Wieder was gelernt…

Nämlich warum der Arzt beim Blutspenden immer extra fragt „Wien?“ wenn ich sage „War in Österreich“. Habe mich nie fragen trauen, um den Verkehr nicht noch mehr aufzuhalten, bei uns ist immer wahnsinnig viel los beim Blutspenden. (Man könnte auch behaupten, zu wenig Personal auf zu viele Spender).

In Wien wurde 2008 das West-Nil-Virus nachgewiesen. Deswegen wollen sie nach Besuch in Wien vier Wochen lang mein Blut nicht. Vier Wochen sind kommender Sonntag. Hach ja. Naja, wollen würden sie es schon gerne, ABneg. und so…  „Kommen Sie doch bitte nächste Woche.“ Mal gucken wo ihr nächste Woche seid…

Urlaubsreview – Tag 4

SCS und Wien

Wir haben einige Besorgungen zu erledigen und steuern daher zunächst die SCS an.

SCS steht für Shopping City Süd und ist ein großes Einkaufszentrum südlich von Wien.

Jetzt könnte man annehmen, dass mich das stresst. Tut es lustigerweise nicht. Es gibt ein paar Situationen, die für mich mit einem Mix aus unterschiedlichen Eindrücken genau auf dem Punkt zwischen Stimulation und Überlastung liegen, den ich wahnsinnig angenehm und sogar entspannend finde. Dazu gehören Volksfeste und Jahrmärkte, Verbrauchermessen, Apsley House, der Münchner Hauptbahnhof und eben auch große Einkaufszentren wie dieses.

Zu meiner Überraschung stelle ich fest, dass ein Buch mit dessen Erscheinen ich gar nicht mehr gerechnet hatte, nachdem der Autor über Jahre verschwunden schien, nun in der Auslage liegt. Also rein in die Buchhandlung, und da ich nicht mit nur einem Buch wieder raus kann, einen ganzen Armvoll Bücher ausgesucht. Zwei davon zweisprachig – Deutsch-Latein. Jetzt kann ich schauen, wie ich das alles in die Regale bekomme.

Wir decken uns noch etwas mit Kleinigkeiten ein, um einem Bekannten ein Dankeschönpaket für einen uns zuvor geleisteten Gefallen zu packen, und beschließen, dass es für einen Besuch „unseres“ Billardcafés etwas zu früh am Tag ist.

Zwischen stöbern und aussuchen ist es inzwischen allerdings Zeit, etwas Essbares zu suchen, und da gibt es für mich in der SCS nur eine Anlaufstelle: Subway.

Die Entdeckung von Subway (als Kette, nicht dieses speziellen Subway) war für mich ein Glückstreffer. Subway findet man so ziemlich überall, und es gibt überall das gleiche. Ich kann so sehr gut auch mal eine Stresssituation entschärfen, indem ich mir etwas absolut vertrautes zu Essen hole. Oder nicht zusätzlich Stress basteln, indem ich in ein Fremdrestaurant gehe. Und überhaupt ist es im Urlaub auch schön, mal etwas Bekanntes zu haben.

Da ich gerne mal aufs Trinken vergesse, bis die Dehydrierungskopfschmerzen anfangen, finde ich auch O’Mellis‚ Saft- und Smoothiebar sehr praktisch. Da man auch hier sein Getränk selbst zusammenstellen kann, sollte jeder was Passendes finden können.

 

Und nochmal übten wir uns in Spontaneität. Seit Jahren wollten wir mal in Wien Fiakerfahren gehen. Bislang passte es nie. Zeit war nun da, Lust sowieso, also Einkäufe schnell nach Hause, und wieder ins Auto. Dank der vielen Einbahnstraßen fahre ich in Wien relativ gerne. Das Navi sagt mir, wo ich hinmuss, und da ich keinen Gegenverkehr habe, machen auch die engen Sträßchen nichts. München könnte sich mehrere Scheiben abschneiden.

Die Fiaker waren eine angenehme Überraschung, die Pferde machten einen guten Eindruck – ich hatte vorher erwartet, dass mich das Ganze dann vor Ort mehr Überwindung kosten würde, aber die Tiere wirkten wirklich sehr gepflegt, ausgeruht und aufmerksam – ein Eindruck, der sich in der folgenden Stunde bestätigt hat. Wir buchten die lange Runde – eine Stunde durch Wien.

Es ist schon ein spezielles Erlebnis, so in der offenen Kutsche. Es ist Ewigkeiten her, dass ich das letzte Mal als Mitfahrer gefahren bin. Ich fahre zwar bei unseren Veranstaltungen auch gelegentlich, aber dann eher Karren als Kutschen, und auf dem Kutschbock sitzend mit den Zügeln in der Hand. Durchgeschüttelt wird man auf dem Kopfsteinpflaster natürlich ordentlich, und schwerhörig sollte man auch nicht sein – zumindest nicht, wenn man dem laufenden Kommentar des Fiakers folgen möchte. Der referiert nämlich eine Stunde lang über Gebäude, deren Bewohner und Architektur, Denkmäler, Brunnen, Plätze und berühmte Cafés – das ganze logischerweise mit dem Gesicht direkt von den Passagieren abgewandt, und daher in die entgegengesetzte Richtung sprechend. Die Anstrengung, ihm zu folgen, zahlt sich aber aus.

Die Passanten sind auch nicht uninteressant – manche grüßen und winken tatsächlich, eine Dame gestikuliert grinsend aus einem Bus, neben dem wir an der Ampel halten. Einige wenige Idioten versuchen, die Pferde zu stören (was ihnen nicht gelingt) und durch den Fiaker auch schleunigst unterbunden wird.

Das Wetter ist perfekt, der einzige echte Störfaktor sind die zahlreichen Baustellen. Am Ende der Stunde haben sich Fiaker und Pferde ihren Lohn plus Trinkgeld redlich verdient.

 

Auf dem Rückweg zum Auto gibt es für uns dann noch einen Zwischenstopp an der Staatsoper – oder genauer gesagt, in deren Andenkenladen. Dieser führt nämlich auch zahlreiche Aufzeichnungen von Aufführungen an unterschiedlichen großen Häusern auf DVD. Ich kaufe dort recht gerne ein. Auf Anfrage sperren die Herren und Damen einem dort nämlich die Vitrinen im Hinterzimmer auf und lassen einen dort alleine, um in Ruhe auszuwählen. Keine nervigen Empfehlungen, kein Gehetze, keine Ablenkung… und so fällt mein Einkauf dort auch immer recht großzügig aus.

 

Gelaufene KM: ca. 15; da ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass ich diese Aufstellung schreiben werde, habe ich die genaue Start- und Endzeit der Fiakerfahrt nicht mitgeschrieben.