Und sollte sich mal jemand beschweren, dass ich ständig „dasselbe“ trage… kann ich immer noch drauf verweisen, dass das andere Leute vor mir auch schon machten.

1.

Der Herzog war vielleicht der einzige große Mann, von dem wir lesen, der sich perfekt ordentlich kleidete. Er war in Spanien als „der Dandy“ bekannt; es war nicht abwertend gemeint: In einer Zeit, zu der die britische Armee nicht gut gekleidet war, war auffällig, wie sorgfältig er seine Kleidung wählte.

Original:
The Duke was perhaps the only great man we read of, who was perfectly neat in his dress. He was known in Spain as “The Dandy”; not as a term of deterioration: he was conspicuous, at a time when the British Army was not well dressed, for the careful manner in which he wore his clothes.
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, S. 36.

Auf Portraitbildern sieht man Herzog Wellington häufiger in voller Uniform.

Gerade auf Schlachtenbildern ist das aber weniger der Fall. Dargestellt wird er dann meistens in einem kurzen blauen Mantel über einer weißen Reithose und einem weißen Hemd. Dieser gelegentlich als „Salisbury Coat“ bezeichnete Mantel – Lady Salisbury war hatte ihn ihm geschenkt in der Farbe „Hatfield Hunt Blue“ – Sozusagen der Emblemfarbe der Salisburys – war Wellingtons ständiger Begleiter. Er muss wohl auch entsprechende Nachfolger gehabt haben – jedenfalls ist es schwer vorstellbar, dass derselbe Mantel mehrere Jahrzehnte überstanden hat.

Die Uniform trug Wellesley im Feld nach Indien eher nicht mehr. Er im Rang auch weit genug aufgestiegen, um sich das zu „leisten“. Er war bei weitem nicht der einzige Offizier, der es vorzog, in Zivil in die Schlacht zu reiten, aber wohl derjenige, der es am konsistentesten durchzog: Einige seiner Offiziere bekamen ihn in seiner gesamten Zeit als Oberbefehlshaber nicht einmal in Uniform zu Gesicht.

2.

Datierend vor 1814:

Die Anwohner waren auch recht überrascht zu sehen, dass der Generalissimo der Armeen Großbritanniens, Portugals und Spaniens in einen einfachen blauen Gehrock gekleidet, ohne einen einzigen Orden, seinen täglichen, und manchmal einsamen, Spaziergang machte.

Original:
It was not without astonishment, too, that the inhabitants beheld the Generalissimo of the armies of Great Britain, Portugal, and Spain, habited in a plain blue frock coat, without a single decoration, take his daily, and sometimes solitary walk […]
—Notes of Major B. Jackson, zitiert nach Basil Jackson & C. Rockfort Scott: The Military Life of Field Marshal the Duke of Wellington, Vol. II., S. 430

3.

Natürlich war der blaue Mantel bei Waterloo auch dabei.

[…] dass der Herzog am Tag der Schlacht von Waterloo einen einfachen blauen Mantel, einen kurzen Umhang in deselben Farbe und einen niedrigen Dreispitz ohne Feder oder Zierde trug […]

Original:
[…] that the Duke wore on the day of Waterloo a plain blue coat, a short cloak of the same colour, and a low cocked-hat without feather or ornament […]
—Notes of Major B. Jackson, zitiert nach Basil Jackson & C. Rockfort Scott: The Military Life of Field Marshal the Duke of Wellington, Vol. II., S. 601

4.

Und später – hier 1828:

Er trug einen einfachen blauen Mantel mit dem Hosenbandorden.

Original:
He was dressed in a plain blue coat with the Order of the Garter.
—John Cam Hobhouse: Recollections of a long life , S. 265

5.

Sehr viel später:

Der Herzog war gekleidet, wie er gemalt werden wollte. Er trug diverse Orden und hatte seinen blauen Gehrock mit dem Stern auf der Brust an.

Original:
The Duke was dressed as he wished to be taken, wearing his various orders, and had on his blue dress coat, with the star on his breast.
Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; S. 127

(Der Stern gehört zum Hosenbandorden und war sozusagen Pflicht zu tragen).

6.

Seine liebste Aufmachung war ein blauer Gehrock über einer weißen Weste, weißen Hosen und einem weißen Halstuch – letzteres hinten mit einer großen Silberschnalle geschlossen.

Original:
His favourite costume was a blue frock coat, white waistcoat, white trousers, and white neckcloth – the latter fastened behind with a large silver buckle.
—Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; S. 75 f.

Die Tatsache, dass er beim Halstuch „beschummelte“ wird auch häufig genug erwähnt um vermuten zu lassen, dass es auffiel.

7.

Noch ein Beispiel?

Der Herzog trug um den Hals ein sonderbares Tuch, das sich nur schwer beschreiben lässt. Der weiße Batist warf vorne zahlreiche Falten, hatte aber keine Schleife und keinen Knoten. Im Nacken befand sich eine mehrere Zoll tiefe, breite Schnalle.

Original:
The Duke wore round his neck a peculiar cravat, not easy to describe. The white cambric was in numerous folds in front, without a bow or tie; and was fastened at the into a broad buckle, several inches deep, at the back of his neck. .
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, S. 37.

8.

Handschuhe… Handschuhe mochte er auch nicht.

Als Herr Weigall Jr. die Miniatur fertiggestellt hatte, merkte seiner Gnaden an: „Sehr gut; aber eine Sache ist nicht historisch korrekt – Sie haben mir einen Handschuh angezogen. Ich trage nie Handschuhe. Ist aber egal; ändern Sie es nicht. Ich sollte sie ja tragen.“

Original:
When Mr. Weigall, jun., had finished his miniature, his Grace remarked: “Very good; but there is one thing in it that is not historically correct—you have put a glove on my hand: I never wear gloves. However, it is of no consequence; I don’t want it altered; I ought to wear them.”
—Wellingtoniana: Anecdotes, Maxims, and Characteristics, of the Duke of Wellington. Selected by John Timbs; London: Ingram, Cooke and Co., 1852; S. 130

9.

Und schließlich hatte der blaue Mantel auch noch einen grauen „Kollegen“.

In späteren Jahren trug er fast ausschließlich ein Kleidungsstück, das damals noch ganz neu war und als „Paletôt“ bezeichnet wurde. Es war einreihig geknöpft, gerade geschnitten und ging ihm bis zum Knie und hatte einen schmalen Umlegekragen aus demselben Stoff. Es wurde ziemlich hoch zugeknöpft. Sein Hut hatte immer ein Futter aus hellgelbem Leder und eine schmale Krempe. Seine Hosen waren üblicherweise grau oder aus „Oxford Mixture“, wie man das Nannte. Seine Stiefel oder Schuhe waren gut geformt und poliert. Er hatte immer zwei Taschentücher aus Batist bei sich.

Original:
In later years, he almost invariably wore a garment, then novel, and known as a “Paletôt”, single-breasted, straightly cut, and reaching to the knees; with a narrow, turn-down, collar of the same material as the coat; and buttoned rather high up. His hat always with a very clean lining of pale yellow leather, had a narrow brim, trousers usually of grey, or ‚Oxford mixture’, as it was called; and his boots or shoes well shaped, and well blacked; he always carried two cambric pocket-handkerchiefs.
—Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, S. 36 f.

10.

Und wieder einmal sind es auch gerade die Karikaturen, die interessant werden… stellen sie ihn doch im Gegensatz zu den Portraits fast ausschließlich in eben dem oben erwähnten blauen Mantel dar. Und gerade Karikaturen zitieren ja eher das, was für das Objekt typisch ist… und weniger das, was der Auftraggeber für künstlerisch wertvoll hält.

Ich erinnere an die Karikatur aus dem Betten-Artikel:

take-up
Karikatur von William Heath, veröffentlicht von Thomas McLean, 1.10.1829
coup
Karikatur von John Doyle („HB“)
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