8. Nacht: Der Feuerbröhl bei Weiden

Auch verwunschene Schätze gibt es in unserer Gegend

Ein Fußweg, der von Weiden nach Schirmitz führt, bringt den Wanderer an einen Tümpel – entstanden aus einem einstigen Arm der Waldnaab. Genannt wird er der „Feuerbröhl“, und an seiner tiefsten Stelle soll sich eine Eisentruhe verstecken, in der ein großer Schatz verborgen ist. Diese hat sich soweit noch allen Anstrengungen widersetzt, sie zu bergen.

Einst, so heißt es, begaben sich gut ausgerüstete Schatzsucher aus Weiden dorthin, um die Truhe zu heben. Sie blockierten den Zulauf und begannen, Wasser zu schöpfen, um den Tümpel zu leeren.

Zunächst fanden sie jedoch etwas ganz anderes: einen schwarzen Pudel nämlich, der aus dem Wasser kam. Auf dem Trockenen begann dieser zu wachsen, bis er sich schließlich auf eine Jungfer stürzte, die die Schatzsucher begleitete.

Zwar gelang es den Männern, das gespenstische Tier zu vertreiben, bevor es der jungen Frau körperlichen Schaden zufügte, doch ihr Geist hatte bereits gelitten. Sie sprach fortan kein Wort mehr.

Die Männer kehrten jedoch an ihre Aufgabe zurück, und nach langer, harter Arbeit – es war inzwischen Mitternacht – hatten sie es tatsächlich geschafft: ein eiserner Deckel erschien.

Gerade, als sie beginnen wollten, die Truhe herauszuwuchten, ertönte laut der Ruf „Feuer!“ in nächster Nähe.

Ganz automatisch sprangen sie alle aus dem Tümpel, um die Quelle des Rufs zu suchen. Zu sehen war niemand – auch keine Flammen und kein Rauch. Als sie sich jedoch verwirrt umdrehten, mussten sie entdecken, dass ihr Werk zunichte gemacht war: der Tümpel war bereits wieder randvoll gefüllt.

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Heute lässt sich im bzw. am Feuerbröhl übrigens noch ein ganz anderer Schatz finden: Es gibt dort nämlich ein Geocache, das unter dem Routennamen „Der Schatz am Feuerbröhl“ zu finden ist.

3. Nacht: Die Drud

Die Drud ist ein Wesen, das in der Oberpfalz im Volksglauben einst weit und umfassend verbreitet war. In christlicher Zeit ging die Erklärung dahin, es sei eine Folge einer inkorrekt durchgeführten Taufe.

Bei der Oberpfälzer Drud gibt es ein paar kleine Besonderheiten: Andernorts sind sie häufig mit Hexen vermischt und werden als inhärent Böse dargestellt. Unsere Drud geht zwar nachts „drucken“, tut dies aber aus einem Zwang und gegen den eigenen Willen. Sie wünscht in der Regel die Erlösung von diesem Zustand.

Sie hat in der Regel die Fähigkeit des Gestaltwandels, kann im Dunkeln sehen und hört alles, was über sie gesprochen wird, egal wo und von wem, sofern der Ausspruch nicht mit einer bestimmten Formel begleitet wird.

Die männliche Drud bezeichnet man als Druderer. Dieser neigt dazu, nachts auf Dächer und andere hohe Stellen zu klettern. Wird er angesprochen, fällt er tot herunter.

Die Drud hingegen lässt bei ihren nächtlichen Ausflügen ihren Körper zurück und bewegt sich als Geistwesen.

Das „drucken“ stellt man sich dahingehend vor, dass die Drud sich nachts auf die Brust des schlafenden setzt und ihm das Atmen schwer macht sowie Alpträume verursacht. Sie hat insofern Ähnlichkeit mit dem Nachtmahr. Besonders leicht findet sie zum drucken Menschen, die „ihr Geld mit ins Bett nehmen“ oder nachts das Licht brennen lassen.

Vermutet man, eine Drud im Umfeld zu haben, sollte man sie mit diesem Verdacht keineswegs konfrontieren. Man darf nämlich nicht vergessen: Die Drud kann nichts für ihren Zustand. Sie wurde nicht durch eigene Schuld, nicht durch Dämonenpakt oder durch eigene Bosheit so, sondern durch den Fehler anderer. Daher ist sie relativ leicht zu erlösen – leider mit Nebenwirkung. Wirft man also einer Drud vor, eine ebensolche zu sein, oder spricht man sie auch nur darauf an, ist diese fortan frei, doch der Drudenzustand geht direkt auf den anderen über.

Es gibt natürlich zahlreiche Mittel, um den Besuch einer Drud zu verhindern. Eine Möglichkeit etwa wäre es, ein Messer mit der Schneide nach oben in die Tür zu stecken. Der Drudenfuß an der Tür oder am Bett ist ebenfalls ein probates Schutzmittel, und auch schlafen auf der rechten Seite soll helfen.

Hat man auf seinen Schutz vergessen, oder hat die Drud dennoch Zugang zum Schlafzimmer gefunden, ist es vielleicht am besten, sich einfach auf ein paar unangenehme Nächte einzustellen. Die Drud mag zwar, wenn sie keine Menschen zum drucken findet, durchaus den Tod kleinerer Tiere verursachen, und das Drucken mag auch bei Säuglingen durchaus tödlichen Ausgang finden, einem Erwachsenen kann sie jedoch neben dem nächtlichen Schrecken keinen weiteren Schaden zufügen. Sie kommt neun Nächte in Folge, und wird den Gedruckten danach in Ruhe lassen.

2. Nacht: Der Kalte Baum bei Vohenstrauß

Ein paar Kilometer südwestlich der Ortschaft Vohenstrauß liegt der Einödhof Kaltenbaum. Benannt ist er nach einer dort wachsenden Steinlinde, dem „Kalten Baum“. Es heißt, er sei annähernd 800 Jahre alt – oder noch älter. Eine urkundliche Ersterwähnung gibt es angeblich aus dem 14. Jahrhundert. Betrachtet man die urkundlichen Erwähnungen allerdings genauer, stößt man auf Anderes. Der Baum diente eine Grenzmarkierung, wurde in Grenzstreitigkeiten gefällt und neu gepflanzt; verdorrte und wurde neu gepflanzt; sah nicht mehr schön aus und wurde neu gepflanzt. Aktuell setzt im die vorbeiführende Autobahn arg zu.

Der Name leitet sich wohl davon her, dass er an exponierte Stelle steht, und der kalte „Böhmische“ [Wind] hier besonders stark und oft pfeift.

Es gibt jedoch auch andere Erklärungen.

Eine etwa geht dahin, dass verwitwete Gräfin sich in einen eben aus dem Kreuzzug heimgekehrten Grafen verliebte. Er war zwar angetan, verweigerte jedoch die Beziehung, da die Dame bereits zwei Kinder aus erster Ehe hatte, und er nicht die Nachkommen eines anderen aufziehen wollte. Mit Zauberei entledigte sich die Frau ihrer Kinder, und nach deren Tod trafen sich Graf und Gräfin auf halber Strecke zwischen ihren Heimatorten.
Er forderte von ihr eine Erklärung für den Tod ihrer Kinder, und sie ließ sich dazu hinreißen, ihm die Wahrheit zu sagen – „Sie sind deinetwegen gestorben.“ Er richtete sie auf der Stelle mit seinem Schwert und be- oder ver-grub sie an Ort und Stelle. Dabei fiel ein Samenkorn, das sich während seiner Zeit im Heiligen Land in seiner Kleidung verfangen hatte, und dort noch immer wartete, mit in das Grab, verband sich mit dem kalten Herz der Mörderin und wuchs zum Kalten Baum.
Der fast ununterbrochene Wind, der den Baum umweht, ist der umgehende Geist der Frau.

Die Wilde Jagd geht hier insbesondere in den Rauhnächten besonders wild um. Hexen dürfen sich ihr anschließen, müssen jedoch darauf achten, nicht plötzlich selbst gejagt zu werden.

Vom kalten Baum nach Norden blickend sieht man den als „Elm“ bekannten Wald. Besonders dicht und dunkel, ist dieser Wald ebenso wie das direkte Umfeld des kalten Baums ein Bereich, der von der Bevölkerung weitestgehend gemieden wurde. Zu viele arme Seelen und Geister gingen hier um. Die Wilde Jagd bricht aus dem Elm zu ihrem Rundritt durch unsere Ecke der Oberpfalz auf. Ein schwarzer Pudel bewacht die Wege und verwehrt Wanderern nach Einbruch der Dunkelheit den Durchgang. Holzfräulein und Hoimänner, zwei Varianten der örtlichen Waldgeister, leben.

Es ranken sich so viele Sagen um diesen Baum, dass ich nicht versuchen werde, sie hier alle aufzuzählen. Besonders interessant finde ich jedoch diejenigen, die sich mit der Zukunft befassen. So soll die letzte Schlacht am Kalten Baum geschlagen werden; Er heißt, der Baum würde das Menschengeschlecht überdauern und den Aufstieg einer neuen, glücklichen Menschheit sehen.
In dem Zusammenhang ist eine andere Erklärung über den Ursprung des Kalten Baums von Interesse. In ihr kam ein Reisender aus dem Norden in einer Kutsche, vor die Ziegen gespannt waren. An seinem Hut steckte ein Ast. Den steckte er in den Boden, er schlug Wurzeln und es wuchs daraus der Kalte Baum.
Im weiteren Verlauf soll, wenn die letzte Schlacht geschlagen ist, ebenfalls aus Norden ein Paar kommen, sich unter dem Baum niederlassen und dort ihre Familie gründen. Ihre Nachkommen sollen sich von hier aus erneut über die Welt verbreiten.

Wer mit den Inhalten der Edda vertraut ist, wird die Grundzüge wiedererkennen.

Sollten wir etwa einen Ableger von Yggdrasil hier an der Autobahn stehen haben?

Zugegeben: Es wäre recht beeindruckend für den Zweig der Weltenesche, zu einer Linde heranzuwachsen. Natürlich würde ich mir aber niemals anmaßen, Yggdrasil seine genauen Fähigkeiten vorschreiben zu wollen.

Da ich keine eigenen Fotos habe und Wikipedia nichts hergibt… der Kalte Baum ist hier zu sehen:

http://www.panoramio.com/photo/23730657

http://www.panoramio.com/photo/23730682