Ölbild "Thomas Lawrence: The Duke of Wellington mounted on Copenhagen as of Waterloo (1818)" als Leinwanddruck

Hier: Leinwanddruck.

Da ist er also, der erste aus meinem Geburtstags-„Abo“.

Gut ausgewählt hat er, der Mann. Es ist mein zweitliebstes Gemälde von Wellington. Er hat gut dran getan, nicht mein Lieblingsbild auszusuchen – ich denke er weiß genau, dass ich bei diesem von einem Druck nur enttäuscht sein könnte. (Irgendwann werden ich mir eine richtige Kopie malen lassen, aber „irgendwann“ ist noch nicht.)

Das Bild wartete auf mich, als wir gestern von Austerlitz zurückkamen.

Das Original, in der Sammlung des Earl Barthurst, ist mit knapp 4 m x knapp 2,5 m (156 x 96 Zoll) deutlich größer als mein Druck („Das Original würden wir in keiner Richtung durch die Tür bringen, und erst Recht nicht im Treppenhaus um die Ecke, also denk‘ nicht mal dran.“). Diese Übergröße ist nicht ungewöhnlich für Lawrence.

Ich liebe die Lawrence-Bilder ja wegen ihrer Details und der wahnsinnig genauen Beobachtung des Künstlers. Er hat auch Bilder in vernünftigeren Größen gemalt, aber auch dort sitzt jedes Bisschen. Er achtet auf die Kleinigkeiten in einem Gesicht. Da gibt es eine Kleinigkeit an Wellington, die man neben den Lawrence-Bildern fast ausschließlich in einer einzigen Quelle findet: der einen existierenden Daguerreotypie.

Bei dem Bild von Wellington auf Copenhagen fällt mir als erstes auf, dass die Proportionen stimmen. Wellington war kein großer Mann. Er war auch nicht besonders klein, mehr so der Durchschnitt für seine Zeit, er war aber sehr dünn, was ihn größer wirken ließ.
Copenhagen war auch kein großes Pferd. Viel hätte nicht gefehlt, und wie Marengo (Napoleons Lieblingspferd) hätte ihn nur sein Araberblut davor „gerettet“, ein Pony zu sein. Nicht, dass sich sein Herr daran gestört hätte, denn Wellington ritt durchaus Ponys, fand sie in bestimmten Situationen einem Großpferd sogar vorzuziehen. In einem Brief rät er einem Freund dringend davon ab, ohne Pony anzureisen, da ein Reitpferd in dem Gelände, in dem die geplante Jagd stattfinden sollte, keine Chance hätte.

Die meisten Bilder stellen Copenhagen jedoch als großen englischen Vollblüter dar (der Teil an Copenhagen, der kein Araber war, war in der Tat englischer Vollblüter). Der Sieger von Waterloo darf wohl nicht in 150 cm Höhe sitzen.

Copenhagens erste Karriere – als Rennpferd – war weder besonders lang noch besonders erfolgreich. Er wurde verkauft, erneut verkauft, und landete 1813 bei Arthur Wellesley, dessen Lieblingspferd er schnell wurde. Sein neuer Besitzer sagte über ihn, es gäbe sicher schnellere Pferde, schönere und umgänglichere, aber keiner könnte es an Ausdauer mit Copenhagen aufnehmen. Die Schlacht von Waterloo verbrachte Wellington ohne Pferdewechsel: das Pferd war 17 Stunden lang ununterbrochen im Einsatz, nach einer nicht besonders langen Rast in der Nacht zuvor, da er schon am Vortag längere Strecken zurücklegen musste. Nachdem die Schlacht geschlagen und der Reiter abstieg, schlug Copenhagen noch nach ihm aus.

Besonders bequem war er wohl auch nicht zu sitzen. Zumindest äußerten sich Personen, die ihn leihweise reiten durften, reichlich unbegeistert, und Wellington selbst soll lachend angemerkt haben, der Ruhm, Copenhagen reiten zu dürfen, sei deutlich größer, als der Komfort.

Copenhagen, unter anderem bekannt dafür, dass er sich zum Fressen am liebsten hinlegte, wurde Jahre später auf den Landsitz des Herzogs in den wohlverdienten Ruhestand geschickt, wo er seine Zeit als Deckhengst und Lieblings der Damen verbrachte, die ihm Kuchen, Torten und Schokolade zusteckten. Er verstarb 1836 im Alter von 28 Jahren.

Zu seinen Lebzeiten war sein Langhaar verwendet worden, um Schmuckstücke herzustellen. Einer ging noch einen Schritt weiter. Als Copenhagen am Tag nach seinem Tod sein eigenes Militärbegräbnis unter Aufsicht seines langjährigen Reiters Wellington erhielt, fiel dem auf, dass jemand dem toten Pferd einen Huf abgeschnitten hatte – wohl als Andenken. Es war eine der Gelegenheiten, in denen Wellington seine direkte Umwelt in den Genuss eines seiner Wutanfälle brachte. Der Huf wurde nach dem Tod des Herzogs zurückgegeben, als ein Diener ihn dem Erben überreichte – mit der Erklärung, er hätte ja nicht ahnen können, dass der Leichnam eines Pferds Wellington so (oder überhaupt in irgendeiner Weise) wichtig sei. Arthur Junior ließ daraus ein Tintenfass anfertigen, das heute in Apsley House in London noch zu sehen ist.

Copenhagen spielt unter anderem eine Rolle in Susanna Clarkes Kurzgeschichte „The Duke of Wellington Misplaces his Horse“, abgedruckt in „The Ladies of Grace Adieu“.

 

Richard Edgcumbe (Hrsg.): The Diary of Frances Lady Shelley, 1787 – 1817, John Murray, London, 1912

Sir William Fraser, Bart.: Words on Wellington, George Routledge & Sons, London, 1889

Julian Charles Young: A Memoir of Charles Mayne Young, Tragedian, With Extracts From His Son’s Journal, McMillan and Co., London, 1871

 

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10 Gedanken zu “Thomas Lawrence: The Duke of Wellington mounted on Copenhagen as of Waterloo (1818)

  1. Eine tolle Geschichte, Ehre wem Ehre gebührt, auch sei es ein treues Pferd.
    Ein wunderschönes Gemälde! Ich liebe es von seiner Art, natürlich das Motiv und es passt zu dir. Eine sehr gute Wahl!

    Hattest du gestern Geburtstag? Herzlichen Glückwunsch….

    Und ich muss noch erwähnen, dass ich es liebe deine Geschichten zu lesen.

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, gestern. Heute ist „Nein, ich kann das andere Geschenk NICHT aufstellen, erst muss eine passende Vitrine dazu her, sonst staubt das Ding ein, und ich bekomme es nie wieder sauber“-Tag. Meine Eltern hatten die geniale Idee, mir ein komplettes Schlachtdiorama (natürlich eine von Wellingtons Schlachten) für die Sammlung zu schenken. In Einzelteilen, versteht sich, damit ich was zu tüfteln habe. Maßstab 1:72. d.h. jeder einzelne Soldat ist nur knapp über 2 cm groß. Das wird lustig beim bemalen. 😀 Ich freu mich total drauf!

      Ich finde Lawrence-Gemälde allgemein toll, und das ist definitiv eines meiner ganz großen Favoriten.

      Und danke, das freut mich. Ich finde deine Bilder auch total toll!

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      1. Danke dir.
        Hmmm… jetzt wartest du auf Weihnachten, da gibt’s dann eine Vitrine… Die einzelnen Figuren müssen auch noch zusammengebaut werden oder „nur“ angemalt? Ich stelle mir das gerade ziemlich groß vor und vielteilig.
        Da hattest du gestern ja einen schönen Geburtstag, hat ja gepasst mit dem Event.

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      2. LACH nein… die gibts leider erst im nächsten Jahr. Bestellt ist schon… länger (mag gar nicht dran denken, wie lange), ich habe ja mehr Sachen, die aus Staubgründen mal hinter Glas müssten. Unser armer Schreiner steht leider extrem hoch im Kurs (durch das alte Haus, keine Maße nach DIN, etc.kann man nicht gut „von der Stange“ kaufen.) Termin zum Einbau ist Anfang des Jahres.
        Laut Schachtel sind es 200 Soldaten (jeweils bestehend aus dem Soldaten selbst, Waffe & Grundplättchen zum draufstellen, also 3 Teile / Soldat.) und 337 Zubehörteile (Kanonen, Zäune, Bäume, Barrikaden, Fahnen etc.) + die Grundplatte mit dem Terrain. Da hab ich gut zu tun.

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      3. Leider auch sehr platzraubend wenn man sowas wirklich aufstellen will. Ich glaub gerade beim so drübernachdenken: das wird was für den Sommer, wenn’s mir für alles, das mehr Bewegung verlangt, zu warm ist.

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      4. Prasselnden Kamin habe ich leider keinen, aber da könnte ich das auch nicht machen. Für solche Kleinarbeiten brauche ich ein ganz ruhiges Licht. Ich liebe Feuer, aber der Schattenwurf ist nichts für Tüftenarbeiten. Da wäre ich mehr für jeder ein Buch in die Hand und mit Plüschdecken zusammenkuscheln und in aller Ruhe lesen.

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