Der „Hulzfux“

„Den hout da Hulzfux g’hult“.

Der „Hulzfux“ – wohl ein „Holzfuchs“ – war in meiner Kindheit ein undefiniertes aber höchstgefährliches Wesen, bekannt dafür, potentiell alles und jeden mitzunehmen und erst zu einem unbekannten späteren Zeitpunkt wieder rauszurücken – wenn überhaupt. Fragte man nach einem Gegenstand oder einer Person, dessen/deren aktueller Aufenthaltsort dem Gefragten unbekannt war – Der Hulzfux war an der Abwesenheit Schuld.

Für die Erwachsenen eine Redensart ohne weitere Bedeutung, für uns als Kinder immer ein Grund zum Gruseln. Was, wenn der Hulzfux nun auch bald uns holen kommen würde? Oder irgendetwas, das uns wichtig war? Oder irgendjemanden nicht wieder rausrücken… Und war, oder wer, war er überhaupt? Man konnte ihn ja schwer meiden, wenn man gar nicht wusste, worauf mach achten sollte…

Wie er nun aussah, oder wie er es anstellte, alles ungesehen zu entfernen und irgendwann ebenso ungesehen wiederzubringen – keiner schien das so genau zu wissen.

 

Der Hulzfux – Lang habe ich nicht mehr an ihn gedacht.

Bis ich heute Nachmittag dieses Foto einer morgendlichen Begegnung rumgezeigt habe – und alle einhellig und voneinander unabhängig zu dem Schluss kamen – DAS ist ein Hulzfux.

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Ah. Gut. Der Hulzfux war seiner Zeit also offenbar weit, weit voraus. Immerhin – manche Rätsel lösen sich noch nach Jahren auf…

Eigentlich sieht er ja irgendwie zum Knuddeln aus. Vielleicht will er ja auch nur spielen… Liegt vielleicht auch daran, dass es doch ein Knogga ist, aber vor meinem inneren Auge wird der Hulzfux wohl von nun an dauerhaft genau so aussehen.

 

Sicher nicht spielen wollte allerdings das hier, das mir später auf dem Heimweg vor die Kamera sprang:

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Urlaubsreview – Tag 2

Mödling und Burg Liechtenstein

Unser Plan für den Tag: Ab nach Mödling und Pokémon jagen.

Zunächst: Die Innenstadt von Mödling ist sehr schön, und Pokémon Go ist hier ein guter Fremdenführer. Zahlreiche Fassadenverzierungen und Infoplaketten die man anderweitig leicht übersieht (wir waren ja auch nicht zum ersten Mal dort) fielen uns so auf. Ich habe einige gute Anregungen gefunden, die ich möglicherweise mal in einer Geschichte verwursten werde. Viel gelernt auch über örtliche Persönlichkeiten, wir schlugen tatsächlich jeden Künstler nach, der irgendwo erwähnt wurde.

Zeit nahmen wir uns zunächst auch für einen Besuch der St. Othmarkirche. Dorthin hatten sich während des zweiten Türkenkriegs ein großer Teil der Einwohner geflüchtet. Half nichts, denn sie wurden dort gefunden und getötet.

Die Kirche ist eine sehr hübsche gotische Kirche, die hohen, bunten Glasfenster wunderschön. Leider stand die Sonne nicht richtig, aber der Effekt muss beeindruckend sein.

Gegenüber steht die Pantaleonskapelle, ebenfalls sehr hübsch.

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Ich hatte hier mit der Sonne etwas Schwierigkeiten, und daher keine weiteren Photos gemacht (Ja, Handy geradehalten ist nicht mein Ding. Ich bin kein großer Photograph).

Die große Treppe am oberen Ende des Kirchhofs führt zum Startpunkt zahlreicher Wanderwege. An dieser Stelle entschieden wir uns dann kurzfristig, die bereits mehrfach angedachte Wanderung zur Burg Liechtenstein doch einfach jetzt gleich zu machen. Kurz zurück in die Stadt, um Getränke und Proviant zu holen, zurück nach oben und kurz orientieren. Dank GPS und Blick auf die Handykarte stellten wir eine Abkürzung bis zur ersten Zwischenstation fest und nutzten diese auch. So standen wir dann kurze Zeit später vor dem sogenannten Schwarzen Turm. (Auf dem Weg hätte es ein Gasthaus gegeben, das allerdings geschlossen war. Gut also, dass wir uns nicht darauf verlassen hatten, dort noch Proviant nachkaufen zu können.)

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Der Schwarze Turm sieht auf den ersten Blick aus wie die Ruine eines alten Wehrturms – ist er aber nicht. Es handelt sich um eine künstliche Ruine, die der Fürst von Liechtenstein seinerzeit anlegen ließ – schöne alte Ruinen waren wohl gerade chic, und wenn man keine bei der Hand hatte, mussten eben neue gebaut werden. Der Turm ist nicht zugänglich und kann nur aus etwas Abstand betrachtet werden.

Von da ab ging es dann auf dem regulären Wanderweg weiter – nehmen wir zumindest an, denn die Beschilderung fehlte teilweise. Wir hätten zwar auch richtig geraten, aber das Handy ist doch sehr hilfreich als Wanderkartenersatz.

Das gegenüberliegende Schloss Liechtenstein, die wesentlich jüngere Sommerresidenz, ist heute eine Seniorenresidenz. Entsprechend gesittet geht es auch im Park unterhalb der Burg zu. Schatten spenden große Bäume, teils noch aus der Bepflanzung aus der alten Parkanlage. Das Restaurant hier hat sehr geringe Öffnungszeiten, die sich nicht mit unserem Besuch überschnitten. Ein weiteres Restaurant und Café gibt es in etwa fünf Gehminuten Entfernung. Bis dahin hatten wir allerdings beschlossen: Wenn wir uns hinsetzen wird richtig gegessen – und dazu hatten wir die Zeit nicht, denn Führungen gibt es immer zur vollen Stunde.

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Führungskarten, Postkarten, Burgführer kaufen und dann nochmal kurz warten…

Die volle Stunde kam, und wir waren die einzigen Anwesenden. Ganz toll: Es gab keine Frage, ob wir auf die nächste Führung warten könnten, kein Gemoser oder Gemotze, sondern lediglich ein Schulterzucken und „Na, dann gibt’s jetzt eine Privatführung.“ Gut, so steht es auch auf der Website, aber meiner Erfahrung nach ist es nicht selbstverständlich, dass es sich vor Ort dann genau so darstellt.

Es war natürlich absolut das richtige – nur die Freundin und ich mit der Führerin einmal durch die Burg (Nein, mein Mann ist nicht dabei, diese Woche nehmen wir uns jedes Jahr Ende September, schon sehr viel länger als ich ihn kenne. Die gehört uns, da hat er nichts verloren.) Man konnte sich so auch sehr schön unterhalten und zusätzlich nachfragen. Bei größeren Gruppen halte ich mich da sehr zurück, da ich es schwer schaffe, diese Zwischenstufe zwischen interessiert fragen und alle mit unzähligen Detailfragen zu nerven bzw. keinen anderen mehr zu Wort kommen zu lassen zu treffen. Da bin ich dann vorsichtshalber stummer Führungsteilnehmer.

Das war hier nicht notwendig. Gut, vieles von dem, was sie so über das mittelalterliche Leben erzählte, wusste ich schon, allerdings konnte sie auch Fragen zur Architektur der Burg gut beantworten. Ein kleiner Fehler unterlief ihr beim Erklären des Verhältnisses Gambeson zu Rüstung. Ich neige halt doch etwas zu Besserwisserei, ich konnte das dann nicht so unkommentiert stehen lassen. Sie schien es mir aber nicht übel zu nehmen.

Die Runde ist mit 50 Minuten angesetzt, wir waren etwas länger unterwegs, es wurde aber bis zuletzt nicht gehetzt.

Die Führung könnte man auch gut mit Kindern machen. Auch ansonsten ist die Runde größtenteils unproblematisch, sofern man den ersten Satz Stufen zum Eingang hinauf schafft. Dieser ist leider nicht zu umgehen, relativ eng und steil. In der Burg gibt es natürlich ebenfalls Treppen, im Vergleich zu diesem ersten Aufstieg sind diese jedoch harmlos – wer es bis zur Eingangstür geschafft hat, schafft auch die Burg. Enge, dunkle, schmale oder niedrige Räume, die man nicht vermeiden kann, gibt es nicht. Eine wirklich niedrige Tür führt in einen hohen, hellen Raum. Wer unter Höhenangst leidet, sollte weder die „Toilette“ (eine Art Balkon mit Plumpsklo), noch den eigentlichen Balkon betreten.

Zurück ging es dann auf anderer Strecke, durch Maria Enzersdorf.

 

Bis wir nach Mödling zurückkamen, war dann doch dringend ein sehr spätes Mittagessen fällig. Wir hatten beide keine Lust, uns etwas Neues zu suchen, und steuerten daher unser übliches Mittagsziel in Mödling an. Hatte den zusätzlichen Vorteil, direkt auf dem Weg zum Parkplatz zu liegen.

Es ist die „Kochkiste„, laut Website ein Bistro.

Optisch macht es nicht besonders viel her, weder von außen, noch von innen. Wer ein ansprechendes hübsches Ambiente sucht, ist fehl am Platz. Es ist alles sehr praktisch und rein funktional eingerichtet.

Mich würden die Plätze vorne im Raum nerven, aber es gibt einen kleinen Tisch neben der Theke, an dem man quasi in einer Wandnische sitzt. Perfekt. Nichts nervt außenrum. Allerdings kann es sein, dass man das Essen, das hinter der Theke zum Portionieren bereitgehalten wird, riecht.

Es gäbe alles auch zum Mitnehmen.

Es läuft weder Radio noch Musik, was in solchen kleinen Ein-Raum-Einrichtungen auch nicht selbstverständlich ist.

Gekocht wird vegan und vegetarisch, auch glutenfreie Gerichte gibt es. Ein Teil der Karte bleibt stabil, andere Gerichte sind saisonal. Die Auswahl, auch bei den Getränken, reicht von vollkommen üblich bis etwas ausgefallen.

Die Bedienung war bislang immer etwas „hopplahopp“, was für mich kein Problem ist, andere aber möglicherweise stört.

Geöffnet ist zwar bis 16 Uhr, aber die Küche schließt relativ früh, sodass die Auswahl nach hinten zu dann stark eingeschränkt ist.

Für uns gab es „Vegi-Burger“, nach Experimenten war mir nach dem Tag auch nicht mehr, dazu dunkeln Holundersaft. Richtigen, nicht Wasser mit einem Spritzer Holundersirup. Sehr gut.

 

Weil wir anscheinend noch nicht weit genug gelaufen waren, legten wir abends nochmal einen längeren Spaziergang ein und grasten die Gegend nach weiteren Pokémon ab.

Gelaufene KM (laut Handy-Log): 35,2

Das war unser Rekordtag in Kilometern bemessen…

 

Gerade in der Mittagspause

Lieblingsmann: „Wenn wir auf der anderen Straßenseite laufen würden, könnten wir zwei PokeStops mehr abgreifen.“

Ich: „Geh nur, ich treff ich dann oben wieder an der Ampel, wo ich immer über die Straße gehe.“

Kollegin vom Lieblingsmann: „Manchmal weiß man echt nicht, wer von euch beiden mehr spinnt…“