Von Klobenreuth nach Neustadt kann man auf der Straße gehen. Man könnte jedoch auch eine Abkürzung nehmen, durch den Wald und über den Bach. Das war auch der Weg, auf dem die Klobenreuther Gemeindemitglieder früher Sonntags zur Kirche nach Neustadt gingen. Allerdings wird der Weg nicht nach Einbruch der Dunkelheit benutzt, und schon gar nicht in Zeiten mit erhöhtem Spukaufkommen.

Die Brücke über den Bach – der „Rabenbach“ ist mehr ein kleiner Steg aus Granit.

Einst wurde in Neustadt eine Diebin gefasst. Da ihr Diebstahl besonders schwerwiegend war, wurde nicht nur die Todesstrafe ausgesprochen und vollstreckt, sondern die Strafe weiter verschärft: Der Leichnam sollte an einem Baum entlang des Wegs nach Klobenreuth aufgehängt werden, und dort hängen, bis die Raben das Fleisch abgefressen hatten.

Dies wurde so ausgeführt, und das Urteil wurde an der Stelle am Bach vollstreckt, an der noch immer die kleine Brücke steht.

Es heißt, seitdem hätte der Teufel selbst dort Zugang, und manch einer hat ihn schon gesehen, wie er bei der Brücke nachts mit zwei Kumpanen und Spielkarten auf achtlose Reisende wartet – denn zum  „Schafkopfen“ braucht man vier Mann.

Die Diebin von damals allerdings hat die Stelle ebenfalls nicht verlassen. Sie erscheint nachts im weißen Kleid – oder Büßerhemd.

Eine Begegnung wird so geschildert: In Klobenreuth lag eine Frau in den Wehen, und ein Kind aus dem Dorf wurde nach Neustadt geschickt, die Hebamme hohlen. Dem Jungen wurde eindringlich mitgeteilt, dass es eile, und so nahm er, auch wenn es bereits Nacht war, den Weg durch den Wald. Bei der Brücke begegnete er dann – wie zu erwarten – der „weißen Frau“, die ihm den Weg wies und ihn weiter zur Eile anhielt. Sei es aufgrund seines Alters, der Art seines Botengangs, oder weil sie allgemein keinen Groll gegen die Lebenden hegt – sie scheint es zumindest in dieser Nacht gut gemeint zu haben.

Leider sind keine anderen Begegnungen mit ihr bekannt, bei denen es zu Gesprächen gekommen wäre.

 

Linguistisch interessant: Der Steg wird als „Roombrückerl“ gesprochen. Es wird allgemein verstanden, dass das „Rabenbrückerl“ heißen soll. Jedoch: Im örtlichen Dialekt existiert das Wort „Rom“ oder „Room“ für „Raben“ nicht.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s