Eine meiner „neuen“ Wellidamen hatte einen „Unfall“. Lies: Sie hat sich solange mit der (sonst sehr zurückhaltenden) alten Schwarmchefin angelegt, bis diese sie gehörig vermöbelt hat. Leider ist die aber fast blind und sieht nicht so genau, wo sie hinhackt. Im Ergebnis hatte Wellidame-Neu in hellblau und weiß (noch immer ohne Name) nun rechts eine ausgerissene und eine abgeknickte Schwungfeder…

Zunächst war nur zu sehen, Flügel blutig, Vogel fliegt nicht. Also Welli vom Boden aufsammeln, dabei ordentlich die Finger ankauen lassen, und Vogel begutachten. Fazit: Außer Federn nichts kaputt. Die abgeknickte Feder war so, wie sie war, a) nutzlos und b) ein Verletzungsrisiko, da sie aus dem Flügel herausstand, also habe ich schweren Herzens das getan, was ich absolut nicht ausstehen kann, und die Feder an der Knickstelle gekappt. Gefahr beseitigt, Vogel nun rechts ohne die beiden äußeren Schwungfedern, was sehr traurig aussieht.

Der Welli ist nun bis zur nächsten Mauser nur sehr eingeschränkt flugfähig. Kurzfristig überlegte ich, sie erst mal vom Schwarm getrennt zu lassen. Schließlich fiel die Entscheidung dagegen. Das Vogelzimmer ist so aufgebaut, dass alles kletternd erreicht werden kann, und ich meine, in einem Schwarm von acht Wellensittichen muss sich die Rangordnung einfach selbst finden. Wenn ich sie jetzt rauslasse, fängt das gleiche Theater dann wieder an, wenn sie zurückgesetzt wird.

Bedenken wegen der Scheiben – das Wellizimmer hat auf der gesamten Front zum Durchgang zwischen Wohnzimmer und Esszimmer raumhohe Glasscheiben (nein, da fliegt niemand rein, Wellensittiche und Finken sind tatsächlich nicht blöd und in der Lage, eine Glasscheibe als Hindernis wahrzunehmen, wenn die Beleuchtungssituation stimmt) – da sie zunächst nicht nur „nur eingeschränkt“ sondern auch nur mit starker Schlagseite fliegen konnte, es aber trotzdem versuchte und ihre Flugrichtung nicht gut unter Kontrolle hatte, haben sich mit etwas Beobachtung erledigt. Nach einigen Stunden hat sie den Dreh tatsächlich raus und flattert ziemlich genau an den Zielort.

Advertisements

12 Gedanken zu “Das hat sie jetzt davon…

    1. Es wäre zu hoffen. So alt ist die Dame nicht mal, aber 6 Monate vs. 3 Jahre ist wahrscheinlich etwa so das Verhältnis Teenager vs. 30jährige 😉
      Es ist manchmal gar nicht so einfach, einfach wegzuschauen, wenn Rangordnung ausgehandelt wird, und die das machen zu lassen, aber im Schwarm muss das sein. Wenn ich da einmal eingreife, muss ich ständig…

      Gefällt mir

      1. Bei Vögeln ist es leider so, dass es ganz selten ganz ohne Blut abgeht, wenn eine es wirklich wissen will/drauf anlegt, den Schwarm zu übernehmen, weil die Federn ganz schnell ausgerissen sind. Da muss man dann immer schauen, blutet der Vogel weil er gebissen wurde, oder „nur“ weil er Federn lassen musste.
        Wir hatten vor fünf Jahren mal den Versuch, noch einen Papagei aufzunehmen, das ging gar nicht, die Dame wurde sich einfach nicht grün mit meinem Papageienhahn. Da konnte man machen, was man wollte, kaum glaubten sie sich unbeobachtet, ging es los, und da wurde auch richtig zugebissen. Wir haben für die „neue“ dann ein anderes Zuhause gefunden, die Woche oder so dazwischen musste sie leider im Käfig verbringen. Das hatte aber eine ganz andere Intensität…v.a. hat sie auch versucht, nach den Augen zu hacken, da war Eingreifen also wirklich angesagt.
        Das, was bei den Wellis abgeht, wenn pubertierende (das man man bei Papageienvögeln wirklich gut beobachten…) Neuzugänge da sind… naja, es heißt nicht umsonst „Hack-„Ordnung. Im Normalfall diskutieren die das einmal aus und dann hat erst mal jeder seinen Platz.

        Gefällt mir

      2. Eine Dame und ein Hahn? Wer ist in so einem Schwarm den Chef? Mann? Frau? Oder ein Paar? Bei Hunden passiert es ja äußerst selten, dass Rüde und Hündin sich nicht verstehen, normal regelt sich das sehr schnell, dass Mann klein beigibt.

        Gefällt 1 Person

      3. Bei den Wellis und vielen Vogelarten ist eine Henne der Chef. Beim Wellensittich kannst du allgemein so viele Hähne zusammen halten, wie du willst, aber tunlichst nie mehr Hennen, als du Hähne hast.
        Bei den Graupapageien ist es normalerweise so, dass die Vögel in Paaren leben (meine beiden sind kein Paar sondern nur „Mitbewohner“), und sich sonst eigentlich in Ruhe lassen. In der Dämmerung finden sie sich dann auch zum „Kaffekränzchen“ sozuzsagen zusammen. Bei den Papageien gibt es aber zwei Schwierigkeiten. Das eine ist, dass die wirklich sehr starke Sympathien und Antipathien entwickeln gegen Artgenossen. Wenn sich da zwei einfach „nicht riechen können“, stehst du auf verlorenem Posten. Das andere ist die Unsitte der Handaufzucht. Das sieht so aus, dass der Züchter das Ei selbst ausbrütet und das Junge von Hand aufzieht. Diese Vögel sind total auf den Menschen geprägt. Leider ist bei diesen Großpapageien viel Verhalten erlernt und im Vergleich zu anderen Tierarten relativ wenig angeboren. Das heißt, der nicht von Papageien aufgezogene Papagei hat von Papageiensozialverhalten keine Ahnung. Dadurch wird ihr Verhalten in vielen Bereiche anderen Vogeln gegenüber sehr unberechenbar. Simon (mein Papagei) ist eine Naturbrut, wurde also von seinen Papageieneltern aufgezogen. Garfunkel (mein Mamagei) ist eine Handaufzucht, weswegen die beiden auch nie ein Paar sein werden. Der Mamagei weiß nicht, dass der Papagei ein Sexualpartner sein könnte. Sie bietet dafür gerne Menschen in den höchsten Tönen zwitschernd ihr Hinterteil an… Der andere Papagei war ebenfalls handaufgezogen. Ob es daran lag, dass dadurch die zwischenpapageiliche Kommunikation komplett in die Hose ging, oder da wirklich eine graupapageientypische Antipathie zwischen den beiden im Spiel war, kann ich leider nicht sagen.

        Die beiden Wellidamen sitzen übringes gerade in bestem Einvernehmen vor dem Futternapf. Warum bitte nicht gleich so…?

        Gefällt 1 Person

      4. Interessant, ein wenig wie bei Gänsen, die ja auch ziemlich schnell auf Menschen geprägt sein können.
        Ja das sind Sachen über die man sich wohl nicht genügend Gedanken macht, wobei viele Menschen dies sicher auch vorsätzlich machen, damit die Tiere anhänglicher sind. Artgerecht ist sicher was anderes.
        Ich bin ja auch mehr auf Hunde geprägt, als auf Menschen…

        Ich frage jetzt mal nicht nach deinem Musikgeschmack 😉

        Gefällt 1 Person

      5. Ich fürchte, in den meisten Fällen ist das beim Papagei vorsätzlich. Handaufzuchten geben leider oft auch ganz schlechte Eltern ab, wenn man damit weiterzüchten will hat man u.U. gar keine andere Wahl als wieder von Hand aufzuziehen… Ich bin seit längerem auf der Suche nach einer passenden (Naturbrut-) Henne für meinen Papagei, weil ich denke, dass es für ihn sicher schöner wäre, wenn er eine Partnerin hätte, die zugibt, dass sie ein Vogel ist. Ist aber gar nicht so einfach… zum einen gibt es relativ wenige, zum anderen muss das Alter etwa zusammenpassen, da sich die Papageien mit größeren Altersunterschieden auch oft etwas schwer tun… die Auswahl ist also relativ eingeschränkt.

        Gefällt mir

      6. Nun ja es ist nicht verwunderlich. Wie soll man etwas weitergeben, was man selbst nicht kennt. Sein wir doch mal ehrlich… Ist es bei Menschen anders? Kann man gute Mutter oder Vater sein, wenn man selbst eine intakte Familie nicht mal kennt?
        Sollte so mancher Mensch mal drüber nachdenken… 😉

        Wie alt ist Herr Papagei denn? Und würde Mamagei, auch wenn sie dem Herrn nur freundschaftlich verbunden ist, nicht trotzdem Aversionen gegen eine andere Dame entwickeln? Also hätte ich jetzt einen besten Freund mit dem ich in der WG lebe, könnte der gut draussen rum vögeln, aber würde die Dame bei uns einziehen… Würde ich ihr wohl die Augen auskratzen…

        Gefällt 1 Person

      7. Ich hoffe, beim Menschen besteht zumindest in der Theorie die Möglichkeit, sich die notwendigen Fähigkeiten anzueignen, wenn er das wirklich möchte. Halte ich aber nicht für häufig.
        Wenn die Auskunft vom Züchter über die Ringnummer stimmt, ist er jetzt 10. Solange er ihr weiterhin den Walnussknacker macht, dürfte ihr das relativ egal sein. Der dritte Papagei hatte sie jedenfalls absolut nicht interessiert. Hätte sie die Wahl, würde sie eh‘ aus dem Schlafkäfig aus- und zu uns ins Schlafzimmer einziehen. Der Mann würde ihr das sogar noch erlauben, aber bei mir herrscht Tierverbot am Schlafplatz.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s