2. Nacht: Der Kalte Baum bei Vohenstrauß

Ein paar Kilometer südwestlich der Ortschaft Vohenstrauß liegt der Einödhof Kaltenbaum. Benannt ist er nach einer dort wachsenden Steinlinde, dem „Kalten Baum“. Es heißt, er sei annähernd 800 Jahre alt – oder noch älter. Eine urkundliche Ersterwähnung gibt es angeblich aus dem 14. Jahrhundert. Betrachtet man die urkundlichen Erwähnungen allerdings genauer, stößt man auf Anderes. Der Baum diente eine Grenzmarkierung, wurde in Grenzstreitigkeiten gefällt und neu gepflanzt; verdorrte und wurde neu gepflanzt; sah nicht mehr schön aus und wurde neu gepflanzt. Aktuell setzt im die vorbeiführende Autobahn arg zu.

Der Name leitet sich wohl davon her, dass er an exponierte Stelle steht, und der kalte „Böhmische“ [Wind] hier besonders stark und oft pfeift.

Es gibt jedoch auch andere Erklärungen.

Eine etwa geht dahin, dass verwitwete Gräfin sich in einen eben aus dem Kreuzzug heimgekehrten Grafen verliebte. Er war zwar angetan, verweigerte jedoch die Beziehung, da die Dame bereits zwei Kinder aus erster Ehe hatte, und er nicht die Nachkommen eines anderen aufziehen wollte. Mit Zauberei entledigte sich die Frau ihrer Kinder, und nach deren Tod trafen sich Graf und Gräfin auf halber Strecke zwischen ihren Heimatorten.
Er forderte von ihr eine Erklärung für den Tod ihrer Kinder, und sie ließ sich dazu hinreißen, ihm die Wahrheit zu sagen – „Sie sind deinetwegen gestorben.“ Er richtete sie auf der Stelle mit seinem Schwert und be- oder ver-grub sie an Ort und Stelle. Dabei fiel ein Samenkorn, das sich während seiner Zeit im Heiligen Land in seiner Kleidung verfangen hatte, und dort noch immer wartete, mit in das Grab, verband sich mit dem kalten Herz der Mörderin und wuchs zum Kalten Baum.
Der fast ununterbrochene Wind, der den Baum umweht, ist der umgehende Geist der Frau.

Die Wilde Jagd geht hier insbesondere in den Rauhnächten besonders wild um. Hexen dürfen sich ihr anschließen, müssen jedoch darauf achten, nicht plötzlich selbst gejagt zu werden.

Vom kalten Baum nach Norden blickend sieht man den als „Elm“ bekannten Wald. Besonders dicht und dunkel, ist dieser Wald ebenso wie das direkte Umfeld des kalten Baums ein Bereich, der von der Bevölkerung weitestgehend gemieden wurde. Zu viele arme Seelen und Geister gingen hier um. Die Wilde Jagd bricht aus dem Elm zu ihrem Rundritt durch unsere Ecke der Oberpfalz auf. Ein schwarzer Pudel bewacht die Wege und verwehrt Wanderern nach Einbruch der Dunkelheit den Durchgang. Holzfräulein und Hoimänner, zwei Varianten der örtlichen Waldgeister, leben.

Es ranken sich so viele Sagen um diesen Baum, dass ich nicht versuchen werde, sie hier alle aufzuzählen. Besonders interessant finde ich jedoch diejenigen, die sich mit der Zukunft befassen. So soll die letzte Schlacht am Kalten Baum geschlagen werden; Er heißt, der Baum würde das Menschengeschlecht überdauern und den Aufstieg einer neuen, glücklichen Menschheit sehen.
In dem Zusammenhang ist eine andere Erklärung über den Ursprung des Kalten Baums von Interesse. In ihr kam ein Reisender aus dem Norden in einer Kutsche, vor die Ziegen gespannt waren. An seinem Hut steckte ein Ast. Den steckte er in den Boden, er schlug Wurzeln und es wuchs daraus der Kalte Baum.
Im weiteren Verlauf soll, wenn die letzte Schlacht geschlagen ist, ebenfalls aus Norden ein Paar kommen, sich unter dem Baum niederlassen und dort ihre Familie gründen. Ihre Nachkommen sollen sich von hier aus erneut über die Welt verbreiten.

Wer mit den Inhalten der Edda vertraut ist, wird die Grundzüge wiedererkennen.

Sollten wir etwa einen Ableger von Yggdrasil hier an der Autobahn stehen haben?

Zugegeben: Es wäre recht beeindruckend für den Zweig der Weltenesche, zu einer Linde heranzuwachsen. Natürlich würde ich mir aber niemals anmaßen, Yggdrasil seine genauen Fähigkeiten vorschreiben zu wollen.

Da ich keine eigenen Fotos habe und Wikipedia nichts hergibt… der Kalte Baum ist hier zu sehen:

http://www.panoramio.com/photo/23730657

http://www.panoramio.com/photo/23730682