Park Laxenburg, Ritterfest.

Wo Ritterfest draufsteht ist auch Ritterfest drin. Es ist, zumindest aktuell, kein typischer Mittelaltermarkt. Der Turnierplatz auf dem es zuvor stattfand wird momentan renoviert, der aktuelle Veranstaltungsort ist eher überschaubar. Der Platz ist sehr gut ausgenutzt, der Aufbau gut durchgeplant. Gewandete sieht man nur wenige. Das ist auch gut so, denn ich habe nichts Passendes dabei.

Parken wäre theoretisch direkt vor dem Park möglich, es ist dann allerdings noch ein guter Fußmarsch durch den Park. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann mit der parkinternen Bimmelbahn fahren. Da wir allerdings nahe genug logieren haben wir kein Auto dabei.

Der Eintritt bewegt sich so im unteren Mittelfeld, allerdings muss man für den Parkeintritt extra zahlen. Addiert man beide Preise, ist es aber immer noch okay. Wer Pause braucht, kann das Gelände verlassen und später wiederkommen, Eintritt wird nur einmal fällig. (Für den Park nicht, wer den Park verlässt, zahlt beim Wiederbetreten erneut.) Wochenendkarten gibt es allerdings nicht, wer an beiden Tagen kommen möchte, zahlt auch an beiden Tagen Eintritt.

Die Stände sind sehr stark sortiert. Essen rechts, diverser Kleinkram links, Darsteller halblinks um die Ecke. Wirklich als „Lagerleben“ kann man den Bereich nicht bezeichnen, aber es sind ein paar Vereine da, die ihre Zelte aufgeschlagen haben.

Durch die strenge Aufteilung drängt sich zu bestimmten Uhrzeiten alles bei den Essenszelten. Die Schlangen werden dann sehr lang. Gleichzeitig hat man aber auch am anderen Ende den Markt fast für sich, wenn man dem Gewusel entgehen will. Selbst zu Stoßzeiten konnte man noch gut einen Sitzplatz unter dem Zelt bekommen, was aufgrund der Sonnenstärke auch dringend notwendig war.

Die Unterhaltung ist dem kleinen Gelände angepasst. Verteilt auf drei Örtlichkeiten –Bühne, abgezäunter „Turnierplatz“ und „Kinderlager“, und nie mehr als eines gleichzeitig. Sehr angenehm, dadurch entfällt die zusätzliche Beschallung von hinten durch parallel stattfindende Konzerte, die mich auf großen Mittelaltermärkten oft stört.

Musik: rhiannon; österreichische Band, vier Personen, historische Instrumente, Lieder historisch und Folk. Sprachen und Kulturkreise gemischt. Zwischenrein wird erzählt, aber nicht zu viel. Das ganze findet unplugged und ohne große Lautsprecher statt, wodurch man selbst direkt vor der Bühne einen gut erträglichen Klang hat.

Speis‘ und Trank: Von modern und vertraut, für Omnivoren ebenso wie für Vegetarier geeignet, bis zu typisch Mittelaltermarkt alles vertreten. Es sollte jeder was finden. Die Schlangen schwanken von nicht vorhanden bis sehr lang, aber man muss ja nicht grade dann was essen. Zum Nachtisch gebrannte Mandeln und kandierte Früchte in großer Auswahl, wer’s moderner mag, bekommt Softeis. Getränke ebenfalls breit in der Auswahl, von Dingen, die jedem bekannt sein sollten (Apfelsaft, Wasser, Bier, Limo) bis Met. Da ich in meinen Tagen im Mittelalter-Reenactment meine große Liebe zu vielen heute im kulinarischen Einsatz eher ungewöhnlichen Pflanzen entdeckt habe, freue mich besonders über die Brennnessel-„Limonade“. Ein Mokkazelt gibt es auch.
Am Ende wurden es für mich Bratkartoffeln und Holundersaft. Beides war hervorragend, der Saft gut gekühlt (Becherpfand ist mit 6 Euro nicht billig, es werden aber auch mitgebrachte Trinkgefäße gefüllt) und die Kartoffeln nicht übermäßig gesalzen.

Gaukler: Drei Jonglage-Acts. Wir kamen leider nur dazu, uns „Gaukler Alex“ anzusehen. Sein Programm ist klar für Kinder gemacht, aber auch so unterhaltsam.

Rittershow: Kreuzritterduell und Ritterturnier; Das Turnier mit sechs berittenen Rittern einer böhmischen Showtruppe findet jedes Jahr in leichter Abwandlung statt. Hier nur das Ende gesehen, die Witze sind größtenteils aus den Vorjahren recycelt, aber die Show (Schwertkampf, Lanze, Bogenschießen, Ringreiten, Tjost) ist durchaus sehenswert.

Dienstleister:

Massagezelt: Die Dame sehe ich auf diesem Markt nicht zum ersten Mal. Sie bietet Fuß- oder Rückenmassage an, hat ihre Qualifikationen bei der Hand. Ich habe Dauerprobleme u.a. mit extrem verspannten Muskeln in der Schulter und gab ihr vor einigen Jahren erstmalig die Gelegenheit, zu beweisen, dass Sie da „durchkommt“. Tut sie, also durfte sie erneut Hand anlegen. Sehr gut, jederzeit wieder. Jeder Masseur, der bei mir irgendeinen Knoten aus der Schulter bekommt, verdient sich einen Orden. Geld sehr gut angelegt.

Kartenlegerin: Ich finde das ja an sich wahnsinnig unterhaltsam. Nicht, weil ich dran glauben würde – würde ich das, würde es mir wohl wesentlich weniger Spaß machen. Ich sehe ihnen aber gerne bei der Arbeit zu, auch der Reaktion, wenn meine Reaktion nicht ganz so ausfällt, wie sie es sich erwarten, oder sie eben aus mir nicht die Hinweise bekommen, die sie normalerweise verwenden würden um zu entscheiden, wie sie weitermachen. Meine Mimik und Gestik ist eben sehr reduziert, wenn ich sie nicht absichtlich einsetze. Manche fangen sich dann sehr schnell, ich wurde auch schon darauf angesprochen, ob ich das absichtlich machen würde/trainiert hätte…Diese Frau „Myrabell“ kam damit gar nicht klar und brach das ganze sehr schnell ziemlich beleidigt (entnehme ich ihren Aussagen) ab. Naja. Kann man machen, dafür bekommt man aber keine Empfehlung. Nicht mal „nur so zum Spaß“, und zum wirklich glauben erst recht nicht.

Für Kinder: Kinderritterschlag (mit „Ritterkurs“ zuvor) – soweit ich gesehen habe gehen die Leute wie jedes Jahr sehr schön auf die Kinder ein, auch auf die, die sich nicht so sehr viel (zu)trauen.
Außerdem, immer wieder nett zuzusehen, Mäuseroulette.
Es gibt weitere Kinderaktivitäten, beim Kinderschminken wird mir schon vom Zuschauen ganz anders, weil ich so absolut kein Geschmier im Gesicht ertrage, da passe ich also schon mit Absicht nicht auf. Außerdem ein paar Bastelstellen.

Markt: Auswahl gut gemischt. Typische Mittelalterstände gemischt mit lokalen Produkten. Neben den Süßigkeitenständen gibt es Käse aus der Region (an diesem Tag leider mit wenig Auswahl, aber Versprechen, am nächsten Wochenende mehr mitzubringen), sowie Marmelade – ebenfalls aus der Region. Trinkhörner, Gewandung, Waffen, Felle und Leder decken den Mittelalterbereich ab, Spielzeug, andere Trinkgefäße, Schmuck den Fantasybereich und Mineralien und Fossilien gibt es auch. Alles in Allem ist die Auswahl für die geringe Anzahl an Ständen sehr gut gemischt, jeder sollte etwas finden.

Zwei Punkte noch: Mülleimer, oder hier in Österreich eher: Mistkübel, gibt es in ausreichender Menge und gut verteilt, es muss kein Müll auf den Boden geworfen werden und das Gelände bleibt auch gut sauber. Ein zweiter Toilettenwagen hätte aber nicht geschadet, man muss mit längerem Anstellen rechnen.

Fazit: Würde ich empfehlen, egal ob mit Kind oder ohne. Auch wer sich nicht sicher ist, ob „Mittelaltermarkt“ etwas für ihn ist, könnte hier gut einen ersten Eindruck bekommen. Die Lärmsituation hält sich in Grenzen, trotz Steckerlfischbrater keine Geruchsbelästigung, und die Menschenmassen kann man umgehen, da sich die Ansammlungen periodisch in einzelnen Bereichen bilden, während andere Teile des Markts eher leer bleiben.

 

Auf dem Rückweg Zwischenstopp im Eissalon Laxenburg.

Trotz riesiger Theke muss man unter Umständen länger anstehen, um Eis zum Mitnehmen mitzunehmen. Dieser Eissalon ist sehr beliebt, und mit gutem Grund, würde ich sagen.

Das Eis ist hervorragend. Viele Eissorten sind ständig im Angebot, weitere periodisch verfügbar. Laktosefreie Eissorten sind in großer Auswahl vorhanden und in der Karte schnell findbar markiert.

Das Innere ist sehr hell, und es ist fast unmöglich, andere Gäste auszublenden. Für mich eher etwas ungeeignet, aber nicht so schlimm, dass ich mich nicht reinsetzen würde. Vor allem die Tische in der kleinen Seitennische nahe der Theke sind OK.

Bedienung erscheint schnell und ist sehr freundlich. Unter den fertigen Eisbechern auf der Karte gibt es leider nur einen, den ich esse, aber erstens reicht das ja, und zweitens hat hier auch niemand ein Problem mit Umbestellungen. Die Bestellungen werden so aufgenommen, dass ein Verwechseln oder Vergessen unwahrscheinlich ist (Ich habe den Eisbecher sogar einschließlich der Änderung auf der Rechnung). Das Personal ist sehr aufmerksam wir können am Ende sehr zügig bezahlen.

Fazit: Jederzeit zu empfehlen, wer in Laxenburg Eis essen will… Hier wäre eine gute Idee.

 

 

Gelaufene KM: 12,3

Advertisements

11 Gedanken zu “Urlaubsreview – Tag 1

  1. Wow wahnsinnig viele Eindrücke. Ich mag ja solche Märkte sehr gerne, sehe mir gerne die Ritterspiele an, schon wegen der schönen Pferde, ausserdem mag ich so alte Kampftechniken.
    Am besten finde ich die Stelle bei der Kartenlegerin, Menschen lassen sich so gut manipulieren und merken es nicht.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich habe zu Unizeiten auf solchen Märkten gearbeitet. War immer ganz toll, aber trotzdem nichts, was ich nochmal wieder machen würde.
      Als Besucher bin ich noch immer sehr gerne dort, lediglich die zum MPS gehörenden Veranstaltungen meide ich.
      Ich habe auch vor Jahren etwas mittelalterlichen Schaukampf betrieben und noch ein Schwert zuhause, das ich mir damals anfertigen ließ – ich bin eben relativ klein, die meisten Waffen „von der Stange“ sind mir zu groß. Heute ist das aber nur noch Deko. Den streng genommen nicht mehr mittelalterlichen englischen Quarterstaff kann ich aber noch führen. Das war immer meine Lieblingswaffe.
      Alles mit direktem Körperkontakt schaue ich mir lieber nur an. Fechten vom Pferd aus würde ich unheimlich gerne mal lernen.

      Warst du schon mal in Worms auf dem Spectaculum im Wäldchen? Das ist seit Jahren mein Lieblingsmarkt, und ich könnte stundenlang einfach nur den Tinkern zuschauen, das sind so wunderschöne Pferde.

      Gefällt 1 Person

      1. Worms ist für mich leider zu weit weg, bis darunter komme ich nie.
        Selbst ein Schwert führen kenne ich nicht, ist vielleicht auch eher Männersache, aber fechten würde ich gerne mal probieren.

        Gefällt 1 Person

      2. Ja, ich habe immer Männer dargestellt, sowohl damals im MA, als auch heute im Napoleonischen. Frauen liegen mir so gar nicht. (Ich habe kein Problem damit eine zu sein, aber mit der europäisch-historischen Frauenrolle kann ich nichts anfangen.) Problematisch war das eigentlich immer nur bei zwei Sachen: Schwert in der passenden Größe finden, und Handschuhe finden, die mir so gut passen, dass ich sie für einen Auftritt ertragen kann. Wobei ich tatsächlich schon Männer getroffen habe, die kleiner waren als ich, also hätte ich DIE Probleme als Mann eventuell auch.

        Gefällt 1 Person

      3. Das würde ich so uneingeschränkt unterschreiben!
        Boxen, wow. Alles mit direktem Körperkontakt traue ich mich nicht. Ist vielleicht albern, aber ich habe da immer Angst, dass ich mal die Beherrschung verliere (knapp davor ist mir schön öfter mal passiert…) und möchte auf keinen Fall irgendetwas einüben, das das Risiko erhöht, jemanden zu verletzen.

        Gefällt mir

      4. Du, der Körperkontakt beim boxen ist relativ kurz *grins* Mache das auch schon sehr lange nicht mehr und ausser in Notwehr oder man schneidet mir den „Fluchtweg“ ab, neige ich sowieso nicht dazu jemanden zu verletzen. Meine Beherrschung ist sehr gut, ich neige eher zur Dissoziation, verschwinde in mir selbst, sehr angenehm.

        Gefällt 1 Person

      5. Sehr angenehm, in der Tat! Ich kann das in „reizenden“ Situationen leider gar nicht. Normalerweise sollte ich mich inzwischen auch gut genug beherrschen können, mein letzter „Ausraster“ mit Körperkontakt ist knapp 20 Jahre her. Auch rückblickend sage ich noch, der Empfänger hatte ihn verdient. Er hat sich auch nie drüber beschwert. Er wusste auch, dass er es verdient hatte… trotzdem bin ich lieber vorsichtig.
        Dissoziieren kann ich nur in Reaktion auf Unterforderung/Langeweile/fehlende Stimulation. Statt dass mir einfach nur „fad“ ist, trete ich dann gleich komplett weg.

        Gefällt mir

      6. Das ist ja auch eine ganz andere Situation. Früher konnte ich auch ganz gut mal ausrasten, weil ich in vieles reingezwungen wurde. Jetzt ist das bestimmt 25 Jahre her, was einfach daran liegt, dass ich heute kaum noch in solche Situationen komme, wo ich mich nicht entziehen kann. Im Grunde besteht das Verhalten ja in erster Instanz aus Flucht, wer mich also durch festhalten daran hindert und sich dadurch eine einfängt muss sich ja nicht beschweren und tut mir auch nicht leid.
        Ich mag es generell nicht angefasst zu werden und sage das auch.
        Langeweile kenne ich irgendwie gar nicht.

        Gefällt 1 Person

      7. Langeweile kannte ich vornehmlich in der Schule im Unterricht, aber auch an der Uni. Dort habe ich dann aber schnell gemerkt, dass es sinnfrei ist, mich in Vorlesungen bestimmter Dozenten oder mit bestimmten Mitstudenten zu setzen, die den Verkehr so sehr aufhalten, dass ständig Leerlauf entsteht. Schlechte Theaterinsenierungen sind auch so ein Kandidat, oder als ich aus irgendeinem Grund meinte, ich müsste mit zu einem Videoabend gehen, der mich eigentlich nicht interessiert hat. Das war aber definitiv ein Fall von „selbst schuld“.
        Beim Anfassen kommt es für mich ganz arg auf die Situation an, ungefragt und unerlaubt geht aber gar nicht. Da ist das Risiko, dass sich jemand eine einfängt allerdings relativ gering, weil meine Reaktion erst mal in die komplett andere Richtg – WEG – geht, da käme ich dann gar nicht mehr ran. Situationen, in denen ich nicht weit genug weg kam hatte ich zum Glück schon ewig nicht mehr.

        Gefällt mir

      8. Wir scheinen uns da ähnlich zu sein. So wie ich mir mein Leben heute eingerichtet habe, funktioniert das ganz gut, da komme ich selten in Bedrängnis.
        Schule… Uni… Das ist so ein ganz anderes Thema….

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s