Meine Hände sehen gerade irgendwie aus, als hätte ich mit einem Kaktus gekämpft. Oder seit 5:30 heute Morgen geholfen, ein historisches Feldlager aufzubauen. Auf schlecht vorbereitetem Gelände, nach einer Trockenzeit, die gerade lange genug war, um diverses Gestrüpp waffenfähig zu machen – und ohne Handschuhe.

Zieh doch Handschuhe an – gehört in mindestens fünf Sprachen.
Hilft nichts, die Handschuhe bleiben, wo sie sind – in den Gürtel gesteckt. Ich kann mit Handschuhen nicht arbeiten. Irgendwas an den Händen, gerade fest genug um nicht runterzufallen, lose genug um sich ständig zu bewegen, wechselnder Kontakt, ständig Stimulation durch den Stoff – geht nicht. Ich soll ja auch noch was arbeiten, und nicht nur dastehen und verzweifelt mit den Händen wedeln.

Gummi- oder Plastikhandschuhe gehen übrigens noch weniger. Alles, was glatt und untexturiert ist, ertrage ich nur sehr kurz auf der Haut. Ich kenne Leute, die reagieren auf das Geräusch von quietschendem Styropor mit Brechreiz. Mit geht das mit Gummi-/Plastikhandschuhen ähnlich…

Also zerkratze ich mir eben bei der Arbeit die Hände.

Was daran noch etwas schwerer zu erklären ist: Es stört mich nicht.

Gut, mein Schmerzempfinden ist etwas seltsam – in manchen Körperregionen gar nicht vorhanden, in anderen verzögert, und wohl allgemein etwas geringer als im Durchschnitt.

Diese kleinen Schnitte und Kratzer an den Händen spüre ich teilweise schon (zum andern Teil nehme ich sie als das genaue Gegenteil wahr – als absolut gefühllose Stellen). Es stört mich nur nicht.

Schmerz ist bei weitem nicht das unangenehmste Gefühl, das der Körper produzieren kann. Jucken, zum Beispiel, ist deutlich unangenehmer. Sonst würden wir es ja nicht mit Schmerz überlagern (Kratzen macht genau das).

Das Gefühl, das sich bei mir einstellt, wenn ich bestimmte Texturen – oder eher fehlende Texturen – berühre ist für mich noch unangenehmer. Je mehr jetzt die im Lauf des Tages angesammelten Kratzer und Minischnitte zwischen mir und der Textur stehen, desto weniger muss ich darüber nachdenken, was ich wie lange in der Hand halten muss.

Nach dem Wochenende werde ich dann noch ein oder zwei Tage haben, in denen ich vielleicht mal alle die Sachen in Angriff nehmen sollte, die ich vor mir herschiebe, weil sich das unangenehme Gefühl dabei nicht umgehen lässt…

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