Die Drud ist ein Wesen, das in der Oberpfalz im Volksglauben einst weit und umfassend verbreitet war. In christlicher Zeit ging die Erklärung dahin, es sei eine Folge einer inkorrekt durchgeführten Taufe.

Bei der Oberpfälzer Drud gibt es ein paar kleine Besonderheiten: Andernorts sind sie häufig mit Hexen vermischt und werden als inhärent Böse dargestellt. Unsere Drud geht zwar nachts „drucken“, tut dies aber aus einem Zwang und gegen den eigenen Willen. Sie wünscht in der Regel die Erlösung von diesem Zustand.

Sie hat in der Regel die Fähigkeit des Gestaltwandels, kann im Dunkeln sehen und hört alles, was über sie gesprochen wird, egal wo und von wem, sofern der Ausspruch nicht mit einer bestimmten Formel begleitet wird.

Die männliche Drud bezeichnet man als Druderer. Dieser neigt dazu, nachts auf Dächer und andere hohe Stellen zu klettern. Wird er angesprochen, fällt er tot herunter.

Die Drud hingegen lässt bei ihren nächtlichen Ausflügen ihren Körper zurück und bewegt sich als Geistwesen.

Das „drucken“ stellt man sich dahingehend vor, dass die Drud sich nachts auf die Brust des schlafenden setzt und ihm das Atmen schwer macht sowie Alpträume verursacht. Sie hat insofern Ähnlichkeit mit dem Nachtmahr. Besonders leicht findet sie zum drucken Menschen, die „ihr Geld mit ins Bett nehmen“ oder nachts das Licht brennen lassen.

Vermutet man, eine Drud im Umfeld zu haben, sollte man sie mit diesem Verdacht keineswegs konfrontieren. Man darf nämlich nicht vergessen: Die Drud kann nichts für ihren Zustand. Sie wurde nicht durch eigene Schuld, nicht durch Dämonenpakt oder durch eigene Bosheit so, sondern durch den Fehler anderer. Daher ist sie relativ leicht zu erlösen – leider mit Nebenwirkung. Wirft man also einer Drud vor, eine ebensolche zu sein, oder spricht man sie auch nur darauf an, ist diese fortan frei, doch der Drudenzustand geht direkt auf den anderen über.

Es gibt natürlich zahlreiche Mittel, um den Besuch einer Drud zu verhindern. Eine Möglichkeit etwa wäre es, ein Messer mit der Schneide nach oben in die Tür zu stecken. Der Drudenfuß an der Tür oder am Bett ist ebenfalls ein probates Schutzmittel, und auch schlafen auf der rechten Seite soll helfen.

Hat man auf seinen Schutz vergessen, oder hat die Drud dennoch Zugang zum Schlafzimmer gefunden, ist es vielleicht am besten, sich einfach auf ein paar unangenehme Nächte einzustellen. Die Drud mag zwar, wenn sie keine Menschen zum drucken findet, durchaus den Tod kleinerer Tiere verursachen, und das Drucken mag auch bei Säuglingen durchaus tödlichen Ausgang finden, einem Erwachsenen kann sie jedoch neben dem nächtlichen Schrecken keinen weiteren Schaden zufügen. Sie kommt neun Nächte in Folge, und wird den Gedruckten danach in Ruhe lassen.

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2 Gedanken zu “3. Nacht: Die Drud

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