Und irgendwo sitzt ein kleiner Sprachwissenschaftler in der Ecke und weint: Wenn der Deutsche aufgrund der englischen Sprachregeln Sonderwünsche an seine Sprache stellt

Ich habe heute Morgen versprochen, noch etwas zum Thema „Formulierung Autist vs. Mensch mit Autismus“ zu schreiben.

Dem komme ich dann hiermit nach.

Ich gehe das jetzt mal nicht aus meinem persönlichen Empfinden heraus an, sondern aus der Sicht des Sprachwissenschaftlers.

Wir wissen, es gibt in jeder Sprache Regeln.

Es gibt Regeln dafür, wie neue Wörter zu bilden sind.

Es gibt Regeln dafür, wie man Wörter voneinander ableitet.

Grundsätzlich wird im Deutschen das Konzept „Mensch, der etwas tut“ durch Anfügen des Suffix (der Nachsilbe) „-er“ an den Wortstamm gebildet.

Ein Mensch, der lehrt, ist etwa ein Lehr-er.

Ein Mensch, der läuft, ist ein Läuf-er.

Ein Mensch, der bäckt, ist ein Bäck-er.

Ein Mensch, der Briefe austrägt, ist ein Brief-träg-er.

Und ein Mensch, der auf dem Bau arbeitet, ist ein Bau-arbeit-er

(Ein paar spezielle Ausnahmen gibt es, denn ein Kocher ist eben gerade nicht der Mensch, sondern eher das Ding, mit dem der Koch arbeitet… da wird es dann gerade etwas komplizierter aber nicht minder spannend. Bleiben wir mal bei der Grundregel.)

Ein Deutsch-er kann dasselbe aber auch mit Adjektiven machen.

Ein Mensch, der weise ist, ist ein Weis-er.

Ein Mensch, der groß ist, ist ein Groß-er.

Ein Mensch, der dünn ist, ist ein Dünn-er.

Ein Deutsch-er kann auch von anderen Substantiven ableiten.

Ein Mensch, der mit Technik zu tun hat, ist ein Technik-er

Ein Mensch, der Chemie betreibt, ist ein Chemi-k-er (das -k- als bindender Buchstabe, denn „Chemier“ könnte man nicht wirklich aussprechen; gibt es je nach Buchstabenkombination auch mit ‑l-).

Ein Mensch, der Medizin betreibt mit ein Medizin-er.

Das ist mal die Grundregel. Es gibt nun Sonderfälle, bei denen die Ableitungen anders gebildet werden. Den Hintergrund kann ich gerne auf Wunsch erklären, hier werde ich mich aus Platzgründen mal darauf beschränken, festzustellen, dass es so ist.

Ein Mensch, der sich mit einer -logie befasst etwa, ist kein -loger, sondern nur ein -loge: Psychologe, Astrologe, Urologe.

Ein Mensch, der sich hingegen mit einer -nomie befasst, ist ein -nom: Astronom, Gastronom, Ökonom…

Und wird der Mensch von einer -istik oder einem -ismus abgeleitet (wie und warum diese beiden Suffixe zusammenhängen, kann ich auf Wunsch auch erklären, sprengt mir hier ebenfalls den Rahmen) – dann ist er ein -ist.

Linguistik => Linguist (das ist der Sprachwissenschaft-l-er… also der Nervtöt-er, der hier gerade diesen Artikel verfasst).

Autismus => Autist (siehe Anmerkung in Klammern im direkt vorhergehenden Absatz).

 

Tl;dr: Im Deutschen kann man durch ein an einen Wortstamm angehängtes Suffix ausdrücken, dass man sich auf einen Menschen bezieht, auf den eine bestimmte Eigenschaft/ein Konzept/etc. zutrifft.


So, jetzt hatten wir das Deutsche.

Jetzt gehen wir mal ins Englische.

Das Englische hat ebenfalls Ableitungsregeln, an die sich die Sprache zu halten hat.

Also: Die englische Sprache. Der deutschen Sprache können die englischen Sprachregeln getrost am Allerwertesten vorbei…ihr wisst schon.

In der Regel ist es so: Ein Mensch, der etwas tut – von einem Verb abgeleitet – ist im Englischen erst mal ein -er, wie im Deutschen.

to teach (lehren) wird zum teach-er (Lehrer).

to run (laufen) wird zum run-n-er (Läufer; das zweite n hat seinen Ursprung in den Ausspracheregeln).

to sleep (schlafen) wird zum sleep-er (Schläfer).

Der cook macht übrigens im Englischen den gleichen Scheiß, wie der deutsche Koch, und aus demselben Grund, der nicht minder spannend ist, aber kein bisschen mehr hier hingehört.

Das Englische kann das Ganze auch mit Substantiven.

Der Mensch, der sich mit der philosophy befasst, ist ein philosoph-er.

Der Mensch, der sich mit geography befasst, ist ein geograph-er.

Der Mensch, der sich mit astronomy befasst, ist ein astronom-er.

(Ihr sehr schon, die Regeln unterscheiden sich leicht vom Deutschen)

Auch im Englischen haben wir nun wieder ein paar alternative Suffixe je nach Ausgangswort:

Der sich mit einer –ology befasst, wird ein –ist: psychologist, biologist, geologist.

Aus den –istics (eine Untergruppe der Wissenschaften) kann ich mir ebenfalls den -ist ableiten – linguistics > linguist. (Das ist wieder der hier vorliegende Klugscheiß-er)

So, jetzt wird’s lustig.

Wenn ich als Ausgangswort einen –ism habe…

… dann kann ich davon im Englischen keinen Menschen ableiten. Der -ism sieht zwar dem deutschen ‑ismus zunächst verdammt ähnlich, aber es ist halt doch nicht dasselbe.

Der Englische –ism ist selbst bereits eine Ableitung. Es kommt nicht der „protestant“ vom „protestantism„, sondern der „protestantism“ vom „protestant.“ Woran erkenne ich das? Ganz einfach… weil der eine deutlich mehr Suffixe am Stück hat, als der andere…

Ebenso stand nicht der heroism (Heldenhaftigkeit) dem hero (Held) Pate, sondern andersherum.

So, jetzt wird’s blöd… denn jetzt hat unser hier vorliegender Klugscheiß-er ein Problem, wäre er doch gerne auch ein aut—Scheißt drauf, dann halt person with autism.

Ja aber… wo kommt denn nun eigentlich dieses autism her? Eben habe ich noch gesagt, der –ism ist bereits abgeleitet, also müssten wir doch nur zum Ausgangswort zurück, nicht wahr? Von dort können wir ja unseren Menschen ableiten.

Jetzt zeigt sich das Englische in seiner ganzen Boshaftigkeit…

Tl;dr: Prinzipiell geht das im Englischen meistens auch. Aber nur meistens.


Wer aufgepasst hat, wird es gemerkt haben.

Im Deutschen habe ich von Verben, Adjektiven und Substantiven abgeleitet.

Im Englischen habe ich nur von Verben und Substantiven abgeleitet.

Das liegt nicht etwa daran, dass ich die Adjektive vergessen hätte…

Das Englische ist nach seinem Regelsatz nicht in der Lage, von einem Adjektiv eine Form abzuleiten, die durch ihr Suffix impliziert „Mensch, auf den dieses Adjektiv zutrifft.“

Ich kann im Englischen aus „tall“ (groß) keinen „tall-er“ machen – das heißt nicht „Großer“ sondern „größer (als…)“. Auch keinen tallist. Das ist einfach nur Schwachsinn.

Ich kann zu meinem kleinen Bruder auf Englisch nicht „littl-er“ sagen. Ich kann den dunkelhäutigen Menschen nicht als „black-er“ bezeichnen.

Es gäbe keinen Sinn. Es gibt diese Ableitung nicht. Sie ist nicht vorgesehen.

Das gilt auch, wenn das Adjektiv auf –istic endet. Die sind übrigens, wie die „-ism„-Substantive, auch schon irgendwo abgeleitet. Von „autistic“ kann ich also schon aus zwei Gründen keine Person ableiten: a.) es ist ein Adjektiv, b.) es ist selbst schon abgeleitet.

Ja, aber wovon? WOVON? Was ist die Wurzel?

Das ist jetzt etwas unangenehm für das Englische. Die gibt es nicht!

Wie kann das sein?

Ganz einfach… Das Wort „autism“ wurde als Fremdwort in dieser Form eingeführt. Damals, vor 100 Jahren. Das ist kein Englisch gewachsenes Wort, und deswegen kam auch nicht gleich die ganze Familie mit.

Blöd ist das… für den autism, und aber auch für den… die autistic person.

Tl;dr: Englisch kann ein ziemliches Arschloch sein. Es klaut Wörter und nimmt nur die Hälfte mit. Konsequenzen bleiben nicht aus.


Nun haben wir gerade gelernt, das Englische könne sich nicht vom Adjektiv ein Nomen erschließen, in dem die Bedeutung „Mensch auf den X zutrifft“ impliziert ist.

Wird nun versucht, das zu umgehen, indem man den Menschen einfach nur mit dem Adjektiv bezeichnet, so führt das verständlicherweise nicht gerade zu Freude. Man wurde soeben zu einem Adjektiv reduziert. Ein Adjektiv alleine ist ein Bezeichner ohne Bezeichnetes. Ein Adjektiv alleine ist quasi gar nichts. Auf jeden Fall keine Person.

Und nun ist es so, dass es im Englischen eine durchaus gängige, jedoch extrem unhöfliche, sehr ruppige und respektlose Form der Anrede darstellt, eine Person mit einem Adjektiv zu bezeichnen.

Der Rothaarige könnte etwa als „Red“ angesprochen werden, womit der Sprecher impliziert, dass er es nicht wert ist, beim Namen genannt zu werden, dass das einzig relevante an ihm dieses eine herausstechende Merkmal ist.

Stellt euch mal vor, ihr würdet im Deutschen jemanden ansprechen mit: „He! Du, Blond!“ Auf die Idee käme ja keiner. Exakt das ist im Englischen aber … naja, zwar extrem unhöflich, aber rein sprachlich zulässig.

Es wird verständlich sein, dass man im Englischen keine große Lust haben wird, sich etwa als „Autistic“ bezeichnen zu lassen.

Tl;dr: Englisch ist hervorragend dazu geeignet, Leute mit Adjektiven zu beleidigen.


Da wir nun also unser Gegenüber nicht beleidigen wollen, stellen wir sicher, dass wir die Reduzierung auf das Adjektiv vermeiden. Also brauchen wir ein Bezeichnetes zu unserem Bezeichner („großer Mensch“: groß = Bezeichner; Mensch = Bezeichnetes).

Wir sagen also: tall person; wise man (Achtung, nicht wise guy, das sieht zwar auf den ersten Blick richtig aus, ist aber schon wieder der Klugscheiß-er); disabled per—ach, das ist jetzt aber etwas blöd…

Wer Englisch kann, wird es gerade vielleicht gemerkt haben: Das Wort „disabled“ bedeutet in seiner eigentlichen Grundbedeutung nicht „behindert“.

Wörtlich übersetzt wäre eine „disabled person“ erst mal ein außer Funktion gesetzter, deaktivierter, ausgeschalteter, untauglicher Mensch.

Ist nicht gemeint?

Ist klar, aber das ändert nichts daran, dass das Wort „disabled“ für den englischen Muttersprachler eben diesen Beigeschmack niemals verlieren wird.

Deshalb regt man sich als englischsprachiger Behindert-er darüber auch nicht ganz zu Unrecht auf.

Dafür hat das Englische aber nun dank der Funktion seiner Sprache nur eine Lösung:

People first. Menschen zuerst.

Sage ich nicht „disabled person“ sondern „person with disability“ kann ich dieses Problem umgehen.

Das steckt als Grundprinzip hinter dem Aufruf „People first„.

Da sich viele Leute nicht besonders viel mit der Sprache beschäftigen, sondern lieber mal gleich vorbeugend mitschimpfen wollen, hätten dann andere Gruppen auch gerne „people-first-„Sprache gehabt. Was auch an sich kein Problem ist – im Englischen. Denn die vorher verwendete Konstruktion für das Adjektiv, welches auch immer es gerade war, war ja ohnehin schon nur eine Verlegenheitslösung.

Tl;dr: Das Englische hat in der Tat einen Grund vorzuweisen, warum die Nennung des Personen-Substantives an erster Stelle nicht so albern ist, wie es zunächst den Anschein hat.


Jetzt habe ich viel, lange und ausdauernd über das Englische erzählt. Warum machen wir diesen Schmarren, wie man bei uns sagt, nun aber im Deutschen? Warum wollen manche Leute „Mensch mit Autismus, obwohl – siehe oben – der Aut-ist doch die Person – anders als im Englischen – implizieren kann, viel kürzer und ökonomischer ist…?

Die Lösung ist hier ebenso einfach wie blöd:

Wenn es aus Amerika kommt, ist es gut.

Wenn es im Internet steht, ist es gut.

Wenn es im Internet steht und Englisch ist, übersetzen wir es mal Wort für Wort ins Deutsche und verbreiten es weiter.

Wenn es auf Deutsch im Internet steht, ist es gut.

Wenn ich den Deppen erwische, der die „Geheimtipps“ für den amerikanischen Straßenverkehr ins Deutsche übersetzt und quer über Facebook verteilt hat, und damit –zig leichtgläubigen Leuten der Marke „Wenn’s im Internet steht, wir des schon stimmen“ eine Anleitung zum Brechen der deutschen Straßenverkehrsordnung in 12 Punkten gegeben hat, hagelt es Werke der vergleichenden Rechtswissenschaft.

Weil gut meinende aber nicht besonders gut mitdenkenden Menschen die englischen Artikel, Facebook-Beiträge u. ä. – mal in Handarbeit und mal mit Google Translator – ins Deutsche bringen und weiterverteilen, kommt zahlreichen Menschen gar nicht erst der Gedanke, dass die Aussage inhaltlich für die deutsche Sprache kompletter Bullshit (Ausscheidung eines männlichen Paarhufers mit nur geringer Relevanz für den vorliegenden Sachverhalt) ist. Steht da ja auf Deutsch. Wird schon stimmen.

Kann man sich ein bisschen echauffieren.

Das Einzige, was der „Mensch mit Autismus“ im Deutschen macht, ist, öffentlich kundzugeben, dass er keine Ahnung hat, wie seine Sprache funktioniert, und außerdem bei Internetquellen die Herkunft nicht prüft.

Leider, leider ist diese Sorte Internetbenutz-er nicht besonders selten, dafür aber gleich ganz besonders laut.

Viele Menschen tendieren dann auch gleich dazu, Lautstärke mit Qualität gleichzusetzen.

Das, liebe Les-er, ist ein Trugschluss.

Tl;dr: Wenn es für die englische Sprache sinnvoll ist, kann es für die deutsche Sprache immer noch komplett unnötig sein, stellenweise albern.


Kann doch nicht so tragisch sein, Deutsch, Englisch, alles Sprachen, muss doch gehen…

Dann versucht bitte mal, mit der Anleitung von eurem alten Backofen eure neue Waschmaschine zu bedienen.

Sind beides Elektrogeräte. Muss doch gehen.


Und wer nun soweit gelesen hat, dem sage ich nun, als sprachwissenschaftlich vorbelasteter Aut-ist (und warum das an dieser Stelle trotz XX-Chromosom nicht Aut-ist-in heißt ist eine andere Geschichte und soll, falls gewünscht, ein Andermal erklärt werden):

Vielen Dank für die geschätzte Aufmerksamkeit!

 

Tl;dr bedeutet übrigens „Too long; didn’t read“ und weist u. a. (und in diesem Fall) auf eine knappe Zusammenfassung der Kernaussage des vorhergehenden Abschnitts hin, falls dieser zu lang zu lesen ist…

 

 

Markus Heitz: Wédōra – Staub und Blut

Markus Heitz ist ein deutscher Fantasyautor; erstmalig fiel er mir auf weil mir beim Durchblättern eines seiner in unserer Jetztzeit spielenden Fantasybücher der sehr gute Umgang mit der deutschen Sprache auffiel. Deutsch ist wirklich nicht einfach zu schreiben, v.a. wenn es spannend und nicht langatmig oder schwer zu lesen sein soll.

Ich finde nicht alle seine Werke gut, und definitiv manche besser als andere. Zumindest mal probieren möchte ich seine Serien aber schon.

So hielt kürzlich „Wédōra – Staub und Blut“ bei mir Einzug-

wedora

Der Klappentext:

Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédōra.
Sämtliche Handelswege der fünfzehn Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier, Karawanen und Kaufleute finden Wasser und Schutz. Hierin verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija.  Die beiden kommen zum ungünstigsten Zeitpunkt in die Stadt, steht Wédōra doch kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die geheimnisvollen Stämme der Wüste rufen zum Sturm auf die mächtige Stadt. Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für alle Seiten kriegsentscheidend sein können.

Punkt 1:
Der Klappentext ist irreführend, und das mag ich nicht.

Klar, es „verschlägt“ die beiden in die Stadt – sie werden von einem Hexer dorthin gezaubert, aus ihrer Welt in eine andere.

Da haben wir schon das erste Problem. Heitz jongliert nicht eine, sondern zwei neue Welten gleichzeitig. Nun könnte man das natürlich nutzen, um dem Publikum die eine oder die andere oder sogar beide durch die Augen der Figuren, die sich aus ihrer gewöhnlichen Umgebung gerissen sehen, aus deren Reaktionen vorzustellen. Leider lässt er zahlreiche Gelegenheiten dazu ungenutzt.

Die Welt von Wédōra wird am besten beschrieben und erklärt durch die „Meta“-Inhalte – abgedruckte Seiten aus Geschichts-und Textbüchern aus der Welt, die zwischen die Kapitel eingefügt sind. Diese Vorgehensweise gefällt mir sehr gut, aber ich hätte gerne mehr solche Informationen auch im Haupttext gefunden. Bis zuletzt bin ich mir nicht sicher, wie lang ein Mâne ist. Vorne im Buch heißt es „vier volle Monde“ – das wären vier Wochen. Im Text wiederum werden „sieben Sonnen“ (sieben Tage) mit „einem Mâne“ gleichgesetzt. Ob es nun vorne oder im Text ein Fehler ist… Das müsste man sich irgendwie hintenrum quer erschließen.

A propos Mâne… praktischerweise sprechen die beiden in der andere Welt Gestrandeten ausgerechnet die örtlich übliche Sprache! Mit Ausnahme einiger weniger Wörter, wie etwa denen für „Jahr“ und eben einen anderen Zeitraum. Ansonsten gibt es keinerlei Verständigungsprobleme! Wahrlich erstaunlich, bedenkt man, wie sehr sich alleine Mundarten schon von Ort zu Ort unterscheiden können, und dass eine der Figuren kaum lesen und schreiben kann, und daher mit einer Schriftsprache/Standardsprache wenig vertraut sein dürfte

Die Welt von Wédōra ist durchaus interessant. Ich denke, sie hat sehr großes Potenzial. Leider nutzt der Autor dieses kaum.

Ein Problem, das ich mit Heitz‘ neueren Büchern habe ist, dass in ihnen einfach alles zu viel wird. Es ist, als wollte er jede Idee, die er hat, in das Buch packen. Jede. Einzelne. Es ist zu viel. Manchmal wäre weniger mehr, und hier ist es definitiv der Fall.

Immer wieder schaltet er nach „Walfor“, in die Herkunftswelt der beiden zurück. Zu den Figuren dort kann man kaum eine Leserbeziehung aufbauen, da man so gut wie nichts über sie erfährt. Es bleibt Handlung mit im Grund unbekannten, austauschbaren Figuren. Da der Leser darüberhinaus die „Lösung aus diesem Teil der Geschichte bereits kennt, empfand ich diese Kapitel als langweilig.

In Wédōra laufen mehrere Handlungsstränge parallel. Ähnlich der unendlichen Geschichte führt alles Mögliche zu weiteren Abzweigungen, und ähnlich wie in der unendlichen Geschichte werden diese nicht weiterverfolgt. Hier allerdings dient das nicht dem Buchaufbau, und liest sich einfach nur schlampig. Man hat das Gefühl, wenn man das Buch zuklappt, hängen überall lose Handlungsstränge zwischen den Seiten hervor. So ein bisschen wie herausquellende Gedärme… und für den Roman genauso tödlich!

Vielleicht hat er ja vor, diese in Nachfolgebänden abzuarbeiten. Dann wäre es meines Erachtens dennoch besser gewesen, sie nicht alle in diesem Buch bereits einzuführen.

Weiterhin gibt es Handlungsstränge, die zwar abgeschlossen sind, aber zur Haupthandlung nichts beitragen und nur Seiten fressen. Das ist schade, denn davon würden mindestens zwei locker jeweils ein eigenes Buch abgeben, wenn sie komplett ausformuliert wären und nicht hopplahopp abgearbeitet würden.

Viele Geheimnisse und Mysterien werden erwähnt, angedeutet, angeschnitten – und bleiben dann angeschnitten liegen. Herr Heitz schreibt im Schlusswort, die Welt sei ursprünglich zum Rollenspielen entworfen worden. Mag sein, dass diese ganzen Mysterien Startpunkte für Quests oder Abenteuer hätten werden sollen… aber nochmal: Sie alle in ein Buch zu quetschen ist zu viel.

Die Hauptfiguren haben beide Vergangenheit, viel wird angedeutet, nichts wird aufgelöst. Es ist nicht zufriedenstellend. Zum einen erfährt man Details, die so oft erwähnt werden, dass man davon ausgehen muss, sie würden nochmal relevant – Liothans alte Verletzung etwa – nur um dann festzustellen: Es ist für die Story absolute irrelevant. Alles in Allem habe ich nicht das Gefühl, die Protagonisten kennengelernt zu haben. Es sind eher generische Figuren, komplett mit ungewöhnlicher Augenfarbe und „Fluch“, und einem großen gedachten Schild über ihren Köpfen: „Diese Figur hat eine Vergangenheit und ist interessant“. Leider lügt das Schild.

Schließlich, noch ein Punkt von „zuviel des Guten“: Herr Heitz hat sich anscheinend in die Diakritika verliebt.
Was sind Diakritika (Einzahl: Diakritikon)?
Der Fliegendreck auf und unter den Buchstaben!
Wédōra – das Dings auf dem é und das Dings auf dem ō.
Das Strichelchen auf dem o heißt übrigens Makron und die Punkte auf dem ä, ö und ü im deutschen sind keine echten Diaktritika.
Äh, ja… Diaktritika also….
Die verteilt Herr Heitz großzügig quer über alle möglichen Namen. Dazu verwendet er Buchstabenkombinationen, die für unterschiedliche Sprachen typisch sind, gemischt. Wenn er die Welt damit fremder erscheinen lassen will – Glückwunsch, es funktioniert nicht. Es nervt nur unheimlich beim Lesen, wenn sich das Hirn nicht entscheiden kann, wie es das nun beim mentalen vorlesen aussprechen soll. Einen Ausspracheleitfaden hat der Autor leider nicht beigelegt. Hat Tomeija nun ein niederländisches „ij“, ein deutsches „ei“+j, ein Spanisches „j“? Wir werden es nie rausfinden. Und ihr Beruf? Die Ordnungshüterin ist eine „Scīrgerēfa“. Nein, auch die Diakritika können nicht drüber weg täuschen, dass er da einen Sherriff ausgenommen und verstümmelt hat.

Wie erwähnt, mir fiel Heitz erstmals wegen der guten Verwendung der deutschen Sprache auf. Davon sieht man in diesem Buch nicht viel. Die Sprechweise der Figuren liest sich gekünstelt, unnatürlich… angelehnt am ehesten an Marktsprech, die Kunstsprache der Mittelaltermärkte. Jubel und Händegeklapper gibt es dafür aber nicht, sondern eher nochmal ein letztes Augenrollen!

Das Ende ist konstruiert, übereilt und m. E. nicht logisch, aber natürlich notwendig, wenn der Autor weitere Bücher über diese Figuren in dieser Welt schreiben will. Ein paar Zufälle passen dennoch allzugut zusammen, zu viel Information wird auf den letzten Seiten aus der Luft gezaubert und plötzlich von den Protagonisten als „richtig, wussten wir schon“ bestätigt.

Die Welt an sich ist jedoch ein Genuss… im Bereich „Worldbuilding“ erhält dieses Buch von mir volle Punktzahl mit Sternchen. Durch die Ausführung kommt es im Endergebnisse auf 2,5-3 Sternchen.

Würde ich eine Fortsetzung lesen?

Vermutlich. Schon weil ich wissen wollen würde, ob er wirklich den einen oder anderen Handlungsstrang fertigschreiben will.

Erinnert das Titelbild außer mit eigentlich noch jemanden an Sauron?

Aus jenem Holze…

Ich stehe auf Wörter.

Ich bin Linguist, ich darf das.

Manchmal stehe ich auch auf Wörtern, zum Beispiel wenn ich an das obere Regal muss und keine Trittleiter zur Hand habe. Ein Merriam Webster’s und zwei PONS und die Sache ist erledigt. Das ist aber was anderes und tut hier weniger zur Sache.

Gesprochen habe ich relativ spät, lange noch nur in der Familie. Zu verwirrend die Vielzahl der Wörter, und die ewige Unsicherheit, ob ich das richtige benutze. Die Suche nach der genauen Bedeutung dieser Wörter führte nicht nur zu einer ständigen Erweiterung nicht nur von Wortschatz und Sprachverständnis – sondern schließlich auch zu großer Freude beim Erlernen von Fremdsprachen.

*

Wörter sind eine tolle Erfindung, denn sie erlauben uns, Sachen auszudrücken. Soweit klar, oder?

Wir haben allgemeinere Wörter, Sammelbegriffe, aber auch spezifischere Wörter.

Wenn ich „Fisch“ sage, mag der eine sich die gebratene Forelle von gestern Abend vorstellen, der andere einen Hai, der dritten hat grad das Märchen mit der Scholle gehört und der vierte denkt an die Neon daheim im Aquarium. Dann gibt’s immer noch den Schlaumeier, der einen Delphin im Kopf hat. (Das ist mein Blog. Hier muss ich kein „f“ schreiben wenn ich nicht mag!)

Der Bedeutungsumfang jedes Worts ist einzigartig.

Eine Sache, die das Lernen einer Sprache für mich besonders spannend macht, ist das Finden, Durchdenken und hoffentlich Verstehen dieser Eigenheiten. Das Neulernen von Wörtern die etwas ausdrücken, für das ich in einer anderen Sprache wenigstens einen erklärenden Nebensatz gebraucht hätte, empfinde ich als Bereicherung.

Die Umwelt, in der eine Sprache sich entwickelt, hat eine direkte Auswirkung auf die Sprache selbst, auf die Wörter in ihr. Damit meine ich nicht nur Neukreationen, sei es nun der Selfie-Stick oder das W-LAN, sondern auch lange etablierte Begriffe.
Für den Finnen oder Schweden wird Schnee im der Regel eine größere Rolle spielen als für den Ägypter. Das Finnische und das Schwedische tun sich beim Beschreiben von unterschiedlichen Schneearten und der implizierten Eigenschaften und Risiken derselben auch wesentlich leichter als das Arabische. Je enger der Kontakt der Sprecher mit einer Sache, und je wichtiger es ist, im Zweifel schnell Informationen geben zu können, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine Sprache einen genaueren Begriff haben wird.

Ein Blick auf die Sprache sagt so auch einiges über die Sprecher aus. Der ewige Linguistenwitz, Spanisch hätte kein Wort für „pünktlich“, hat seine Berechtigung. Nicht, weil etwa im Wörterbuch hinter dem deutschen Wort „pünktlich“ auf der spanischen Seite ein großes Fragezeichen prangen würde, sondern weil die dort aufgeführten Begriffe eben nicht unbedingt unserem Verständnis von pünktlich entsprechen. „Auf den Punkt“, „genau zu dieser Zeit“ ist dort eher die Bedeutung. Das Konzept der Pünktlichkeit… nun, nicht so sehr. Die deutsche Pünktlichkeit entspricht eben nicht der dortigen Lebenswelt. Wozu sollten sie da ein Wort haben… Damit wir es im Urlaub leichter haben, uns über die Züge aufzuregen, die ja noch nicht mal zu Hause pünktlich kommen? Wohl kaum.

Was ist typisch deutsch/englisch/französisch/russisch? Als Linguist sage ich mal – immer die Sachen, die keine Übersetzung in eine andere Sprache haben. Spätestens aus den vielen „German words you should know“ Varianten auf Facebook und Co. dürften die Meisten wissen, dass der Feierabend, der innere Schweinehund, das Fernweh und wie sie nicht alle heißen, recht sprachspezifisch sind. Nicht ohne Erklärung übersetzbar ist aber auch das deutsche Durchsetzungsvermögen – und hätte eine von weniger ordnungs- und strukturliebenden Sprechern es geschafft, so viele wirklich wunderschöne Wörter für Varianten von „Chaos“ oder „Unordnung“ hervorzubringen? Wohl kaum.

*

Begriffe und deren Verwendung wirken sich aber auch direkt darauf aus, wie wir die Welt wahrnehmen. Ob Türkis nun eher Blau oder eher Grün ist, da scheiden sich die Geister.
Das hier ist aber doch beides blau, oder?

blau

Einmal hellblau, einmal dunkelblau. Zwei Töne derselben Farbe. Blue. Bleu. Blau. Beides blau.
Für uns.
Für den Deutschen, den Engländer, viele andere.

Andere Sprachen unterscheiden diese Farben aber, geben ihnen unterschiedliche Namen. Sprecher dieser Sprachen nehmen das, was für uns Farbtöne sind, so unterschiedlich wahr, wie wir blau und grün, oder grün und gelb.

Wieder andere Sprachen kennen wesentlich weniger Farbbegriffe. Es gibt Sprachen, die Farbe überhaupt nur in „hell“ und „dunkel“ unterscheiden. Dann kommen Sprachen mit hell/dunkel/+ ein Wort für rot/gelb/braun (soweit ich weiß aber nie blau oder grün oder sonst was). Etc.

Hellblau/dunkelblau, celeste/azul? Zwei Varianten einer Farbe, zwei Farben?

Es ist nicht immer klar zu erkennen, wo Ursache und Wirkung liegen. Klar ist jedoch, Wahrnehmung und Sprache sind verbunden.

Natürlich kann der Sprecher einer Sprache mit drei Farbwörtern rein basierend auf den Fähigkeiten seiner Augen und seines Gehirns gelb von grün, blau von schwarz, violett von rosa unterscheiden. Genau wie wir im obigen Beispiel die linke Farbe von der rechten unterscheiden können.

Genau wie wir dort aber zweimal blau wahrnehmen, wird der in einem der obigen Sprachgebiete Aufgewachsene aber eben noch nicht einmal „blau“ empfinden. Er hat kein Wort für „blau“, das Konzept existiert entsprechend nicht für ihn, solange er seine eigene Sprache nicht verlässt.

Festzustellen, wo die Hintergründe dazu sind, ist spannend. Warum unterscheidet der Franzose zwischen vorher und nachher, während den Belgier nur interessiert, dass es „nicht jetzt“ ist? Ist egal? Also, mir nicht.

In dem Zusammenhang möchte ich auch auf 1984 verweisen. Ich denke wir erinnern uns alle an die Kunstsprache „Neusprech“. Wer es nicht tut, dem sei angeraten sich das Buch nochmal – oder erstmalig – zu Gemüte zu führen. Verkehrt ist das, was dort über die Wechselwirkung zwischen Sprache und Wahrnehmung gesagt wird, nämlich in den Grundzügen erst mal nicht.

Das Prinzip funktioniert natürlich nicht nur über Sprachen hinweg, sondern auch in Fachgebieten ein- und derselben Sprache. Damit meine ich nicht nur den echten Fachjargon. Wer mit Reittieren nichts am Hut hat, wird dazu neigen, jedes Exemplar von Equus ferus caballus übergreifend als „Pferd“ zu bezeichnen und – wichtiger – die Unterschiede auch nicht sehen. Rein physisch natürlich schon, aber der visuelle Input wird keine Bedeutung haben, die über die Information „Pferd“ hinausgeht. Für die meisten dürfte das auch reichen. Gespräche im Stall finden aber meistens etwas spezifischer statt. Wer das Welsh-Pony als Pferd anspricht erntet vielleicht ein kleines Grinsen. Aber schon mal einem Islandpferde-Fan zu seinem Pony gratuliert? Nein? Kleiner Tipp: Ich würd’s bleiben lassen. Und, um nochmal auf die Farben zu kommen – ich kann zwar im Deutschen die Farbe eines Schecken spezifizieren, indem ich die „bunte“ Fellfarbe beschreibend an das Wort anhänge – aber eine echte, statt beschreibende, Übersetzung für skewbald und piebald fehlt mir im Deutschen.

*

Ich schätze eine gezielte Kommunikation. Je genauer, desto lieber ist mir ein Begriff. Sag‘ nicht zu mir „Bring Blumen mit“, wenn du Rosen willst. Oder eher: wenn du keine Rosen willst. Ich mag sie nämlich, die Rosen, und so ist die Rose schnell meine Standardblume.

Ich halte keine Vögel, sondern Sittiche und Papageien. Also, Vögel sind das natürlich schon, aber ich würde das nicht so sagen. Denn auch Finken sind Vögel, und ich würde freiwillig keinen Finken ins Haus lassen. Diese finde ich doch eher nervtötend und uninteressant.

Bouldern, Freeclimbing und Klettern haben gemeinsam, dass man irgendwo raufsteigt, aber ich würde bei der Einladung doch gerne wissen mich erwartet.

Auf meinem Schreibtisch, zu Hause im Büro, steht ein Telefon. Was sieht der Leser vor sich? Sicher nicht das, was ich hier neben mir habe: Schwarz, mit Wählscheibe, der Hörer mit geringeltem Kabel am Gerät befestigt. Warum? Weil ich noch eines habe und es mich optisch anspricht. Es ist mir sehr viel lieber als die programmierbaren schnurlosen, die immer irgendwo im Haus liegen und nie aufzufinden sind wenn man sie braucht. Drückt man auf die Klingeltaste ist die Batterie leer und sie rühren sich nicht… Nein, mein Telefon, das bleibt wo es ist, ist mir fürs Büro wirklich praktischer. Und klar, es ist ein Telefon, genau wie mein Blackberry und mein Privathandy Telefone sind. Und doch sind die drei Geräte nicht deckungsgleich. Das Telefon im Büro mag nicht verloren gehen, dafür kann es weder SMS schreiben noch Nummern speichern (Die sind dafür im ‚berry…). Verwechslung in der Praxis ausgeschlossen… in der Unterhaltung nicht immer.

Wo die Sprache, in der ich mich gerade bewege, „versagt“, bediene ich mich gerne auch mal anderer Sprachen – zumindest gedanklich. Ausgesprochen versuche ich es zu vermeiden, wobei wir zu Hause doch eine eher babylonisch anmutende Verständigungsweise pflegen. Da fliegen die Sprachen wild durcheinander, und wenn gerade keine richtig passt gibt es eben Varianten von „Darmok und Jalak auf Tanagra.“

Okay – ich mag also Wörter. Spezifische Wörter sind mir lieber als generelle Sammelbegriffe. Ich mag nicht „Baum“ sagen, wenn es eine Birke ist.

Und ich reagiere eher ungehalten, wenn man mir Wörter wegnehmen will.

*

Deswegen – und nun komme ich nach über 1000 Wörtern auch endlich zum Thema – bin ich nicht glücklich über die nun nicht mehr völlig neue Zusammenfassung aller Varianten unter „Autismusspektrum“. Es ist mir zu vage. Es umfasst zu viel. Würde es nach mir gehen, hätten wir viel mehr Begriffe, um mit einem Wort Variationen auszudrücken.
Dass Mancher meint, sogar die geringe Differenzierung, die wir hatten, wegnehmen zu müssen, empfinde ich als Verlust.
Es ist für mich nicht ein Weg hin zum umfassenderen „akzeptieren“ unterschiedlicher Varianten, sondern vielmehr ein Auslöschen von Variationen, das der Wirklichkeit nicht entspricht. Es nimmt den Anwendern des Begriffs das Bewusstsein, dass Autismus eben nicht gleich Autismus ist.

Reinhard Mey singt „Ich bin aus jenem Holze geschnitzt…“ Es eignet sich nicht jeder Baum für Schachfiguren, Kuckucksuhren, oder auch als Hackklotz. Es kann auch nicht jeder Autist mit jedem andere Autisten gleichgesetzt werden. Es wäre nicht fair, den jungen Mann, der mir neulich auf dem Mittelaltermarkt mit seinen Eltern gegenübersaß, an meinen Möglichkeiten zu messen; kennt jemand nur das nonverbale autistische Kind irgendwelcher Bekannten und nimmt dieser jemand an, Autismus sei immer vergleichbar, wird er sich stark wundern zu hören, dass manche von „uns“ auch Unternehmen führen … keiner, den ich kenne, mag gerne mit Dustin Hoffman’s Rainman vergleichen werden. Autismus und Autismus, das ist genauso schlecht gleichzusetzen wie Baum und Baum.

Ich freue mich nicht über das Zusammenwerfen der Diagnose. Ich halte es für kontraproduktiv. Das hat auch nichts mit mehr oder weniger autistisch zu tun oder mit schwerer oder leichter betroffen, mit Glück oder Pech haben … es nimmt aber die ohnehin schon viel zu geringe Möglichkeit der Differenzierung und Spezifizierung vollends weg.

Ich mag Wörter, und ich möchte keines davon verlieren. Ich finde es auch nicht gut, wenn Leute pauschal behaupten, „wir“ würden die One-Size-Fits-All Diagnoseregel gutheißen. Die homogene Gruppe der gleich denkenden, gleich funktionierenden, in allem – oder auch nur in einem Punkt – übereinstimmenden Autisten gibt es nicht.

Und das ist auch gut so.