Es weihnachtet sehr

Alle Jahre wieder tauchen sie auf, diese Fragen. Das ganze Jahr über, weil jeder irgendwann Geburtstag hat, aber zu Weihnachten ganz besonders. Auf den Plattformen, in den Facebook-Gruppen, in den Foren, liest mal dann:

Was schenkt ihr euren Kindern so? Mein Kind wünscht sich nichts.

Oder: Mein Kind wünscht sich nur [diese eine Sache].

Oder … Sachen zu [diesem einen Interesse].

Oder: Eine Sache, die ja gar kein echter Wunsch ist.

Oder: … aber das ist doch für viel jüngere.

Oder: … aber das ist doch für Mädchen.

und weitere unzählige Varianten davon.

 

Ich beantworte die Frage, ganz pauschal:

Sprechen nicht gravierende Gründe dagegen (die finden sich beim eigenen Pony sicher eher als bei einer Barbiepuppe): Schenkt dem Kind, was sich das Kind wünscht.

Das Kind möchte nur Figuren einer bestimmten Serie, hat aber schon 28 davon?
Dann finden die 29. und die 30. doch sicher auch noch Platz.
Sagt mal zu einem Briefmarkensammler: Du brauchst nicht noch eine Briefmarke, du hast schon so viele.

Das Kind hat ein besonderes Interesse und wünscht sich nur dazu etwas?
Man findet sicher etwas, das mit dem Interesse zu tun hat.
Das Interesse ist Computerspielen? Das ist nicht nützlich?
Ja… und? Es geht um ein Geschenk.

Ein Geschenk soll Freude machen.

Und zwar dem Beschenkten.

Geschenkt wird nach meinem Verständnis so, wie es zum Empfänger passt. Was ich davon halte, ist erst mal komplett irrelevant, denn ich muss mich über dieses Geschenk nicht freuen. Ich schenke nicht für mich, sondern für den Empfänger.

*

Werfen wir mal einen Blick aufs Kind, das sich das 326. Matchboxauto gewünscht, aber ein Buch übers Programmieren bekommen hat.

Es gibt wenige Sachen, die sich schlimmer anfühlen, als ein Geschenk, das nicht für die Person gedacht ist, die man ist, sondern für die Person, die der andere gerne gehabt hätte. Das Kind, das sich die Eltern gewünscht hätten. Das offensichtlich nicht man selbst ist.

Schenkt ihr gegen den Wunsch des Kinds ein Geschenk das ihr für „besser“ haltet, sendet ihr nicht nur die Botschaft:

Deine Wünsche sind mir egal.

Ihr sendet auch die Botschaft:

Du bist falsch.
Nichts machst du richtig.
Du hast schon wieder was falsch gemacht.
Nicht mal wünschen kannst du anständig.
Das, was du dir da wünschst, ist unangemessen (wahlweise beschämend, wenn sich das Kind etwa ein Spielzeug gewünscht hätte, das „offiziell“ für jüngere ist, oder mit dem jeweils anderen Geschlecht in Verbindung gebracht wird).

Glaubt mir bitte eines: Diese Botschaft bekommen junge Autisten oft genug. Ihr müsst das nicht auch noch ausbauen.

*

Bei vielen erwachsenen Autisten in meinem Umfeld hat unter anderem gerade dieses Vorgehen (zusammen mit den erzwungenen Feiern) irgendwann dazu geführt, dass sie Geburtstage, insbesondere die eigenen, und sonstige Geschenkefeste nur noch als unangenehm empfinden und vermeiden.

Wobei – ich kenne auch ein paar NTs, bei denen nach Vorschrift gewünscht werden musste, die sich nicht mit ihren Interessen gedeckt haben, und die ähnliche Einstellungen entwickelt haben.

*

Bitte:

Respektiert die Wünsche und Interessen eurer Kinder.

Schenkt nicht nach dem, was euch gefällt, sondern wählt das, was dem Kind gefällt.

Schenkt nicht nach dem, was die Nachbarn beeindruckt, oder was die Oma oder Tante loben wird.

Schenkt ausschließlich so, wie es zum Empfänger passt.

*

Und wenn das Kind das Äußern von Wünschen komplett verweigert? Dann denkt bitte mal zurück an die letzten Male, bei denen ein Wunsch geäußert wurde. Welche Botschaft habt ihr da vermittelt?

(Und ja… es gibt auch solche unter uns, denen einfach das ganze Brimborium zu viel ist, denen die Überraschung zuwider ist – mir übrigens auch, deswegen bitte ich darum, ausschließlich von meinem Amazon-Wunschzettel zu schenken – und die vielleicht gar nicht immer in der Lage sind, sich auf einen neuen Gegenstand einzulassen. Und wenn das so ist… dann macht ihnen das doch bitte nicht zum Vorwurf.)

Weihnachtsgeschenke

Ich weiß gar nicht, was ich heuer als mein liebstes „Weihnachtsgeschenk“ zählen soll.

Die selbstgestrickten Socken von ‚Tao‘, die ich zwar noch nicht erhalten habe, aber bereits von Fotos kenne, sind da ein ganz heißer Kandidat.

Oder das Geschenk von meinem Mann, aus logistischen Gründen vorzeitig überreicht (normalerweise schenken wir beide erst zu Neujahr): Konzertkarten für einen Auftritt des einzigen Menschen dem meine echte, vollumfängliche und aus tiefem Herzen kommende Bewunderung gilt, und das schon seit ca. 20 Jahren. Dem ich soooo gerne mal begegnet wäre, was sich nie ergeben hat. Aftershow-Dinnerkarten liegen auch noch bei.

Oder etwa das komplett ungeplante „Geschenk“… War ich doch mit oben erwähnter ‚Tao‘ in der Großen Stadt einkaufen, als mir ihre Aufmerksamkeit etwas „beschert“ hat, das ich so gar nicht erwartet hätte:

Bleistifte.

Bleistifte, die sich von meiner inzwischen doch eher sehr unkooperativen  Hand halten lassen.

Nicht ewig lange. Die Hand wird schnell müde.

Aber.

Nach ca. zehn Jahren „Abstinenz“.

Ist es einfach nur cool, wieder was ordentliches aufs Papier zu bringen.

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Weihnachtsgeschenke

Dass es Weihnachten Geschenke gibt ist normal, üblich, war schon immer so und ist auch überall so… Wie jeder weiß.

…oder?

…oder vielleicht doch nicht?

Genau. Eben doch nicht.

Eigentlich ist die Sache mit den Weihnachtsgeschenken gar nicht so uninteressant.

Werfen wir mal einen Blick auf Weihnachten. Bevor ein allzu großer Anteil der Bevölkerung vergessen hat, was da überhaupt gefeiert wird, war Weihnachten mal die Feier von Jesu Geburt. Jawohl, in unserer Gegend verschmolzen in Termin und Brauchtum mit den heidnischen Julfest.

Was heißt „in unserer Gegend“?

Sagen wir’s mal so: England ist nicht sooo weit weg, aber der Weihnachtsbaum hielt dort erst im 19. Jahrhundert Einzug, sozusagen als „Import“ über Prinz Albert, der seinen deutschen Weihnachtsbaum mit in die neue Heimat brachte. Also nicht durch abhacken und einpacken, sondern durch Fortführung der Tradition im Königshaus. Und weil alle wollen, was die Queen hat, hat man nun heute in England auch Weihnachtsbäume. Und das natürlich schon immer.

Also, Weihnachten, Jesu Geburt… Geschenke? Ja, die gibt es zum Geburtstag, aber wenn man nicht gerade bei Pippi Langstrumpf ist, bekommt die doch das Geburtstagskind, und nicht die Gäste… warum beschenken wir uns zu Weihnachten?

Es war einmal vor langer Zeit, da gab es zu Weihnachten keine Geschenke. Das winterliche Geschenkefest war der 6. Dezember – St. Nikolaus. Dort ergeben sich die Geschenke tatsächlich aus der Nikolauslegende.
Dann kam Martin Luther, der kurzerhand die Heiligenverehrung abschaffte. Kein heiliger Nikolaus, kein Nikolausfest, keine Geschenke…. Nein, das kann man schwer durchsetzen. So wurde das Geschenkegeben im Protestantismus auf das Weihnachtsfest verlegt, der Geber war nun der „heilige Christ“. Daraus entstand das Christkind. Die Katholiken schenkten erst mal weiter am 6. Dezember.

Der Weihnachtsmann, der keineswegs, wie oft behauptet wird, identisch mit St. Nikolaus ist, entstand in seiner heutigen Form soweit durch Quellen belegbar erst im 19. Jahrhundert und ist eine Verschmelzung unterschiedlicher Gestalten, darunter eben auch St. Nikolaus. Allgemein setzte sich der Weihnachtsmann eher im Norden und Osten, das Christkind eher im Süden und Westen Deutschlands durch.

Das Weihnachtsfest wurde ab ca. 1800 auch immer größer und wichtiger gefeiert, und so verschob sich dann auch bei den Katholiken der Fokus – und das Geschenkegeben. Der nächste Katholik, der sich über Mischung der Konfessionen oder ökumenische Gottesdienste beschwert, könnte darüber mal nachdenken.

Wie ist das nun aber anderswo? Nach der Logik, dass das Geschenkegeben an Weihnachten auf Luther zurückgeht, müsste sich ja ergeben, dass in Gegenden, die von der Reformation weniger geprägt sind, die Geschenke auch an anderen Terminen übergeben werden.

Ganz so einfach ist es nicht – in den einst großteils protestantischen Niederlanden etwa ist der Nikolaustag noch größer als Weihnachten.
In Spanien und Italien gibt es die Geschenke traditionell auch nicht an Weihnachten – sondern an einem ganz anderen Termin, der jedoch immerhin irgendwie mit Geschenken in Verbindung steht: Dreikönig. Allerdings verschiebt sich dort aktuell der Geschenketermin auch zunehmend auf die Weihnachtstage – aus rein praktischen Gründen: Es ist einfach praktischer, den eigenen (Schul‑)Kindern ihre Geschenke zu BEGINN, und nicht am ENDE der Weihnachtsferien zu übergeben.

Und warum schenken wir uns nun überhaupt etwas, mitten in Winter?

Das älteste überlieferte Geschenkefest in Europa ist der Neujahrstag. Geschenkegabe zum Beginn des neuen Jahres lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Teilweise hielt sich dieser Brauch, je nach Region mehr oder weniger ausgeprägt.

Mein Mann und ich werden  zwar den heutigen Abend mit meiner Familie verbringen, und auch Geschenke mitbringen und bekommen, unser persönlicher gegenseitiger Geschenketag wird aber Neujahr sein. So, wie es unsere Figuren aus dem Re-enactment auch gehalten hätten/haben.

Vielen Dank für die Blumen

Ich mag ja keine Blumen.

Also – okay –,  die Aussage an sich ist so nicht 100% richtig. Ich mag Blumen schon, aber vornehmlich dann, wenn sie am unteren Ende mit dem Boden verbunden sind und oben weiterwachsen.

Der Sinn dahinter, Blumen abzuschneiden oder abzureißen und den Strauß zu verschenken erschließt sich mir nicht wirklich. Hier, ich hab dir was Hübsches mitgebracht, schau ihm beim Sterben zu. Ist das nicht komisch?

Der Mann ist auch kein Freund von Blumensträußen, außer wenn’s darum geht, jemandem was aufs Grab zu legen. (Da ist es dann auch wieder irgendwie passend…)

Nun ist es ja so, dass sich manche Paare immer mal wieder mit oder ohne Anlass Blumen schenken. Wäre für uns nichts. Wir machen uns aber auch gerne mal gegenseitig eine Freude. Für ihn gibt’s meistens ein Büchlein oder Zubehör fürs Reenactment, und für mich…

„Findest du das nicht komisch?“

Komisch, warum?

„Na, der schenkt dir Bilder von einem anderen Mann.“

Nö. Find ich nicht komisch.

Für mich gibt es „Atties“. Genau genommen Miniaturen.

Hier die letzten „Blumensträuße“, die ich bekommen habe…

blumen Haben übrigens Blumen gegenüber noch einige massive Vorteile: Sie brauchen kein Wasser, sie stinken nicht, niemand ist allergisch dagegen, man muss sie nicht wegwerfen und sie halten einfach länger!

Sichere Geschenke

Geburtstage bringen es mit sich, dass es Geschenke gibt.

Ich habe es inzwischen, denke ich, allen aberzogen, mir Theater- oder ähnliche Tickets zu schenken (ich muss mit Zeit und v. a. Platz selbst aussuchen können. Es gibt nur ein Theater in unserer Nähe, das zwei Sitzplätze besitzt, die ich jederzeit nehmen würde. Selbst da ist es mir aber zu riskant, mich drauf zu verlassen, dass ein Schenker gerade den richtigen Platz ankreuzt); Gutscheine finde ich nicht so toll. Kaufen kann ich’s mir selbst auch ohne.

„Atties“ kann man mir natürlich immer schenken, aber das trauen sich eigentlich nur mein Mann, die Freundin aus Österreich und meine Eltern, gelegentlich noch Geschwister, letztere unter Umständen mit Anleitung bzw. Absprache – hast-du/willst-du/brauchst-du?

Sicher fährt man bei mir auch immer mit Büchern. Es gibt eine lange Wunschliste auf Amazon, preislich zwischen 1 ct. + Porto auf Marketplace bis oben offen, und ich werde mich über das 1-Cent-Buch genauso freuen wie über das 100-Euro-Buch, denn es wird ein Buch sein, dass mir in der Sammlung fehlt. Alternativ steht im Antiquariat meines Vertrauens eine Schachtel mit meinem Namen. Dort kann auch jeder für mich rauskaufen. Oder dort anrufen und sagen „Bücher für X Euro für Johanna“ (So, ich übernehme den Namen hier jetzt einfach), dann werden sie sogar noch verpackt und mir zugestellt. Oder man besorgt mir „blind“ etwas, das einem Interessensgebiet entspricht, je obskurer, desto besser.

Durch die Pendelei zwischen Bayern und Belgien bin ich nicht immer so gut für eine persönliche Übergabe zu erwischen, und so kommt es eben, dass den Dezember über immer wieder Bücher enthaltende Umschläge bei uns angetröpfelt kommen.

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Wäre es ein Wettbewerb: Sieger nach Punkten dürfte heuer Tao sein, mit „Diversity in Disney Films: Critical Essays on Race, Ethnicity, Gender, Sexuality and Disability“. Tao, ich weiß du liest hier gelegentlich mit, vielen lieben Dank. Das Buch wird als erstes gelesen.

Sonst ist aber auch nichts wirklich „danebengegangen“ – Der Märchen- und Sagensammler in mir bekommt „Märchen im Lied“, „American Indian Trickster Tales“ und „Sandspun: Florida Tales by Florida Tellers“.  „This Kind of City: Ghost Stories and Psychological Landscapes“ geht um Spuk und heimgesuchte Gebäude.

„Die ältesten Grenzbeschreibungen in Bayern“ ist was für den Linguisten, es geht nämlich eigentlich um Linguistik und Namenskunde.

„The Truth Factory“, als Roman etwas aus der Reihe fallend, habe ich schon. Nee, der Geber liest hier sicher nicht mit. Naja, war aber immerhin gut gedacht.

 

Ich packe meinen … Schuhkarton?

karton

Punkt 1: Ich kann mit Kindern eigentlich gar nicht.

Punkt 2: Ich bin katholisch aufgewachsen, aus Überzeugung aus der Kirche ausgetreten, und könnte gut und gerne den Rest meines Lebens verbringen, ohne nochmal ein christliches Fest sehen zu müssen. Weihnachten bedeutet mir erst mal grundsätzlich gar nichts.

Trotzdem packe ich alljährlich Weihnachtsgeschenke für Kinder, die ich gar nicht kenne. Die Aktion nennt sich in Deutschland „Weihnachten im Schuhkarton“ und es gibt sie so ziemlich überall. Es gibt sie auch schon recht lange.

Den ersten Schuhkarton packte ich im Studium. Eine Kommilitonin war sehr engagiert in unterschiedlichen sozialen Bereichen, und macht viel Werbung. Ihre Begeisterung war erst mal ausreichend ansteckend um das auch mal mitzumachen.

Im zweiten Jahr wurde ein Austauschstudent auf die Gruppe der Päckchenpacker aufmerksam. Was wir da machen? Schuhkartons packen. Er grinste. „Ich mach‘ mit.“ Im nächsten Moment erzählte er dann – von seinem eigenen Schuhkarton, den er vor Jahren als Schüler bekommen hatte.

Es war sicher nicht jedes Jahr einer dabei, aber wir hatten immer wieder Austausch- und Auslandsstudenten, die selbst mal auf der Empfängerseite gestanden hatten.

Ich bin sicher, es gibt viele Kinder, die diese Kartons bekommen, sich über die Sachen hoffentlich freuen (oder auch nicht) und das war’s. Aber auch Leute zu treffen, die von sich sagen – „Das Schulmaterial aus dem Karton hat mir wirklich geholfen, in der Schule weiterzumachen“ oder „Darüber habe ich überhaupt erst so richtig realisiert, wie groß die Welt ist, und angefangen, mich für andere Orte und Sprachen zu interessieren – heute studiere ich Sprachen und werde Dolmetscher“ – das sagt mir doch irgendwie, dass diese Kartons eben auch hier und da Kinder wirklich auf einer Ebene erreichen, die etwas „ausmachen“ kann. Kann, nicht muss. Aber manchmal sollte „kann“ einfach reichen. Sobald es was mit „könnte irgendwo Bildung oder Schule unterstützen“ zu tun hat, reicht mir „kann“.

Natürlich, die Kartons werden im Rahmen von Weihnachtsfeiern verteilt. Natürlich verwenden die örtlichen Gemeinden das als „Werbung“. Natürlich wird da über Jesus erzählt. Es ist Weihnachten. Wer darüber jammert, dass mit diesen Kartons missioniert würde, sollte sich vielleicht nochmal dran erinnern, was zu Weihnachten eigentlich gefeiert wird. Und doch bitte einfach selbst keine packen, wenn ihn das stört. (Wer da wirklich und ernsthaft etwas anderes zum selben oder an einem ähnlichen Datum feiert, wird es nicht „Weihnachten“ nennen.) Also ja, eine Aktion die sich Weihnachten im Schuhkarton nennt, wird wohl recht christlich angehaucht sein. Welche christliche Geschmacksrichtung genau das nun bei uns organisiert, ist übrigens zweitrangig, denn die Verteilungen vor Ort erfolgen in den dort ohnehin ansässigen Gemeinden. Da kommt nichts „Neues“, da wird auch nicht von irgendwelchen Sekten missioniert (wie mir mal jemand erklären wollte).

Bei weitem nicht alle ehemaligen Päckchenempfänger, die ich getroffen habe, würden sich heute als gläubig oder überhaupt als Christen bezeichnen. Einige erzählen aber, dass die Gemeinderäumlichkeiten für sie der einzige Ort waren, an dem sie ungestört Hausaufgaben machen, lernen, spielen konnten. Auch das haben sie teilweise überhaupt erst über diese Aktion mitbekommen. Man darf nicht vergessen, dass die Lebenswirklichkeit in den Empfängerländern oft nicht mit unserer zu vergleichen ist.

So, und da packe ich also Weihnachtspäckchen, obwohl ich mit dem Christentum nichts am Hut habe, und mit Kindern auch nicht. Meine Familie packt inzwischen auch mit.

Wir machen es noch immer ganz „traditionell“ im selbstumklebten Schuhkarton. Geschenkboxen könnte man aber inzwischen auch fertig bestellen.

Was packen wir?

Man packt für eine von sechs Gruppen – Mädchen oder Junge, Alter 2-4, 5-9 oder 10-14. Das scheint auf den ersten Blick als Gruppen ziemlich groß und schwer zu beschenken zu sein, in der Praxis ist es eigentlich gar nicht so kompliziert.

Ich habe mich mit der Leiterin der örtlichen Sammelstelle kurzgeschlossen, denn es wird regional sehr unterschiedlich gepackt. Am vorherigen Wohnort gab es immer zu wenige Schachteln für die Gruppe 2-4 – hier packen viele für die Kleinen“, aber für „Junge 10-14“ mangelt es. Wir packen also hier für die ganz Kleinen gar nicht, dafür lieber einen mehr für die Großen.

Ebenso habe ich über die Sammelstellenleiterin erfahren, dass es hier einen Strickkreis gibt, der Mützen, Schals, Handschuhe macht, die auf die Päckchen verteilt werden. Daher geben wir kein Geld mehr für diese Dinge aus, stecken das lieber in andere Sachen – außer es ergibt sich gerade zufällig, dass wir etwas sehen, das uns besonders anspricht.

Wir rechnen ca. 25 – 30 Euro für einen Karton, ich könnte aber auch problemlos für den halben Preis packen, das würde nur etwas mehr Planung verlangen.

Gruppe 2-4 klammern wir aus; In Gruppe 5-9 und 10-14 gibt es bei uns eine ganze Handvoll Sachen, die gleichmäßig in jede Schachtel kommen:

Süßigkeiten
Eine Tafel Vollmilchschokolade (zolltechnisch unbedenklich, viele Süßigkeiten sind aus unterschiedlichen Gründen gar nicht erlaubt, einfache Vollmilchschokolade ist so ziemlich das sicherste)

Hygieneartikel
Eine Zahnbürste und eine Tube Zahnpasta
Mädchen: Haarbürste, Jungen: Kamm.
In die Mädchenpakete legen wir noch ein Päckchen Haargummis/Haarspangen, vorzugsweise nicht rein-rosa (heuer war das Angebot einfach miserabel, verkauft denn kein Laden mehr unterschiedlich gefärbten Haarschmuck?!).
(Sachen wie Seife sind nicht gewünscht, weil dann oft das ganze Paket danach riecht. Irgendwie verständlich.)

Musikinstrument
Mundharmonika oder Blockflöte. Wäre das erste, was ich weglassen würde, wenn ich den Preis verringern wollte. Blockflöten passen übrigens nur in die allerwenigsten Kartons mit einigermaßen akzeptablen Abmessungen, also erst Karton messen, dann Flöte kaufen.

Dann geht es weiter mit:

Schulsachen
In jedes Päckchen kommt bei uns:
1) Schulhefte, kleiner Collegeblock oder leeres Buch
2) Bastelschere
[3) Packung Bleistifte, Radiergummi und Spitzer
4) Packung Filzstifte oder Fineliner
5) Kugelschreiber oder Gelstifte
6) Geodreieck und Lineal
7) Packung Buntstifte]
ODER Punkt 3-7 ersetzt durch ein komplett gefülltes Federmäppchen. Die Dinger sind normalerweise eher teuer und gehen hier im Rahmen unseres Budgets auch nur deswegen, weil wir einen kleinen Schreibwarenladen am Ort haben, der uns die gepackten Federmäppchen für einen symbolischen Betrag zur Verfügung stellt. Da ist neben den obigen Sachen jeweils noch ein Füller und ein Vorrat an Tintenpatronen mit drin. (Heuer waren keine Geodreiecke mit dabei, die haben wir dann lose beigelegt).
Die jüngere Gruppe bekommt dann noch jeweils eine Packung Wachsmalkreiden dazugepackt, die älteren einen Zirkel, und wenn wir welche bekommen haben, einen kleinen Solartaschenrechner.

Kleidung
Da bei uns, wie gesagt, Gestricktes ohnehin in großer Menge da ist und zugepackt wird, nehmen wir Handschuhe, Schals, Mützen nur mit, wenn uns etwas wirklich ins Auge springt. Was wir aber einpacken, ist jeweils eine Packung warme Socken und oder/Thermoleggins/Strumpfhose

Spielzeug
Bei mir kommt zunächst in jedes Päckchen ein Wurliwurm. Kennt ihr den noch? Das war dieser Wurm mit dem Nylonfaden… es gibt von mir keinen Karton ohne Wurli. Ohne anderen Grund als „weil ich das so will“. Es wird zunehmend schwerer, die Tierchen im Laden zu finden, Amazon verkauft sie zum Glück für ca. 3 Euro im Sechserpack, einzeln abgepackt und damit gut geeignet.

Dann wird aufgefüllt.
In die Mädchenkartons was zum Handarbeiten: Freundschaftsarmbänder, Miniwebrahmen, Strickliesl, was wir halt gerade bekommen;
In die Kartons der Älteren irgendein Knobel- oder Geduldspiel, das möglichst selbsterklärend ist, und bei dem man keine Anleitung verstehen muss… Ein Favorit bei mir ist das gute alte Tangram, war bei uns immer ungeschlagen im Beschäftigungsfaktor; wahlweise Solitaire oder etwas Ähnliches.
Je nach übrigem Platz: Ein Spiel für zwei oder mehr, für die Älteren nehme ich gerne Domino, für die Jüngeren mag ich den Packesel gern.
Aufgefüllt mit Straßenmalkreiden, kleiner Drache (die Sorte zum Drachensteigen lassen, nicht die mit dem Feuerspucken), diese… wie heißen sie denn? runde Propeller, die man auf ein Dings mit Schnur steckt, und wenn man an der Schnur zieht, hebt der Propeller ab?, kleines Puzzle, etc. Sehr stark abhängig davon, was gerade so verkauft wird.
Wenn genug Platz im Karton ist UND wir schöne aber nicht zu teure bekommen haben: ein kleines Kuscheltier.

Damit ist so ein Karton am Ende eigentlich ziemlich gut voll, ein kleines bisschen Luft lassen wir für das Zupacken der Stricksachen.

Jedes Jahr verschätzen wir uns mit dem Einkauf und haben am Ende noch Sachen übrig – die stecken wir in eine Tüte und geben sie mit ab, zum Zupacken, da es immer Leute gibt, die entweder nur halb gefüllte Kartons abgeben oder Inhalt hatten, der in der Sammelstelle entfernt wird (batteriebetriebene Sachen, zollrechtlich nicht zulässige Gegenstände, Kriegsspielzeug, gebrauchte Sachen, etc.). Ja, es wird wirklich jeder Karton geöffnet und geprüft, und das ist auch gut und leider notwendig so.

Was es von mir nicht gibt, ist der persönliche Gruß oder das Foto, das viele Leute beilegen. Ich möchte für den Empfänger absolut anonym bleiben, ohne irgendeine „persönliche“ Verbindung, egal, wie gering die wäre. Ich will weder meinen Namen, noch mein Bild hergeben. Sobald der Karton an der Abgabestelle die Hand wechselt, habe ich damit nichts mehr zu tun.

A propos Abgabestelle… Abgabeschluss ist nächsten Dienstag, sollte jemand noch einen gepackten Karton zu Hause stehen haben, sollte er ihn jetzt schnell genau dahinbringen!

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