Im englischen Sprachgebrauch hört man die Begriffe „Flotsam“ und „Jetsam“ zumeist gemeinsam. Übertragen werden sie oft verwendet, um Dinge – oder Personen – zu beschreiben, die irgendwie durch die Ritzen gefallen sind und nun sozusagen ziel- und sinnlos treiben…

Eigentlich sind es Begriffe aus dem Seerecht. Übersetzt wird beides als „Treibgut“, jedoch ist die Unterscheidung in der ursprünglichen Verwendung relevant. „Flotsam“ sind Wrackteile oder Ladungsteile, die nach einer Havarie oder einem Unfall im Wasser treiben bzw. angeschwemmt werden. „Jetsam“ sind Schiffsteile oder Teile der Ladung, die mit Absicht über Bord geworfen wurden, etwa um Ballast loszuwerden oder um speziell zu verhindern, dass die Ladung mit dem Schiff untergeht.

Wenn ich unterwegs bin und mich umsehe, komme ich mir eben manchmal auch vor, wie ein Treibgutsammler. Ich wühle in dem angeschwemmten „Angebot“ und hoffe, irgendwo Goldmünzen zu finden… Sozusagen, denn natürlich suche ich keine Goldmünzen.

Für mich ist „Flotsam“ etwas, das ich mehr zufällig finde, das irgendwie schon durch –zig Hände gegangen ist, und bei dem die direkte Herkunft nicht mehr festzustellen ist. Als „Jetsam“ bezeichne ich entsprechend die eher unverhofften Funde, die ich direkt vom Vorbesitzer in einem gezielten Verkauf bekomme – etwa auf dem Flohmarkt oder auch mal per eBay.

*

Mein Lieblingsmann besteht drauf, dass die Mittagspause außer in strömendem Regen außerhalb der Arbeitsstätte verbracht wird. Wenn ich von der Bibliothek aus arbeite, sind wir also mittags immer eine Weise unterwegs. Das ist ganz nett, der Park ist nicht weit. Wenn das Wetter aber nicht so schön ist, zieht es uns oft eher in die andere Richtung. Dann landen wir wie heute etwa in einer Buchhandlung oder einem Antiquariat.

Das Schöne an Antiquariaten ist ja: man weiß vorher nie, was man findet.

Hier steckte also zwischen vielem Niederländisch und Französisch – mehr Niederländisch als Französisch in diesem Fall – ein dünnes deutsches Büchlein, sehr unscheinbar. Titel: „Nürnberg – 100 Jahre unter der Krone Bayerns.“

Der Mann entdeckt’s, schlägt es auf, grübelt, blättert, und fragt: „Hast du Geld dabei?“

„Ja, brauchst du welches?“

„Nee, aber du.“

Sagt’s und hält mir das Buch hin. „Seite 9, mittlerer Absatz, zweiter Eintrag.“

flotsam3

Das ist Flotsam. Und ein „Atty“.

Advertisements

12 Gedanken zu “Flotsam & Jetsam

    1. Mittagspause fantastisch nutzen: meinst du die Bücher oder das Spazierengehen? Ich würde ja einfach durcharbeiten, aber der Mann findet das schrecklich und „geht gar nicht, man muss mal raus“.

      Falls ihr mal in der Oberpfalz seid, darf Emily gerne einen Abstecher in meine Privatbibliothek machen. Unter 8000 Büchern, davon knapp 800 Kinderbücher, fände sie bestimmt was interessantes.
      Bei uns fing die Oma meiner Mutter, also meine Uroma, das Büchersammeln an. Entsprechend viele alte Bücher sind bei uns auch noch da. Das Gros der alten Sammlung steht bei meinen Eltern, die ist noch ein Stück größer als meine… und wird natürlich auch ständig mit Neuem und neuem Alten erweitert.

      Gefällt 1 Person

      1. Wie kam ich dazu… naja, Büchersammler in vierter Generation. Das ist in meiner Familie chronisch, ich arbeite quasi dran, seit ich Taschengeld bekomme. Mit zunehmendem Einkommen nahm dann auch die Qualität und Exklusivität zu, aber es sind auch einige echte Schmankerl dabei, die zufällig auf Flohmärkten usw. gefunden wurden. Zwischenrein übernehmen wir auch schon mal Komplettsammlungen z.B. aus Wohnungsauflösungen und teilen die unter uns auf. Wir haben die Themen in der Familie gesplittet, so residiert z. B. Märchen/Sagen und Geschichte bei mir, Kunst- und Literatursachbücher bei meiner Mutter, etc. Damit bleibt ein Kontinuum immer zusammen und es ist übersichtlicher „was da ist“, und wir haben dennoch alle Zugriff drauf. Die Menge an Büchern im Haus ist bei uns sozusagen immer durch die Größe des Hauses begrenzt. Bei meinem Mann auch, dessen Wohnung war als wir uns kennenlernten auch so voll mit Büchern dass man sich kaum noch umdrehen konnte. Die habe ich aber nie durchgezählt, die Bücher in Bayern sind katalogisiert und digital erfasst. Erstmalig vor meinem letzten Umzug, da waren es knapp 4000 und die Umzugsfirma fand es sehr lustig.

        Gefällt 1 Person

      2. Ooch. Bücher kann man auch anderswo unterbringen 😉 Bei meinem Mann waren/sind sie aus Platzgründen in Kisten, unterm Sofatisch, gestapelt zwischen Sofa und Wand, unter der schrägen Zimmerdecke, … (Die Schwiegermutter schimpft jedes Mal, wenn sie da ist. Wie KANN man nur so viele Bücher haben, und warum lenke ICH das nicht in geordnete Bahnen? Haha! Als ob… Wenn ich gefragt werde, wann ich wusste, dass der Mann es ernst meinte, dann sage ich – und das meine nun *ich* absolut ernst – an dem Tag, an dem er mir ein Bücherregal freiräumte und meinte „Da. Da kannst du deine hinstellen.“

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s