„Hey“, schreibt mich eine Bekannte an, „Brauchst du noch was zum Spenden? Das hier wär‘ doch was für dich, oder?“ Den anliegenden Link kenne ich bereits, hatte ich ihn doch zuvor schon auf der Social-Media-Seite einer anderen Bekannten gesehen. Und reichlich unbegeistert kommentiert.

Der Artikel

Klingt doch ganz gut? Vielleicht, auf den allerersten Blick, mit einem zugekniffenen Auge und im Vorbeifahren.

Im Artikel selbst lässt schon mich der erste Satz an der Recherchequalität zweifeln. Man mag zu der Sache mit der einheitlichen Bezeichnung „Autismusspektrum“ stehen, wie man will, und es ist kein Geheimnis: ich bin dagegen. Dennoch ist das nun mal seit drei Jahren die „offiziell“ vorgesehene Konvention. Hier wird also schon mal mit veralteten Begrifflichkeiten gearbeitet. Sicher, vielleicht teilt der Autor des Artikels meine Einstellung. Dann sieht die Wahl aber unkommentiert immer noch so aus, als wäre die Recherche vergessen worden. Daran ändert m. E. auch der erklärende Einschub nichts. Deshalb bin ich zumindest in der Theorie gewillt, den restlichen Inhalt mit einer Prise Salz zu genießen.

(Über die Sache mit der Grammatik und Zeichensetzung müsste man sich mit dem Autor auch nochmal unterhalten).

Hier meine Gedanken zum Inhalt so, wie er da steht:

Jawohl, Hilfestellung für die Schule ist notwendig, wichtig und würde auch von mir massiv begrüßt. Soweit gehe ich mit Frau Ott d’accord.

Nun steht hier aber: „Petra Ott’s [sic!] Traum ist es daher, jede Schule mit dem Koffer auszustatten, um autistische Kindern [sic!] aber auch Lehrer im Umgang mit diesen im Schulalltag zu unterstützen.“

Die Grundregel ist:
***Kennst du einen Autisten, kennst du genau einen Autisten.***

Den Autisten schlechthin, den Prototypen, das Maß aller autistischen Dinge, den gibt es nicht. Was dem einen hilft, kann den anderen total aus der Bahn werfen. Stellt man nun „jede[r] Schule“ einen solchen Koffer zur Verfügung, mit der Information „um autistische Kinder […] im Schulalltag zu unterstützen“ wird jedoch genau das suggeriert.

Hier, die Lösung.
Für autistische Kinder.
Im Allgemeinen.

Die wird nun aber den einigen mehr helfen, den anderen weniger, und wieder anderen überhaupt nicht.

Was geschieht nun aber mit denen, denen es weniger (oder gar nicht) hilft?

Hier öffnet man Tür und Tor für die Schuldzuweisung: „Du willst nicht.“
Es kommt die Erwartungshaltung „Schau, jetzt hast du schon dieses tolle Hilfsmittel, jetzt musst du es auch können“.
Funktioniert es nicht, ist dann ganz schnell das Kind schuld, das sich quer stellt, obwohl man jetzt schon extra diese Box angeschafft und eingesetzt hat… warum funktioniert der Autist nun also nicht, wie gewünscht, wenn man ihm doch die Lösung präsentiert?

Laut Artikel sagte Frau Ott, sie würden den Lehrern keinen Vorwurf machen, diese seien mit autistischen Kindern eben überfordert. Dies wird sich mit einer solchen Box im großen Rahmen nicht ändern. Sehr wohl jedoch wird sie die Erwartung wecken, dass das geschehen wird.

Von einem Lehrer ohne spezifische Ausbildung kann ich nicht erwarten, dass er Einblick in die Vielseitigkeit und die große Anzahl der Varietäten des Autismus hat. (Dass der Lehrer angesichts der Autismus-„rate“ dringend geschult werden müsste, da es wohl kaum einen Lehrer geben wird, der nie einem autistischen Schüler begegnet, steht auf einem anderen Blatt.)

Von jemandem der sich, wie Frau Ott laut Artikel, „[im] Studium jahrelang mit dem Asperger-Autismus auseinandersetzte“ erwarte ich dieses Wissen jedoch.

*

Brillenträger kennen es: Es wird kaum jemand durch die Brille des Nachbarn annähernd so gut sehen, wie durch die eigene. Es müsste schon ein großer Zufall sein, dass gerade zweimal die gleiche Stärke benötigt wird. Setzt man dem Kurzsichtigen eine Lesebrille auf, wird er noch schlechter sehen. Setzt man dem Weitsichtigen eine Fernbrille auf, gilt dasselbe. Das sind nur zwei von zahlreichen Möglichkeiten, die bei der Anpassung einer Brille zu beachten sind.

Niemand käme auf die Idee zu sagen: „Wir statten einfach alle Schulen mit Brillen mit Stärke X aus, und jeder Schüler, der schlecht sieht, bekommt eine“ – und dann auch noch zu erwarten, dass das funktioniert.

Das ist aber das Prinzip, das hier beschrieben wird.

Genau wie Sehfehler in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten können und ein präzise angepasstes Hilfsmittel benötigen, geht hier eine „One-size-fits-all“-Lösung an der Sache vorbei.

Unterstützung für Autisten im Unterricht: Ja, absolut und jederzeit.

Aber angepasst an den Einzelfall.

Immer individuell, nie generisch.

Und bitte in einer Weise, die keine Erwartungen weckt, die das Gros der autistischen Grundschüler nicht wird halten können.

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9 Gedanken zu “So bitte nicht – „Die schlaue Box“

  1. Sehe ich genauso! Ihre Idee mag ja gut sein und hilfreich für IHREN Autisten. Ist ja prima und freut mich, dass sie etwas gefunden hat, was IHREM Sohn hilft. Aber was soll das für all die anderen bringen? Ein gleicher Koffer für jedes autistische Kind? Obwohl jedes Kind doch auf etwas anderes „fixiert“ ist ganz andere Bedürfnisse hat?
    Ich versuchte mir gerade vorzustellen wie es für mich als Kind gewesen wäre… Also für mich waren vor allem gleiche klar strukturierte Abläufe das allerwichtigste, möglichst das gleiche Essen, die gleichen Klamotten, ansonsten war ich vollkommen introvertiert…
    Was also hätte mir so ein Koffer geholfen?? Hmmm mal denken… NICHTS…
    Vielleicht sollte man lieber mehr Zeit darauf verwenden, dass Lehrer sich mit Eltern zusammen setzen, die immerhin am besten wissen, was ihren (autistischen) Kindern gut tut und hilft?!

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    1. Ich weiß wie gesagt nicht, wie zuverlässig der Artikel das richtig darstellt. Aber ja, Idee gut, Ausführung wie dargestellt absolute mangelhaft.
      Für mich war auch gleiches Essen ganz wichtig, gleiche Klamotten kam bei mir lustigerweise erst später. Auch wichtig, gleiche Personen. Es hat zu Grundschulzeiten ewig gedauert, bis ich einer neuen Person gegenüber ein Wort rausgebracht habe. Wir hatten einmal acht Wochen eine Vertretungslehrerin, ich glaube die hat von mir nicht einmal ein Wort gehört in der Zeit. Ich weiß aber andererseits auch nicht, was sie uns beigebracht hat, während ich an die Inhalte unserer regulären Lehrerin bis heute relativ klare Erinnerungen habe (wenn man die Zeitspanne seither bedenkt…). Daraus schließe ich, dass ich in ihrem Unterricht ziemlich abwesend war. Das war mir auch beim Wechsel aufs Gymnasium mit das schwerste, jede Stunde wechselnde Fächer. Zum Glück hatte mein erstes Gymnasium die Regelung, dass die Lehrer die Klassen mindestens 2 Jahre am Stück unverändert betreuen.
      Und dann war für mich ganz wichtig, dass Dinge nach Plan passieren. Lehrer kam 5 Minuten zu spät in die Klasse? Sorry, der Tag war für mich schon gelaufen, es war erst mal nur noch Panik angesagt, weil nichts mehr stimmte.

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      1. Mit gleichen Klamotten war bei mir früher eher schlimm, später konnte ich das schon eher ertragen, wenn sie wenigstens ähnlich waren.
        Lehrer waren für mich generell ein Problem, glaube ich habe kaum mal mit jemandem gesprochen. Wenn ich an Lehrer denke, erinnere ich mich in erster Linie an Schlüsselbund und Co, was mir an den Kopf geworfen wurde.
        Der Supergau folgte jedoch, wo jede Stunde in anderen Räumen stattfand, damit kam ich gar nicht klar. Da fing es dann auch an, dass ich mehr und mehr Schule geschwänzt habe…
        Die ganze Schulzeit empfand ich einfach nur als Horror und das obwohl ich sehr gerne gelernt habe, aber… lieber alleine.

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      2. Schule schwänzen – auf die Idee wäre ich ganz lange Zeit gar nicht gekommen. Später ist es schon mal passiert, dass ich in einer Stunde nicht aufgetaucht bin, das war meinen Lehrern aber relativ egal, weil die Noten „stimmten“. Da fragte keiner danach. Auch nicht, wenn ich in der Stunde ein Buch ausgepackt und für mich gelesen habe. Da hatte ich mit dem Großteil mehrer Lehrer wirklich unverschämtes Glück. Einige andere waren natürlich auch dazwischen über die Jahre.
        In der Grundschule hatte ich denke ich Glück, dass meine Eltern sehr dahinter standen, dass (wobei der Begriff Autismus da keine Rolle spielte, bzw. gar nicht bekannt war, ich war halt so, wie [Name eines Verwandten einfügen]) da kein Zwang kam. Es gibt ein paar Gelegenheiten, bei denen ich mich rückblickend in den A*** beißen könnte für meine eigene Blödheit, weil ich meinte, es der Lehrerin Recht machen zu müssen, wobei es meiner Mutter damals wie auch später in Erzählungen wichtig war, klar zu machen, dass ich das entscheiden durfte, und sie absolut hinter mir gestanden hätte, wenn ich gesagt hätte, ich nehme z. B. an der Schulaufführung, an der meine „Rolle“ kurzfristig umgeplant wurde, nicht teil. (Glaube, ihr wäre es anders sogar lieber gewesen. Zitat: „Das hätte die Frau K. dann ruhig mal erklären können, warum ein Kind fehlt…“)
        Ich glaube die Einstellung der Eltern und deren Einflussnahme auf/Kommunikation mit den Lehrern ist gerade in der Grundschulzeit wahnsinnig wichtig. Wobei es sicher viele Lehrer gibt, die da auch total blocken würden.

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      3. Sei froh mit solchen Eltern, bei mir war das völlig egal, wie es mir geht oder ob es überhaupt geht, interessierte kein Mensch.
        Ich zog es bald vor lieber Ausstellungen zu besuchen, gelernt habe ich lieber zu Hause. So lange ich Prüfungen gut belegt hatte und es irgendwie funktionierte war das okay. Glaube mit mir war irgendwie jeder überfordert…

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      4. Klingt aber, als hättest du eine gute Lösung gefunden (Ausstellungen/zu hause lernen). Ich denke mir auch immer, unsere aktuelle Schulgeneration kann froh sein über ihre Eltern. Wenn ich mir da anschaue, was viele für Geschichten zu erzählen haben, da wird einem ganz anders (Dein Schlüsselbundlehrer… da mag ich gar nicht dran denken, sowas ist einfach nur grauenhaft. Was sich die Leute da wieder denken…)
        Ausstellungen habe ich in den letzten Schuljahren vor dem Abi komplett verweigert (hatte einen Hintergrund, schreibe ich irgendwann mal dazu, das wird wirklich zu lang für den Kommentar), da habe ich mich dann Jahre nach dem Studium erst wieder draufgetraut. Heute mag ich Ausstellungen, wenn sie gut gemacht sind, sehr.
        Ich war auch immer so – in manchen Fächern grade so eben auf Klassenniveau, in anderen grundsätzlich massiv voraus und in Musik hoffnungslos verloren. Was ein Glück, dass man wegen Musik nicht durchfallen kann…

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      5. Na ja, vielleicht macht man sich heute als Eltern einfach mehr Gedanken darüber, ist vielleicht auch aufgeklärter? Ich weiß es nicht. Oftmals bekommt man vielleicht auch eher Hilfe von außen.
        In meiner Zeit mussten Kinder einfach funktionieren und auch Lehrer konnten ja ganz anders agieren. Wenn heute ein Lehrer auch nur ansatzweise laut oder handgreiflich wird, ist er weg vom Fenster.
        Mochtest du Musik nicht? Ich konnte das zwar, mag ja auch Musik, aber vor anderen singen… Wenn man vor anderen nicht mal sprechen kann… Erübrigt sich das…
        Mein Notendurchschnitt wurde auch ziemlich versaut durch Sport… *seufz…

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      6. Ich bin musikalisch so massiv unbegabt… das wurde irgendwie alles für einen meiner Brüder aufgehoben. Bei dem sammelt sich, glaube ich, die gesamte Musikbegabung der Familie. Was danach noch über war, bekam der Jüngste, man muss ja nichts verschwenden ;)… Mir sagte Musik so absolut nichts, ich kann Tonhöhen kaum unterscheiden, auf Befehl schon gar nicht (ein Grund, warum ich nie versuchen werde, Chinesisch zu lernen. Ich höre den Unterschied nicht, ob „ma“ nun Mutter oder Pferd heißt.) Insofern war die Theorie ja noch OK, aber ich konnte einfach vieles nicht nachvollziehen. z. B. sagt mir „Terz“, „Quart“, etc. oder unterschiedliche Tonarten wirklich nur ganz abstrakt etwas, und bei den Prüfungen ging es dann oft darum, so etwas zu erkennen. Oder: Lehrer spielt Musikstück vor. Frage ist, nenne 5 Instrumente, die da spielen. Klavier ist relativ zuverlässig, außer es ist Berlioz, weil der selbst nicht Klavier spielte (sowas habe ich mir gemerkt, aber woran erkenne ich, ob das Stück von Berlioz ist… ich gebe zu, das Berlioz-Stück, das wir durchgenommen haben, fand ich sehr ansprechend und mag ich bis heute), Geige kann man noch schreiben, das ist recht häufig. Dann hört’s auf und wird wildes Raten. Dann Musikstückanalyse… uh-oh. Schlimmer als Gedichtanalyse! Am besten kann ich Karneval der Tiere analysieren, da zeigte uns der Lehrer, – ein anderer, noch am ersten Gymnasium – ein Video dazu, in dem das alles optisch umgesetzt war. Die Bilder kann ich mir auch ins Gedächtnis rufen, wenn ich das Stück höre, aber ich kann mir selbst keine bauen.
        Vorsingen war eine dieser Sachen, bei denen meine Eltern ( und vorher schon meine Großeltern, denn meine Tante hatte denselben Musiklehrer. Unser (mein zweites, nach Umzug) Gymnasium hatte nur den einen), beim Lehrer höchst unerfreut vorgesprochen haben. Die Großeltern hatten mehr zu kämpfen mit ihm, bei uns „kannte er das“ ja dann schon. Fast schade, dass er in Pension war, als mein musikalischer Bruder dann folgte.
        Sport wurde für mich sehr viel besser, als unser Direktor spitzkriegte, wie das mit meinen Augen ist, dass es eine Brille, mit der ich gut genug sehen kann (damals, heute schon) nicht in Kunststoff gab, und da war ihm das Haftungsrisiko zu hoch. Zum Sport abnehmen kam auch nicht in Frage, da ich zwar mit Brille 100% aber ohne nicht genug Sehvermögen hatte, als dass ich mich hätte orientieren können. Ich wurde dann angewiesen, bei allem, was ein Bruchrisiko war (Bodenturnen, Geräteturnen, alles mit einem Ball, der größer ist als ein Tischtennisball) etwas anderes zu machen. Z. B. Tanzchoreographie einstudieren oder für mich in der zweiten Halle Korbwerfen üben, oder einmal den Trimm-Dich-Pfad ablaufen, während der Rest Volleyball spielt. Der ging durch den Wald und war von der Strecke her super schön. Das war dann echt OK.

        Ein Runterziehfach war bei mir immer noch Mathe, irgendwo bei 3-4. Da hätte ich mehr tun müssen, war mir aber egal, weil es ja gereicht hat. In der Abiprüfung habe ich mich vorher hingesetzt, weil ich den Schnitt wollte, und dann meine 14 Punkte geschrieben. Da hat meine Mutter allerdings ordentlich die Augen verdreht drüber.

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  2. Liebe AutorInnen und LeserInnen dieses Blogs,

    vorab gesagt: Vielen Dank für Ihr Feedback! Ohne kritische Stimmen gibt es keine Entwicklung, keinen Fortschritt, keine Verbesserung, kein Umdenken in der Gesellschaft. Ich freue mich daher sehr, dass die Schlaue Box schon vor ihrem Erscheinen mit so großem Interesse diskutiert wird.

    Welche Tools die Schlaue Box beinhaltet, wird erst Anfang 2017 offiziell mit der Markteinführung bekanntgegeben. Sie dürfen mir aber glauben: Es ist mir ein enorm hohes Anliegen, mit der Schlauen Box eine Sammlung an Werkzeugen anzubieten, die vielen Kindern helfen kann, ihren Alltag im schulischen oder sozialen Alltag besser zu bewältigen.

    Um einige der in diesem Forum aufgegriffenen Fragen zu beantworten, möchte ich Ihnen meine Sichtweise darlegen.

    Der Artikel
    Der Artikel wurde nicht in einem Fachmagazin publiziert, sondern von einem Redakteur des Bezirksblattes verfasst. Er ist an eine möglichst breite Leserschaft gerichtet. Ich bitte daher um Nachsicht, dass der Artikel sehr vereinfacht formuliert wurde. Aber: Die Welle an Interesse, die dieser Artikel ausgelöst hat, war enorm! Ich bin selbst noch immer sprachlos und überwältigt von der Flut an Zuschriften, die mich seither erreicht hat. Darunter gibt es vorwiegend positive Stimmen, naturgemäß werden aber auch einige skeptische Fragen gestellt. Das ist gut so und bringt die Entwicklung der Schlauen Box voran!

    Kennst Du einen Autisten, kennst Du genau einen Autisten.
    Exakt das ist auch mein Zugang zu diesem Thema. Jede Autistin, jeder Autist hat im Alltag andere Hürden zu bewältigen. Die Schlaue Box ist das Ergebnis aus meiner langjährigen Forschungsarbeit in diesem Bereich, dem regelmäßigen Austausch mit Fachexperten, Therapeuten und PädagogInnen und aus meiner eigenen Arbeit mit autistischen Kindern. Vor allem aber bin ich auch Mutter eines autistischen Sohnes. Das Thema Autismus begleitet mich also an jedem einzelnen Tag in meinem Leben. Seit vielen Jahren beschäftigt mich rund um Uhr die Frage, was man tun kann, um den Betroffenen eine Hilfestellung zu geben, wie man PädagogInnen auf den Umgang mit diesen Kindern besser vorbereiten kann und wie man Eltern helfen kann, ihr Kind besser zu verstehen und zu fördern.

    Die Lösung
    Was die Schlaue Box nicht ist: Ein Weltallerheilmittel, das alle Probleme mit einem Schlag wegzaubert. Aber sie hilft. Konkret, gezielt und nachhaltig. Das liegt daran, dass in die Entwicklung viele autistische Kinder einbezogen wurden. Tatsächlich basieren viele der Inhalte auf Anregungen, die direkt von betroffenen Kindern kamen. Erweitert wurden die Inhalte durch den Input von FachexpertInnen.

    Die Schlaue Box ist nicht die Erfindung einer Einzelperson, sondern das Thema wird von vielen Seiten beleuchtet. An ihrer Entstehung haben schon jetzt unzählige Menschen mitgewirkt, die mit dem Thema Autismus vertraut und erfahren sind.

    Und: Die Schlaue Box ist erst der Anfang. Sie ist ein Konzept, das wie ein Baukasten über die Zeit wachsen soll. Ziel ist, eine an Erfahrungen und Anregungen reiche Schatztruhe zu entwickeln, auf welche die Kinder, Eltern, Pädagogen und Therapeuten im Bedarfsfall zurückgreifen können, um eine Lösung für eine Situation zu finden.

    Die Schlaue Box richtet sich daher nicht nur an Kinder selbst.
    Sie hilft vielmehr auch Pädagogen und Eltern, die Denkweise des Kindes besser zu verstehen. Mit den angebotenen Werkzeugen sowie Tipps und Tricks für die Praxis, sollen Verständnis geweckt und eine Erleichterung für alle Seiten bezweckt werden. Ziel ist, den Stress aus Situationen herauszunehmen, die den Kindern Schwierigkeiten bereiten.

    Pädagogisch wertvolle Werkzeuge
    PädagogInnen haben meine volle Hochachtung und Bewunderung. Denn es gehört unheimlich viel Erfahrung, Kraft und Ausdauer dazu, jedes Kind in der Klasse dort abzuholen, wo es in seinem fachlichen Wissen steht und individuell zu fördern. Das gilt umso mehr für den Umgang mit autistischen Kindern. Viele PädagogInnen sind über die Jahre mit der Frage an mich herangetreten, wie sie diese Kinder besser verstehen und leiten können. Ihre Bedürfnisse und Erfahrungen aus der Praxis haben daher großen Einfluss auf die Entwicklung der Schlauen Box genommen.

    Die Brille der Wahrnehmung
    Der oben erwähnte Vergleich mit der Brille gefällt mir sehr gut. Denn jedes dieser Kinder nimmt seine Umwelt anders wahr. Visuell, akustisch, sensorisch. Die Schlaue Box ist daher keinesfalls eine Brille mit der Stärke X, die für alle passen soll. Sie besteht vielmehr aus der Brillenfassung und einer Sammlung verschiedener Linsen, durch die der Blick auf die jeweilige Situation individuell und ganz nach Bedarf geschärft werden kann.

    Regeln und Strukturen
    Viele Autisten, nicht alle, können ihren Alltag leichter bewältigen, wenn er nach individuellen Regeln und Strukturen abläuft. Werden diese Rituale unterbrochen oder gestört, so erzeugt dies tiefes Unbehagen, man fühlt sich aus der Bahn geworfen. Die Schlaue Box beinhaltet daher eine Strukturtafel und bietet zudem die Möglichkeit, die Strukturen in visueller Form für alle (Kind, Eltern, PädagogInnen) sichtbar festzulegen. Ein Blick auf die Tafel verrät, welcher Ablauf am Tagesplan steht. Das gibt Sicherheit, Halt und Struktur. Das Kind wird so nicht plötzlich von einer Änderung überrascht. Es erfährt schon im Vorhinein, welche Änderung der Tag bringt, wie zum Beispiel der Wechsel in ein anderes Klassenzimmer oder ob die eine Gruppen- oder Einzelarbeit am Plan steht. In der Schule ist der Ablauf weitgehend durch den Stundenplan bestimmt. Im privaten Umfeld steht mehr die Abfolge der Tagesaktivitäten im Vordergrund. Die Regeln lassen sich natürlich individuell anpassen und ergänzen.

    Unterstützung für Autisten im Unterricht
    Auch in diesem Punkt stimme ich vollkommen überein: „Ja, absolut und jederzeit. Aber angepasst an den Einzelfall. Immer individuell, nie generisch.“

    Große Erwartungen
    Die Erwartungen an die Schlaue Box sind schon jetzt – noch Monate vor ihrem Erscheinen – sehr hoch. Das liegt daran, dass viele Eltern, PädagogInnen und Therapeuten sehnlichst auf geeignete Werkzeuge warten, entsprechende Angebote dazu aber äußerst spärlich und verstreut sind. Mit der Schlauen Box liegt nun erstmals ein Sammlung vor, in der viele Werkzeuge, Tipps und Tricks in gebündelter Form vorliegen.

    Anregungen
    Der Deckel der Schlauen Box ist nicht versigelt, sondern offen. Ich bin für jede Idee, mitgeteilte persönliche Erfahrung oder fachlich fundierte Anregung dankbar. Denn hinter der Schlauen Box steht vor allem eine große Vision: Eltern zu helfen, ihr Kind besser zu verstehen. PädagogInnen zu unterstützen, das Kind besser zu fördern. Die Gesellschaft wachzurütteln und für das Thema Autismus zu sensibilisieren. Vor allem aber: Kinder in ihren Stärken zu stärken, ihnen Freude am Lernen zu vermitteln und sie dabei unterstützen, die an sie gestellten Herausforderungen nach Möglichkeit aus eigener Kraft erfolgreich zu meistern.

    Ich freue mich auf Ihre persönliche Zuschrift an
    petra.ott@molemental.com

    Gerne halte ich Sie über die Fortschritte der Schlauen Box auch am Laufenden

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