Senfkristall

Es ist ein paar Jahre her. Ich war dabei, eine Immobilie zu kaufen. Der aktuelle Eigentümer hatte sich etwas übernommen – großes altes Gebäude, Renovierung deutlich teurer als geplant… Wir saßen bei ihm im Wohnzimmer, es sollte geklärt werden, welche Kosten ich zu übernehmen bereit wäre usw. Eigentlich keine große Sache, allerdings fand ich die Art einer anwesenden Person extrem schwer zu tolerieren. Viel fehlte nicht mehr, und ich hätte ihm gesagt, wo er sich seine überhebliche Art hinstecken konnte.

Etwa zu dem Zeitpunkt fiel der Hausherrin ein, dass sie ja mal Getränke anbieten könnte. Ich war schon halb dabei, abzulehnen – jetzt noch irgendein Trinkgefäß zu bekommen, das mir in der Verwendung unangenehm wäre, war gerade nichts, das ich brauchen konnte… das allerletzte, was ich jetzt wollte, war noch ein Kunststoffbecher oder irgendwas…

Dementsprechend rutschte mir auch direkt, als sie die Gläser auf den Tisch stellte, recht erfreut raus: „Oh, Thomy-Senfkristall. Cool, die hab ich auch.“

Dem eher unangenehmen Menschen klappte dann gleich mal der Mund wieder zu… es wurde später noch spekuliert, er hätte wohl schon angesetzt gehabt, sich abfällig über Leute zu äußern, die aus Senfgläsern trinken, weil sie sich keine Trinkgläser leisten können oder so.

Naja, vorbeugend stellte ich dann bim nächsten Termin (der bei mir stattfand) direkt das „Senfkristall“ auf den Tisch.

 

Was ich nicht so recht nachvollziehen kann, ist der Gedanke, dass die Weiterverwendung der Senfgläser als Trinkglas was mit „sich leisten können“ zu tun hat. Es sind Gläser. Sie haben eine gute Form, eine praktische Größe, sie sind ohnehin im Haus, und wegwerfen wäre doch wohl Verschwendung…

Also ich jedenfalls bin mit dem „Senfkristall“ aufgewachsen, es waren sowohl bei meinen Großeltern als auch bei meinen  Eltern die Alltagsgläser, und es sind auch meine. Wenn ich irgendwo zu Besuch bin, und das „Senfkristall“ auf den Tisch kommt, dann freut mich das, weil es sich „richtig“ anfühlt. Die Form, die Größe, die Art, wie das Glas in der Hand liegt, das Gefühl beim Trinken – es stimmt einfach. Es ist, wie es für mich „sein sollte“.

Ja, es kann ganz schön blöd sein, wenn man sich an sowas so „aufhängen“ kann, aber es gibt echt Trinkgefäße, da halte ich lieber den ganzen Tag ohne was zu trinken durch, als dass ich die an die Lippen setze. Dazu gehört Kunststoff (fühlt sich für mich immer „warm“ an und verdirbt jedes Getränk), alles, was im Mundbereich eine Struktur hat, die ich beim Trinken fühle, und alles, was so dünnwandig ist, dass ich das Gefühl habe, ich könnte Problemlos ein Stück rausbrechen.  Außerdem Formen, die nicht ganz rund sind.

Ungern mag ich auch Gläser, in denen ich schlecht abschätzen kann, wie viel noch drin ist, und solche, die irgendwelche Gimmicks im Boden haben. Da schaue ich dann nirgends anders mehr hin.

Am einfachsten ist es also wirklich, man stellt mir das Senfkristall hin.

 

In dem Zusammenhang sorgte meine Mutter gerade für Erheiterung.

Bei ihr gibt es kein Thomy-Senfkristall sondern Develey-Senfkristall – weil sie Thomy nicht mag, und gekauft werden die Dinger ja nun mal wegen dem Senf, der drin ist. Die Gläser sind aber in der Größe usw. so gut wie identisch, nur der Fuß unterscheidet sich etwas.

Allerdings hat meine Mutter gerade mit Develey ein kleines „Hühnchen zu rupfen“. Denn das Unternehmen ist umgestiegen.

„Von Trinkgläsern auf Marmeladengläser“, um es mit ihren Worten zu sagen.

Ich schaute erst mal etwas sparsam. Sie hielt mir ein Glas unter die Nase und nahm den Deckel ab.

„Sind hervorragende Marmeladengläser ,“ sagte sie. „Nur trinken kann man halt nicht draus.“

Ah. Schraubverschluss meint sie… ihre Marke ist vom glatten Rand auf einen Schraubverschluss umgestiegen… Kapiert habe ich es, aber ob ich jemals den Gedanken aus dem Kopf bekomme, dass Develey Senf im Marmeladenglas verkauft… oder das Kopfkino dazu wieder los werde…

 

Das bisschen Haushalt…

Ich mag einiges sein, aber eines bin ich definitiv nicht: eine begnadete Hausfrau.

Zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Vergangenheit habe ich diverse Szenarien gedanklich durchgespielt. Immer wieder komme ich zu dem Schluss: eigentlich müsste ich eine Haushälterin einstellen.

Dumm nur, dass ich den Gedanken hasse, jemanden in meinen Sachen zu haben. Jemanden, der mir meine Sachen durcheinander bringt; wichtige Sachen nicht dahin zurückstellt, wo ich sie haben will; möglicherweise meint, umdekorieren zu dürfen (ist bei einschlägigen Agenturen tatsächlich Teil der Aufgabenbeschreibung einer Haushälterin); eventuell mal ein Atty fallenlässt…

*

Sicher, schon eine „einfache“ Putzfrau würde helfen, aber da habe ich bis auf das umdekorieren die gleichen Probleme.

Wo, mag man sich fragen, ist denn eigentlich das Problem? Putzen ist doch ganz einfach. Das kann und macht doch jeder… oder?

Ja… genau. Ganz einfach.

Erstes Problem: Wahl der Putzmittel.

Viele Leute denken bei „Krankenhaus“ mal gleich an den Geruch von Desinfektions- und Reinigungsmitteln und finden diesen unangenehm. Gut. Haltet mal bitte den Geruch samt Reaktion gedanklich fest.

Und jetzt stellt euch bitte vor, dass ich diesen unangenehmen, penetranten, alles durchdringenden, stechenden, teilweise fast in der Nase schmerzhaften Geruch bei der großen Mehrheit der auf dem Markt befindlichen Putzmittel empfinde. Will man das wirklich mehr als absolut notwendig im Haus haben?

Selbst bei den Putzmitteln, die mir erträglich sind, habe ich den Geruch sehr lange um mich, und er ist auch so recht intensiv – und stört bei anderen Wahrnehmungen. Nach dem Großputz vom Samstag, gefolgt von mehreren Stunden mit geöffneten Fenstern zum Durchlüften, einem Familien-Kaffeetrinken und zwei kompletten Tagen Zeit…konnte ich am Montagabend das Zeug noch immer riechen. Und nein, ich empfinde das nicht als frisch und angenehm, sondern als ziemlich penetrant und störend.

Leider kann man nicht alles mit Neutralseife putzen. Also, man kann schon, aber es ist nicht besonders effizient. Und danach riecht die ganze Wohnung nach Seife. Aber eben wenigstens nur nach Seife.

Der Putzmittelgeruch hängt übrigens nicht nur in der Wohnung, sondern auch: An der Kleidung, die ich dabei getragen habe, meinen Händen und meinen Haaren. Am liebsten würde ich während der Putzarbeiten also mehrmals unter die Dusche springen, Haare waschen, umziehen…. Geht natürlich nicht.

Heute den einen Raum, morgen den anderen, wie das manche Leute in meiner Familie machen, ist schon deswegen undenkbar, weil ich dann dem Putzmittelgeruch nie entfliehen könnte…

Zweites Problem: Material

Handschuhe gehen mal gar nicht. Es gibt nur zwei Situationen, in denen ich mich dazu durchringen kann, Handschuhe zu tragen:

  • Gelegentlich zum Reiten, wenn die Temperaturen zu weit runter gehen, um ohne noch gut Gefühl für die Zügel zu haben. Dann trage ich sehr, sehr gut sitzende Lederhandschuhe.
  • Zum Fechten, wenn ich befürchten muss, dabei was auf die Finger zu bekommen. Ich brauche meine Hände funktionsfähig, da ich doch relativ viel tippe.
  • Als Papagei und Mamagei frisch bei mir waren und Papagei sehr aggressiv war, aber aufgrund seines Gesundheitszustands regelmäßig gehandelt werden musste, zog ich dazu Handschuhe an, um ständig Verletzungen durch seinen Schnabel/kaputte Finger zu vermeiden.

Auf keinen Fall würde ich aber mit meinen guten Handschuhen putzen, und Putzhandschuhe aller Art gehen einfach gar nicht.

Ich habe nun aber auch allgemein ein Problem mit glatten Stoffen auf der Haut. Ist euch mal aufgefallen, wie schwer es ist, andere Lappen als Microfaser zu bekommen in der heutigen Zeit? Frottee-Handtücher eignen sich leider auch nicht für alles…

Drittes Problem: Muss das weg?

Ich stelle mir das so vor: Der NT schaut hin und sieht auf den ersten Blick „Aha. Da ist ein Fleck.“ Oder „Aha. Das ist ein Muster.“ Oder „Aha. Das ist Teil vom Untergrund.“

Da mir automatische Filter fehlen, fehlt mir auch dieser Effekt: Die natürliche Musterung des Grantibodens in Wohnzimmer und Küche, die Struktur des Korkfußbodens im oberen Stockwerk, die Maserung im Parkett im Esszimmer, die Marmorierung der Fliesen im Bad… alles das verschwimmt für mich mit Flecken, Dreck, Staub..

Ich muss tatsächlich erst mal jede Abweichung von der Grundfarbe analysieren. Was ist das? Muss das weg? Und wenn ja, dann nach dem Wischen erneute Analyse: Ist es jetzt weg? Ist noch was da, das nicht zum Untergrund gehört? Habe ich durch Verwischen neue Flecken produziert?

Da für mich unter Umständen ein Kaffeefleck nicht auffallender zu sehen ist, als ein „normaler“ Farbeinschluss im Stein muss ich quasi Quadratzentimeter für Quadratzentimeter prüfen, ob ich alles erwischt habe.

Das endet dann damit, dass ich entweder wie Roomba und Scooba einfach mehrfach in allen Richtungen durch die Wohnung wische (Was hier am Beispiel Fußboden erläutert ist, lässt sich natürlich auf jede andere Fläche übertragen), oder ich mich, dem Rat von Beppo Straßenkehrer folgend, Fliese für Fliese vorwärtsarbeite.

In jedem Fall jedoch wird dabei etwas, das den meisten Leuten als mental nicht besonders anspruchsvolle Arbeit geläufig ist, bei der man gut nebenbei Hörbuch oder Musik hören oder irgendwelchen Gedanken nachhängen kann, zu einem ziemlich anstrengenden Act, der aufgrund der ständig notwendigen bewussten Filterarbeit auf „für den Kopf“ sehr ermüdend wird.
Da kann es dann schon mal vorkommen, dass ich seit 20 Minuten am Glaseinsatz der Bibliothekstür wische, weil ich zwar sehe, dass da ein Fleck ist… aber nicht mehr genug Kapazität übrig ist, um zu registrieren, dass ich auf der falschen Seite der Scheibe stehe.
Dann wiederum passiert es auch, dass ich etwas als „Dreck“ wahrnehme und erst merke, dass es doch da hingehört hätte, wenn ich angefangen habe, das Material anzugreifen. So hat etwa einer meiner Stühle eine sehr abgeriebene Stelle am Bezug. Der Stoff war dort einfach von der (eigentlich sehr zurückhaltenden) Musterung her etwas heller…

Irgendwann ist die Konzentration weg. Ich sehe nicht mehr, was ich mache – also, ich sehe es schon, aber ich nehme nur noch Einheitsbrei wahr und kann Untergrund von Schmutz nicht mehr unterscheiden

*

Dasselbe Problem habe ich übrigens auch, wenn mir jemand auf meinen Pullover deutend hilfreich mitzuteilen meint: „Du hast da ’nen Fleck“. Ich sehe nämlich vor lauter Web- oder Strickmuster (besonders schlimm sind da diese Stoffe, die dieses Mini-Strickmuster aufweisen…). Meine Kleidung mag für die meisten Augen einheitlich schwarz sein, aber wenn ich da drauf anschaue, sehe ich da alles Mögliche andere. Da festzustellen, welche Abweichung ein Fleck, und nicht einfach Stoffstruktur sein soll…

Ich wische also etwa an der gezeigten Stelle rum, das hilfreiche Gegenüber meint: „Schau doch mal in den Spiegel“, impliziert dabei: Dann siehst du es besser.

Irgendwann hatte ich mal keine Lust auf das Spiel und schoss direkt zurück, dass ich das eben im Spiegel genausowenig sehe… erntete dafür einen komplett verwirrten Blick, dann: „Aber du hast doch jetzt auch dran rumgewischt…“

Ja… dort, wo du hingedeutet hattest. Das kann ich in der Tat tun, auch ohne den Fleck selbst wahrzunehmen… Wirklich, das geht…

Autisten verursachen Impfstoffe – T-Shirt für die Impfgegner-Gegner

Habe grade dieses T-Shirt gefunden. Das würde ich mir ja sofort kaufen, nur… Farbig und vorne mit Aufschrift… ich würde es nicht tragen. Vielleicht hat ja von euch jemand Lust.

(RedBubble ist eine Plattform, auf der Künstler und Designer ihre Werke in unterschiedlicher Form verkaufen können, und die gute Konditionen für den jeweiligen Künstler bietet. Die Qualität der Ware ist super. Ich kaufe dort häufiger, wenn ich „ausgefallene“ Geschenke brauche – also sicherstellen will, dass niemand anders genau *die* Idee hatte.)

(Die Aufschrift: „Autistics cause Vaccines“ – „Autisten verursachen Impfstoffe“ – ist eine umkehrung dieses unsäglichen Slogans… nebenbei mit Bezug auf den Autistenanteil in den Naturwissenschaften.

Kleider machen Leute

Kennt ihr das?

Irgendwann kommt der Punkt, da geben alle T-Shirts gleichzeitig den Geist auf. Hier ein Loch, da ein Loch, die Naht am Kragen, der Saum, alles löst sich in Wohlgefallen auf. Bei mir kommt noch da dazu, was ich als „Geierfraß“ bezeichne: irgendwann hat alles kleine Löchlein von Papageienkrallen, und wehe, es steht irgendwo ein Fädchen ab… da kann so ein Mamagei einfach nicht widerstehen.

Nun lösten sich bei mir gerade nicht nur die T-Shirts auf, sondern auch die Sweatshirts, die Hoodies und die Pullis. Alles gleichzeitig.

Okay, macht nichts… Kleidung kann man ja nachkaufen.

Wenn es nur so einfach wäre…

Einfach wäre langweilig, nicht wahr?

Erste Herausforderung: Material.

Ich kann glattes Material auf der Haut nicht ausstehen. Der Trend geht aber dahin, dass Stoffe immer glatter, immer synthetischer, immer pflegeleichter werden. Pflegeleicht mag ja sein, aber was bringt mir das, wenn ich den ganzen Tag das Gefühl habe, dass Ameisen auf der Haut krabbeln –und nicht nur krabbeln sondern zwischenrein auch mal beißen. Noch schlimmer: Das Gefühl geht nicht sofort weg, wenn ich das Kleidungsstück in Frage ausgezogen habe, es ist jedoch sofort da, wenn ich es anhabe. Damit ist die Anprobe im Laden schon mal problematisch, weil ich ab Stück 2 nicht mehr zuverlässig sagen kann, spüre ich noch den Rest von Stück 1, oder …

Dabei hätte ich grundsätzlich nichts gegen Synthetikstoffe, wenn diese halt entsprechend texturiert wären. Natürlich nicht nur bei Kleidung.
Wir hatten zu Hause hübsche Handtücher im Bad hängen- eine Seite weich und „kuschelig“ mit Motiv oder Muster. Solange ich denken kann, habe ich zum Abtrocknen die rauere „Rückseite“ dieser Handtücher genommen. Die „Vorderseite“ sah zwar auf dem Haken nett aus, aber zum Verwenden fand ich sie doch eher ungeeignet. Heute habe ich nur Frottee-Handtücher in Verwendung, die beidseitig OK sind.

Leinen und Wollstoffe, also das, was viele Leute als kratzig und unangenehm empfinden, sind mir am liebsten. Leider findet man diese nur sehr eingeschränkt. Als ich mehr Zeit für solche Dinge hatte, nähte ich vieles selbst. Dazu irgendwann mal einen eigenen Post.

Zweite Herausforderung: Farbe

Muster, Motive, Aufschriften, Kontrastnähte – finde ich alles irritierend.

Erwähne ich das, höre ich immer mal wieder, das würde ich doch gar nicht sehen.

Doch, das sehe ich. Ich sehe sehr wohl, ob vorne auf meinem T-Shirt/Pulli/etc. ist. Nicht nur ich, aber die meisten Gehirne blenden die Information halt aus. Wenn ich das machen muss, geht mir bereits ein Stück Energie ab, das ich lieber auf etwas anderes verwenden würde. Zum Beispiel darauf, an der Kasse der Person vor mir nicht die Waren einfach aufs Band zu schmeißen, weil das Auflegen zu lange dauert und ich zwischen Musikgedudel, Unterhaltungen um mich herum, buntem Laden, Geruch von der Wursttheke her und dem kleinen Kind, das ständig zwischen aller Leute Füße herumwuselt wirklich dringend den Laden verlassen will.

Es mag unproportional klingen, aber das ist wie mit einem Wasserhahn. Wenn der den ganzen Tag tropft, läuft auch ziemlich viel Volumen weg, obwohl es nicht so aussieht. Auf Dauer merkt man es an der Wasserrechnung.
Ich bekomme die Rechnung eben etwas früher präsentiert.

Immer mal wieder sehe ich ein Motiv, das mir gefällt. Wider besseren Wissens kaufe ich auch so einmal alle zwei oder drei Jahre ein Stück. Das trage ich dann einmal, dann ziehe ich mich bei nächster Gelegenheit um, und das bedruckte Teil wird zu Unterkleidung degradiert.

Ein paar T-Shirts habe ich, die nur auf dem Rücken ein Motiv haben. Die habe ich drucken lassen. Da stört mich der Aufdruck nicht, und ich kann trotzdem das Motiv meiner Wahl spazieren tragen.

Naja, welches Motiv wird das wohl sein?

tshirtbild

Dritte Herausforderung: Schnitt und Co.

Lose sitzende Kleidung finde ich meistens schlecht. Der ständige Wechsel zwischen Berührung und Nichtberührung, oder eine ganz leichte Berührung, das treibt mich auf Dauer in den Wahnsinn. Allerdings ist es manchmal das kleinere Übel – im Sommer nämlich, wenn ich draußen sein muss. Dann ist mir weit und leicht, dafür lang, doch noch lieber, als mich direkt Sonne und Wind auszusetzen. Das bringt nämlich noch unangenehmere Gefühle.

Besonders wichtig ist mir, dass der Abschluss an den Ärmeln klar definiert ist. Ich muss spüren können, wo meine Kleidung aufhört.

Jawohl, ich bin ein Fan von langer, enger Unterwäsche. Dann habe ich nämlich mit der drüber getragenen Kleidung mehr Freiheiten. Ich habe schon öfter mal sehr enge Sweatshirts als Unterhemden zweckentfremdet. Leider wird mir aber schnell warm, dafür nicht kalt…

Kragen. Ein ewiges Theater. Steht was auf? Kann was aufstehen? Schlecht. Immerhin kann man einen Kragen, der ungewollt aufsteht und einen ungewünscht berührt mit einem kleinen Stich da befestigen, wo er hingehört. Rollkragen finde ich optisch toll, tragen kann ich sie auf keinen Fall. Zu viel Druck am Hals, ständig das Gefühl, zu ersticken.

Kleidungsstücke, die seitlich eng anliegen, finde ich auch schwer zu ertragen. Was liegt seitlich eng an? Eigentlich fast alles aus der Damenabteilung, das der weiblichen Anatomie nachempfunden ist. Ich kaufe meistens in der Männerabteilung ein. Trägt sich besser.

Hoodies, vor allem schwerere Hoodies, finde ich gut, obwohl ich die Kapuze nicht benutze. Sie macht einfach das Kleidungsstück nochmal etwas schwerer, das finde ich angenehm.


Nun gut… Ich kann jetzt also in einen Laden gehen und versuchen, einfarbige Kleidung aus nicht zu glattem Stoff mit vernünftigem Gewicht und passendem Kragen etc. zu bekommen.

Das dauert, kostet Nerven und meistens komme ich dann von einem wahnsinnig stressigen Tag mit ein oder zwei Stücken nach Hause.

Oder ich logge mich mal eben ein, fülle meinen Warenkorb, gehe zur Kasse, und lasse mir zwei Tage später einen Karton liefern. Zehn T-Shirts, zwei Hoodies, drei Sweatshirts, zwei Poloshirts, alles schwarz. Alles dieselbe Marke, die ich seit Jahren trage, die sich immer gleich anfühlt – auch über die einzelnen Varianten hinweg, also die Sweatshirts sind eben z. B. mit den T-Shirts identisch, außer, dass die Ärmel länger sind.

Damit ist der Schrank wieder voll, und ich hatte keinen Stress.

Und wenn sich meine Hosen auflösen, läuft es genauso. Einkauf derselben Marke, derselben Farbe, seit Jahren. Nach amerikanischen Maßen, sodass sich Länge und Weite beliebig kombinieren lassen. Ich bin ja eher klein, und habe schon deswegen anderweitig Schwierigkeiten beim Hosenkauf. Ebenfalls Männerschnitte. Sitzen besser und haben häufig auch größere Taschen.


Und wenn es aussieht, als würde ich „jeden Tag das gleiche“ tragen? Ist das noch dazu praktisch, weil ich nicht drüber nachdenken muss, was ich anziehe.

Vermessen

habe ich mich.

Bzw. nicht so wirklich… Aber angenommen, die Größe des Bilds sei in cm. angegeben.

Als es geliefert wurde, und ich die Größe des Pakets sah, schwante es mir schon…

Es waren Zoll…

Komplizierte Antworten

Wichtige Regel, muss man irgendwann lernen: Die Antwort sollte zur Frage passen. Dazu muss man zunächst den Kern der Frage erfassen, alle anderen Aspekte ignorieren und sich nur auf diesen Kern beziehen.

Allgemein meine ich, das gezielte Beantworten der gestellten Frage und nicht einer Alternativfrage sei ein eher autismusbezogenes Problem.

Dann passieren mir Gespräche wie dieses von gestern Vormittag.

Ich: „Ich möchte diesen Rahmen an eine Stelle hängen, an der es zu starken Temperaturschwankungen kommt: Direkt neben ein schlecht isoliertes Fenster. Wie groß ist das Risiko, dass sich das Holz schnell verzieht dabei?“

Antwort: „Wenn Sie einen Abstandhalter zwischen Rahmen und Wand anbringen, damit die Luft dahinter zirkulieren kann, besteht keine Gefahr von Schimmelbildung.“

Mir lag schon die Antwort auf der Zunge: „Wer ist hier Autist?!“

Nicht lustig…

…ist, wenn der Laden um die Ecke ein für mich… nun ja, nicht lebenswichtiges, aber doch zumindest für mein Wohlbefinden relevantes und massiv stressabbauendes Lebensmittel aus dem Sortiment nimmt.

Warum, zum Kuckuck? Es ist nichts ungewöhnliches, sie führen die Marke nach wie vor, sie haben nur diese eine Geschmacksrichtung nicht mehr. *seufz*.

Tja, dann werde ich wohl künftig meinen Wocheneinkauf, wenn ich in Bayern bin, in den großen Supermarkt in der nächsten Stadt verlegen müssen… ist ja albern, hier um die Ecke einkaufen, dann nochmal in die andere Stadt um einen einzigen Artikel zu holen…. kann ich gleich dort alles kaufen.

Und, nein, liebe Verkäuferin, Sie meinten es vielleicht nett, aber weder eine andere Geschmacksrichtung, noch eine andere Marke kommt in Frage. Exakt diese Sorte exakt dieser Marke ist seit ca. zwei Jahrzehnten einer meiner Top-Stresslöser.

Darf ich Papa aufwecken?

Oder, in den Worten des Mamageis: „[Name vom Mann] quietsch?“

Der häufigste Satz des heutigen Tages bisher, begonnen mit meiner Frage, als sie die Treppe raufkletterte, was sie da denn mache („Name vom Mann] quietsch!“) … worauf wir diese Pläne dann abgebrochen haben.

Mann ist heute Nacht bzw. in den frühen Morgenstunden einige 100 km mit dem Auto gefahren damit ich schlafen konnte … der darf schlafen, bis er aufwacht, da wird nicht gequietscht!

 

Vielen Dank für die Blumen

Ich mag ja keine Blumen.

Also – okay –,  die Aussage an sich ist so nicht 100% richtig. Ich mag Blumen schon, aber vornehmlich dann, wenn sie am unteren Ende mit dem Boden verbunden sind und oben weiterwachsen.

Der Sinn dahinter, Blumen abzuschneiden oder abzureißen und den Strauß zu verschenken erschließt sich mir nicht wirklich. Hier, ich hab dir was Hübsches mitgebracht, schau ihm beim Sterben zu. Ist das nicht komisch?

Der Mann ist auch kein Freund von Blumensträußen, außer wenn’s darum geht, jemandem was aufs Grab zu legen. (Da ist es dann auch wieder irgendwie passend…)

Nun ist es ja so, dass sich manche Paare immer mal wieder mit oder ohne Anlass Blumen schenken. Wäre für uns nichts. Wir machen uns aber auch gerne mal gegenseitig eine Freude. Für ihn gibt’s meistens ein Büchlein oder Zubehör fürs Reenactment, und für mich…

„Findest du das nicht komisch?“

Komisch, warum?

„Na, der schenkt dir Bilder von einem anderen Mann.“

Nö. Find ich nicht komisch.

Für mich gibt es „Atties“. Genau genommen Miniaturen.

Hier die letzten „Blumensträuße“, die ich bekommen habe…

blumen Haben übrigens Blumen gegenüber noch einige massive Vorteile: Sie brauchen kein Wasser, sie stinken nicht, niemand ist allergisch dagegen, man muss sie nicht wegwerfen und sie halten einfach länger!

Generalprobe

Dinge, die ich im Baumarkt o.ä. nicht brauche

– Männliche Verkäufer, die mich als weiblichen Kunden für blöd und unfähig halten oder sagen „Schicken Sie doch Ihren Mann.“

– Weibliche Verkäufer, die keine Ahnung von ihrer Arbeit haben, und die in Angstschweiß ausbrechen, wenn ich „komplizierte“ Fragen stelle. Gute Frau, du arbeitest in einem Elektrofachgeschäft, wenn ich frage „Wo finde ich die Kondensatoren?“ ist die Antwort nicht betretenes Schweigen sondern „Da drüben, zweiter Gang links.“ Danke vielmals, hätte ich die Zeit gehabt zu suchen, hätte ich nicht so blöd gefragt.

– Männliche Kunden, die meinen, mich beim Schalter- oder Steckdosenkauf beraten zu müssen.

Andersherum ist es mir (leider?) noch nie passiert.

*

Samstagvormittag, Baumarkt. Wir betreten die Lampenabteilung. Ich nehme meine Vergleichslampe (also das Leuchtmittel) aus der Tasche. Verkäufer stürmt auf uns zu, wirft einen Blick darauf was ich in der Hand halte, und redet auf den Mann ein (der eigentlich nur dabei ist um zu verhindern, dass ich irgendeinem Verkäufer an die Gurgel gehe oder zwischenrein mal ein unerzogenes Kind auf den Pott setze.)….
Erklärt ihm alles über diese Lampen, welche Wattzahlen das gibt, welche Farbtemperaturen, was man da sonst nehmen könnte, warum das eventuell besser wäre…

Der Mann lässt ihn ausreden. Nickt. Und sagt äußerst liebenswürdig: „Ich hab‘ kein Wort verstanden, und meine Frau hat nicht zugehört, also jetzt nochmal von vorne – und wenn jemand fragt sagen wir, das war die Generalprobe, ja?“