Normalerweise finden Reenactments an den Jahrestagen der dargestellten Ereignisse dar. Da die meisten Reenactors voll berufstätig sind (je nach Rolle muss es kein teures Hobby sein, aber kostenlos ist es nie), und ja auch die Zuschauer Zeit haben sollten, werden sie zumeist auf das vorhergehende oder das folgende Wochenende gelegt.

Da aber ein spanischer oder portugiesischer Sommer wirklich sehr heiß werden kann, und da kaum jemand Lust hat, sich das dann anzutun – historische Kleidung bedeutet in dem Fall für die Soldaten und Offiziere: lange Unterhosen, Strümpfe, Hose aus Leinen oder (vorzugsweise) Wollstoff, Unterhemd, Hemd (hoher Kragen, Ärmel bis zu den Handgelenken), Weste, Jacke und unter Umständen zweite Jacke, Schal oder Halstuch. Die Damen haben es nur unwesentlich besser, auch Kleider sind bodenlang, Unterrock und Unterhemd müssen sein, etc. Wir Feldchirurgen haben es noch relativ gut getroffen, denn aufgrund unserer eher unsauberen Arbeit dürfen wir auch „in Hemdsärmeln“ (also ohne Jacke) und unter Umständen sogar nicht zurückgekrempelten Ärmeln arbeiten. Dafür tragen wir zum „amputieren“ dann schon mal Lederschürzen, die Dinger sind auch recht schwer. In jedem Fall: Kaum jemand möchte freiwillig unter so vielen Lagen Stoff bei über 35 Grad das Wochenende verbringen, und auch noch fast durchgängig aktiv sein dabei.

Und so finden eben nur die „runden“ Jubiläen wirklich im Sommer statt, während die „kleinen“ Jahrestage auf die kühlere Jahreszeit verschoben und eben im Voraus begangen oder nachgeholt werden. Wenn dann noch ein Veranstaltungsort mehrere Schlachten ausrichten muss oder möchte, und man für alle passende Termine finden muss… dann kann es schon mal passieren, dass man Badajoz eben auch mal in einer anderen Jahreszeit verteidigt, obwohl es im April eigentlich noch gar nicht so sehr heiß gewesen wäre. Da fand halt gerade was anderes statt.

Es ist auch eigentlich gar nicht so schlimm, dem ziemlich trüben Deutschland und nicht minder trüben Belgien mal ein Wochenende zu entkommen, denn in Spanien ist das Wetter noch ganz nett.

Badajoz liegt am Rio Guadiana in Extramadura, und wäre die Stadt ein winziges bisschen weiter Westlich, könnte man über die portugiesische Grenze spucken. Oder in anderen Worten: Der Flughafen von Badajoz ist deutlich weiter von Badajoz weg als Portugal. Nebenbei wird dieser ausschließlich von Madrid aus bedient, nur mit einer einzigen Fluglinie, und nur an Wochentagen. Nach längerem Hin und Her, abwägen von Zug oder Nicht-Zug oder doch tatsächlich Flug nach Portugal und dann Anreise von dort, entschieden wir uns schließlich für einen Flug nach Madrid und dafür, die letzten ca. 350 km dann per Mietwagen zurückzulegen.

Das ging soweit auch ganz gut. Flug ereignislos, wir flogen in zivil. Oft ist es so dass irgendjemand aus der Truppe die ganze Strecke mit dem Auto fährt, um größere Ausrüstungsteile wie Zelte usw. zu transportieren. Dort kann man dann die Kostüme mitgeben und sie sich vor Ort wieder abholen. Das hat seine Vorteile. Kann man das nämlich nicht, tut man gut dran, in vollem Kostüm zu fliegen, denn ein Verpacken und Flugzeugtaugliche Koffer/Taschen überlebt die Ausrüstung eher weniger. Das wiederum führt dann zu interessanten Situationen mit den Mitreisenden. Dazu aber ein Andermal.

Wir treffen also am späteren Freitagnachmittag in Badajoz ein, was in Spanien noch gar nicht so sehr spät ist – da die Spanier gerne Mittags etwas länger Pause machen und dann länger in den Abend aktiv sind. Hat auch was mit dem Wetter zu tun.

Da wir zu den Verteidigern gehören, haben wir nicht viel Arbeit. Die Briten und Portugiesen bauen vermutlich gerade ihr Lager vor der Stadt auf… Wir beziehen mal in aller Ruhe unser Quartier. Streng genommen sollte ich ja so rollenmäßig nicht mit meinem Mann zusammen untergebracht sein, aber hier nehmen wir es aus rein praktischen Gründen etwas weniger genau. Er: Chef unserer Truppe, und häufig noch Koordinator für mehrere andere Truppen – Ich: Habe einen „Nebenjob“ als Nachrichtenübermittler, Bote und in der Koordination mit unseren englischen Kollegen.

Unser Gepäck ist schon da, also verwandeln wir uns mal schnell in unsere Gegenstücke aus dem 19. Jahrhundert. Beim Abendessen mit den Koordinatoren der anderen Gruppen folgt die erste kurze Besprechung des Wochenendes. Zwei Schlachten am Samstag, Parade am späten Nachmittag, Sonntags noch Hochzeit, an der wir ausnahmsweise teilnehmen dürfen. Klar, Belagerung von Badajoz ohne nachfolgende Hochzeit geht nicht, auch wenn im Original bestimmt keine französischen Offiziere eingeladen waren. Wir bekommen die Pläne für die erste Samstagsschlacht, die nicht historisch korrekt ist sondern rein der Publikumsbelustigung dient, um uns diese in Ruhe anzuschauen und am Morgen noch letzte Fragen klären zu können. Die Headsets werden geprüft – Sehr anachronistisch tragen die höheren Offiziere nämlich meist einen Knopf im Ohr und ein Mikro am Kragen, um sich bei der Schlacht koordinieren zu können.

Dann löst sich die Versammlung auf, und wir lassen uns noch den Weg zum Stall beschreiben, wo wir tatsächlich noch jemanden antreffen, und unser Leihpferd in Empfang nehmen können. Da Leihpferde nicht in unendlich großer Menge zur Verfügung stehen, haben wir nur eines bekommen – für den Herren Offizier. Der Feldchirurg wird wohl zu Fuß unterwegs sein müssen.
Die nächsten zwei Stunden werden damit verbracht, das Sattelzeug zu prüfen, das Pferd zu striegeln, aufzusatteln und mal eine Runde probezureiten.
Fazit: Pferd soweit auf dem Platz zu beurteilen vollkommen OK. Laut Aussage des Stallpersonals auch an Schlachtenlärm gewöhnt. Ein bisschen lustig sieht es ja aus, da das Pferd etwas klein geraten ist für ihn, aber es macht nicht den Eindruck, als würde es seinen Reiter als unbillige Härte empfinden.

Der Freitagabend endet mit einem Bummel über den obligatorischen Markt, der die meisten Reenactments begleitet, der zu einem kurzen Meet and Greet mit Bekannten wird, die man immer mal wieder auf Veranstaltungen trifft. Aber wirklich nur kurz – denn spätestens um 6:30 ist für uns am Samstag die Nacht zu Ende, und etwas Schlaf sollten wir doch bekommen…

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8 Gedanken zu “Belagerung von Badajoz – Reenactment (Teil 1)

    1. Es kommt oft genug vor, dass die Security am Flughafen nur fragt wo’s denn hingeht. Die Mitreisenden finden es aber oft wahnsinnig interessant und müssen einem dann unbedingt ein Gespräch aufdrängen. Manchmal nett, manchmal einfach zum schießen und manchmal möchte man sich einen Tisch suchen um mal hart mit dem Kopf auf die Platte zu schlagen.

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      1. Musketen und Duellierpistolen müssen entweder als Gepäck eingecheckt werden – im Handgepäck geht das natürlich nicht – oder sie fahren mit den Zelten etc. im Auto voraus. Schwarzpulver wird ohnehin nur vor Ort ausgegeben und nicht mitgenommen. Schwerter entweder auch einchecken, mit dem Auto schicken oder „schweizer“ Schwerter mitnehmen, d.h. nur Griffe, die in der Scheide befestigt werden und dann vor Ort welche leihen. Das auch gerne zusätzlich wenn man sein Schwert im Laderaum fliegen lässt, weil man so sehr dran gewöhnt ist, da einen Schwertgriff zu haben, dass die Hand sonst ständig ins Leere greift. „Schweizer“ Schwerter sind das deswegen, weil die Gesetze in der Schweiz extrem streng sind und man dort in den allermeisten Fällen auch keine Spielzeug-/Schaukampf-/Reenactmentwaffen tragen darf. Deswegen finden Veranstaltungen dort dann nur mit den Griffattrappen statt, und man muss daran denken, dass man das Schwert nicht ziehen darf, weil man eigentlich gar keines hat.

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      2. Dafür musst du dich doch nicht entschuldigen! Darüber erzähle ich doch gern (und wir haben da im Feld manchmal ganz andere Fragen…). Kurzfassen ist allerdings, wie du sicher gemerkt hast, einfach nicht Meines.

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