Die Belagerung von Burgos

Und es trug sich zu…

…dass Wellington auch nicht immer auf Anhieb gewann.

So geschehen in Burgos, im Jahr 1812.

Burgos war eine Festung in Nordspanien. Die Burg bereits damals noch nicht die Ruine, die sie heute ist. In der Tat wurde sie 1813 von den französischen Truppen in die Luft gejagt, als diese aus Burgos abzogen.

Nun befinden wir uns jedoch noch einige Monate vor diesem Zeitpunkt. Die Garnison in Burgos wird angeführt von Jean-Louis Dubreton, Brigadegeneral der Franzosen.

Wellington hatte gerade eine Reihe von erfolgreichen Aktionen hinter sich und die französischen Truppen aus mehreren Städten und Festungen vertrieben. Dubreton allerdings erwies sich als besonnenerer Stratege als seine Kollegen.

Portugal war zu dem Zeitpunkt bereits fest in den Händen der Alliierten, befreit von den Besatzern. Die Armee aus Portugiesen und Briten rückte dann weiter vor, durch Spanien Richtung Frankreich. Im Juli 1812 hatte Marschall Marmont Salamanca verloren. Im August zogen die Briten unter Jubel der Bevölkerung in Madrid ein. König Joseph (Napoleon Bonapartes Bruder) floh nach Valencia. Marschall Soult verließ mit seinen Truppen nun endlich Andalusien (nachdem er dem entsprechenden Befehl des „spanischen“ Königs Joseph zuvor nicht Folge geleistet hatte, und marschierte ebenfalls Richtung Osten. In dem Wissen, dass er ein Problem haben würde, wenn die beiden Teile der französischen Armee, die bei  Joseph waren, sich mit denen von Soult vereinen konnten, machte Wellington sich daran, seine Position zu sichern. Er ließ mehrere Divisionen unter „Daddy Hill“ in Madrid zurück, um die Hauptstadt zu verteidigen, und marschierte mit seinen Truppen nordwärts. Burgos war ein strategisches Ziel. Eine Einnahme der Stadt hätte Vorstöße weitere französischer Verstärkungen bzw. die Versorgung aus Richtung Norden gestört.

Im September brachte Wellington also seine Truppen in Stellung. Ein Infanterieangriff im großen Stil kam für ihn dieses Mal nicht in Frage. Er hatte im letzten Jahr gerade zwei Belagerungen zwar erfolgreich aber jeweils mit schweren Verlusten abgeschlossen.

Er wollte zunächst versuchen, auf anderem Weg einen Pfad in die Stadt freizumachen. Zu diesem Zweck gab es die „Military Artificers“, heute „Royal Engineers“, auch bezeichnet als „Sappers“; Sappeure haben Aufgaben wie Brücken bauen, Brücken sprengen, Belagerungsgräben ausheben, Annährungsgräben buddeln (also Gräben, in denen man an die Befestigungsanlagen rankommt), Mienen legen, Mienen in Annäherungsgräben legen um damit hoffentlich die Befestigungsanlagen in die Luft zu jagen… Leider war diese Truppe zu der Zeit in der britischen Armee eine ziemlich „stiefmütterlich“ behandelte, unterbesetzt und nicht ausreichend ausgestattet. Die Arbeiten selbst waren auch nicht besonders sicher, vor allem auch aufgrund der unzureichenden Ausrüstung. An der Belagerung beteiligt waren fünf Ingenieure und acht Sappeure. Einer aus jeder Gruppe fiel, ein Ingenieur und sieben weitere Sappeure endeten auf den Verwundetenlisten.

Die Verteidigung erfolgte in zwei Linien. Die äußere konnte Wellington am 19. September einnehmen, was jedoch mit hohen Verlusten unter den eingesetzten Brigaden einherging, da diese zu früh von den Verteidigern entdeckt wurden.

Die innere Verteidigungslinie nutzte die Anlagen der Burg. Im ersten Anlauf ließ Wellington hier also eine Mine unter der Mauer platzieren und zünden. Dies funktionierte so weit auch, die Mauer stürzte ein. Leider fand man bei der darauf folgenden Erstürmung heraus, dass es sich lediglich um eine alte Mauer handelte, die einer neueren Mauer vorgelagert war. Die eigentliche Verteidigungsanlage der Franzosen war noch intakt.

Der zweite Anlauf – Es war inzwischen Oktober – gestaltete sich schwerer, denn die Anstrengungen zur Vorbereitung der Erstürmung der Festung wurden entdeckt. Es sah nun so aus, dass die Briten tagsüber an ihren Vorbereitungen arbeiteten und die Franzosen diese des Nachts wieder zerstörten. Dennoch schafften sie es, am 4. Oktober eine neue Mine zu zünden und tatsächlich eine Bresche in die äußere Verteidigungsanlage zu schlagen. Der folgende Angriff brachte den Alliierten immerhin einen kleinen Stützpunkt nahe der Festung.

Das war Dubreton nun aber doch zu viel, und er startete am Folgetag einen Gegenangriff, schlug die Belagerer zurück, und nahm einen großen Teil ihrer Ausrüstung an sich. Diese Vorgehensweise behielt er nun erst mal bei, was die Arbeiten der Belagerer doch sehr störte. Zu allem Überfluss begann es nun auch noch, in Strömen zu regnen. In gefluteten Gräben kann man nur sehr schlecht mit Sprengstoff arbeiten, und so konnte auch erst zum 18. Oktober erneut eine Mine gezündet werden. Der folgende versuchte Sturm war jedoch nicht sehr erfolgreich, da die Verteidigung zu gut organisiert war, und den Angreifern auch so langsam die Munition ausging.

Da nun auch noch Verstärkungen für die Franzosen anrückten, musste Wellington sich mit seinen Truppen zurückziehen. Außerdem bedrohte inzwischen Soult auf dem Weg aus Andalusien die Stellung in Madrid, die spanischen Truppen verweigerten gerade die Hilfe, weil deren oberster Kommandant sich übergangen fühlte und schmollte, und die Franzosen nahmen eine strategisch wichtige Brücke ein.

Nachdem er am 21. Oktober so sauber abgezogen war, dass die Franzosen erst einen Tag später merkten, dass sie nicht mehr belagert wurden, wurde Wellington auf dem Weg in Richtung des Rests seiner Armee immer deutlicher klar, wie schlecht seine Position im Vergleich zu den sich immer mehr konsolidierenden Franzosen geworden war. Er erteilte daher Ende Oktober Befehl an Hill, Madrid aufzugeben.

Um sich an einer sicheren Position neu zu gruppieren und einen erneuten Vorstoß zu beginnen, bewegten sie sich sehr weit nach Westen und gaben dabei große Landstriche in Spanien auf, die danach erneut erobert werden mussten. Der Rückzug erwies sich als katastrophal. Die Versorgung war komplett zusammengebrochen, Hunger, Kälte, schlechtes Wetter und fehlende Ausrüstung führten zu zahlreichen Verlusten. Hätten die Franzosen hier realisiert, was vor sich ging, und eine volle Verfolgung angeordnet, hätten sie vermutlich einen großen Teil der Alliierten Armee vernichtend schlagen können, und die Geschichte wäre anders ausgegangen.

Wie es nun aber war, konnte Wellington seine Männer schließlich in gesicherter Position wieder sammeln und über den Winter zu Kräften kommen lassen. Die relativ kurzfristige Anwesenheit in Spanien 1812 war jedoch keineswegs umsonst gewesen. Vielmehr war es ein wichtiger Grundstein für die spätere Unterstützung in der spanischen Bevölkerung, als Wellington Spanien 1813 erneut einnahm. Die Briten, denen das Plündern und Vergewaltigen bei Todesstrafe verboten war, wurden dann als Befreier gesehen, entgegen der Französischen Besatzer, die sich nahmen, was sie wollten.

Burgos wurde in Juni 1813 endgültig eingenommen. Die Franzosen sorgten dabei für einen sehr effektvollen Abzug: Bevor sie gingen, jagten sie die Burg in die Luft: mit solcher Eile, dass sie nicht auf die Evakuierung ihrer eigenen Leute warteten. Um die Zweihundert Soldaten aus ihren eigenen Reihen starben in der Explosion.

Ich kenne doch meine Atties…

„Schau mal“, sagt sie. „Hier. Die Seite sagt zwar die sind schon verkauft, aber vielleicht kannst du rausfinden wo sie sind. Die wären doch was für dich.“

Sie zeigt mir diese Website.

„Die hab ich.“

„Jaaa“, sagt sie. „Warum überrascht mich das nicht?“ dann holt sie Luft. „Aber schau dir das Bild mal an. Die sehen doch so schön erhalten aus! Wie sind denn deine?“

„Das sind meine.“

„In dem Zustand?“

Will sie es nicht kapieren oder kann sie nicht?“ Ich besitze die beiden Figuren auf dem Foto. Dieselben.“

„Neeein.“ Schulmeisterlicher Tonfall. „Dieselben gibt’s nur einmal, du meinst die gleichen.“

Vor allen Dingen verdiene ich meine Brötchen damit, dass ich unter anderem den Unterschied zwischen denselben und den gleichen kenne. „Die. Sel. Ben.“

Pause.

„Du hast die von der Website gekauft?“

„Nein.“

„Woher willst du das dann wissen?“

Depp, denke ich mir. Ich kenne doch meine Figuren…

Aber wenn es denn so schwer ist… Hier sind meine Figuren…

Und hier die Schäden: Nelsons Strumpf mit abgeblätterter Farbe…

nelsonstrumpf

Und ein dunkler Fleck an Wellington’s Brust.

attyfleck

Beides ist an den Figuren auf der Seite zu sehen…

19th-century-pair-of-figures-of-admiral-lord-nelson-and-1st-duke-of-wellington

Und genau deswegen, übrigens, dokumentiert man in einer Sammlung alle Mängel, die ein Objekt hat, genau und mit Großaufnahmen. Kaum etwas ist individueller und hat größeren Wiedererkennungswert.

*

Nebenbei hatte ich den Wellington, schrecklich angestrichen und beschädigt, bereits ein Jahr vor dem Paar zu einem spottbilligen Preis bekommen (sonst hätte ich ihn in dem Zustand auch nicht genommen…)

attykaputt

Als der Restaurator, dem das Stück vorgestellt wurde, steif und fest behauptete, das sei der Originalanstrich, war für mich klar, dass dieser Auftrag nicht erteilt wird. Ich wusste damals zwar nicht, dass diese Figur tatsächlich im „richtigen“ Anstrich existiert (meine Vermutung wäre einfach Bronzefarben gewesen), aber welchem Gemälde die Skulptur nachempfunden war, wusste ich doch… auch wenn er in die „falsche“ Richtung blickt.

Küchenhelfer

Wellington und Wellington…

Neben dem Bett ist meiner Meinung nach die Küche ja ebenfalls tierfreie Zone. Wellington Wellensittich sieht das natürlich mal wieder anders.

Und ja, ich habe ein Geschirrtuch mit Herzog Wellington drauf.

Die Uniform trug der Herzog ja eigentlich nur für Portraits und selten, wenn es königlich angeordnet wurde. Man kannte ihn in blauer Jacke. Wie eben Wellington Wellensittich 😉

Wie Arthur sich bettet…

Ein paar kleine Auszüge zum Thema „Atty“ und „Bett“:

1.

Als der zweite Herzog mich durch Apsley House führte, zeigte er mir das Schlafzimmer seines Vaters. Man kann es kaum ein Zimmer nennen; es war eher ein Wandschrank. Der Schrank ist nun weg, aber ich fand die genaue Stelle, an der das Bett stand. […] Jeder, der auch nur im Geringsten größer war als der Herzog hätte sich nicht darauf ausstrecken können; es sah sehr unbequem aus. Das Kopfende des Betts stand in der Nähe der schmalen Tür, die noch immer auf einen kleinen Balkon mit direktem Zugang zum Garten hinausführt.

Original:
When the 2nd Duke showed me over Apsley House, he pointed out his father’s bedroom. It could hardly be dignified by the name of room; it was a closet. This closet is gone; but I found the precise spot where the bedstead stood. […]. Anyone, in the least taller than the Duke, could not have laid at full length upon it; it looked very uncomfortable: the head of the bed was close to the half-door, which still exists, outside which is a small balcony directly leading to the garden.
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, p. 80 et seq.

[Anmerkung: Apsley House war das Londoner Stadthaus der Herzogs Wellington, dessen obere Stockwerke noch heute von der Familie Wellesley bewohnt werden. Keller, Erdgeschoss und erster Stock sind nun ein Museum.]

2.

Das Schlafzimmer des Herzogs in Apsely House war, wie überall, nicht komfortabler als ein Zelt. Das Bett ist dasselbe, das er im Feld benutzte, und er verwendete eine deutsche Bettdecke statt englischer Laken, und er hatte keine Vorhänge. Das Bett war kaum breit genug, als dass sich seiner Gnaden hätten umdrehen könnten. Einer seiner Lebensgrundsätze war: „Wenn man darüber nachdenkt, sich im Bett umzudrehen, ist es an der Zeit, aufzustehen.“.

Original:
The Duke’s bed-chamber at Apsley House was here, as elsewhere, a mere tent. The bed is the same which he used in the battle-field, and the German quilt was used instead of English blankets, and there were no curtains: the bed was scarcely wide enough for his Grace to turn round, one of his homely maxims being that “when a man thinks of turning, it is time he were up.”
Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; p. 94 et seq.

[Anmerkung: In England war und ist es teils auch heute noch üblich, zwischen zwei dünnen Laken zu schlafen. Daunen-, Federbetten oder andere schwere Decken waren nicht üblich.

3.

Die Reise des Herzogs nach Russland dauerte genau drei Wochen. Er nahm sein eigenes Bett mit und verbrachte jede Nacht in einem Gasthof.

Original:
The Duke passed exactly three weeks on the journey to Russia. He took his bed with him and slept at an inn every night.
The Diary of Frances Lady Shelley, 1818 – 1873, edited by Richard Edgcumbe, p. 142.

4.

Take Up Your Bed, and Walk!!!

take-up
Karikatur von William Heath, veröffentlicht von Thomas McLean, 1.10.1829

„Während seiner Besuche in Walmer Castle ruht der Herzog immer auf dem Feldbett, das während des Kriegs auf der Halbinsel das Lager seiner Gnaden darstellte. Dieses geliebte Möbelstück wird regelmäßig zwischen Downing Street und Walmer Castle hin und her transportiert, wenn der Herzog letzteren Ort besucht.“

During the Duke’s temporary sojourn at Walmer Castle he invariable reposes on the camp bedstead which form’d his grace’s couch throught the Peninsular Campaigns – the highly prized article of furniture being regularly convey’d from DowningStreet to Walmer Castle when ever the Duke visits the later place

[Anmerkung: Wellington war zwar zweimal Premierminister, wohnte aber nie in Downing Street 10, sondern hatte dort nur seine Dienerschaft untergebracht. Insofern ist der Text also nicht korrekt. Walmer Castle war einer seiner drei Wohnsitze und der Ort, an dem er später verstarb. Sein geliebtes Feldbett ist dort heute noch zu sehen.]