Wir kaufen ja echt gerne Bücher. Auch im Konvolut aus Haushaltsauflösungen oder Bibliotheksverkäufen. Manche davon sind dann in echt schlimmen Zuständen.

Wenn das Buch alt genug ist, um einen gewissen Wert zu haben – alles, was nicht im großen Stil kommerziell produziert wurde – geht es natürlich zum Restaurator.

Manchmal habe ich aber ein Buch in der Hand, das zu neu ist, um den Aufwand zu rechtfertigen, eigentlich auch in die Sammlung passen würde… ABER. Der Zustand…

Wie bei dieser Ausgabe von Schwabs Sagen des klassischen Altertums. Ausgesondertes Bibliotheksbuch; der Buchrücken zerfleddert, der Umschlag zerschnitten und aufgeklebt, die vorderen und hinteren Seiten des Buchblocks herausgerissen und zer-rissen, und natürlich mit Bibliotheksstempeln.

299707_2354642950020_4660128_nDas ist der Buchblock, der in einigermaßen gutem Zustand war, nach Entfernen des kaputten Eingands. Rechts lose Seiten.

Ich suche mir eine Papiersorte, die in Farbe und Stärke möglichst gut dazu passt, lade meinen Drucker damit. Scanne die zerrissenen und gestempelten Seitene ein und entferne im Grafikprogramm (Achtung: BMP, TIFF; aber keine komprimierten Formate wie JPG! Zu viel Qualitätsverlust) die Stempel und Risslinien.

Dann wird ausgedruckt und zugeschnitten… hier rechts zwei Seiten im Vergleich, Druck und Original.

Danach brauche ich einen ausrangierten Leitzordner.

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Links oben im Bild übrigens der kaputte alte Einband. Diese Order haben genau die richtige Stärke für neue Buchdeckel.

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Hier fertig ausgeschnitten, aber noch sehr ausgefranst – die Kanten mit Feile und/oder Sandpapier bearbeiten, sonst sieht es nachher nicht gut aus. Für den Buchrücken schneide ich noch einen Streifen aus Pizzakarton und klebe zwei Lagen zusammen, das stützt genug, ist aber noch biegsam.

Zum Bespannen habe ich Leinenstoff. Der wird noch immer in exakt den Farben verkauft, die man typischerweise auf leinenbezogenen Büchern findet. Nur etwas sauberer.

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Und noch nicht imprägniert, natürlich, drum glänzt mein Stoff (das, was ganz unten liegt) nicht.

Jetzt kommt etwas Getüftel bei dem ich auch nicht fotografieren kann: Die zugeschnittenen Buchrücken werden eng an eng (es darf nichts überlappen aber auch kein Freiraum bleiben) mit doppelseitigem Teppichklebeband belegt. Das richtig gute von TESA aus dem Baumarkt.

Das kommt dann mit der anderen Seite auf den Leinenstoff, mit dem Pizzabuchrücken dazwischen als Abstandhalter.

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Das ist mein leerer Einband.

Die neu gedruckten Seiten kommen auf den Buchblock, ein Streifen übrigebliebener Stoff wird mit Klebstoff getränkt und gegen die Rücksseite (Da, wo nachher der Buchrücken sein wird) gelegt. Wichtig: oben und unten muss jeweils eine weiße Seite sein. Wenn jede Seite, die vorher im Buch war, nachgedruckt wurde, ist das ohnehin der Fall.

Während das trocknet, fange ich mal an, meinen neuen Einband vorzubeschriften.

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Zum Beschriften schreibe ich mit dünnem Edding oder Fineliner vor. Zuletzt kommt dann auf die Imprägnierung Acrylfarbe, wenn ich so viel Lust habe.

Die Falte oben links neben dem Text kommt daher, dass mein Pizzabuchrücken nicht gest eingeklebt wird, sondern nur oben und unten leicht angeheftet. Da muss sich nämlich etwas mehr bewegen können. Nachher wird druch den Buchblock etwas Spannung drauf sein, dann faltet auch nichts mehr.

Wenn alles gut trocken ist und hält, kommt der Buchblock in den Einband. Er wird nur vorne und hinten befestigt, denn sonst könnte man nicht gut umblättern.

Das ist der Grund, warum die erste und letzte Seite (nicht das erste und letzte Blatt) nicht bedruckt sein darf – zum Befestigen nehme ich ein größeres Blatt, das auf einer Hälfte auf die oberste/unterste Seite geklebt wird (UHU), und auf der anderen Seite – bei mir ebenfalls mit Teppichklebeband auf den Einband.

Wenn ihr euch mal ein Hardcover aus eurem Bücherregal greift, werdet ihr vermutlich feststellen, dass es da auch nicht anders gemacht wird. Nur ohne Pizzakarton und ohne Teppichklebeband.

Na, und schon kann ich in aller Ruhe durchblättern….

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So, Buch zu. Jetzt raus an die frische Luft mit ihm, denn damit der Einband nachher aussieht, wie ein Einband, sollte er „imprägniert“ werden.

Hardcore-Haarspray hat sich dafür bewährt, einsprühen, bis der ganze Einband damit getränkt ist. Dann trocknen lassen. Draußen bitte. Und in die andere Richtung atmen. Der Gestank ist widerlich, verfliegt aber zum Glück.

Auf dem Ergebnis kann man dann mit einem feinen Pinsel und Acrylfarbe noch gut die endgültige Beschriftung aufbringen.

 

Ich spiele ja schon länger mit dem Gedanken, meine ganzen Science-Fiction-Taschenbücher unterschiedlicher Verlage einheitlich „umzubinden“ und

1. Hardcover draus zu machen und

2. ihnen ein einheitliches Design zu geben.

Nur… wo bekomme ich Leitzordner für ca. 450 Bücher her, und vor allem – wann mache ich das?!

Das Buch da oben wartet ja auch immer noch drauf, dass ich die Beschriftung fertig aufmale…

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14 Gedanken zu “Arme Bücher

    1. Danke! Eine der Sachen, für die ich viel zu wenig Zeit habe. Zwischenrein überkommt’s mich dann, wenn ich mich über den Zustand des einen oder anderen Buchs ärgere, dann mache ich zwei oder drei, und dann ist wieder ewig Pause. Ich sollte mir für sowas wie „Bibliothekswartung“ wirklich einen festen Zeitpunkt einplanen…

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      1. Das kommt sehr auf das Buch an. Scannen, drucken geht recht schnell, Seiten schneide ich mit einem großen Cutter zu, das geht auch schnell. Was wirklich viel Zeit kostet ist das genaue bekleben der „Buchdeckel“ mit Klebeband, aber das ist bisher die beste Lösung, die ich dafür gefunden habe. Da kann ich aber schon pro Seite (also 2 x pro Buch) eine halbe Stunde sitzen. Beschriften nimmt auch nochmal relativ viel Zeit, damit es ordentlich wird also für die oben dargestellten Schritte, ohne Acrylbeschriftung in dem obigen Ausmaß 2-3 Stunden Arbeit. Sehr viel weniger, wenn ich den bestehenden Einband weiterverwenden kann, also z. B. von innen unterlegen kann, damit wieder alles hält, und dann nur wieder am Buchblock festmachen muss. Dann reichen oft auch 30 Minuten.

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      2. Meine Geduld ist extrem situationsabhängig und zweckgebunden.
        Zu „auf die Idee muss man erst mal kommen“: Ich komme da noch auf ganz andere Ideen… Zum Schneiden von kleineren oder widerspenstigeren Sachen, die nicht mit dem Cutter gehen, nehme ich ein Skalpell (nein, kein Bastelmesser) – beste Klingenqualität, die man findet!
        Und wenn ich irgendwo kleinere Risse in Leder oder Stoffeinbänden habe, die man eignetlich nur „zustechen“ müsste, dann mit Nadel und Faden aus der Apotheke. Was in Menschenhaut keine größeren Löcher hinterlässt als der Faden Durchmesser hat, wird nämlich auch in Büchern deutlich unauffälliger… Nur mit dem Vorteil, dass man sie für Bücher wiederverwenden kann, bis der Faden alle ist, was man am Menschen eher nicht machen sollte 😉

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      3. Skalpell habe auch noch irgendwo, ewig nicht gebraucht.
        Geduld… Na ja… Mit den Hunden ja oder wenn ich Bilder mache, aber alles was so basteln, Handwerk oder Technik ist, bin ich ziemlich schnell genervt und vor allem unkonzentriert.

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      4. Tüfteln finde ich gut. Da kann ich auch lange Geduld aufbringen für. Wo sie mir sofort ausgeht ist, wenn es Arbeiten sind, die ich sozusagen ohne Hirn machen kann, und ich Leerlauf habe, das Gefühl mag ich gar nicht. Oder wenn ich immer wieder unterbrochen werde (also nicht nur durch jemanden oder etwas, sondern auch wenn es einfach eine Arbeit ist, die immer wieder pausieren, trocknen, etc. muss. Dieses An-Aus finde ich total furchtbar.)
        Skalpelle sind die Aller-allerbesten Bastelmesser! Nur den Finger sollte man nicht dazwischenhaben…

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      5. Ab hab ich zum Glück noch keinen geschnitten, rein durchaus schon (aber auch nicht so, dass irgendwas wichtiges durch gewesen wäre). Tut eigentlich nicht mal weh, wenn die Klinge richtig scharf ist, macht nur u.U. eine Mordssauerei.

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    1. Hmm, was liest sie sonst so? Der Schwab ist mehr oder weniger ein Standardwerk für „antike“ (griechische & römische) Sagen, aber datiert halt in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, entsprechend liest es sich für „unsere“ Empfindung nicht so flüssig. Es gibt natürlich im Bearbeitungen im Handel, – aber dann wäre meine persönliche Tendent eher, gleich eine „flüssigere“ Fassung zu kaufen, als einen bearbeiteten Schwab. Wenn sie mit der etwas altertümlichen Sprache und der inhaltlichen „Langfassung“ der Geschichten zurechtkommt, ist Schwab m. E. das Buch der Wahl. Ich habe allerdings 5 oder 6 verschieden illustrierte Ausgaben davon im Regal, also falls ihr euch „testweise“ eines leihen wollt zum anschmökern, wäre das für mich OK. (Ich kann dir auch einfach mal ein paar Testseiten einscannen und emailen, wenn ich wieder in BY bin)

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