Sitzen sechs Leute im Restaurant und unterhalten sich. Nee, wird kein Witz.

Eigentlich ganz normal.  Jeder hat bestellt, jeder hat was bekommen, die Bestellungen haben sogar alle geklappt, die Runde ist entspannt.

Drei Paare, bestehend aus vier Herren und zwei Damen, das jüngste Paar irgendwo zwischen Mitte und Ende dreißig, das älteste klar jenseits der siebzig, das dritte irgendwo dazwischen.

Niemand benimmt sich daneben, aber immer wieder ist zu sehen, dass jemand, der in Hörweite am Tisch vorbeiläuft, kurz sichtbar nochmal hinhört und sich seinen Teil denkt. Seit ich drauf achte, fällt mir das auch auf. Stört jetzt nicht weiter, solang keiner stört.

Dann ist da dieses Kind. Im Schätzen bin ich schlecht, aber anhand der folgenden Konversation schätze ich die junge Dame mal in den Bereich 12-13. Jünger geht schlecht und älter hätte sie, hoffe ich, Besseres zu tun als fremde Leute zu stören. Kinder sind irgendwie wie Katzen. Kann man nichts mit ihnen anfangen, kommen sie zielstrebig auf eine zu, um einen daran zu erinnern, warum.

So auch hier, denn unter sechs Optionen such sie sich ausgerechnet mich aus.

„Entschuldigung, darf ich Sie was fragen?“

Immerhin ist sie höflich. Punkt für sie, und ich nicke – kann ja jetzt auch schlecht was anderes machen.

„Sprechen Sie Latein?“

Offensichtlich, würde ich jetzt gerne sagen, hört man doch, oder?!

Der Lieblingsmann hat trotz mangelnder Deutschkenntnisse ausreichend viel mitbekommen, kennt insbesondere meine Reaktionen recht gut, und tritt mir vorsorglich unterm Tisch ans Schienbein.

Sei nett, heißt das in dem Fall. Das Kind hat dir nichts getan.

Ich nicke.

„Warum?“

„Weil wir nicht dauernd ein Wörterbuch um den Tisch reichen wollen, und das die einzige Sprache ist, die wir alle sechs können.“

Sie ist sichtbar am Denken. Dann: „Mein Lehrer sagt, wenn man Latein kann, kann man sich weltweit mit allen gebildeten Leuten unterhalten.“

Jo. Das sagte mein Lateinlehrer damals auch schon, und zwar in genau dem Wortlaut. Würde ich jetzt nicht so ganz hundertprozentig unterschreiben, aber…

„Für uns klappt das jedenfalls ganz gut. Dann grüß‘ mal am Montag den Herrn R. schön von mir.“

Sie lacht, verspricht es und geht wieder.

Jetzt wüsste ich doch gern, ob sie’s tatsächlich getan hat. Und wenn ja, von wem.

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