaufen. Rosenmarmelade zum Beispiel, da die Mönche ihre Rosengärten tatsächlich kulinarisch nutzen. Ich mag ja süß normalerweise gar nicht, aber für Rose mache ich immer eine Ausnahme. So natürlich auch hier.

Schließlich standen wir gegen sechs Uhr wieder am Lido. Hunger hatten wir noch nicht wieder, wirklich Lust dazu, ins Hotel zurückzugehen auch nicht… zielloses touristisches Bummeln ist auch nicht unser Ding.

Also kam uns der Gedanke, nachzuprüfen, ob wir nicht doch noch eine Tour im Palast des Dogen bekommen könnten. Diese Führungen sind immer privat, nicht unter zwei Stunden zu haben, bis in den Abend hinein buchbar, in unterschiedlichen Sprachen verfügbar und es wird damit geworben dass der Führer auf alle persönlichen Wünsche eingeht.

Wir hatten Glück – und so kehrten wir also dahin zurück, wo wir an dem Tag bereits einmal gewesen waren, dieses Mal, um neben der Brücke auch den Palast zu besichtigen.

Gut, auch diese Führung ist teuer, aber es waren nochmal zwei Stunden, die sich wirklich gelohnt haben. Da man mit dem Führer alleine ist, kann man sich wirklich auf das konzentrieren, was einen interessiert, länger oder kürzer in den Räumen bleiben, etc. Der Herr war sehr zuvorkommend und höflich (darf er für 100 Euro pro Stunde auch sein), informativ und kein bisschen genervt… obwohl ich zwar durchaus noch interessiert und aufnahmefähig war, aber meine Interaktionsfähigkeiten inzwischen – vor allem nach dem ständig jammernden anderen Paar im Kloster – doch etwas zu wünschen übrig ließen.

 

 


Bildquellen, da wir als notorische Nichtfotografen mal wieder keine gemacht haben:

Seufzerbrücke: By Tony Hisgett from Birmingham, UK (Brdge of Sighs  Uploaded by tm) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Klosterkirche, Innenansicht: By Leon Petrosyan (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Dogenpalast, Innenraum: von Christian Rosenbaum (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en), CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)%5D, via Wikimedia Commons

 

Der „wii-Empfänger“

Falls ihr eine Wii habt, kennt ihr möglicherweise dieses Problem: Man würde gerne mal woanders als am heimischen Fernseher spielen…

…das geht aber schwer, weil man dazu diesen „Empfänger“, den man mit dem mitgelieferten Klebstreifen mittig oben oder unten am Fernseher befestigen musste, abfriemeln und mitnehmen müsste, und der hält dann irgendwann nicht mehr, und… und… und…

Und so bleiben die meisten  Wiis auf einen einzelnen Bildschirm beschränkt, obwohl es doch so einfach wäre:

Das von vielen als „Empfänger“ oder „Sender“ wahrgenommene Gerät, diese kleine Leiste, die eben an den Bildschirm geklebt wird, hat nämlich in Wirklichkeit gar nichts mit dem Spielverlauf zu tun. Es ist lediglich eine Positionierhilfe. D. h. das Ding gibt zwei Lichtsignale ab, die die Fernbedienung „sieht“ und verwendet, um ihre Position zum Bildschirm zu bestimmen.

Zwei Teelichter, rechts und links neben den Bildschirm gestellt und angezündet, tun’s ganz genauso.

Ach ja… auch zu empfehlen, wenn man statt am Bildschirn gerne mit Projektor und Leinwand spielen möchte.

 

Die Teufelshöhle in Pottenstein

Da die Osterferien quasi vor der Tür stehen, wollte ich zumindest mal meinen Mit-Bayern einen Ausflugstipp dalassen.

Habt ihr schon mal eine Tropfsteinhöhle besichtigt? Wenn nein: Zeit wird’s!

Ich empfehle die Teufelshöhle in Pottenstein, in der fränkischen Schweiz. Die fränkische Schweiz ist eh‘ schön und bietet auch sonst viel, auch gute Campingplätze und andere Angebote.

Zum ersten Mal war ich dort mit meinen Großeltern und meiner nächsten Schwester. Ich dürfte sechs oder sieben Jahre gewesen sein, meine Schwester entsprechend drei Jahre jünger. Immer wieder witzig finde ich, dass meine Haupterinnerung die an eine Enttäuschung nach der anderen war: Man durfte nichts anfassen, es waren überall Absperrungen, Photographieren nur ohne Blitz und die Höhlenbären waren nur Skelette. Und trotzdem hat es mich immer und immer wieder dahin zurückgezogen und die Höhle steht heute noch ganz oben auf der Liste der Attraktionen, die ich Besuchern zeige und Urlaubern empfehle. Irgendwas muss sie also haben…

Der „Kaiser Barbarossa“ – Bild von Wikipedia

Die Teufelshöhle ist ganzjährig geöffnet. Die Anzahl der Führung variiert aber nach Saison.

Es gibt einen großen Parkplatz direkt an der Höhle. Sollte dieser mal wieder komplett voll sein gibt es ein Stückchen die Straße runter in die eine Richtung einen weiteren Parkplatz, und ein Stückchen die Straße runter in die andere Richtung einen Dritten. Gehzeit jeweils unter fünf Minuten.

Wer im Bach gerne Fische füttern möchte: Bitte kein Brot reinwerfen, sondern die 50 Cent in den Fischfutterautomaten investieren. Der steht dort mit gutem Grund.

Im vorderen (Eingangs-)Bereich der Höhle findet man schon einiges an Informationstafeln und Material. Auch ein Video über Pottenstein und die Umgebung läuft dort. Der für Besucher erschlossene Hauptteil der Höhle ist nur im Rahmen von Führungen zu besichtigen.

Führungen finden in der Sommersaison immer dann statt, wenn sich genug Leute gesammelt haben und kosten fünf Euro für Erwachsene, drei Euro für Kinder. Familienkarten lohnen sich erst ab zwei Kindern. In der Wintersaison haben die Führungen feste Zeiten. In der Sommersaison gibt es am letzten Freitag des Monats Sonderführungen, die 100 Minuten dauern (für eine „normale“ Führung ist etwa eine dreiviertel Stunde einzuplanen).

Zu Beginn der Führung werden die wichtigsten Dinge erläutert: Photographieren gerne, aber zum Schutz der Fledermäuse nur ohne Licht. Tropfsteine anfassen ist tabu, denn wo sie berührt wurden werden sie für die nächsten 15 Jahre nicht mehr wachsen können. Dafür sind aber im ersten „Raum“ der Führung Tropfsteine ganz und aufgeschnitten ausgestellt, und diese dürfen, sollen sogar angefasst werden.

Die Führung beginnt mit einer Erklärung zur Entdeckung der Höhle und allgemeinen Informationen zu Tropfsteinen. Dann wird an mehreren Stationen innerhalb der Höhle über spezielle Formationen gesprochen, über den Verlauf der Höhle, die Bildung derselben, die Erschließung bestimmter Teile, die Höhlenbären, die Fledermäuse…

Der Ablauf sieht so aus, dass man sich an den Stationen trifft, sich dazwischen aber jeder im eigenen Tempo bewegen kann. Wie lange man also bei den separat beleuchteten Tropfsteinen oder den Skeletten stehen bleibt, wie viele Fotos man macht, wie schnell oder langsam man läuft, ob man in der Masse oder lieber für sich bleibt – da ist man eigentlich sehr frei.

Noch besser: Will man ganz für sich gehen, ist auch das möglich: indem man nämlich den Führer am Eingang bittet, das Tonband einzuschalten. Dieses ist auch in unterschiedlichen Sprachen verfügbar. Man bleibt dann hinter der Gruppe, und wenn diese an einer Station fertig ist und weitergeht, wird das Tonband angemacht, das quasi den identischen Text enthält. Den kann man dann für sich alleine anhören und dann ebenfalls weitergehen.

Fragen werden gerne, freundlich und umfassend beantwortet. Die Erklärungen sind für Kinder verständlich aber für Erwachsene nicht langweilig. Falls nicht bereits die nächste Gruppe ungeduldig wartet, ist nach der Führung noch Zeit um weitere Fragen zu stellen.

Beachtet werden sollte, dass die Höhle tief genug ist, dass das ganze Jahr über eine Temperatur von nur 9 Grad herrscht. Wer leicht friert sollte gerade im Sommer eine leichte Jacke mitbringen.

Die Wege sind gut erschlossen und auch für jüngere Kinder gangbar. Ich hatte auch schon leicht gehbehinderte Personen mit dabei. Allerdings sollte das Treppensteigen funktionieren, denn insgesamt gibt es ca. 400 Stufen. Die Geländer sind durchgängig gut. Der Rückweg vom Ausgang zum Parkplatz dauert je nach Lauftempo und wie sehr man die Natur genießen möchte (der Weg ist sehr schön und es gibt mehrere Abzweigungen, an denen man noch weitere Infotafeln finden kann mehr oder weniger lang. Man kommt auf dem Weg zum Parkplatz an einem Souvenirshop und einem Restaurant/Café vorbei. Das Angebot ist nicht gerade ausgefallen, aber gut. Vegetarier haben keine Schwierigkeiten.

Teufelshöhle Pottenstein auf Wikipedia

Website der Teufelshöhle Pottenstein

Wer gerne noch mehr Zeit in Pottenstein verbringen möchte, kann den Besuch der Teufelshöhle mit einer oder mehreren anderen Attraktionen der Ortschaft verbinden. Davon hat Pottenstein nämlich wirklich genug: 21 Angebote (die Teufelhöhle eingeschlossen) stellen die „Pottensteiner Erlebnismeile“ dar. Das Angebot ist so vielfältig, dass jeder was finden sollte – vom Fossilienklopfen, falls man noch nicht genug von Steinen hat, bis zum gemütlichen Wandern, interessanten Museen, einer Burg (die wir grundsätzlich immer erst nach Ende der Öffnungszeiten erreichen) bis hin zu sportlich-aktiveren Angeboten, die von Minigolf über mehrere Schwimmbäder bis hin zu einer Sommerrodelbahn führen.

Weidener Literaturtage: Ursula Poznanski (Autorenlesung)

Bevor ich wieder nach Belgien geflüchtet bin, habe ich am Mittwochabend noch eine Autorenlesung „mitgenommen“.

Die Weidener Literaturtage finden alle zwei Jahre statt und haben eigentlich fast immer interessante Angebote. Dieses Mal las unter anderem Ursula Poznanski. Da traf es sich doch sehr gut, dass ich gerade ihr neuestes Buch fertiggelesen hatte.

Eine Sache an den Literaturtagen ist, dass die Veranstaltungsorte oft etwas ausgefallen sind. So auch hier – gelesen wurde im Verkaufsraum eines Autohauses. Parken musste man allerdings gegenüber auf der anderen Straßenseite.

Die Veranstaltung war sehr gut besucht – so gut, dass nachbestuhlt werden musste. Wir hatten Glück und kamen so zeitig, dass wir uns nach vorne setzen konnten. Ich finde es wahnsinnig schwer, mich auf irgendetwas zu konzentrieren, wenn ich Köpfe vor mir habe. Die Stühle, fanden wir schnell heraus, waren so ziemlich das unbequemste was Weiden zu bieten hatte. Ich glaube, die einzige, die an dem Abend bequem saß, war neben der Autorin selbst die Dame rechts von uns, die ihre eigene Sitzgelegenheit direkt dabeihatte – mit zwei großen und zwei kleinen Rädern.

Es wurde Sekt, Wasser und Saft ausgeschenkt, und es war ein kaltes Buffet mit Häppchen aufgestellt.

Begonnen wurde nur mit leichter Verzögerung. Frau Poznanski erläuterte direkt den Ablauf – sie wollte 40 Minuten lesen und dann Fragen beantworten. Die letzten Autorenlesungen, auf denen ich war, sahen so aus, dass der Autor kleinere Abschnitte las und kommentierte, oder etwas erklärte und dann dazu las. Vierzig Minuten Lesung am Stück schien mir erst mal sehr lang.

Die Stellen waren aber sehr gut gewählt und sehr gut gekürzt – da ich das Buch eben erst zwei Tage zuvor gelesen hatte, hatte ich die Texte noch größtenteils so im Kopf, dass ich wusste, wo geschnitten war. Die beiden ersten Morde, die Begehung der Tatorte und ein kleines bisschen Ermittlungsarbeit wurden gelesen. Auf halber Strecke – also vor dem zweiten Mord – fasste Frau Poznanski kurz den weiteren Verlauf zusammen, bis die nächste gelesene Szene einsetzte.

Man kann ihr angenehm zuhören, was für mich etwas überraschend war, da ich Frauenstimmen meistens nicht so gerne höre. Einen Punkt Abzug bekommt sie von mir, weil sie in längeren Erzählpassagen keinen ordentlichen Lesefluss hinbekommt. Sie liest dann immer wieder einfach ein paar Wörter ohne Beachtung der Satzzeichen, macht dann kurz Pause – egal, ob da eine hinpasst oder nicht – um Luft zu holen, und liest dann die nächsten Wörter. So kommen einige komische „Sätze“ zustande, in deren Mitte eigentlich ein Punkt stünde.
Einen halben Punkt gebe ich ihr aber wieder drauf, weil sie bei der folgenden Frage, warum sie ihre eigenen Hörbücher nicht selbst einlesen würde (ernsthaft? Ich glaube, die Frau, die das gefragt hat, hat bei der Lesung irgendwie geschlafen…) ganz klar sagte, „Weil ich keine Schauspielerin bin, das nicht gelernt habe, und weiß, dass ich nicht in der Qualität lese, die dazu notwendig wäre.“

Fragen beantwortete sie sehr schön, verständlich, klar, nicht zu langatmig aber dennoch detailliert. Immer freundlich, nicht genervt. Witze, wo sie sich ergaben, waren nicht so abgestanden, wie ich das von manchen anderen Lesungen kenne, sondern ergaben sich eher aus dem Gesprächsfluss. Sicher sind die Texte mehr oder weniger vorbereitet, es werden bei Lesungen ja doch immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden. Es klang aber nichts auswendiggelernt. Ihre angekündigten Bemühungen, Hochdeutsch zu sprechen, setzte sie sehr schön um. Nur einmal kam die Österreicherin durch, als sie davon erzählte, was für ein Antitalent in Mathe-MA-tik sie gewesen sei. Da musste ich mir das Grinsen doch etwas verkneifen, denn diese Betonung amüsiert mich schon, wenn ich in Wien bin, immer sehr.

In der folgenden Signiersitzung war sie sehr freundlich, da sie relativ lange Widmungen schreibt, dauert das Anstellen etwas länger.

Der Verkaufsstand mit ihren Büchern war gut organisiert. Meine Mutter kaufte dort noch ein, es ging sehr zügig. Auf dem Weg nach Draußen nahmen wir uns noch Häppchen vom Buffet – inzwischen etwas durchgeweicht aber noch immer ganz gut. Käsebrot mit Erdbeere… keine Kombination, auf die ich von alleine gekommen wäre, aber es schmeckte nicht schlecht.

„Umgerechnet“ in Punkte:

Veranstaltungsort: 5/10 (Nee, für die Bestuhlung ist nicht mehr drin)
Lesung: 9,5/10  
Autorin: 10/10  
Organisation: 9/10 (Ein Hinweisschild, wo zu parken ist, wäre gut gewesen, dann wären nicht alle erst eine Runde im Hof gefahren, bevor sie gemerkt haben, dass sie auf der anderen Straßenseite halten müssen)

 

 

Eine Woche England

Normalerweise beschränke ich Reisen soweit möglich auf maximal zwei Übernachtungen. Dass wir diesmal von Mittwoch bis Montag, jeweils einschließlich, weggefahren sind, und ich dabei kein besonders schlechtes Gefühl hatte, hing zuerst mal daran: Organisiert wurde dieser Ausflug von einer autistischen Freundin; und die Teilnehmer alle Autisten oder Autisten mit NT-Partner im Anhang. Das machte die ganz Angelegenheit schon mal etwas entspannter.

Dazu jetzt kurz – irgendwann schreibe ich dazu ausführlich: Ich mache bei Freundschaften eine ganz klare Unterscheidung in AS und NT. Ich habe zwei NT-Freundinnen, und das ist auch die absolute Obergrenze für mich.  Alles Weitere wäre sehr viel zu anstrengend.

Bei Mit-Autisten ist meine Toleranzgrenze in Anzahl, Kontaktumfang und –dauer usw. deutlich höher, und ich finde es sehr viel weniger anstrengend. Sowohl als Sender als auch als Rezipient.

Der Gedanke war also: 8 x 2, Kombination je AS/NT, zusammen drei ganze und zwei halbe Tage in einem ehemaligen Kloster, das für Gruppenveranstaltungen vermietet wird, Spaß haben.

Einige Dinge laufen dabei etwas anders ab, als man es vielleicht so „üblich“ ist.

Es gingen zunächst einige E-Mails rum. Jeweils ein Thema, mit der Option, entweder die Grundfrage beschreibend zu beantworten oder den beiliegenden Fragebogen auszufüllen. Ich wähle bei sowas den Fragebogen. Ich mag Fragebögen.

Einmal ging es um Aktivitäten – das Thema des Ausflugs sollte „Game of Thrones“ sein – also: Welche der in Frage kommenden Dinge wollte man machen/nicht machen/nur unter bestimmten Umständen machen, beim LARP welche Figur(en) spielen, etc.

Die zweite ging um die „chores“, die Aufgaben – wir kamen als Selbstversorger, also musste eingekauft werden, aufgeräumt, Wäsche gewaschen, Essen gekocht usw. Man gab an, was man zu machen bereit war/unbedingt machen wollte/gar nicht machen wollte, ob bestimmte Tageszeiten für einen Einsatz bevorzugt wurden und ob man mit bestimmten Personen unbedingt oder gar nicht zusammenarbeiten wollte.

Die dritte ging um Persönliches. Grenzen, Abstand, Regeln, Dinge, die unbedingt gekauft werden müssten, Dinge, die Probleme machen würden durch Geruch etc., welche Art von Schlafplatz, wäre man bereit, das Badezimmer mit anderen zu teilen usw.

Daraus wurden dann zum einen der Zeitplan erstellt, zum anderen die Zimmerzuteilung und die Einkaufspläne gemacht. Außerdem ging eine Rundmail raus, in der für alle zusammengefasst wurde, bei wem auf was zu achten ist. Jeweils mit Bitte um Rückmeldung, falls Probleme auftreten würden.

Nun sind solche Zeitpläne genau etwas, das mich normalerweise leicht aus der Bahn werfen würde – nämlich dann, wenn sie kurzfristig geändert werden, weil schnell beschlossen wird, doch irgendetwas zu verlängern, zu verkürzen, zu ändern, jemand spontan auf komplett neue Ideen kommt usw.

Genau das ist z. B. ein Stressfaktor, den ich mir in dieser Anordnung ersparen kann. Wenn nämlich 50% der Anwesenden genau das gleichen Problem hätte, und die anderen 50% dran gewöhnt sind, dass man nicht einfach mal schnell was umwirft, dann wird der Zeitplan zu einem Sicherheitsfaktor.

*

Aufgrund einer Streiksituation bei BA wurden wir gebeten, frühzeitig zum Flughafen zu kommen. Soweit kein Problem. Laptop geht mit, ab in die Lounge, ich arbeite weiter, der Herr beschäftigt sich mit einem Buch.

Der Flug wie üblich problemlos; das Kabinenpersonal sehr bemüht, der Steward wurde etwas panisch als ich den Salat ablehnte (war Hähnchen drin) … Vegetarisch hätte man vorbestellen müssen… Hatte ich nicht, hatte ja gar nicht vorgehabt, an Bord zu essen.

Der Pilot war einer dieser Landekünstler, bei denen man erst mitbekommt, dass das Flugzeug wieder unten ist, wenn es bremst.

Am Flughafen wurden wir vom Mann der Londoner Freundin empfangen, dem ich es wirklich hoch anrechne, dass er uns jedes Mal abholt, wenn wir kommen. Es ist eine knappe Stunde Fahrt durch London, aber andernfalls müssten wir eine Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, was für mich sehr stressig ist.

Da die Londoner Freundin und ich uns ein Spezialinteresse teilen, hat es sich so eingebürgert, dass wir uns bei jedem Treffen jeweils ein neues bzw. neu entdecktes Buch zum Thema mitbringen und austauschen. Zum Glück verstehen sich die beiden Männer gut, und so können wir auch ohne schlechtes Gewissen erst mal eine Weile unter uns fachsimpeln, während die beiden sich eben über was anderes unterhalten.

Nach dem Abendessen folgte noch ein bisschen Requisiten basteln, dann recht zeitig Schlafen… denn am nächsten Morgen mussten wir raus.

*

Meine Erinnerung an die frühen Morgenstunden ist eher verschwommen…das ist bei mir so üblich. Kaffee beschleunigt den Aufwachprozess, und so war ich dann doch ausreichend wach um den Schwan anzuschauen … das Museum lag freundlicherweise direkt an unserer Strecke.

Tolles Tier, der Schwan. Ich muss sagen, ich habe eigentlich gar keine Worte, um das zu beschreiben. Wer in den nächsten Wochen in London ist, sollte sich den auf keinen Fall entgehen lassen!

Nach dem Schwan ging es dann per Auto nach Nordengland. Dort stellte ich zuerst mal fest: Unsere Unterkunft ist offenbar einer dieser Orte aus Harry Potter, die man nur findet, wenn man bereits weiß, wo sie sind.

Also im Ernst: Da hätte ich niemals ohne jemanden zum Zeigen hingefunden. Es stellte sich später auch noch raus dass andere trotz telefonischer Anleitung wirklich nicht hinfanden, und wir sozusagen einen Suchtrupp losschicken mussten.

Das „Problem“ dabei ist: Das Gelände wurde im Lauf der Zeit komplett mit Wohnhäusern umbaut, sodass nur ein sehr enger Weg (eine knappe Gehwegbreite etwa) zwischen zwei Häusern hindurch zum Eingangstor führt. Dieser Weg ist unbeschriftet und sieht von der Straße aus eher aus, als würde er in einen Hinterhof führen. Der Gang endet an einer Holzplatte an Scharnieren mit Riegel. Erst dahinter kommt der eigentliche Zugang zum Gelände. Bis man durch dieses erste improvisierte Tor ist, sieht man absolut nichts von dem, was dahinter liegt. (Parken muss man um die Ecke.)

Hat man erst mal reingefunden… ist die Unterkunft aber einfach toll. Sie ist für Selbstversorger gedacht, es gibt eine große Küche, einen Speiseraum, viele Zimmer, mehrere Badezimmer pro Stockwerk mit Duschen und Badewannen, eine Sauna und anderes… Wir nutzten in erster Linie die beiden „Sitting rooms“ – große wohnzimmerartige Räume mit vielen bequemen Sitzmöbeln. Aus dem größeren flog als erstes der Tisch raus, weil wir Freifläche brauchten. Wir wollten ja schließlich irgendwie Theaterspielen.

Im Lauf des Nachmittags trudelten so nacheinander alle ein. Die einen verzogen sich erst mal direkt in ihre Zimmer, die anderen halfen beim Lebensmittel rauftragen und wegräumen, der für den Abend eingeteilte Koch machte seine Pläne… Die Requisiten wurden aufgestellt, die Skripte ausgelegt.

Eine kleine Beinahekatastrophe gab es dann als eine NT-Frau – der dazugehörige Mann war bereits da – den Veranstaltungsort nicht fand. Trotz mehrfachem Anrufen und einweisen. Irgendwann waren dann doch alle da, das Abendessen war gegessen, und wir hatten für den Abend auf dem Plan stehen, die ersten Szenen durchzuspielen.

Dabei war die Regelung im Großen und Ganzen die: jeder kann mit so viel oder wenig Einsatz spielen, wie er will. Der eine steht eben auf der Bühne und liest seinen Text ab, der andere spielt seine Rolle mit vollem Körpereinsatz, Kostüm und Requisiten… jeder, wie es ihm zusagt. Szenen mit Körperkontakt, fesseln von Gefangenen, Schwertkämpfen, etc. werden zuvor zwischen den Beteiligten abgesprochen. Ebenfalls sprechen die jeweils Beteiligten vorher ab, falls sie eine Szene nicht nach Skript spielen sondern improvisieren wollen.

Ich war erstaunt, wie gut das in der Tat ging. Die Requisiten waren teils etwas gewöhnungsbedürftig. Die Wölfe waren Plüschtiere, und da wir nicht genug Wölfe zusammengebracht hatten, wurde mit Plüschkatzen aufgefüllt. Schwerter reichten vom richtigen LARP-Schwert bis zum funktionsfähigen (leuchtenden) Laserschwert – klar, man braucht ja brennende Schwerter und auch mal Fackeln … Zitat vom Wochenende: „Und sie nahm ihr Laserschwert und machte sich auf den Weg“.

Wir waren ja nun alles erwachsene Leute zwischen 30 und 45, und daher „nicht das kleinste Bisschen“ albern. Nee, ist klar… natürlich bleibt die Sache nicht bierernst, wenn das einzige für den Auftritt zur Verfügung stehende Pferd ein Steckenpferd ist, die Dracheneier als Avocados geboren wurden und fehlende Requisiten einfach durch ein Blatt Papier ersetzt werden, auf dem die Bezeichnung des fehlenden Gegenstands steht.

Spaß hatten wir jedenfalls.

Ganz toll übrigens: was an „inneren Organen“ benötigt wurde, hatte vorher jemand aus geschmolzenen Haribo-Erdbeeren nachgeformt und großzügig mit Theaterblut verziert. Diese speziellen Requisiten wurden anschließend noch ihrer ursprünglich vorgesehenen Verwendung zugeführt.

Zwar hatte jeder zugeteilte Rollen, aber es spielte nicht unbedingt jeder in jeder „Sitzung“ mit. Wer gerade Pause wollte oder brauchte, konnte in seinem Zimmer bleiben, spazieren gehen oder sonst was machen, und die Rollen wurden bei Bedarf kurzfristig umverteilt.

Es wurde natürlich nicht nur Game of Thrones gespielt an dem Wochenende. Die Pokémon-Go-Spieler schickten immer mal wieder Jagdtrupps aus, es gab Diskussionsrunden zu vorher genannten Themen (ähnlich Viktorianischer Parlour-Diskussionsrunden, wie sie gerne mal zur Unterhaltung abgehalten wurden), Karten- und Brettspielrunden, Abends wurde die Sauna angeworfen, irische und schottische Folkmusik gesungen und getanzt (wir hatten Flöte- und Gitarrenspieler samt Instrumenten dabei). Einige hatten ihre eigenen Projekte dabei, einige gingen außerhalb der Spielerunden direkt in ihr Zimmer und blieben da, bis es entweder Zeit zum Essen oder Zeit zum weiterspielen war.

Frühstück und Mittagessen lief jeweils so, dass jeder sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums selbst holte, was er wollte. Es gab dabei Schränke und einen Kühlschrank, die für die Köche reserviert waren und die von diesen bestellten Zutaten enthielten, und Schränke und einen anderen Kühlschrank, aus denen sich jeder einfach bedienen konnte. Speziell für eine Person besorgte Lebensmittel waren beschriftet.
Zum Abendessen kochen sowie am Sonntag zum Brunch (= Full English Breakfast) war jeweils ein Koch mit zwei Helfern eingeteilt. Gekocht haben alle hervorragend. Es wurde immer in Variationen gekocht, der anfangs rumgesendeten Liste entsprechend, sodass immer jeder was zu essen hatte. Wer nicht im Speiseraum essen wollte, nahm sich eben einen Teller mit aufs Zimmer – oder ließ sich einen bringen.

Gespräche fand ich allgemein auch in der Gruppe verhältnismäßig entspannt, schon allein deswegen weil wirklich immer nur einer redete. Wenn sich zwei Gespräche im gleichen Raum entwickelten und es dadurch zu Problemen durch Lärmpegel kam, ging die Gruppe, die näher an der Tür saß, in einen anderen Raum. Bei Wortfindungs-/Artikulationsproblemen sah die Lösung dann so aus, dass die betroffene Person, die etwas sagen wollte, aber gerade entweder die passenden Wörter oder gar keine Wörter rausbrachte, einfach „Words!“ sagte bzw. einen Zettel mit dem Wort drauf hochhielt. Dann wurde gestoppt, die jeweilige Person konnte sich in Ruhe die Wörter sortieren, aufschreiben oder anderweitig den gewünschten Inhalt kommunizieren.

Alles in Allem: Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass eine Zusammenkunft von 16 Personen so relaxt ablaufen kann…Wir sind definitiv nächstes Jahr wieder dabei.

 

 

Museum der Medizingeschichte, Brüssel

Wir sind an sich sehr große Museumsfans.

Die Region Brüssel ist da sehr gut bestückt.

Mein absolutes Lieblingsmuseum ist gleichzeitig das erste, das wir je gemeinsam besucht haben.

Es ist das Musée de la Médecine/Museum voor Geneeskunde – das Museum der Medizingeschichte.

Damals war mein Mann, der zu dem Zeitpunkt noch lediglich der Mann war, den mir eine gemeinsame Bekannte zwangsvorgestellt hatte. Oder sagen wir mal, irgendwie war schon was im Busch, da dieses zweite persönliche Treffen aus einer für mich absolute untypischen Schnapsidee entstanden war und ich jetzt aus organisatorischen Gründen eine Weile in Belgien festsaß. Lange Story, und die soll auch mal zur allgemeinen Erheiterung erzählt werden, aber in einem eigenen Post.

Als nun also der Herr hörte, dass Medizingeschichte ein absolutes Lieblingsthema von mir ist, regte er umgehend einen Besuch in diesem Museum an, und dem stimmte ich auch umgehend zu.

Das Museum befindet sich in Anderlecht. Anderlecht ist eine der Gemeinden in der Region Brüssel-Hauptstadt und zwar im Südewesten derselben. Oder, um es Johanna-kompatibel auszudrücken: unten links.

Eine kleine Herausforderung für zwei Vollzeit arbeitende Menschen: Die Öffnungszeiten. Wochentags, 13 bis 16 Uhr. Super. Ein Wochenende im Monat ist auch geöffnet, aber das war grad etwas lange hin.

Neben der Platzierung der Öffnungszeiten finde ich die Dauer sehr anstrengend. Drei Stunden? Wie soll ich in drei Stunden durch dieses Museum kommen. Ehrlich… ich könnte da drin doppelt so viel Zeit verbringen. Immerhin ist der Eintritt günstig, sodass man durchaus mehrmals vorbeikommen kann. Vorausgesetzt, man schafft es, sich zwischen eins und vier Zeit zu nehmen. Oder man wartet eben auf das erste Wochenende im Monat.

Neben wechselnden Sonderausstellungen gibt es tolle Dauerausstellungen. Vorausgesetzt, man interessiert sich für Medizingeschichte.

Außerdem sollte man sich nicht leicht ekeln, denn es gibt viele sehr detaillierte Modelle, z. B. mit zur Illustration von Operationen, Amputationen u. ä. Jaja ich finde das toll. In der chirurgischen Sammlung alleine könnte ich Stunden verbringen.

Die Sammlung der anatomischen Modelle – erneut mit der Darstellung zahlreicher Verfahren im Detail – kostet mich ebensoviel Zeit. Oder eher: noch mehr, denn diese Ausstellung ist auf zwei Ebenen verteilt und bietet entsprechend viel zu sehen.

Der allgemeine Ausstellungsbereich ist sicher eher Mainstream-tauglich und enthält viele interessante Stücke, vom ausgestopften Pestdoktor bis zu einer kompletten Apothekeneinrichtung.

Einen ganz eigenen Besuch waren mir die Sammlungen zur ägyptischen und präkolumbianischen Medizin wert – die erste unten im Keller, die zweite ganz oben, in entgegengesetzten Teilen des Gebäudes.

Nach wie vor habe ich es nicht geschafft, die Ausstellungen zu asiatischer und afrikanischer Medizin zu besuchen. Diese sind nur zu sehen, während keine temporären Ausstellungen stattfinden. Das hat sich zeitlich noch nicht ergeben.

Die Ausstellung der historischen Medizinbücher lasse ich aus. Da juckt es mich zu sehr in den Fingern, Sachen anzufassen und durchzublättern.

Wer etwas mehr Anleitung beim Besuch haben will als ich, kann sich für zwei Euro einen Digiguide leihen oder im Voraus eine Führung buchen. Mit Digiguides komme ich meistens nicht zurecht, also lassen wir das… und eine Führung würde mich persönlich eher stören, da ich mich in Ruhe mit dem befassen können will, was mich Besonderes interessiert.

Unterm Strich, abgesehen von den echt belgisch-bescheuerten Öffnungszeiten ein wirklich tollen Museum zum Thema.

 

Escape the Room

Unser erster eigener Familiencomputer zog Anfang der 1990er bei uns ein. Es war ein „486er“ (Intel 80486 CPU), er hatte zwei Diskettenlaufwerke und eine Festplatte, die uns damals bei 4-5 Nutzern tatsächlich ausreichte. Er lief mit DOS und Windows 3.1. Auf dem Computer lernte ich, in BASIC zu programmieren.

Bald kamen die ersten Computerspiele. Die ganze Familie spielte. Tetris; Blockout (Tetris in „3D“); Sokoban; Rockford; Civilization …

Und, natürlich, die Adventures. Es waren die Anfangszeiten und dann die Hochzeit der Point-and-Click-Adventures. LucasArts und Sierra waren besonders erfinderisch in dem Bereich.

Das Point-and-Click (oder Point’n’Click) Adventure-Spiel sieht so aus: Man sieht einen Raum als Bild vor sich, und kann mit der Maus unterschiedliche Objekte ansteuern („point“) und auswählen („click“) um mit ihnen zu interagieren. Auf diese Weise löst man dann Aufgaben, Rätsel, trägt Objekte von einem Ort zum anderen, um sie dort wieder per Mausklick aus dem Inventar zu holen, auf andere Objekte zu ziehen und dort durch Klick zu „benutzen“.

Regel eins: nimm alles mit, was du findest und tragen kannst;

Regeln zwei: gehe davon aus, dass alles, was du findest, auch eine Bedeutung oder Verwendung hat – wenn nicht jetzt, dann später. Unverwendbare Objekte gab es fast nie.

Konversation mit anderen Figuren im Spiel fand meist auf dieselbe Weise statt: Anklicken, dann auswählen aus einem Menü möglicher Fragen oder Antworten.

Ein „Subgenre“ hier waren die sogenannten „Escape the Room“-Spiele. Wie der Name sagt, gibt es dabei vornehmlich darum, sich mit den zur Verfügung gestellten Objekten aus einem Raum („Raum“ ist beim Computerspiel immer das, was man auf einmal vor sich sieht, es muss also nicht zwangsweise immer ein Zimmer sein) zu befreien.

Was haben wir diese Spiele gespielt, rauf und runter…

Sie sind dann im Lauf der Jahre ziemlich von der Bildfläche verschwunden. Nun tauchen sie wieder auf – in ganz anderer Form, aber nicht minder spielenswert.

Viele Dinge, die wir früher ohne Computer gemacht haben, machen wir jetzt ja mit…

Dafür können wir auch einige Sachen, für die wir früher den Computer gebraucht haben, jetzt ohne machen.

Escape the Room spielen, zum Beispiel. Immer mehr Anbieter gibt es, die einen oder mehrere Räume herrichten, der nach exakt demselben Spielprinzip funktioniert: Man betritt als Spielgruppe den Raum; will man das Spiel gewinnen, muss man diesen Raum innerhalb einer bestimmten Zeit wieder verlassen. Um dies zu schaffen, muss man Rätsel lösen, herumliegende Gegenstände in kreativer Weise kombinieren, und noch immer denken können wie damals, als wir vor dem Bildschirm saßen und genau wussten – irgendwie muss es gehen, und es nutzlose Gegenstände gibt es nicht – egal, wie wenig hilfreich sie gerade aussehen.

Ein „Cheat“-System gibt es ebenfalls – man kann sich üblicherweise über einen Knopf mit dem Spielleiter in Verbindung setzen, um Tipps zu holen. Das gibt Punkteabzug, aber ist unter Umständen besser, als das ganze Spiel zu verlieren… wenn man spielt um zu gewinnen. Sollte etwas total schief laufen, schaltet sich der Organisator auch von selbst ein.

Die Themen der einzelnen Räume sind sehr unterschiedlich.
Die Eignung für unterschiedliche Altersstufen ebenfalls.
Aber ich kann jedem, der früher gerne Point’n’Click-Spiele am Computer gespielt hat (oder der einfach gerne Knobelt und das gerne mal in der Gruppe und nicht am Bildschirm tun möchte) raten: Nehmt euch ein paar Gleichgesinnte und gönnt euch eine Stunde in einem Point’n’Click – Live und in Farbe.

Die meisten Spielanbieter geben einem 60 Minuten Zeit, um die Aufgabe zu lösen. Mit Einweisung und eventuell anschließendem Eintrag in eine Bestenliste („High Score“) rechnet man ca. 90 Minuten Zeitbedarf.


Hier mal die Anbieter, die uns bisher begeistern durften:

Belgien

Brüssel

http://brussels.escapehunt.com/nl/

http://liveescapegames.be/fr

 

Deutschland

München

http://escapegame-muenchen.de/

Nürnberg

http://exitgames-nuernberg.de/de/raum-buchen/

https://exittheroom.de/de/nuernberg

Regensburg

http://www.exitthematrix.de/spiel

Weiden

http://www.fluchthaus.de/die-spiele/