In nahezu allen deutschen Waldgebieten leben sie: Die Holzfräulein mit ihren vielen unterschiedlichen Namen. So auch im Oberpfälzer Wald. Klein sind sie, so ist man sich einig. Nicht besonders hübsch anzusehen, was an der eher ungepflegten Erscheinung liegen mag. Alt wirken sie, mit runzligen Gesichtern und häufig weißem Haar. Moos wächst ihnen am Körper, vor allem an den Füßen, etwa wie die behaarten Füße der Hobbits.

Sie kleiden sich in pflanzliches Material aus dem Wald, in dem sie hausen, oft in hohlen Baumstämmen, aber auch in Wurzelstöcken, Erdlöchern oder an anderen Orten. Man kann sie manchmal beim Handarbeiten entdecken. Ihre Haushaltsführung merkt man auch vor allem des Morgens, wenn der Rauch aus ihren Backöfen dem Morgennebel zum Verwechseln ähnlich über dem Moos liegt.

Ihnen wohlgesonnenen Menschen schenken sie ihren Segen und kleine Hilfen für den Haushalt. Sie achten auf die Kinder im Wald und weisen Verirrten den rechten Weg. Andererseits kommen sie gerne in die Küche und nehmen sich einen Anteil am frisch Gebackenen. Es ist Teil ihres rechtmäßigen Lohns dafür, dass sie die Menschen ihren Wald nutzen lassen. Auch von der Ernte ist ihnen ein Anteil abzugeben. Gerade in der Adventszeit kommen sie gerne ins Haus und verbringen auch die Nacht dort. Sie sind nicht gefährlich –  ihr Erscheinen wird als Anzeichen für bevorstehendes Glück angesehen.

Mit dem Zeichen von drei eingeritzten Kreuzen wird ein Brotlaib vor dem Anschneiden markiert, damit sie wissen, sie sind willkommen und dürfen sich ihren Anteil abholen. Dies wird bei uns teils tatsächlich noch immer so praktiziert.

Sie übernehmen dann gelegentlich Aufgaben im Haushalt, können jedoch leicht vertrieben werden: Fluchende Menschen sind ihnen zuwider. Wie die im Norden bekannten Heinzelmännchen verschwinden sie auf ewig, wenn man ihnen Kleidung schenkt.

Der natürliche Feind der Holzfräulein ist die Wilde Jagd, denn diese hetzt sie unbarmherzig und tötet sie, wenn sie sie erwischt. Schutz finden sie auf Baumstümpfen, in die der Holzfäller drei Kreuze geschnitten hat. Da jedoch dies, ebenso wie andere Bräuche, zunehmend in Vergessenheit gerät, finden die Holzfräulein immer weniger Schutz und werden immer mehr gefunden, zerrissen und gefressen. Daher sind werden sie seltener und seltener, und sind heute kaum noch zu finden.

Es gibt unterschiedliche Interpretationsansätze dazu, warum die Holzfräulein gerade so unbarmherzig von der Wilden Jagd unter Odin verfolgt werden. Eine geht dahin, dass sie ursprünglich aus einem konkurrierenden Religionssystem stammen.

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6 Gedanken zu “7. Nacht: Die Holzfräulein

    1. Hoffe ich auch immer wieder, aber ich fürchte, hier sind sie ausgerottet. Und der Domovoy, den der Vorbesitzer von meinem Haus beim Auszug „vergessen“ hat, tut leider auch keinen Handgriff für mich 😉

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