„Ah, du bist Übersetzer…“

„…und wohnst in Brüssel…“

„… dolmetscht du dann auch für die EU?“

Meine Lieblingsfrage. Also: nicht.

„Ah, du bist Übersetzer…“

„…was dolmetscht du so?“

Gar nichts.

Ich bin, wie gesagt, Übersetzer. Würde ich dolmetschen, wäre ich Dolmetscher.

Viele Leute sind wahnsinnig überrascht, wenn sie erfahren, dass das nicht dasselbe ist. Nicht mal das gleiche. Nicht mal wirklich ähnlich. Gut, beides hat das damit zu tun, eine Sprache für eine Person, die diese Sprache nicht spricht, verständlich zu machen. Aber da hört es auch schon auf.

Leider bringt diese fehlende Information nicht nur Erklärungsbedarf mit sich, sondern manchmal auch rechte Schwierigkeiten – wenn ich etwa einem Bekannten klar machen muss, dass ich seine Veranstaltung nicht deswegen nicht dolmetschen werde, weil ich es nicht will, keine Lust habe oder er mir nicht genug Geld anbietet (vermutlich wäre sogar alles drei dennoch der Fall), sondern weil ich es nicht kann.

Einmal rief mich meine Schwester an: Ich müsse ihr bitte schnell etwas für jemanden übersetzen, es würde nicht lange dauern. Ich sagte „okay“ und erwartete, eine E-Mail mit dem Text zu erhalten. Stattdessen fand ich mich eine Minute später in einer Telefonkonferenz wieder. Ich stotterte mich irgendwie durch das Gespräch, danach bekam meine Schwester dann noch „unter vier Augen“ eine längere Darlegung zum Thema Übersetzen und Dolmetschen.

*

Wo ist nun der Unterschied?

Zunächst, ganz einfach: Der Übersetzer übersetzt schriftlich, der Dolmetscher mündlich.

In der Regel arbeitet der Übersetzer im Büro oder sonstwo am Computer. Der Dolmetscher ist in der Regel vor Ort, bzw. gelegentlich am Telefon zugeschaltet.

Als Übersetzer habe ich einen Text in fixierter Form vorliegen. Ich tippe diesen Text in einer anderen Sprache und gebe ihn in fixierter Form wieder ab. Der Dolmetscher hat nur selten einen Text auf Papier vorliegen und wenn, dann hilft es nicht viel (mehr dazu später).

Als Übersetzer kann ich unterschiedliche Übersetzungen durchdenken und mich dann für die beste Entscheiden. Der Dolmetscher muss sofort handeln und „Output“ präsentieren.

Als Übersetzer kann ich korrigieren und überarbeiten. Der Dolmetscher hat nur einen Versuch.

Als Übersetzer kann ich in ein Wörterbuch schauen oder recherchieren. Der Dolmetscher hat nur das, was er im Kopf hat.

Zusammenfassung:

Übersetzer Dolmetscher
Schriftlich Mündlich
In der Regel im Büro In der Regel vor Ort
Hat den Text vorliegen Hört den Text meistens nur
Hat Zeit zum Nachdenken Muss sofort ein Ergebnis produzieren
Kann überarbeiten und korrigieren Kann nicht korrigieren
Kann nachschlagen Kann nicht nachschlagen

 

Klingt das jetzt danach, als hätte der Dolmetscher den bei weitem schwereren Job?

Für mich schon!

Für den ausgebildeten Dolmetscher nicht unbedingt, denn der wiederum ist für seine Arbeit ausgebildet, nicht aber für die Feinheiten des Übersetzens. Der Dolmetscher darf sich auf die Kernaussage konzentrieren, während ich versuchen muss, Mehrdeutigkeiten mit zu übertragen. Der Dolmetscher muss sich in der Regel wenig Gedanken darüber machen, für welches Zielpublikum er übersetzt, da seine Situation klar ist, und er das Zielpublikum direkt vor Augen hat.

Der Dolmetscher muss sich nicht mit unterschiedlichen Dateiformaten herumschlagen, er muss nicht mehrere Textverarbeitungsprogramme, Tabellenkalkulationsprogramme und Präsentationsprogramme beherrschen. Er muss auch nicht schnell und richtig tippen können.

Beide Arbeiten können sehr anstrengend sein, aber auf unterschiedliche Weise.

*

Beim Dolmetschen unterscheidet man zunächst zwei Arbeitsweisen: Konsekutivdolmetschen und Simultandolmetschen. Andere Begriffe, die man zuweilen hört, sind „Konferenzdolmetschen“, „Flüsterdolmetschen“ oder „Schriftdolmetschen“.

Beim Konsekutivdolmetschen wird mit Verzögerung gedolmetscht. Der Sprecher spricht , und erst wenn er Pause macht, kommt der Dolmetscher dran und wiederholt den Text in der Zielsprache.

Nachteil: Zeitaufwändig.
Vorteil: Keine technischen Hilfsmittel notwendig.

Denkt euch nun mal bitte in einen Vortrag. Der Redner schließt mindestens einen kompletten Sinnzusammenhang ab. Das kann sein, dass er fünf oder zehn Minuten spricht. Nun sollt ihr diesen eben gehörten Text in einer anderen Sprache wiederholen, ohne wichtige Punkte auszulassen.

Klingt unmöglich?

Selbst in einem Gespräch („Gesprächsdolmetschen“), in dem nur drei oder vier Sätze am Stück gesagt werden, bevor die Verdolmetschung folgt, wird es schwer.

Deswegen verbringen Dolmetscher in der Ausbildung mehrere Semester bis mehrere Jahre (!) mit dem Erlernen und Verfeinern von Notizentechnik. Stenografie ist schneller als Handschrift, die Notizentechnik des Dolmetschers nochmal deutlich schneller als Stenografie. Durch Verwendung von Kürzeln, Symbolen, eine bestimmte Anordnung auf dem Blatt und Markierungen schafft der Konsekutivdolmetscher sich einen Merkzettel, der ihm bei der Wiedergabe hilft.

Die Wiedergabe in der Zielsprache erfolgt nicht als wörtliche Übersetzung, sondern als gestraffte und unter Umständen leicht umstrukturierte Reproduktion. Das Ziel ist es, dem Zuhörer („Rezipient“) den Inhalt des Texts zu vermitteln, und dabei so wenig Zeit wie möglich in Anspruch zu nehmen. Andernfalls würde ja die Veranstaltung doppelt so lang werden.

Ist der Kunde nett, stellt er dem Dolmetscher vor der Veranstaltung Unterlagen sowie die Druckfassungen der geplanten Reden oder Vorträge zur Verfügung. Ist er es nicht, muss sich der Dolmetscher auf das verlassen, was er vor der Veranstaltung zum Thema recherchieren kann. Denn: Kennt er ein Wort, dessen Bedeutung oder den Zusammenhang in einer der beiden Sprachen nicht, wird er es nicht dolmetschen können. Mal schnell ins Wörterbuch schauen oder Wikipedia aufmachen geht nicht.

Selbst wenn der Dolmetscher die Textvorlage erhält, kann er nicht einfach einen Text vorfertigen und auswendig lernen oder ablesen. Redner und Präsentatoren halten sich fast nie an die Textvorlage. Jede Abweichung kann relevant sein. Es muss daher aus der Situation entschieden werden, ob die Änderung gedolmetscht werden muss.

*

Klang das alles jetzt schon wahnsinnig anstrengend und stressig?

Dolmetscher sind so unglaubliche Leute (ernsthaft, ich habe die allergrößte Hochachtung vor jedem Dolmetscher!), die können noch eines draufsetzen!

Das Simultandolmetschen sieht so aus:

Während der Konferenz, der Präsentation oder dem Vortrag sitzen viele Dolmetscher abgeschottet in Kabinen. Sie haben Kopfhörer auf und Mikrophone. Jeder Teilnehmer kann sich einen Kopfhörer oder Ohrstöpsel nehmen und, z. B. durch Knöpfe am Tisch die gewünschte Sprache einstellen. Während der Redner oder der Vortragende spricht, kommt aus dem Ohrstöpsel bereits der Text in der gewünschten Sprache, mit einer Verzögerung von nur einem halben bis einem ganzen Satz.

Für den Dolmetscher bedeutet das, dass er seine Gehirnleistung sozusagen zweiteilen muss: Er muss den Ausgangstext des Redners hören, im Kopf umwandeln, und die zielsprachige Fassung aussprechen, während er ununterbrochen dem Redner zuhört und den fortlaufenden Text umwandelt. Er muss also gleichzeitig hören und sprechen, dazwischen verarbeiten, und darf sich weder durch das Zuhören am Sprechen hindern, noch durch das Sprechen beim Zuhören stören.

Diese Vorgehensweise ist für den Zeitablauf und den Komfort der Teilnehmer bei Weitem die bessere… für den Komfort des Dolmetschers natürlich nicht.

Die erforderliche Konzentration ist immens. Deswegen sind die Sprachkabinen mit zwei bis drei Dolmetschern „bestückt“, die im Fünf- oder maximal Zehnminutentakt durchtauschen. Länger kann man diese Art von Konzentration nicht aufrechterhalten.

Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber zu „meiner Zeit“ – also, als ich im Studium war – gab es nur eine einzige Universität, die Simultandolmetschen aktiv unterrichtete, mit Kabinen und allem. Unsere Studenten waren die einzigen, die mit ihrem Diplom bereits die Fähigkeit hatten, mit der Technik in der Dolmetschkabine umzugehen, sich mit dem Umschalten zwischen mehreren Dolmetschern auskannten und die Situation überhaupt bereits realistisch erlebt hatten. Um diese Übung zu gewährleisten, organisierte und organisiert die Universität die sogenannten „Freitagskonferenzen“ – eine Vortragsreihe zu unterschiedlichen Themen, die von den Studenten verdolmetscht wird. Jeder Universitätsangehörige ist eingeladen und die Lehrer kommen üblicherweise ebenfalls, um ihre jeweiligen Schüler zu begutachten.

Neben dem oben beschriebenen Kabinendolmetschen gibt es noch andere Formen des Simultandolmetschens:
Beim Flüsterdolmetschen sitzt der Dolmetscher neben oder hinter seinem Kunden und dolmetscht leise nur für diesen.
Beim Gebärdensprachdolmetschen wird zwischen Lautsprache und Gebärdensprache gedolmetscht. Auch das findet meistens simultan statt.
Das Relaydolmetschen kommt zum Einsatz, wenn der Sprecher eine eher seltene Sprache spricht. Dann dolmetscht ein Übersetzer diese Sprache in eine „üblichere“ Sprache – z. B. Englisch oder Französisch – und alle anderen Dolmetscher dolmetschen die Verdolmetschung in ihre Zielsprachen. Damit spart man sich den Aufwand, etwas 24 verschiedene Dolmetscher zu finden, um, sagen wir mal, Gälisch in acht verschiedene Sprachen zu übersetzen. Einen für Gälisch-Englisch findet man doch eher, und 24 für Englisch > Zielsprache auch…

*

Was ist nun mit den anderen Begriffen, die ich oben genannt hatte?

Konferenzdolmetschen beschreibt einfach das Dolmetschen einer Konferenz oder einer konferenzähnlichen Situation. Meistens erfolgt das simultan, aber auch konsekutives Dolmetschen kommt vor.

Schriftdolmetschen ist ähnlich wie Gebärdensprachdolmetschen für Gehörlose gedacht. Im Gegensatz zum Gebärdensprachdolmetschen wird jedoch nur in eine Richtung gedolmetscht. Heißt: Der Gebärdensprachdolmetscher macht die Lautsprache für den Gehörlosen verständlich und die Gebärdensprache für den Hörenden. Der Schriftdolmetscher tippt das gehörte, sodass der Gehörlose es auf seinem eigenen Bildschirm sehen kann. Daher eignet sich das Schriftdolmetschen für Vorträge und Präsentationen, weniger aber für interaktive Situationen.

*

Eines ist, denke ich, klar: Das Dolmetschen ist sehr fehleranfällig. Die Leistung des Dolmetschers sollte nicht unterschätzt werden, auch wenn ihm ein Schnitzer passiert.

Damals an der Uni unterhielt ich mich mit einer Kommilitonin. „Weißt du“, sagte sie, „wenn du so gar nicht drüber nachdenken kannst, was du da eigentlich sagst, und das alles automatisch ablaufen muss…“ und sie wollte sagen: „dann dolmetscht du früher oder später mal kompletten Blödsinn.“
Offenbar war sie in Gedanken auch schon wieder am Dolmetschen oder so, denn raus kam: „… dann dolsdumetscht…“ Seit dem Tag bezeichneten wir unter uns das Konzept „Fehler machen beim Dolmetschen“ als „Dolsdumetschen“ , zur Erheiterung und Verwirrung neuer Studenten.

So, und weil ich der Meinung bin, dass man durchaus über Dolmetschfehler lachen darf, auch wenn man sie dem Dolmetscher selbst nicht vorzuhalten braucht… und weil aus dem „dolsdumetschen“ manchmal ganz witzige Sachen entstehen:

Es war 2005, und George Lucas gab ein Interview, das – simultan – gedolmetscht wurde. Natürlich sollte sich der Dolmetscher, der George Lucas dolmetscht, vorher vielleicht in relevante Dinge aus seinem Werk einlesen, aber wir wissen schon mal nicht, wie viel Vorwarnung der hatte… und sicher nicht auf dem Plan der Zusammenfassung oder vorgeschriebenen Texte stand der Satz, den Lucas abschließend sagte: „May the force be with you!“ (Möge die Macht mit euch sein). Ein berühmtes Zitat aus Star Wars.

Ein Star-Wars-Fan war er bestimmt nicht, der Dolmetscher. Denn, was dolmetschte der?

„Am vierten Mai sind wir bei Ihnen.“

Force falsch als „fourth“ – vierter – zu hören… na ja, wenn man das Zitat nicht kennt, kann es wohl passieren. Dass dann „May“ Mai und nicht „Möge“ wird – logisch. Aus dem Rest machte er, was er konnte…

Er erntete großen Spott, und die Sache sprach sich rum…

Dass jedoch die Star-Wars-Fangemeinde seit 2011 international am 4. Mai den „Star-Wars-Tag“ begeht hat, trotz hartnäckiger Gerüchte, keinen Kausalzusammenhang damit.

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33 Gedanken zu “Der Dolmetscher

    1. Der Dolmetscher? Ich der Regel eine Kombination, selten zwei. Der Dolmetscher arbeitet meistens nur in die Muttersprache, denn akzentfreies Sprechen ist Voraussetzung.
      Oder meintest du, wie viele Sprachen ich als Übersetzer bearbeite?

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      1. Für Englisch-Deutsch, Russisch-Deutsch, Spanisch-Deutsch, Russisch-Englisch, Spanisch-Englisch bin ich qualifiziert, sagt mein Diplom. Verständigen kann ich mich noch in ein paar anderen europäsichen Sprachen, Verstehen noch ein paar mehr, und dann noch ein paar (Dänisch, Finnisch) ausschließlich Lesen.
        Aber zum Arbeiten bleibe ich ganz strikt bei den oben genannten Kombinationen

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      2. Nur, solang du mich nicht müde erlebst. Dann kann dir nämlich passieren, dass ich die Grammatik von Sprache 1 mit dem Vokabular von Sprache 2 und der Ausdrucksweise von Sprache 3 sowie den Ausspracheregeln von Sprache 4 kombiniere… Nein, das Ergebnis versteht dann kein Mensch mehr…

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      3. Glaub ich auch.Ich freue mich, dass meine Kids auch sprachbegabt sind.Zwar nicht so wie du,aber alle mal besser als ihre Mutter ☺

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      4. *lach* ich kann dir sagen, es kommt der Punkt, an dem das Aneignen einer weiteren Sprache nicht mehr sooo schwer wird, solange man in der gleichen Sprachfamilie bleibt. Z. B. kann man portugiesisch sehr schnell lernen, wenn man Spanisch kann und die Entwicklungsströme der Sprachen kennt. Man kann dann sehr viel ableiten. Mit einem Hintergrund in Deutsch und English hat man Niederländisch sehr schnell. Vom Russischen ist es kein wahnsinnig weiter Weg zum Polnischen usw.

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      5. „…Man kann dann sehr viel ableiten. Mit einem Hintergrund in Deutsch und English hat man Niederländisch sehr schnell….“

        Hmmm rein theoretisch müsste das ja dann auch im Umkehrschluss funktionieren… Bei mir jedoch nicht…
        Ich beherrsche ja sehr gut deutsch und niederländisch, trotzdem ist mein englisch grotten grotten schlecht… 😦 ist ohnehin merkwürdig, ich meine jeder… wirklich JEDER… spricht heute perfekt englisch und ich finde das Horror! Glaube ich habe eine Allergie! Da ist ja französisch besser…

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      6. Ich weiß nicht, ob das im Umkehrschluss funktioniert… ich meine… wenn ich dir Mich und Kakaopulver gebe, kannst du draus Kaba machen, aber wenn ich dir Kaba und eine Dose Kakaopulver hinstelle und sage „Mach dir daraus jetzt ein Glas Milch“, lachst du mich aus…
        Mir geht es mit Französisch wie dir mit Englisch, dabei würde ich es wirklich gerne gut sprechen. Und alles sagen mir „Du kannst doch Latein und Spanisch, das muss doch ganz einfach sein für dich.“ Na jee. ISSES EBEN NICHT. Ich finde das gerade total witzig, weil du die erste bist außer mir, von der ich das Wort „Allergie“ in Zusammenhang mit Sprache sehe… Ich sage auch immer, auf Französisch bin ich irgendwie allergisch.
        Mit „jeder… wirklich JEDER… spricht heute perfekt englisch “ – Geh mir bloß mit dieser Aussage. Es ist nicht so. Es glauben viele Leute, aber es ist nicht so. Dann bekomme ich Texte, die Leute selbst übersetzt oder direkt auf Englisch verfasst haben, mit der Bitte, das schnell mit einem Feinschliff zu versehen, und ich kann ihnen ihr komplett sinnfreies Machwerk dann nur um die Ohren hauen. Das Englische ist eine Sprache, die im mündlichen Verkehr Fehler sehr gut verzeiht, und die man in der Regel schnell auf einer verständigungstauglichen Ebene lernen kann. Von wirklich beherrschen ist das dann noch meilenweit entfernt…
        „Übersetzer? Für Englisch? Wozu? Englisch kann doch jeder!“ steht in der Liste der Sätze, die ich regelmäßg höre relativ weit oben…

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      7. Siehste und mir kann man eben den größten Schwachsinn in englisch unterjubeln… Ich merke es ja nicht mal, wenn in meinem Kaba die Milch fehlt, wird mir das aber garantiert auffallen 😁
        Aber französisch sollte für dich doch total easy (merkst du ich kann englisch!!!) sein, nicht weil du Sprachen kannst, sondern natürlich wegen deinem Mann. Das kann dann wirklich nur an der Allergie liegen, denn, wenn er beispielsweise einen Monat ausschließlich französisch mit dir sprechen würde, dann hast du das in Null Komma Nix drin.

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      8. Ich hatte mal nen Spanier als Freund, da ging das so. Spanisch hab ich damals sehr schnell gelernt.
        Nur französisch sprechen.. hatten wir uns schon öfter vorgenommen, aber es scheitert immer daran, dass es uns beide frustriert. Es scheint zumindest teilweise damit zusammenzuhängen, wie viele Buchstaben das Französische einfach fallen lässt… Ich erwarte ja beim Staubsaugen jedes Mal, dass ein paar verlorene Endungen im Staubbeutel hängen.
        So, und jetzt kommt es: Mein alleresrster fester Freund EVER? französischer Muttersprachler. Dann der Spanier. Dann: Französischer Muttersprachler; Dann: deutscher Muttersprachler, der extrem gut Französisch sprach… (Man merkt. super lang hab ich es nie in einer Beziehung ausgehalten. Der Herr Bibliothekar hat sie alle locker überrundet.. also nicht jeden einzelnen sondern alle zusammen… So, und was hab ich jetzt…? Und *keiner* davon hat es geschafft, mir die französische Sprache beizubringen. Es muss doch eine Allergie sein…

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      9. *lach das scheint ein ziemlich eindeutiger Fall 🙂 Ich habe mich im französischen aber auch schon oft gefragt, warum sie so viele Buchstaben schreiben, wenn sie beim sprechen eh die Hälfte weg lassen.
        Ich habe leider nicht so viel Talent was Sprachen betrifft und leider verlerne ich sogar ziemlich schnell was ich nicht ständig gebrauche. Früher hatte ich einiges mehr drauf…

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      10. Ich habe sie tatsächlich zum großen Teil regelmäßig in Gebrauch, entweder durch Reisen, durch Gespräche mit Kollegen oder durch Lesen. Da die Gespräche meistens getippt stattfinden, fällt mir das Sprechen und Hörverstehen auch meistens extrem viel schwerer als das Schreiben und Lesen.
        Beim Französisch hören denke ich mir viel zu oft… War das jetzt ein Wort mit drei Buchstaben oder waren das drei auf jeweils einen Buchstaben verkürzte Wörter, die ohne Leerzeichen ausgesprochen wurden… bis ich damit fertig bin hat ER natürlich seinen Satz schon lange fertig, und zwei andere dazu. Sinn erfassen ohne die Wörter wirklich identifizieren zu können kann ich ganz schlecht.

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  1. Oh man, da dreht man ja schon beim lesen durch…
    Also für mich war das auch immer alles ziemlich gleich, da ist eben ein Mensch der viele Sprachen beherrscht und alles übersetzen kann, egal ob nun mündlich oder schriftlich… PUNKT 🙂
    Simultandolmetschen DAS stelle ich mir echt Hardcore vor! Ich habe ja schon Probleme NUR zuzuhören in meiner Sprache! Da würde ich kirre werden.

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    1. Es ist echt Hardcore! Der Stress geht an den Dolmetschern auch nicht spurlos vorbei.
      Bei uns an der Uni war die Durchfallquote auch wahnsinnig hoch. Beim „Probedolmetschen“ – das war die Prüfung für die *Zulassung* zum „praktischen“ Teil der Ausbildung als Dolmetscher – war es so, dass standardmäßig angenommen wurde, dass man mindestens beim ersten und zweiten Anlauf durchfällt. So ab dem dritten Versuch fing man dann langsam an, drüber nachzudenken, ob man eventuell durchkommen könnte.

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      1. Kommt drauf an, was du damit meinst; also, eine Prüfung, in der wir einen Text in irgendeiner Weise vorgelegt bekommen haben und den mündlich übersetzen mussten: Nein, gar nicht.
        Ein Prüfungsanteil war das „Stegreifübersetzen“, da bekommt man einen Text und eine halbe Stunde Zeit, die man den Text mit zur Verfügung gestellten Mitteln (Fachliteratur, Wörterbuch) vorbereiten darf. Danach stellt man einen vom Prüfer gewählten Abschnitt aus dem Text vor und erläutert die Schwierigkeiten und Herangehensweise.
        Die anderen mündlichen Prüfungen sind in Geschichte, Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft (Linguistik) und Übersetzungswissenschaft; dabei musste man bei uns in einer Arbeitssprache drei und in einer anderen eine wählen. Meine Prüfungsthemen waren:
        Englisch-Geschichte: Der Osteraufstand, Dublin 1916;
        Englisch-Literaturwissenschaft: Lord Byron
        Englisch-Literatur-/Kulturwissenschaft: Verwendung von Mythologie in Herr der Ringe
        Englisch-Übersetzungswissenschaft: Strömungen und Ansätze der Übersetzung (etwas in Anlehnung an meine Diplomarbeit, die sich mit dem Wandel der Ansätze beim Synchronisieren von Fernsehproduktionen seit den 1960er Jahren befasste)
        Russisch-Kulturwissenschaft: Der Kalte Krieg im Film.
        Also mündliche Prüfungen hatte ich schon, aber nicht im Sinn von „übersetz‘ das mal mündlich und lass dich dafür benoten.“

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      2. Ja, wir waren komplett frei in der Bereichs- und Themenwahl (Wellington kannte ich damals noch nicht „persönlich“); wir mussten nur einen Prüfer (und bei Wunsch einen Beisitzer) finden, der bereit war, zu dem jeweils gewählten Thema eine Prüfung abzunehmen und dann die Themenliste mit den Unterschriften dieser Personen im Prüfungsamt abgeben. Theoretisch hätten wir also in einer Sprache bis zu zehn Prüfer (5 Hauptprüfer, 5 Beisitzer – also 4 mündliche Themen + „Stegreif“) haben können. Empfohlen wurde uns, maximal insgesamt 4 Prüfer zu haben, unter denen das aufgeteilt wird. Ich kam mit 2 aus; der eine nahm die Prüfung für das Stegreifübersetzen und die Übersetzungswissenschaft ab, der andere den Rest, beigesessen hat jeweils der, der gerade nicht dran war. Es war sehr entspannt. Im russischen hatten wir leider nur eine Professorin, die Prüfung mit gewünschter Prüfungssprache deutsch abnehmen konnte, & einen Professor, der mit gewünschter Prüfungssprache russisch abnahm. Der jeweils andere zwangsweise als Beisitzer, wenn man einen wollte. Das verringerte die Themenwahl massiv.

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      3. Danke. Fand ich damals auch. Bis mir eröffnet wurde, ich soll ein Gedicht von Byron vortragen. Ich. Mit meinem nichtvorhandenen Taktgefühl. Na, ich habs irgendwie überstanden, und es hat mir die Note nicht versaut. Mein Prof. war super. Sehr unbeliebt bei vielen, weil er viel Arbeit verlangte und sehr direkt war.
        Er gab mir einmal die schlechteste Note, die ich je in einem Seminar auf die Seminararbeit bekommen hatte… zusammen mit einer 45minütigen Besprechung unter vier Augen, in der er mir ausführlich alles darlegte, was nicht passte/besser hätte sein können/etc.
        Im nächsten Jahr stand ich dann da und wollte ihn als Betreuer für meine Diplomarbeit. Er dann so: „…und warum wollen Sie ausgerechnet mich?“ Ich: „Weil Sie mir sagen, wenn ich Mist schreibe.“ Das sah er ein… Habe erst nach dem Diplim rausgefunden, dass ich über eines seiner Lieblingsthemen geschrieben habe. Weiß nicht, ob ich mir das getraut hätte, wenn ich das gewusst hätte…

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      4. Ich kann sie gut auswendig lernen und dann kann ich sie. Aufsagen kann ich sie sogar auch noch einigermaßen, ohne dass man schreien weglaufen muss (aber gut ist anders). Vorlesen vom Blatt kann ich gar nicht. Da fehlt mir jedes Gefühl für…

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      5. Das geht ja auch nur bei Sachen die man fühlen kann. Also erwarte bitte kein romantisches Liebesgedicht von mir… Auch wenn heute -glaube ich – Valentinstag ist!?

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  2. Ein sehr interessanter Beitrag und ich musste kräftig über den Star Wars Dolmetscher schmunzeln! Meine Schwester ist selbst Übersetzerin, daher kenne ich die von dir beschriebenen typischen fragen ein wenig. Sie wurde neulich tatsächlich gefragt, ob das denn überhaupt ein echter Beruf wäre… ich habe größten Respekt vor beiden: Übersetzern und Dolmetschern. Mir persönlich fällt es sehr schwer, Texte oder Unterhaltungen wörtlich zu übersetzen, ich kann den Sinn erklären, aber auch das oft nur bedingt, da mir oft das passende Wort in der jeweils anderen Sprache nicht einfällt. Interessanterweise kann ich besser von deutsch auf englisch übersetzen, obwohl englisch nicht meine Muttersprache ist, aber vieles lässt sich, finde ich, einfach besser ausdrücken im englischen.

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    1. Das ist, auch wenn’s auf den ersten Blick komisch wirkt, ganz normal. Es schreiben auch die allermeisten Übersetzerstudenten in die erste Fremdsprache bessere Noten als in die Muttersprache. Es hat was damit zu tun, dass man die Fremdsprache anders, strukturierter und bewusste gelernt hat. Viele Kollegen unterlassen es leider, dies in der Muttersprache nachzuholen. Wörtliches Übersetzen ist auch außer im Fremspracheunterricht an der Schule selten gefragt.

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