Dass es Weihnachten Geschenke gibt ist normal, üblich, war schon immer so und ist auch überall so… Wie jeder weiß.

…oder?

…oder vielleicht doch nicht?

Genau. Eben doch nicht.

Eigentlich ist die Sache mit den Weihnachtsgeschenken gar nicht so uninteressant.

Werfen wir mal einen Blick auf Weihnachten. Bevor ein allzu großer Anteil der Bevölkerung vergessen hat, was da überhaupt gefeiert wird, war Weihnachten mal die Feier von Jesu Geburt. Jawohl, in unserer Gegend verschmolzen in Termin und Brauchtum mit den heidnischen Julfest.

Was heißt „in unserer Gegend“?

Sagen wir’s mal so: England ist nicht sooo weit weg, aber der Weihnachtsbaum hielt dort erst im 19. Jahrhundert Einzug, sozusagen als „Import“ über Prinz Albert, der seinen deutschen Weihnachtsbaum mit in die neue Heimat brachte. Also nicht durch abhacken und einpacken, sondern durch Fortführung der Tradition im Königshaus. Und weil alle wollen, was die Queen hat, hat man nun heute in England auch Weihnachtsbäume. Und das natürlich schon immer.

Also, Weihnachten, Jesu Geburt… Geschenke? Ja, die gibt es zum Geburtstag, aber wenn man nicht gerade bei Pippi Langstrumpf ist, bekommt die doch das Geburtstagskind, und nicht die Gäste… warum beschenken wir uns zu Weihnachten?

Es war einmal vor langer Zeit, da gab es zu Weihnachten keine Geschenke. Das winterliche Geschenkefest war der 6. Dezember – St. Nikolaus. Dort ergeben sich die Geschenke tatsächlich aus der Nikolauslegende.
Dann kam Martin Luther, der kurzerhand die Heiligenverehrung abschaffte. Kein heiliger Nikolaus, kein Nikolausfest, keine Geschenke…. Nein, das kann man schwer durchsetzen. So wurde das Geschenkegeben im Protestantismus auf das Weihnachtsfest verlegt, der Geber war nun der „heilige Christ“. Daraus entstand das Christkind. Die Katholiken schenkten erst mal weiter am 6. Dezember.

Der Weihnachtsmann, der keineswegs, wie oft behauptet wird, identisch mit St. Nikolaus ist, entstand in seiner heutigen Form soweit durch Quellen belegbar erst im 19. Jahrhundert und ist eine Verschmelzung unterschiedlicher Gestalten, darunter eben auch St. Nikolaus. Allgemein setzte sich der Weihnachtsmann eher im Norden und Osten, das Christkind eher im Süden und Westen Deutschlands durch.

Das Weihnachtsfest wurde ab ca. 1800 auch immer größer und wichtiger gefeiert, und so verschob sich dann auch bei den Katholiken der Fokus – und das Geschenkegeben. Der nächste Katholik, der sich über Mischung der Konfessionen oder ökumenische Gottesdienste beschwert, könnte darüber mal nachdenken.

Wie ist das nun aber anderswo? Nach der Logik, dass das Geschenkegeben an Weihnachten auf Luther zurückgeht, müsste sich ja ergeben, dass in Gegenden, die von der Reformation weniger geprägt sind, die Geschenke auch an anderen Terminen übergeben werden.

Ganz so einfach ist es nicht – in den einst großteils protestantischen Niederlanden etwa ist der Nikolaustag noch größer als Weihnachten.
In Spanien und Italien gibt es die Geschenke traditionell auch nicht an Weihnachten – sondern an einem ganz anderen Termin, der jedoch immerhin irgendwie mit Geschenken in Verbindung steht: Dreikönig. Allerdings verschiebt sich dort aktuell der Geschenketermin auch zunehmend auf die Weihnachtstage – aus rein praktischen Gründen: Es ist einfach praktischer, den eigenen (Schul‑)Kindern ihre Geschenke zu BEGINN, und nicht am ENDE der Weihnachtsferien zu übergeben.

Und warum schenken wir uns nun überhaupt etwas, mitten in Winter?

Das älteste überlieferte Geschenkefest in Europa ist der Neujahrstag. Geschenkegabe zum Beginn des neuen Jahres lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Teilweise hielt sich dieser Brauch, je nach Region mehr oder weniger ausgeprägt.

Mein Mann und ich werden  zwar den heutigen Abend mit meiner Familie verbringen, und auch Geschenke mitbringen und bekommen, unser persönlicher gegenseitiger Geschenketag wird aber Neujahr sein. So, wie es unsere Figuren aus dem Re-enactment auch gehalten hätten/haben.

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8 Gedanken zu “Weihnachtsgeschenke

      1. Oh je das ist gar nicht gut… Wenn jemand ab und zu mal angetrunken ist, kann das ganz lustig sein, aber als Dauerzustand ist das unerträglich.
        Großbuchstaben werden überbewertet 😉
        Wie ist das Geschenk bei deinen Brüdern angekommen?

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      2. Sooo, wieder zuhause.

        Nein, es ist nicht gut. Der Alkoholismus ist bei ihr leider auch „nur“ Begleiterscheinung. Die zugrundeliegende Situation hat was mit Paranoia, akustischen Halluzinationen, Blackouts/Filmrissen und anderem zu tun, der Alkohol war für sie wohl über längere Zeit „Selbstmedikation“, macht aber natürlich das Problem nur schlimmer, und wurde auch irgendwann zu einem eigenen Problem. Gegen Diagnostik sperrte sie sich bislang. Aktuell ist sie allerdings stationär in Behandlung, sie hat wohl (hoffentlich?) endlich eingesehen, dass es so, wie es ist, nicht geht…
        Der heutige Abend war das Ergebnis von zwei Tagen „Urlaub“. Sie hat einen zweijährigen Sohn. Den Vater hat sie mehrfach aus dem Haus geworfen, dann wieder angebettelt zurückzukommen, irgendwann in diesem Herbst sagte er ihr dann, er käme nicht wieder.
        Wir trinken in der Familie inzwischen auch gar nichts mehr bzw. haben grundsätzlich keinen Alkohol im Haus. Angetrunken kam bei uns schon vorher eher selten vor, wir tranken zwar durchaus Alkohol, aber sehr stark unter „Genussaspekten“, und ich sag’s mal so… Unser Geschmack im alkoholischen Bereich ist nicht unbedingt billig, da überlegt man sich sehr gut, wie viel man trinkt. Entsprechend, und wohl weil ein paar Sachen nicht funktionierten, wie sie es sich vorgestellt hatte, kam sie dann halt schon im „passenden“ Zustand. Da Neffe möglichst wenig unter der Situation leiden soll, seine Mutter in dem Zustand zu erleben (Neffe lebt Großteils bei seinen Großeltern), ist die einzig funktionierende Lösung eigentlich, dass Schwester nonstop Aufmerksamkeit/Ansprache braucht, damit sie sich gar nicht erst in einer ihrer fixen Ideen verfängt, jemand würde ihr Böses wollen/sie hintergehen/etc. Das ist ziemlich anstrengend, ein bisschen wie beim Simultandolmetschen . Man muss regelmäßig durchwechseln, sonst hält das niemand durch. Deswegen „das war ein Grund warum wir…“, mehr Leute zum Durchtauschen. Den Rest der Feiertage nimmt mein Schwager meinen Neffen mit zu seinen Eltern, da relativiert sich dann alles andere für uns etwas.

        Brüder packten zuerst die Filamentrollen aus, überlegten kurz „Kabelrollen?“, dann las der eine was mit „Druckmaterial“ ab, und beim anderen fiel sehr sichtbar der Groschen.. Ich zitiere wörtlich: „Wir bekommen einen fucking 3D-Drucker?!“ gefolgt von einem Run auf das große Paket, als wären sie beide mindestens 10 Jahre jünger als es der Fall ist. Also, ich würde sagen, es gefällt. 😀

        Wir waren jetzt noch 90 min. draußen spazieren, sooo schön, die dunkle Stadt mit kalter Luft.

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      3. Okay klingt nach einem gemischten und vor allem anstrengenden Abend, den ich hätte nicht mit dir tauschen wollen. In stationärer Behandlung und sich im Ausgang betrinken ist nicht besonders effektiv. Das Traurige dabei ist im Grunde das Kind, dem quasi beide Elternteile fehlen.
        Gestern Abend war es hier auch noch schön draussen, aber heute haben wir Sturm, da ist durch die Nacht laufen nicht besonders schön.
        Ich habe dem Gatten den Abend gewidmet beim couchen 😉

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      4. Nee… effektiv ist anders. Neffe kann von Glück sagen, dass er Großeltern hat, die so einfach einspringen können.
        Oh, probt die Wilde Jagd bei euch schon mal? Hier war es quasi windstill heute nacht, richtig schön. Danach kam bei uns nochmal die große Badewanne zum Einsatz, jetzt geht’s ab ins Bett.

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