Alternativer Verwendungszweck…

So richtig unnötig sind ja Leute, die immer alles hinterfragen müssen.

Dabei meine ich nicht die Leute, die ehrliches Interesse haben und Zusammenhänge verstehen wollen, sondern die, die ganz verzweifelt versuchen, einen beim Lügen zu erwischen. So etwa gestern die Dame, die etwas abholend, zu uns kam, und vorwurfsvoll sagte: „Ich dachte, dir IST NICHT kalt in deiner Wohnung und du MAGST das so kühl. Warum liegt dann in jedem Zimmer eine Jacke?“

Wüsste nicht, was die Dame das angeht, aber bitte… ich hab ihr dann mal einen Papagei auf den nackten Arm gesetzt. Der Effekt kam besonders gut, weil wir für gestern Abend Krallenschneiden angesetzt hatten, d.h. die waren gerade so richtig, richtige böse lang und scharf. Und bei ihrem ersten Zucken machte Papagei natürlich aus Reflex den Fuß zu, um sich festzuhalten.

Grins… Ich hoffe, das hat ihre Frage beantwortet… und sie weiß jetzt, weshalb bei mir in jedem Zimmer ein schnell an- und auszuziehendes Kleidungsstück mit langen Ärmeln liegt…

Kleider machen Arthur

Und sollte sich mal jemand beschweren, dass ich ständig „dasselbe“ trage… kann ich immer noch drauf verweisen, dass das andere Leute vor mir auch schon machten.

1.

Der Herzog war vielleicht der einzige große Mann, von dem wir lesen, der sich perfekt ordentlich kleidete. Er war in Spanien als „der Dandy“ bekannt; es war nicht abwertend gemeint: In einer Zeit, zu der die britische Armee nicht gut gekleidet war, war auffällig, wie sorgfältig er seine Kleidung wählte.

Original:
The Duke was perhaps the only great man we read of, who was perfectly neat in his dress. He was known in Spain as “The Dandy”; not as a term of deterioration: he was conspicuous, at a time when the British Army was not well dressed, for the careful manner in which he wore his clothes.
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, S. 36.

Auf Portraitbildern sieht man Herzog Wellington häufiger in voller Uniform.

Gerade auf Schlachtenbildern ist das aber weniger der Fall. Dargestellt wird er dann meistens in einem kurzen blauen Mantel über einer weißen Reithose und einem weißen Hemd. Dieser gelegentlich als „Salisbury Coat“ bezeichnete Mantel – Lady Salisbury war hatte ihn ihm geschenkt in der Farbe „Hatfield Hunt Blue“ – Sozusagen der Emblemfarbe der Salisburys – war Wellingtons ständiger Begleiter. Er muss wohl auch entsprechende Nachfolger gehabt haben – jedenfalls ist es schwer vorstellbar, dass derselbe Mantel mehrere Jahrzehnte überstanden hat.

Die Uniform trug Wellesley im Feld nach Indien eher nicht mehr. Er im Rang auch weit genug aufgestiegen, um sich das zu „leisten“. Er war bei weitem nicht der einzige Offizier, der es vorzog, in Zivil in die Schlacht zu reiten, aber wohl derjenige, der es am konsistentesten durchzog: Einige seiner Offiziere bekamen ihn in seiner gesamten Zeit als Oberbefehlshaber nicht einmal in Uniform zu Gesicht.

2.

Datierend vor 1814:

Die Anwohner waren auch recht überrascht zu sehen, dass der Generalissimo der Armeen Großbritanniens, Portugals und Spaniens in einen einfachen blauen Gehrock gekleidet, ohne einen einzigen Orden, seinen täglichen, und manchmal einsamen, Spaziergang machte.

Original:
It was not without astonishment, too, that the inhabitants beheld the Generalissimo of the armies of Great Britain, Portugal, and Spain, habited in a plain blue frock coat, without a single decoration, take his daily, and sometimes solitary walk […]
—Notes of Major B. Jackson, zitiert nach Basil Jackson & C. Rockfort Scott: The Military Life of Field Marshal the Duke of Wellington, Vol. II., S. 430

3.

Natürlich war der blaue Mantel bei Waterloo auch dabei.

[…] dass der Herzog am Tag der Schlacht von Waterloo einen einfachen blauen Mantel, einen kurzen Umhang in deselben Farbe und einen niedrigen Dreispitz ohne Feder oder Zierde trug […]

Original:
[…] that the Duke wore on the day of Waterloo a plain blue coat, a short cloak of the same colour, and a low cocked-hat without feather or ornament […]
—Notes of Major B. Jackson, zitiert nach Basil Jackson & C. Rockfort Scott: The Military Life of Field Marshal the Duke of Wellington, Vol. II., S. 601

4.

Und später – hier 1828:

Er trug einen einfachen blauen Mantel mit dem Hosenbandorden.

Original:
He was dressed in a plain blue coat with the Order of the Garter.
—John Cam Hobhouse: Recollections of a long life , S. 265

5.

Sehr viel später:

Der Herzog war gekleidet, wie er gemalt werden wollte. Er trug diverse Orden und hatte seinen blauen Gehrock mit dem Stern auf der Brust an.

Original:
The Duke was dressed as he wished to be taken, wearing his various orders, and had on his blue dress coat, with the star on his breast.
Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; S. 127

(Der Stern gehört zum Hosenbandorden und war sozusagen Pflicht zu tragen).

6.

Seine liebste Aufmachung war ein blauer Gehrock über einer weißen Weste, weißen Hosen und einem weißen Halstuch – letzteres hinten mit einer großen Silberschnalle geschlossen.

Original:
His favourite costume was a blue frock coat, white waistcoat, white trousers, and white neckcloth – the latter fastened behind with a large silver buckle.
—Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; S. 75 f.

Die Tatsache, dass er beim Halstuch „beschummelte“ wird auch häufig genug erwähnt um vermuten zu lassen, dass es auffiel.

7.

Noch ein Beispiel?

Der Herzog trug um den Hals ein sonderbares Tuch, das sich nur schwer beschreiben lässt. Der weiße Batist warf vorne zahlreiche Falten, hatte aber keine Schleife und keinen Knoten. Im Nacken befand sich eine mehrere Zoll tiefe, breite Schnalle.

Original:
The Duke wore round his neck a peculiar cravat, not easy to describe. The white cambric was in numerous folds in front, without a bow or tie; and was fastened at the into a broad buckle, several inches deep, at the back of his neck. .
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, S. 37.

8.

Handschuhe… Handschuhe mochte er auch nicht.

Als Herr Weigall Jr. die Miniatur fertiggestellt hatte, merkte seiner Gnaden an: „Sehr gut; aber eine Sache ist nicht historisch korrekt – Sie haben mir einen Handschuh angezogen. Ich trage nie Handschuhe. Ist aber egal; ändern Sie es nicht. Ich sollte sie ja tragen.“

Original:
When Mr. Weigall, jun., had finished his miniature, his Grace remarked: “Very good; but there is one thing in it that is not historically correct—you have put a glove on my hand: I never wear gloves. However, it is of no consequence; I don’t want it altered; I ought to wear them.”
—Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; S. 130

9.

Und schließlich hatte der blaue Mantel auch noch einen grauen „Kollegen“.

In späteren Jahren trug er fast ausschließlich ein Kleidungsstück, das damals noch ganz neu war und als „Paletôt“ bezeichnet wurde. Es war einreihig geknöpft, gerade geschnitten und ging ihm bis zum Knie und hatte einen schmalen Umlegekragen aus demselben Stoff. Es wurde ziemlich hoch zugeknöpft. Sein Hut hatte immer ein Futter aus hellgelbem Leder und eine schmale Krempe. Seine Hosen waren üblicherweise grau oder aus „Oxford Mixture“, wie man das Nannte. Seine Stiefel oder Schuhe waren gut geformt und poliert. Er hatte immer zwei Taschentücher aus Batist bei sich.

Original:
In later years, he almost invariably wore a garment, then novel, and known as a “Paletôt”, single-breasted, straightly cut, and reaching to the knees; with a narrow, turn-down, collar of the same material as the coat; and buttoned rather high up. His hat always with a very clean lining of pale yellow leather, had a narrow brim, trousers usually of grey, or ‚Oxford mixture’, as it was called; and his boots or shoes well shaped, and well blacked; he always carried two cambric pocket-handkerchiefs.
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, S. 36 f.

10.

Und wieder einmal sind es auch gerade die Karikaturen, die interessant werden… stellen sie ihn doch im Gegensatz zu den Portraits fast ausschließlich in eben dem oben erwähnten blauen Mantel dar. Und gerade Karikaturen zitieren ja eher das, was für das Objekt typisch ist… und weniger das, was der Auftraggeber für künstlerisch wertvoll hält.

Ich erinnere an die Karikatur aus dem Betten-Artikel:

take-up
Karikatur von William Heath, veröffentlicht von Thomas McLean, 1.10.1829
coup
Karikatur von John Doyle („HB“)

Autisten verursachen Impfstoffe – T-Shirt für die Impfgegner-Gegner

Habe grade dieses T-Shirt gefunden. Das würde ich mir ja sofort kaufen, nur… Farbig und vorne mit Aufschrift… ich würde es nicht tragen. Vielleicht hat ja von euch jemand Lust.

(RedBubble ist eine Plattform, auf der Künstler und Designer ihre Werke in unterschiedlicher Form verkaufen können, und die gute Konditionen für den jeweiligen Künstler bietet. Die Qualität der Ware ist super. Ich kaufe dort häufiger, wenn ich „ausgefallene“ Geschenke brauche – also sicherstellen will, dass niemand anders genau *die* Idee hatte.)

(Die Aufschrift: „Autistics cause Vaccines“ – „Autisten verursachen Impfstoffe“ – ist eine umkehrung dieses unsäglichen Slogans… nebenbei mit Bezug auf den Autistenanteil in den Naturwissenschaften.

Kleider machen Leute

Kennt ihr das?

Irgendwann kommt der Punkt, da geben alle T-Shirts gleichzeitig den Geist auf. Hier ein Loch, da ein Loch, die Naht am Kragen, der Saum, alles löst sich in Wohlgefallen auf. Bei mir kommt noch da dazu, was ich als „Geierfraß“ bezeichne: irgendwann hat alles kleine Löchlein von Papageienkrallen, und wehe, es steht irgendwo ein Fädchen ab… da kann so ein Mamagei einfach nicht widerstehen.

Nun lösten sich bei mir gerade nicht nur die T-Shirts auf, sondern auch die Sweatshirts, die Hoodies und die Pullis. Alles gleichzeitig.

Okay, macht nichts… Kleidung kann man ja nachkaufen.

Wenn es nur so einfach wäre…

Einfach wäre langweilig, nicht wahr?

Erste Herausforderung: Material.

Ich kann glattes Material auf der Haut nicht ausstehen. Der Trend geht aber dahin, dass Stoffe immer glatter, immer synthetischer, immer pflegeleichter werden. Pflegeleicht mag ja sein, aber was bringt mir das, wenn ich den ganzen Tag das Gefühl habe, dass Ameisen auf der Haut krabbeln –und nicht nur krabbeln sondern zwischenrein auch mal beißen. Noch schlimmer: Das Gefühl geht nicht sofort weg, wenn ich das Kleidungsstück in Frage ausgezogen habe, es ist jedoch sofort da, wenn ich es anhabe. Damit ist die Anprobe im Laden schon mal problematisch, weil ich ab Stück 2 nicht mehr zuverlässig sagen kann, spüre ich noch den Rest von Stück 1, oder …

Dabei hätte ich grundsätzlich nichts gegen Synthetikstoffe, wenn diese halt entsprechend texturiert wären. Natürlich nicht nur bei Kleidung.
Wir hatten zu Hause hübsche Handtücher im Bad hängen- eine Seite weich und „kuschelig“ mit Motiv oder Muster. Solange ich denken kann, habe ich zum Abtrocknen die rauere „Rückseite“ dieser Handtücher genommen. Die „Vorderseite“ sah zwar auf dem Haken nett aus, aber zum Verwenden fand ich sie doch eher ungeeignet. Heute habe ich nur Frottee-Handtücher in Verwendung, die beidseitig OK sind.

Leinen und Wollstoffe, also das, was viele Leute als kratzig und unangenehm empfinden, sind mir am liebsten. Leider findet man diese nur sehr eingeschränkt. Als ich mehr Zeit für solche Dinge hatte, nähte ich vieles selbst. Dazu irgendwann mal einen eigenen Post.

Zweite Herausforderung: Farbe

Muster, Motive, Aufschriften, Kontrastnähte – finde ich alles irritierend.

Erwähne ich das, höre ich immer mal wieder, das würde ich doch gar nicht sehen.

Doch, das sehe ich. Ich sehe sehr wohl, ob vorne auf meinem T-Shirt/Pulli/etc. ist. Nicht nur ich, aber die meisten Gehirne blenden die Information halt aus. Wenn ich das machen muss, geht mir bereits ein Stück Energie ab, das ich lieber auf etwas anderes verwenden würde. Zum Beispiel darauf, an der Kasse der Person vor mir nicht die Waren einfach aufs Band zu schmeißen, weil das Auflegen zu lange dauert und ich zwischen Musikgedudel, Unterhaltungen um mich herum, buntem Laden, Geruch von der Wursttheke her und dem kleinen Kind, das ständig zwischen aller Leute Füße herumwuselt wirklich dringend den Laden verlassen will.

Es mag unproportional klingen, aber das ist wie mit einem Wasserhahn. Wenn der den ganzen Tag tropft, läuft auch ziemlich viel Volumen weg, obwohl es nicht so aussieht. Auf Dauer merkt man es an der Wasserrechnung.
Ich bekomme die Rechnung eben etwas früher präsentiert.

Immer mal wieder sehe ich ein Motiv, das mir gefällt. Wider besseren Wissens kaufe ich auch so einmal alle zwei oder drei Jahre ein Stück. Das trage ich dann einmal, dann ziehe ich mich bei nächster Gelegenheit um, und das bedruckte Teil wird zu Unterkleidung degradiert.

Ein paar T-Shirts habe ich, die nur auf dem Rücken ein Motiv haben. Die habe ich drucken lassen. Da stört mich der Aufdruck nicht, und ich kann trotzdem das Motiv meiner Wahl spazieren tragen.

Naja, welches Motiv wird das wohl sein?

tshirtbild

Dritte Herausforderung: Schnitt und Co.

Lose sitzende Kleidung finde ich meistens schlecht. Der ständige Wechsel zwischen Berührung und Nichtberührung, oder eine ganz leichte Berührung, das treibt mich auf Dauer in den Wahnsinn. Allerdings ist es manchmal das kleinere Übel – im Sommer nämlich, wenn ich draußen sein muss. Dann ist mir weit und leicht, dafür lang, doch noch lieber, als mich direkt Sonne und Wind auszusetzen. Das bringt nämlich noch unangenehmere Gefühle.

Besonders wichtig ist mir, dass der Abschluss an den Ärmeln klar definiert ist. Ich muss spüren können, wo meine Kleidung aufhört.

Jawohl, ich bin ein Fan von langer, enger Unterwäsche. Dann habe ich nämlich mit der drüber getragenen Kleidung mehr Freiheiten. Ich habe schon öfter mal sehr enge Sweatshirts als Unterhemden zweckentfremdet. Leider wird mir aber schnell warm, dafür nicht kalt…

Kragen. Ein ewiges Theater. Steht was auf? Kann was aufstehen? Schlecht. Immerhin kann man einen Kragen, der ungewollt aufsteht und einen ungewünscht berührt mit einem kleinen Stich da befestigen, wo er hingehört. Rollkragen finde ich optisch toll, tragen kann ich sie auf keinen Fall. Zu viel Druck am Hals, ständig das Gefühl, zu ersticken.

Kleidungsstücke, die seitlich eng anliegen, finde ich auch schwer zu ertragen. Was liegt seitlich eng an? Eigentlich fast alles aus der Damenabteilung, das der weiblichen Anatomie nachempfunden ist. Ich kaufe meistens in der Männerabteilung ein. Trägt sich besser.

Hoodies, vor allem schwerere Hoodies, finde ich gut, obwohl ich die Kapuze nicht benutze. Sie macht einfach das Kleidungsstück nochmal etwas schwerer, das finde ich angenehm.


Nun gut… Ich kann jetzt also in einen Laden gehen und versuchen, einfarbige Kleidung aus nicht zu glattem Stoff mit vernünftigem Gewicht und passendem Kragen etc. zu bekommen.

Das dauert, kostet Nerven und meistens komme ich dann von einem wahnsinnig stressigen Tag mit ein oder zwei Stücken nach Hause.

Oder ich logge mich mal eben ein, fülle meinen Warenkorb, gehe zur Kasse, und lasse mir zwei Tage später einen Karton liefern. Zehn T-Shirts, zwei Hoodies, drei Sweatshirts, zwei Poloshirts, alles schwarz. Alles dieselbe Marke, die ich seit Jahren trage, die sich immer gleich anfühlt – auch über die einzelnen Varianten hinweg, also die Sweatshirts sind eben z. B. mit den T-Shirts identisch, außer, dass die Ärmel länger sind.

Damit ist der Schrank wieder voll, und ich hatte keinen Stress.

Und wenn sich meine Hosen auflösen, läuft es genauso. Einkauf derselben Marke, derselben Farbe, seit Jahren. Nach amerikanischen Maßen, sodass sich Länge und Weite beliebig kombinieren lassen. Ich bin ja eher klein, und habe schon deswegen anderweitig Schwierigkeiten beim Hosenkauf. Ebenfalls Männerschnitte. Sitzen besser und haben häufig auch größere Taschen.


Und wenn es aussieht, als würde ich „jeden Tag das gleiche“ tragen? Ist das noch dazu praktisch, weil ich nicht drüber nachdenken muss, was ich anziehe.