karton

Punkt 1: Ich kann mit Kindern eigentlich gar nicht.

Punkt 2: Ich bin katholisch aufgewachsen, aus Überzeugung aus der Kirche ausgetreten, und könnte gut und gerne den Rest meines Lebens verbringen, ohne nochmal ein christliches Fest sehen zu müssen. Weihnachten bedeutet mir erst mal grundsätzlich gar nichts.

Trotzdem packe ich alljährlich Weihnachtsgeschenke für Kinder, die ich gar nicht kenne. Die Aktion nennt sich in Deutschland „Weihnachten im Schuhkarton“ und es gibt sie so ziemlich überall. Es gibt sie auch schon recht lange.

Den ersten Schuhkarton packte ich im Studium. Eine Kommilitonin war sehr engagiert in unterschiedlichen sozialen Bereichen, und macht viel Werbung. Ihre Begeisterung war erst mal ausreichend ansteckend um das auch mal mitzumachen.

Im zweiten Jahr wurde ein Austauschstudent auf die Gruppe der Päckchenpacker aufmerksam. Was wir da machen? Schuhkartons packen. Er grinste. „Ich mach‘ mit.“ Im nächsten Moment erzählte er dann – von seinem eigenen Schuhkarton, den er vor Jahren als Schüler bekommen hatte.

Es war sicher nicht jedes Jahr einer dabei, aber wir hatten immer wieder Austausch- und Auslandsstudenten, die selbst mal auf der Empfängerseite gestanden hatten.

Ich bin sicher, es gibt viele Kinder, die diese Kartons bekommen, sich über die Sachen hoffentlich freuen (oder auch nicht) und das war’s. Aber auch Leute zu treffen, die von sich sagen – „Das Schulmaterial aus dem Karton hat mir wirklich geholfen, in der Schule weiterzumachen“ oder „Darüber habe ich überhaupt erst so richtig realisiert, wie groß die Welt ist, und angefangen, mich für andere Orte und Sprachen zu interessieren – heute studiere ich Sprachen und werde Dolmetscher“ – das sagt mir doch irgendwie, dass diese Kartons eben auch hier und da Kinder wirklich auf einer Ebene erreichen, die etwas „ausmachen“ kann. Kann, nicht muss. Aber manchmal sollte „kann“ einfach reichen. Sobald es was mit „könnte irgendwo Bildung oder Schule unterstützen“ zu tun hat, reicht mir „kann“.

Natürlich, die Kartons werden im Rahmen von Weihnachtsfeiern verteilt. Natürlich verwenden die örtlichen Gemeinden das als „Werbung“. Natürlich wird da über Jesus erzählt. Es ist Weihnachten. Wer darüber jammert, dass mit diesen Kartons missioniert würde, sollte sich vielleicht nochmal dran erinnern, was zu Weihnachten eigentlich gefeiert wird. Und doch bitte einfach selbst keine packen, wenn ihn das stört. (Wer da wirklich und ernsthaft etwas anderes zum selben oder an einem ähnlichen Datum feiert, wird es nicht „Weihnachten“ nennen.) Also ja, eine Aktion die sich Weihnachten im Schuhkarton nennt, wird wohl recht christlich angehaucht sein. Welche christliche Geschmacksrichtung genau das nun bei uns organisiert, ist übrigens zweitrangig, denn die Verteilungen vor Ort erfolgen in den dort ohnehin ansässigen Gemeinden. Da kommt nichts „Neues“, da wird auch nicht von irgendwelchen Sekten missioniert (wie mir mal jemand erklären wollte).

Bei weitem nicht alle ehemaligen Päckchenempfänger, die ich getroffen habe, würden sich heute als gläubig oder überhaupt als Christen bezeichnen. Einige erzählen aber, dass die Gemeinderäumlichkeiten für sie der einzige Ort waren, an dem sie ungestört Hausaufgaben machen, lernen, spielen konnten. Auch das haben sie teilweise überhaupt erst über diese Aktion mitbekommen. Man darf nicht vergessen, dass die Lebenswirklichkeit in den Empfängerländern oft nicht mit unserer zu vergleichen ist.

So, und da packe ich also Weihnachtspäckchen, obwohl ich mit dem Christentum nichts am Hut habe, und mit Kindern auch nicht. Meine Familie packt inzwischen auch mit.

Wir machen es noch immer ganz „traditionell“ im selbstumklebten Schuhkarton. Geschenkboxen könnte man aber inzwischen auch fertig bestellen.

Was packen wir?

Man packt für eine von sechs Gruppen – Mädchen oder Junge, Alter 2-4, 5-9 oder 10-14. Das scheint auf den ersten Blick als Gruppen ziemlich groß und schwer zu beschenken zu sein, in der Praxis ist es eigentlich gar nicht so kompliziert.

Ich habe mich mit der Leiterin der örtlichen Sammelstelle kurzgeschlossen, denn es wird regional sehr unterschiedlich gepackt. Am vorherigen Wohnort gab es immer zu wenige Schachteln für die Gruppe 2-4 – hier packen viele für die Kleinen“, aber für „Junge 10-14“ mangelt es. Wir packen also hier für die ganz Kleinen gar nicht, dafür lieber einen mehr für die Großen.

Ebenso habe ich über die Sammelstellenleiterin erfahren, dass es hier einen Strickkreis gibt, der Mützen, Schals, Handschuhe macht, die auf die Päckchen verteilt werden. Daher geben wir kein Geld mehr für diese Dinge aus, stecken das lieber in andere Sachen – außer es ergibt sich gerade zufällig, dass wir etwas sehen, das uns besonders anspricht.

Wir rechnen ca. 25 – 30 Euro für einen Karton, ich könnte aber auch problemlos für den halben Preis packen, das würde nur etwas mehr Planung verlangen.

Gruppe 2-4 klammern wir aus; In Gruppe 5-9 und 10-14 gibt es bei uns eine ganze Handvoll Sachen, die gleichmäßig in jede Schachtel kommen:

Süßigkeiten
Eine Tafel Vollmilchschokolade (zolltechnisch unbedenklich, viele Süßigkeiten sind aus unterschiedlichen Gründen gar nicht erlaubt, einfache Vollmilchschokolade ist so ziemlich das sicherste)

Hygieneartikel
Eine Zahnbürste und eine Tube Zahnpasta
Mädchen: Haarbürste, Jungen: Kamm.
In die Mädchenpakete legen wir noch ein Päckchen Haargummis/Haarspangen, vorzugsweise nicht rein-rosa (heuer war das Angebot einfach miserabel, verkauft denn kein Laden mehr unterschiedlich gefärbten Haarschmuck?!).
(Sachen wie Seife sind nicht gewünscht, weil dann oft das ganze Paket danach riecht. Irgendwie verständlich.)

Musikinstrument
Mundharmonika oder Blockflöte. Wäre das erste, was ich weglassen würde, wenn ich den Preis verringern wollte. Blockflöten passen übrigens nur in die allerwenigsten Kartons mit einigermaßen akzeptablen Abmessungen, also erst Karton messen, dann Flöte kaufen.

Dann geht es weiter mit:

Schulsachen
In jedes Päckchen kommt bei uns:
1) Schulhefte, kleiner Collegeblock oder leeres Buch
2) Bastelschere
[3) Packung Bleistifte, Radiergummi und Spitzer
4) Packung Filzstifte oder Fineliner
5) Kugelschreiber oder Gelstifte
6) Geodreieck und Lineal
7) Packung Buntstifte]
ODER Punkt 3-7 ersetzt durch ein komplett gefülltes Federmäppchen. Die Dinger sind normalerweise eher teuer und gehen hier im Rahmen unseres Budgets auch nur deswegen, weil wir einen kleinen Schreibwarenladen am Ort haben, der uns die gepackten Federmäppchen für einen symbolischen Betrag zur Verfügung stellt. Da ist neben den obigen Sachen jeweils noch ein Füller und ein Vorrat an Tintenpatronen mit drin. (Heuer waren keine Geodreiecke mit dabei, die haben wir dann lose beigelegt).
Die jüngere Gruppe bekommt dann noch jeweils eine Packung Wachsmalkreiden dazugepackt, die älteren einen Zirkel, und wenn wir welche bekommen haben, einen kleinen Solartaschenrechner.

Kleidung
Da bei uns, wie gesagt, Gestricktes ohnehin in großer Menge da ist und zugepackt wird, nehmen wir Handschuhe, Schals, Mützen nur mit, wenn uns etwas wirklich ins Auge springt. Was wir aber einpacken, ist jeweils eine Packung warme Socken und oder/Thermoleggins/Strumpfhose

Spielzeug
Bei mir kommt zunächst in jedes Päckchen ein Wurliwurm. Kennt ihr den noch? Das war dieser Wurm mit dem Nylonfaden… es gibt von mir keinen Karton ohne Wurli. Ohne anderen Grund als „weil ich das so will“. Es wird zunehmend schwerer, die Tierchen im Laden zu finden, Amazon verkauft sie zum Glück für ca. 3 Euro im Sechserpack, einzeln abgepackt und damit gut geeignet.

Dann wird aufgefüllt.
In die Mädchenkartons was zum Handarbeiten: Freundschaftsarmbänder, Miniwebrahmen, Strickliesl, was wir halt gerade bekommen;
In die Kartons der Älteren irgendein Knobel- oder Geduldspiel, das möglichst selbsterklärend ist, und bei dem man keine Anleitung verstehen muss… Ein Favorit bei mir ist das gute alte Tangram, war bei uns immer ungeschlagen im Beschäftigungsfaktor; wahlweise Solitaire oder etwas Ähnliches.
Je nach übrigem Platz: Ein Spiel für zwei oder mehr, für die Älteren nehme ich gerne Domino, für die Jüngeren mag ich den Packesel gern.
Aufgefüllt mit Straßenmalkreiden, kleiner Drache (die Sorte zum Drachensteigen lassen, nicht die mit dem Feuerspucken), diese… wie heißen sie denn? runde Propeller, die man auf ein Dings mit Schnur steckt, und wenn man an der Schnur zieht, hebt der Propeller ab?, kleines Puzzle, etc. Sehr stark abhängig davon, was gerade so verkauft wird.
Wenn genug Platz im Karton ist UND wir schöne aber nicht zu teure bekommen haben: ein kleines Kuscheltier.

Damit ist so ein Karton am Ende eigentlich ziemlich gut voll, ein kleines bisschen Luft lassen wir für das Zupacken der Stricksachen.

Jedes Jahr verschätzen wir uns mit dem Einkauf und haben am Ende noch Sachen übrig – die stecken wir in eine Tüte und geben sie mit ab, zum Zupacken, da es immer Leute gibt, die entweder nur halb gefüllte Kartons abgeben oder Inhalt hatten, der in der Sammelstelle entfernt wird (batteriebetriebene Sachen, zollrechtlich nicht zulässige Gegenstände, Kriegsspielzeug, gebrauchte Sachen, etc.). Ja, es wird wirklich jeder Karton geöffnet und geprüft, und das ist auch gut und leider notwendig so.

Was es von mir nicht gibt, ist der persönliche Gruß oder das Foto, das viele Leute beilegen. Ich möchte für den Empfänger absolut anonym bleiben, ohne irgendeine „persönliche“ Verbindung, egal, wie gering die wäre. Ich will weder meinen Namen, noch mein Bild hergeben. Sobald der Karton an der Abgabestelle die Hand wechselt, habe ich damit nichts mehr zu tun.

A propos Abgabestelle… Abgabeschluss ist nächsten Dienstag, sollte jemand noch einen gepackten Karton zu Hause stehen haben, sollte er ihn jetzt schnell genau dahinbringen!

k5

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8 Gedanken zu “Ich packe meinen … Schuhkarton?

    1. Ich kannte es aus der Schule gar nicht, ich glaube dafür bin ich dann doch zu alt, das „war einfach noch nicht“. Bei meinem sehr, sehr viel jüngeren jüngsten Bruder haben sie in der Schule wohl Kartons gepackt, aber da wohnte ich schon nicht mehr zuhause, und weiß auch nicht, ob das aus dem Religionsunterricht oder von einem anderen Lehrer ausging.

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