Wellensittichkreisel

Montagvormittag brachte ich als erstes Mal den neuen Welli zum Tierarzt. Geringen Milbenbefall „kann ich selbst“, aber wenn mal die Beine mit betroffen sind, ist mir das zu riskant, da muss jemand drüber schauen, der das studiert hat…

Wir kommen also ins Behandlungszimmer; heute haben wir eine der beiden Tierärztinnen (es ist eine Gemeinschaftspraxis von drei Personen).

Sie schaut in den Transportkäfig und fragt mich, was denn mit ihm los sei.

Ich: „Milben.“

Sie schaut mich, wie ich interpretiere, etwas kritisch-genervt-auffordernd an. Ich lege das so aus, dass sie meint, ich sollte mir etwas mehr als zwei Silben abringen. Also hole ich tief Luft.

„Ich sehe Grabgänge am Schnabel und an den Ständern.“ Bevor sie noch was sagen kann, schiebe ich hinterher: „Und ich hatte ein ziemlich anstrengendes Wochenende und bin heute nicht wahnsinnig gesprächig.“

Sie, etwas lachend: „Ich sehe bisher nicht mal den Schnabel…“

Das war dann so in etwa der Moment, in dem mir endlich auf der „aktiven“ ebene bewusst wurde, dass sie gerade schon zweimal um den Käfig herumgegangen war, und der Welli sich dort drin durchgängig mitgedreht hatte – so, dass sie immer nur auf seinen Schwanz schauen konnte.

Fazit: Wenn Leute komisch schauen, liegt es nicht immer an mir – manchmal ist einfach nur der Vogel gerade ein A***.

Der Neue

Bis Sonntag war mein Name noch Koko, und ich lebte an einem Ort namens Autobahnraststätte. Da war immer eine ganze Menge los, gefüttert wurde ich auch gut, aber fliegen konnte ich natürlich nicht… Artgenossen waren auch nicht in der Nähe, egal, wie laut und lange ich gerufen habe, in der Hoffnung, dass sich doch einer findet.

Irgendwann kamen Leute vorbei, die mich sahen, und mit dem Mann redeten, der mir Futter und Wasser brachte… und es wurde ausgemacht, dass ich „wegkomme“. Wohin weg war zuerst nicht ganz klar, aber die Leute kannten jemanden, der jemanden kannte…

Und dann stand am Sonntag plötzlich ein Mensch da, packte mich ein und nahm mich mit. Autofahren fand ich schon mal komisch, da traute ich mich gleich gar nicht mehr singen.

Am Montag wurde ich dann direkt zu einer komischen Frau mit blauem Mantel geschleppt, die mir einen blöden Flüssigkeitstropfen unter die Federn getropft hat. Leider habe ich nämlich Milben, die nicht nur meinen Schnabel, sondern auch schon meine Ständer (so heißen Vogelfüße richtig) angegriffen haben.

Außerdem heiße ich jetzt nicht mehr Koko, sondern Cadoux. „Wegen übermäßiger Hübschigkeit“, sagte mein neuer Mensch.

Na gut… Hübsch bin ich wirklich… trotz Milben.

Oder?

Grün-Gelber WellensittichGrün-gelber Wellensittich, Seitenansicht

Alternativer Verwendungszweck…

So richtig unnötig sind ja Leute, die immer alles hinterfragen müssen.

Dabei meine ich nicht die Leute, die ehrliches Interesse haben und Zusammenhänge verstehen wollen, sondern die, die ganz verzweifelt versuchen, einen beim Lügen zu erwischen. So etwa gestern die Dame, die etwas abholend, zu uns kam, und vorwurfsvoll sagte: „Ich dachte, dir IST NICHT kalt in deiner Wohnung und du MAGST das so kühl. Warum liegt dann in jedem Zimmer eine Jacke?“

Wüsste nicht, was die Dame das angeht, aber bitte… ich hab ihr dann mal einen Papagei auf den nackten Arm gesetzt. Der Effekt kam besonders gut, weil wir für gestern Abend Krallenschneiden angesetzt hatten, d.h. die waren gerade so richtig, richtige böse lang und scharf. Und bei ihrem ersten Zucken machte Papagei natürlich aus Reflex den Fuß zu, um sich festzuhalten.

Grins… Ich hoffe, das hat ihre Frage beantwortet… und sie weiß jetzt, weshalb bei mir in jedem Zimmer ein schnell an- und auszuziehendes Kleidungsstück mit langen Ärmeln liegt…

Flaschenkind

Der Mamagei möchte ja nun immer mal wieder mit mir raus –  und wenn das Wetter passt, die Störche gegenüber gerade keine Jungen haben (ein flugunfähiger Graupapagei könnte durchaus Beutegröße haben…) und ich oder wir die Zeit dazu haben, nehmen wir sie auch mit spazieren oder Eis holen.

Gerade für längere Spaziergänge im Sommer müsste man aber in der Lage sein, dem Vögelchen unterwegs dann mal was zu trinken anzubieten.

Nach einigen Optionen haben wir dazu schließlich eine Lösung gefunden, die allen Beteiligten gut passt: Der Mamagei zeigte uns nämlich irgendwann: Sie kann aus der Flasche trinken.

Normalerweise habe ich eine 0,33 l Flasche für sie dabei, die ist aber gerade abgängig… daher hier im Video mit einer größeren vorgeführt. Inhalt: Leitungswasser.

 

Problemlösung à la Mamagei

Papagei hat den Trinkwasserbehälter im Ess-/Schlafkäfig runtergeworfen. Alles tropft, am Fußboden breitet sich eine Lache aus.

Ich, nicht begeistert: „So, und was jetzt?!“

Mamagei: „Tuch?“

Fast hätte ich sie geschickt, eines holen… aber mit Blick auf die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf dem Weg auch noch den Wasserhahn andreht und mir beim Rücktransport ein Loch ins Handtuch reißt oder beißt, hab‘ ich es dann doch selbst gemacht.

Es heißt ja, im Kopf wären sie je nach Bereich etwa wie zweieinhalb- bis dreieinhalbjährige Kinder…Mit Blick auf Neffe (2,5) möchte ich behaupten: Kommt in etwa hin.

Mamagei als Logopäde

Der Mamagei hat sich heute morgen einen Wellensittich geschnappt und war offenbar der Meinung: Zwitschern reicht nicht.

Mamagei: „Hey, kleines Vogele, sag mal tüt!“

Wellensittich: *Zwitscher*

Mamagei: „Tüttüttütütüt. Kleines Vogele, sag mal tüt!“

Wellensittich: *Zwitscher*

Mamagei: „Na du? Na komm! Komm mein kleines Vogele. Sag mal tüt.“

Wellensittich: *Zwitscher*

Sie hat dann irgendwann aufgegeben…

Wir ver-durs-ten

So, der Schreiner mit seinem Team ist weg. Seit kurz nach acht – sie kamen 20 Minuten zu früh! – waren sie am Werkeln. Kurz nach 17 Uhr haben wir das Übergabeprotokoll unterschrieben.

Bilder von den Regalen gibt es am oder nach dem Wochenende, wenn sie eingeräumt sind. Der Mann hat gebeten, damit auf ihn zu warten. Er kommt morgen Abend.

Mamagei und Papagei, die beiden Handwerksvögel, habe ich während der Arbeiten in ihren neuen großen Schlaf- und Esskäfig gesperrt. Fazit: Er widerstand zumindest heute allen Ausbruchsversuchen, und Handwerker können sehr viel besser arbeiten, wenn ihnen niemand das Werkzeug verträgt.

Sie durften aber bei den Abschlussarbeiten noch dabei sein – der Schreiner kennt die beiden schon von früheren Aufträgen. Danach führte nun ihr erster Weg zu ihrem „eigenen“ Brunnen im Wohnzimmer. Offenbar schmeckt fließendes Wasser einfach besser, als das stehende Wasser im Wassernapf. 20170216_172217

Und hier in bewegten Bildern.

Die Lampen im Brunnen sind übrigens nicht angeschlossen. Das wäre mir mit den beiden Spezialisten zu riskant.

Ach, das Geräusch, das Mamagei da von sich gibt? Mops. Sie spricht aktuell mal wieder sehr viel Mops.

Kitty Wellensittich

Catherine Sarah Dorothea Pakenham ist als Name doch etwas zu viel für eine kleine Wellensittichhenne. So nennen wir sie, wie die historische Catherine Pakenham, eben „Kitty“.

Wie viele andere unserer Wellis war Kitty eine „Unverkäufliche“.

Darüber, dass ihr eine Kralle fehlt, könnte man ja sicher hinwegsehen als Verkäufer. Allerdings ist sie auch fast blind. Entsprechend hatten wir etwas Bedenken, sie in den Schwarm zu setzen. Wie kommt ein Vogel, der kaum etwas sieht, in einem Raum klar, der doch viel größer ist, als ein Käfig?

Mit der historischen Kitty teilt sich diese hier nicht nur die schlechten Augen, sondern auch das sehr zaghafte und leicht panische Gemüt. Kein Wunder, sie sieht ja nicht so wirklich, was um sie herum passiert.

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Sie hatte wohl mit den beengten Verhältnissen beim „Züchter“/Vermehrer und Händler auch mehr Probleme. Als sie zu uns kam fehlte ihr, wie man hier in der bei Ankunft gemachten Aufnahme sehen kann, die lange Schwanzfeder. Wie unten zu sehen ist, wuchs der Schwanz seitdem sehr schön nach.
Die fehlende Kralle ist die innere an ihrem rechten Ständer. Der dunkelrote Schatten an der Wachshaut – das ist die farbige Haut über dem Schnabel, an der Nase – ist keine Krankheit oder „Beschädigung“, sondern das Anzeigen einer Henne in den Anfängen der Paarungsbereitschaft. Die dunkle Farbe breitet sich über die gesamte Wachshaut aus und geht dann wieder zurück, wenn die Henne nicht mehr paarungsbereit ist.

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Kitty heute

Im Wellizimmer geht es besser, als jemals erwartet. Es fiel bereits während der Quarantänezeit auf, dass sie durchaus sehen kann – aber nur in einem sehr hellen Umfeld. Tagsüber, bei voller Sonneneinstrahlung, fand sie sich sehr gut zurecht.

Da Wellensittiche aus Australien sind, und unsere Sonnenstrahlen eigentlich nicht stark genug sind, haben wir im Wellensittichzimmer neben den normalen LED-Lampen für uns Menschen auch Reptilienleuchtröhren installiert, die ihnen – per Zeitschaltuhr – einigermaßen Tag-und-Nachtgleiche und australische Lichtverhältnisse bescheren.

Kitty sieht zwar immer noch nicht viel, aber genug, um sich zu orientieren, und sogar immer mal wieder ein Stück zu fliegen. Ihr fester Partner ist „Juana“ – ein Welli, der sich erst nach der Namensgebung als Hahn herausstellte. Was soll’s, dem Vogel ist das ja egal.
Trotzdem ist sie recht tollpatschig unterwegs und hat öfter mal ungeplante Zusammenstöße. Entsprechend sieht sie auch meistens etwas gerupft aus, wie etwa aktuell mit der angebrochenen Schwanzfeder.

Kitty ist ein Wellensittich aus der sogenannten Blaureihe – also ohne gelbes Pigment – und trägt die Grauflügelmutation. Beim Grauflügel ist die Körperfarbe aufgehellt und die schwarze Zeichnung liegt in grau vor. Erstmalig gezüchtet wurde dieser Farbschlag Ende der 1920er Jahre in Österreich. Grauflügel kommen sowohl in der Blau- als auch in der Grünreihe vor.

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Drei ganz unterschiedlicher Vertreter der Blaureihe. Im Vergleich mit Wellington (Mitte) sieht man den Grauflügelfaktor bei Kitty sehr schön.

Die historische Kitty war übrigens Wellingtons Ehefrau.

Der Papagei und der Heizungsbauer

Im Zusammenhang mit der gestrigen Heizungswartung musste ich dann mal wieder dran denken, wie vor zwei Jahren unsere Gasheizung ständig ausging. Es war ein längerer Act, bis der Fehler gefunden und beseitigt war.

Der Geselle „meines“ Heizungsbauers ist Sachse. Das hört man auch.

Nun war er in jener Woche täglich im Haus, um den Fehler zu suchen, jeder Versuch einer Reparatur hielt nur Stunden. (Am Ende musste der Hersteller der Heizung einen Mitarbeiter schicken, dem Problem war anders nicht beizukommen). Mamagei fand den Mann toll. Mann. Mit Werkzeug. Der mit ihr redet. Und ihr Kugelschreiber schenkt (bis ich ihn gebeten habe, das bleiben zu lassen…).

An dem Tag hatte ich noch einen Bekannten im Haus, ich weiß gar nicht mehr, warum. Aber er kommentierte immer mal wieder den Handwerker. Seine Bezeichnung für diesen: „der Ossi“.

Ich mag es grundsätzlich schon nicht, Menschen so zu sortieren, und seit ich die Geier habe, erst recht nicht… man weiß nämlich nie, was die wann zum Besten geben. Es heißt, sie wären „vom Kopf her“ etwa wie dreijährige Kinder. +/- ein halbes Jahr.

Nur dass Dreijährige älter werden.

Papageien auch, aber nur körperlich.

Ich also: „Sag doch nicht immer Ossi zu dem Mann!“
(Gut, genau das war der ganz große Fehler, denn der Satz verknüpfte „Sag“, „Ossi“ mit „zu dem Mann“… „nicht“ versteht sie nicht wirklich gut, wenn es unbetont im Satz steht. Sie geht sehr stark nach den „herausgehobenen“ Wörtern. Und „Sag X zu dem Mann“ ist eine klare Anweisung, die sie auch ausführt, wenn sie die anfängliche Schüchternheit überwunden hat…)

Er: „…“

Mamagei: „Ossi!“

Ich: „…“

Keine halbe Stunde später, Handwerker kommt die Treppen rauf.

Mamagei: „Hallo, Ossi!“

Zum Glück fand er’s witzig…

Warten!

Der Papagei ist, wie viele Papageien, ein absoluter Gierschlund. Gefressen wird, solange was da ist, egal, ob man logischerweise Hunger haben kann oder nicht.

Ich erinnere mich da an den Tag, an dem die beiden Grauen (neben dem üblichen Körnerfutter) gemeinsam zwei Äpfel, eine Banane, eine Schale Weintrauben, drei Kiwi und zwei Sprossen einer Holzleiter verzehrt haben. Seitdem stehen bei uns keine Obstschalen mehr unbeaufsichtigt rum.

Wenn ich nun die Körnerfutterschale auffülle, ist er sofort zur Stelle, um möglichst umgehend die besten Körner rauszupicken. Entweder von innen aus dem Käfig, indem er halb durch die Klappe krabbelt, durch die ich die Schale rausgeholt habe, oder von außen, indem er mir am Gitter hängend ständig im Weg ist.

Ich verweigerte also das Auffüllen, solange in irgendeiner Form ein Papageienkopf in oder über der Schale lauerte. Das auf-Abstand-halten und warten, bis die Schale wieder richtig im Käfig ist und die Klappe zu wurde von mir auch verbal unterstützt, und die Botschaft kam durchaus auch an.

Bei beiden.

Komme gerade am Käfig vorbei. Mamagei sitzt auf einem Ast und begutachtet das Spielzeug. Papagei nähert sich dem Futter.

Mamagei sieht das.

Mamagaei: „Warten!“

Papagei erstarrt und bleibt mit ca. 15 cm Abstand vor der Futterschale sitzen. Nach ein paar Sekunden bewegt er sich vorwärts.

Mamagei: „Warten!“

Papagei zuckt zurück und erstarrt wieder.

Das wiederholt sich zwei oder drei Mal, dann verlor der Mamagei wohl die Lust. Immerhin ließ sie sich noch dazu herab, abschließend zu sagen „So-Jetzt. Braves Vogele!“ Sie kennt den Ablauf offenbar SEHR genau..

Er fiel vor Erleichterung fast mit dem Kopf voraus in die Schüssel…